Der Zusammenhang zwischen Taufe und Sündenvergebeung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Problembestimmung
Genügt der Glaube etwa doch nicht?
Begriffsbestimmungen

Problembearbeitung
Was sagt die Schrift?
Apg. 2,38
Apg. 22,16
1.Kor. 6,11
Hebr. 10,22
1.Petr. 3,21
Mk. 16,16
Röm. 6,3f
Zusammenfassung
Was sagt die Tradition?
Alte Kirche
Augustin
Scholastische Theologie
Martin Luther
Schleiermacher
Karl Barth
Zusammenfassung
Das gegenwärtige Verständnis der Taufe
Zusammenschau der Ergebnisse und dogmatische
Begründung des Zusammenhangs von
Sündenvergebung und Taufe

Abschließende Stellungnahme
Dogmatischer Ertrag
Praktischer Nutzen

Literaturverzeichnis

Problembestimmung

1. Genügt der Glaube etwa doch nicht?

Ein junger Mann aus den Neuen Bundesländern hatte vor der Wende in der ehemaligen DDR keine einzige Berührung mit dem Christentum. Nach der Wende lernt er den christlichen Glauben kennen und wird Christ. Er glaubt die Vergebung der Sünden „sola fide“ und „sola gratia“. Von einer christlichen Gemeinde wird ihm nun angetragen, sich taufen zu lassen. Aufgrund seiner Biographie ist ihm dieser Brauch jedoch fremd und er fragt sich, wozu das nötig sei. „Genügt es denn etwa doch nicht, wenn ich einfach ,nur‘ glaube? In Röm. 3,28 heißt es doch, daß man allein durch den Glauben gerecht wird! Wozu dieses Ritual der Taufe? Werden mir meine Sünden etwa nur dann vergeben, wenn ich getauft bin?“[1]

Hinter diesem Problemfall steckt die Frage nach dem Zusammenhang zwischen der Vergebung der Sünden und der Taufe: Braucht es die Taufe, um Vergebung der Sünden zu erlangen oder „gibt es“ Vergebung der Sünden auch für ungetaufte Gläubige? Letztendlich führt das zu der Frage: Ist die Taufe heilsnotwendig?

In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwiefern Sündenvergebung und Taufe in Zusammenhang stehen. Dabei wird die Taufe im Vordergrund der Überlegungen stehen, allerdings stets im Hinblick auf ihren Zusammenhang mit der Sündenvergebung. Andere Aspekte der Taufe (Eingliederung in den Leib Christi, Verleihung des Heiligen Geistes) werden darum außen vor gelassen, was jedoch nicht bedeutet, daß die Taufe hier auf den Aspekt der Sündenvergebung reduziert werden soll. Außerdem soll auf die Debatte um Säuglings- oder Erwachsenentaufe nicht eingegangen werden. Die Frage nach dem Zusammenhang der Taufe mit der Sündenvergebung läßt sich davon unabhängig beantworten, da dieser Zusammenhang vom Taufalter abgesehen für jeden Menschen gleich relevant ist.

Es geht also um die Taufe in soteriologischer Perspektive.

Als erkenntnisleitende Frage ist deshalb zu formulieren: Wozu braucht es im Hinblick auf die Sündenvergebung die Taufe?

2. Begriffsbestimmungen

Um deutlich zu machen, worüber im folgenden verhandelt wird, sollen vorab einige wichtige Begriffe geklärt werden.

Die Vergebung der Sünden ist „Kern der Rechtfertigungslehre“, denn sie ist „das ganze Heil“[2]. Schuld, die zwischen dem Menschen und Gott steht, wird aufgehoben und beeinträchtigt die Beziehung zwischen Gott und Mensch nicht länger.

Die Taufe ist neben dem Abendmahl eines der beiden Sakramente im Protestantismus. Sie zeichnet sich durch Einmaligkeit und damit Unwiederholbarkeit aus.

Ein Sakrament ist „sichtbares Zeichen unsichtbarer Wirklichkeit; eine heilige Handlung, die von Jesus Christus eingesetzt ist und der Gemeinde als wirksames Mittel der göttlichen Gnade dient.“[3] Charakteristisch ist für ein Sakrament, daß in einer solchen Handlung ein leibliches Element mit einem Verheißungswort verbunden ist;[4] im Fall der Taufe wäre dies also das Wasser als leibliches Element und die Seligkeit als Verheißungswort (vgl. Mk. 16,16).

