Massenvergewaltigung als Kriegsmittel


Seminararbeit, 2001

28 Seiten


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Inhalt

1. Einleitung

2. Massenvergewaltigung als Kriegsmittel

3. Beginn des Krieges im ehemaligen Jugoslawien
3.1 Sexualisierte Gewalt im Kosovo - Rückblick auf die achtziger Jahre
3.2 Propaganda gegen die Kosovoalbaner
3.3 Situation der Frauen im Kosovo

4. Terror gegen die Frauen in Bosnien-Herzegowina
4.1 Frauen aus Prijedor
4.2 „Ethnische Säuberung“ von Foča
4.3 Andere Vergewaltigungslager

5. Leila -ein bosnisches Mädchen

6. Folgen der Vergewaltigung
6.1 Unfreiwillige Schwangerschaft und Abtreibung
6.2 Therapien

7. Medica Mondiale

8. „Männer von Charakter misshandeln keine Frauen“

9. „Ethnische Säuberung“ in Bosnien-Herzegowina

10. Feministische Ansätze zur Massenvergewaltigung während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien

11. Zusammenfassung

12. Summary

Literaturverzeichnis

Presseberichte

Internet Quellen

Massenvergewaltigung als Kriegsmittel

Am Beispiel des Krieges im ehemaligen Jugoslawien

Preface

Berichtete mir eine Frau, dass wieder der Soundso ermordet worden war, zuckte ich mit den Schultern: »Was soll’s.« Uns Frauen schnitten die Soldaten nicht die Kehlen durch. Für uns hatten sie sich etwas anderes einfallen lassen. Wir wurden vergewaltigt, zu Tode gefoltert oder krumm und lahm geschlagen. Nach dem Warum fragte hier schon lange keiner mehr. Das führte nur in den Wahnsinn. Wir wussten nicht einmal, warum wir hier waren. Wie sollten wir dann verstehen, warum Menschen sich in Bestien verwandelten?

Cavelius (2000, 63)

1. Einleitung

Die Greuel des Krieges wurden zum Thema vieler Filme. Als Zuschauer überlegen wir uns oftmals, warum die Grausamkeit des Krieges immer wieder stattfindet. Alle diese Filme zeigen die Brutalität des Kampfes, die Machtlosigkeit der Frauen und Kinder und die zerstörerische Kraft des Krieges.

Nachdem sich die Frauen zusammensetzten und versuchten, um ihr Rechte zu kämpfen, kamen andere unvorstellbare Fakten über den Krieg ans Licht. Die Grausamkeit des Krieges schien sich verdoppelt zu haben. Das Bild des Krieges im Namen Gottes oder des Vaterlandes fängt endlich an, seinen Glanz zu verlieren. Durch die Auseinandersetzung und Veröffentlichung der Angaben über Massenvergewaltigung, Zwangsprostitution und Sterilisation, die bislang nur in den Fußnoten der Historiker erwähnt wurden, verändert sich die vage Vorstellung des Krieges, die so lange durch Medien und Politikstrategien unterstützt wurde.

Dank der Entwicklung der Frauenbewegung haben wir eine neue Sicht gewonnen, die uns die Augen und den Mund für neue Probleme in fast allen Lebensbereichen geöffnet haben. Erst die Stimmen der Frauen haben die Welt auf viele bisher verschwiegene Probleme aufmerksam gemacht. Die neue Betrachtung der Frauenrolle hat uns mobilisiert, um unsere Rechte zu kämpfen. Zum Beispiel die Frauengruppen im ehemaligen Jugoslawien Tre š njevka und Kareta 1 haben als erste die Weltöffentlichkeit auf die Massenvergewaltigungen aufmerksam gemacht, denn mutige Journalisten und Journalistinnen haben darüber berichtet.

Seitdem die Feministinnen in den Wissenschaften tätig sind, bezieht sich die historische Analyse nicht mehr nur auf spielerische Strategien, Frontlinien oder Zahlen der Ausrüstung der Armee, sondern es werden auch Schicksale der Zivilbevölkerung in Betracht genommen. Auch das internationale Recht und Gerichtshöfe sprechen mehr denn je über die Verantwortung für Kriegsverbrechen. Leider, in Anbetracht der neuen Anschauung des Krieges, sieht man, dass die Frauen nicht mehr passive Opfer des Krieges sind, sondern oft als Mittel der Kriegsführung verwendet werden. Die Geschlechterunterschiede werden zum Vorteil der Männer. Die Gewaltausübung gegen Frauen des Feindes wurden zu guten Gelegenheiten, in denen die Frauen und Kinder entwürdigt, verfolgt, gequält, gefoltert, zur Zwangsarbeit getrieben, zu Versuchszwecken missbraucht, zwangssterilisiert, ermordet, zur Prostitution gezwungen und zielgerichtet vergewaltigt werden.

In meiner Arbeit möchte ich Fakten der Frauenschicksale während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien darstellen, um dadurch die Bedeutung und Rolle der Frauenemanzipation zu betonen. Die Besonderheit dieses Krieges liegt darin, dass man seit seinem Beginn von der Vergewaltigung als Kriegsmittel spricht. Nicht nur das hemmungslose Töten, sondern auch die massenhaften Vergewaltigungen gehörten zu den taktischen Mitteln, die vorgenommene Kriegsziele verwirklichen sollten.

Die Zahl der betroffenen Frauen bewegt sich zwischen 30 000 und 50 000 und wird vermutlich nie, wegen der Scham und des Traumas der Vergewaltigten, genauer bestimmt werden können. Nicht nur das Ausmaß des Verbrechens, sondern auch die patriarchalische Struktur der moslemischen Gesellschaft trägt zur unbeschreiblichen Tragödie in Bosnien- Herzegowina bei. Außer den nicht ausgesprochenen Verletzungen an Leib und Seele kommen traditionelle und gesellschaftliche Zwänge hinzu, die eine Rückkehr in das bisherige Familieleben und an den Ort des Geschehens erschweren oder fast ausschließen. Viele Opfer wollen die Vergewaltigung verschweigen, in dem Glauben, sie könnten dadurch weiter mit ihren Familien leben. Die Wissenschaftler sprechen von der Logik des Schweigens2, die ich jedoch durch das zahlreiche Zitieren der Aussagen der Opfer, aktiv brechen werde.

Das Empfinden von Peinlichkeit und Demütigung, dass durch die Vergewaltigung verursacht worden ist, führt oftmals zu Depressionen und Selbstmordgedanken. Deshalb muss betont werden, dass fast jede betroffene Frau die Tragödie durch Traumatisierung immer wieder erlebt und somit psychologische Hilfe benötigt. Deshalb spielen die Frauenorganisationen und die Bewusstsein innerhalb der Gesellschaft eine besondere Rolle, die, meiner Ansicht nach, dazu beitragen, die Situation der Vergewaltigten zu verbessern.

Zum Schluss versuche ich kurz die wissenschaftliche Debatte über die Vergewaltigung und den massenhaften Terror gegen Frauen vorzustellen. Meiner Meinung nach kann eine Auseinandersetzung mit dem Thema der Massenvergewaltigung nicht nur durch wissenschaftliche Analyse erfolgen, sondern muss den Leser auch emotional engagieren. Deswegen stelle ich in dieser Arbeit hauptsächlich Fakten dar und erlaube mir, wissenschaftliche Interpretationen zu vernachlässigen.

2. Massenvergewaltigung als Kriegsmittel

Zu den besonderen „Privilegien“ des Krieges gehört die Vergewaltigung seit Hunderten von Jahren. Es war schon die Begleiterscheinung von Religions-, Revolutions- und Weltkriegen3. Zur Vergewaltigung kam es unabhängig davon, ob man den jeweiligen Krieg für „gerecht“ oder „ungerecht“ hielt oder in welcher geographischen Lage der Krieg stattfand. Diese sexuelle Gewalt gegen Frauen besitzt nämlich die Kraft einer eigenartigen Waffe.

Obwohl ich Vergewaltigung als sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen, die zur absoluten, langfristigen Missachtung und Folter ihrer körperlichen und persönlichen Integrität dient, definiere, möchte ich in meiner Arbeit zwischen Massenvergewaltigung und einer individuellen Vergewaltigung unterscheiden. Ich gehe davon aus, dass Massenvergewaltigung ein bewusst eingesetztes Mittel der Kriegsführung ist, welches man zum Zweck der Rache und Vertreibung verwendet, hingegen der individuelle Akt der Vergewaltigung sexuelle und psychologische Störungen verursacht.

Obwohl heute diese Form von massiver Gewalt nach internationalem Kriegsvölkerrecht als kriminelle Handlung gebrandmarkt wird, wird diese Tatsache trotzdem von Seiten der Justiz, der Medien und humanitärer Organisationen nicht genügend berücksichtigt4. Berichte über Massenvergewaltigung während des Krieges wurden und werden mehrmals von Politikern und den Medien dementiert.

