Das Brasilianische Bildungswesen


Seminararbeit, 2001

17 Seiten, Note: 2,4


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Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Organisation des Brasilianischen Bildungswesens
2.1. Schuljahr
2.2. Finanzierung
2.3. Lehrerausbildung
2.4. Politische Strukturs

3. Educação de Jovens e Adultos

4. Educação Infantil

5. Ensino Fundamental
5.1. Lehrplan
5.2. Schüler
5.3. Lehrer
5.4. Schulen
5.5. Erfolgsrate

6. Ensino Médio
6.1. Lehrplan
6.2. Schüler
6.3. Abendschule
6.4. Lehrer
6.5. Schulen
6.6. Erfolgsrate

7. Educação Superior
7.1. Einrichtungen derEducação Superior
7.2. Lehrplan
7.3. Studierende
7.4. Abendveranstaltungen
7.5. Auslandsstudium
7.6. Lehrkörper

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Seit Ende der Militärdiktatur in Brasilien 1985 befindet sich des Bildungswesen im Umbruch. 1996 wurde das neue ,,Lei de Diretrizes e Bases da Educação" (LDB)1verabschiedet. Dies hatte zum Teil weitgehende Folgen für die einzelnen schulischen und universitären Einrichtungen.

In erster Linie verfolgt die Reform des brasilianischen Bildungswesens die seit den siebziger Jahren vorwiegend in den Entwicklungsländern anzutreffende Tendenz der Anpassung an den Arbeitsmarkt. ,,Das Manpower-Requirements-Modell [...] [wurde] zum wichtigsten Ansatz für die Bildungs- und Wirtschaftsplanung."2

Im Folgenden werden die verschiedenen Ebenen der Bildung beschrieben, wobei besonders auf die vom LDB umgestalteten Elemente eingegangen wird.

,,Die ´Reform` des Erziehungswesens ist eines der am häufigsten proklamierten innenpolitischen Ziele der [...] Statten [...] Lateinamerikas"3, und somit auch Brasiliens. Der brasilianische Erziehungsminister Paulo Renato Souza betrachtet daher auch das LDB als seine größte Leistung und sieht in ihm die Lösung aller Probleme des Bildungswesens.

2. Organisation des brasilianischen Bildungswesens

Das am 20.12.1996 verabschiedete Gesetz ,,Lei de Diretrizes e Bases da Educação" (LDB) ordnete das brasilianische Bildungswesen neu. In ihm sind auch die Kompetenzbereiche der öffentlichen Institutionen festgelegt. Sowohl dieUnião, dieEstados, derDistrito Federalals auch dieMunucípiosarbeiten weitgehend Hand in Hand, haben aber auf ihrem Gebiet die Möglichkeit eigene Vorstellungen durchzusetzen. Sie haben weitgehende Autonomie in den Bereichen der Pädagogik, der Verwaltung und der Finanzen.

Grundlegend ist das Bildungssystem auf zwei Ebenen (Níveis) aufgeteilt: Die Educação Básica und die Educação Superior.

ABBILDUNG4

DieUniãoist für die Koordinierung der nationalen Erziehungspolitik und die Ausarbeitung desPlano Nacional de Educaçãoverantwortlich. DieEstadosund derDistrito Federalsind in erster Linie für denEnsino Fundamentalund in abgeschwächter Form für denEnsino Médiozuständig. DieMunicípioskümmern sich vor allem um dieEducação Infantilin Kinderkrippen und Vorschulen und um denEnsino Fundamental.

DasConselho Nacional de Educaçãoübt normative und leitende Funktionen gegenüber den föderativen Organen aus und ist direkt demMinistério da Educaçãounterstellt.

União

- Bildungsinstitute der

União

-Institute desEnsino Superior

- Föderale Erziehungs- Organe

Estados

- Bildungsinstitute der

Estados

- einige Institute des

Ensino Superior

-Institute desEnsinoFundamental

-Private InstituteMunicípios

- Einige Institute des

Ensino Fundamental

-Institute derEducação

Infantil

- Private Kindergärten

2.1. Schuljahr

ImLDBwurde 1996 für alle Schulformen eine Mindestunterrichtszeit von 200 vollen Unterrichtstage bestimmt. Die Zeit, die für Prüfungen und deren Vorbereitung vorgesehen ist wird jedoch hiervon abgezogen.

