Didaktisches Prinzip - Kreativität


Hausarbeit, 2002

13 Seiten


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Didaktisches Prinzip - Kreativität

Gliederung

1 Definitionen von Kreativität

2 Zur Geschichte der Kreativitätsförderung

3 Möglichkeiten der Kreativitätsförderung in der Schule

1) Lehrerverhalten

2) Unterrichtsformen und -methoden

4 Kreativitätshemmende Faktoren in der Schulwirklichkeit

5 Zusamenfassung

Literatur

Anhang

Neues entsteht nicht durch den Intellekt,

sondern durch den Spielinstinkt,

der aus innerer Notwendigkeit agiert. Der kreative Geist

spielt mit den Objekten, die er liebt.

- C. G. Jung -

Phantasie ist wichtiger als Wissen.

- Albert Einstein -

Man entdeckt

keine neuen Erdteile,

ohne den Mut zu haben, alte Küsten

aus den Augen zu verlieren.

- André Gide -

1 Definitionen von Kreativität

Wie die menschlichen Tätigkeiten und Bedürfnisse gesellschaftsabhängig sind, so kann das, was als „kreativ“ gibt, in jeder Gesellschaftsform etwas anderes sein, entsprechend werden in jeder Gesellschaftsform spezifische Wege eingeschlagen werden, um das Phänomen „Kreativität“ zu erforschen.

Kreativität wird von fast jedem Wissenschaftler anders interpretiert, bedingt durch unterschiedliche Ausgangspunkte, Voraussetzungen und Arbeitsmethoden. Der Zugang zur Analyse kann erfolgen über:

- die kreative Persönlichkeit,

- den kreativen Prozeß oder über

- das kreative Produkt

Persönlichkeitsorientierte Definition:

May definiert Kreativität alsBegegnung des intensiv empfindenden Individuums mit seiner Umwelt.

Prozeßorientierte Definition:

Mednick definiert den kreativen Prozeß alsdas Verarbeiten assoziativer Elemente zu neuen Kombinationen, die spezifischen Bedingungen genügen oder in irgend einer Weise nützlich sind.

Produktorientierte Definition:

Ghiseln definiert Kreativität unter dem Aspekt des Produktes:Ein kreatives Produkt ist eine geistige Konfiguration...und ist zum Zeitpunkt seiner geistigen Geburt in dem Sinne einmalig, als es keine spezifischen Vorläufe aufweist.(Seiffge-Krenke, in: Fudickar,1985, S. 25) Kreativität ist die Bezeichnung jenes Gefüges intellektueller und nichtintellektuellerPersönlichkeitszüge, die als Grundlage für herausragende, produktive Leistungen anzusehensind....auf Leistungen wie z.B. Originalität und Neuartigkeit der Problemlösung,Flexibilität des Produzierenden und Einfallsreichtum... (Wörterbuch der Erziehung, Hrsg. von Christoph Wulf, 1989, S. 347) Kreativität ist ein mehr oder weniger umfangreiches Bündel von Fähigkeiten undFertigkeiten, die Produktives Denken, divergierendes Denken, Problemlösen, Intuition,Inspiration, Originalität ermöglichen sollen (Enzyklopädie Theorien und Grundbegriffe Erziehungswissenschaft, Hrsg. von Dieter Lenzen, 1983, Band 1, S. 481)

Als Merkmale der Kreativität werden besonders hervorgehoben: Bereitscheft zur Flexibilität, aufgeschlossenheit gegenüber neuen Ideen in allen Bereichen des Lebens (Originalität), gute und gezielte Wortwahl, Ausdrucks- und Gedankenflüssigkeit, Spontanität, Fähigkeit zur Gliederung von Gedanken, zur Formulierung von Definitionen und zur Lösung von Problemen. (Köck, Wörterbuch für Erziehung und Unterricht, 1994, S. 392)

Die Denkprozesse des kreativen Verlaufen sind eher divergierend als konvergierend, d.h. sie führen zu vielen verschiedenen unüblichen Ideen und Lösungsvorschlägen zu einem Thema oder Problem, statt sich auf das Auffinden einer „richtigen“ Idee oder Lösung zu konzentrieren.