Die Fortschritte in der gesellschaftlichen Stellung der Frau haben meiner Meinung nach dazu beigetragen, bestimmte Berichte ans Licht zu bringen. In den letzten Jahrzehnten wurden Tausende von Frauen vergewaltigt, gefoltert und entwürdigt. Hier einige Berichte aus den letzten zehn Jahren, in denen die Presse über die Greuel der Vergewaltigung spricht:

- Es wird von über 5.000 Mädchen und Frauen gesprochen, die während siebenmonatiger Besatzung Kuwaits durch den Irak in 1991 mehrmals vergewaltigt wurden. Die dabei geschwängerten Frauen wurden von ihren männlichen Familienmitgliedern verstoßen und traktiert. Die Auslegung des Islam verhindert jedoch eine Abtreibung, wenn das Leben der Mutter nicht in Gefahr ist. Privilegiertere Frauen nahmen deswegen Abtreibung im Ausland vor. Frauen, die den Terror gegen sich selbst nicht länger ertrugen, nahmen sich das Leben.5
- In der indonesischen Unruheprovinz Aceh an der Nordspitze der Insel Sumatra bekämpft das indonesische Militär eine moslemische Unabhängigkeitsbewegung. Seit 1988 wurden dort mindestens 781 Menschen ermordet. 368 Fälle von Folterungen wurden bekannt. 102 Mädchen und Frauen wurden vergewaltigt. Indonesiens Armeechef General Wiranto entschuldigte sich Anfang August 1998 für die Grausamkeiten, die die Regierungstruppen angerichtet hatten.6
- Seit August 1998 kam es in der Demokratischen Republik Kongo zu bewaffneten Kämpfen zwischen den Streitkräften von Präsident Laurent-Desire Kabila und der Rebellenallianz RCD und deren Verbündeten. Beide Seiten haben sich vieler Verstöße gegen unbewaffnete Zivilistinnen und Zivilisten schuldig gemacht. Tausende sind Massakern zum Opfer gefallen, viele andere wurden entführt, gefoltert oder illegal inhaftiert. Viele Opfer gehören zum Stamm der Tutsi. Frauen und Mädchen sind als gezieltes Mittel der Kriegsführung vergewaltigt worden.7
- Bei den Massenmorden an Tutsi in Ruanda sind 1994 auch systematische Vergewaltigungen begangen worden. Die Täter waren Angehörige der Volksgruppe der Hutu. Sie setzten die sexuelle Gewalt an Tutsi-Frauen als Form der Folter ein: "Wir werden dich vergewaltigen, bis du stirbst oder ein Hutu-Baby gebierst".8
- Von Frühjahr 1992 wurden Massenvergewaltigungen an vorrangig muslimischen Frauen zur Strategie bosnisch-serbischer Kriegsführung. Mädchen und Frauen im Alter von 12 bis 60 Jahren wurden vergewaltigt, mit Gewehrläufen und Flaschen penetriert sowie mit brennenden Zigaretten gefoltert. Bosnisch-serbische Soldaten, Polizisten und Paramilitärs wurden angeklagt, Frauen in bewachten Gebäuden, getrennt von ihren Kindern, festgehalten und allabendlich vergewaltigt zu haben. Frauen wurden bei Verhören vergewaltigt, Frauen wurden in Appartaments eingesperrt, die als Bordelle dienten. Frauen wurden wie Sklavinnen verkauft. Man spricht von 30 000 bis 50 000 moslemischen Frauen.9

Im Falle einer Vergewaltigung sind die institutionellen und strukturellen Konsequenzen für Frauen radikal anders als für Männer. Männer werden nicht von ihren Frauen fallengelassen, sie werden auch nicht von ihrer Ehepartnerin und /oder Familie „entehrt“, sie können nicht zur Schwangerschaft gezwungen werden, gelten auch nicht als von nun an unverheiratbar, man unterstellt ihnen auch nicht, möglicherweise eingewilligt zu haben, und sie werden auch nicht als Repräsentanten einer Kultur gesehen.

3. Beginn des Krieges im ehemaligen Jugoslawien

3.1 Sexualisierte Gewalt im Kosovo - Rückblick auf die achtziger Jahre

Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien hatte seinen Anfang in Kosovo.10 Nach dem Aufstand der Kosovo-Albaner im Jahre 1981 wurden die nationalen Leidenschaften der Serben geweckt. In der Provinz Kosovo wurde zum ersten Mal überhaupt Vergewaltigung öffentlich thematisiert. Die Medien haben propagandistisch folgende Informationen verbreitet: die albanische Bevölkerung plant „Genozid“ am serbischen Volk, oder: die Albaner vergewaltigen serbische Frauen. An solchen Gerüchten war wenig Wahres zu finden. Sie wurden jedoch später, in den achtziger Jahren, vor allem für die Verstärkung der politischen Macht von Slobodan Milošević benutzt. Dieser Aufstand wurde damals niedergeschlagen, aber man sagt, dass der Krieg im ehemaligen Jugoslawien seinen Beginn und sein Ende im Kosovo hatte.11

3.2 Propaganda gegen die Kosovoalbaner

Genauso paradox wie entlarvend war dabei jedoch, dass dieses Thema gerade in dem Teil Jugoslawiens aufgegriffen wurde, wo statistisch die niedrigste Zahl gemeldeter Vergewaltigungen aufwies. Offensichtlich ging es dabei um eine Hetzkampagne gegen die kosovoalbanische Bevölkerung in den achtziger Jahren. Die Medien berichteten von einer Flut „separatistischer Vergewaltigungsversuche“ „ehrbarer“ serbischer Frauen durch albanische Männer. Gleichzeitig wurde in Serbien die Vergewaltigung in die Liste der Verbrechen gegen die Nation aufgenommen, für die im Vergleich zu den „üblichen“ Vergewaltigungen (ohne ein nationalistisches „Motiv“) eine höhere Strafe angesetzt wurde. Auf diese Weise wurde Gewalt gegen Frauen für nationalistische Zwecke benutzt. Es ging weniger um das Verbrechen an der Frau, als an der Nation. Obwohl die engagierten Frauen in Zagreb und Belgrad mit den Worten „Wir sind keine Huren, sondern Mütter und Schwestern jugoslawischer Söhne!“ gegen diese sexualistische und rassistische Verquickung öffentlich protestiert haben, war das Ziel bereits erreicht. Der Konflikt war auf die ethnische Ebene verschoben worden.

3.3 Situation der Frauen im Kosovo

Die Situation der Frauen im Kosovo kann man als sehr schlecht bezeichnen. Die Gesellschaft war patriarchalisch organisiert. Es gab eine hohe Analphabetenquote besonders unter Frauen, die in den ländlichen und schwer zugänglichen Regionen gewohnt haben. Aus diesem Grund hatten auch sehr wenige Frauen eine Berufsausbildung. Auch Gewalt in der Familie ist keine Seltenheit. Zwei Drittel der Kosovoalbanerinnen sind Opfer familiären Terrors. Die Ursachen dieser Situation sind vor allem hohe Arbeitslosigkeit, Armut und die herrschende politische Atmosphäre.

4. Terror gegen die Frauen in Bosnien-Herzegowina.

Am 25. Juni 1991 erklärten beide Parlamente (kroatisches und slowenisches) die jeweilige Republik zu einem souveränen Staat. Dies wurde zum Startsignal für den Angriff der Jugoslawischen Volksarmee. Der Krieg in Slowenien dauerte nur drei Tage. Danach eroberte die Jugoslawische Volksarmee ein Drittel Kroatiens. Gleichzeitig bereitete Milošević den Krieg gegen Bosnien-Herzegowina vor. Durch die Kriegspropaganda hieß es wieder, dass die Serben von einem „Genozid“ bedroht seien. Diesmal komme die Gefahr von den Moslems. In Bosnien- Herzegowina umfassten die Moslems 44% der Bevölkerung, die Serben 31% und die Kroaten 17%12.

Nach dem politischen Kampf wurde Bosnien-Herzegowina am 6. April 1992 von der EG und den Vereinigten Staaten als unabhängiger Staat anerkannt. Kurz danach griffen Serbische Truppen an.

Nach Angaben des UNO-Flüchtlingskommissariates wurden 3,5 Millionen Menschen13 aus Bosnien-Herzegowina vertrieben oder sind vor dem Krieg geflohen. Hierbei stellen die bosnischen Moslems die größte Gruppe dar. Der serbischen Kriegsführung geht es nicht nur darum, Territorium zu gewinnen, sonder aus diesem Territorium auch gleichzeitig alle „Nicht- Serben“ zu vertreiben. Es sollte eine „ethnische Säuberung“ ausführlich durchgeführt werden, die eine dauerhafte Wirkung hätte. Diese Vertreibung sollte auch einen politischen Zweck erfüllen, und zwar den Sieg des zukünftigen Referendums in Bosnien-Herzegowina und damit gleichzeitig die Akzeptanz des serbischen Staates durch die internationale Gemeinschaft sichern. Deshalb wurden Moslems und Kroaten in Lager gesperrt, deportiert und ermordet. Um ihre Rückkehr zu verhindern, wurden Folter, Terror und Vergewaltigung eingesetzt. Auch ihre Häuser und Kulturgüter wurden zerstört, falls sie zurückkommen wollten.

Man sollte nicht außer Acht lassen, dass auch Serbinnen von moslemischen und kroatischen Männern vergewaltigt wurden. Trotzdem ist die Zahl der Vergewaltigungen, die von serbischen Soldaten und Zivilisten durchgeführt wurden, wesentlich höher. Deshalb stellt man fest, dass es zu systematischen Vergewaltigungen kam.14

4.1 Frauen aus Prijedor

Die Gemeinde Prijedor, die in Nordwestbosnien liegt, ist eine von vielen, in denen die Vergewaltigung als Waffe eingesetzt wurde. Dort lebten ca. 110 000 Menschen - 44% Moslems, 42% Serben, 6% Kroaten und 8% kleinere Minderheiten.15 Der Angriff begann im April 1992 mit der Verteilung der wichtigsten Posten, aufgrund dessen haben viele Moslems und Kroaten ihre Arbeit verloren. Kurz danach wurde die Telefonverbindung unterbrochen und am 24. Mai griff die Serbische Armee an.