2.2. Finanzierung

Das brasilianische Bildungswesen wird zur guten Hälfte aus staatlichen Mitteln derUnião, derEstadosund derMunicípiosfinanziert. Der Rest wird vom privaten Sektor aufgebracht, der private Kindergärten und Privatschulen auf allen Ebenen der Bildung unterhält. In diesem Bereich sind vor allem die landesweit agierenden Einrichtungen derSENAI, derSENACund der Kirchen zu erwähnen.

Die Bereitstellung der Mittel für die Bildung ergibt sich nach dem LDB für die einzelnen bundesstaatlichen Organe wie folgt:

- dieUniãowendet mindestens 18% ihres Gesamthaushaltes für die Bildung auf

- dieEstadosmindestens 25% ihres Gesamthaushaltes und 25% der ihnen aus demFundo de Participacão dos Estados (FPE)5zustehenden Mittel

- dieMunicípioswenden ebenfalls mindestens 25% ihrer Gesamthaushalte auf und weitere 25% der ihnen aus denFundos de Participacão dos Minicípios (FPM)6zustehenden Mittel7

Den größten Anteil an den Gesamtausgaben im Bildungsbereich stellen mit 48% dieEstados. Ihnen folgen mit 30% dieMunicípiosund mit 22% dieUnião8.

2.3. Lehrerausbildung

Im LDB wurde 1996 eine für das ganze Land einheitliche Lehrerausbildung festgelegt. In der Regel sollte jeder neu eingestellte Lehrer eine universitäre oder vergleichbare Ausbildung absolviert haben. Im Bereich der Educação Infantil und in den ersten vier Jahrgangsstufen des Ensino Fundamental besteht jedoch weiterhin die Möglichkeit der Einstellung weniger hoch qualifizierter Personen.

Die Ausbildung beinhaltet, mit Ausnahme der Lehramtsanwärter für dieEducação Superior, ein mindestens 300 stündiges Praktikum. Für den gehobenen Lehrdienst ist der Abschluß des Magister oder Doktor Voraussetzung.

2.4. Politische Struktur

9

3. Educação de Jovens e Adultos

Für Jugendliche und Erwachsene, die nicht an der regulären Schulausbildung teilgenommen haben, bzw. diese nicht beendet haben, besteht die Möglichkeit kostenfreie Abendkurse zu belegen. Diese sich speziell an die Arbeiterschaft richtenden Veranstaltungen werden inhaltlich an die Interessen, Bedürfnisse und Charakteristika der Schüler angepaßt, um jedem die Möglichkeit einer genügenden schulischen Bildung zu geben.

Im LDB wurde das Mindestalter für den Erwerb des demEnsino Fundamentalgleichwertigen Abschlusses auf 15 Jahre, das für den Erwerb des mit demEnsino Médiogleichwertigen Abschlusses auf 18 Jahre festgesetzt.

4. Educação Infantil

DieEducação Infantilfällt in den Bereich derEducação Básica. Sie ist nicht obligatorisch und richtet sich an Kinder unter sieben Jahren. Es läßt sich zwischenCreches(Krippen) und Pré-Escolas(Vorschulen) unterscheiden. Erstere kümmert sich um Kleinkinder bis zu drei Jahren, letztere um Kinder zwischen dem vierten und dem sechsten Lebensjahr. Die Vorschulen geben auch Stellungnahmen zur Schultauglichkeit ab. Obwohl dieEducação Infantilnicht verpflichtend ist hat die Anzahl der ,,Schüler" seit Dreissig Jahren stetig zugenommen, erfaßt aber immer noch nur eine relativ kleine Gruppe. Der Anstieg ist in erster Linie auf den enormen Nachholbedarf Brasiliens im Bereich der Vorschulerziehung zurückzuführen. Bis heute handelt es sich jedoch um ein Privileg der begüterteren Bevölkerungsteile, da immer noch rund die Hälfte aller Einrichtungen der Educação Infantilin privaten Händen liegt.

