Zweig, Stefan - Schachnovelle


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

19 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis

1. Kurzinhalt

2. Literarische Einordnung

3. Biographie des Autors

4. Inhaltsangabe

5. Charakteristik der Hauptpersonen

6. Interpretation

7. Reflexion der Problematik

8. Literaturverzeichnis

9. Notizen

Schachnovelle

Stefan Zweig

Inhaltsangabe (Kurzinhalt):

In der Schachnovelle wird von einem Ich-Erzähler berichtet, der an Bord eines Passagierdampfers von New York Richtung Buenos Aires reist und den Schachweltmeister Mirko Czentovic, von dem er durch Zufall erfahren hat, dass sich dieser an Bord befinde. Er würde sich gerne mit Czentovic unterhalten, was ihm aber vorerst nicht gelingt.

Dieser wird von einem selbstgefälligen Millionär gegen Honorar zu einer Simultanpartie zusammen mit dem Erzähler herausgefordert. Czentovic wird als primitiv und arrogant dargestellt. Er ist des Lesens und Schreibens nicht mächtig und beherrscht das Schach Spiel fast automatisch. Die erste Partie gegen den Schachweltmeister geht verloren. Bei der zweiten Partie greift ein fremder Herr, der österreichische Emigrant Dr. B., beratend in die schon fast verlorene Partie ein. Er rettet gegen den Schachweltmeister ein Remis. Er erzählte, dieses Spiel zuletzt vor 25 gespielt zu haben und ist zu keinem weiteren Partie bereit. Als er nun gefragt wurde, wie er sich dann gegen einen Weltmeister behaupten könne, erzählt er seine Lebensgeschichte:

Dr. B. wurde zur Nazizeit als Vermögensverwalter großer Klöster von der Gestapo verhaftet. Dr. B. wurde. In Kriegsgefangenschaft der Gestapo war er monatelang in einem Hotelzimmer eingesperrt, welches er nur zum Verhör verlassen habe. Er hatte dort nichts zu schreiben, zu lesen und auch keine andere Beschäftigung.

Er konnte sich nur vor nervlicher Zermürbung und geistiger Aushöhlung bewahren, indem er Monate lang eine Sammlung von 150 Meisterpartien auswendig lernte. Das Buch mit den Meisterpartien konnte er aus dem Mantel eines Militäroffiziers stehlen. Dieses Buch bot ihm eine geeignete Beschäftigung gegen die Monotonie der Haft. Als er aber alle Partien auswendig konnte, verlor es für ihn seinen Reiz. So verfiel er der geistigen Schizophrenie gegen sich selbst zu spielen. Er begann mit Brotstücken gegen sich selbst Schach zu spielen. Diese "Schachvergiftung" verursachte bei ihm ein Nervenfieber. Er wurde in ein Hospital verlegt. Der Arzt des Hospitals erwirkte seine Entlassung. Daraufhin konnte er fliehen. Für Dr. B wäre es seitdem sehr gefährlich wieder Schach zu spielen da er wieder von der Schizophrenie befallen werden könnte. Zum ersten Mal seit seiner Haft spielt Dr. B. nun wieder Schach auf einem richtigen Schachbrett und gegen einen menschlichen Gegner. Der Erzähler überredet ihm doch noch zu einer Partie. In der ersten Partie schlägt er Czentovic. Während der zweiten Partie verfällt er wieder in sein Nervenfieber. Die Ursache hierfür ist, daß Czentovic die Zeit herauszögerte um Dr.B mürbe zu machen. Deswegen fängt Dr. B. aus Langeweile an, sich mit imaginären Partien zu beschäftigen. Dr. B. droht wieder durchzudrehen und muß von dem Schachbrett weggebracht werden.

Dem Erzähler gelingt es noch die Partie zu unterbrechen und Dr. B wieder in normalen Zustand zu bringen. Dr. B entschuldigt sich bei allen und schwört nie wieder Schach zu spielen.

Literarische Einordnung

Die Novelle (ital.: novella = kleine Neuigkeit) gehört zu der epischen Klein- und Kurzform, im Gegensatz zu Groß- und Langform wie Epos oder Roman. Wie der Name bereits sagt, erzählt die Novelle zielgerichtet und in straffer Form ,,Neuigkeiten" von einem unserer Erfahrungswelt entnommen bzw. einem möglichen Ereignis. Im Mittelpunkt der dort geschilderten Handlung steht meist ein Konflikt, an dem sich immer auch gegensätzliche Positionen entzünden und damit einen Ausgleich zwischen Neuartigem und Bestehendem, Außergewöhnlichem und Gewohntem einfordern.

In der Schachnovelle steht das Schach spielen im Mittelpunkt. Um die oft einlinige Handlung im Hinblick auf die angestrebte Konfliktlösung voranzutreiben, gehorcht die Novelle ganz eigenen formalen Gesetzen. Das Herausstellen von Höhe- und Wendepunkten dient dabei ebenso der Leselenkung wie erzählerische Vorausdeutungen, die Leitmotivtechnik oder die Verwendung von Dingsymbolen. Der Wendepunkt bei der Schachnovelle ist als Czentovic gegen McConner spielt und Dr. B in das Geschehen eingreift. Das Schachbrett wird in der Novelle als Dingsymbol verwendet.

Sehr beliebt ist auch die Distanz schaffende Rahmenerzählung. Mit solch kunstvoller Komposition und ihrer geschlossenen Form steht die Novelle dem Drama näher als dem oft ausrufend erzählenden Roman. In der deutschten Literatur wird die Novelle im 18 Jahrhundert heimisch, ihre Blüte erlebte sie im 19 Jahrhundert in den Epochen der Romantik und der Realismus.

Die Schachnovelle wurde 1941 geschrieben, genau in der Zeit des Nationalsozialismus. Nationalsozialismus ist die deutsche politische Bewegung, die 1920 durch Adolf Hitler zu der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter Partei (NSDAP) in München zusammengefasst wurde. Mit Faschismus der dem Nationalsozialismus in mancher Hinsicht Vorbild war, verband ihn die Ablehnung politischen Institutionen, die offene Bejahung der Gewalt, der Kult, der Macht und die Umstellung des Lebens auf totale Mobilisierung.

Das Programm der NSDAP, dem keine klare Doktrin zugrunde lag, konnten den Interessen verschiedener sozialer Schichten angepasst werden.

