Flaubert, Gustave - Madame Bovary - Vergleich mit Effi Briest von Theodor Fontane


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

7 Seiten, Note: 14 Punkte


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Vergleich Mme Bovary und Effi Briest

- Gustave Flaubert = Madame Bovary Theodor Fontane = Effi Briest

- beides realistische Werke

- Realismus:

- Darstellung in der Literatur und Kunst
- bemüht sich um eine wirklichkeitsgetreue Wiedergabe der Welt in den Kunst- werken
- galt in der 2. Hälfte des 19. Jh. als Leitvorstellung der europ. Literatur
- daraus entwickelte sich später der Naturalismus ( bedeutendster Vertreter war Emilé Zola)
- Unterscheidung: kritischer und poetischer Realismus
- in Frankreich fand der Realismus in der bewusst als Sittengeschichte konzipierten „Comédie humaine“ Balzacs ebenso seinen Ausdruck wie im rational - leidenschaftlichen Werk Stendhals „Rot und Schwarz“ und der Seelenanatomie Gustave Flauberts Mme Bovary“
- Vertreter: Frankreich - Honoré de Balzac und Gustave Flaubert; England - Charles Dickens; Russland - Tolstoi, Dostojewski und Turgenjew; Dtl. - Gottfried Keller, Theodor Storm und Theodor Fontane
- „Mme. Bovary“ und „Effi Briest“ sind beides Werke des poetischen R.

Zum Leben der beiden Dichter

Theodor Fontane

- deutscher Schriftsteller
- * in Neuruppin am 30. Dezember 1819
- [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] in Berlin am 20. September 1898
- bedeutender Balladendichter und Feuilletonist
- begann mit 70 seine realistischen Gesellschaftsromane zu schreiben
- die Gestalten seiner Romane erleben die Probleme, die Liebe und Ehe im alten Preußen
- gibt ein kritisch - realistisches Bild der preuss. Gesellschaft in seinen Werken wieder
- liebevolle Beschreibung menschlicher Schwächen
- Romane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg ( 1862 - 82); Irrungen, Wirrungen (1888); Effi Briest (1895); Der Stechlin (1899 - 98)
- Fontane schrieb auch zahlreiche Gedichte und Balladen wie z. B. John Maynard und Gorm Grymme
- schrieb im Alter außerdem den autobiographischen Roman Meine Kinderjahre und verfasste zahlreiche Aufsätze und Theaterkritiken

Du wirst es nie zu Tüchtgem bringen Bei deines Grames Träumerein, Die Tränen lassen nichts gelingen Wer schaffen will, muss fröhlich sein.

Wohl Keime wecken mag der Regen, Der die Scholle niederbricht, Doch golden Korn und Erntesegen Reift nur heran bei Sonnenlicht.

Gustave Flaubert

- französischer Schriftsteller
- * in Rouen am 12. Dezember 1821
- [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] in Croisset bei Rouen am 8. Mai 1880
- schrieb die Romantik überwindende, sprachlich und formal vollendete Erzählungen und Romane
- seine Werke schildern die innere Gefühlswelt komplizierter Charaktere und den Verlust sozialer und politischer Illusionen
- sein Roman Madame Bovary löste 1857 heftige Skandale aus
- von jetzt an erhielt ein einfaches Thema wie Ehebruch Einzug in die Weltliteratur
- es kam zu einem Prozess, in dem Flaubert durch die bis ins genauste Schilderung des Ehebruchs, wegen Beleidigung der öffentlichen Moral und der Religion angeklagt wurde
- weiterhin wurde er beschuldigt, dass er in seinem Werk den Ehebruch nicht verurteilt hat
- Flaubert wurde jedoch freigesprochen
- Werke: Salamb ô (1862); Lehrjahre des Gef ü hls (1869)
- Flaubert erkrankte 1846 an einem Nervenleiden, das ihn zwang sich in seine heimatliche Normandie zurückzuziehen
- sein Schaffen hatte keinen großen Umfang mehr

Inhaltsangabe der Werke

Effi Briest

- geht auf eine wahre Geschichte zurück: die Geschichte vom Baron von Ardenne und seiner Frau Elisabeth
- Elisabeth hat aus einer ungewollten Heirat heraus eine Affäre, ihr Mann erfährt davon und duelliert sich mit dem Geliebten, welcher an seinen Verletzungen stirbt, es kommt zur Scheidung und Elisabeth durfte ihre Kinder nie wieder sehen, sie stirbt 1952 ein Jahr vor ihrem 100. Geburtstag
- beschreibt die Geschichte einer „Zwangsheirat“ und deren für die damalige Zeit schlimmsten Folge, dem Ehebruch
- Effi wird, nachdem herauskommt was sie getan hat, von ihrem Mann geschieden, lebt allein und stirbt nach einigen unglücklichen Jahren zu Hause

