Illustration von Effi Briest


Facharbeit (Schule), 2001

22 Seiten, Note: 13 Punkte


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Gliederung

1. Einleitung

2. Die Buchillustration
2.1 Geschichte der Buchillustration
2.2 Funktion der Buchillustration
2.3 Bedeutung des Illustrators

3. Illustration von Theodor Fontanes „Effi Briest“
3.1 Eignung vonEffi Briestzur Illustration
3.2 Auswahl der Motive
3.2.1 „Effi komm!“
3.2.2 Die junge Effi auf der Schaukel
3.2.3 Effi im Alter auf der Schaukel
3.3 Ausführung in verschiedenen Zeichentechniken

4. Ausblick

Literatur

Einleitung

Illustrierte Bücher, wenn man von Sachbüchern absieht, findet man heute kaum noch in den Regalen. Neue literarische Werke sind heute mehr oder weniger Massenprodukte, bei denen kunstvolle Illustrationen ein „verzichtbares ästhetisches Schnörkel“1 darstellen und nur unnötig Produktionskosten verschlingen würden. Ein Abklatsch dieser ehemals angesehenen Kunst findet sich höchstens noch auf den Umschlagsgestaltungen. Ausnahmen bilden die Kinderbücher, die aufgrund des jungen Zielpublikums, das des Lesens noch nicht ganz mächtig ist, auf eine gewisse optische Orientierung angewiesen ist. Auch scheint das Interesse des Lesers an ausgeschmückten Büchern nicht mehr vorhanden zu sein, da man heutzutage sowieso mit Bildern und Photographien überhäuft wird.

Doch kennt man es als Bücherliebhaber nur allzu gut, daß man Phantasien, die sich beim Lesen im Kopf bilden, gerne bestätigt hätte. Deshalb fiebert man auch manchmal der Verfilmung eines Buches entgegen, um zu sehen, wie andere den Lesestoff umgesetzt und welche Phantasien sich bei ihnen manifestiert haben. Nur zu gern sieht man die Gestalten aus den Büchern vor Augen und möchte diese nicht nur im Kino sehen, sondern auch direkt beim Lesen. Theodor Fontanes Effi Briest erschien mir für eine Illustration gut geeignet, zumal es zu den großen Werken der Weltliteratur zählt. Leider ist der Roman bei den meisten Schülern wegen des Mangels an Handlung nicht gerade beliebt. Doch gerade diese Kargheit und das Talent Fontanes, das Zentrale zwischen den Zeilen in Symbolen und Vorausdeutungen zu verstecken, machen den Roman aus.

Die Buchillustration

Die Geschichte der Buchillustration Die Illustration eines Textes mit Bildern kann auf eine lange Tradition zurückblicken, wobei man von Buchillustration eigentlich erst seit der Erfindung der Drucktechnik spricht. Die eigentlichen Pioniere auf dem Gebiet der Illustration waren die Ägypter, die mit den Hieroglyphen nicht nur eine der ersten Schriften entwickelten, sondern diese auch bebilderten. Ein Beispiel hierfür ist das ägyptische Totenbuch, das als Grabbeilage den Verstorbenen zugedacht und meist reich illustriert war.2 Insbesondere im Mittelalter entwickelte sich in den Klöstern eine Buchkultur, bei der man per Hand illustrierte, was den Begriff Buchmalerei prägte. Die Bücher waren mit illuminierten Handschriften, Miniaturzeichnungen und kunstvoll ausgeschmückten Buchstaben versehen.3

Die Geschichte der Buchillustration war eng verbunden mit der Entwicklung des Druckverfahrens. Die erste Möglichkeit, Illustrationen mechanisch herzustellen, war mit Holzblöcken, aus denen die Motive herausgeschnitzt wurden, was den so produzierten Büchern die Bezeichnung Blockbücher einbrachte. Nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Gutenberg konnten Illustrationen, die im Holzschnittverfahren erstellt wurden, dem Text hinzugefügt werden. Bücher gewannen durch die neue, einfache Produktionstechnik an Popularität.

Die nächsten wichtigen Entwicklungen waren die Radier- und Metallstichverfahren, womit, im Gegensatz zum Holzschnitt, detailgenaue Abbildungen möglich waren. Mit der Lithographie, die im 18. Jahrhundert aufkam, wurden die Möglichkeiten der Illustration noch mal gesteigert und mit der Erfindung der Farblithographie Anfang des 19. Jahrhunderts erweitert.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam dann noch die Photographie hinzu.4

Funktion der Buchillustration Eine Illustration kann viele verschiedene Bedeutungen und Funktionen erfüllen, wobei sich diese auch oft überschneiden.5Dem wörtlichen Sinn nach bedeutet illustrieren„erleuchten, erhellen, verzieren, schmücken“.6Ein Text soll in ein neues Licht gerückt , verdeutlicht oder einfach visuell anspruchsvoll gestaltet werden.

In der Vergangenheit gab es unterschiedliche Beweggründe für Illustrationen. Im Mittelalter war es vor allem die Kirche, die zu Repräsentationszwecken illustrierte Bibeln herstellen ließ. Diese sakrale Funktion wurde auch mit einer „didaktischen“, erzieherischen verknüpft. Die Illustrationen dienten auch dazu, “ die Kluft zwischen Schriftkundigen und Analphabeten (...) zu überwinden und somit zur Verbreitung christlicher Lehren beizutragen “7. Die Bevölkerung, die zumeist weder lesen noch schreiben konnte, war auf die Geistlichen angewiesen, wenn sie etwas über die heilige Schrift erfahren wollte. Durch die Illustrationen konnte man selbst den Sinn verstehen, weshalb in vielen Kirchen auch Szenen aus der Bibel in Kirchenfenstern und Gemälden abgebildet sind. In der Literatur treten vor allem die Fabelillustrationen hervor, die ebenfalls mit dem „lernpsychologischen Nutzen der Visualisierung „8arbeiteten .