5. Ensino Fundamental

Das Ensino Fundamental ist für alle Kinder zwischen dem siebten und dem 14 Lebensjahr obligatorisch. Es erstreckt sich auf insgesamt acht Schuljahre (séries) und 800 Unterrichtsstunden jährlich, die auf mindestens 200 Unterrichtstage verteilt sind. Das LDB legte fest, daß die Schüler täglich mindestens vier Stunden in der Schule sein sollten. Zu welcher Tageszeit dies sein sollte wurde jedoch mit Rücksicht auf Abend- und kleine Dorfschulen und andere alternative Organisationsformen, die in Brasilien recht verbreitet, sind nicht vorgeschrieben.

DasEnsino Fundamentalist für alle gratis und untersteht demSecretaria de Educação Fundamentaldes brasilianischen Bildungsministeriums.

5.1. Lehrplan

Der derzeitige Lehrplan für dasEnsino Fundamentalleitet sich aus derResolução 02/98derCamara de Educação Básica do Conselho Nacional de Educação (CNE)ab, die den Schulen als Richtlinie zur Entwicklung ihrer eigenen pädagogischen Angebote dienen. Durch die relative Freiheit in der Gestaltung des Unterrichts haben die Schulen die Möglichkeit auf regionale Besonderheiten einzugehen und so auch die sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen.

Die Schulen sind dazu verpflichtet eine auf gesellschaftlich-nationaler Basis einheitliche Grundbildung im Bereich des staatsbürgerlichen Lebens und der wissenschaftlichen Kenntnisgebiete zu vermitteln.

1. Staatsbürgerliches Leben

- Gesundheit

- Sexualität

- familiäres und soziales Leben

- Umwelt

- Arbeit

- Wissenschaft und Technik

- Kultur

- Spracherziehung

2. wissenschaftliche Kenntnisgebiete

- Portugiesisch

- Muttersprache Indios und Migranten

- Naturwissenschaften

- Geographie

- Geschichte

- Fremdsprache

- Kunsterziehung

- Sport

- Religion ( nicht verpflichtend )

Wenn die volle Unterrichtsversorgung nicht von der Schule selbst gewährleistet werden kann, können auch externe Organisationen (z.B. Kirchen) mit einem begrenzen Lehrauftrag ausgestattet werden, um somit den Schülern das volle Spektrum an Wissen vermitteln zu können.

5.2. Schüler

1994 konzentrierten sich die 31,2 Mio. Schüler desEnsino Fundamentalvorwiegend auf die RegionenSudeste(39%) undNoreste(31%), gefolgt vonSul(14%),Norte(9%) undCentroOeste(7%). Im gleichen Jahr befand sich die absolute Mehrheit der öffentlichen Schulen besuchenden Schüler (88,4%) in urbanen Gebieten (82,5%).

Diese Verteilung ist ein Ergebnis der zunehmenden Verstädterung Brasiliens in den letzten Jahrzehnten und auch des zunehmenden Bildungsangebotes an öffentlichen Schulen. Der private Sektor befindet sich seit rund 20 Jahren auf dem Rückzug, was in erster Linie auf die Erwerbskraftminderung der Mittelschicht in dieser Zeitspanne zurückzuführen ist. 1994 stellt der private Sektor nur noch 11,6% aller Schulplätze.

5.3. Lehrer

Es gab 1994 1,4 Mio. Lehrerstellen10imEnsino Fundamental. 86,3% waren an öffentlichen Schulen beschäftigt. 79% arbeiteten in Städten und 21% auf dem Land. 79,7% erfüllten die vom LDB geforderten Mindestvoraussetzungen zur Ausübung ihres Berufes. Der Rest wurde überwiegend schon vor der Bildungsreform eingestellt oder verfügt über spezielle Kenntnisse, die ihn zur Unterrichtung eines Faches besonders befähigen.

Je nach Funktion müssen die Lehrer 20, 25 oder 30 Wochenstunden inklusive der pädagogischen Heimarbeit leisten11.

5.4. Schulen

1994 gab es insgesamt 194.487 Schulen. Mehr als 70% davon waren Landschulen, an denen aber nur 17,5% der Schüler desEnsino FundamentalBrasiliens eingeschrieben waren. derzeit restrukturieren die meistenEstadosihr Bildungswesen, was in naher Zukunft zu einer Verminderung und Zusammenlegung der Landschulen führen wird.

