Platon: Leben - Werke - Kritik


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
8 Seiten, Note: 1

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Platon: Leben/Werke/Kritik

1. Person

Biographie

Aristokles, genannt Platon (platos = griech. breit; nach seiner breiten Stirn) wurde 427 v. Chr. in Athen geboren. Er war Sohn des Ariston, welcher vom letzten echten Königs Athens Kodros und damit vom Gott Poseidon abstammen solle. Seine Mutter war Periktione, deren Urgroßvater ihres Urgroßvaters Dropides der Bruder des Solon gewesen sei. Seine Onkel Charmides und Kritias waren zwei der dreißig Tyrannen, denen er den Titel zweier seiner Werke widmete. Platon stammte also aus einer aristokratischen und politisch sehr einflussreichen Familie. Auch aus diesem Grunde strebte er anfangs nach einer politischen Karriere. Doch schon früh fühlte er sich vom Staatsamt enttäuscht. Die Blütezeit unter Perikles war vorbei, die Nachfolger (z. B. Kleon, Hyperbolos und Alkibiades) waren nicht annähernd so fähig, und wurden damals angeblich als „Tunichtgute“ bezeichnet. Die Niederlage Athens im Peloponneseischen Krieg, die harte Zeit der dreißig Tyrannen und die Mythisierung der spartanischen Tüchtigkeit prägten ihn und trübten sein Vertrauen in die Regierungen. Seine Onkel forderten ihn auf mitzuregieren, doch als sein Lehrer Sokrates von 500 Richtern verurteilt und hingerichtet wurde, wandte er sich endgültig von der Politik ab.

Anfänglich war Platon künstlerisch sehr aktiv, doch Sokrates imponierte ihm wie kein anderer und er wurde sofort sein begeisterter Anhänger: „Er warf seine Gedichte ins Feuer und folgte ihm“ (Diogenes Laertios). Seine Hinrichtung war für Platon ein Schlüsselerlebnis und er machte sich sofort auf die Reise zu Euklid nach Megara. Seine Wissbegierde trieb ihn von dort aus weiter nach Kyrene zu Theoderus, zu den Propheten nach Ägypten und zu den Pytagoreern nach Italien. Dort waren überwiegend griechische Kolonien, die aber nichts provinzielles hatten und sich in ihrer Kulturblüte befanden.

Der junge Dion, dessen Schwager der Tyrann Dionysos I. von Syrakus in Sizilien war, rief Platon, von dem er schon viel gehört hatte, zu sich. Platon erhielt von ihm eine Chance, seine Ideen vom Idealstaat zu verwirklichen. Doch die Umstände waren ungünstig. Es herrschte damals Krieg gegen Karthago, Dionysos betrachte ihn mit Misstrauen und Platon fühlte sich wegen der Ausschweifungen und Gelage vom sizilianischen Hof abgestoßen. Dreimal wurde er von Dion gerufen, dreimal fiel er in Ungnade und wurde einmal sogar als Sklave verkauft.

In Athen gründete er mit 40 Jahren seine eigene Schule unweit von Athen, die er „Akademie“ (nach dem Heroen Akademos) benannte und führte dort ein angenehmes und besinnliches Leben. In dieser Akademie wurde Astronomie, Biologie, Mathematik, politische Theorie und Philosophie unterrichtet. Platon starb 347 v. Chr. in Athen.

Historischer Hintergrund

Um Platons Werke und sein Denken zu verstehen, muss man sich die historischen Hintergründe vor Augen halten. Platon erlebte 402 die Niederlage Athens im Peloponnesischen Krieg und die Schreckensherrschaft der 30 Tyrannen. Daraus erwuchs ein starkes Gerechtigkeits- bzw. Ordnungsbedürfnis. Es herrschte damals sehr viel Unsicherheit, was außerdem auch auf die schnellen Regierungswechsel zurückzuführen war. Denn beispielsweise hatte das oligarchische Sparta ganz andere Vorstellungen und Ethiken als das demokratische Athen. Aus dieser Orientierungslosigkeit heraus entwickelte Platon seine eigenen Staatstheorien und Moralvorstellungen.