Durch Gutenberg und seine neue Methode des Buchdrucks war die Produktion von Büchern wesentlich vereinfacht worden. In der Zeit davor waren es die Mönche in den Klöstern, die Bücher handschriftlich vervielfältigten; die normale Bevölkerung hatte kaum Zugang zu Wissen und Bildung. Nun entwickelte sich eine neue Kultur des Lesens, was erst einmal erlernt werden mußte. Hier waren die zu den Texten hinzugefügten Bilder eine große Hilfe. Man verstand mit den Illustrationen leichter die Bedeutung der Texte, so wie heute bei den Kinderbüchern. Außerdem muß man auch erwähnen, das derart kunstvoll bebilderte Bücher eine einzigartige visuelle Wirkung auf die mittelalterlichen Leser gehabt haben müssen .

Damals gab es keine Zeitschriften, man wurde nicht mit Bildern und Fotos überschwemmt.9

Diese Dinge haben heute kaum noch Bedeutung, wenn man von dem pädagogischen Nutzen visuell gestalteter Kinderbücher oder Sachbücher absieht. Bilder haben aufgrund einer gewissen Übersättigung keine so große Wirkung mehr auf uns. Trotzdem machen uns Illustrationen zu literarischen Texten neugierig auf den Inhalt, stimmen uns ein und regen beim Lesen unsere Phantasie an, sich die Handlung und die handelnden Personen besser vorstellen zu können.10

Auch kann der Künstler durch seine Illustrationen ein neues Licht auf einen Text werfen, worauf schon die wörtliche Bedeutung „erleuchten, erhellen“ hinweist. Er interpretiert den Text und der Leser gewinnt neue Ansichten. Das Verhältnis des Illustrators zu einem literarischen Werk und seine bildnerische Umsetzung wird im nächsten Kapitel noch genauer beschrieben.

Illustrationen müssen allerdings auch nicht unbedingt eine bestimmte Aufgabe erfüllen, sondern können auch rein dekorative Funktion haben.. Sie können einfach nur zur Zierde hinzugefügt werden. Das Buch soll ein Kunstwerk sein, das einfach schön anzusehen ist.11

Bedeutung des Illustrators

Volker Schlöndorff, der Regisseur von „Die Blechtrommel“ schrieb einmal zum Thema Literaturverfimungen: „Ich suche die Wirklichkeit hinter dem Buch, das, wovon der Schriftsteller ausgegangen ist.“12Ein Regisseur hat im Grunde viel mit einem Illustrator gemeinsam. Beide haben die Aufgabe, einen Text in Bilder umzusetzen, etwas zu visualisieren, ob die Bilder sich nun bewegen oder nicht. Der Interpret vermittelt im Prinzip zwischen dem Text und dem Leser. Er bestimmt, was der Betrachter seines Werkes im ersten Augenblick von einem literarischen Text erfährt. Dies hängt vor allem davon ab, wie der Illustrator seine eigene Bedeutung auffasst. In früheren Zeiten war der Künstler ohne Bedeutung. Die Illustratoren der Bibel im Mittelalter sahen in ihrer Arbeit nicht ein individuelles Werk, das ihre Meinung widerspiegelte, sondern eine Lobpreisung Gottes.13 Allmählich wurden die Illustratoren unabhängiger. Wo vorher eigentlich vor allem der zugrundeliegende Text im Vordergrund stand, gewann die Zeichnung an Bedeutung. Genau wie in der Kunstgeschichte, wo die Künstler aus dem Schatten der Auftraggeber heraustraten und sich nun mit ihrem Werk identifizierten, trat die Illustration gleichwertig neben den Text. Man begann selbst zu interpretieren, Schriften in ein anderes Licht zu rücken, seine eigene Auffassung zu zeigen und die tiefere Bedeutung eines Werkes zwischen den Zeilen herauszulesen.14

„Diese visualisierte ‚Psychologie‘ stellt ein Konzentrat dessen, dar, was ein Dramatiker oder Romancier nur sukzessive aufbauen kann.15

Was ein Schriftsteller nur nach und nach zu vermitteln vermag, kann der Illustrator in einem Bild darstellen. Auf einen Blick kommt das Zentrale, das, was in der Tiefe des literarischen Werkes versteckt ist, zu Tage. Im Text vielleicht schwer Verständliches wird sichtbar.

Der Illustrator übersetzt die „Psychologie“ ins Anschauliche und vertieft damit das Verständnis der literarischen Vorlage16.

Wenn man als Illustrator an einen Text herangeht, muß man sich erst einmal klar werden, was an diesem Text entscheidend ist. Wie Schlöndorff bemerkte, muß man erkennen, oder zumindest vermuten, was der Autor wirklich gemeint und was er sich gedacht hat. „Manche Autoren haben geäußert, daß der Illustrator der einzige Leser gewesen sei, der ihren Text wirklich gelesen und verstanden habe.“17Bei der Illustration kann man nicht hundertprozentige Textnähe wahren, man kann einen Text nicht in allen Einzelheiten optisch darstellen.

Entscheidungen müssen getroffen werden, was an einem Text entscheidend ist, was die Quintessenz ist. Meist geht man davon aus, welche Bilder man nach der Lektüre im Kopf behalten hat, was sich am stärksten eingeprägt hat.