Seligkeit wiederum bedeutet nach M. Luther „erlöst von Sünden, Tod, Teufel in Christi Reich kommen und ewig mit ihm leben.“[5]

In unserem Zusammenhang spielt auch der Begriff der Erbsünde eine Rolle: Er ist der dogmatische Ausdruck dafür, „daß Sünde nicht nur eine einzelne persönliche Tat, sondern auch ein überpersönliches Verhängnis, eine unentrinnbare Seinsweise ist.“[6] Diese auf Augustin zurückgehende Lehre wurde auch von den Reformatoren bejaht und übernommen (vgl. CA II).

Problembearbeitung

1. Was sagt die Schrift?

Ein Blick in einschlägige Lexikonartikel führt zu einer Fülle von Bibelstellen, die mit dem Thema Taufe zu tun haben.[7] Im Zusammenhang der vorliegenden Themenstellung sind jedoch nur solche Schriftstellen relevant, die sich über den Bezug der Taufe zur Vergebung der Sünden äußern. Anhand einer Konkordanz und mittels Querverweisen fiel die Auswahl auf Apg. 2,38; 22,16; 1. Kor. 6,11; Hebr. 10,22; 1. Petr. 3,21; Mk. 16,16 und Röm. 6,3f.[8]

Apg. 2,38

Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung euerer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes.

In diesem Text werden Taufe und Vergebung expressis verbis zueinander in Beziehung gesetzt: Petrus fordert die Hörer seiner Pfingstpredigt auf umzukehren und sich taufen zu lassen. Die Vergebung der Sünden wird dabei unmittelbar an die Taufe geknüpft. Sie erscheint als direkte Folge der Taufe oder anders gesagt: Die Taufe erscheint als die Art und Weise, Vergebung der Sünden zu erlangen: baptiscä/tw (...) ei>j a]fesin tw~n a<martiw~n. ei>j bezeichnet Absicht und Zweck des vorausgehenden Handelns. Absicht und Zweck der Taufe ist also die Vergebung der Sünden.[9] Die Taufe ist an dieser Stelle zudem verbunden mit der Umkehr (meta/noia), die Vergebung und Tilgung der Sünden zum Ziel hat.[10] Taufe und Sündenvergebung stehen als Vollzug und Resultat der Umkehr gemäß Apg. 2,38 also in direktem Zusammenhang: Umkehr kommt äußerlich zum Ausdruck, indem der Mensch sich taufen läßt und dadurch erlangt er die Vergebung der Sünden.

Apg. 22,16

Und nun, was zögerst du? Steh auf und rufe seinen Namen an und laß dich taufen und deine Sünden abwaschen.

In seiner Verteidigungsrede vor den Jerusalemer Bürgern erzählt Paulus hier in Zusammenhang mit seinem Berufungserlebnis von der Aufforderung des Hananias an ihn, sich taufen zu lassen. Dabei wird als Sinn der Taufe das Abwaschen der Sünden genannt.[11] Reinigung von Sünden ist ein durchgängiger ntl. Ausdruck für die Taufe: „Weil Gott die einzige Quelle wirklichen Lebens ist, seine Heiligkeit die Sünde aber von sich ausschließt, ist die für das (...) nt.liche Verständnis der Taufe grundlegende Vorstellung die des reinigenden Bades.“[12] Die Taufe bewirkt also eine Reinigung von bestehender Sündenschuld, um das Verhältnis des Sünders zu Gott sozusagen „ins Reine“ zu bringen; a>polou/w ist ein fester Ausdruck der Taufterminologie.[13] Es besteht also auch hier ein direkter Zusammenhang zwischen Taufe und Sündenvergebung, wobei an dieser Stelle die Betonung auf der Vergebung konkreter Tatsünden zu liegen scheint.[14]

1.Kor. 6,11

Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.