Nach den Erfolgen der Reichstagswahlen und Ernennung Hitlers zum Reichskanzler wurden alle andere Parteien abgeschafft. Mit dem Volksentscheid vom 20 August 1934 nach Hindenburgs Tod wurde Hitler zum alleinigen Träger der Staatsgewalt.

Die expansionistische Außenpolitik führte zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, in dem das dritte Reich unterging.

Biographie des Autors

Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien als Sohn eines jüdischen Industriellen geboren. Zweig studierte an den Hochschulen Berlin und Wien Philosophie, Germanistik und Romantik.

Schon ab dem 17. Lebensjahr veröffentlichte er Gedichte und Novellen in Zeitungen und Zeitschriften.

Seiner ersten Lyrikband ,,Silberne Saiten" veröffentlichte er bereits 1901 mit knapp 20 Jahren. 1904 promovierte Zweig an der Universität Wien zum Doktor der Philosophie. Einen großen Teil der Jahre bis 1914 verbrachte Zweig auf Reisen durch die ganze Welt. Zweig selber nannte diese Reisen ,,Umwege auf dem Wege zu mir selbst." Neugierde führten ihn nach Berlin, Paris, London, Nord Afrika, Indien, Nord- und Mittelamerika. In den Metropolen nahm er Kontakt mit vielen bekannten und unbekannten Schriftstellern, Künstlern und Intellektuellen auf und führte somit umfangreiche Korrespondenz.

Zu Beginn des ersten Weltkriegs vermisste er einen ,,Österreichischen Patriotismus". Stefan Zweig, dessen Namen heute wie kein anderer für ,,Pazifismus" steht, konnte es 1914 nicht erwarten, als Infanterist nach Polen einrücken zu dürfen. Pazifismus bedeutet absolute Kriegsgegnerschaft und Zweig war überzeugter Pazifist. Die beiden letzten Kriegsjahre verbrachte er in der Schweiz. 1919 siedelte Zweig in ein ehemaliges Jagdschloß auf den Salzburger Kapuzinerberg über. Viele internationale Freunde wie Thomas Mann, Hermann Hesse, und viele andere besuchten ihn dort. Zu dieser Zeit heiratete Stefan Zweig Friederike Maria, die er schon seit mehrere Jahre kannte. 1933 kamen Zweigs Bücher bei den Nazi Bücherverbrennungen auf den Scheiterhaufen und ab 1936 durften seine Werke in Deutschland nicht mehr verkauft werden. Am 18. Februar 1934 wurde in seinem Haus nach einem Waffenlager des sozialdemokratischen Schutzbundes gesucht. Es war aber nicht allein die Unterstellung, die ihn traf sondern vor allem die Tatsache, dass ihn in seiner Heimat die Polizei aus dem Bett holte. Er fühlte sich in seiner persönlichen Freiheit und Unabhängigkeit gerührt und empfand den Vorfall als persönlichen Angriff.

Er beschloss sofort Österreich zu verlassen und ins Exil zu gehen und reiste nach London. Seine Ehefrau Friederike blieb in Österreich zurück und er trennte sich von ihr. Er fand in Lotte Altmann, seiner Sekretärin in London, seine neue Lebensgefährtin.

Doch auch in England fühlte er sich nicht wohl, ihn überkam eine Art innere Unruhe, der er sich nicht entziehen konnte, seine Idee von vereinigten Kultureuropa war zerstört. Er siedelte 1941 mit seiner Frau nach New York über und gleich darauf nach Brasilien. So schrieb er nicht nur die ,,Schachnovelle", sondern auch im gleichen Jahr seine eigene Biographie, die er ,,Die Welt von gestern" nannte, die Welt, in der er sich nie wieder sehen würde. Zweig litt unter eine schweren Depression, weil er überzeugt war seine Heimat Österreich nie wieder zu sehen. Obwohl er auch in Brasilien sehr geschätzt wurde und seine Werke die größten Erfolge feierten, war er unzufrieden.

Mit dem Eintritt Japans in den Krieg und der Niederlage Singapurs, den schlimmen Nachrichten aus Europa und der Hoffnungslosigkeit dieser Lage, wählten Stefan Zweig und seine Lebensgefährtin Lotte Altmann am 22. Februar 1942 in Brasilien (Petropolis) den Freitod.

Die Schachnovelle wurde von Stefan Zweig im Jahr 1941 zur Zeit des Zweiten Weltkrieges geschrieben. Zweigs Einstellung war sehr pazifistisch und weltoffen, deshalb konnte er sich nicht mit dem Regime Hitlers identifizieren. Zweig verarbeitet in diesem Buch seine Eindrücke der Grausamkeiten und die tiefen Narben, die dieser Krieg bei ihm hinterlassen hat.

Zweigs Werke, die weltweit Verbreitung fanden, sind von der Neuromantik und dem pazifistischen (humanistischen) Lebensgefühl getragen. Er schrieb epische Werke, Gedichte, Dramen und Novellen.

Seine weiteren Werke sind:

- Brennendes Geheimnis
- Angst
- Ungeduld im Herzen (sein einziger Roman)
- Das Haus am Meer
- Sternstunden der Menschheit
- Verwirrung der Gefühle
- Die Welt von Gestern

Inhaltsangabe

In der Stefan Zweigs ,,Schachnovelle" geht es um das Aufeinandertreffen zweier Schachgenies. Die Novelle spielt sich in der Zeit zu Beginn des 2.Weltkrieges ab. Schauplatz ist ein großes Passagierschiff auf der Fahrt von New York nach Buenos Aires.

Auf dem Passagierschiff, das von New York nach Buenos Aires unterwegs ist, erfährt der Erzähler kurz vor der Abfahrt von einem Freund, dass der berühmte Schachweltmeister Mirko Czentovic an Bord ist.

Da der Erzähler fast nichts über dieses Schachgenie weiß, wird ihm die Lebensgeschichte des Schachweltmeisters von seinem Freund erzählt. Als Mirko Czentovic, Sohn eines armen und südslawischen Donaufischers, 12 Jahre alt war, starb sein Vater. Nach dessen Tod wurde Mirko von einem Pfarrer aufgenommen und lebte mit ihm. Da der Junge keine richtigen Sätze bilden konnte und im Rechnen nicht begabt war, sprach er fast nie mit anderen Menschen. Der Pfarrer und der Dorfpolizist spielten fast jeden Abend Schach. Dabei schaute der Mirko nach getaner Hausarbeit wortlos zu. Als eines Winterabends ein Bauer den Pfarrer während seines Schachspiels bat, einer im Sterben liegenden alten Frau die Letzte Ölung zu erteilen, ging der Pfarrer ohne zu zögern. Als dem Polizisten auffiel, dass Mirko immer noch auf das Schachbrett starrte, fragte er ihn, ob er das Spiel zu Ende führen wolle. Da Mirko von nun an weiterspielte und diese Partie überlegen nach nur 14 Zügen gewann, spielten sie auch noch eine zweite. Diese endete genauso. Als der Pfarrer wieder kam, spielte er auch gegen seinen Pflegesohn und hatte keine Chance gegen Mirko. Von da an begann die erstaunliche Karriere des Knaben und er wurde schon mit 21 Jahren Schachweltmeister.

