Kosmetische Wirkstoffe im Wandel der Zeit


Seminararbeit, 2000

12 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Frühgeschichte und Antike
2.1.1 Frühgeschichte
2.1.2 Ägypten
2.1.3 Griechenland und das Römische Reich
2.2 Das Mittelalter
2.3 Die Neuzeit
2.3.1 Die Nachkriegszeit
2.3.2 Die 6oer und 70er Jahre
2.3.3 Die 80er Jahre
2.3.4 Die 90er Jahre
2.4 Das neue Jahrtausend
2.5 Die Zukunft

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Geschichte der Kosmetik ist alt. Sie geht zurück bis in die Steinzeit. Schon damals vor ca. 350000 Jahren „schminkten“ sich unsere Vorfahren mit verschiedenfarbigen Mischungen aus Eisen- und Manganoxiden und tierischen Fetten1. Ob sich unsere Vorfahren damals aus kultischen, also dekorativen Zwecken oder zum Schutz vor Witterungseinflüssen bemalten, ist umstritten und soll auch nicht Thema dieser Arbeit sein. Zwar finden auch die antiken und mittelalterlichen Rezepturen und Mittel Eingang in diese Arbeit, sie dienen jedoch nur der Vollständigkeit und werden auch nur beispielhaft genannt.

Schwerpunkt dieser Arbeit ist die Zeit nach 1882. Dieses Jahr stellt mit der Entdeckung des gereinigten Wollfettes, des Lanolin2, für den Verfasser den Beginn der modernen Kosmetik dar.

Paradoxerweise ist die Forschungslage für die Zeit vor dem 19. Jahrhundert wesentlich besser dokumentiert. Besonders die Hochkultur der Ägypter und das Mittelalter bzw. die frühe Neuzeit sind hervorragend literarisch belegt. Die Geschichte der kosmetischen Wirkstoffe durch das 19. und 20. Jahrhundert ist nur in einigen wenigen kurzen Berichten nachzulesen und muss oftmals aus Fachbüchern der verschiedenen Jahrzehnte rekonstruiert werden. Dabei ist gerade diese Zeit mindestens genauso spannend und vor allem auch abwechslungsreicher. Ein weiteres Problem stellt die Trennung von Wirk- und Inhaltsstoffen da. Nahezu jeder Inhaltsstoff hat auch eine Wirkung auf die Haut. Oftmals werden Hauptwirkstoffe auch im Laufe der Weiterentwicklung zu Inhaltsstoffen „degradiert“, bzw. die positive Wirkung von Inhaltsstoffen wird erst lange nach deren Ersteinsatz erkannt. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Vaseline, die schon etwa 100 Jahre Verwendung in der Kosmetik findet, deren Schutzwirkung vor UV-induzierter Hautschädigung jedoch erst jetzt erkannt wurde3.

Der Abschluss dieser Arbeit bietet einen ausführlichen Überblick über die aktuellen Wirkstoffe und deren Herstellung, sowie einen Ausblick in die nahe Zukunft.

2. Hauptteil

2.1 Frühgeschichte und Antike

2.1.1 Frühgeschichte

Die Geschichte der Kosmetik geht weit zurück. Hinweise darauf, dass sich schon die altsteinzeitlichen Menschen durch Farbauftragen schmückten, stammen aus vielen historischen Funden in Europa. In Behältern aus Knochen und Geweihen wurden mit tierischen Fetten vermischte Pigmente gefunden. Es handelte sich hierbei vor allem um gelbe, braune und rote Eisen- und Manganoxide.4 Auch speziell geformte Stücke roten Ockers (Fe2O3), der - vermischt mit Fett - auch schon als erster Sonnenschutz gedient haben könnte, wurden gefunden.

Nach heutigen Erkenntnissen gilt die Zeit um 350000 vor Christus somit als das bisher früheste Datum für Hinweise auf eine rituelle oder kosmetische Körperbemalung eines Menschen.