Im Gegensatz zum Geniebegriff ist das Kreativitätskonzept weniger pathetisch und gefühsüberladen, beschränkt sich nicht auf „Weltwunder“ im Kunst, Wissenschaft und Technik, sondern berücksigtigt vor allem auch die alltägliche Lebenswelt, bleibt nicht beim ehrfürchtigen Staunen stehen, sondern untersucht die konkreten situativen, personellen und materiellen Entwicklungs- und Entstehungsbedingungen für Kreativität.

Angesichts des raschen gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Wandels, der Fragwürdigkeit individuellen und gesellschaftlichen Wertsysteme, des Aufbruchs traditioneller Lebensverhältnisse und begrenzter Ressourcen kommt der Kreativität auf allen Bereichen größte Bedeutung zu, auch für die persönliche Zufriedenheit und Erfüllung. Daher ist die Erziehung zur Kreativität zu den Grundaufgaben der Erziehung und Bildung zu rechnen.

2 Vorgeschichte der Kreativitätsforschung

Kreativität muß bereits zu Beginn der Menschheitsgeschichte vorhanden sein; wie anders sollte sich die menschliche Entwicklungsgeschichte bis zum heutigen Stand vollzogen haben. Der Gegenstand dessen, was wir heute mit ‚Kreativität‘ bezeichnen, wurde jedoch von klassischen Altertum bis in unser Jahrhundert hinein ausschließlich in der Form genialer Ideen zur Kenntnis genommen, das Phenomen wurde dem Außergewöhnlichen zugeschrieben. Man bemühte sich also nicht, dieses Phänomen zu erforschen und seine Entstehungsmechanismen zu untersuchen.

Den Beginn der wissenschaftlichen Erforschung sieht Landau in Galtons Werk „Hereditary Genius“ (1869). In der Psychologie läßt sich als Beginn der Kreativitätsforschung die Beschäftigung mit der Gestalttheorie bestimmen, ausgelöst durch Wolfgang Köhler „Intelligenzprüfungen an Anthropoiden“ (1917). Auch die Pädagogik beschäftigte sich im Rahmen der ‚Reformpädagogik‘ mit Kreativitätsaspekten (G. F. Hartlaub „Genius im Kinde“ (1921)). Gerade im deutschen Sprachraum lastete auf den Begriffen ‚schöpferisch, produktiv, genial, origenell‘ das geisteswissenschaftliche Gedankengut der traditionellen Psychologie. Schöpferische Fähigkeiten wurden nur dem zugesprochen, der eine ‚geniale Begabung‘ vorweisen konnte. Im Grunde war die Wissenschft der Ansicht, daß es sich um eine selten auftretende Eigenschaft handelte, die sich einer etwaigen pädagogischen Förderung und Entwicklung entzog. (Fudickar, 1985, S. 20)

Die nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende Kreativitätsforschung wurde nahezu ausschließlich in den USA betrieben. Sie wurde ausgelöst durch die Vermutung, daß das amerikanische Erziehungssystem zu wenig Führungskräfte in Verwaltung, Technik, Wirtschaft und Wissenschaft hervorgebracht hätte. Der in der Nachkriegszeit einsetzende Produktionszwang nach dem sogenannte „Sputnick-Schock“ führten zu der Forderung nach neuen und kreativen Ideen und Produkten, die zur Aufrechterhaltung der wissenschaftlichen, technischen und ökonomischen Vormachtstellung der USA als notwendig angesehen wurden. Nach dem „Sputnick-Schock“ setzte ein wahrer Boom zur Erforschung der Kreativität ein. Auslöser für die in neuerer Zeit entstandene Beschäftigung mit dem Thema Kreativität in den USA war ein Vortrag des Psychologen J.P. Guilford im Jahr 1950 mit dem Titel „Creativity“. Sein Ziel in der Kreativitätsforschung bestand darin, ein Modell der ‚kreativen Persönlichkeit‘ zu konstruieren.

