Selbstevaluation als Instrument der Qualitätssicherung


Seminararbeit, 2000

30 Seiten, Note: 2


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Inhalt

1 Einleitung

2 Qualitätsentwicklung in der Sozialen Arbeit

3 Selbstevaluation: Definition und Zielsetzung
3.1 Legitimation sozialarbeiterischen Handelns und Motivationsförderung durch Transparenz
3.2 Selbstqualifikation durch Selbstreflexion
3.3 Kostenminimierung durch Prozessoptimierung

4 Selbstevaluation hat Methode!
4.1 Selbstevaluation - ein „Methoden-Mix“
4.2 Untersuchungsperspektiven der Selbstevaluation
4.3 Durchführung einer Selbstevaluation
4.3.1 Vorarbeiten
4.3.2 Erstellung eines Evaluationsplanes
4.3.3 Durchführung und Auswertung

5 Nachbetrachtung

6 Literatur

1 Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Selbstevaluation als Instrument der Qualitätssicherung“ in der Sozialen Arbeit. Sie entstand im Rahmen des Seminars

„Grundlagen der Sozialplanung“ im Wintersemester 2000/2001 als Ergebnis eines Referates zum gleichen Thema, welches in einen Themenkomplex eingebunden war, in dem, als Grundlage der Qualitätsentwicklung in der Sozialen Arbeit, sozialarbeitsimmanente Methoden der Qualitätsüberprüfung vorgestellt wurden.

Bevor jedoch die Selbstevaluation in einem Überblick über ihre Entwicklung, Verfahren und Nutzen vorgestellt wird, soll zunächst kurz die Notwendigkeit der Qualitätsentwicklung in der Sozialen Arbeit kurz erläutert werden.

Die Methode der Selbstevaluation wurde maßgeblich in den 80er Jahren durch Maja Heiner entwickelt und voran gebracht. 1988 stellte Heiner die Methode erstmals und beispielhaft einer größeren Fachöffentlichkeit vor. Später folgten Weiterentwicklungen der Methode, die in erster Linie durch Arbeiten von Maja Heiner und Hiltrud von Spiegel in den 90er Jahren geprägt waren.1

Da die Arbeit lediglich einen Überblick über die Methode der Selbstevaluation bieten soll und erhebt sie in keiner Weise den Anspruch eine Handlungsanleitung zur Durchführung einer Selbstevaluation zu sein. Vielmehr soll aufgezeigt werden, was Selbstevaluation leisten kann und welche Ziele mit ihr erreicht werden können.

2 Qualitätsentwicklung in der Sozialen Arbeit

In Zeiten, in denen bei den Kommunen in allen Bereichen von leeren Kassen und Einsparpotentialen gesprochen wird, wird auch von der Sozialen Arbeit verlangt, dass sie ihre Leistungen den Kostenträgern gegenüber transparenter und Arbeitsabläufe effizienter gestaltet.

Spätestens seit dem Inkrafttreten des Kinder- und J ugend hilfe gesetzes (SGB VIII) 1991 und den darin enthaltenen Forderungen nach §§ 78a-g KJHG über Vereinbarungen über Leistungsangebote, Entgelte und Qualitätsentwicklung, ist auch die Soziale Arbeit gezwungen sich mit Qualitätsentwicklung und Leistungsbeschreibung auseinander zu setzen.

Durch die zunehmende finanzielle Knappheit der Kommunen, aber auch in vielen Einrichtungen selbst, sehen sich diese gezwungen, „ihre finanziellen Ressourcen und die Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter gezielter und selektiver einzusetzen“2.

So kommt es, dass in der „modernen“ Sozialen Arbeit Begriffe wie „Qualitätssicherung“ (QS), „Qualitätsmanagement“ (QM), Total-Quality-Management“ (TQM), usw., die in der freien Wirtschaft schon seit längerem etabliert sind, nun auch in diesem Bereich Einzug halten.

Die von vielen als „BWL’isierung“ der Sozialen Arbeit verpönte und teilweise auch gefürchtete Entwicklung qualitativer Standards, auf der Grundlage von Einsparungen, wird mit den o.g. Gesetzesregelungen nun unabdingbar.