Es war auch eine Zeit, in der das vernunftmäßige Denken den metaphysischen Glauben ablöste. Es fand eine Entwicklung zur Wissenschaft und somit zu einem neuen Blick auf die Welt statt, was einer Revolution gleichkommt. Das äußerte sich u. a. darin, dass sich die Tyrannen in Athen anscheinend nicht anders zu helfen wussten, als die Philosophen (wie Sokrates) wegen angeblicher „Gotteslosigkeit“ zu verurteilen.

Bedeutung im antiken Griechenland

Aus dem Interesse des jungen Dion von Sizilien kann man auf ein starkes Interesse an Theorien wie die Platons schließen. Doch hat Platon vermutlich aus seinen Erfahrungen in Sizilien gelernt und versucht nicht mehr, Tyrannen verändern zu wollen. Er musste mit seinen Äußerungen immer vorsichtig umgehen, um nicht ins Kreuzfeuer irgendwelcher Machstreitigkeiten zu geraten, wie Sizilien zeigte.

Seine Schule wurde von Leuten wie Aristoteles besucht, was einen guten Ruf vermuten lässt. Er hätte mit seinen Anhängern ein politisches Experiment starten können, indem sie einen Kleinstaat errichten. Vermutlich taten sie es wegen der ungünstigen politischen Lage nicht, weil ein kleiner Staat sehr verletzlich und angreifbar gewesen wäre.

2) Werke

In seinen Werken führte er die Lehren von Sokrates weiter, wobei er sich aber immer weiter von dessen Grundsätzen entfernte bis er schließlich im „Gorgias“ beim totalen Gegensatz angelangte (Dogmen versus Nichtwissen).

Seine Werke umfassen insgesamt neun Tetralogien, von denen einige als Fälschungen erkannt wurden. Sie sind allesamt in Dialogform abgefasst und weisen einen hohen literarischen Wert auf. Seine Werke „der Staat“ („Politeia“) und „Symposion“ zählen als seine künstlerischen Meisterwerke. Platons überzeugend wirkende Synthese von logischer, wissenschaftlicher Betrachtung und mythischer, religiöser Elemente fand viel Anklang.

Seine Werke werden chronologisch nach inhaltlichen und stilistischen Kriterien geordnet.

1) frühe Periode: „Apologie“; „Kriton“; „Ion“; „Luches“; „Lysis“; „Charmides“; „Enthyphron“; „Protagoras“; „Poiteia Buch 1“
2) mittlere Periode : « Gorgias » ; « Menon » ; « Entydemos » ;
« Kratylos » ; « HipiasI » ; « HippiasII » ; « Menexenos » ; « Symposion » ; « Phaidon » ; « Politeia II-X »; « Phaidros »
3) spätere Periode : »Thaitetos » ; « Parmenides » ; « Sophistes » ; « Politikos » ; Philebos » ; « Timaios » ; « Kritias » ; « Nomoi »

Günstigerweise hatte die schriftliche Fixierung seiner Ideen keine unmittelbaren Auswirkungen auf ihn, da er die besonders «gefährlichen» Lehren dem Sokrates in den Mund legte. So gewann er eine geringe Angreifbarkeit und konnte nicht verklagt werden. Sokrates eignete sich besonders, da dieser schon tot und allgemein verdammt war.

Die Ideenlehre

Idee hieß im Griechischen „sehen“ und beschreibt damit schon der Sinn der Idee: Die Wirklichkeit, das wahre Sein zu erblicken, zu „sehen“. Die Idee ist es, nachdem die Philosophen streben. Doch mehr dazu im Bereich der Erkenntnislehre. Zunächst ist es sinnvoll, sich mit dem Gegenstand der „Idee“ auseinander zusetzen.

Auf die Idee seiner Ideenlehre ist Platon beim Forschen nach allgemein verbindlichen Wertvorstellungen („Tugenden“) gekommen. Er geht davon aus, dass es Tugenden gibt, die es schon immer gab und immer geben wird, da sie in der Seele eines jeden Menschen schlummern. Als Beispiel bringt er das Gerechtigkeitsempfinden, das jeder intuitiv erfährt. Diese Intuition deutet auf die Ideenwelt hin, in der es eine Idee von Gerechtigkeit gibt. Die Ideenlehre ist Platons Versuch, das „Sein“ von Parmenides mit dem „Werden“ des Heraklids in Einklang zu bringen. Das heißt, er versucht, das Eine, Reine, Ewige, Unvergängliche mit dem Vielfältigen, Vergänglichen und Werdenen ins Verhältnis zu setzen und zu vereinbaren.