Die Arbeiten Guilfords trugen entscheidend dazu bei, daß die neuere Psychologie von einem veränderten Kreativitätsbegriff ausgeht, nämlich, daß das Begabungsmerkmal ‚kreativ‘ nicht selektiv nur einem geringen Personenkreis vorbehalten sein soll, sondern bereitsangelegt ist und dieses Merkmal insofern der quantitativen Beeinflussung durch die Umwelt, vor allem einem zielgerichteten Erziehungsprozeß, zugänglich ist. (Fudickar, 1985, S. 23)

3 Möglichkeiten der Kreativitätsförderung in der Schule

Die Schule ist in einer sich veränderten Welt verpflichtet der Zukunftsperspektive ihrer Schüler, d.h.: ihre Funktion darf auf keinen Fall einseitig von der Tradition abgeleitet werden. Von der Schule hängt es entscheidend ab, ob die zukünftige Gesellschaft durch ein kreatives Potential mitbestimmt wird, da sie das Potential erst verfügbar macht.

Kreativitätsförderung in der Schule ist nicht nur in einer völlig unstrukturierten Schule möglich, schon durch relativ geringe Veränderungen innerhalb des Kontextes der gegenwärtigen Schule ist ein erhblicher Fortschritt im Hinblick auf Erziehung zur Kreativität erreichbar.

Ob Kreativität durch die Schule gebremst oder gefördert wird, entscheidet in erster Linie der Lehrer.Indem er den Faktor Kreativität bewußt in den Unterricht aufnimmt, kanner dazu beitragen, daßein gesellschaftlicher Umdenkungsprozeßgefördert wird.(Niermann, in: Fudickar, 1985, S. 105)

Grundvoraussetzung dafür ist, daß der Wille zur Kreativitätsförderung beim Lehrer vorhanden ist bzw. die Bereitschaft, Kreativität zu tolerieren.

1) Lehrerverhalten

Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, daß das Vorbild des Lehrers ein wichtiger Faktor bei der Förderung der kindlichen Kreativität ist, d.h. der Lehrer beeinflußt durch sein eigenes Verhalten die Verhaltensweisen der Schüler. (Cropley, in: Fudickar, 1985, S. 106)

Hallmann weist daraufhin, daß kreatives Lehren der beste, vielleicht der einzige Weg sei, um kreatives Verhalten auf seiten der Schüler zu fördern. Von Vorteil ist es, wenn der Lehrer selbst kreative Eigenschaften und Verhaltenweisen besitzt; dadurch ist es ihm eher möglich, die Voraussetzungen für Kreativität zu erkennen und zu verwirklichen.

Ein Lehrer, der bei Schülern Kreativität entfalten möchte, sollte folgende Voraussetzungen erfüllen:

Selbstinitiiertes Lernen

Eigeninitiative ermutigt die Schüler, sich aufs Experementieren einzulassen und Hypothesen zu bilden. Außerdem stützt sie die Lernmotivation, da die Schüler nicht mehr gezwungenermaßen „lernen“, sondern aus Freude am Wissenserwerb, besonders an der Anwendung von Wissen lernen, d.h. am Umgang mit Ideen und Fakten. Die Schüler weiterbilden sich durch ‚selbstinitiiertes Lernen‘ auch außerhalb des Unterrichts weiter und bringen die Ergebnisse als neue Erfahrungen mit in den Unterricht ein.

Schaffung einer nicht-autoritären Lernumgebung

Für jede schöpferische Arbeit ist ein Maximum an Entscheidungsfreiheit und ein Minimum an Fremdsteuerung nötig. Der Lehrer muß daher den Schülern einen Freiraum zur Verfügung stellen, in dem sich psychische Sicherheit und Selbstverantwortung entwickeln lassen, d.h. die Schüler sollten die Möglichkeit haben, individuelle Denk- und Lösungswege zu erkunden, ohne Sanktionen von seiten des Lehrers befüchten zu müssen.