2.1.2 Ägypten

Wann der Wunsch nach Schönheit geboren wurde oder ob es sich dabei vielleicht sogar um einen angeboren Urtrieb handelt wird sich wohl nicht mehr rekonstruieren lassen. Viele Jahrtausende später ist jedoch aus den vorsichtigen Anfängen ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens geworden. In der Hochkultur der Ägypter zum Beispiel dienten Kosmetik und Düfte nicht nur der Ästhetik und dem Selbstzweck, sondern waren auch Ausdruck der Verbindung des Menschen mit der Natur und der Sphäre des Göttlichen. Mythisch-religiöse, rituelle und auch medizinische Faktoren spielten eine wichtige Rolle.5 Anhand der gefundenen wertvoll verzierten Utensilien und Schriftstücken aus dieser Zeit lässt sich erkennen, welchen hohen Stand die Kosmetik und Körperpflege erreicht hatten.

Die Ägypter nutzten für die Lippen- und Augenschminke bereits die Wirkung von Metallsalzen. Als Basis diente schwarzes Bleisulfid (PbS), basisches, grünes Kupfercarbonat (CuCO3, Cu(OH)2) ), Bleiweiß (2PbCO3, Pb(OH)2), Ruß und das Eisenoxid Magnetit (Fe3O4). Gemischt wurden die feingeriebenen Pigmente mit Ochsenfett, Bienenwachs und Behenöl.

In den Körperpflegemitteln wie den Salben und Ölen kamen überwiegend organische Stoffe zur Anwendung. Besonders häufig waren dabei Harze, Balsame und verschiedene pflanzliche und tierische Öle.6

2.1.3 Griechenland und das Römische Reich

Bei den Griechen und Römern galt es als gepflegt sich mehrmals am Tag zu salben und am ganzen Körper zu glänzen. Je nach Stand und wirtschaftlicher Lage setzten sich die Salböle aus Oliven- oder Mandelöl, Bienenwachs und diversen anderen teilweise sehr wertvollen Zusätzen wie Rosenwasser, Zimtrinde, Kalmus und Bittermandel zusammen7.

Zur Aufhellung der Gesichtsfarbe diente Bleiweiß.

2.2 Das Mittelalter

Früh- und Hochmittelalter waren eine von der Kirche betonte leibfeindliche Zeit. Dies wirkte sich auch auf die Kosmetik negativ aus. Kosmetische Mittel, besonders die dekorativen, wurden als heidnisch verbannt. Frauen die sich trotzdem schminkten galten als Prostituierte8.

Obwohl Pharmazie, Medizin und Kosmetik noch immer als zusammengehörende Wissenschaft galten, ist so gut wie nichts über die Körperpflegemittel dieser Zeit bekannt.

Im Spätmittelalter fand durch raschen Erkenntniszuwachs und Anfänge aufgeklärten Denkens eine Trennung von Kosmetik und Medizin statt. Allerdings darf die Kosmetik dieser Zeit noch nicht als Wissenschaft im modernen Sinne betrachtet werden. Sie war noch immer tief durchdrungen von magischen und abergläubischen Praktiken und stand der geheimnisumwitterten Lehre der Alchemie nahe.

Als Folgerung auf die Vermutung, dass Krankheiten und Seuchen durch Baden in öffentlichen Badehäusern übertragen werden, badeten die Menschen immer weniger. Es kam sogar der Glaube auf, dass Wasser schädlich sei für die menschliche Haut. Um die mangelnde Körperpflege zu verdecken, verwendete man in großen Mengen Parfüm, Puder und Schminke.9

2.3 Die Neuzeit

In der Neuzeit, definiert durch die Aufklärung, kommt es zu einer Explosion des Wissens. Für die Kosmetik ist dabei von besonderer Bedeutung der Aufstieg der Chemie, da diese nun Stoffe liefert, die bisher kaum oder gar nicht zugänglich waren.