Zuerst marschierte die Armee in dem Dorf Kozarac ein, welches mitsamt der Umgebung 27000 Einwohner zählte. Dort, durch die „ethnische Säuberung“, mussten 20000 Moslems verschwinden. Dann wollten sie vor allem verdächtigte Moslems beseitigen. Als verdächtig galt jeder, der eine einflussreiche Position hatte, gebildet, reich oder politisch aktiv war. Einheimische Serben haben Listen mit Namen für die Armee erstellt, die bei der „Säuberung“ hilfreich waren. Mit Soldaten drangen sie in die Häuser der Moslems ein und brachten die Verdächtigten meistens auf der Stelle um. Alle Männer waren für die Serben potentielle Gegner, Frauen, Kinder und ältere Menschen wurden in Internierungslager16 gebracht.

Diese Art von Vertreibung sollte folgende Funktionen erfüllen:

- Die Lager dienten als Sammelstellen für die abzuschiebende Bevölkerung vor der endgültigen Deportation. Alle befanden sich unter strenger Kontrolle in einem bewachten Ghetto.
- Dort wurde die Bevölkerung noch einmal durchgekämmt und alle Männer, von denen später Gefahr drohen könnte, wurden getötet.
- Man wollte allen Frauen, Männern und Kindern solche Angst einjagen, dass sie nicht auf die Idee kommen würden, je wieder in ihre Heimat zurückzugehen. Deshalb wurde in den Lagern gemordet, gefoltert und vergewaltigt.

Laut der Volkszählung von 1991 gab es 65 000 Nicht-Serben; von denen wurden 20000 umgebracht, 30 000 vertrieben, einige befanden sich in serbischen Internierungslagern und ungefähr 3000 leben noch in Prijedor.17

Trnopolje, Omarska, Keraterm gehörten zu den größten Internierungslagern. Trnopolje war eine Siedlung bei Kozarac, die in ein streng bewachtes Ghetto verwandelt wurde. Es gehörte noch zu einem erträglichen Lager, denn dort kam es nur zu einigen willkürlichen, aber keinen systematischen Morden. Es war ein gemischtes Lager, durch das fast alle nicht-serbischen Frauen der Gemeinde Prijedor gegangen sind. Dort waren sie Vergewaltigungen ausgesetzt. Eine der Zeuginnen, Asja K. (42 Jahre) berichtete:

Jede Gefangene muss pro Tag vierzig bis fünfzig »Klienten bedienen«. Nicht selten kommt es vor, dass verwilderte, betrunkene Tschetniks, häufig auch geistig behindert, nur noch massakrierte Frauenkörper hinter sich zurücklassen. Es werden sogar Orgien veranstaltet mit den toten Körpern der Geschändeten, die danach einfach auf Müllkippen oder Flüsse geworfen oder Futterplätzen für die Lagerhunde zurückgelassen werden. Die Ausbeutung und Qual der Frauen erreichten die Grenzen des Unmöglichen. Kleine Mädchen überleben das bestialische Wüten der Tschetniks nicht, weil sie mit schweren inneren Verletzungen ohne medizinische Hilfe zum Tode verurteilt sind. Sie sterben unter grauenhaften Qualen.

Zit. Nach: Wesler (1993, 53)

Omarska liegt 16 Kilometer südlich von Kozarac und früher war es ein Eisenerzbergwerk. Nach einigen UN-Berichten wurden dort 11 000 Männer festgehalten. Das Lager in Omarska galt als Todeslager. Dort wurden Hunderte von Gefangenen in einem Turm zusammengepfercht, dabei sind unzählige erstickt. Jede Nacht wurden 10 bis 20 Gefangene exekutiert. Insgesamt sollen dort 1000 bis 2000 Moslems ermordet worden sein. Ähnlich war es in Keraterm, in einer ehemaligen Keramik-Fabrik.

Nachdem die Lager in Trnopolje und Omarska von Journalisten entdeckt wurden, schickte die britische Fernsehagentur Aufnahmen aus Trnopolje und Omarska in die Welt. Durch den Druck der Weltöffentlichkeit auf den serbischen Führer des Internierungslagers, hat man sie für das Internationale Rote Kreuz und die Journalisten geöffnet. Omarska und Keraterm wurden im August und Trnopolje im Oktober geschlossen.

4.2 „Ethnische Säuberung“ von Foča

Die Stadt Foča liegt im Osten Bosniens, dort wurden die Frauen nicht nur aus der Stadt aber auch aus der Umgebung mehrmals vergewaltigt. Alexandra Stiglmayer interviewte vier Frauen, die aus dem Dorf Miljevina kamen. Miljevina ist ein kleines Arbeiterstädtchen, nicht weit von Foča entfernt, dessen Einwohner in der nahe gelegenen Steinkohlemine arbeiteten. Die Frauen beschrieben, was sie während des Krieges durchmachen mussten. Mirsada war eine der Frauen, die in einer Partisanenhalle gefangen gehalten wurde.

Sie steckten ihren Finger überall in mich rein, um zu sehen, ob ich irgendwo Geld verstecken würde. Dann vergewaltigten mich vier, einer nach dem anderen. Sie sagten uns, dass wir serbische Kinder gebären würden und dass sie alles tun würden, damit wir an Rückkehr nicht einmal mehr denken wagten. Nach dem vierten fiel ich in Ohnmacht. Wenn ich nicht in Ohnmacht gefallen wäre, hätten sie weitergemacht.

Zit.nach: Stiglmayer (1993, 146-147)

Laut Angaben der vier befragten Frauen befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch ungefähr 100 Mosleminnen in Miljevina und jede dieser 100 soll Opfer einer oder mehrerer Vergewaltigungen geworden sein. Man berichtete über ein 12jähriges Mädchen - Velvida, das auch bei der „ethnischen Säuberung“ vergewaltigt wurde.

Fatima, die sich im August 1992 in Miljevina befand, erzählte:

Sie stellten sich als Polizisten vor. Einer blieb mit meinen Töchtern in einem Zimmer, während zwei mit mir in einen anderen Raum gingen. Mein kleines Mädchen fing an zu weinen und rief nach mir. Doch er setzte das Gewehr an ihren Kopf und sagte: »Wenn du noch einmal Mama schreist, bring ich dich um.« Sie forderten mich einfach auf, mich auszuziehen, und fluchten auf meine Mutter. Ich schrie und weinte. Sie brüllten mich an, nicht zu heulen, sie bedrohten mich mit ihren Gewehren: »Wir werden dir alle deine Zähne ausschlagen, wir werden deine Kinder abschlachten, sie in Stücke hauen, während du Stück für Stück zuschaust«.

Zit.nach: Stiglmayer (1993, 141)

In Miljevina gab es in einem verlassenen Haus ein Bordell. Eine der interviewten Frauen, welche in dem Haus gegenüber gewohnt hat, berichtete, dass dort junge Mädchen verschleppt und vergewaltigt wurden. Später wurden die letzten Moslems aus Miljevina von den serbischen Behörden eingesammelt und in die Partisanenhalle gebracht. Die Partisanenhalle wurde später zum Internierungslager. Einige Täter aus Foča wurden dieses Jahres vor das Internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt und für die Vergewaltigungen hingerichtet (siehe Kapitel 8).

4.3 Andere Vergewaltigungslager

Es ist sehr schwer für die internationalen Organisationen die Orte der Lager zu bestimmen. Oftmals stoppt eine Straßenkontrolle und dann heißt es z.B. für das Internationale Rote Kreuz (ICRC), dass es diese Grenze nicht passieren dürfe. Natürlich dauert es dann mehrere Tage, bis man die Genehmigung bekommt, und wenn man schon an dem verdächtigten Ort ist, dann ist er längst geräumt und man weiß, dass die Gefangenen einfach woanders verlegt wurden. Trotzdem berichten Betroffene darüber, was sie erlebt oder gesehen haben und auf Grund dessen kann man das Schicksal der Menschen weiter verfolgen.

Dank solcher Aussagen weiß man z.B., dass es in der nordbosnischen Stadt Doboj ein Frauenlager gab. Das Lager befand sich in einer Sporthalle des Schulzentrums. Dort wurden 2000 bis 250018 Frauen festgehalten. Es gab dort so wenig Platz, dass die Frauen sich nicht bewegen konnten, ohne dabei auf jemanden zu treten. In der Halle herrschte Finsternis, denn das Licht war die ganze Zeit aus. Kadire, die bei Einmarsch der Serbischen Armee gefangengenommen wurde, berichtete: „Das war ein Lager der Misshandlungen, Erniedrigungen, Vergewaltigungen... ich weiß nicht, wie ich es bezeichnen soll. Alles, alles, das Allerschlimmste, was es gibt, haben sie dort gemacht...“ (Stiglmayer 1993, 158). Nach Angaben des Vertriebenen-Clubs Doboj in Zagreb wurden die Moslems später nach und nach ausgetauscht und nicht mehr in Lagern festgehalten.

In Ostbosnien wurde ein Hotel Vilina Vlas in Višegrad, welches als Kurhotel diente, zu einem Frauenlager umfunktioniert. Ungefähr 200 bis 300 Mädchen befanden sich in diesem Hotel. Heute findet man keine Spuren von den verschwundenen Mädchen. Man vermutet, sie wurden nach Serbien vertrieben, um dort serbische Kinder zur Welt zu bringen. Leider ist dies nur eine Hoffnung der Verwandten.

