Die Gruppe Ulbricht


Ausarbeitung, 2001
3 Seiten

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Seminar für Politische Wissenschaft

Proseminar: Die politischen Parteien in der SBZ/DDR 1945-1952 Leitung: Dr. Ralf Baus

Referentin: Christiane Johag

Initiativgruppen des ZK der KPD: „Gruppe Ulbricht“ in Berlin - „Gruppe

Ackermann“ in Sachsen und „Gruppe Sobottka“ in Mecklenburg-Vorpommern

4 Arbeitsgebiete der Gruppe

- Vereinheitlichung und personalpolitische Besetzung der neuen Berliner Stadtverwaltung (Bezirks- und Zentralebene)

- Bildung von Einheitsgewerkschaften

- Rekonstruktion der KPD

„Antifaschistische Demokratie“ als Übergangsetappe von Stalin konzipiert ⇒ langfristiges Programm einer Übertragung des Sowjetsystems nicht durch vorschnelles Handeln gefährden

Vorbereitungen

Schon früh vorbereitende Schritte der KPD im Moskauer Exil

- Ziel: Unterstützung der Roten Armee beim Neuaufbau der Verwaltung; dazu ausgiebige Vorbereitung und detaillierte Planung in Moskau

- Auswertung der Jalta-Ergebnisse am 14. Februar 1945: Erkenntnis, dass die Taktik der Selbstbefreiungspropaganda wirkungslos geblieben ist

- KPD stellt sich auf Rückkehr in ein militärisch besiegtes und besetztes Land ein

- Umschwung in der Agitation: Zeitungen, Radiosender, Verbreitung von Literatur zur Aufklärung der Bevölkerung

Rekrutierung von Kadern aus drei Gruppen:

- politisch aktive Kommunisten aus dem Gebiet Moskau

- geeignete Mitglieder, die von den Kriegswirren in den Ural, nach Kasachstan usw. verschlagen worden waren

- kriegsgefangene, deutsche Kommunisten

Anfang April 1945: Vorbereitungen des sowjetischen Oberkommandos für die Berliner Operation laufen auf Hochtouren ⇒ Festlegung auf drei Einsatzgruppen der KPD:

- an der 1. Belorussischen Front für Berlin und Brandenburg

- an der 2. Belorussischen Front für Mecklenburg-Vorpommern

- an der 1. Ukrainischen Front für Sachsen und die Lausitz

- auch für die KPD-Spitze von Vorteil praktisch zeitgleich mit den Siegern nach Berlin zu gelangen: am 30. April (Tag, an dem Hitler Selbstmord beging) Ankunft 10 deutscher Kommunisten aus Moskau: Gruppe Ulbricht

Arbeitsprogramm

- 2. Mai 1945: Kapitulation Berlins ⇒ die Gruppe Ulbricht nimmt ihre Arbeit auf

- Aufgabe der Gruppe Ulbricht war durch politische Überprüfung, Um- und Neubesetzung

Stabilität in die Verwaltung zu bringen ⇒ Kaderleiter sollten nur in der Sowjetunion geschulte Funktionäre sein

- an erster Stelle standen nun der Kampf gegen Chaos, Zerstörung, moralische Depression, Hunger und Seuchen ⇒ die antifaschistische Propaganda wurde zunächst hinter die Rettung der materiellen Grundlage zum Weiterleben zurückgestellt

- Theoretische Grundlage des Aktivismus war Lenins Strategie des „Übergangs von der bürgerlich-demokratischen zur proletarischen Revolution“ ⇒ Ziel war: „schnell, neue, demokratische Staatsorgane zu organisieren und von der festen und beständigen Position der Macht her die Leitung der Dinge fest in die Hand zu nehmen“

- Vorteil für die Kommunisten war der schrittweise Neuaufbau der Kommunalorgane; Kaderauswahl und Ämterbesetzung ermöglichen von Anfang an Führungsübernahme sowohl in den Bezirksämtern als auch im Magistrat ⇒ Ulbricht: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“

- direkte Zusammenarbeit Ulbrichts mit der obersten politischen Führung der Sowjets in Deutschland; zwar selbst nicht ohne Einfluss, Entscheidungen durch die Besatzer

- Ulbricht wird zum wichtigsten Ansprechpartner für die Sowjets; garantiert die effiziente Umsetzung sowjetischer Vorstellungen in der KPD und den neu entstehenden Verwaltungsbehörden

- keine Anleitung Ulbrichts durch die Parteiführung in Moskau ⇒ Kontakt zum

Parteivorsitzenden Wilhelm Pieck sehr schlecht/Isolierung der Parteiführung bis zu ihrer Rückkehr am 1. Juli

Abschluss der Arbeit

- am 14. Mai Bestätigung des Magistrats mit dem parteilosen Oberbürgermeister Dr. Arthur Werner durch den sowjetischen Stadtkommandanten Bersarin; am 17. Mai wurde die Zusammensetzung es Magistrats bekannt gegeben; neun der sechzehn Mitglieder waren Kommunisten

- außerdem besetzten Kommunisten die Posten der Bezirksbürgermeister/Stellvertreter in 20 Berliner Bezirken und übernahmen wichtige Aufgaben beim Aufbau der Polizei

Probleme und Gegenwehr

- Umstellung der Kommunisten von Oppositionspolitik auf „Regierungsverantwortung“

- antikommunistische Einstellung in der Mehrheit der Bevölkerung

- Beschwerden über Selbstherrlichkeit und Unfähigkeit der Militärkommandanten

- Spannungsfeld zwischen den Exilkommunisten aus Moskau und den „Heimat- kommunisten“ (Antifas) aus dem aktiven, illegalen Widerstand

- Disziplinierungsmaßnahmen beginnen mit dem Verbot der Antifa-Komitees im Frühjahr 1945; Grund: potentielle Gefährdung der Machteroberungsstrategie der KPD

Ende der Gruppe

- Tätigkeit endet faktisch mit dem Befehl Nr. 2 der SMAD zur Gründung politischer Parteien in der SBZ am 11. Juni 1945

Literatur:

Frank, Mario, Walter Ulbricht. Eine deutsche Biographie, Berlin 2001.

Keiderling, Gerhard, Gruppe Ulbricht in Berlin, April bis Juni 1945. Von den Vorbereitungen im Sommer 1944 bis zur Wiedergründung der KPD im Juni 1945; eine Dokumentation, Berlin 1993.

Leonhard, Wolfgang, Die Revolution entlässt ihre Kinder, Köln 1956. Weber, Hermann, Geschichte der DDR, München 1999.

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Details

Titel
Die Gruppe Ulbricht
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Veranstaltung
Proseminar
Autor
Jahr
2001
Seiten
3
Katalognummer
V105333
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Handout zum Referat
Arbeit zitieren
Christiane Johag (Autor), 2001, Die Gruppe Ulbricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105333

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