Nachdem der Freund des Erzählers mit dem Erzählen fertig ist, hat der Erzähler nun den Wunsch Czentovic persönlich kennen zu lernen. Doch schon nach drei Tagen wird es klar, dass dies ein fast unmögliches Unternehmen ist, weil Czentovic an niemanden Interesse zeigt. Der Erzähler versucht nun ihn dadurch anzulocken, dass er im Smoking- Room Schach spielt. Als er eines Tages gegen einen schottischen Tiefbauingenieur Namens McConner Schach spielt, wirft Czentovic einen kurzen Blick auf das Schachbrett, zeigt aber kein Interesse. McConner jedoch, als er erfährt, wer dieser Mann ist, setzt seinen ganzen Ehrgeiz daran gegen Czentovic zu spielen. Er fordert gegen ein Honorar von 250 Dollar Czentovic zu einer Schachpartie auf. Am Nachmittag kommt es dann zur Partie Czentovic gegen McConner. McConner verliert wie erwartet, trotz zahlreicher begeisterter Passagiere, die ihn unterstützen. McConner fordert Revanche und bekommt sie zum gleichen Preis. Auch beim nächsten Spiel ist Czentovic stark überlegen. Dies ändert sich, als etwa ein 45jähriger Unbekannter hinzukommt und das Spiel übernimmt. Mit seiner Hilfe erreichen sie alle zusammen ein Remis. Das Publikum ist von dem unbekannten Herren begeistert. McConner hat nun den Wunsch, dass der Unbekannte allein gegen Czentovic spielen soll um diesen Weltmeister endlich einmal verlieren zu sehen. Der Unbekannte lehnt es aber ab und geht aus dem Zimmer.

Da der Erzähler Österreicher ist und der Unbekannter sein Landsmann ist, wird der Erzähler beauftragt den Unbekannten ausfindig zu machen und zu einem weiteren Match zu bitten. Der Unbekannte stellt sich als Dr. B vor. Der Erzähler will wissen warum er gegen Czentovic nicht Schach spielt, obwohl er sehr gut Schach spielen kann. Darauf erzählt Dr. B seine Lebensgeschichte:

Er führte in Wien eine Anwaltskanzlei, deren Hauptaufgabe darin bestand, Schätze und Güter der Kirche und von Mitglieder der Kaiserfamilie zu verwalten. Er hatte auch an geheimen politischen Aktionen teilgenommen, durch die der Raub von Kirchenbesitz durch Nazis verhindern werden sollte.

Als vor dem Zweiten Weltkrieg Hitler in Wien einmarschierte, wurde Dr. B verhaftet. Die Gestapo, die Geld oder wichtige Informationen wollten, verhafteten ihn, und hielten ihn in einem Hotelzimmer in Isolationshaft gefangen. Er wurde ständig verhört. Es dauerte etwa vier Monate, bis er eines Tages auf dem Weg zu einem Verhör, ein Schachbuch über 150 Meisterpartien, aus einer Jacke eines Wärters stahl. Er studierte die Partien von morgens bis abends und konnte alle 150 Partien schon nach wenigen Monaten auswendig. Dann begann er gegen sich selbst zu spielen, schwarze und weiße Figuren gleichzeitig zu sein. Das machte ihn total verrückt. Diese ,,Schachvergiftung" verursachte bei ihm ein Nervenfieber. Er war nahe daran seinen Verstand zu verlieren. In seinem Wahn griffe er eines Tages einen Wärter an, der ihm das Essen brachte. Bei dieser Aktion verletzte er sich und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Dort hörte er zum ersten Mal seit fast einem Jahr wieder freundliche, menschliche Stimmen. Da der Arzt Mitleid mit ihm hatte, empfahl er eine Haftentlassung. Kurz darauf wurde seiner Haftentlassung zugestimmt. Der Arzt warnte ihn aber nie wieder ein Schachbrett zu berühren, sonst verfiele er wieder in Nervenfieber.

Nachdem Dr. B seine Geschichte beendet hat, gelingt es dem Erzähler ihn doch noch zu einer einzigen Schachpartie zu überreden. Die Partie findet am nächsten Nachmittag statt.

Dr. B schlägt den Weltmeister souverän. Czentovic will Revanche. Dr. B stimmt sofort zu, obwohl er sich vorgenommen hatte, nur eine Partie zu spielen. Der Erzähler versucht ihn zurückzuhalten aber ohne Erfolg. Die zweite Partie beginnt und Czentovic nutzt seine Zugzeit voll aus und verzögert die Partie. Dadurch wird Dr. B immer nervöser. Er arbeitet in Gedanken schon an ganz anderen Partien. Nach jedem Zug seines Gegners muss er aus seiner Geistesabwesenheit geholt werden. Beim neunzehnten Zug bricht die Krise aus. Direkt nach dem Zug seines Gegners bewegt er seinen Läufer und kündigt ,,Schach" an. Nachdem Hinweis, dass sein Läufer dem König gar nicht bedrohe, behauptet er, die Figuren stünden ganz falsch.

Es gelingt dem Erzähler, ihn aus seinem Wahn zurückzuholen und die Partie abzubrechen. Als er wieder in einem normalen Zustand ist, entschuldigt er sich für sein Verhalten und verspricht; nie wieder eine Schachfigur anzurühren.