Man vermutet, dass es fünfundvierzig solche Lager gab. Die Anzahl in Bosnia-Herzegowina festgehaltener Frauen erreicht ungefähr 50 000. Die Mädchen und Frauen, die überlebten, wurden meistens von mehreren Männern gleichzeitig vergewaltigt. Sehr oft geht dieses einher mit der Erpressung, dass, wenn sich diese Frau vergewaltigen lässt, die ganze Familie überlebt. Viele Frauen, besonders junge Frauen, starben, während sie vergewaltigt wurden oder kurz nach der Vergewaltigung als Folge davon, dass ihre Wunden nicht behandelt werden konnten oder weil sie mit Feuerwaffen oder Messern ermordet wurden. Als Folgeerscheinung der Vergewaltigung trat oft die dauerhafte oder vorübergehende Sterilität ein. Es gab auch Fälle, dass Frauen dauerhafte körperliche Schäden davon trugen.

5. Leila - ein bosnisches Mädchen

Mit dem obengenannten Titel erschien letztes Jahr ein Buch, welches die Geschichte eines 15-jährigen bosnischen Mädchens beschreibt. Die Eigenartigkeit dieses Buches besteht darin, dass es Fakten ans Licht bringt, die bei vielen Interviews mit den Vergewaltigungsopfer, wegen Schamgefühlen, verschwiegen wurden. Die langen Zitate, die ich im Folgenden anführen werde, haben eine besondere Rolle, und zwar widerspiegeln sie nicht nur Fakten und die damalige Situation der Frauen, sondern sie wiedergeben auch die Gefühle des Opfers. Nur durch direktes Zitieren, meiner Meinung nach, kann man sich die Machtlosigkeit des Opfers und die Unmenschlichkeit der Täter vorstellen. Die unten zitierten Fragmente werden den Leser wahrscheinlich schockieren durch die direkte Beschreibung, aber es sind wahre Erlebnisse einer einzelnen Frau. Wie kann man sich dann die Wahrheit von 30 000 Frauen vorstellen?

Leila wurde am Anfang des Krieges in Bosnien verschleppt und zusammen mit anderen Frauen in ein Konzentrationslager gesperrt. Dort wurde sie geschlagen, misshandelt und vergewaltigt.

Ich wusste, dass es nun passieren würde. Trotzdem hoffte ich, dass er es sich anders überlegen würde. »Bitte nicht«, flehte ich um Gnade. Ich weinte. Doch er verhielt sich wie ein Tier, zerriss mir meine Hose. Dann drückte er meine Beine auseinander. Seine Augen waren entsetzlich groß. Brutal drang etwas wie ein kalter, harter Gegenstand in mich ein. Das tat weh. Warum tat das so weh?! Ich wehrte mich so heftig, wie ich nur konnte. Doch ich war zu schwach. Ich hatte Hunger und Durst. Außerdem wusste ich, dass ich stillhalten musste. Sonst würde er mich erschießen. Für ihn ging es schnell. Für mich dauerte es eine Ewigkeit. »Los, beeil dich«, schnauzte er mich an, als er sich den Reißverschluss wieder hochzog. Ich sollte den Eimer ins Lager zurücktragen. Das Blut lief mir die Beine runter. Ich war noch Jungfrau gewesen.

An diesem Tag musste ich nicht mehr arbeiten. (...) Wie im Schüttelfrost schlotterte ich am ganzen Leib und musste mich ununterbrochen übergeben. Ich ekelte mich vor mir selber. Fühlte mich beschmutzt. Dieser Mann hatte mir das letzte genommen, was ich noch besaß. Meine Würde.

Cavelius (2000, 65-66)

Nach vier Monaten wurde sie von einem Kommandanten auf eine Festung gebracht und mehrmals missbraucht. Dort wurde ihr Kontakt mit anderen Menschen stark eingeschränkt, bis ausgeschlossen. Nach einiger Zeit wurde sie an die Schwarze Legion, die für die grausame Behandlung von Gefangenen berühmt war, für ein Päckchen Zigaretten verkauft. Leila wurde auf die brutalste Weise vergewaltigt und gefoltert. Danach brachte man sie in ein Bordell, wo sie mit anderen Frauen in einem kleinen Zimmer festgehalten wurde. Dort wurden die Frauen nicht als Menschen, sondern als Objekte des kriegerischen Wahnsinns behandelt.

In einem dämmerigen Zimmer fand ich mich wieder. Wie zuvor gab es keine Möbel, keinen Ofen und keine Waschgelegenheit. (...) Zwölf junge Frauen kauerten auf dem Betonboden. Durchsichtig und verwahrlost sahen sie aus. Wie lebendige Tote. (...) Der Raum war vielleicht fünfzehn Quadratmeter groß. In der Mitte lag eine zerknautschte Decke. Es stank bestialisch nach Fäkalien. In einer Ecke erledigten die Frauen ihre Notdurft. Fliegen krochen die Wände hoch. Es war uns verboten, hier sauberzumachen. Zwölf Monate lang. In mir erwachte wieder ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht würde ich an einem Ort, an dem sich mehrere Frauen aufhielten, leichter überleben. Die anderen waren etwas älter als ich. Vermutlich um die Zwanzig. Früher hatten sie sicherlich sehr schön ausgesehen, aber hier war nicht mehr viel davon übriggeblieben. Sperma verklebte ihre Haare. Frische Narben bedeckten die Gesichter. Ihre Finger waren blutig. Die meisten hatten offene Wunden, besonders an den Beinen.(...) Meistens mussten wir mit Ansehen, wie die Soldaten sich an den anderen Frauen vergingen. Wie sie sich auf deren knochigen Körpern befriedigten, Zigaretten auf den Brüsten ausdrückten oder Messer in ihre Haut schlitzten. (...) Dieses ganze Grauen hätten wir nicht ausgehalten, wären wir nicht schon längst völlig abgestumpft gewesen. Die Männer tauchten zu jeder Tageszeit auf. Nachts wählten sie sich mit Taschenlampe jemanden aus. (...) Ein Jahr lang durften wir dieses Zimmer nicht verlassen. Nur durch das Fenster erkannte man die Jahreszeiten. Es war Frühling, Sommer, Herbst, und so ging es weiter. (...) Unter all diesen Kerlen war nicht einer, der angesichts unseres Elends keinen hochgekriegt hätte. Niemand hatte je ein freundliches Wort für uns übrig. Sie haben uns nur beschimpft, gefoltert und missbraucht. (...) Nach einer Weile beging eine von uns Selbstmord. Ich hatte die 21jährige beobachtet, wie sie lange am Fenster gestanden hatte. (...) Plötzlich schob sie die Decke beiseite und stürzte sich in die Tiefe. Fünf bis sechs Meter. (...) Wie Abfall schmissen sie die Schwerverletzte in unser Zimmer... Nach vier Tagen ist sie endlich gestorben. (...) Zwei Tage lang lag die Leiche der Blonden bei uns. Da erschien ein Soldat und wollte sie vergewaltigen. Er hatte ihr schon das Hemd hochgeschoben und sich auf sie gelegt. Als er in sie eindringen wollte, bemerkte er wohl, dass irgend etwas nicht stimmte. Zornig schoss er hoch und beschimpfte uns: »Wieso habt ihr Huren mir nicht gesagt, dass sie tot ist?« Manchmal dachte ich auch daran, aus dem Fenster zu springen. Diese Gedanken verflogen jedoch wieder.

Cavelius (2000, 84-94)

Heute lebt Leila mit ihrem Kind in einer Kleinstadt in der Nähe von Sarajevo. Im Oktober 1999 hat sie sich bereits gestellt, als Hauptzeugin in dem Gerichtsprozess in Sarajevo gegen Iuvuz Begić19, der für mehrere Morde und Vergewaltigungen verantwortlich war, auszusagen. Die Anwältin bestreitete alle Aussagen der Mandanten, die Opfer wurden wieder zu Schuldigen. Während des Prozesses erhielt Leila mehrere Morddrohungen und trotz des 24- stündigen Polizeischutzes lauerte sie ein Unbekannter hinter dem Haus auf und schlug sie zusammen. Die Intervention der Nachbarin verhinderte das Schlimmste. Aus Angst um ihr Leben ist sie nicht als Kronzeugin in Den Haag aufgetreten. Obwohl Leila in Schweigen gefallen ist, wollte ich die Situation der Frauen anhand ihrer Geschichte in Zitaten darstellen.

6. Folgen der Vergewaltigung

Die Folgen der Vergewaltigung beschränken sich nicht nur auf den Akt selbst, sondern haben eine lebenslange Wirkung auf die Frauen. Die Frauen aus dem moslemischen Kulturkreis haben eine erhöhte Selbstmordneigung, um die vermeintliche Schande von ihrer Familie zu nehmen. Mehrere dieser Frauen sind mit der ungewünschten Schwangerschaft zur Abtreibung oder Erziehung des ungewünschten Kindes gezwungen. Neben dieser neigen sie zu Depressionen, und der damit verbundenen Apathie. Zu weiteren Folgen gehört die Zerstörung des Körpergefühls der Frau, verschiedenste psychosomatische Erkrankungen und eine allgemein herabgesetzte Abwehrkraft, so dass es auch bei leichten Belastungen häufig zu schweren Infektionen kommt. Weiterhin treten schwere Gedächtnisstörungen, Amnestien, Konzentrationsschwächen, Schlafstörungen mit Alpträumen und Angstzuständen auf, in denen die Folterungen erneut durchlebt werden. Laut Beobachtungen neigen die Frauen zu erhöhtem Alkohol- und Medikamentengenuss. Zu häufigen Folgen zählen weiterhin Verkrampfungen im Muskelbereich bis hin zu psychogenen Lähmungen, gehäufte Partnerschaftskonflikte in vorher intakten Familien. Laut ärztlicher Untersuchungen haben die Frauen auch eine Neigung zu Fehlgeburten oder Schwierigkeiten bei der Austragung einer Schwangerschaft.