5.5. Erfolgsrate

In den letzten zehn Jahren fand eine substanzielle Verbesserung der Abschlußraten statt. 1992 lag die Versetzungsquote bei 62% (1984: 55%) und die Durchfall- und Abgangsquote bei nur noch 5% (1984: 33%).

6. Ensino Médio

DasEnsino Médionimmt eine Zeitspanne von vier Jahren mit einer jährlichen Unterrichtszeit von mindestens 2400 Stunden ein.

Im Gegensatz zumEnsino Fundamentalist dasEnsino Médionicht verpflichtend. Parallel hierzu arbeitet dasEnsino Técnico, das ein Bestandteil derEducação Profissionalist. Innerhalb des brasilianischen Bildungsministeriums ist dasSecretaria de Educação Médio e Tecnológicafür diese Schulform zuständig.

6.1. Lehrplan

Der nationale Lehrplan für dasEnsino Médio(DCNEM12)wurde wie imEnsino Fundamentalin derResolução 03/98derCNEfestgelegt.

Die Richtlinien erfuhren nach der Reform von 1996 einen erheblichen Wandel. So wurde ein direkter Bezug zur realen Arbeitswelt hergestellt, der den Schüler den späteren Übergang ins Berufsleben erleichtern soll. Der gesamte Lehrplan ist auf Basis gesamtnationaler und regionaler Grundlagen entwickelt worden. Hierdurch soll eine im ganzen Land vergleichbare Allgemeinbildung erzielt werden. Die regionale Ausrichtung soll die lokalen Eigenheiten und die individuellen Persönlichkeiten der Schüler berücksichtigen, um spontan und unbürokratisch auf vor Ort auftretende Probleme reagieren zu können, ohne den lange Weg über die Bundesregierung gehen zu müssen.

Auf nationaler Ebene ist der Lehrplan in drei Wissensgebiete eingeteilt:

- Sprachen, Recht

- Naturwissenschaften, Mathematik

- Humanwissenschaften Jeder Schule obliegt es aber ihre eigenen pädagogischen Vorstellungen folgendermaßen einzubringen:

- bei Gewichtung der drei Wissensgebiete · im Rahmen behandelte Inhalte

- bei der Zusammen-setzung der Wissens- gebiete Das pädagogische Angebot in den Bereichen a) Sport und Kunst sowie b) Philosophie und Soziologie sollen den Lehrplan abrunden.

6.2. Schüler

1994 waren rund fünf Millionen Schüler imEnsino Médioeingeschrieben, was einen Anstieg um circa eine Millionen seit 1991 bedeutet. Dies ist in erster Linie auf die Erhöhung der Abschlußrate imEnsino Fundamentalzurückzuführen.

Aus regionaler Sicht verteilen sich die Schüler folgendermaßen:Sudeste51%,Nordeste 20,1%,Sul15,7%,Centro-Oeste6,9% undNorte6,2%13. DerEstadoSão Paulo vereinigt auf sich allein mehr als ein Drittel aller Schüler.

Auch hier befindet sich der private Sektor auf dem Rückzug, stellte aber nichts desto trotz noch 33% aller Schulplätze.

6.3. Abendschule

60% alle Schüler desEnsino Médiobesuchen Abendschulen. Dies läßt sich vor allem aus der internen Organisation der meisten Schulen erklären. Aus Platzmangel werden i.d.R. tagsüber Kurse für dasEnsino Fundamentalangeboten und abends Kurse für die älteren Schüler des Ensino Médio.

6.4. Lehrer

1994 konnten 73,7% der 320.000 Lehrer die vom LDB geforderte Ausbildung nachweisen.14 Darüber gilt für die Lehrer imEnsino Médiodas gleiche wie für jene imEnsino Fundamental (s.o.).

6.5. Schulen

1994 gab es 14.700 Schulen desEnsino Médio, die sich überwiegend in städtischen Gebieten angesiedelt haben. 42,8% dieser Schulen weisen einer Schülerzahl von über 250 auf und versorgen somit rund 80% aller Schüler.15

6.6. Erfolgsrate

ImEnsino Médioverschlechterte sich die Abschlußrate in den letzten Jahren ein wenig. 1992 lag die Durchfallquote bei 42% und die Abschlußquote bei 52%. Positiv anzumerken ist jedoch, das der Anteil der Schüler über 18 Jahren, also einem Alter, das nur durch einmaliges oder auch häufigeres Wiederholen einer Jahrgangstufe innerhalb desEnsino Médioerzielt werden kann, stetig seit Mitte der achtziger Jahre sinkt, so daß der Altersdurchschnitt heute in allen Regionen zwischen 15 und 17 Jahren liegt.