Madame Bovary

- ensteht aus einem „sujet terre á terre, aus einem Vorfall aus dem bürgerlichen Leben: der Selbstmord der Delphine Delamare
- Flaubert nimmt die Zeitungsnotiz der ehebrechenden Arztfrau aus der Normandie auf und beginnt mit der Arbeit an Mme. Bovary
- Charles Bovary, ein junger Arzt vermählt sich nachdem seine Frau aus erster Ehe starb mit der hübschen jungen Emma Rouault
- er ist überglücklich, doch sie bemerkt bereits in den ersten Wochen nach der Ehe, dass es keine gute Entscheidung war, Charles zu heiraten
- Emma beginnt sich zu langweilen, während Charles den Tag über seiner Tätigkeit als Arzt nachgeht
- die Einladung zu einem Ball lässt sie seit langem wieder aufblühen, sie lernt den Luxus ken- nen und findet Gefallen daran
- Emma wird nervenkrank, Charles kann es sich nicht erklären und die beiden übersiedeln nach Yonville
- hier herrscht wieder ein bißchen Abwechslung und Emma baut eine gute Freundschaft mit dem Schreiber Léon Depuis auf, der aber bald nach Paris geht
- Emma wird schwanger, freut sich aber nicht über das Kind von Charles
- Emma lernt den Gutsherren Rodolphe Boulanger kennen und begeht einen Seitensprung
- die Affäre geht aber zu Ende, da er nicht mit ihr flüchten will
- bei einem Theaterbesuch trifft sie Léon wieder und beginnt mit ihm bald eine Beziehung, die durch angebliche Klavierstunden getarnt ist
- diese Verbindung verliert jedoch auch bald ihren Reiz
- durch ihre Verschwendung und den Gier nach Luxusartikeln haben Charles und Emma hohe Schulden, die sie nicht zurückzahlen können
- Emma vergiftet sich in dieser ausweglosen Situation mit einem Fläschchen Arsen
- Charles findet nach einiger Zeit die Briefe beider Geliebter und er stirbt später einsam und voller Kummer

Charakterisierung der beiden „ Ehebrecherinnen “

Effi Briest

- Effi ist willensstark und mutig
- in ihrer Kindheit hatte sie viele Freiheiten gehabt
- unter ihren Freundinnen übernahm sie die „Führungsrolle“ und erschien altklug
- Effi ist ehrlich, klug und aufrichtig
- sie hat hohe Ansprüche, welche aber aus ihrer Erziehung und dem gesellschaftlichen Stand resultieren: „ An dem Besitze...allt ä glicher Dinge lag Effi nicht viel “ „ Nur das Eleganteste gefiel ihr, und wenn sie das Beste nicht haben konnte, so verzichtete sie auf das Zweitbeste... “
- ein deutlich erkennbarer Charakterzug ist ihre Eitelkeit, die aber wieder auf den gesellschaftlichen Stand ihrer Eltern zurückgeht
- Effi malt sich gerne Zukunftsbilder aus, und je farbiger sie sind, desto schöner und begehrenswerter sind diese für sie
- sie will immer etwas neues ausprobieren, da sie „Langeweile nicht aushalten kann“
- so auch ist zum Beispiel die Ehe mit Geert nur ein neues Spiel
- für die Ehe mit Geert ist sie noch nicht reif genug und kann nur rein äußerlich die Rolle der Ehefrau erfüllen
- mit der Zeit in Kessin schwinden ihre Jugendlichkeit und ihr „Entdeckungsdrang“ und sie wird ernst und schwermütig
- als sie die Affäre mit Crampas beginnt kommt die Abenteuerlust noch einmal zum Vorschein
- schließlich wurde Effi nervenkrank, da es sie sehr viel Kraft kostete, das Geheimnis der Affäre für sich zu behalten
- nach der Scheidung von Geert lebt sie einsam und wird immer trauriger, schwermütiger und verschlossener
- als sie schließlich nach Hohen - Cremmen in ihr Elternhaus zurückkehrt, blüht sie noch einmal auf, bevor sie mit dem erreichten Ziel nach innerem Frieden stirbt
- Effi kam mit der Moral der damaligen Gesellschaft nicht zurecht, was sie psychisch an ihre Grenzen brachte und woran sie letztendlich zu Grunde ging