6.1 Unfreiwillige Schwangerschaft und Abtreibung

Man kann zwischen physischen und psychischen Folgen der Vergewaltigung unterschieden. Zu den physischen Folgen gehören: akute Verletzungen, Geschlechtskrankheiten, Ausbleiben der Menstruation, ungewünschte Schwangerschaften und Abtreibungen. Die zwei letzten bedeuten eine Tragödie für die betroffenen Frauen. In der Regel lehnen sie, die infolge einer Vergewaltigung schwanger wurden, sowohl die Schwangerschaft als auch die Kinder ab. Nach Angaben der UN-Kommission, haben sich im Januar 1993 in den Krankenhäusern von Zagreb, Sarajevo, Zenica, Tuzla und Belgrad 119 Frauen gemeldet. Von 119 haben 104 Frauen die Schwangerschaft abgebrochen. In neun Fällen war es zu spät für eine Abtreibung. Über die restlichen 6 Frauen fehlten die Angaben.20

Das Abtreibungsgesetz gilt sowohl in Bosnien-Herzegowina als auch in Kroatien und Serbien. Die Frauen können in den ersten drei Monaten ohne Angabe von Gründen abtreiben. Bei den unfreiwilligen Schwangerschaften liegt das Problem meistens woanders. In Bosnien- Herzegowina sind die Ärzte oft nicht in der Lage, wegen fehlenden Medikamenten, die Abtreibung durchzuführen. Außerdem waren die Krankenhäuser oft durch den Kriegszustand nicht zu erreichen. Oft sind die Frauen zur Austragung des Kindes durch die Situation gezwungen. In solcher Situation befand sich Melisa. Sie wurde infolge der Vergewaltigung schwanger und meldete sich im Krankenhaus zur Abtreibung, jedoch wegen ihres gesundheitlichen Zustandes haben die Ärzte sie abgewiesen. Sie befand sich, laut ihrer Psychiaterin, in tiefer Depression und hatte Probleme, die Schwangerschaft durchzustehen. Ihr Kind bezeichnete sie als „das Ding“. „Dort, wo ich herkomme, würde jeder, mein Mann, meine Tochter, die ganze Stadt, alle würden das Kind immer als den letzten Dreck ansehen“ (Stiglmayer 1993c, 182) äußerte sich Melisa. Schließlich brachte sie ein totes Kind zur Welt und nachdem sie das Krankenhaus verlassen hatte, hatte man keine weiteren Informationen über sie.

Einer der Zwecke einer Vergewaltigung war auch die Schwangerschaft. Hunderte von Frauen sollten „Tschetnik-Babys“ zur Welt bringen. Die genaue Zahl der schwangeren Frauen ist wegen der Schamgefühle vor der Familie und den Nachbarn noch immer nicht bekannt. Auf die Information über die Situation der Frauen im ehemaligen Jugoslawien haben Leute aus aller Welt reagiert. Die kroatische Regierung hat Hunderte von Briefen bekommen, die die Adoption dieser Kindern betrafen. Frauen wurden zu Kriegsobjekten und Kriegsmaterial. Die Schwangerschaft der vergewaltigten Frauen wurde fast wie eine Botschaft zwischen den Kämpfern verschickt. Diese Botschaft sollte als Ausdruck der Rache und des Hasses des Kriegers dienen.21

6.2 Therapien

Die Psychiatrie beschäftigt sich in den letzten Jahrzehnten viel intensiver mit der Vergewaltigung als zuvor. Man vermutet, dass nur jedes dritte oder sogar nur jedes fünfte Opfer einer Vergewaltigung sich meldet oder Hilfe sucht. Deshalb glaubt man, dass die Zahl der Vergewaltigten größer ist als gemeldet, jedoch sehr schwer feststellbar. Die Zahl der Massenvergewaltigungen im ehemaligen Jugoslawien bewegt sich zwischen 30 000 und 50 000 Frauen und es ist fast unmöglich, sie genau zu bestimmen wegen des psychischen Traumas. Man unterscheidet auch zwischen individuellen und massenhaften Vergewaltigungen. Das Hauptziel der Gruppenvergewaltigung ist die Machtdemonstrierung. Der Akt soll die Würde des Opfers zerstören. Die Betroffenen leiden auch unter folgenden psychischen Folgen: Traumatisierung, Depressionen, Selbstmordgedanken, Unverständnis und Drohungen der Gesellschaft oder der Familie, Abscheu gegenüber dem Sexualverkehr, Trennung vom geborenen Kind oder gestörtes Verhältnis zum Kind.22 In Formen der therapeutischen Behandlung versucht man den vergewaltigten Frauen in Bosnia-Herzegowina zu helfen. Man führt meistens individuelle Psychotherapien, oft mit medikamentöser Behandlung durch. Leider gibt es keine Resultate solcher Behandlungen. Es gibt eine Reihe von Frauenorganisationen, die dazu beigetragen haben, psychiatrisch-therapeutische Hilfe zu ermöglichen.

7. Medica Mondiale

„Eine Organisation von Frauen für Frauen mit feministischem Selbstverständnis“ so nennen die Frauen von Medica Mondiale ihre Organisation. Sie hat sich 1993 aus einer Kooperation zwischen Frauenorganisationen entwickelt und gehört jetzt zu einer der bedeutsamsten Frauenorganisationen in Bosnia-Herzegowina, die Hilfe für Frauen aus Kriegsgebieten leisten. Medica Mondiale kennt man aus aktiven Projekten zur medizinischen und psychologischen Versorgung. Sie fördern die öffentliche Gesundheitsfürsorge, klären die Öffentlichkeit über die Situation der Frauen und Mädchen sowie über die Ursachen und Hintergründe von Gewalt an Frauen auf und schaffen letztlich autonome Frauenräume. Doktor Monika Hauser arbeitet mit anderen Ärztinnen, Krankenschwestern, Hebammen und Psychologinnen, die sich grundsätzlich von Spenden finanzieren, in Beratungs- und Gesundheitszentren in Gebieten des ehemaligen Jugoslawien. Sie geben verzweifelten Frauen die Möglichkeit der ärztlichen Behandlung, psychologischen Beratung, die Möglichkeit, sich weiterzubilden aber vor allem psychische Unterstützung. In Bosnien und im Kosovo gibt es außer dieser Therapiezentren keinerlei Einrichtungen, die solche langfristigen Trauma-Behandlungen für Frauen anbieten. Für Medica Mondiale ist die Abschiebung einer traumatisierten Frau zutiefst inhuman, denn sie wissen, dass die Frau die Traumatisierung erneut erleben wird. Ohne psychologische Hilfe ist sie nicht in der Lage, ihr Leben weiter zu führen (siehe Kapitel 6). Medica Mondiale ist das beste Beispiel einer Frauenorganisation, die für das Recht und Wohlbefinden der Frauen kämpft. Sie führten eine Art SOS-Telefon ein, um den Erstkontakt mit betroffenen Frauen und Mädchen herzustellen und den Zugang zu konkreten Hilfsangeboten des Frauentherapiezentrums zu ebenen.23 Durch die „Infoteka“, das Informations- und Dokumentationszentrum von Medica Mondiale, werden die Frauen vernetzt, um das Verbrechen an Frauen zu dokumentieren. Man hofft, solche Dokumentationen auf rechtlichem Weg nutzen zu können, um die Kriegsverbrecher vor Gericht zu stellen. Dank dieser Frauenhilfsorganisation wurde beim Prozess gegen Slobodan Milosevic vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag die Aufmerksamkeit der Medien und ICTY24 auf die Kriegsvergewaltigungen und sexualisierte Gewalt gegen Frauen geweckt.

8. „Männer von Charakter misshandeln keine Frauen“

Im März 1998 musste sich erstmals ein Kriegsverbrecher vor einem internationalen Gericht wegen Massenvergewaltigung verantworten. Der bosnische Serbe Dragoljub Kunarac hielt, laut Anklageschrift, 1992 als serbischer Militärkommandant mindestens 14 moslemische Mädchen und Frauen monatelang wie „Sklavinnen“ gefangen. Fast täglich wurden sie vergewaltigt, zum Teil von 15 Männern hintereinander und „auf jede denkbare Art“. Das jüngste Opfer sollte 12 Jahre alt gewesen sein. Ein Teil der Mädchen und Frauen habe Selbstmord begehen wollen. Sie sind heute traumatisiert. Nach den Erkenntnissen der Anklage wurden die Massenvergewaltigungen auf Befehl der Führung der bosnischen Serben unter Radovan Karadzic als Mittel der Kriegsführung eingesetzt.

Anfang dieses Jahres wurde Kunarac mit zwei weiteren Serben im Foča-Prozess (siehe Kapitel 4.2) vor das Internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt.25 Drei Angehörige der bosnisch-serbischen Armee: Dragoljub Kunarac, Radomir Kovac und Zoran Vukovic mussten sich von März bis November 2000 wegen mehrfacher und fortgesetzter Vergewaltigung, sexueller Demütigung und sexueller Versklavung muslimischer Frauen vor der internationalen Strafkammer verantworten.