1882 entwickelten Braun und Liebrich eine Methode mit der sie gereinigtes Wollfett herstellen konnten und legten damit den Grundstein für die moderne Kosmetik. Das von ihnen entwickelte Lanolin findet seither als Basisrohstoff in Pharmazie und Kosmetik Verwendung, da er bis zu 300% Wasser aufnehmen kann und damit die Verwendung von wasserlöslichen Wirkstoffen in großem Stil überhaupt erst ermöglichte.10

Ein anderer wichtiger Stoff der Kosmetik ist das Lecithin, das zwar bereits 1850 entdeckt und seit 1920 industriell hergestellt wurde, jedoch erst 1932 mit dem Nachweis in menschlichen Zellen das Interesse der Kosmetikchemiker fand. Den eigentlichen Durchbruch als Wirkstoff in kosmetischen Zubereitungen erzielte Lecithin jedoch erst durch die Entwicklung liposomaler Präparate in den 80er Jahren.

Die Möglichkeit, das Mineralfett Vaseline als Hautpflegemittel anzuwenden, entdeckte der amerikanische Chemiker Chesebrough 1862. Die Herstellung aus Rohöl begann 1871. Vaseline, ein halbfestes Paraffin, zeigt eine sehr geringe Spreizung und dringt somit kaum in die Hornschicht ein. Durch den starken Okklusiv- und Fetteffekt eignet es sich besonders gut als Hautschutzpräparat. Da dabei der transepidermale Wasserverlust stark reduziert wird, wurde Vaseline lange Zeit als guter Moisturizer angesehen.11

1911 war das Geburtsjahr der Nivea-Creme. Die Firma Beiersdorf nutzte das eigentlich für die Medizin entwickelte Eucerit als Basisstoff für eine völlig neuartige kosmetische Creme. Unter der Leitung von Oscar Troplowitz gelang es den Chemikern von Beiersdorf, die erste stabile Fett- und Feuchtigkeitscreme der Welt zu entwickeln. Verfügten sie doch mit Eucerit über einen Wirkstoff, mit welchem man Fett und Wasser zu einer stabilen Salbengrundlage vereinigen konnte.12

2.3.1 Die Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit ist der Markt für Kosmetikprodukte zwar schneller gewachsen als die Bevölkerung, allerdings spielte die Körperpflege dabei noch immer eine geringe Rolle, da der Markt von Parfums und dekorativer Kosmetik beherrscht wurde.

Ende der 40er Jahre gelang den Kosmetikchemikern eine weitere Schlüsselentwicklung mit der Herstellung neuartiger synthetischer Surfactants, die die Emulsionstechnologie revolutionierten.13

1951 entdeckten Forscher die Barrierefunktion der Haut und den Einfluss des Feuchtigkeitsgehalts des Stratum corneum für dessen funktionelle Eigenschaften. Die Bedeutung von Feuchtigkeitscremes wurde erkannt und als Folge davon entwickelte sich ein immenser Markt.

Die in den 40er und 50er Jahren entwickelten Wirkstoffe hatten in den nachfolgenden Jahrzehnten eine erfolgreiche Karriere und sind auch heute noch in einigen Cremes zu finden. Die Mitte der 40er Jahre entwickelten Hormoncremes erlebten bis in die 70er Jahre ein kontroverses Schicksal und wurden schließlich wegen fehlender Wirksamkeit vom Markt genommen

Das Collagen und die Hyaluronsäure feierten ihre größten Triumphe in den 70ern und 80ern und sind noch heute in vielen Produkten enthalten14. Ihre Wirksamkeit ist jedoch umstritten, da diese Wirkstoffe auf Grund ihrer Molekülgröße theoretisch gar nicht resorbiert werden können.15

2.3.2 Die 6oer und 70er Jahre

In den 60er Jahren akkumulierte sich das Wissen über die Struktur und die Funktion der Haut sowie deren Beziehungen zur perkutanen Absorption. Das Interesse, mehr über die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Haut zu erfahren, führte in jener Zeit zur Entwicklung von Messinstrumenten zur Bestimmung der Hautfeuchtigkeit, des transepidermalen Wasserverlustes und der mechanischen Eigenschaften. Die damit gewonnenen Ergebnisse über die Eigenschaften von Hautpflegepräparaten flossen direkt in die Entwicklung und Optimierung neuer Formulierungen.16