„Wenigstens strebe jeder ernstlich darnach, das Bild, das ihm im Innersten aufgegangen, recht zu erfassen mit allen seinen Gestalten, Farben, Lichtern und Schatten, und dann, wenn er sich recht entzündet davon fühlt, die Darstellung ins äußere Leben [zu] tragen.“18

Man kann davon ausgehen, das die meisten Autoren wichtige Szenen so einprägsam schreiben, daß man die Bedeutung erkennen kann. Also ist das, was man deutlichsten merkt, auch vermutlich entscheidend.

Ich persönlich nehme nicht in Anspruch, das Werk Fontanes völlig erfasst und perfekt umgesetzt zu haben. Einige entscheidende Motive hatten sich mir bei Beginn der Facharbeit eingeprägt. Die Symbole, mit denen Fontane arbeitet, wie die Sonnenuhr oder die Schaukel, prägten sich mir ein, und das brachte ich zu Papier, ohne jegliche philosophische Überlegungen, was der Autor damit gemeint haben könnte. Ich zeichne, was ich in meiner Phantasie gesehen habe.

Anwendung auf Theodor Fontanes „Effi Briest“ Der Gesellschaftsroman von Theodor Fontane, der diesem zum Durchbruch verhalf, handelt von dem jungen Mädchen Effi Briest, die mit dem Ritterschaftsrat Geert von Innstetten verheiratet wird. Die lieblose Ehe mit dem traditionsbedachten, konventionellen Baron läßt das fröhliche, lebensfrohe Mädchen verkümmern und treibt sie schließlich in eine ebenso lieblose Affäre mit dem „Damenmann“19Major Crampas. Sechs Jahre, nachdem die Affäre ein Ende gefunden hat, entdeckt Innstetten die heimlichen Korrespondenzen zwischen Effi und Crampas. Von seinem preußischen Ehrenkodex geleitet, fordert der betrogene Ehemann Crampas zum Duell, welches dieser nicht überlebt. Effi, geächtet von der Gesellschaft, muß Mann und Kind verlassen und wird zu einem Leben in Einsamkeit verbannt. Erst zu Ende ihres Lebens kehrt sie in ihre Heimat zurück und stirbt dort „innerlich versöhnt, auch mit dem vereinsamten und verbitterten Instetten [!]„20

Eignung von Effi Briest zur Illustration Nicht jedes literarisches Werk läßt sich ohne weiteres illustrieren. Die Voraussetzung für eine bildnerische Umsetzung eines epischen, lyrischen oder dramatischen Stoffes ist das Vorhandensein von deutlichen Bildern, einprägsamen Szenen und Vorstellungen von den Gegebenheiten, die sich beim Lesen des Textes aufdrängen. Der Leser eines Textes setzt diesen automatisch in Bilder um , einem Kinofilm gleich, der im Kopf projiziert wird. Je genauer und farbenfroher die Beschreibungen im Text, desto leichter kann man sich eine Vorstellung davon machen, desto leichter kann man ihn bildnerisch umsetzen.

In dieser Hinsicht eignet sichEffi Briestbesonders gut zum Illustrieren. Der Roman beginnt bereits mit einer exakten Beschreibung der Umgebung von Effis Heimat in Hohen-Cremmen. Die Schilderung beschwört sogleich eine genaue Vorstellung herauf. Auch enthält dieser erste Abschnitt Symbole und „charakteristische Details“21, deren besondere Bedeutung erst im Laufe des Romans deutlich werden. Diese Symbole, von einer sich aufdrängenden Prägnanz, ziehen sich durch den gesamten Text und lassen auf eine bestimmte Bedeutung schließen. Wenn man den Text, zwecks genauer Untersuchung, mehrfach liest, werden die Symbole immer deutlicher und bedeutungsvoller und fließen, aufgrund der Bildhaftigkeit, automatisch in die Illustration ein.

So tritt in dieser Exposition das Motiv des Sonnenscheins und der damit verbundenen Sonnenuhr auf. Die Sonne ist Symbol für die Lebensfreude und die „‘sonnige‘ Stimmung“22 in Effis Heimat. Von der Bedeutung der Sonnenuhr soll später noch die Rede sein. Auch treten im Text zahlreiche Pflanzen auf, wie Rhababerstauden, Efeu, wilder Wein und Plantanen, denen ebenfalls jeweils eine Symbolhaftigkeit zukommt. Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Schaukel, die detailgenau beschrieben wird.

Diesen Symbolen kann sich der Leser nicht entziehen, und so auch der Illustrator, was den Text zur bildnerischen Umsetzung geeignet macht. Allerdings konnte ich nicht alle Symbole verwenden, da ich mich auf das Wesentliche, das wirklich Wichtige beschränkt habe.

Wie einzelne Symbole, so prägen sich auch einige Szenen ganz besonders ein. Erwähnt sei hier der Moment, in welchem die Zwillinge bei Effis Verlobung durch das „weit offen stehende und von wildem Wein halb überwachsene Fenster“ 23blicken und „Effi, komm“ in den Raum rufen. Die eigenen Äußerungen Fontanes deuten auf die Bedeutsamkeit dieser Szene hin. Diese Szene war überhaupt entscheidend für die Entstehung des ganzen Romans, der auf einer wahren Begebenheit aus dieser Zeit beruht.

„Die ganze Geschichte ist eine Ehebruchsgeschichte wie hundert andre mehr und hätte,(...) weiter keinen großen Eindruck auf mich gemacht, wenn nicht(...) die Szene bez. die Worte: ‚Effi komm‘ darin vorgekommen wären. Das Auftauchen der Mädchen an den mit Wein überwachsenen Fenster, die Rotköpfe, der Zuruf und das Niederducken und Verschwinden machtensolchenEindruck auf mich, daß aus dieser Szene die ganze lange Geschichte entstanden ist...“24

Der ganze Roman entstand also aus einem Bild, das sich durch eine Erzählung in den Kopf des Autors gesetzt hatte. Ebenso ergeht es dem Illustrator, der die Szene liest und deren Einzelheiten im Gedächtnis zu einem Bild verarbeitet. Der Autor macht aus der Phantasie ein Buch, der Künstler ein Bild.

