Nietzsche, Friedrich - Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

4 Seiten


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Nietzsche: Die Geburt der Tragödie

Jahrhundertwende: Übergangsperiode (Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse durch zunehmende Industrialisierung)

Spaltung der Gesellschaft:

Nationalismus ↔ Erstarken sozialer u. humanitärer Bestrebungen Religiosität ↔ Abkehr von Gott und Religion

Sozialer Geist ↔ Nietzsches Individualitätslehre

Klassik, Verklärung, Schönheit ↔ Wahrheit (Industrialisierung) Konservatismus ↔ Revolution

Die Romantik:

Oppositionsbewegung gegen den Rationalismus

antirational-gefühlsbetonte Bestrebung in Literatur

Bemühung, die formale Strenge und Beherrschtheit des Klassizismus zu überwinden, und stattdessen Phantasie und individuelles Naturerlebnis zur zentralen künstlerischen Aussage zu erheben heroisch-revolutionären Themen

Bedeutungsverschiebung zum „Unwirklichen“ und „Überspannt-Sentimentalen“ (in Deutschland erstmals 1698 belegt)

subjektivistisches Weltsicht und differenzierter Individualitätsbegriff

Skepsis an der Erkenntnissicherheit, Unbehagen an der Industrialisierung und das

Bestreben nach magischen Formeln und ganzheitlichen Sichtweisen führten zwangsläufig in den Grenzbereich zum Religiösen.

poetisch-idealisierten Bild des Nächtlichen, in dem der Tod in wollüstiger Hingabe und als neues Leben im christlich-pietistischen Sinne erfahren wird.

Bachhofen:

Duplizismus des Apollinischen und des Dionysischen. Setzt dem klassischen

Griechenlandbild eine neue Sicht entgegen, das den irrationalen, emotionalen und spirituellen Seiten des griechischen Lebens gerecht zu werden versucht

Wagner:

Krönung der Ausdrucksfähigkeit der Musik der europäischen Romantik Wurzeln des Wagnerischen Musikdramas liegen unter anderem im antiken Griechenland → macht gegenüber dem Klassizismus die dunkle Seite des Griechentums ansichtig und deckt einen Bereich des Triebhaften auf

Schopenhauer:

Nach Schopenhauer liegt der Vorstellungswelt der Wille zu Grunde, den er als grundlosen und ziellosen (blinden) Drang versteht. Dem Willen liegt nicht nur das Handeln des Menschen zugrunde, sondern er umfasst die gesamte Wirklichkeit, das heißt die organische (tierische und pflanzliche) und die unorganische Natur. Im Gegensatz zur Philosophie Hegels spricht er damit der Welt und der Geschichte jeglichen Sinn ab. Der Wille ist ein nicht zu befriedigender Daseinsdrang, aus dem das Leiden des Menschen erwächst, denn der Wille erzeugt ständig neue Bedürfnisse, die letztendlich nicht befriedigt werden können. Höchster Ausdruck des Willens ist der Geschlechtstrieb. Da es aufgrund der nicht zu befriedigenden Wünsche kein dauerhaftes Glück gibt, ist das Leben unausweichlich von Schmerz und Leiden gekennzeichnet. Die Erlösung vom Leiden geschieht durch die Verneinung des Willens, die der Mensch entweder durch Kontemplation in der Kunstbetrachtung oder durch Askese und Entsagung gewinnt, durch die sämtliche Bedürfnisse zum Schweigen gebracht werden.

Burckhardt:

Nennt die Vorstellung vom „heiteren Griechen“ eine der allergrößten Fälschungen der Geschichte. „Die Hellenen waren im Glanze der Kunst und in der Blüthe der Freiheit unglücklicher als die meisten glauben.“ „Der Mensch ist zum Unglück geboren. Nichtsein oder das Frühsterben ist das Beste“

Schopenhauer, Wagner, Burckhardt und Bacchofen prägen seine Auffassung des Lebens und die Entwicklung seiner Kunstauffassung prägen.

Lebensfrage: Wie ist angesichts des Schreckens des Lebens, seiner Grausamkeit und seiner Gleichgültigkeit (← Schopenhauer) eine Bejahung des Lebens überhaupt möglich.

Griechen:

haben die Lösung auf diese Frage in der Kunst und im Mythos gefunden haben „die Schrecken und Entsetzlichkeiten des Daseins“ gekannt und haben sie mit der olympischen Götterwelt bedeckt, um leben zu können.

Apollo:

Reiner, heiliger Gott des Lichts (Phoibos = Der Strahlende)

Gott der Reinheit (heilt Krankheiten), der Musik, der Dichtung und des Logos (der ewigen Form)

„Erkenne dich selbst“

Dionysos:

Sohn der Unterweltsgöttin Persephone und des Zeus. Von Hera angestiftet schneiden die Titanen das göttliche Kind in Stücke und fressen es auf. Athene kann das Herz retten. Zeus verschluckt es und gibt einen zweiten Dionysos das Leben, indem er Semele, die Tochter des thebanischen Königs Kadmos, verführt. Hera verleitet Semele dazu Zeus in seiner ganzen Göttlichkeit sehen zu wollen. Bei der Erfüllung ihres Wunsches verbrennt Semele. Zeus rettet das ungeborene Kind, näht es in seinen Schenkel ein und bringt es selbst zur Welt. Dionysos wird in der Einsamkeit erzogen. Sein Eintritt in die Welt gleicht einem Eroberungsfeldzug. Sein Gefolge sind Mänaden, Satyrn und Silenen. Dionysos ist Gott der Frauen. Im Herbst zogen Mädchen und Frauen in Tierfellen durch die Wälder und beschwörten bei nächtlichen orgiastischen Riten den Gott. Die Frauen säugten Zicklein, zerrissen sie und aßen sie roh.