Doch auch schon vor 1991 gab es sozialarbeitsimmanente Verfahren, von denen eines die Selbstevaluation ist.

- Qualitätsentwicklung als Voraussetzung zur Selbstevaluation -

Da die Selbstevaluation, wie im späteren Verlauf der Arbeit noch beschrieben, auch die fachliche Arbeit jedes Einzelnen qualifizieren soll, müssen vor einer solchen Untersuchung zunächst Kriterien entwickelt werden, anhand derer die geleistete Arbeit später bewertet werden kann. Diese Kriterienentwicklung kann man heute mit dem aktuellen Begriff der „Qualitätsentwicklung“ vergleichen. Dabei bezieht sich die Qualitätsentwicklung, als umfassende Betrachtung eines Arbeitsbereiches, auf folgende Dinge:3

- die Entwicklung einer aktuellen, am Bedarf orientierten und fachlichen Konzeption;
- die Erarbeitung von Qualitätskriterien und deren „politische“ Absicherung durch die Leitung der Organisation und die Geldgeber;
- die fachlich fundierte Qualifizierung der Arbeitsprozesse, etwa durch Operationalisierung der konzeptionellen Ziele und Kriterien für das methodische Arbeiten vor Ort;
- die ressourcenmäßige Absicherung der Arbeit durch angemessene Rahmenbedingungen.

Heiner beschreibt die Kriterienentwicklung in der Sozialen Arbeit als schwierig, da man es hier in der Regel mit „schlecht strukturierten Problemlagen“4 zu tun hat. Schlecht strukturiert Probleme sind nach Heiner dadurch gekennzeichnet, dass Zielsetzung und Lösungsweg für ein Problem meist allenfalls vage bekannt sind und viele Aspekte des Problems, die zur Lösung beitragen können, sich erst während der Intervention herauskristallisieren. Auch bei anfangs vielleicht klaren Problemen, für die eine Lösung auf der Hand zu liegen scheint, kann sich bei näherer Betrachtung zeigen, dass sie viel komplexer sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen.

Diese individuelle Komplexität von Problemlagen gestaltet die Entwicklung von Qualitätskriterien anhand derer Soziale Arbeit bewertet werden soll als eher schwierig, da Bewertungen, anders als bei klar definierbaren Zielen, nach individuellen Kriterien erfolgen müssen. Diese Kriterien sollen Merkmale beinhalten, die es ermöglichen Zustände im Hinblick auf ihre Qualität hin zu bewerten.

Dabei muss berücksichtigt werden, welche Untersuchungsperspektiven (vgl. Kapitel 4.2, S.17f) der Selbstevaluation durch die Kriterien beschrieben werden.

Die Kriterien in der konzeptionellen und der Prozessperspektive beschreiben in der Regel Arbeitsprinzipien und Handlungsregeln, die als „gute Arbeit“ gewertet werden können. Kriterien, die aus der Sicht des Adressaten gute Dienste beschreiben, beziehen sich auf die Rahmenbedingungen und bewerten die strukturellen Merkmale der Arbeit. In der Ergebnisperspektive werden dann letztendlich Zustände nach einer Intervention bewertet. Die Kriterien hierzu sollen beschreiben, ob eine Annäherung an die vorgenommenen Ziele erreicht und den Adressaten geholfen werden konnte.

3 Selbstevaluation: Definition und Zielsetzung

Wie einleitend erwähnt, wurde die Methode der Selbstevaluation maßgeblich in den 80er Jahren von Maja Heiner entwickelt.

„Es fehlt in der sozialen Arbeit an Konzepten und Verfahren zur Dokumentation und Analyse von Ergebnissen.“5, schreibt sie 1988 über die Notwendigkeit von Selbstevaluation. Alle bisherigen Erfassungsinstrumente (bspw. Akte, Jahresstatistik, Bericht, ...) sind ihrer Meinung nach für eine objektive Diskussion von Zielen und Ergebnissen nicht geeignet, da sie immer unter legitimatorischen Gesichtspunkten verfasst werden und somit nur eine objektiv „geschönte“ Version der Realität wiederspiegeln.