Trotz all dieser bildhaften Symbole, die sich leicht darstellen lassen, fordert der Roman doch eine gewisse Feinfühligkeit, man muß heraushören, was wichtig ist. Da Fontane die Begebenheiten ohne unnötige Übertreibungen beschreibt und scheinbare Schlüsselszenen, wie den Ehebruch oder das Duell, mit nur wenigen Sätzen übergeht, muß man sich auf die Symbolik beschränken, die zwischen den Zeilen steht. Aber gerade diese Kargheit an Emotion und die zurückhaltende Schilderung der Ereignisse, zeichnen Effi Briest aus und stellen die Herausforderung dar. Man muß „auf die Herztöne lauschen“25 um das „Unausgesprochene“26 in den Gesprächen, Handlungen und Symbolen zu erkennen. Darin liegt auch der Reiz für den Illustrator, der das Undeutliche, das Verborgene aus den Tiefen der Geschichte herauskristallisieren und dieses in der bildnerischen Umsetzung zur Geltung bringen muß.

Auswahl der Motive

„Effi komm!“

Das erste Motiv, das ich ausgewählt habe, ist die Fensterszene mit den Zwillingen, die der frisch Verlobten den schicksalsträchtigen Satz „Effi komm“ zurufen. Auf die Bedeutung der Szene für das schriftstellerische Werk Fontanes wurde schon im letzten Kapitel hingewiesen. Die alleinige „Faszination, die von dem Zuruf ‚Else, komm!’ ausging, führten (...) zur Niederschrift des Romans.“27[der Ausspruch bezieht sich ursprünglich auf Elisabeth von Ardenne, genannt Else, was von Fontane in Effi umgewandelt wurde, d.Verf.] Diese Episode war ein Anstoß für Theodor Fontane, „eine symbolische Szene, die gefehlt hatte, um einem Werk zur Ausreifung zu verhelfen“28.

Man kann das Motiv durchaus als Schlüsselszene bezeichnen, sowohl für den Schriftsteller, als auch für den Roman. Dies läßt sich auch daran erkennen, daß Baron Innstetten die omenhafte Begegnung nicht aus dem Kopf geht.

„Dieser nickte mechanisch zustimmend, war aber eigentlich wenig bei der Sache, sah vielmehr, wie gebannt, immer aufs Neue nach dem drüben am Fenster rankenden wilden Wein hinüber, (...) und während er dem nachging, war es ihm, als säh er wieder die rotblonden Mädchenköpfe zwischen den Weinranken und hörte dabei den übermütigen Zuruf:‚Effi, komm.‘“29

Selbst Innstetten, der Vernunftsmensch, der „nicht an Zeichen und Ähnliches“30glaubt, fühlt, daß es sich um mehr als einen bloßen Zufall gehandelt haben muß31. Er erkennt, daß alles etwas Schicksalhaftes hat, etwas Mystisches, Vorbestimmtes. Auf den aufmerksamen Leser hat diese Szene die gleiche Wirkung und prägt sich ein.

Dies ist vor allem auch der einprägsamen Farbwirkung zuzuschreiben. Das Grün des wilden Weines und das Rot der Zöpfe der Zwillinge stehen komplementär zueinander und verstärken so die Wirkung. Die Komplementärfarben erzeugen eine Farbmagie und setzen sich in der Phantasie fest Man muß auch wieder auf die Symbolhaftigkeit der einzelnen Elemente hinweisen. Dem wilden Wein, der ja auch in der Exposition Erwähnung findet, kann große Bedeutung zugemessen werden. Er taucht im weiteren Verlauf des Romans öfters auf. Mit dem Wein „signalisiert der Erzähler dem Leser Gefahr und nahendes Verhängnis und bringt trotz des ahnungslosen Verhaltens der Romanpersonen kommende Ereignisse beständig ins Bewußtsein“32. Es wird einem sofort klar, daß das ganze etwas Vorausdeutendes hat, obwohl sich die handelnden Personen, die Zwillinge, der Bedeutsamkeit nicht bewußt sind. Auch ist der Wein als Symbol für die „Ungebundenheit und Freiheit“34 von Effis Heimat Hohen-Cremmen anzusehen. Der Ruf der Zwillinge in Verbindung mit dem symbolhaften wilden Wein könnte man als Aufforderung an Effi verstehen ,sich nicht von einer arrangierten Heirat die Freiheit nehmen zu lassen, sich nicht den Konventionen zu beugen und im heimatlichen Hohen- Cremmen zu bleiben33.

Zusätzlich zu den Schilderungen des Romans habe ich bei den Zeichnungen noch die Symbole der Schaukel und der Sonnenuhr in den Hintergrund hinzugefügt. Wie ich noch in diesem Kapitel schildern werde, haben diese einen vorausdeutenden Charakter und sollen hintergründig auf die Schicksalhaftigkeit der Szene hinweisen.

Die junge Effi auf der Schaukel

Das zweite Motiv, das ich zur Illustration ausgewählt habe, ist Effi als junge Frau auf der von ihr so geliebten Schaukel, kurz vor ihrer Verlobung. Wie im letzten Kapitel erwähnt, hat die Schaukel symbolische Bedeutung und verweist auf Effis Charakter ebenso wie auf die Schicksalhaftigkeit der Szenerie. Das Bild von einem jungen Mädchen , daß voll überschwenglicher Freude sich auf einer Schaukel vergnügt, ist sehr einprägsam und läßt „sinnlich eindrucksvoll Effis Persönlichkeit vor den Augen des Lesers entstehen“34. Das Schaukelmotiv tritt, wie andere Symbole auch, häufiger im Roman auf und dann meist an exponierter Stellung. Es deutet immer auf Effis Jugend, auf ihr vergängliches oder bereits vergangenes Glück hin.