Charakteristik der Hauptperson/en

Dr. B:

Dr. B tritt überraschend in die Handlung ein, indem er in das Spiel Czentovic gegen McConner rettend eingreift und McConner hilft einen Fehlzug zu verhindern. Dr. B ist ca. 45 Jahre alt. Sein ,,schmales scharfes Gesicht" zeichnet sich durch eine merkwürdiger fast kreidige Blässe aus. Als McConner erstaunt um Hilfe beim Spiel bittet, weiß Dr. B sofort den richtigen Zug, der in einer schon aussichtslos scheinenden Partie nach sieben Zügen immerhin zum Remis führt. Für das anwesende Publikum blieben seine Ratschläge unverständlich. Czentovic merkt sofort, dass er erstmals einen ebenbürtigen Gegner vor sich hat. (,,Er hat bisher im Stehen gespielt, jetzt aber setzt er sich nieder." S.40) McConner und die übrigen Spieler sind inzwischen zu unbedeutenden Statisten herabgesunken, als Czentovic nach längerem Nachdenken das Remis erklären muss. Czentovic fragt nach einer dritte Partie. Dr. B lehnt es überraschenderweise ab. Er erklärte abwehrend, dass er auf gar keinen Fall zu einem weiteren Partie bereit sei, außerdem habe er seit 25 Jahren vor keinem Schachbrett gesessen. Als der Erzähler Dr. B ausfindig machen sollte, sieht ihn der Erzähler am nächsten Tag, den geheimnisvollen Fremden, auf dem Promenadendeck. Sein Äußeres wird noch einmal genauer beschrieben: ,,Der scharfgeschnittene Kopf ruhte in der Haltung leichter Ermüdung auf dem Kissen." Den Erzähler fällt abermals die merkwürdige Blässe des verhältnismäßig jungen Gesichtes auf. Er hat den Eindruck, dass dieser Mann plötzlich gealtert sein musste. Der Erzähler erfährt, dass Dr. B einer altösterreichischen hochangesehenen Familie angehört. Sein Vater ist Mitglied in der klerikalen Partei gewesen und hatte Verbindung zum Klerus und zum österreichischen Kaiserhaus gehabt. Dr. B führte diese Familientradition fort und arbeitet in seiner Rechtsanwaltkanzlei in der Vermögensverwaltung der Klöster und der kaiserlichen Familie. Eines Tages, bevor Hitler in Wien einmarschierte, wird Dr. B gefangengenommen und in das Hauptquartier der Gestapo gesteckt. Die furchtbare Isolationshaft beginnt, deren Ziel ist, belastendes Material gegen die Kirche und das Kaiserhaus zu erpressen. Monatelang ist er ohne Kontakt zur Außenwelt. Die einzige Abwechslung in diesem grausamen Nichts sind die Verhöre. In dieser Situation gelingt es ihm, ein Buch mit 150 Meisterschachpartien zu stehlen. Das Nachspielen der Schachpartien schult seine Vorstellungskraft und die Technik des Vorausdenkens und Kombinierens, seine Intellekt bekommt dadurch Nahrung. Nach einigen Monaten langweilt ihn das Nachspielen und er sinnt Neues aus. So kommt er auf die Idee, als Spieler Weiß gegen Spieler Schwarz zu spielen, und zwar beide gleichzeitig zu sein. Er musste selbst Partien erfinden. Dies führte zu seinem geistigen Zusammenbruch. Mit der Bewusstseinspaltung kann sein Geist nicht umgehen. Er bekommt Nervenfieber, wird ins Krankenhaus eingeliefert und wird von dort entlassen. Der Arzt warnt ihn jedoch vor Schachspielen, da dies zu einem Rückfall führen kann.

Der Erzähler überredet Dr. B doch noch einmal zu spielen. Er möchte testen, ob das Schachspielen in Isolationshaft Wahnsinn oder richtiges Spiel war. Die erste Schachpartie gewinnt er gegen den Weltmeister. Wider aller Vernunft stimmte er einer zweiten Partie zu. Er kann jedoch der Hinhaltetaktik des Weltmeisters nicht standhalten. Sein Geist fängt wieder fieberhaft an zu arbeiten. Er ist schon längst in einem anderen Spiel. Bevor sein völliger Zusammenbruch kommt, wird er von dem Erzähler wachgerüttelt. Nach einiger Zeit hat Dr. B wieder die Kontrolle über sich gewonnen. Er ist wieder in normalen Zustand wird aber nie wieder Schach spielen.

Der Erzähler:

Das ganze Buch wird aus seiner Sicht erzählt. Er ist kein distanzierter Beobachter, er interpretiert das Geschehen, konzentriert das Verfahren der einzelne Personen und Ereignisse. Er hat Czentovic gegenüber eine fast wissenschaftlich zu nennende Neugierde. Dr. B gegenüber vergisst er doch nie die mitfühlende, aktive Anteilnahme. Er versucht zuletzt verzweifelt, ihn von einem weiteren Spiel gegen Czentovic abzuhalten (,,Nicht jetzt! Lassen Sie es für heute genug sein! Es ist für Sie zu anstrengend." S.103)

Er ist ein mäßiger Freizeit Schachspieler, der von der Kunst des Schachspieles überhaupt keine Ahnung hat. Trotzdem ist er aber daran interessiert, was das für ein Mensch ist, der die Kunst des königlichen Spieles beherrscht. Er verhält sich korrekt gegenüber seinen Mitmenschen.

Mirko Czentovic:

Czentovic ist der Sohn eines armen Donaufischers. Sein Vater stirbt als Mirko 12 Jahre alt ist. Der Pfarrer nimmt Mirko auf. Mirko besitzt ein schwerfälliges Gehirn, es fehlt jede festhaltende Kraft. (,,Wenn er rechnen sollte, mußte er noch mit vierzehn Jahren jedesmal die Finger zu Hilfe nehmen, und ein Buch oder eine Zeitung zu lesen bedeute für den schon halbwüchsigen Jungen noch besondere Anstrengung." S.9). Abends wenn der Pfarrer mit dem Dorfpolizist Schach spielt, sitzt Mirko müde dabei und schaut zu. Seine einzige Fähigkeit wird entdeckt, als er eines abends gegen den Dorfpolizist Schach spielt und mühelos gewinnt. Er wird mit 21 als Schachweltmeister gekrönt, er lebt zurückgezogen und versucht, jeglichen Kontakt zur Außenwelt zu vermeiden. Er ist ein selbstgefälliger Millionär, primitiv und zugleich arrogant. Auf dem Schachbrett hat er Erfolg, doch im Leben ist er eine groteske Figur. Er spielt nur gegen Geld. So ist es auch auf dem Passagierschiff, als er gegen McConner für ein Honorar von 200 Dollar Schach spielt.