Tierische Extrakte, die reich an biologischen Wirkstoffen waren, stellten auf Grund ihrer physiologischen Zusammensetzung hochwertige Kosmetikgrundstoffe dar. Aufgrund ihrer hohen Substantivität trugen die Organextrakte in vielfältiger Art und Weise dazu bei, die Haut in ihren Funktionen zu unterstützen und vor äußeren Einflüssen zu schützen. Sie führten primär zu Befeuchtung und Glättung der Haut und waren wertvolle Grundlagen für viele metabolische Vorgänge der Haut.17

Ihre Blütezeit erlebten die tierischen Wirkstoffe in den 60er und 70er Jahren, verschwanden jedoch durch den ersten BSE-Skandal 1986 nahezu vollständig vom Markt.

2.3.3 Die 80er Jahre

Ersetzt wurden die tierischen Stoffe weitgehend durch pflanzliche Wirkstoffe. Wobei von den Endverbrauchern und damit auch von den Herstellern ein nicht bewiesenes Infektionsrisiko höher gewertet wurde als die erwiesen höhere Gefahr von allergischen Reaktionen auf Naturkosmetika.18 Das Problem bei pflanzlichen Alternativen besteht darin, dass Pflanzen und deren Inhaltsstoffe mit der Physiologie der menschlichen Haut einfach weniger gemeinsam haben.

Außerdem wurden die 80er zweifelsohne von den Liposomen geprägt. Die Bedeutung der Glycolipide für die Permeabilitätsbarriere der Haut wurde erkannt. Das „Brick and Mortar“-Modell beschrieb 1987 die Korneozyten als Backsteine, die von den Lipiden, welche als interzelluläre Lamellen die Wasserbarriere bilden, wie von einem Mörtel zusammengehalten werden.

Bei den Liposomen handelt es sich weniger um einen neuen chemischen Wirkstoff, sondern eher um ein erst durch neue Herstellungsverfahren möglich gewordene Spezialform von Mikroemulsion. Sie bestehen aus einer Lipiddoppelmembran, die kugelförmig eine geringe Menge in Wasser gelöster Wirkstoffe umschließt. Durch diesen Lipidmantel und ihre extrem kleine Größe durchdringen die Liposomen nicht nur die Fettschichten der Haut, sondern sollen auch mit der Plasmamembran vieler Zellen verschmelzen und so Wirkstoffe ins Zelleninnere transportieren, für welche die Zellmembran normalerweise undurchlässig ist.19

Ende der 80er tauchte das Schlagwort „oxydativer Stress“ auf, welches ein großes Interesse an Radikalfängern und Antioxydantien hervorrief.

Freie Radikale sind ein natürliches Stoffwechselprodukt des Körpers. Erst wenn sie überhand nehmen werden sie aggressiv und zerstören in einer Kettenreaktion den Lipidmantel der Zellen und damit auch die Zellen20. Dazu kommt es, wenn UV-Licht, Umweltgifte, Medikamente oder auch Nikotin mit der Haut reagieren. Die Zerstörung verursacht eine starke Verkettung der Lipidteilchen. Bei Hautzellen bedeutet dies, dass durch diese Quervernetzung von Collagen, dem Grundgerüst der Haut, verstärkt Falten entstehen.21

Zum Schutz vor diesem Prozess wurden und werden als Antioxydantien Vitamin C und Vitamin E eingesetzt. Sie gehen bei der Reaktion mit den freien Radikalen zwar selbst in ein freies Radikal über, welches aber relativ stabil ist und deshalb die Kettenreaktion nicht fortsetzt.22