Effi wird von ihrer Mutter schon zu Anfang als „Tochter der Luft“35bezeichnet. Dies gibt Aufschluß über zwei typische Eigenschaften von Effi. Zum einen die Kindlichkeit, die Lebensfreude und Unbeschwertheit. Zum anderen aber auch der Hang zu Risiko, Leichtsinnigkeit und Abenteuer. Es wird ein

Bild gezeichnet von einem „übermütigen, teilweise unberechenbaren jungen Mädchen voll Sehnsucht nach dem ‚schwerelosen Glück‘“36. Effi liebt ihre Freiheit, sie ist immer noch das kleine Mädchen und möchte es am liebsten auch bleiben . Auf die Frage ihrer Mutter, ob sie nicht lieber eine feine Dame werden würde, gibt sie ein klares Nein zur Antwort37. Effi ist noch nicht Teil der Gesellschaft, die sie im späteren Leben ruinieren wird. Das alles steht ihr erst noch bevor. Im Moment ist ihr Leben von Sorglosigkeit geprägt, worauf schon die Schaukel hinweist, die man vor allem mit einer unbeschwerten Kindheit in Verbindung bringt. Diese Schaukel ist für Effi der Inbegriff ihrer freudigen Jugend, ihrer Heimat Hohen-Cremmen, wohin sie am Ende ihres unheilvollen Lebens wieder zurückkehrt.

Allerdings besteht beim all zu wilden Schaukeln trotz aller Freude immer die Gefahr des Abstürzens, welche Effi ohne Bedenken oder sogar bewußt eingeht. Sie braucht diesen Nervenkitzel, den Reiz der Gefahr.

„Ich klettre lieber und schaukle mich lieber, und am liebsten immer in der Furcht, dass es irgendwo reißen oder brechen und ich niederstürzen könnte. Den Kopf wird es ja nicht kosten.38

Ihr ungestümes, lebenslustiges Verhalten schlägt schnell in Leichtsinn um und wird für sie zur ernsthaften Gefahr39.Effi gibt sich ohne Rücksicht auf das Risiko des Abstürzens dem Schaukeln hin, genauso wie sie sich später Major Crampas hingibt. Sie denkt nicht an die Folgen ihres Handelns, was verhängnisvoll sein wird. So kann man die Schaukel und die ganzen Charaktermerkmale Effis, die damit verbunden sind, als Vorausdeutung für ihr späteres Leben sehen.

Zum Motiv der Schaukel habe ich noch das nicht minder bedeutsame Symbol der Sonnenuhr hinzugefügt. Wie die Schaukel, hat diese auch zwei gegensätzliche Bedeutungen, die eine positiv, die andere negativ und vorausdeutend. Das charakteristische eines solchen Zeitmessers ist, daß er nur bei Sonnenschein funktioniert, er misst „nur die sonnigen Stunden“40,also die glückliche Zeit. Effis Zeit zu Hause ist geprägt von dieser sonnigen Atmosphäre. Und doch bringt man eine Uhr immer mit verstreichender Zeit in Zusammenhang. Die Sonnenuhr zählt die letzten glücklichen Stunden, die Effi noch verbleiben. Die vergehende Zeit schwebt wie ein Damokles Schwert über Effis Kopf. Bevor die Geschichte überhaupt beginnt, sind die Stunden von Effis Leben schon gezählt. Die Uhr beginnt zu ticken, der Sand verrinnt von Anfang an.

Effi im Alter auf der Schaukel

Im dritten Motiv schaukelt Effi zwar immer noch, doch hat sie eine merkliche Veränderung erfahren. Das Bild zeigt sie, nachdem sie am Ende ihres Lebens nach Hause zurückgekehrt ist. Ihre Ehe, ihre Affäre, ihr Leben liegen hinter ihr. Sie durfte nun doch ihre letzten Tage in Hohen-Cremmen verbringen. Bemerkenswerter ist, daß ihre Eltern, die sie nach dem Bekanntwerden der Affäre verstoßen hatten, mit einem Telegramm zurückrufen mit den Worten „Effi komm“.

„Es ist dies allerdings nicht die Rückkehr eines Kindes in das Elternhaus, sondern einer gebrochenen Frau auf der Suche nach Ruhe und Geborgenheit.“41

Vieles liegt hinter ihr, das ihr sonniges Gemüt zermürbt hat. Eine lieblose Ehe ließ sie abstumpfen, eine entdeckte Affäre ruinierte ihr Leben und an einer Tochter, die vom Vater aufgehetzt, Effi wie eine Fremde behandelt zerbrach sie.

Effi ist gescheitert an der starren, preußischen

Gesellschaft, in die sie hineingepresst wurde. Ihr kindliches Gemüt, ihr Wunsch nach Freiheit waren damit unvereinbar.

Das Bild zeigt die Szene mit Pfarrer Niemeyer, mit dem Effi eine Unterhaltung über das Leben führt. Effi springt auf ihre Schaukel „mit einer Behändigkeit, wie in ihren jüngsten Mädchentagen.“42 Bei diesen Motiv sieht man besonders gut Effis Veränderungen, die sie auch selbst erkennt.