Umgang mit Materialien

Das aktive Umgehen mit Materialien fördert das Schöpferische; denn es hilft dem Schüler, die Prozesse zu verstehen. Der kreative Lehrer sollte den Schülern daher Gelegenheit geben,mit Materialien, Ideen, Begriffen, Werkzeugen und Strukturen umzugehen.(Hallmann, in: Fudickar, 1985, S. 107)

Förderung kreativer Denkprozesse

Zur Förderung kreativer Denkprozesse ist es notwendig, daß der Lehrer schöpferische Einfälle lobt, die Schüler dazu anregt,neue Verknüpfungen zwischen Daten zu suchen, zuassoziieren, zu phantasieren, probeweise Lösungen für naheliegende Probleme auszudenken,tolle Vermutungen zuäußern; Ideen, die auf den Ideen anderer aufgebaut sind, zu benutzenund sie in neue Richtungen zu lenken;...Materialien und Begriffe zu neuen und unerwartetenMustern zusammenzufügen.(Hallmann, in: Fudickar, 1985, S. 108)

Ferner muß er die Schüler dazu ermutigen, mit nicht verwandten Ideen zu jonglieren, Theorien, die lächerlich erscheinen, auszuformulieren. Das bedeutet gleichzeitig, daß der Lehrer nicht Fragen stellt, die eine vorherbestimmte Antwort implizieren, sondern solche, die divergente Denkprozesse auslösen und somit vielfältige Lösungen zulassen.

Ermutigung zum ‚overlearn‘

Der Lehrer soll die Schüler dazu ermutigen, daß sie sich mit Informationen, Eindrücken und Bedeutungen in vielen Bereichen sättigen. Somit gewinnt ‚overlearn‘ eine kreative Dimension.

Förderung der intellektuellen Flexibilität

Die Aufgabe des Lehrers besteht darin, die Schüler dazu aufzufordern, Probleme von verschiedenen Sichtweisen aus zu sehen, d.h. die Beobachtungpositionen verändern zu können, Materialien nicht auf eine ‚herkömmliche-tradierte‘ Funktion festzulegen, den Zugang zu Problemen zu variieren. Flexibilität kann dadurch erreicht werden, daß der Lehrer die Schüler ermutigt, sich bewußt von gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnissen zu entfernen, d.h. sich auf eine Linie festzulegen, alte Bedeutungen in neuen Zusammenhängen anzuwenden, neue Bedeutungen bzw. Funktionen für bekannte Materialien zu suchen.

Entwicklung von Sensitivität

Der Lehrer muß dem Schüler Gelegenheit geben,sensitiver gegenüber Stimmungen und Gefühlen anderer, gegenüber allenäußeren Reizen, sozialen, personalen und schulischen Problemen zu werden.(Hallmann, in: Fudickar, 1985, S. 109) Eine Möglichkeit zur Erhöhung der Sensitivität gegenüber Problemen, Personen und Handlungen kann im Unterricht dadurch erreicht werden, daß das Prinzip der Anschaulichkeit stärker berücksichtigt wird.

Ermutigung der Frustrationstoleranz

Der Lehrer muß die Schüler bei der Überwindung von Frustrationen und Fehlschlägen unterstützen. Die Überwindung von Frustrationen ist ein wichtiger Schritt auf dem Wege zur Kreativität.

Ermutigung zur Selbstbewertung

Der Lehrer muß Gruppennormen und standartisierte Tests ablehnen, da sie sich nachteilig auf kreatives Lernen auswirken. Um schöpferisch, eigentätig und selbstverantwortlich zu werden, ist es erforderlich, daß der Schüler lernt, sich selbst zu bewerten und sich nicht ausschießlich von anderen Instanzen bewerten zu lassen.

Der Lehrer sollte sich, was das eigene Agieren angeht,

- um ein Aufschieben des Urteils, im Sinne des deferred judgement bemühen, er darf die forschenden Bemühungen der Schüler nicht durch frühzeitige Ergebnisse oder Lösungen blockieren.Hierzu gehört auch, daßder Lehrer Antworten sammelt, ohne eine Wertungabzugeben. Damit gibt er einer größeren Zahl von Schülern die Möglichkeit, individuelle Lösungen vorzutragen. Die Schüler können dann selbst abwägen, welche Vorschläge dem Thema am angemessensten sind.(Niermann, in: Fudickar, 1985, S. 110)

Ferner sollte der Lehrer Fehler nicht überwerten, er sollte den Schülern vielmehr klarmachen, daß Fehler normal, notwendig, ja sogar nützlich sein können.