2.3.4 Die 90er Jahre

Im Laufe der 90er Jahre kam zu den Antioxydantien noch das Coenzym Q-10 hinzu. Wobei dieses in seiner Wirkung wesentlich aktiver ist als Vitamin E, weil es schon lange auf Radikale reagiert, bevor Vitamin E überhaupt anspricht. Die wirklich großen neue Wirkstoffe der 90er waren jedoch die Alpha-Hydroxy-Säuren, auch AHA-Säuren oder Fruchtsäuren genannt, deren Aufgabe es ist, lockere Hornzellen zu lösen und deren Neubildung zu normalisieren. „Alpha-Hydroxysäuren fasst eine Gruppe von Abkömmlingen organischer Karbonsäuren zusammen, in denen ein Wasserstoffatom der Paraffinkette durch eine Hydroxylgruppe in a-Position zur Säuregruppe ersetzt wurde. Die meisten Alpha-Hydroxysäuren sind natürliche Substanzen, die als Stoffwechselzwischenprodukte im menschlichen Körper, aber auch in vielen Nahrungsmitteln vorkommen. Der Begriff "Fruchtsäuren" ergibt sich aus der ursprünglichen Isolierung aus Früchten.“23

Man findet die Säuren in Zuckerrohrsaft und unreifen Weintrauben (Glykolsäure), Äpfel, Birnen, Pfirsich, Quitten, Stachelbeeren (Hydroxybernsteinsäure), Zitrone, Ananas, Banane, Apfelsine, Feige (Hydroxypropantricarbonsäure), aber auch in Käse und saurer Milch (Hydroxypropansäure)24.

Fruchtsäuren wirken in geringen Konzentrationen wie sie in Kosmetika verwendet werden leicht schälend. Hornzellen der obersten Hautschichten werden abgeschuppt, die Haut wird sichtbar glatter und rosiger, sogar Pigmentflecken werden etwas aufgehellt.25

Sanfter als Fruchtsäuren regt eine andere wichtige Wirkstoffgruppe die Bildung neuer Hautzellen an: die bereits seit den 80ern bekannten Retinoide. Da sich Vitamin A unter Licht- und Lufteinfluss in sehr kurzer Zeit zersetzt, war es lange Zeit nicht möglich, eine haltbare Creme herzustellen. Durch intensive Forschung gelang es Ende der 90er Jahre jedoch doch noch, Vitamin A in verschieden Kosmetikprodukten einzusetzen.

„Die Hauptwirkung der Retinoide liegt darin, dass die Vitalität der Keratinozyten wieder hergestellt wird. Retinoide greifen direkt an der Erbsubstanz an und normalisieren die im Rahmen des Alterungsprozesses bzw. von Verhornungsstörungen der Haut veränderte Proteinsynthese. Durch die Verbesserung von Differenzierung und Proliferation der Zellen werden Reparaturmechanismen zur Behebung der epidermalen und dermalen Lichtschädigung stimuliert. „26

Vitamin A regt also in tiefergelegenen Hautschichten die Bildung neuer Bindegewebsfasern aus Kollagen an. Diese geben der Haut neue Festigkeit. Die Hautzellen teilen sich und wandern in etwa 28 Tagen in die oberen Hautschichten. Dort verhornen sie und werden dann abgestoßen.27

Ein wichtiges Zeichen der 90er Jahre war auch der Einsatz von UV-Filtern, die heute nicht nur in Sonnenschutz-Produkten sondern in praktisch jedem Tagespflege-Produkt zu finden sind.

2.4 Das neue Jahrtausend

Praktisch alle wichtigen Wirkstoffe die in den letzten 100 Jahren gefunden wurden werden noch heute in Kosmetikprodukten verwendet, egal ob Lanolin, Vaselin, Collagen, Hyaluronsäure, Liposome oder die diversen Vitamine. Sogar Hormone sind wieder aktuell.

Einer der Marktführer in der Kosmetikbranche, die Parfümeriekette Douglas, zählt in der neuesten Ausgabe ihres Magazins „come in“ die folgenden Wirkstoffe auf: Enzyme, Peptide, Vitamine, Polysaccharide, Ceramide und andere Phospholipide, Melanin oder Melaninvorstufen, Hyaluronsäure, Hefe-Extrakt, Blütenextrakte, Bio-Milch-Komplexe, Mineralstoffe und Spurenelemente sowie Phytohormone aus Soja.28 Sicherlich ist diese Aufzählung noch unvollständig, sie gibt jedoch einen Überblick darüber was zur Zeit in der Kosmetik „in“ ist.