Ideen sind für Platon das „Urbild“ einer in der Sinneswelt existierenden Sache, wobei die Idee aber unveränderlich und damit vollkommen ist, während die Dinge in der Sinneswelt „unvollkommen“ sind und nach dem Ideal in der Ideenwelt streben.

Damit wird ein dualistisches Zweiweltensystem geschaffen.

Die Dinge, die wir aus unserer sinnlichen Erfahrung wahrnehmen, zum Beispiel eine Katze, sind nur mangelhafte Nachbildungen des Idealbilds, der Idee „Katze“ . Es gibt Merkmale an Katzen, die alle Katzen besitzen und eben dieser Grundtyp befindet sich in seiner vollkommensten Form in der Ideenwelt.

Jedoch sah Platon anfangs nur ethische und abstrakte Dinge wie die Idee des Guten und der Gerechtigkeit als Ideen. In „Politeia“ dehnte er den Bereich auf alle Dinge aus (Liebe, Häuser, Katzen, Menschen etc.). Später wurde der Umfang des Ideenreiches selbst ein Problem. Das intuitive „Wissen“ um einen Sachverhalt entsteht durch „Wiedererinnerung“ („Anamnesis“), da die Seele die Dinge wiedererkennt, die sie beim Herumirren in der Ideenwelt vor der Geburt gesehen hat, und ist mit dem Erkenntnisprozess gleichzusetzen (im „Menon“). Die Ideen sind hierarchisch unterteilt.

1. Ganz an der Spitze steht die „Idee des Guten“, sie erhält eine Sonderstellung, da sie das endgültige Sein darstellt.
2. Dann kommt die Idee der moralischen Werte und Tugenden (Schönheit, Gerechtigkeit, Vaterlandsliebe).
3. An dritter Stelle steht die Idee der mathematischen Konzepte (Platon sah in Gesetzen wie der Winkelsumme oder einfach in der Existenz von Linien und Funktionen eine eigene Welt - die Ideenwelt -, die von Mathematikern im „Erkenntnisprozess“ einfach nur entdeckt, nicht „erfunden“ werden).
4. Und an vierter Stelle die ganzen anderen Naturdinge wie Mensch, Haus, Pflanze, Wasser, Erde etc.

Das Problem an der Sache war nur, dass es auch negative Ideen gab, die nichts mit der Idee des Guten gemein haben. In „Parmenides“ setzt Platon dagegen, dass niemand aus Absicht Böses tue und Böses eine Folge von Unwissenheit sei, aber dass er trotzdem nicht sicher sei, ob es sie im Ideenreich gäbe oder nicht. Eine zweite Sache war das Verhältnis zwischen Ideen- und Sinneswelt, warum ich beispielsweise immer einen unvollkommenden Kreis male, egal wie gut bemessen er sei, und dass die Natur immer wieder hässliche und unvollkommende Lebewesen hervorbringt. Diese Differenzen zwischen den Welten begründet Platon mit einem sogenannten Demiurgen, der praktisch als „Schöpfer“ aller Dinge in der Sinneswelt gilt (im „Timaios“). Er ist den Ideen untergeordnet und formt als „göttlicher Handwerker“ die Materie nach den vollkommenden Vorlagen der Ideenwelt. Dummerweise gelingt es manchmal gut und manchmal schlecht. Das sei dem Zufall überlassen. Als Platon die Ideenwelt als das Sein und die Nachahmung als Nichtsein bezeichnet, widerspricht er sich aber selber, indem er meint, dass die „Schatten“ in einem Zwischenstadium zwischen Sein und Nichtsein liegen. Einerseits sind die Sachen der Sinneswelt nur „Meinungen“ andererseits sind sie Bilder, die mehr oder weniger vollkommen sein können (also nahezu ewig werden können).