- für das richtige Benutzen der Frage einsetzen. Jeder kreative Akt beginnt mit Fragen;

diese müssen jedoch operational, offen und für den Schüler sinnvoll sein, keine vorbestimmten Antworten haben und besonders nicht durch das ‚Aufsagen‘ von Fakten beantwortet werden können.

2) Unterrichtsformen und -methoden

Kreativitätsfördernder Unterricht ist nicht nur abhängig vom Lehrerverhalten, sondern ebenso von den Unterrichtsformen und -methoden, in denen Lernen ‚zugemutet‘ wird. Traditioneller Unterricht geht von der Interaktion zwischen Lehrer und Schüler aus; der Lehrer ist dabei gewöhnlich der gebende und der Schüler der nehmende Partner. Zum Beispiel, beim Frontalunterricht wird der Unterrichtsverlauf vorwiegend vom Lehrer gesteuert, der gemaß der Konzeption des Frontalunterrichts die Hauptrolle spielt bei der Einführung, Problemstellung und Zielangabe. Unter diesem Aspekt ist die Sozialform ‚Frontalunterricht‘ eher kreativitätshemmend als kreativitätsfördernd. Allerdings hat sie ihren berechtigten Platz in der Phase des ‚Hinführens auf ein Problem‘, d.h. bei der Problemstellung, die in den wenigsten Fällen vom Schüler direkt ausgeht, sondern meistens vom Lehrer vorgenommen wird.Ein Problem ist nicht einfach vorhanden, sondern es setzteinen Menschen voraus, der es sieht und genau artikuliert.(Ulmann, in: Fudickar,1985, S. 114)

Lehrer, die vorwiegend mit der Sozialform ‚Frontalunterricht‘ arbeiten und diese Form nicht nur auf die Problemstellungsphase beschränken, geben den Schülern nicht die Möglichkeit, kreatives Verhalten zu entwickeln, da der Schüler zu passivem Verhalten verurteilt wird. Ferner ist diese Methode nicht vereinbar mit der Forderung,daßdie Schule für die Gemeinschaft erziehen soll. Die Methode erlaubt den Schülern in einer Stunde vom Frage-Antwort-Typ nicht zugelassen werden kann.(Arvidson, in: Fudickar, 1985, S. 114) Partnerarbeit

Partnerarbeit stellt ein Verbindungsglied dar zwischen Frontal- und Gruppenunterricht. Jeweils zwei Schüler bilden bei der Partnerarbeit für kurze Zeit eine Arbeitsgemeinschaft. Diese Kleingruppe arbeitet gemeinsam nach von dem Lehrer erteilten Arbeitsanweisungen. Sie hat so die Möglichkeit, innerhalb eines begrenzten Zeitraums eigene Lösungen zu entwickeln. Diese Methode stellt den ‚Grundstein‘ der kreativitätsfördernden Unterrichtsmethoden dar, da sie die Schüler allmählich zu kommunikationsreicheren Arbeitsformen führt und den bewußten Aufbau einer Verselbständigung von Lerngruppen und Schülern ermöglicht.

Gruppenunterricht

Gruppenunterricht hat zwar schon Eingang in die Schulpraxis gefunden; doch wird diese Methode zur Zeit noch von recht wenig den Lehrern angewandt, obwohl die meisten Autoren, die sich mit dieser Sozialform beschäftigen, zu der Auffassung gelangten, daß diese Unterrichtsmethode eine der effektivsten ist. Die Vorteile des Gruppensunterricht im Hinblick auf kreativitätsorientiertes Lernen liegen darin, daß alle Schüler die Möglichkeit haben, sich kommunikativ am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen und so ihre Gedanken zum Ausdruck bringen können. Durch die Vielzahl der Lösungsvorschläge kommt es häufig zu divergierenden Positionen, durch die der einzelne Schüler dazu angehalten wird, diese kritisch zu überprüfen und ohne Einfluß von Kontrolle durch den Lehrer Vorschläge zur Veränderung und Verbesserung zu entwickeln.