2.5 Die Zukunft

In einer so schnelllebigen und stark von Modetendenzen beeinflussten Welt wie der Kosmetikbranche, ist es kaum möglich wirklich Prognosen zu machen. Das gerade in den letzten zehn Jahren massiv auch beim Verbraucher einsetzende Verständnis, dass die beste Möglichkeit gegen alternde Haut die Prophylaxe ist, wird vermutlich zu einem noch stärkeren Einsatz von UV-Filtern führen. Auch die damit verbundene Bekämpfung von freien Radikalen durch oxydativen Stress wird noch weiter ausgebaut werden. Ein vielversprechender Wirkstoff in dieser Richtung ist die Liponsäure, die bereits in pharmazeutischen Kosmetikprodukten eingesetzt wird und bei gleicher Konzentration ca. 1000 mal effektiver ist als das Coenzym Q-10.29

Ein anderer Stoff der Zukunft, der seine Wirksamkeit in vitro bereits bewiesen hat ist das Chitosan, das aus dem Chitin von Schalentieren gewonnen wird. Noch hat dieser Stoff allerdings das gleiche Problem wie Collagen und Hyaluronsäure: seine Moleküle sind zu groß um von der Haut resorbiert zu werden.

3. Fazit

Die Geschichte der Kosmetik ist zwar alt, entwickelte sich jedoch lange Zeit kaum weiter. Vor gerade mal 119 Jahren wurde mit der Entdeckung des Lanolin der Grundstein für die moderne Kosmetik gelegt. Nivea, die erste EmulsionsCreme der Welt, feiert dieses Jahr ihr 90jähriges Jubiläum.

Deutlich lässt sich an der Geschichte der kosmetischen Wirkstoffe auch der jeweilige Kenntnisstand über den Aufbau und die Funktion der Haut ablesen. Erst mit der Entdeckung der Barrierefunktion und der Bedeutung des Feuchtigkeitsgehalts der Haut kam es überhaupt zur Entwicklung von Moisturizern. Als sich in den 60er Jahren das Wissen über die Struktur und die Funktion der Haut sowie die Möglichkeiten zur perkutanen Absorption akkumulierte, kam es zu einer Flut neuer Wirkstoffe. Erst die Kenntnis über das „Brick and Mortar“-Modell führte zur Entwicklung der Liposome und ohne die Entdeckung der freien Radikalen wären sicherlich auch niemals Antioxydantien in Hautpflegeprodukten eingesetzt worden. Gerade diese Kenntnis führte nun wieder dazu, dass man erkannte, dass Falten nicht zwangläufig eine Erscheinung des Alters sein müssen, sondern durchaus eine Entstehungsgeschichte haben. Als Hauptverursacher gilt heute oxydativer Stress, dem man probiert mit UV-Filtern vorzubeugen bzw. ihn zu reduzieren.

Unabhängig von dieses parallelen Entwicklung von Haut- und Wirkstoffforschung gibt es auch immer wieder starke Einflüsse durch sozialen Druck und modische Entwicklungen. Bestes Beispiel dafür sind sicherlich die Wirkstoffe tierischen Ursprungs, die in den 80ern durch die erste BSE-Welle nahezu vollständig vom Markt verschwanden und durch nicht unproblematische pflanzliche Wirkstoffe ersetzt wurden.

Da es noch heute viele offene Fragen in der Hautforschung zu klären gibt, wird es auch sicherlich noch zu einer Reihe interessanter Weiterentwicklungen bei den Kosmetik-Wirkstoffen kommen. Ob die immerhin schon ein halbes Jahrhundert alten Inhaltsstoffe Hyaluronsäure und Collagen dann endlich ausgedient haben oder immer noch als „moderne“ Wirkstoffe herhalten müssen, bleibt abzuwarten.