Dragoljub Kunarac hat, laut Anklagevertretung, nicht nur selbst Frauen mehrfach und wiederholt vergewaltigt und versklavt, sondern die ihm untergebenen Soldaten mit Frauen „versorgt“. In seiner Verteidigung führte Kunarac an, von einer der vielen Zeuginnen verführt worden sein. Am 22. Februar 2001 wurde Kunarac für Vergewaltigung, Versklavung und Folter zu 28 Jahren Haft verurteilt und hat damit die zweithöchste Strafe, die dieses Gericht bislang verhängte, erhalten.

Radomir Kovac hat mehrere junge Frauen (darunter ein 12-jähriges Mädchen) monatelang in einem Apartment festgehalten, mit anderen Soldaten vergewaltigt und später an andere Soldaten verkauft. Dafür wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt. Obwohl die Anzahl der Straftaten geringer war, als die von Kunarac, fiel das Strafmaß der Richterin wegen der Grausamkeit hoch aus. Richterin Florence Mumba äußerte sich darüber:

Besonders erschreckend und erbärmlich ist die Art und Weise, wie Sie die zwölfjährige A.B. behandelt haben, ein hilfloses Kind, mit dem Sie nicht das allergeringste Mitleid hatten, das Sie stattdessen auf die gleiche Weise misshandelten wie die anderen Mädchen. Am Ende haben Sie sie wie einen Gegenstand verkauft, in dem Wissen, dass dies mit hoher Wahrscheinlichkeit zu weiteren sexuellen Attacken von anderen Männern führt .(...) Zur Zeit des Prozesses, ungefähr acht Jahre später, hatte niemand je wieder von dem Kind gehört. Die Behandlung von A.B. ist der erschlagendste Beweis Ihres moralisch verkommenen und korrupten Charakters.

Zit.nach: MJournal (2001, 2)

Vor dem Gericht behauptete Kovac, ein Liebesverhältnis mit einem der Mädchen gehabt zu haben. Eine der lächerlichsten Aussagen war die von Zoran Vukovic, der wegen Vergewaltigung und Folter angeklagt wurde. Er meinte zum fraglichen Zeitpunkt impotent gewesen zu sein. Obwohl Vukovic unter fast allen Anklagepunkten durch mangelnde Beweise freigesprochen wurde, erhielt er 12 Jahre Haft als Strafe für Folter und Vergewaltigung.

Die Presse berichtete, dass am 22 Februar 2001 bei der Urteilsverkündung im Foča-Prozess die Richterin Florence Mumba sich sehr eindeutig über drei Vergewaltiger ausgedrückt hatte. Obwohl das Gericht mehrere Anklagepunkte mangels Beweise verwarf, blieb das Strafmaß sehr hoch. Laut Mumba`s Meinung sollten die Angeklagten, die nicht zu den führenden Personen gehörten, die Verantwortung für sich und ihre Tat tragen.

Politische Führer und Kriegsgeneräle sind machtlos, wenn sich normale Menschen weigern, im Verlaufe des Krieges kriminell tätig zu werden. Gesetzlose Opportunisten sollten keine Gnade erwarten, egal wie niedrig ihre Position in der Befehlskette sein mag.

Zit.nach: MJournal (2001, 1)

In Schlagzeilen vieler Zeitungen im Februar dieses Jahres standen die harten Worte der Richterin Mumba, in denen sie sich über die Angeklagten ausdrückte: „Männer von Charakter misshandeln keine Frauen.“ Die Aussagen der Richterin und das Strafmaß des Prozesses waren deutlich ein Zeichen dafür, dass das Gericht entschlossen war, sexualisierte Gewalt in keiner Weise mehr als Kavaliersdelikt oder Nebenprodukt von Kriegen abzutun.

9. „Ethnische Säuberung“ in Bosnien-Herzegowina

Viele Wissenschaftler, die sich mit dem Thema der Vergewaltigung auseinandersetzen, stellen sich die Frage „warum vergewaltigt man überhaupt?“. Es werden Versuche unternommen, verschiedene Modelle der Gewalt zu erstellen, in denen man oft alle Männer als Täter in einen Korb schmeißt. Dementsprechend erklärt die „Dampfkesseltheorie“ von Konrad Lorenz die Vergewaltigung mit dem unbezwingbaren männlichen Trieb.26 In dieser Vorstellung sind Männer, wie sich Welser eindeutig äußert27, letztlich nicht Herr im eigenen Haus. Sie werden als willenlose Opfer ihrer gewalttätigen und triebhaften Natur angesehen. Der Vorteil dieser Theorie liegt darin, dass sie die einzelne Person des verantwortlichen Handelns enthebt und als Entschuldigung für sexuelle Gewaltanwendung dienen kann. Diese Theorie wurde mehrmals wiederlegt, aber findet immer wieder ihre Anhänger, die den Menschen zum Tier ohne eigenen Willen erklären wollen. In den letzten Jahren wurden mehrere Studien über die Vergewaltigung vorgenommen. Vor allem wurden sie in den USA, aber auch im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Sie zeigten, dass Vergewaltigung kein aggressiver Ausdruck von Sexualität, sondern ein sexueller Ausdruck von Aggression ist. Der Akt dient in der Psyche des Täters nicht sexuellen Zwecken, sondern der Artikulation von Wut, Gewalt und Herrschaft über eine Frau. Der Zweck ist, die Frau zu erniedrigen, zu demütigen und unterwerfen. Das gewalttätige Eindringen bedeutet für die Frau einen Angriff auf das intimste Selbst, die Würde des Menschen und ist mit der Folter zu vergleichen. Es bewirkt körperlichen Schmerz, den Verlust der Würde, einen Angriff auf die Identität und den Verlust der Selbstbestimmung über den eigenen Körper.

In Untersuchungen der Vergewaltigung in zivilen Kontexten zeigt sich, dass Gewalt mit der Form von Schlägen, Würgen und sonstigen Misshandlungen ausgeübt wird. Die Vergewaltigungsopfer empfinden diese Handlung als extrem demütigende Form der Gewaltausübung gegen ihre Person und ihren Körper. Der Täter empfindet das auch kaum als ein sexuelles Erlebnis und fast jeder dritte Täter hat bei der Tat sexuelle Funktionsstörungen. Meistens kennt der Vergewaltiger seine Opfer gut und plant den Angriff sorgfältig. Weil die Gründe der Vergewaltigung in zivilem Kontext sich doch von den Gründen bei einer Gruppenvergewaltigung unterscheiden, sollten beide getrennt analysiert werden. Bei der Massenvergewaltigung kommen folgende Motive hinzu:

- Man versucht durch diesen Akt sich gegenseitig seine Männlichkeit zu beweisen.
- Die Gruppenvergewaltigung wurde oft als ein ritualisiertes Vorgehen verstanden, indem man die Reihefolge der Vergewaltigung nach dem Status innerhalb der Gruppe richtet.
- Die Frau wurde oft depersonalisiert. Das Opfer steht für den Täter nicht als konkrete Person.
- Der Akt in der Gruppe wird instrumentell in den Dienst der Gewaltausübung gestellt.

Die Vergewaltigung kann einen symbolischen Ausdruck der Demütigung des männlichen Gegners bedeuten. Der Mythos des Mannes als Beschützer der Frau wird mit dieser Handlung gegenüber seiner Frau zerstört. Weitergehend kann man vermuten, dass die Vergewaltigung fast wie eine Botschaft von Kämpfer zu Kämpfer funktioniert. Durch „das männliche Versagen“, ihre Frauen beschützen zu können, wird der Mann getroffen und desavouiert. Diese Kommunikationsfunktion von Mann zu Mann zeigt sich deutlich, wenn im ehemaligen Jugoslawien Busse mit Frauen im sechsten, siebten oder höheren Schwangerschaftsmonat über die feindlichen Linien zurückgeschickt wurden. Oft wurden die Fahrzeuge mit zynischen Äußerungen über die zu gebärenden Kinder beschriftet. Nach Seifert28 bedeutet das, dass die Vergewaltigung keineswegs aus der Natur oder auf dem Hintergrund menschlicher Sexualität zu erklären ist. Sie ist vielmehr ein hochgradig dem sozialen und kulturellen Kontext zuzuordnender Akt. Bei der Suche nach der gesellschaftlichen Funktion von Vergewaltigung deutet alles darauf hin, dass sie die ungleichen Machtbeziehungen zwischen den Geschlechtern reguliere. Auf Grund dessen sollen Analysen der Vergewaltigungsmotive im konkreten kulturellen und gesellschaftlichen Kontext durchgeführt werden.