„Effi, du bist doch noch immer, wie du früher warst.“ „Nein. Ich wollte, es wäre so. Aber es liegt ganz zurück, und ich hab es nur noch einmal versuchen wollen. Ach, wie schön es war, und wie mir die Luft wohltat; mir war, als flög ich in den Himmel. Ob ich wohl hinkomme?“25

Sie weiß, das alles sich verändert hat, nichts wird so sein wie früher. Ihre Jugend, ihr Leben ist unwiederbringlich verloren und sie ist sich ihrer Schuld an der ganzen Misere bewußt. Sie zweifelt, ob ihr nach all ihrer Schuld ein Dasein im Himmel vergönnt sein wird. Zugleich gibt sie auch zu erkennen, daß sie mit dem Leben abgeschlossen hat. Sie weiß, sie wird sterben.

„Als Effi zum letzten mal auf die Schaukel springt, wird das zur Abschiedsgeste von der Welt“43

Ihr sind nun noch einige schöne Tage in ihrer Heimat vergönnt „in Versöhnung mit denen, die sie immer geliebt hatte und von denen sie immer geliebt worden war, auch in den Jahren ihres Elends und ihrer Verbannung.“44Sie ist zu Hause. Aber die Rückkehr in die Heimat und die Freude, bei ihrer Familie zu sein, vermag sie nicht zu retten. Noch im Herbst des selben Jahres erliegt sie ihrer Krankheit, oder vielmehr ihrem gebrochenen Herzen. Doch stirbt sie „mit Gott und Menschen versöhnt, auch mitihm[Innstetten].“45

Auch tritt hier wieder die Sonnenuhr in Erscheinung. Sie misst die nun nur noch kurze Zeit, die Effi noch verbleibt. Effis Zeit ist abgelaufen. Die Sonnenuhr steht wie ein Mahnmal hinten im Bild, ständig auf die letzten Stunden hinweisend.

Nach Effis Tod wird die Sonnenuhr durch Effis Grabstein ersetzt.

Ausführung in verschiedenen Zeichentechniken

Von allen Motiven fertigte ich zuerst eine Bleistiftzeichnung an, um die Szenerie festzulegen und einen gemeinsamen Ausgangspunkt für alle drei Motive zu haben. Jedes Motiv arbeitete ich dann in einer Zeichentechnik aus, die ich für das Motiv als am geeignetsten erachtete. Als nächstes wurden alle Bilder, Bleistiftzeichnungen und Einzelausführungen im Computer bearbeitet. Diese Computerdrucke könnte man als eine neue, moderne Drucktechnik ansehen, wie Lithographie. Da normalerweise Buchillustrationen durch eine Drucktechnik erstellt werden, erschien mir der Einsatz des Mediums Computer gut geeignet, um meine eigene Drucktechnik einzubringen.

„Effi komm“

Für das erste Motiv (Abb.1)war es wichtig, es detailgenau auszuarbeiten. Die Szenerie ist im Roman exakt und eindrucksvoll beschrieben, obwohl ich meiner Illustration einige Details hinzugefügt habe, die so im Text nicht direkt bei dieser Szene auftauchen. Durch die zahlreichen Symbole und die Schicksalhaftigkeit ist die Szene am einprägsamsten. Die Sonnenuhr bildet das Zentrum der Zeichnung und läßt einen sofort an Effis verrinnende Zeit denken. Die Schaukel ist leicht verdeckt durch den Kopf des Mädchens und den wilden Wein, da die unbeschwerte Kindheit Effis, symbolisiert durch die Schaukel, von diesem Augenblick an zu Ende ist. Der wilde Wein rankt sich wie lebendig geworden durch das Bild. Alles scheint Effi dazu überreden zu wollen, nach draußen zu gehen, nicht Innstetten zu heiraten.

In der Computerversion (Abb.2) bekommt die Szenerie etwas Bedrückendes. Alles ist dunkler, undeutlicher. Die Augen des Mädchen erscheinen leer und tot, wie das Leben, das Effi erwartet. Der trübe, graue Hintergrund verleiht den Eindruck von Abgestorbensein, von Leere; und doch besitzt die Szenerie ein bedrohliches Leuchten. Sie hat nichts Lebendiges mehr an sich, sondern etwas Mahnendes. Effis Schicksal ist beschlossen, die Chance zu fliehen ist vorbei.

Für die Auswahl der Zeichentechnik (Abb.3) war die Farbwirkung entscheidend. Das Grün des wilden Weins, das Rot der Zöpfe der Zwillinge machten nicht nur auf die Figur des Innstetten Eindruck, sondern beeinflussten Fontane selbst, den Roman zu schreiben. Es war wichtig, die Farben zu erhalten. Ich entschied mich für die Aquarelltechnik, da dadurch eine starke Leuchtwirkung erreicht wird und die Technik zugleich etwas Verschwommenes, Flüchtiges besitzt.

Der Wein wirkt noch lebendiger, wilder, genauso wie die Haare der Zwillinge, die im Licht der Sonne strahlen. Aber all diese Lebendigkeit befindet sich außerhalb des Raumes, in dem Effi sich gerade befindet, in dem sie soeben verlobt wurde. Sie ist ihrer Kindheit, ihrer Sorglosigkiet fern. Die Schaukel, das satte Grün der Umwelt, ihre Freundinnen laden sie geradezu dazu ein, ins Freie zu treten. Der Fensterrahmen ist wie eine Grenze, die Effi nicht mehr überschreiten kann. Das freudige Leben der Zwillinge ist nun nicht mehr das ihrige.

Das im Computer bearbeitete Bild (Abb.4) verstärkt die Farbigkeit und die Leuchtwirkung noch weiter. Der wilde Wein scheint wie ein undruchdringlicher Urwald. Das Bild hat etwas Magisches an sich, es scheint vom Sonnenlicht hell erstrahlt. Man kann sich gut vorstellen, wie sich diese Szene Innstetten eingeprägt haben muß.