Gott der orgiastischen Natur, des Todes und des Weines. Seine Gegner bestraft er mit Wahnsinn. In Zeichen seines Kultes ist die griechische Tragödie entstanden. Gestaltenreicher fremder Gott aus Thrakien, Herr des rauschhaften Lebens und des Todes

Taucht in Form eines Tigers auf

Dionysich:

Das Schreckliche und Grauenvolle im Leben Dionysos ist Gott der nächtlichen Welt Dionysische „Wahrheit“

Der „Wille“, „das Ur-Eine“ (Schopenhauer) ist Dionysos → Trieb Dionysos ist Symbol für alle nichtenden Erscheinungen der Welt

Der Schmerz selbst ist schöpferisch, er gebiert aus sich heraus die Lust. (Lust am Leben = Daseinswille)

Gegensatz Dionysisch-Sokratisch

Orgiastische Gestimmtheit des Willens → Rausch

Sage vom weisen Silen, dem Begleiter des Dionysos: Ein König fragt Silen, was für den Menschen das Allerbeste und Allvorzüglichste sei. Zum Antworten gezwungen anwortet dieser: Das Allerbeste ist für dich gänzlich unerreichbar: nicht geboren zu sein, nicht zu sein, nichts zu sein. Das Zweitbeste aber ist für dich - bald zu sterben“

Apollinisch:

„Verklärung“ des Daseins, sublimiertes Abschatten des Leidens und des Schmerzes → Schönheit ist eine Frucht des Leidens Verklärung des Leidens durch die Kunst

Die taghelle Welt ist die mit dem Schönheitsschleier der Kunst verdeckte Sphäre des Apollo Apollinischer „Schein“

Schein → Traum

Apollo: Form

„Das Ja-Sagen zum Leben“ selbst bei den härtesten Problemen, „der Wille zum Leben im Opfer“ (→ Sebastiansgestalt)

Bild: Raffaels Transfiguration (obere Bildhälfte: leuchtender, verklärter Christus ;untere Bildhälfte: Wiederspiegelung des ewigen Urschmerzes, dämonische Dunkelheit)

Dionysich → Apollinisch:

Dionysisches u. Apollinisches Prinzip gehören unmittelbar zusammen

Alte Göttergestalten (Schicksalsgöttin moira, die Erinyen, die Todesgöttinen )und ihr finsteren Machenschaften sollen durch den glänzenden Zeus versteckt werden. Kampf zwischen Wahrheit und Schönheit/Illusion

Gegen die barbarisch-dionysische Orgiastik stellt sich die apollinische Sublimierung, Mäßigung des Maßlosen.

Die entscheidende Leistung der Welt des attischen Geistes, den finstren Grund der Welt mit dem Schönheitsschleier ihrer Kunst und ihrer Religion zu verhüllen

Balance zwischen Apollon u. Dionysos wichtig: → unter der absoluten Herrschaft Apollos im Sinne einer starken Formgebung verkümmert das Leben → unter der absoluten Herrschaft Dionysos brechen alle Ordnungen des Lebens auf und das Leben zerstört sich selbst

Entstehung der Tragödie aus dem Dionysos-Kult

Haltung zur Wissenschaft:

Entzauberung der Welt → Romantik

Sokrates: „neugeborener Dämon, genannt Sokrates“

Sokrates als der Vernichter der Tragödie

„Einzige Möglichkeit des Lebens in der Kunst. Sonst Abwendung vom Leben. Völlige Vernichtung der Illusion ist der Trieb der Wissenschaft“

Konflikte: Kunst ↔ Philosophie; Weisheit ↔ Wissenschaft; Mythos ↔ Logos Mythos durch Wissenschaft und Logos gefährdet

Was ihn stört: ein im Wesen der Logik verborgener Optimismus

Versuch einer Selbstkritik:

Vorwort für sein Werk verfasst er einige Jahre später (1886). Anmerkung neuer Erkenntnisse und Fragestellungen.

Nietzsche gibt zu: illusionslos betrachtet besitzt das Dasein keinerlei moralische Bedeutsamkeit, es ist jenseits von Gut und Böse Christentum → Kunstfeindlich → Lebensfeindlich → Tiefer als der Gegensatz Dionysos-Sokrates ist der Gegensatz: Dionysos-Christentum Seine Schriften waren weder eine Revolution, noch überhaupt eine Neuerung. Alle Ansätze sind bereits bei anderen Philosophen zu finden.

Erneuerung des Mythos durch Wagners Musik

Gegenposition zu Schopenhauers pessimistischer Weltverneinung: Weltbejahung im Angesicht des Untergangs

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Details

Titel
Nietzsche, Friedrich - Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik
Autor
Jahr
2001
Seiten
4
Katalognummer
V105441
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nietzsche, Friedrich, Geburt, Tragödie, Geiste, Musik
Arbeit zitieren
Bahareh Hassanvand (Autor), 2001, Nietzsche, Friedrich - Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105441

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