7. Educação Superior

DerEducação Superiorkommt die Aufgabe zu die Forschung, das kulturelle Wissen, die Naturwissenschaften und die Technik voranzubringen. Daher ist sie in vielen unterschiedlichen Kursen und Programmen organisiert:

Cursos de graduação

Programas de mestrado e doutorado e Cursos de especialicação, aperfeiçoamento e atualização

Cursos seqüenciais

Cursos e programas de extensão

- offen für alle Bewerber, die dasEnsino Médioerfolgreich abgeschlossen haben oder einen gleichwertigen Abschluß haben und das Auswahlverfahren bestanden haben

- offen für alle, die bereits einen ersten akademischen Abschluß haben

- oder zur Zeit dabei sind einen zu erwerben und die von der jeweiligen Einrichtung geforderten Voraussetzungen erfüllen

- Aufbaukurse in allen Forschungsbereichen, die für alle offen stehen, die die Anforderungen (Vorkenntnisse) erfüllen

- Fortbildungskurse, die für alle offen stehen, die die Anforderungen (Vorkenntnisse) erfüllen DieCursos de graduaçãodauern vier bis sechs Jahre, für diePragramas de mestrado e doutoradovariiert die Zeit zwischen zwei und vier Jahren für denmestround vier und sechs Jahren für dendoutor.

Das Hochschuljahr umfaßt mindestens 200 Tage Vorlesungszeit abzüglich der für die Prüfungen zu veranschlagenden Zeit.

Das öffentlicheEnsino Superiorist kostenlos und wird aus Regierungs- und Ministerialmitteln finanziert. Der überwiegende Teil der Lehrveranstaltungen findet in Tageskursen statt, wohingegen der private Sektor vorwiegend Abendkurse anbietet. Im Rahmen der Organisation des Bildungsministeriums untersteht dieser Teil des Bildungswesens demSecretaria de Educação Superior.

7.1. Einrichtungen der Educação Superior

DieEducação Superiorist in private und öffentliche Einrichtungen mit vielen verschiedenen Stufen (graus) für allgemeine und spezialisierte Bildung aufgeteilt. DasDecreto 2.207/97, welches einige Anordnungen näher bestimmt, die im LDB festgelegt wurden, unterteilt wie folgt:

- Universitäten (universidades) · universitäre Zentren (centros universitárias)

- Fakultäten (faculdades)

- Integrierte Fakultäten (faculdades integradas)

- Höhere Institute (institutos superiores) · Höhere Schulen (escolas superiores)

Die Höheren Institute und Schulen sind als eigenständige Einrichtungen in erster Linie für die gehobene Berufsausbildung zuständig. Im Rahmen des gemeinschaftlichen Lehrangebots sind die Universitäten für die wissenschaftlich orientierte Bildung maßgebend. Die universitären Zentren kümmern sich um die Forschung und um die Entwicklung neuer Kursangebote. Das Netz desEnsino Superiorumfaßte 1994 851 Einrichtungen.

Alle Einrichtungen desEnsino Superiorsind durch des LDB dazu verpflichtet, sich in regelmäßigen Abständen selbst zu überprüfen, ob ihre interne Struktur noch zeitgemäß ist und sich gegebenenfalls den neuen Gegebenheiten anzupassen. Dies führt zu einer direkten Nachfrageorientierung der brasilianischen Universitäten und deren Anpassung an die Bedürfnisse der Wirtschaft.

Alle im Ausland erworbenen Abschlüsse können von vornherein von den Instituten anerkannt werden, die identische oder ähnliche Studiengänge anbieten.

7.2. Lehrplan

Vor dem Beginn eines jeden Semesters (período letiva) müssen alle Einrichtungen der Educação Superiorexakte Angaben zu allen Lehrangeboten machen. Die Universitäten haben volle Autonomie in den Bereichen Neueinführung, Organisation und Auflösung von Studiengängen in ihrem Arbeitsbereich.