Effi auf der Schaukel

Im nächsten Motiv (Abb.4) habe ich mich auf das Wesentliche beschränkt. Zu sehen sind nur Effi, fröhlich schaukelnd, und hinter ihr, wie ein Mahnmal, die Sonnenuhr, die ihre Stunden zählt - im Moment noch die sonnigen. Das Bild läßt eine gewisse Kargheit erkennen. Keine Schnörkel, kein ausgearbeiteter Hintergrund. Nur Effi und die verrinnende Zeit.

Effis Haar flattert wild im Flugwind genau wie ihr Kleid. Man kann sich die Schaukelbewegung direkt vorstellen, hat vor Augen, wie Effi im nächsten Moment nach vorne schwingt, sich leicht nach hinter beugt, den Moment der Schwerelosigkeit genießt. Effi wirkt lebensfroh, verspielt und doch erkennt man eine gewisse Reife. Sie lacht nicht ausgelassen, ihr Blick ist leicht misstrauisch auf etwas hinter dem Bildrand gerichtet, als würde sie ahnen was vor ihr liegt.

Die Computerversion der Bleistiftzeichnung (Abb.6) verstärkt den Eindruck der Lebendigkeit. Die Aufmerksamkeit wird durch die Dunkelheit mehr auf die Gesichtspartie gelenkt. Auch die Sonnenuhr tritt dadurch deutlicher hervor. Sie erscheint jetzt fast wie eine Drohung, ein Damoklesschwert, das über Effis Kopf schwebt und jederzeit fallen kann. Doch Effi bemerkt ihren schicksalhaften Zeitmesser nicht, als würde sie die Zukunft ignorieren.

Da das Bild (Abb.7) Effi in ihren glücklichen Tagen in der Heimat, ihre unbeschwerte Kindheit zeigt, sollte das Motiv lebendig, fröhlich gestaltet sein. Es sollte eine beschwingte Farbigkeit haben. Die leuchtenden Farben der Faber- Castell Buntstifte erschienen mir hier am besten geeignet. Effis Haare stechen in einem saftigen Rot hervor und wirken noch wilder als in der Bleistiftzeichnung. Das Bild scheint kindlicher, sorgenfrei. Der Buntstiftstrich bringt noch deutlicher Effis Lebensfreude hervor. Die Sonnenuhr wirkt in diesem Fall nicht mehr derart drohend. Sie erfüllt diesmal die positive Funktion, sie misst die glücklichen Stunden.

Im Computer (Abb.8) verstärken sich die Farben deutlich. Sie wirken kräftig. Das Rot von Effis Mähne leuchtet. Allerdings sind die Farben auch dunkler. Effi wirkt nicht mehr so kindlich.

Effi im Alter

Effi ist nun am Ende ihres Lebens angelangt (Abb.9). Sie schaukelt nicht mehr ausgelassen, sondern steht verträumt auf der Schaukel. Trotzdem sieht man, daß sie wieder das Risiko eingeht, zu stürzen. Sie steht nur mit einem Fuß auf dem Brett, lehnt sich in ihrer leichtsinnigen Art nach hinten. Aber sie wirkt ausgeglichen. Ihre Augen sind geschlossen, sie ist in Gedanken versunken. Das Bild strahlt eine gewisse Melancholie aus, verursacht durch Effis Haltung, die Art wie sie ihren Kopf von der Welt abwendet, als wolle sie nichts mehr sehen, auch nicht die Sonnenuhr. Sie weiß, ihre Zeit ist um und sie hat Frieden gemacht mit ihrem Leben.

Durch die Computerbearbeitung (Abb.10) wirkt die Szenerie verlassen, leer. Effi ist allein. Das Grau des Hintergrunds läßt das Ganze tot, abgestorben erscheinen. Effi sieht nun fast gebrochen aus. Voller Verzweiflung und Verbitterung wendet sie ihr Haupt ab vom Leben, von der Zeit, die in Gestalt der Sonnenuhr wie ein Wächter hinter ihr steht, bereit, Effi ans Ende ihres Leben zu geleiten.

Da Effi nun bald sterben wird, sollte das Motiv dunkler, bedrohlicher erscheinen(Abb.11). Schwarze Ölkreide erschien mir als die beste Zeichentechnik, um Effis Zustand zu verdeutlichen. Wie der Tod persönlich steht die Dunkelheit hinter Effi. Sie sieht verzweifelt aus, todunglücklich. Ihr Leben ist verloren. Die Sonnenuhr verschmilzt mit dem schwarzen Hintergrund. Sie ist Teil des nahenden Endes.

Nach der Bearbeitung im Computer (Abb.12) tritt die Dunkelheit noch mehr hervor. Effi wird von der Schwärze eingehüllt, verschluckt. Es gibt kein Entrinnen aus ihrem Schicksal. Sie ist gefangen darin. Die Sonnenuhr geht nun fast völlig im Dunkel des Hintergrunds unter. Es gibt fast nur noch die bedrohliche Schwärze.

Ausblick

Wie in der Einleitung erwähnt, gibt es heute kaum noch illustrierte Bücher. Allerdings kann man auch nicht sagen, daß die Buchillustration völlig aus der Literatur verschwunden ist.

Eine Ausnahme zur Zeit sind die Romane von Walter Moers. Sein „Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär“ oder „Ense und Krete“ sind mit zahlreichen Tuschezeichnungen versehen. Moers, der eigentlich vor allem durch seine Comics bekannt geworden ist, offenbart in seinen ersten Romanen ein Feuerwerk der

Phantasie: Landkarten des geheimnisvollen Kontinents

Zamonien, dem Dunkelwald mit seinen Bewohnern, den Blaubären, verrückte Gestalten, wie der Laubwolf, und Bewohner des sagenumwobenen Atlantis begleiten durch den Roman und machen das Lesen zu einer Freude.