Die Erkenntnislehre

Die wichtigste Tätigkeit eines Philosophen ist die Suche nach dem Erkennen der Wahrheit. Letztendlich bedeutet „Philosophie“ nichts anderes als „Liebe zum Wissen“. Das ist es auch, was Paton unter seiner „platonischen Liebe“ verstand. Der Eros ist die Leidenschaft des Philosophierenden bei der Suche nach dem Ewigen (im „Phaidros“). Platon trennt Liebe radikal von Trieben und meint, dass letzteres überwunden werden müsse, um zu einer höheren Geisteshaltung zu kommen. Sinnliche Liebe soll also praktisch in eine geistige Liebe umgewandelt werden. Das erinnert an Freuds Theorie von der Sublimierung, nach der triebhafte Regungen in soziale Handlungen umgewandelt werden und so dem Gemeinwohl dienen. Man liebt also die Idee des Guten und begibt sich auf den Weg eines Erkenntnisprozess an dessen Ende die „Schau der Idee“ steht. Als Antrieb zu dieser Reise funktioniert die Sehnsucht des Menschen nach dem Unsterblichen, dem Allgemeingültigen dem Vollkommenden in jeder Beziehung (Kinder zeugen ist letztendlich nichts anderes als Unsterblich werden in den Nachkommen). Es gibt drei Ebenen der Erkenntnis:

™- Die Unwissenheit (in den Tag hineinleben bzw. niemals zweifeln oder nachdenken);
™- die Meinung (Urteil über die Erfahrungsdinge aus sinnlicher Welt); ™
- die Wissenschaft (Wissen um die Ideen).

Glücklich sei der Mensch, wenn sich eine Mischung aus Vernunft(Ideen)erkenntnis und geistlicher Liebe einstelle. Um diesen Zustand zu erreichen, gibt Platon einen „Läuterungsweg“ vor, der sich auch gut mit seinem „Höhlengleichnis“ (im „Politeia“) beschreiben lässt.

Das Höhlengleichnis besagt im Grunde, dass der Mensch sich von der Täuschung der sinnlichen Welt abwenden muss, um mit äußerster Anstrengung zur Wirklichkeit ans Licht, zum blendenden Sonnenschein (Idee des Guten) heraus aus der Höhle zu gelangen, in der er nur verschwommene Schatten und Echos der äußeren Welt sah bzw. hörte.

Platon gibt als Hilfe das Mittel der Dialektik. Diese Frage-Antwort-methodik bezeichnet er als „Hebammenkunst“ (geht auf Sokrates zurück). Ein Philosoph muss „hinaufklettern“ zum Ideenreich, alles überblicken und wieder „hinuntersteigen“ um begründen zu können.

Menschen, die diesen Weg gegangen sind, haben eine große Verantwortung. Denn Platon sah für sie die Führung des Staates vor.

Die Staatslehre

Ausgehend von seiner wichtigsten Tugend, der Gerechtigkeit, womit er u. a. meinte, dass keiner auf Kosten anderer seine Interessen durchsetzt, versucht Platon seinen Idealstaat zu beschreiben. In seiner Utopie dient der Einzelne dem großen Ganzen, nämlich der Gesellschaft und stellt darüber seine persönlichen Interessen zurück. Deshalb argumentiert er immer wieder gegen die Demokratie, die mit ihrer momentanen Freiheit keine langfristige Sicherheit geben könne. Platon ging des weiteren davon aus, dass die Menschen sich zu reinen Zweckgemeinschaften zusammenschließen (wegen Nahrung, Verteidigung etc.) und deshalb eine Arbeitsteilung passiere. Die Menschen spezialisieren sich gemäß ihren gottgegebenen Begabungen und gewähren damit ein immerwährendes Wachstum und die Erschließung immer neuer Berufsfelder. Deshalb hält er es für wichtig, dass „jeder das Seine tut und sich nicht überall zu schaffen macht“ (Politeia) und will damit eine relativ starre gesellschaftliche Ordnung sichern. Der Aufbau des Staates gestaltet sich analog zu dem Wesen des Menschen, wie Platon es definierte:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Platon schrieb dazu:„wenn Gerechtigkeit sein soll, muß der Mut [Klasse der Soldaten] immer im Dienste der Vernunft [Klasse der Philosophenherrscher] und niemals im Dienste der Begierden [des Volkes] stehen“. Er stellte weiterhin das Dogma auf, dass die Besten aus Gold, die Zweitbesten aus Silber und der Rest aus Eisen sei, wobei jedoch aus Eiseneltern gelegentlich ein goldenes Kind hervorgehen könne, das dann nur entsprechend gefördert werden müsse. Das ist eine typisch aristokratische Einstellung, die aber auch durch seine negativen Erfahrungen mit der demokratischen Regierung in Athen entstand. Dennoch schaffte er es, diese Regel in ihr Gegenteil umzudrehen bzw. einzuschränken, indem er meinte, dass auch das Volk für kurze Zeit die Befehle in die Hand nehmen könne, um sich von einem unfähigen Herrscher zu befreien. Denn die Fähigkeiten eines Herrschers stellt er über alles und entwickelt deshalb ein Erziehungsprogramm, mit dessen Hilfe er einen jungen Menschen zu einem Herrscher ausbilden kann. Als Endziel für diesen Mann gilt die Schau der „Idee des Guten“, also die Erkenntnis. Stufenweise will er Eigenschaften wie Gerechtigkeit, Tapferkeit, Besonnenheit, ein gutes Gedächtnis, Würde und Anstand herausbilden. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Ausbildung in den pythagoreischen Lehrfächern (Astronomie, Mathematik, Harmonie etc.) genauso wie in Philosophie. Er möchte die Heranzüchtung eines solchen Philosophenkönigs nicht durch verderbliche Künste beeinträchtigt wissen und spricht sich deshalb für eine Zensierung der Kultur aus. Die jungen Menschen, die Wächter werden sollen, dürfen beispielsweise nur starke, schnelle Musik hören, die ihnen Vaterlandsliebe und Mut einflößt; weiche, sehnsüchtige Musik muss ihnen genauso wie alle hässlichen und lasterhaften Dinge vorenthalten bleiben. Auch sollen Mädchen und Jungen gleichermaßen mit Musik und Gymnastik erzogen werden, so dass auch Frauen stark werden können und damit auch brauchbar für das Gemeinwesen werden. Spätestens an dieser Stelle wird die starke Orientierung an Sparta klar.