McConner:

McConner ist ein reicher Schotte, der von allen am wenigstens Schach spielen kann. Er glaubt aber, dass er gut Schach spielen kann und fordert Czentovic heraus und bezahlt ihn auch 200 Dollar dafür. Für ihn ist jedes Spiel eine Selbstbestätigung, kein Spaß sonder purer Ernst. (,,McConner's Wesen war vollkommen verändert. Rot im Gesicht bis hoch hinauf an dem Stirnhaar und von den verbissenen Lippen schnitt sich scharf eine Falte gegen sein kämpferisches vorgestrecktes Kinn." S.35) Er gehört zu den Menschen, die eine Niederlage im Spiel schon als Herabsetzung ihres Persönlichkeitsbewusstsein empfinden.

Interpretation

Stefan Zweigs ,,Schachnovelle" stellt zwei Schachgenies einander gegenüber, wie sie kaum unterschiedlicher sein konnten. Anhand ihres Umgang mit dem Schach spielen, handelt es sich von Umgang der Menschen mit der Macht. Wie an den Figuren schon zu erkennen ist, beschreibt das Schachspiel den Krieg zwischen zwei Königreichen. Der Erzähler hört kurz vor der Abfahrt des Schiffes die Lebensgeschichte des Schachweltmeisters:

Mirko Czentovic, der Weltmeister, dessen Vater starb, als er 12 Jahre alt war wird von einem Pfarrer aufgenommen. Er ist weder im Rechnen noch im Lesen begabt. Der Pfarrer spielt jeden Abend gegen den Dorfpolizisten Schach und der Junge schaut dabei zu. Eines abends muss der Pfarrer während des Schachspieles, eine im Sterben liegende Frau, die letzte Ölung erteilen. Der Dorfpolizist sieht, dass Mirko immer noch auf das Schachbrett starrt und fragt ihn, ob er das Spiel zu Ende führen will. Er bejaht und gewinnt überraschend. Sie spielen noch eine Partie und die endete genauso. Als der Pfarrer wiederkommt und gegen ihn spielt verliert er auch gegen den halbwüchsigen Jungen. Mirko hat wie ein Weltherrscher jeden besiegt (,,Mit siebzehn hatte er schon ein Dutzend Schachpreise gewonnen, mit achtzehn sich die ungarische Meisterschaft, mit 20 endlich die Weltmeisterschaft erobert." S.16). Er hat hohes Talent zum Schach spielen sonst zu nichts. Das heißt es wäre ihm gar nicht möglich sich mit anderen Sachen zu beschäftigen. Czentovic kennt auch seine Grenzen: Er gibt keine Interviews, da er weiß, dass er sich dabei lächerlich machen würde. (,, Ein schwerer, maulfauler Bauernbursche, aus dem auch nur ein einziges publizistisch brauchbares Wort selbst den gerissensten Journalisten nie gelang." S.16/17). Als der Erzähler die Geschichte hört, versucht er nun gegen den Weltmeister zu spielen. Aber der Weltmeister, der keine Rücksicht auf Menschen nimmt, zeigt kein Interesse. Der Erzähler versucht alles aber ohne Erfolg. Nun versucht der Erzähler ihn dadurch anzulocken, indem er im Smoking-Room Schach spielt. Als er eines Tages gegen McConner, einen reichen Schotten Schach spielt, wirft Czentovic einen kurzen Blick auf das Schachbrett geht aber weiter. McConner aber, als er erfährt wer Czentovic ist, will unbedingt gegen ihn spielen. Er fordert Czentovic für ein Honorar von 200 Dollar für ein Spiel heraus. Für Czentovic ist Geld wichtiger als der Mensch. Er ist wie ein Faschist denkt nur an sich selbst. Das Schachspiel ist für ihn ein Herumschieben von Figuren, wie für das Nazi-Regime das Herumschieben und Herumjagen von Millionen Menschen quer durch Europa. Die sozial psychologischen Wurzeln des Faschismus liegen in der Mentalität des Kleinbürgertums. Der Weltmeister gewinnt die Partie wie erwartet. McConner will nicht als Verlierer von Platz gehen. Er will Revanche. (McConner ist ein typischer Erfolgsmensch, der nicht verlieren kann, der auch im belanglosesten Spiel eine Niederlage schon als Herabsetzung empfindet." S.26) Er ist ein noch schlechterer Spieler als der Erzähler. Im Unterschied zu diesem möchte er dies jedoch nicht wahrhaben. Er denkt, dass er mit Geld alles machen kann. Czentovic, der sowieso nur für Geld spielt, stimmt sofort zu. Bei der zweiten Partie ist er auch überlegen und nah daran gegen McConner zu gewinnen. Aber als ein Unbekannter in das Spiel rettend eingreift, gerät Czentovic in Schwierigkeiten. Der Unbekannte ist ca. 45 Jahre alt. Bereits sein erstes Eingreifen in das Geschehen weist ihn als versierten Spieler aus. Er kennt jeden Zug auswendig und erreicht immerhin gegen den Weltmeister noch ein Remis.

McConner will jetzt, dass der Unbekannte allein gegen Czentovic spielen soll um diesen endlich mal verlieren zu sehen. Er ist breit das finanzielle Risiko zu ertragen. Er ist der ehrgeizige Fanatiker, für den das Spiel Selbstbestätigung bedeutet. Der Unbekannte lehnt es ab und geht raus. Der Erzähler wird beauftragt den Unbekannten Österreicher zu finden. Er findet ihn, der sich als Dr. B vorstellt und erzählt ihm seine Lebensgeschichte, nachdem er gefragt wird warum er so gut Schach spielen kann.