Paulus ermahnt hier die Korinther, nicht in den Lebenswandel der Vergangenheit zurückzuverfallen (vgl. 6,9f). Die dreigliedrige Reihe a>pelou/sasce – ä<gia/scäte – e>dikaiw/cäte nimmt durchweg Taufterminologie auf.[15] Interessant für unseren Zusammenhang ist, daß auch Paulus hier das Verb a>polou/ein verwendet, das sich schon in Apg. 22,16 fand und ein feststehender Ausdruck in der Taufterminologie ist.[16] Die Taufe wird – neben Heiligung und Gerechtmachung – also auch bei Paulus verstanden als Vorgang der Reinigung von Sündenschuld, die in der Taufe abgetan wird. Als Reinigungsbad (a>polou/ein!) ist die Taufe also der konkrete Ort, an dem sich Vergebung der Sünden ereignet.[17]

Hebr. 10,22

So laßt uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben, besprengt in unseren Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser.

Vorausgeht diesem Text die Feststellung, daß der Weg, sich Gott zu nahen, durch das Blut Jesu freigemacht worden ist (vgl. 10,19-21). Notwendige Voraussetzung für das Nahen zu Gott ist die Reinigung von den Sünden (vgl. 1,3c).[18] Das Bild von der Besprengung der Herzen und der Waschung des Leibes illustriert die Taufe, deren Wirkung Vergebung der Sünden ist: „r<erantisme/noi bzw. lelousme/noi sind diejenigen, denen die sündentilgende Kraft des Todes Jesu zugeeignet wurde.“[19] Im Hintergrund steht dabei der atl. Sühneritus mittels Opferblutbesprengung (vgl. Ex. 24,8; Lev. 16,14-16): Durch ihn erfolgte der Vollzug der Reinigung von Sünde und Schuld. Die Reinigung der ntl. Gläubigen vollzieht sich entsprechend durch Besprengung mit dem Blut Christi (vgl. 1. Petr. 1,2).[20] Ort dieses Vorgangs ist die Taufe, denn Besprengung und Waschung bezeichnen die beiden Seiten dieses Vorgangs: „Indem der Körper mit Wasser gebadet wird, wird gleichzeitig das Herz gereinigt und vom bösen Gewissen befreit. (...) Der Gedanke der Besprengung mit dem Blute Christi gehört also in die Tauftheologie: er ist Interpretation des Taufgeschehens. In der Taufe erhält der Täufling Anteil an der sühnenden, reinigenden und bundstiftenden Kraft des Blutes Christi.“[21] Das heißt: Durch den Vollzug der Taufe wird der Mensch von seiner Sündenschuld befreit.

Hebr. 10,22 drückt den Zusammenhang von Sündenvergebung und Taufe also in der dem Hebräerbrief eigenen Terminologie aus: Die Taufe wird auch hier verstanden als der Ort, an dem der Mensch die Vergebung der Sünden erlangt.

1.Petr. 3,21

Das ist ein Vorbild der Taufe, die jetzt auch euch rettet. Denn in ihr wird nicht der Schmutz vom Leib abgewaschen, sondern wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi.

Die zentrale Aussage dieses Textes lautet: Die Taufe rettet (sw|/zei ba/ptisma). Anschließend folgt eine negative Explikation dessen, was Taufe ist: Kein Abwaschen des Schmutzes vom Leib. Dabei dürfte auf den Taufakt angespielt sein. Positiv wird die Taufe als „Bitte um ein gutes Gewissen“ charakterisiert. Das „gute Gewissen“ ist hier eine formelhafte Wendung für das Christenleben.[22] Das Gewissen des Menschen ist dann gut, „wenn sein Verhältnis zu Gott, zu den Mitmenschen und zu sich selbst von der durch Christus geschehenen Zuwendung Gottes gedeckt und gestaltet ist.“[23] Die rettende Funktion der Taufe besteht demnach darin, daß in ihr diese „durch Christus geschehene Zuwendung Gottes“ dem Menschen vermittelt wird. Von der Vergebung der Sünden ist hier zwar explizit nicht die Rede, doch dürfte die rettende Funktion der Taufe und die in ihr enthaltene Zuwendung Gottes zum Menschen sich auf nichts anderes richten als auf die Sünde und ihre Vergebung.[24]

Mk. 16,16

Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

[...]