Madame Bovary

- Emma lebt mit ihrem Vater auf einem Bauernhof in Les Berteaux
- sie verbrachte seit ihrem 13. Lebensjahr die Zeit in einem Kloster => gottesfürchtig
- verträumte ihre Mädchenzeit hinter den Mauern des Pensionates und denkt die Zukunft kann nur Schönes und Glück bringen
- während des Aufenthaltes im Kloster stirbt Emmas Mutter, ihr Bruder starb schon in jungen Jahren
- nach dem Tod der Mutter wird sie aus dem Kloster geholt und beginnt das Gesinde auf dem Hof herumzukommandieren
- trotz dieser „Macht“ ist Emma unzufrieden => ändert sich als der Landarzt Charles Bovary auf den Hof kommt, um ihren Vater zu behandeln
- sie glaubt nun die wahre Leidenschaft zu kennen, doch die Gefühle für Charles sind nur oberflächlich und flüchtig
- sie nimmt seinen Antrag nur an, um dem trostlosen Landleben zu entfliehen und in der Hoffnung endlich das wahre, angenehme Leben zu entdecken
- jedoch muss Emma nun bald feststellen, dass ihr Mann nichts von dem bieten kann, was sie sich erträumt hat
- in ihrem Herzen macht sich bald eine gähnende Leere breit und die Monotonie des Alltags bedrückt sie
- als sie eine Tochter gebärt ist sie nicht in der Lage eine Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen => „Sie wünschte sich einen Sohn, er würde kräftig und dunkelhaarig sein und Georges heißen...“
- wenn Emma unzufrieden mit sich und ihrem Dasein ist, dann baut sie ihre Aggressionen in Berthes Gegenwart ab, jedoch in Charles Gegenwart spielt sie immer die treusorgende Mutter
- Emma findet sich mit den Gegebenheiten ihrer Existenz nicht ab
- sie leidet an den Widersprüchen zwischen dem Leben, dass sie führt und der luxuriösen Welt in ihren Träumen
- das größte Glück wäre der Ausbruch aus dieser Situation => ihr unglückliches Dasein treibt sie in Liebesabenteuer und Schulden
- hat ein Bedürfnis der Unabhängigkeit
- Emma baut sich ein Wunschreich auf, dass sich unter anderem in der Gestalt ihrer Geliebten wiederspiegelt
- diese Tagträume treiben sie immer wieder in Niederlagen
- die ewige Langeweile versucht sie mit dem Kauf kostbarer Teppiche, Stoffe und Möbel zu töten und ihr Leben erträglich zu machen => lebt über ihre Verhältnisse
- durch die Verschwendung von Charles’ Gehalt kommt sie in einen Streit mit seiner Mutter
- letztendlich geht Emma an dem Widerspruch ihrer Träumereien und den tatsächlichen Möglichkeiten diese zu verwirklichen zu Grunde
- Emma verstrickt sich immer mehr in ein Netz von Lügen, aus dem sie keinen Ausweg mehr findet

Gemeinsamkeiten der beiden Hauptpersonen

- sehen die Heirat beide nur als ein neues Spiel um der Monotonie des Alltags davonzulaufen
- haben keine echten Gefühle für ihre Männer
- erfüllen nur ihre Rolle als Ehefrau, weil es die Gesellschaft so will und um ihren Mann nicht misstrauisch werden zu lassen
- haben gutes Verhältnis zu den Pfarrern der Dörfer => beide sind gläubig
- sobald beide dem eintönigen Leben in Kessin sowie in Yonville entfliehen können, eröffnen sich neue Perspektiven
- verlassen ihren ursprünglichen Wohnort aufgrund von Krankheiten und da die Männer besorgt sind, kommt es zu einem Umzug
- haben beide eine innige Freundschaft mit einem Apotheker: Effi mit Gieshübler und Mme Bovary mit Homais
- ihre Töchter sind beide bei einem Kindermädchen, wobei dieses von Effi mit im Haus lebt, das von Berthe, Mme Bovarys Tochter jedoch irgendwo am Rande des Dorfes
- beide tarnen ihre Treffen mit den Liebhabern entweder als vom Arzt verschriebene Spaziergänge oder Klavierstunden
- beide Männer bekommen von den Seitensprüngen erst Jahre danach mit
- Effi sowie Emma kommen mit ihrem Stand in der Gesellschaft nicht klar und gehen auch daran zu Grunde