4. Literaturliste

Bonina F.: Messung antiradikalischer Wirkung von Liponsäure (GT/L5/A3) und einer liponsäurehaltigen Emulsion, in: Kosmetische Medizin 20, 5/99

Hightechkosmetik, in: Come in 1/2001, Hagen 2001

Heymann Eberhard: Haut, Haar und Kosmetik. Eine chemische Wechselwirkung, Stuttgart 1994

Maushagen Ellen, Meyer-Rogge Dirk: Fruchtsäuren. Wissenschaftliche Aspekte und therapeutische Anwendung in der Praxis, in: Dt. Derm.: 5, 1999

Umbach Wilfried, Cosmeceuticals - ein neuer Weg für die Kosmetik ?, in: Parfümerie und Kosmetik 11/95, Heidelberg

Umbach Wilfried: Kosmetik. Entwicklung, Herstellung und Anwendung kosmetischer Mittel, Stuttgart 1995

Voegeli R., Meier J.: Kosmetik im Wandel der Zeit - von Kleopatra zu Colipa, aus SÖFW 123, 1997

http://www.geovis.de/Autor/Zellschutz/InfoZelle/infozelle.html

http://www.gesundheitslexikon.de/THEMEN/falten_vorbeugen.html

http://www.universimed.com/dermatologie/der20000504.shtml

[...]


1 R. Voegeli, J. Meier: Kosmetik im Wandel der Zeit - von Kleopatra zu Colipa, aus SÖFW 123, 1997, S. 765

2 Ebenda, S. 771.

3 Wilfried Umbach, Cosmeceuticals - ein neuer Weg für die Kosmetik ?, in: Parfümerie und Kosmetik 11/95, Heidelberg, S. 692.

4 R. Voegeli, J. Meier, S. 766.

5 Ebenda, S. 766.

6 Ebenda, S. 767.

7 Ebenda, S. 768.

8 Wilfried Umbach: Kosmetik. Entwicklung, Herstellung und Anwendung kosmetischer Mittel, Stuttgart 1995, S. 6.

9 R. Voegeli, J. Meier, S. 770.

10 Ebenda, S. 771.

11 Ebenda, S. 771.

12 Ebenda, S. 772.

13 Ebenda, S. 772.

14 Ebenda, S. 772.

15 Eberhard Heymann: Haut, Haar und Kosmetik. Eine chemische Wechselwirkung, Stuttgart 1994, S. 187

16 R. Voegeli, J. Meier, S. 772.

17 Ebenda, S. 772.

18 Ebenda, S. 772.

19 Heymann, S. 216 - 217.

20 Hightechkosmetik, in: Come in 1/2001, Hagen 2001, S. 48.

21 http://www.geovis.de/Autor/Zellschutz/InfoZelle/infozelle.html

22 Heymann, S. 200.

23 Ellen Maushagen, Dirk Meyer-Rogge: Fruchtsäuren. Wissenschaftliche Aspekte und therapeutische Anwendung in der Praxis, in: Dt. Derm.: 5, 1999, S. 403 - 407.

24 Ebenda, S. 403 - 407.

25 http://www.gesundheitslexikon.de/THEMEN/falten_vorbeugen.html

26 http://www.universimed.com/dermatologie/der20000504.shtml

27 http://www.gesundheitslexikon.de/THEMEN/falten_vorbeugen.html.

28 Hightechkosmetik, S. 46 - 52.

29 F. Bonina: Messung antiradikalischer Wirkung von Liponsäure (GT/L5/A3) und einer liponsäurehaltigen Emulsion, in: Kosmetische Medizin 20, 5/99

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Kosmetische Wirkstoffe im Wandel der Zeit
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Fachchemie III
Autor
Jahr
2000
Seiten
12
Katalognummer
V105422
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kosmetische, Wirkstoffe, Wandel, Zeit, Fachchemie
Arbeit zitieren
Nils Krüger (Autor), 2000, Kosmetische Wirkstoffe im Wandel der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105422

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