[1] Der Aufbau dieser Arbeit orientiert sich im wesentlichen an Zehner, J.: Arbeitsbuch Systematische Theologie. Eine Methodenhilfe für Studium und Praxis, Gütersloh 1998.

[2] Vgl. Hermann, R.: Art. Sündenvergebung dogmatisch, in: RGG VI, 3. Auflage, Sp. 513f.

[3] Hanselmann, J./Swarat, U. (Hg.): Fachwörterbuch Theologie, 2., verbesserte und erweiterte Auflage, Wuppertal 1996, Art. Sakrament, S. 182.

[4] Vgl. Joest, W.: Dogmatik. Band 2: Der Weg Gottes mit dem Menschen, 4. Auflage, Göttingen 1996, S. 564f.

[5] Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche (BSLK). Herausgegeben im Gedenkjahr der Augsburgischen Konfession 1930, 11. Auflage, Göttingen 1992, S. 695f.

[6] Hanselmann/Swarat (Hg.), Fachwörterbuch, Art. Erbsünde, S. 62.

[7] Vgl. z. B. Schnelle, U.: Art. Taufe biblisch, in: EKL 4, Sp. 663-665.

[8] Vgl. auch die Stellen, die Zehner, J.: Das Forum der Vergebung in der Kirche. Studien zum Verhältnis von Sündenvergebung und Recht, Gütersloh 1998, S. 251 nennt, dessen Liste aber über das hinausgeht, was im Rahmen dieser Arbeit zu behandeln möglich ist.

[9] Vgl. Zehner, Vergebung, S. 255 zu Apg. 2,38 und ebd., Anm. 39: „In der Taufhandlung wird Sündenvergebung persönlich zugeeignet.“ Vgl. auch Roloff, J.: Die Apostelgeschichte (NTD 5), Göttingen 1981, S. 61: „Die Taufe wirkt Umkehr und Vergebung, weil der Erhöhte den Täufling zu sich in Beziehung setzt.“

[10] Vgl. Behm, J./Würthwein, E.: Art. metanoe/w, meta/noia, in: ThWNT IV, S. 999.

[11] Vgl. Roloff, Apostelgeschichte, S. 323.

[12] Oepke, A.: Art. ba/ptw, in: ThWNT I, S. 538.

[13] Vgl. Oepke: Art. lou/w, a>polou/w, loutro/n, in: ThWNT IV, S. 305.

[14] Vgl. Zehner, Vergebung, S. 256f.

[15] Vgl. Schrage, W.: Der erste Brief an die Korinther. 1. Teilband 1.Kor. 1,1-6,11 (EKK VII/1), Zürich – Braunschweig – Neukirchen-Vluyn 1991, S. 427f; vgl. S. 433f.

[16] Vgl. oben S. 6 zu Apg. 22,16.

[17] Zum Verständnis der Taufe als Reinigungsbad vgl. auch Eph. 5,26 und Tit. 3,5, wo vom lou/tron tou~ u[datoj bzw. vom lou/tron paliggenesi/aj die Rede ist.

[18] Vgl. Gräßer, E.: An die Hebräer. 3. Teilband Hebr. 10,19-13,25 (EKK XVII/3), Zürich – Neukirchen-Vluyn 1997, S. 23.

[19] Ebd.

[20] Vgl. Oepke, ThWNT IV, S. 305.

[21] Hunzinger, C.-H.: Art. r<anti/zw, r<antismo/j, in: ThWNT VI, S. 983.

[22] Vgl. Maurer, C.: Art. su/noida, sunei/däsij, in: ThWNT VII, S. 918.

[23] Goppelt, L.: Der erste Petrusbrief (KEK XII/1), Göttingen 1978, S. 258.

[24] Vgl. den Verweis auf Hebr. 10,22 und Apg. 2,38 ebd.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang zwischen Taufe und Sündenvergebeung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für systematische Theologie)
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
27
Katalognummer
V10537
ISBN (eBook)
9783638169318
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Taufe, Sünde, Vergebung
Arbeit zitieren
Mario Ertel (Autor), 2001, Der Zusammenhang zwischen Taufe und Sündenvergebeung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10537

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