Die Wächter und Philosophen dürfen kein Privateigentum (auch keine eigenen Frauen) besitzen, da sie sich nur dem Staatswesen widmen sollen und nicht durch die Macht des Geldes verdorben werden dürfen. Als Argument für diesen Einheitsstaat meint er, Glück finde sich sowieso nicht im Individuellen, sondern im Staat. Außerdem würde persönlicher Reichtum mit Armut verfeindet, verdürbe den Charakter, mache egoistisch und einsam.

In alle Lebensbereiche greift der Staat ein.

Zur Bevölkerungskontrolle will er für geeignet befundene Paare zusammenführen und Nachkommen zeugen lassen, die aber nach der Geburt sofort in staatliche Obhut gebracht werden, damit keine Familienverwandtschaft entsteht, sondern Verwandtschaft mit der gesamten Gemeinschaft. Von Geburt an werden die Menschen in Kasten selektiert und gemäß ihrer Bestimmung herangezüchtet. Auch sagt Platon, dass die Regierung das Recht hat, ihre Untergebenen zu belügen, wenn es einem guten Zweck dient. Hier muss man sich ins Gedächtnis rufen, dass die Regierung aus einem Philosophen bestehen soll, der ganz klar weiß, was das Gute bzw. dieser „gute Zweck“ sei.

3) Auswirkungen und Kritik

Platon beeinflusste wie kein anderer die weitere Entwicklung philosophischen Denkens. Er stellte die erste Staatsutopie auf, nach der viele andere folgten. Seine Vorstellungen vom Staat sind heute noch keineswegs verjährt.

Abgesehen von seiner künstlerischen Meisterschaft begründeten seine Seelenlehren und Erkenntnistheorie die Metaphysik des Christentums (vgl. „Er-Mythos“ in „Politeia“). Mit Aristoteles als Schüler gestaltete er die christliche Theologie und Philosophie bis ins 13. Jahrhundert hinein. Geklärt schien damit auch das Problem der Herkunft des Universums, das in der Antike bisher ungelöst war. Allerdings zog die Geringschätzung der Sinneswelt auch eine Geringschätzung der Empirie mit sich. Das führte zu einer Hemmung der Entwicklung der griechischen Wissenschaft (Beispiel: Planetenumlaufbahn).

Kritik

Einem Menschen aus der heutigen Zeit muss Platons Utopie wie eine wahnwitzige Mischung aus Mao Tse-tung, Hitler, Stalin und Marx vorkommen. Der abendländische Philosoph Karl Popper verglich ihn auch mit Hegel und Marx und kam zu dem Urteil, dass Platon ein Feind der Demokratie und der „offenen Gesellschaft“ sei und somit den Vater von jeder Form des reaktionären Totalitarismus darstelle.