Gruppenunterricht kann einen entscheidenden Beitrag leisten

- „zur Erhöhung der Interaktionschancen des einzelnen und somit...zur Förderung

sprachlich gehemmter Kinder,

- zur Entwicklung der Fähigkeit des kritischen Überprüfens von Inhalten und

Gegebenheiten,

- zur Verstärkung produktiver, kreativer Denkprozesse,

- zur Ermöglichung wechselnder Identifikation und zur Entwicklung der Sensibilität für den

anderen.“ (Meyer, in: Fudickar, 1985, S. 118) Projektunterricht

Geht man davon aus, daß die Vielfalt von Verknüpfungsmöglichkeiten eine bedeutende Kategorie kreativer Fähigkeiten ausmacht, so kann man daraus schließen, daß ein Unterricht innerhalb von Fächergrenzen kreativem Denken nicht förderlich ist. Massialas und Zevin zeigten in ihren Unterrichts-Versuchen, daß die Schüler bei der Untersuchung eines Problems Informations- und Lösungswege über Fachgrenzen, -methoden und -strukturen hinweg zusammentrugen.

Projekte sind in ihrer Organisationsform gekennzeichnet durch:

- kooperative Arbeitsformen

- gemeinsame Planung, Durchführung und Auswertung

- Bezugnahme auf Realsituationen

Projekte können entsprechend ihrer Zielsetzung verschiedenen Kategorien zugeordnet

werden:

- Veränderungsprojekte (z.B.Umgestaltung des Schulgebäudes)

- Orientierung- und Erkundigungsprojekte (z.B. Kennenlernen der Schule)

- Forschunsprojekte (z.B. Methoden der Beeinflussung durch Werbung)

- Unterhaltunsprojekte (z.B. Elternabend)

Projekte stellen somit die im Sinne der Erziehung zur Kreativität wohl geeignetste Sozialform des Unterrichts dar. Denn sie sind aufgrund ihrer Konzeption kreativitätsfördernd, weil sie dem Schüler ein optimales Maß an Freiheit und Spontaneität ermöglichen. Außerdem bieten Projekte die Voraussetzungen, daß Schüler mit unterschiedlichen Intelligenzgraden und unterschiedlichen Neigungen die Gelegenheit zur Selbstverwirklichung bekommen. (Vgl.Fudickar, 1985) (Anhang: Kreativitätsfördernde Maßnahmen im Unterricht)

4 Kreativitätshemmende Faktoren in der Schulwirklichkeit

Die Erziehung zur Kreativität muß nach Lowenfeld bereits in früher Kindheit beginnen, d.h.das kreative Tun des Kindes sollte durch keine Verbote, Einschränkungenoder Kritik beschwert werden.(Landau, 1969, S. 28)

Es gibt viele Gründe für traditionelles Verhalten. Dieses manifestiert sich sehr deutlich in den zahlreichen Killerphrasen, mit denen wir oftmals an gefestigten Denkstrukturen festhalten. (Anhang: Kreativitätskillerphrasen)

Aus den Ergebnissen zahlreicher Forschungsprojekte haben sich folgende kulturelle Einflüsse als Hemmfaktoren der kreativen Entfaltung herauskristallisiert:

- Vorzeitige Eliminierung der Phantasie

Kreatives Lernen wird gehemmt, es wird eine Ansammlung von Informationen verursacht.

- Zurückhaltende Operationen

Damit sind die Verbote gemeint,die das Kind von dem Tun abhalten, das für sein Alterungeeignetist(Landau, 1969, S.31)

- Reine Wissensvermittlung

ohne Einsicht in die Zusammenhänge und ohne Anwendung des Gelernten auf die Umwelt.

- Arbeit unter Zeitdruck

Das Auftauchen eines Gedankens kann man nicht unter Zeitdruck erzwingen.

- Sofortige Bewertung der Ideen

Sie beinhaltet die Gefahr, daß aus Angst vor Fehlern keine eigenen Lösungen für Probleme mehr gefunden werden.

Ein generelles Problem in der Hemmung der Kreativität in der Schulwirklichkeit ist die zu große Klassenstärke.