Schade, das Moers nur eine Ausnahme von der Regel ist.

Literatur

Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie. 1993-1998 Microsoft Corporation

Hamann Elsbeth; Theodor Fontane, Effi Briest: Interpretation, München, Oldenbourg, 1981

Grawe, Christian; Theodor Fontane, Effi Briest, Frankfurt am Main 1996, Verlag Moritz Diesterweg, 6.Auflage

Wendland, Henning; Die Buchillustration - Von den Frühdrucken bis zur Gegenwart, Stuttgart 1987, AT Verlag Aarau

Lexikon der Kunst, Band 2, Erlangen 1994, Karl Müller Verlag

Hermann, Ursula; Knaurs Etymologisches Lexikon, München, 1992, vollständige Taschenbuch Ausgabe Harenbergs Lexikon der Weltliteratur, Band 2; Dortmund 1989, 2.Auflage

Heinritz, Reinhard; Buchillustration als Kunstform, Frankfurt am Main, 1999

Schlöndorff, Volker; „Die Blechtrommel“- Tagebuch einer Verfilmung, Darmstadt, 1979, 3. Auflage Theodor Fontane, Effi Briest; Hamburger Lesehefte Verlag, Husum, o.J

H.-P.Reisner/ R.Siegle; Theodor Fontane: Effi Briest, Lektürenhilfe; Ernst Klett Verlag, Stuttgart 2000,

8. Auflage

„Ich erkläre hiermit, daß ich die Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt und nur die im Literaturverzeichnis angeführten Quellen und Hilfsmittel benützt habe.“

.., den

Ort Datum Unterschrift des Schülers

[...]


1 Wendland, Die Buchillustration, S.5

2 vgl. Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie, „Illustration“

3 vgl. Lexikon der Kunst, Karl Müller Verlag, S.370f

4 vgl. Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie, „Illustration“

5 vgl. Heinritz, Buchillustration als Kunstform S.12

6 Knaurs Etymologisches Lexikon, S.209

7 Heinritz, Buchillustration als Kunstform S.14

8 Heinritz, Buchillustration als Kunstform S.14

9 vgl. Wendland, Die Buchillustration, S. 27f

10 vgl. Wendland, Die Buchillustration, S. 25

11 Heinritz, Buchillustration als Kunstform S.13

12 Schlöndorff, „Die Blechtrommel“-Tagebuch einer Verfilmung, S.48

13 vgl. Wendland, Die Buchillustration, S.28

14vgl. Heinritz, Buchillustration als Kunstform, S.14

15 Heinritz, Buchillustration als Kunstform, S.17

16 vgl. Heinritz, Buchillustration als Kunstform, S.27

17Wendland, Die Buchillustration, S.26

18 Heinritz, Buchillustration als Kunstform, S.20 (Zit. n. E.T.A. Hoffmann, Die Serapions-Brüder)

19 Theodor Fontane, Effi Briest, S.88

20 Harenbergs Lexikon der Weltliteratur, Band 2; S.812

21 Zit. nach :Hamann; Theodor Fontane, Effi Briest: Interpretation ; S.24 (Zit. nach Kahrmann, Idylle im Roman)

22 vgl. Hamann; Theodor Fontane, Effi Briest: Interpretation; S.25

23 Theodor Fontane, Effi Briest, S.14

24 Hamann; Theodor Fontane, Effi Briest: Interpretation; S.9

25 Grawe, Theodor Fontane, Effi Briest; S.111

26 Grawe, Theodor Fontane, Effi Briest; S.110

27 Hamann; Theodor Fontane, Effi Briest: Interpretation; S. 9

28 vgl. Hamann; Theodor Fontane, Effi Briest: Interpretation; S.9

29 Theodor Fontane, Effi Briest, S.17

30 Theodor Fontane, Effi Briest, S.17

31 vgl. Theodor Fontane, Effi Briest, S.17

32 Hamann, Theodor Fontane, Effi Briest: Interpretation; S.28 (Zit. n. Peter Demetz)

33 vgl. Hamann, Theodor Fontane, Effi Briest: Interpretation, S.29

34 Klett Lektürenhilfe, Effi Briest, S.150

35 Theodor Fontane, Effi Briest, S.6

36 vgl. Hamann; Theodor Fontane, Effi Briest: Interpretation, S.44 ( Zit. n. Schwarz, Peter Paul: „Tragische Analysis“ und Schicksalsvorausdeutungen in Fontanes Roman „Effi Briest“)

37 vgl. Theodor Fontane, Effi Briest, S.6

38 Theodor Fontane, Effi Briest, S.28

39 vgl. Grawe, Theodor Fontane, Effi Briest, S.55

40 Grawe, Theodor Fontane, Effi Briest, S.55

41 Hamann; Theodor Fontane, Effi Briest: Interpretation, S.43

42 Theodor Fontane, Effi Briest, S. 238

43 Grawe; Theodor Fontane, Effi Briest, S.55

44 Theodor Fontane, Effi Briest, S. 236

45 Theodor Fontane, Effi Briest, S. 248

22 von 22 Seiten

Details

Titel
Illustration von Effi Briest
Veranstaltung
LK-Kunst
Note
13 Punkte
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V105498
ISBN (eBook)
9783640037902
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Illustration, Effi, Briest, LK-Kunst, Thema Effi Briest
Arbeit zitieren
Susanne Habermann (Autor:in), 2001, Illustration von Effi Briest, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105498

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