Mit der Selbstevaluation will Heiner nun eine Methode anhand geben, die ohne Rechtfertigungsdruck die geleistet Arbeit tatsächlich objektiv bewertet und auf Schwachstellen aufmerksam machen soll, aber auch das „systematische Lernen am Erfolg“, durch die Analyse gelungener Interventionen, ermöglicht.

Dabei soll sie neben der reinen Ergebniskontrolle, wie bei den gängigen Erfassungsinstrumenten, in erster Linie der permanenten Optimierung von Interventionsprozessen dienen.

Seit den ersten Veröffentlichungen Heiners zur Selbstevaluation in den 80er Jahren gab es eine Fülle von Weiterentwicklungen, so dass sich die Suche nach einer kurzen, prägnanten Definition des Begriffs Selbstevaluation als äußerst schwierig erweist. „Je bekannter dieses Verfahren wird, um so mehr unterschiedliche Definitionen, Erklärungs- und Abgrenzungsversuche werden dazu veröffentlicht.“6 In der Regel sind diese Versuche lange Ausführungen und nur schwerlich in einem treffenden Satz zu fassen.

Im „Handbuch Sozialpädagogische Familienhilfe“ des BMFSFJ findet sich jedoch folgende Definition, die in einem kurzen Satz die wichtigsten Merkmale der Selbstevaluation zusammenfasst:

„(...) (Selbstevaluation, Anm. d. Verf.) ist die (schriftliche) systematische Sammlung und Auswertung von Daten, durch die die eigene Arbeit in einem ständigen Prozess kritisch überprüft werden soll.“7

Die Selbstevaluation ist also ein Verfahren, „mit dessen Hilfe Fachkräfte überprüfen können, ob und wie sie ihre Qualitätskriterien im beruflichen Alltag in Handlungen umsetzen und welche Folgen (in Form von Ergebnissen) diese Handlungen zeitigen.“8 Somit kann die Selbstevaluation als kriteriengeleitete Bewertung der eigenen Tätigkeit einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten. Hierbei sind anders als bei der Fremdevaluation die Fachkräfte selbst Ausgangspunkt der Untersuchung, bei der davon ausgegangen wird, dass „eine qualitativ gute Soziale Arbeit nur von qualifizierten Fachkräften geleistet werden kann.“9 Diese Verfügen in der Regel über ein großes Erfahrungswissen, welches für die Organisation und deren Aufgabenbereich von großer Bedeutung ist.

Hiltrud von Spiegel bezeichnet diesen Aspekt der Selbstevaluation als Qualitätssicherung „von unten“.

„Als systematische Nach-Denk- und Bewertungs-Hilfe macht sie (die Selbstevaluation, Anm. d. Verf.) Handlungen in Situationen reflektierbar, diskutierbar und somit auch kontrollierbar.“10 Damit erfüllt sie die Forderung nach mehr Transparenz in der Sozialen Arbeit.

Als praxisdienlich wird die Selbstevaluation gerade auch dadurch bezeichnet, da sie prozessbegleitend und (angeblich) ohne großen zusätzlichen Arbeitsaufwand durchgeführt werden kann.

[...]


1 vgl. v.Spiegel 1998, S.352.

2 Heiner 1988, S. 9

3 vgl. v. Spiegel 1998, S. 354f

4 vgl. Heiner 1988, S. 13

5 Heiner 1988, S. 8

6 BMFSFJ 1998, S. 9

7 BMFSFJ 1999, S.312

8 v. Spiegel 1998, S. 351

9 v. Spiegel 1993, S. 123

10 v. Spiegel 1993, S. 124

30 von 30 Seiten

Details

Titel
Selbstevaluation als Instrument der Qualitätssicherung
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Grundlagen der Sozialplanung
Note
2
Autor
Jahr
2000
Seiten
30
Katalognummer
V105565
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Überblick über die Methode der Selbstevaluation, angelegt an die Ausführungen von Maja Heiner.
Schlagworte
Selbstevaluation, Instrument, Qualitätssicherung, Grundlagen, Sozialplanung
Arbeit zitieren
Dirk Marmann (Autor), 2000, Selbstevaluation als Instrument der Qualitätssicherung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105565

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