Er ist ein kultivierter Mann und hat mit seinem Vater eine Anwaltskanzlei geführt, deren Hauptaufgabe darin bestand, Schätze der Kaiserfamilie vor den Nazis zu schützen. Ein Tag, bevor Hitler in Wien einmarschierte, wurde Dr. B festgenommen und in Isolationshaft gesteckt. Er hat nichts in Raum gehabt. Dies ist auch eine Taktik der Nazis, die jemand psychisch sehr schwächen wollen um damit an wichtige Informationen und Geldverstecke zu kommen. Die einzige Abwechslung in diesem grausamen Nichts waren die Verhöre. Als Dr. B's Widerstandskraft zu erlahmen drohte, gelang es ihm beim Verhör, durch Zufall ein Schachrepetitorium mit 150 Meisterpartien in sein Zimmer zu schmuggeln. Er lernte alle Partien auswendig und wiederholte sie ständig. Er spielte alle Partien blind. Diese Übung erhielt seine psychische Widerstandskraft, zumindest für einige Zeit. Aber es wurde ihm auch langweilig, es gab keine Überraschungen mehr. Er war gezwungen neue Partien zu erfinden gegen sich selbst zu spielen, was beim Schach, als einem reinen, vom Zufall abgelöstem Denkspiel logischerweise eine Absurdität bedeutet. Er musste wie ein Automat die Gehirnfunktion ein- und ausschalten können. Als Spieler Weiß durfte er nicht wissen was Spieler Schwarz denkt und plant, und umgekehrt. Das führte zum Konflikt in seinem Gehirn. Er hatte die Kontrolle über sich verloren. In seinem Wahn griff er eines Tages den Wärter an, der ihm das Essen brachte. Er verletzte sich dabei, und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Weil der Arzt Mitleid mit ihm hatte empfahl er Haftentlassung. Nach einiger Zeit wurde dieser zugestimmt. Aber man warnte ihn nie wieder ein Schachtbrett zu berühren sonst verfiele er wieder in das ,,Schachfieber".

Nach dem Erzählen der Geschichte, überredet ihn der Erzähler doch noch eine Partie gegen Czentovic zu spielen. Das Schachspiel ist Dr. B Beweis für die wiedergefundene Identität und Normalität. Es geht um die Selbstvergewisserung eines Verfolgten, der seinem Henkern entkommen konnte, und um die Frage, ob er die Erinnerung an das Grauen überwinden und wieder in eine humanere Wirklichkeit zurückkehren kann.

Denn er hat total vergessen, dass bei diesem Spiel normalerweise zwei völlig verschiedene Menschen einander gegenüber sitzen. (,,Es sollte nichts als eine Probe für mich sein... eine Probe, ob ich überhaupt fähig bin, eine normale Schachpartie zu spielen, eine Partie auf einem wirklichen Schachbrett mit faktischen Figuren und einem lebendigen Partner... denn ich zweifle jetzt immer mehr daran, ob ich jene Hunderte und vielleicht Tausende Partien, die ich gespielt habe, tatsächlich regelrechte Schachpartien waren und nicht bloß eine Art Traumschach, ein Fieberschach, ein Fieberspiel, in dem wie immer im Traum Zwischenstufen übersprungen wurden." S.94). Für ihn ist das Schachspiel weder Bestätigung eines manischen Ehrgeizes (wie für McConner) noch Mittel zum Geld verdienen (wie für Czentovic), sondern eine existentielle Frage: Bin ich nach der Isolationshaft noch normal?

Die Partie beginnt. Die Züge zeigen Dr. B deutlich im Vorteil. Dr. B besitzt die Fähigkeit zur Imagination, wohingegen Czentovic während der ganzen Zeit unbeweglich wie ein Block, die Augen streng und starr auf das Schachbrett senkt. Obwohl Dr. B das Spiel souverän führt, lässt er sich durch die Verzögerungstaktik immer mehr irritieren. Je länger Czentovics Entscheidung sich verzögert, umso mehr wuchs seine Ungeduld. Als er im ersten Spiel gegen Czentovic, diesen zum Aufgeben zwingt, schreit Dr. B laut triumphierend: ,,So! Erledigt!" lehnt sich kurz zurück, kreuzte die Arme über die Brust und sah mit herausforderndem Blick auf Czentovic. Czentovic fragt, ob er noch ein Spiel spielen will, er nimmt die Herausforderung zu einer zweiten Partie an, obwohl er sich vorgenommen hatte nur eine Partie zu spielen. Diese zweite Partie ist von einer tödliche Feindseligkeit der beiden Gegner getragen. Mit einem Mal stand etwas Neues zwischen den beiden Spielern; eine gefährliche Spannung, ein leidenschaftlicher Hass. Es waren nicht zwei Partner mehr, die ihr Können spielhaft aneinander proben wollten, es waren zwei Feinde, die sich gegenseitig zu vernichten geschworen hatten und wie Menschen, die ihr Territorium gegeneinander verteidigen. Die zweite Partie beginnt. Diesmal zögert Czentovic aus absichtlicher Bosheit sehr lange. Dr. B dagegen kann nicht mehr warten. Er befindet sich bereits in einer verschärften Krise. Die Krise der Isolationshaft wiederholt sich. Schließlich sagt er unbegründet ,,Schach" an. Erst eine Bemerkung des Erzählers bringt ihn wieder in die Realität zurück. Er erkennt seinen Irrtum, bricht die Partie ab und entschuldigt sich bei Czentovic und bei den Zuschauern. Es ist für ihn das endgültig letzte Schachspiel. Der Kultivierte wird von dem unterlegenen Primitiven besiegt, der am erfolgreichsten seine Figuren in den Kampf schickt. Die ganze Welt kann die faschistischen Tyrannei nicht besiegen. Sowohl der Widerstand der technischen Zivilisation unter Einsatz finanzieller Mittel (McConner), als auch Geist und Kultur (Dr. B) unterliegen dem brutalen Terror. (Czentovic)

Die Persönlichkeit von Dr. B gerät im Gefahr, wenn er sich im Schach auf Weltmeisterniveau versucht. Der amtierender Weltmeister dagegen hat außerhalb des Schachspieles gar keine Persönlichkeit, die gefährdet werden könnte. Weltmeister klingt an Weltmacht an. Für primitiven Machtmenschen ist es normal nach der Macht zu streben und ihre Macht an den Unschuldigen ausüben. Die Kultivierten, mithalten wollen, müssen dazu ihre Methoden übernehmen und riskieren ihre Persönlichkeit zu verlieren. Dr. B begegnet dem Terror in zwei Formen: in der einjährigen Isolationshaft, der er vorübergehend durch das Nachspielen berühmter Partien aus einem Schachlehrbuch Widerstand leisten kann. Als er jedoch das Unmögliche versucht, nämlich gegen sich selbst zu spielen, bricht er zusammen. Er begegnet dem Terror ein zweites Mal in der Person des eiskalten, brutalen ,,Schachautomaten" Czentovic, den er in der ersten Partie wohl besiegt, dessen Verzögerungstaktik er aber in einem zweiten Spiel unterliegt. Humanität, Geist, Sensibilität erweisen sich als hilflos gegen den Psychoterror einer plumpen Natur.