Bei den Studiengängen Medizin, Psychologie und Zahnmedizin muß vorher Absprache mit demConselho Nacional de Saudégehalten werden. Für Jura wir Absprache mit demConslho Federal da Ordem dos Advogados do Brasilgehalten.

7.3. Studierende

1994 waren eine Millionen der insgesamt 1,7 Millionen Studenten an Universitäten des Landes eingeschrieben. 1998 konzentrierten sich die meisten Einschreibungen auf die Ciências Socais Aplicadas, welche die Rechts-, Verwaltungs- und Wirtschaftswissenschaften umfassen. An zweiter Stelle standen dieCiências Humanas, zu denen alle Magisterstudiengänge sowie das Studium der Psychologie zählen.

Im Bereich derCiências Socais Aplicadasherrschen private Anstalten vor. In allen anderen halten sich private und öffentlichen Einrichtungen die Waage. Nur bei denCiências Agráriasnehmen die öffentlichen Universitäten eine Führungsrolle ein.16

7.4. Abendveranstaltungen

Gemäß dem LDB sollen alle Einrichtungen derEducação Superiorauch Abendkurs anbieten, die sowohl vom Inhalt als auch von der Qualität denen am Tage in nichts nachstehen. Zur Zeit befindet sich das Abend-Lehrangebot stark im Ausbau.

7.5. Auslandsstudium

Traditionsgemäß ist das Auslandsstudium in Brasilien von großer Bedeutung. Derzeit bestehen Partnerschaften mit 24 Ländern, wobei der Schwerpunkt auf den USA, Frankreich und Großbritannien liegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten17

7.6. Lehrkörper

1994 gab es 141.400 Lehrbeauftragte in derEducação Superiorderen wöchentliche Mindestunterrichtszeit vom LDB auf acht Stunden festgelegt wurde. Der überwiegende Teil von ihnen hat einen Abschluß in einem derProgramas de mestrado e doutorado.

8. Fazit

Das ,,Lei de Diretrizes e Bases da Educação" (LDB) führt die bereits seit mehreren Jahrzehnten in Lateinamerika zu beobachtende Anpassung des Bildungswesens an die Ansprüche der Wirtschaft fort. Eduardo Galeano stellte bereits 1971 in seinem Werk ,,Die offenen Adern Lateinamerikas" fest: "Die lateinamerikanischen Universitäten bringen in kleinem Maßstab Mathematiker, Ingenieure und Programmierer hervor, die nur im Exil Arbeit finden. Wir erlauben uns den Luxus, den Vereinigten Staaten unsere besten Techniker und fähigsten Wissenschaftler zu überlassen. Sobald andererseits eine Universität oder ein höheres kulturelles Institut in Lateinamerika versucht, das Studium der Grundwissenschaften zu fördern, um so die Grundlage für eine nicht von ausländischen Mustern übernommene und ausländische Interessen untergeordnete Technologien zu schaffen, zerstört ein passender Staatsstreich das Experiment unter dem Vorwand, daß auf diese Weise die Subversion vorbereitet werde. Dies war z.B. bei der 1964 unterjochten Universität von Brasilien der Fall, und in der Tat irren sich die gepanzerten Erzengel, die die bestehende Ordnung hüten, nicht: Die autonome Kulturpolitik erfordert und betreibt, sofern sie authentisch ist, die tiefgreifende Wandlung aller bestehenden Strukturen."18

Die Möglichkeit der brasilianischen Universitäten sich jedes Semester erneut den aktuellen Gegebenheiten anzupassen weist sowohl positive, als auch negative Elemente auf. Als positiv wäre anzuführen, daß die Anzahl Studierter, die arbeitsmarktfremd ausgebildet wurden relativ gering gehalten wird. Die Beurteilung, welcher Studiengang als arbeitsmarktorientiert gelten kann und welcher nicht unterliegt jedoch der subjektiven Meinung der hierfür zuständigen Mitarbeiter der einzelnen Universitäten. Man versucht ,,nach dem Muster industrieller Out- Put- und Produktplanung die künftige Nachfrage nach bestimmten beruflichen Qualifikationen [zu] prognostizieren.19Bei Studienbeginn kann sich also kein brasilianischer Student, wenn er nicht gerade eines der klassischen Fächer, wie z.B. Medizin, Jura, Wirtschaftswissenschaften, o. ä. gewählt hat, sicher sein, ob sein Studiengang auch in ein paar Jahren noch existiert.