Als optimale Gruppengrößen für kreative Prozeße wurden in zahlreichen Unterrsuchungen Einheiten von 6 - 8 Personen ermittelt. Wenn Erziehung zur Kreativität als wesentlicher Bildungsfaktor akzeptiert würde, müßte daher eine erhebliche Verminderung der Schülerzahl pro Klasse erfolgen.

Eine andere Gegebenheit, nämlich das Fachlehrsystem, wirkt in zweifacher Hinsicht kreativitätshemmend.

Zum einen ist durch die Strukturierung der Unterrichtszeit in feste Einheiten mit häufigem Lehrerwechsel von Stunde zu Stunde die Möglichkeit einer effektiven Durchführung kreativer Prozesse eingeschränkt. Zum anderen ist die praktische Realisierung des für kreativitätsfördernde Maßnahmen bestens geeigneten Projektunterrichts nur fächerübergreifend möglich. Daher müssen im Fachlehrersystem hier zumeist mehrere Lehrer in Kooperation einen Fachlehrersystem Stoffverteilungsplan erarbeiten. Es soll nicht verschwiegen werden, daß die Schüler in einem gutorganisierten Projektunterricht natürlich von den verschiedenen Fachlehrern regelmäßig insgesamt mehr Impulse erhalten als von einem Lehrer.

Zu den sachlichen Gegebenheiten, die kreativitätsfördernden Unterricht hemmen, ist auch die Vorschrift der Notenvergabe zu zählen.

Der exogene Druck, der durch das ständige Streben nach guten Noten auf der Klasse lastet, führt zu einer Konkurrenzsituation, die die Kooperationswilligkeit der Schüler untereinander stark zu reduzieren vermag. Die hierdurch ausgelöste Atmosphäre ist für den Ablauf des kreativen Prozesses störend und oft sogar ’tödlich‘. Noch aus einer anderen Sicht ist die übliche Notenvergabe für die Kreativitätsförderung von Nachteil; sie berücksichtigt nämlich stets nur die Intelligenzleistung der Schüler, nicht jedoch ihre Kreativitätsleistung.

Dieser Umstand hat wohl nicht den Grund, daß die Lehrerschaft die kreative Leistung als wertlos ansieht; vielmehr liegt die Ursache darin, daß sie nach dem heutigen Stand der wissenschaftlichen Forschung über keine geeigneten und statistisch abgesicherten Methoden der Kreativitätsmessung verfügt.

Neben diese sachlichen Hemmfaktoren treten persönliche, sowohl von seiten des Lehrers als auch von seiten der Schüler.

Beim Lehrer kann eine Unwilligkeit zu kreativitätsförderndem Unterricht aus der überzeugten Ablehnung (z.B. Disziplinschwierigkeiten), aus mangelnder Kenntnis der Vorteile für den Lernerfolg stammen.

Andererseits zeigen Schüler, denen kreativitätsfördernde Unterrichtsmethoden unbekannt sind, zu Anfang eine gewisse Abneigung, die vor allem daraus resultiert, daß die Unterrichtssituation von der bisher üblichen abweicht und durch die hohe Kooperationsanforderung die Schüler irritiert.

Diese sicherlich nicht vollständige Aufzählung von möglichen Hemmfaktoren macht deutlich, daß ein großer Unterschied zwischen den grundsätzlichen Beschlüssen der oberen Schulbehörden für kreativitätsfördernde Maßnahmen und ihrer Realisierung in der Schulpraxis besteht. (Vgl. Fudickar, 1985)