Dr. B's Biographie wird zwar als Einzelfall vorgeführt, aber sie steht stellvertretend für die konservative Opposition gegen den Nationalsozialismus, die glaubte, mit den Mitteln des Geistes aus der Kraft der abendländischen Tradition den brutalen Terror des Faschismus aufhalten zu können. Aber dieser individueller Protest kam gegen der geistverneinenden Gewalt nicht an. Die Nationalsozialisten haben ganz Deutschland regiert wurden sehr populär. Die NSDAP versuchte die ganze Welt zu regieren. Die Nazis marschierten auch in Österreich ein. Überall wurden Juden, so wie viele andere Minderheiten verfolgt. Die Nazis wollten eine Weltmacht werden. Czentovic, der stumpfsinnige, ungebildeter Schachspieler verkörpert den Ungeist und somit diese Zeit des Nationalsozialismus, während Dr. B als gebildeter und überaus intelligenter Mensch ein Symbol für die geheime Widerstandsbewegung gegen das Hitlerregime steht. Dr. B erscheint zweifellos als der bessere Schachspieler, verfällt aber im Schachspiel gegen Czentovic dem Nervenfieber. Dies legt dar, dass die Widerstandsbewegung in Deutschland die falsche Propaganda der Nationalsozialisten frühzeitig durchschauten und die Absicht eines Kriegs erkannten, jedoch vom Hitlerregime und der Gestapo aufs bitterste verfolgt und schließlich durch Einweisungen in Konzentrationslager oder Zuchthäuser mundtot gemacht wurden. Stefan Zweig wollte mit diesem Buch, den Nationalsozialismus scharf kritisieren und zwar aus der Sicht der Opfer. Er schildert die Methoden der Gestapo und ihre Grausamkeit. In der Novelle wird deutlich, dass Dr. B ebenso wie Stefan Zweig unter dem nationalsozialistischen Regime leidet. Dr. B unter der Isolationshaft, Zweig darunter, dass er sein geliebtes Heimatland Österreich nicht mehr sehen kann. Die Schachnovelle entstand in der Zeit, wo Millionen von Verfolgten in den Konzentrationslagern des Hitlerregimes litten. Das Werk in seiner Gesamtheit stellt die Brutalität des faschistischen Regimes dar und zeigt die nationalsozialistischen Terrormethoden. Dem Leser bietet er eine ausgeklügelte Personenkonstellation und die Spannung, die dadurch erzeugt wird. Dabei zeichnet sich eine klare Wertung zu den Hauptpersonen ab: Dr. B. und der Ich-Erzähler haben eine der Zweig verwandte Mentalität. Sie sind die positiv gezeichneten Figuren. Negativ gezeichnet sind Czentovic und der reiche Schotte McConner. Sie haben andere Wertvorstellungen als Zweig sie hatte. Die Geschichte kann jedem empfohlen werden, der gerne kurze und spannende Geschichten liest. Und wer sich mit dem Druck psychisch kranker Menschen auseinandersetzt, kann sich gut in die Form des Dr. B. hineinversetzen.

Reflexion der Problematik

Die Reflexion in Stefan Zweigs ,,Schachnovelle" ist die Gegenüberstellung zweier Welten und zweier Mächte, die im Schachspiel gespiegelt sind. Das Schachspiel hat für Czentovic und Dr. B gegensätzliche Bedeutungen. Dr. B wird verwirrt, da ihm jede anderes Beschäftigung verwehrt ist, und Czentovic sieht nichts anderes, kann durch seinen beschränkten Geist nicht anders sehen. Extreme wirken sich nicht gut aus. Die Novelle kann man mit heute vergleichen, weil man in einer Einzelhaft ebenfalls vollkommen von der Außenwelt abgeschlossen ist. Besonders bei Unschuldigen ist diese Zeit schwer zu verarbeiten, und darüber hinwegzukommen. Ebenso schwer ist, nach der Haft, wieder ein geregeltes Leben zuführen. Das Nazi-Regime hat sehr viel Gewalt ausgeübt. Mann kann eine Parallele mit der heutigen Situation in Afghanistan ziehen. Wie das Nazis-Regime regierten auch die Taliban in Afghanistan. Sie wollten auch nur Macht und nahmen keine Rücksicht auf die Menschen.

Sie unterdrücken das recht der Frauen, das Recht der Meinungsäußerungen, die Kultur (Musik, Literatur) Sie dachten immer zu ihren Gunsten und hatten das Volk wie im Käfig oder Haft gehalten. Grundlage der Taliban war: Man kann nichts machen außer ,,Beten und Krieg", man hat nichts außer Krieg gehabt. Mit dem risignativen Schlußakkord der Novelle will Zweig gleichsam metaphorisch auf die Gefährdung der abendländischen Kultur durch die faschistische Gewaltpraxis hindeuten. Im Schicksal des exilierten, ehemaligen Gestapohäftlings leuchtet schlaglichtartig ein größeres Schicksal auf, unter dem zur Entstehungszeit der "Schachnovelle" Millionen von Verfolgten in den Konzentrationslagern des Hitlerregimes zu leiden gezwungen waren. Diese Novelle steht hier im Dienst einer politischen Anklage, die wegen ihres Charakters zum Opfer des Faschismus werden musste. Das Buch war für mich sehr interessant, da es die politisch Problematik in den Hauptfiguren und in dem Schachspiel aufzeigt.

Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

- Zweig, Stefan: Schachnovelle Frankfurt am Main, April 1974

Sekundärliteratur:

- Hobek, Friedrich: Königserläuterung Schachnovelle
- Reiner Poppe: Stefan Zweig Schachnovelle Anyalysen und Reflexionen
- H. Stadler und K. Dickopf: Abitur Wissen, Literatur
- Internet: www.wissen.de
- Lexikon: Infopedia 3.0

Der Brockhaus in einem Band

18 von 19 Seiten

Details

Titel
Zweig, Stefan - Schachnovelle
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V105609
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zweig, Stefan, Schachnovelle
Arbeit zitieren
Samir Arin (Autor), 2001, Zweig, Stefan - Schachnovelle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105609

Kommentare

  • Gast am 31.1.2002

    Naja!!!.