Die Arbeitsmarktorientierung der Schulen läßt sich ähnlich beurteilen. Selbstverständlich ist es positiv, wenn Schüler nicht in Bereichen ausgebildet werden, in denen sie an ihrem Wohnort keinerlei Beschäftigungsmöglichkeiten haben. Jedoch muß auch die Gefahr gesehen werden, daß insbesondere in Orten, an denen nur ein großes Unternehmen den Arbeitsmarkt beherrscht, dieser direkt Einfluß nimmt auf die Lehrplangestaltung der Schule. Die Schule geht also das Risiko ein nur ein verlängerter Arm der Personalabteilung einer großen Firma zu werden.

Abschließend wäre zu sagen, daß man bisher noch keine allgemein gültigen Beurteilungen über die Reform des brasilianischen Bildungswesens 1996 durch das LDB geben kann. Man wird noch einige Zeit warten müssen, bis neue Zahlen vorliegen, die eine genauere Analyse zulassen.

9. Literaturverzeichnis

Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit: Bildungs- und Hochschulwesen in Brasilien. Bonn 1982.

Galeano, Eduardo: Die offenen Adern Lateinamerikas. Die Geschichte eines Kontinents von der Entdeckung bis zur Gegenwart.15. Auflage. Wuppertal 1992.

Gebhardt, Renate: Bildung für die ,,Ungesicherten": Ein Beispiel berufsbildender Kurs in Nordost-Brasilien. Münsteraner Beiträge zur Lateinamerika-Forschung. Münster 1989.

http://www.brazzil.com 01.06.1999

http://www.mec.gov.br 22.05.1999

Nohlen, Dieter (Hg): Lexikon Dritte Welt. Länder, Organisationen, Theorien, Begriffe, Personen. Hamburg 1998.

Das Brasilianische Bildungswesen nach dessen Reform 1996

[...]


1 auch Lei de Darcy Ribeiro, nach dem 1997 verstorbenen federführenden Mitarbeiter des Bildungsministeriums (MEC)

2 Gebhardt, Renate: Bildung für die ,,Ungesicherten": Ein Beispiel berufsbildender Kurs in Nordost-Brasilien. Münsteraner Beiträge zur Lateinamerika-Forschung. Münster 1989. S. 24.

3 Nohlen, Dieter (Hg): Lexikon Dritte Welt. Länder, Organisationen, Theorien, Beriffe, Personen. Hamburg 1998. S. 105.

4 http://www.mec.gov.br

5 aus Bundesmitteln

6 aus Bundesmitteln

7 http://www.mec.gov.br

8 http://www.brazzil.com

9 http://www.mec.gov.br

10 Die Anzahl der Lehrerstellen entspricht nicht der realen Zahl an Lehrkräften, da ein einzelner Lehrer mehrere Stellen besetzen kann.

11 Aufgrund der Möglichkeit mehrere Stellen inne zu haben variiert die Arbeitszeit zwischen 20 und 60 Wochenstunden.

12 Diretrizes Curriculares Nacionais do Ensino Médio

13 http://www.mec.gov.br

14 http://www.mec.gov.br

15 http://www.mec.gov.br

16 http://www.mec.gov.br

17 http://www.mec.gov.br

18 Galeano, Eduardo: Die offenen Adern Lateinamerikas. Die Geschichte eines Kontinents von der Entdeckung bis zur Gegenwart.15. Auflage. Wuppertal 1992. S. 364.

19 Gebhardt, Renate: Bildung für die ,,Ungesicherten": Ein Beispiel berufsbildender Kurs in Nordost-Brasilien. Münsteraner Beiträge zur Lateinamerika-Forschung. Münster 1989. S.. 25.

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Das Brasilianische Bildungswesen
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Besondere Wirtschaftliche Probleme Lateinamerikas
Note
2,4
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V105698
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Einige Abbildungen fehlen.
Schlagworte
Brasilianische, Bildungswesen, Besondere, Wirtschaftliche, Probleme, Lateinamerikas
Arbeit zitieren
Marcel Meinken (Autor), 2001, Das Brasilianische Bildungswesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105698

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