Unterschiede

- Effi kommt aus gutem Haus, ihre Familie hat einen hohen gesellschaftlich Stand und lebt in einem Herrenhaus
- Emma kommt aus dem einfachen Bürgertum und lebt auf einem Bauernhof
- Effis Mann ist ein alter Freund der Familie, während Charles der Arzt von Emmas Vater ist
- Baron von Instetten hat einen hohen Stand in der Gesellschaft und ist schlau, sehr gebildet und weiss sich zu benehmen, während Emmas Angetrauter „nur“ Landarzt mit schlechten Manieren und einer relativ flachen Persönlichkeit ist
- Emma träumt nur vom Luxus, sie kann sich aber ihre Träume aufgrund der finanziellen Situation nicht erfüllen
- Effi ist Luxus schon von klein auf gewöhnt, jedoch können ihr noch während des Ehelebens alle Wünsche erfüllt werden, da die finanziellen Möglichkeiten ausreichend sind
- Effi wird mit den Jahren immer ruhiger, nachdenklicher und zurückgezogener, während sich bei Emma eine aufbrausende Aufmüpfigkeit herausbildet
- Effi begeht „nur“ einmal Ehebruch, während Emma sich mit einem nicht zufrieden gibt und neben Léon Depuis auch eine Affäre mit Rodolphe Boulanger hat
- Instetten bekommt 6 Jahre danach von der Affäre mit, lässt sich von Effi scheiden und bringt in einem Duell ihren Geliebten um
- Charles bemerkt die Seitensprünge erst nach Emmas Tod und geht an seiner Einsamkeit selbst zu Grunde
- Effi stirbt in Einsamkeit, aber den inneren Frieden hat sie gefunden
- Emma bringt sich um, da sie hohe Schulden hat und aus dem Netz von Lügen nicht mehr heraus kommt; sie hatte am Ende gar nichts mehr: kein Geld, keine Geliebten, nur ihren Mann, den sie aber von Anfang an nicht wollte

- mir persönlich erscheint die Geschichte von Effi tragischer, als die der Mme Bovary
- Fontane vermittelt mit Effi Unschuld und Unwissenheit, sie wird in ihre Rolle als Ehefrau regelrecht gedrängt und hat keine Chance ihrem Schicksal zu entkommen
- Mme Bovary hingegen war für mich eher eine unsympathische Person und ihre Geschichte geht einem nicht so nahe
- sie wird durch Flaubert geldgierig dargestellt und will immer das Beste und Schönste
- sich selbst sieht sie als ein höheres Individuum als all die Leute, mit denen sie tagtäglich in Berührung kommt
- wenn man beide Bücher gelesen hat, könnte man fast annehmen, dass das eine Buch Vor- lage für das Andere war; jedoch sind beide Bücher unabhängig voneinander entstanden und die Reaktionen der Bevölkerung auf das sonst „verbotene“ Thema Ehebruch sind unter- schiedlich

Quellenangabe:

- Theodor Fontane „Effi Briest“
- Gustave Flaubert „Madame Bovary“
- Brockhaus
- Duden - Lexikon der Allgemeinbildung
- www.hausarbeiten.de
- www.xlibris.de

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Details

Titel
Flaubert, Gustave - Madame Bovary - Vergleich mit Effi Briest von Theodor Fontane
Veranstaltung
Unterricht
Note
14 Punkte
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V105612
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Figurenanaylse und Vergleich der beiden Ehebrecherinnen
Schlagworte
Flaubert, Gustave, Madame, Bovary, Vergleich, Effi, Briest, Theodor, Fontane, Unterricht
Arbeit zitieren
Lydia Schuster (Autor), 2001, Flaubert, Gustave - Madame Bovary - Vergleich mit Effi Briest von Theodor Fontane, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105612

Kommentare

  • Gast am 6.2.2003

    emma ist nicht geldgierig.

    also zu beschreiben emma sei geldgierig und ihr damit einen luxus zu unterstellen, sie deshalb "unsympatisch" zu finden, ist nicht gerechtfertigt. sie macht geschenke etc. effi kennt und lebt im luxus. des weiteren ist emmas psychologie viel teifgründiger beschrieben und an dieser beschreibung und auch deutung erkennt man, wie sehr sie leidet. wie man für so ein referat 14 punkte bekmmt, verstehe ich nicht. ich habe das thema in meiner schule diskutiert. derartige äußerungen zum thema wie hier ziehen da maximal 04 punkte nach sich. alles gute trotzdem.

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