    Ich bin Lehrerin - und ich muss sagen, ich hätte diesem Referenten keine 1 gegeben. Warum nicht?
    - Wie kann man nur permanent den Namen einer Figur falsch schreiben (McConnor)?
    - Eine wiederholte Inhaltsangabe, ob ausführlicher oder kürzer - ist überflüssig und dient wohl nur dem Dickerwerden des Papierstapels.
    - Was hat eine Interpretation mit der Wiedergabe von Passagen des Inhaltes zu tun? Das ist keine besondere Leistung.
    - In fast jedem Buch zu Zweig - und es gibt in jeder noch so kleinen Bücherei welche, z.B. das von Poppe - steht genügend differenziertes Material zur Deutung der Figuren, ihrer Symbolik und der Symbolik des Schachspiels. Ich finde es peinlich, wenn ein Gymnasiast, der auch vom Nationalsozialist ahnung haben sollte, in seiner Interpretation von Zweigs Verhalten oder dem Verhalten der Figuren so platt argumentiert. Als könne man den Faschismus und den Nationalsozialismus mit solchen wenigen Worten abtun (Der böse, egoistische Faschist, pfui!!.

  • Gast am 7.2.2002

    Eigentlich nicht schlecht.

    danke fur diese arbeit, hat mir geholfen beim lernen(wir haben ne arbeit darüber gescrieben):-)

  • Gast am 10.2.2002

    Re: Eigentlich nicht schlecht.

    Kein Problem!!!
    Was für eine Note hast du bekommen?????

  • Gast am 10.2.2002

    Re: Naja!!!.

    Ja aber ich habe auch das gleich abgeschrieben
    und hab nee eins bekommen! Vielleicht sind Sie ja eine schlechte Lehrerin
    Und vielleicht wollen sie, dass Schüler schlechte Note bekommen!

  • Gast am 10.2.2002

    Spitze!!!.

    Ich fand es spitze!
    Ich habe ne Eins in Deutsch geschrieben! Ich bin in der 11 Klasse! eine eins musst du wirklich verdient haben!!!!

  • Gast am 11.2.2002

    Zu kompliziert geschrieben!.

    Es ist alles zu lang und kompliziert geschrieben. Es kommt nicht zum springenden Punkt. Es wurde immer um die eigentliche Aufgabe herumgeschrieben z.B. als Interpretation schreibt er erst eine komplette Inhaltsangabe, was dort nicht zu suchen hat. So ein Werk wurde ich nicht veröffentlichen.

  • Gast am 20.2.2002

    Schade!.

    Hi! Ich finde, hier wurde sehr, sehr viel Tipp-Arbeit geleistet, aber keine wirkliche gedankliche Auseinandersetzung. Immerzu Wiederholungen, gute Interpretationsansätze, leider aber nicht weiter verfolgt. Und wo ist die Verbindung des Inhaltes zu der Form? Gerade dieses Buch besticht durch seine durchstrukturierte Schachbrett-Muster! Schade!

  • Gast am 23.2.2002

    Re: Naja!!!.

    Hallo Lisa,
    leider haben Sie keine Mailadresse hinterlassen, sonst hätte ich sie direkt angemailt.
    Wie wären Sie denn bei der Ausarbeitung des Werkes vorgegangen?

    Gruss
    Schorsch

    |
    |Lisa schrieb:
    ||Ich bin Lehrerin - und ich muss sagen, ich
    ||hätte diesem Referenten keine 1 gegeben.
    ||Warum nicht?
    |- Wie kann man nur permanent den Namen einer Figur falsch schreiben (McConnor)?
    |- Eine wiederholte Inhaltsangabe, ob ausführlicher oder kürzer - ist überflüssig und dient wohl nur dem Dickerwerden des Papierstapels.
    |- Was hat eine Interpretation mit der Wiedergabe von Passagen des Inhaltes zu tun? Das ist keine besondere Leistung.
    |- In fast jedem Buch zu Zweig - und es gibt in jeder noch so kleinen Bücherei welche, z.B. das von Poppe - steht genügend differenziertes Material zur Deutung der Figuren, ihrer Symbolik und der Symbolik des Schachspiels. Ich finde es peinlich, wenn ein Gymnasiast, der auch vom Nationalsozialist ahnung haben sollte, in seiner Interpretation von Zweigs Verhalten oder dem Verhalten der Figuren so platt argumentiert. Als könne man den Faschismus und den Nationalsozialismus mit solchen wenigen Worten abtun (Der böse, egoistische Faschist, pfui!!.

  • Gast am 16.5.2002

    Schließe mich Minotauras Meinung an.

    Schließe mich Minotauras Meinung an, du solltest vielleicht nicht alles über das Schachbrett interpretieren...

  • Gast am 22.9.2002

    Re: Schließe mich Minotauras Meinung an.

    Ich glaube, das man es besser nicht mehr machen könnte!! Ich finde es sehr gut!! Super Samir
    Die eins hast du schon verdient!! Glückwunsch

  • Gast am 15.1.2003

    Ok!.

    Is ganz ok im Gegensatz zu anderen!!!

  • Gast am 20.5.2003

    Sehr schön aber viel zu lang.

    Also du hast dir ja anscheinend ne Menge ARbeit gemacht - aber das hättest du gar nicht , du hättest alles auch auf drei seiten packen können (achja was der faschismus war oder heute ist .- weiß man als Deutschlehrer eigentlich) - aber das nur am rande ....

    du hast viele literaturwissentschaftlich begriffe ver wendet - man bekommt dambei den einfruck das dur ediglich eindruck schinden willst und nicht wirklich ausdrücken kannst was du sagct
    aber naja

  • Gast am 10.2.2006

    ich fands sehr gut.

    ich fande den text sehr gut pbwohl er ein bisschen zu lang war!!
    aber trotzdem ist meine deutsch arbeit gerettet :)
    vielen dank un fettes lob!!!

    mfG moll (nils)

    ach un der typ da obn soll erst mal lernen nich so viele rechtschreibfehler zu machen!! ;)

  • Gast am 27.2.2007

    Naaaaja.

    1. Bitte vermeidet es, Witze über anderer Leute Rechtschreibung zu machen und dann selbst mit der Orthographie eines Hauptschülers zu schreiben!

    2. Zur Arbeit:
    Es reicht sicherlich für eine 10. oder 11. Klasse im Grundkurs.
    Aber insgesamt hättest Du Dich schon ein wenig kürzer fassen können, wollte noch einkaufen. :-)

    Was fehlt, ist wirklich die Form des Werkes. Man sollte nie vergessen, dass die Form Ausdruck und oft auch Zugang des Inhaltes ist.

    3. Zum Autor:
    Das mit der schlechten Lehrerin musste jetzt doch wirklich nicht sein. -.-

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Titel: Zweig, Stefan - Schachnovelle



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