Es gibt verschiedene Motive, warum Männer im Krieg vergewaltigen, man kann sie auch mehr oder weniger nachweisen. Die Kriege sind nicht alle gleich, und jeder Krieg liefert spezifische Motivationen zum vergewaltigen. Bei den Russen, die bei dem Einmarsch in Berlin 1945 reihenweise deutsche Frauen vergewaltigten, waren vielleicht Rachegefühle, der Wunsch, den Stolz der deutschen Herrenrasse zu brechen, und das Gefühl, einen „Dank“ zu verdienen, ausschlaggebend.29 Bei den Amerikanern in Vietnam waren es Frustrationen, in einem fremden Land zu sein und einen Krieg führen zu müssen, der nicht „ihr“ Krieg war.30 In beiden Fällen war es nicht das Ziel, die Frauen und ihre Gemeinschaften zu vertreiben, sowohl die deutschen Frauen als auch die Vietnamesinnen sollten bleiben, wo sie waren. Das Ziel der serbischen Kräfte in Bosnien-Herzegowina war die Vertreibung der Moslems und Kroaten aus den eroberten Gebieten. Neben willkürlichen Morden, brutalem Terror, Massenexekutionen, Deportationen wurde die Vergewaltigung als ein Mittel eingesetzt, welches das Schrecken verbreiten und die Fluchtbewegung ausbreiten sollte. Die Vergewaltigung diente zur Zerstörung sowohl der Frau als auch ihrer Familie. Nach Aussage des moslemischen Arztes Jusuf Pasalić:

Es gibt da ein psychologisches Problem. Die moslemische Gesellschaft ist patriarchalisch. Man achtet auf die Ehre der Frau, und die Männer sind eifersüchtig. Wenn der Mann nur den Hauch eines Verdachtes hat, dass die Frau womöglich freiwillig mitgemacht hat, geht die Ehe kaputt. Stiglmayer (1993c, 124)

Salecl spricht in seinem Buch „The Spoil of Freedom“ darüber, dass die kulturellen und religiösen Unterschiede offensichtlich von den Serben ausgenutzt wurden. Das sexuelle Leben vor der Hochzeit ist für die Moslems absolut verboten, deshalb setzen manche die Vergewaltigung der Frau gleich mit ihrem Tod.

Because in Muslim patriarchal ideology a woman is essentially perceived as a man’s possession, the rape of a Muslim woman also means stealing the property of a Muslim man. A common tradition holds that if a Muslim man’s house has been burned by an enemy, he will return and build a new house; but if his wife has been raped, a Muslim man will never return to her.

Salecl (1994, 17)

Die Un-Expertenkommission31, die Vergewaltigungen im ehemaligen Jugoslawien untersucht hat, ist zu dieser Schlussfolgerung gekommen: „Vergewaltigung wird in BosnienHerzegowina und Kroatien als Instrument bei der »ethnischen Säuberung« eingesetzt.“ Die EGKommission32 führte an, die Vergewaltigungen sind nicht nur „zufällige Nebenerscheinungen der Aggression, sondern dienen selbst dem strategischen Ziel.“

Die Berichte weiterer internationaler Organisationen für Menschenrechte, wie zum Beispiel „Amnesty International“33 oder „Helsinki Watch“34 deuteten auf die Probleme, dass die Vergewaltigungen im großen Umfang vorkommen und in den meisten Fällen moslemische Frauen die Opfer serbischer Kräfte seien. Es sind mindestens 20 000 und wahrscheinlich sogar 50 000 bosnische Mosleminnen gewesen, die in diesem serbischen Eroberungskrieg in Lagern planmäßig vergewaltigt worden sind.

Aus dem hohen Ausmaß und der besonders erniedrigenden Weise der Tat ergibt sich aber der Faktor der „ethnischen Säuberung“. Für die Opfer macht es letztlich keinen Unterschied, in welchem Krieg und mit welcher Absicht sie vergewaltigt worden sind. Der Akt der Vergewaltigung bleibt gleichermaßen demütigend, verletzend und unentschuldbar.

10. Feministische Ansätze zur Massenvergewaltigung während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien

Die Bedeutung des sozialen und kulturellen Kontextes der Vergewaltigung sahen auch die amerikanischen Feministen. Sie stimmen überein, dass Massenvergewaltigung sich nicht nur auf der psychologisch-individuellen Ebene erklären lässt35. Besondere Aufmerksamkeit hat man der Beziehung zwischen gesellschaftlichen Strukturen und Bräuchen geschenkt. Man versuchte auch die Beziehung zwischen der Ethnizität und dem Geschlecht ausgiebig zu betrachten.

Catharine MacKinnon konzentrierte sich auf die Rolle der Pornographie im ehemaligen Jugoslawien ein. Sie stellte fest, dass pornographische Produkte gewöhnlicher als in anderen postsozialistischen Ländern waren.

When pornography is this normal a whole population of men is primed to dehumanize women and to enjoy inflicting assault sexually. (...) Pornography is the perfect preparation-motivator and instruction manual in one-for the sexual atrocities ordered in this genocide.

MacKinnon (1993,23)36

Sie behauptet, dass es zur Vergewaltigung in Lagern auch immer mit mehreren Zuschauern kommt und setzt dieses mit einer pornographischen Show in Verbindung. Diese Art von Vergewaltigung wurde mehrmals verfilmt und weiter als pornographische Filme verkauft. Schließlich wurden sie von Massen gekauft und dienten zur Unterhaltung. Die Serben, die diese Filme gedreht haben, haben oft Dialoge synchronisiert, die anscheinend kroatische Soldaten simulieren sollten. Man vermutet, dass die Aufnahmen sogar als Propagandafilme dienen sollten. Nach MacKinnon ermutigte solche Pornographie die Soldaten noch mehr, eine Vergewaltigung vorzunehmen. Eine andere Feministin - Susan Brownmiller stellt folgende Analyse vor. Sie behauptet, dass Vergewaltigung das Ergebnis der männlichen Krise ist. Die Machtlosigkeit des Mannes beim Beschützen der Frau und Kinder bedeutet für den Mann eine Demütigung (siehe Kapitel 8) und Versagen.

Sexual trespass on the enemy’s women is one of the satisfactions of conquest, like a boot in the face, for once he is handed a rifle and told to kill, the soldier becomes an adrenaline-rushed young man with permission to kick in the door to grab, to steal, to give vent to his submerged rage against all women who belong to other men.

Brownmiller (1993, 37)37

In ihrer Auseinandersetzung erkennt sie, dass die Geschichte, in der die Vergewaltigung als Kriegsmittel eingesetzt wurde, sich zu wiederholen scheint. Den Körper der Frau nutzen die Männer als Schlachtfeld. Brownmiller geht also einen Schritt weiter als MacKinnon, sie betont die Dynamik zwischen Mann und Frau sowohl in einem soziologischen als auch ethnischen Kontext, wobei MacKinnon die Massenvergewaltigungen nur aus der Sicht der Soziologie betrachtete.

Die Aspekte der Vergewaltigung erweiterten zwei andere Feministinnen, die in dem Aufsatz „After Feminist Analyses of Bosnian Violence“ von Rejali ausführlich vorgestellt wurden und die sich vor allem mit der Situation der Frauen in Südamerika beschäftigt haben. Eine der beiden, Cynthia Enloe, betont sowohl die Motive der Täter als auch die Wichtigkeit der Auswirkung. Sie stimmt mit Brownmiller überein, indem sie meint: „we need to look at what dynamics between men lead to rape and what dynamics between men influence how men think about rape“.38 Julie Phillips39 behauptet, dass man die Vergewaltigung als Kriegstaktik anwendet, um die Gebiete zu erobern. Die besondere Rolle der Frau, die vor allem die Familie und die Gesellschaft zusammenhält, wird durch solche Handlung zugrundegelegt und macht es dadurch einfacher in Besitz zu nehmen. Eine weitere und interessante Erklärung gibt Joan Smith40, die auch in dem Aufsatz von Rejali zitiert wird. Sie argumentiert, dass die für Militärorganisationen charakteristische Neigung und Verdrängung weicher, einfühlsamer und ängstlicher Gefühle eine Situation hervorruft, in der Männer ständig ihre maskuline Identität unter Beweis stellen müssen. Verschanzt hinter dieser Art der Verteidigung von Männlichkeit, ist es ihrer Ansicht nach kaum möglich, mit Gefühlen wie Mitleid, Lust, Angst oder Wut reflektiert umzugehen. Diese Gefühle sind eine Bedrohung der sorgfältig konstruierten maskulinen Existenz. Werden in Extremsituationen Gefühle dennoch ausgelöst, so rufen sie einen Affekt gegen Weiblichkeit hervor. In der Folge greifen viele Soldaten zur kulturell bereitgestellten „männlichen“ Coping-Strategie, für die sie auch noch als Experten auszubilden sind: der Gewalt, die dann zur spezifisch sexuellen Gewalt gegen Frauen wird. Dies erklärt die Psychologie der gesellschaftlichen Konstruktion von Männlichkeit, kann aber nicht die Ereignisse im ehemaligen Jugoslawien erklären, denn es berücksichtigt nicht den kulturellen Kontext.

Alle diese Analysen geben uns leider keine Erklärung, warum man vergewaltigt. Sie bieten also keine konkrete Lösungen für das Problem. Man könnte sich also fragen, wozu man sie braucht. Sie haben jedoch eine bedeutsame Rolle und zwar versuchen sie zu erklären, warum es zur systematischen Vergewaltigung kommt. Sie brechen somit das Schweigen der Opfer und machen Massen darauf aufmerksam, wie menschenunwürdig diese Form von Gewalt ist.

11. Zusammenfassung

Nach den Berichten aus Bosnia und Herzegowina schätzt man, dass die Zahl der vergewaltigten Frauen während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien zwischen 20 000 und 50 000 liegt. Wegen des Ausmaßes der Vergewaltigung spricht man über „ethnische Säuberung“, die zum Terror und Vertreibung der moslemischen Bevölkerung diente. Sowohl in diesem Krieg als auch in anderen wurde die Vergewaltigung mit einer bestimmten Funktion als Strategie des Krieges eingesetzt, die die höchsten Werte der Betroffenen verletzte. Zu dieser Strategie gehörte u.a. die ungewollte Schwangerschaft und das Festhalten der schwangeren Frauen, bis es für eine Abtreibung zu spät war. Eine der Funktionen der Vergewaltigung war, die Frauen zur Entbindung von Kindern des Feindes zu zwingen und sie dadurch zum Mittel der „Kinderproduktion“ zu machen. Die Idee, die Vergewaltigung als Kriegsstrategie zu gebrauchen, hat ihren Ursprung in der patriarchisch aufgebauten Gesellschaft, in der Frauen als Objekte und Besitz des Mannes angesehen werden. Demzufolge schließt die Vergewaltigung und die gezwungene Schwangerschaft moslemische Frauen aus ihrer Gesellschaft aus.