Platon wurde oft zur Rechtfertigung reaktionärer Vorstellungen benutzt: “Das hat Platon schon gesagt...!“

Doch man darf seine Staatstheorien nicht losgelöst vom historischen Kontext betrachten. Damals waren fast alle Ansiedlungen isoliert und untereinander verfeindet. So diente ein Staat in erster Linie der Vermeidung von Hunger und zur Verteidigung und war auf einen starken Zusammenhalt der Menschen untereinander angewiesen. Eine hohe Mauer und ein tüchtiges Heer waren überlebensnotwendig, da eine Niederlage Tod für alle Männer und Sklaverei für den Rest bedeutete. Platon selber erlebte eine ähnliche Niederlage im Peloponnesischen Krieg. Sein System war auf Sieg ausgerichtet (bzw. war für ihn Überlegenheit die beste Verteidigung). Außerdem überstieg sein Staat die Größenordnung einer damaligen Polis nicht (erst Alexander d. Große konnte Stämme vereinigen).

Auch wurde als Kritikpunkt angebracht, dass es unmöglich sei, eine Anzahl von „weisen Männern“ zusammenzubringen. Wer weiß wirklich, was weise ist? Dass der Mensch fehlerhaft ist, egal für wie weise er im Einzelfall auch gehalten wurde, zeigt schließlich die Geschichte zu genüge. Doch das ist m. E. unserer heutiger Horizont, den Platon damals noch nicht haben konnte. Die Anschauung, dass jedem Menschen und jedem Ding (sogar den Göttern) ein fester Platz im Universum und eine vorgeschriebene Funktion bestimmt sei, war im damaligen Griechenland normal. Platon dehnte das letztendlich auf den Aufbau seines Staates aus. Unserer heutiger Horizont beinhaltet die Ideen der Aufklärung, die „Gerechtigkeit“ mit „Gleichheit“ verbanden und das Individuum in den Mittelpunkt rückten.

Der platonische Sokrates aus den Dialogen wird als unaufrichtig, sophistisch, selbstzufrieden und als dogmatisch bezeichnet. Das seien die Todsünden eines Philosophen. Denn Platon berücksichtigte nicht, dass gewaltsam durchgesetzte Dogmen und Mythen (z. B. der Eisen/Gold- Mythos) durch Indoktrination die freie geistige Entwicklung verhindern. Seine ethischen Maßstäbe seien außerdem Dogmen, die weder objektiv noch wissenschaftlich sind. Es gibt real existierende gegensätzliche ethische Vorstellungen, bei denen keiner sagen kann, dass diese „richtig“ oder „falsch“ seien. In der Wirklichkeit sucht sich jeder diejenigen heraus, die seinen Wünschen und subjektiven Hoffnungen am nächsten kommen. Schwarzweißmalerei ist unangebracht, wenn man die vielen Grauabstufungen betrachtet, die die Vielfalt des Lebens ausmachen.

Quellen: „Die Geschichte der Philosophie - große Denker Gestern und Heute“ Martyn Oliver; “Die Geschichte der Philosophie - 50 Porträts von der Antike bis zur Gegenwart“ Volker Spierling; “Philosophie des Abendlandes - Ihr Zusammenhang mit der politischen und der sozialen Entwicklung“ Bertrand Russel; „Die Geschichte der griechischen Philosophie - von Sokrates bis Plotin“ Luciano De Crescenzo; “Die philosophische Hintertreppe - 34 große Philosophen in Alltag und Denken“ Wilhelm Weischedel; „Von der attischen Demokratie bis zum aufgeklärten Absolutismus“ Buchners Kolleg Geschichte; „Die Großen der Welt“ Georg Popp; „Auf der suche nach einer besseren Welt“ Karl R. Popper; Elementar Lexikon; Brockhaus Enzyklopädie;

7 von 8 Seiten

Details

Titel
Platon: Leben - Werke - Kritik
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
8
Katalognummer
V105669
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platon, Leben, Werke, Kritik
Arbeit zitieren
Sabine Steldinger (Autor), 2001, Platon: Leben - Werke - Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105669

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