Die Staaten des ehemaligen Jugoslawien verwendeten ihre Bürger als zerstörerische Kraft zur Erfüllung der nationalistischen Zwecke. Durch die Maßnahmen der „ethnischen Säuberung“ wurden mehr als eine Million Menschen zu Flüchtlingen und mehrere Tausend wurden getötet. Die Tragödie dauert bis heute - psychische und physische Schäden mit einem Gefühl der innerlichen Zerrissenheit und die Trennung von der Familie. Viele Feministinnen mobilisierten während des Krieges Frauen zur aktiven Teilnahme an internationalen Projekten, dank derer die Flüchtlinge Hilfe erhielten. Einige feministische Organisationen leisten bis heute Arbeit, um den Opfern der Vergewaltigung zu helfen. Die Zahl der Frauen, die sich in einer Notlage befinden und Hilfe benötigen, ist immer noch sehr hoch. Vielen Opfern fehlt es an Gegenständen des täglichen Bedarfs, aber vor allem an der Toleranz der Gesellschaft und die Rückkehr ins normale Leben.

Die Rolle der Frau nimmt immer mehr an Bedeutung zu und verändert sich ständig. Dank vieler Feministinnen ändert sich sowohl das Bild der Frau in der Gesellschaft als auch das Selbstbewusstsein der Frauen. In dem Verlangen nach gleichen Rechten kämpfen viele Frauen heutzutage um das Recht, ins Militär einzutreten. Die Meinungen über dieses Recht unterscheiden sich sehr. Vielleicht aber könnten uns die Antworten auf die Fragen: „Soll die Frau am Militärdienst beteiligt werden?“ oder „Soll sie eine Pazifistin sein?“ helfen, die Frauen nicht länger als potentielle Vergewaltigungsopfer sich selbst zu überlassen. Vielleicht trägt die neue Rolle der Frau dazu bei, das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern zu finden. Denn es ist offensichtlich, dass Politik geschlechterorientiert getrieben wird. Vielleicht ist jetzt die richtige Zeit, das zu ändern.

12. Summary

After the Second World War, everyone hoped that wartime atrocities would disappear, but almost 50 years later in 1991 war caused many to lose their home and families in former Yugoslavia. In my research paper I will illustrate the fate of woman whose stories have came to light just recently and who have been generally ignored in many historical and sociological analysis.

The main reason why this aspects of war appeared in public discussion where 20 000 to 50 000 women, which were victims of war rape in Bosnia and Herzegovina. The high number of Muslim women raped suggest that rape was used as a strategy of war and a policy of "ethnic cleansing".

Religion makes the subject more complicated because rape has a symbolic value for Muslim. The patriarchal society equates a woman's rape with death. In this context, a woman who has been raped cannot rely on her family and becomes the property of the rapist.

Wartime inter-ethnic rape victims are forced to conceive children who belong to their enemy's ethnic groups. Using rape as a method of ethnic cleansing, women were used as objects for revenge on Muslim. Because of the dangerous situation at that time, for many victims was to late for abortion and they needed to keep the children.

In the first part of my paper I briefly discuss the beginning of war in former Yugoslavia and how propaganda was used to inspire nationalistic feelings and turned the population to reciprocal hate. Milosevic's politics used his people's destructive force of nationalism to start a war with the Muslims citizens of Yugoslavia in June 1991.

For information relating to concentration camps and inhuman treatment I will quote directly from victims testimonies. In my opinion these testimonies, which are not very common for research papers, are very important. How can we consider wartime rape without input from the victims?

Seifer, Stigelmayer and Wesler, authors of many publications about war and rape, emphasizing the significance of directly quoting victims and in that way actively breaking their silence. The silences about women's tragedies has lasted for years and it was one of the reasons for ignoring and disrespecting women and human rights.

The ethnic cleansing results in psychological trauma and critical situation of the victims. Many of the women required immediately help. Thanks to various feminist organization, which have provided some of the strongest opposition to the war, many refugees have received help. Nowadays there are more feminist organizations, which take care of victims of rape. One of them is Monica Mondiale. This organization, financed from donations, organizes therapies and course for women to help them to find a job and return to normal familiar lives.

International Criminal Tribunal for The Former Yugoslavia prosecuted at the beginning of this year tree men in the Foča process. Three Bosnian Serbs were found guilty of organizing the raping and beating of Muslim women in the southeast Bosnian region of Foča between June 1992 and February 1993. Dragoljob Kunarac was sentenced to 28 years, Radomir Kovac to 20 years and Zoran Vukovic to 12 years. The judge was outraged about the perpetrators criminal acts. This decision may provide the impetus for future international criminal investigations and prosecutions for sexual violence and sexual slavery.

In the end of my research paper I present shortly the opinions and theories about the war rape, particularly about war rape in former Yugoslavia. Unfortunately the discussion of feminists doesn't bring any particular solution for the problem, but their analysis about the particular situation will help us to understand the terrible facts.

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http://www.uni-bielefeld.de/IFF/fraueninfonetz/forsch/iud/dat/datenb.htm http://www.refugees.net

[...]


1 Vgl. Bengerly (1997, 59-61)

2 Vgl. Seifer (1993, 106-110)

3 Vgl. Brownmiller (1994, 38-137)

4 Vgl. Wesler (1993, 65-90), Seifer (1993, 87-112)

5 Vgl. TAZ-Artikel vom 13.11.1991

6 Vgl. AFP vom 25.08.1998

7 Vgl. DPA vom 23.11.1998

8 Vgl. AFP vom 31.10.1998

9 Vgl. “Gazeta Wyborcza” vom 23.02.2001

10 Vgl. Stiglmayer (1993b, 20-57)

11 Im folgenden stütze ich mich auf Jalušić (1994, 118-121)

12 Vgl. Stiglmayer, A. (1993b, 46)

13 Vgl. http://www.refugees.net

14 Vgl. Wesler (1993, 159-166), Pettman (1996, 100-104)

15 Vgl. Stiglmayer, A. (1993c, 117)

16 Direkt nach dem Fall von Kozarac am 27. Mai wurden Internierungslager geöffnet. Trnopolje, Omarska, Keraterm waren die größten Lager, wo Tausende von Menschen gefangengehalten wurden.

17 vgl. http://www.refugees.net/de/1991/buh_1991.html

18 Vgl. Stiglmayer (1993, 156)

19 Iuvuz Begić war der Kommandant des Konzentrationslagers, in dem sie monatelang eingesperrt war.

20 Vgl. Stiglmayer (1993c, 179-180)

21 Ausführlicher zu Therapien vergewaltigter Frauen in: Kretschmann, U. (2001): Das Vergewaltigungstrauma. Münster: Westfälisches Dampfboot, Aufl.2

22 Vgl. Folnegović-Šmalc (1993, 219-226)

23 Vgl. http://www.medicamondiale.org/zenica.html

24 Interantional Criminal Tribunal for the Former Yugoslavia

25 Vgl. http://www.un.org/icty/foca/trialc2/judgement/index.htm

26 Vgl. Wesler (1993, 147-158)

27 Wesler (1993, 151)

28 Vgl. Seifer (1993, 87-112)

29 Vgl. Sander/Johr 1992

30 Vgl. Brownmiller (1994, 90-114)

31 Annex II des dritten Lageberichts der UNO-Kommission zur Untersuchung der Menschenrechtssituation im ehemaligen Jugoslawien unter Vorsitz des UNO-Sonderbeauftragten Tadeusz Mazowiecki, veröffentlicht in Genf am 12.2.1992.

32 Die EG untersuchte die Behandlung der moslemischen Frauen im ehemaligen Jugoslawien, Final Report, veröffentlicht in Brüssel am 12.2.1993

33 Amnesty International. Bosnien-Herzegowina. Vergewaltigungen und sexueller Missbrauch durch bewaffnete Kräfte. Januar 1993.

34 Helsinki Watch: War Crimes in Bosnia-Herzegovina. Vol. II. New York, April 1993.

35 Ausführlicher dazu schreibt Rejali (1998, 26-32).

36 MacKinnon, C. (1993): „Turning Rape into Pornography: Postmodern Genocide”; In: MS, June/August: 24-30.

37 Brownmiller, S. (1993): „Making Female Bodies the Battlefield“; In: Newsweek, 4 January: 37.

38 Zit. nach: Rejali (1998, 28)

39 Vgl. Phillips, J.(1993

40 Vgl. Smith, J.(1990)

27 von 28 Seiten

Details

Titel
Massenvergewaltigung als Kriegsmittel
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Veranstaltung
Krieg und Geschlecht
Autor
Jahr
2001
Seiten
28
Katalognummer
V105673
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit ist über ethnische Säuberung im ehemaligen Jugoslawien. Es stellt die Problematik der Geschlechtunterschiede in dem Krieg da. Massenvergewaltigung gehört oft zur Kriegstaktik und wurde öffentlich immer verschwiegen.
Schlagworte
Massenvergewaltigung, Kriegsmittel, Krieg, Geschlecht
Arbeit zitieren
Paulina Cicha (Autor), 2001, Massenvergewaltigung als Kriegsmittel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105673

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