5 Zusamenfassung

Um den Ansprüchen einer Gesellschaft, die immer mehr Eigenverantwortung, Lebensbewältigungsstrategien, sowie Kreativität verlangt, gerecht zu werden, sollte ein Paradigmenwechsel in der Ausgestaltung der ,,klassischen" Pädagogik stattfinden. Ein Wechsel in der Auffassung von Kreativität, sowie ein Wechsel hinsichtlich der reinen Leistungsorientierung. (Anhang: Paradigmenwechsel) Es bleibt unumstritten, dass man nur durch Leistung in Beruf und Ausbildung weiterkommt, diese Leistung kann sich aber nicht nur ,,on the job" zeigen, sondern muss schon vorher gefördert werden. Da nicht alle Menschen gleich kreativ agieren und denken können, ist die Annäherung an eine weiter als bisher - also auch auf dem Sektor des öffentlichen Bildungswesens - in die frühkindliche Erziehung reichende Kreativitätsförderung erforderlich. Es zeigt sich einerseits, dass schon früh auf diesen Gebieten geförderte Kinder mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein und Selbstverständnis auftreten. Nimmt man Abstand von althergebrachten Vorstellungen wie z.B. dass Kreativität eine Gabe ist, die nicht jeder Mensch besitzt, oder dass sie einzig und allein mit den Künsten verwoben ist, zeigt sich, daß diesbezügliche Toleranz und Offenheit nicht nur Kindern gut tut, sondern auch ein Stück weit das Selbstvertrauen von Erwachsenen fördern kann.

Der Schritt hin zur Meisterleistung und Genialität ist natürlich den meisten unter uns nicht gegeben, aber indem wir dies zur Kenntnis nehmen, und uns und unseren Kindern nicht auch noch den Druck auferlegen mustergültig und perfekt nach Schema zu funktionieren, ist ein erster wichtiger Schritt getan. Die Anerkennung und Würdigung kindlicher Originalität und Flexibilität muss positiv verstärkt werden, denn der Umgang mit kreativen Erwachsenen ist schließlich Leitbild für die eigene Entfaltung von Interessen, Stärken und Schwächen und Methoden, wie mit unerwünschten, unerwarteten oder unbekannten Situationen umgegangen werden kann.

In allen Berufsgruppen ob Handwerk, Dienstleistungen, High-Tech oder Wissenschaft etc., ist Kreativität die Basis und Wurzel aller Neuerungen des Fortschritts. Wenn gerade Albert Einstein aus voller Überzeugung betonte,Phantasie ist wichiger als Wissen,so macht das deutlich, welchen Stellenwert die persönliche Phantasie und Kreativität jedes Einzelnen neben den ‚neutralen‘ Wissenschaften einnimmt. Das Fachwissen ist ein wichtiger und notwendiger Baustein zur Weiterentwicklung in allen Disziplinen, jedoch keinesfalls hinreichend.

Die entwickelte Kreativität entscheidet darüber, ob ein begabter Mensch (und jeder Mensch ist begabt!) seine Begabung wirklich zur Gestaltung seines eigenen Lebens und des Lebens anderer nutzen kann oder ob er nur die Gedanken und Erfahrungen anderer nachvollziehen kann. Kreativität entscheidet damit über ein selbstbestimmtes oder fremdbestimmtes Leben, über ein erfolgreiches und oft auch über ein glückliches und erfülltes Leben.

Anhang:

Kreativitätskiller

Vermeiden Sie Kreativitätskiller!!!

Hier finden Sie einige ausgesuchte Beispiele für Killerphrasen, die oft jede

Ideenäußerung in einer sozialen Gemeinschaft (Schule) hemmen bzw. unterdrücken.

1. "Ja, aber ...!"

2. "Das steht nicht in den Richtlinien!"

3. "Das dauert doch viel zu lange!"

4. "Das machen meine Schüler nicht mit!"

5. "Wo ist das rechtlich abgesichert?"

6. "Das ist doch gar nicht meine Aufgabe!"

7. "Für meinen Unterricht ist das nicht geeignet!"

8. "Wir sind doch hier nicht im Kindergarten!"

9. "Damit soll sich ein Ausschuss beschäftigen!"

10. "Was sollen denn die Kolleginnen/Kollegen denken!"

11. "Da würden sich meine Schüler weigern!"

12. "Das ist mir zuviel Arbeit!"

13. "Wenn das der Schulleiter erfährt!"

14. "Ich komme schon jetzt mit meinem Stoff nicht durch!"

15. "Wenn das die Eltern/Unternehmer wüssten!"

16. "Meine Schüler brauchen Stoff!"

17. "Das ist mir alles zu unsicher!"

18. "Ich kann das didaktisch gar nicht einordnen!"

19. "Es wird sicher einige Schüler geben, die ...!"

20. "Wie soll ich das denn bewerten?"

Kreativitätsfördernde Maßnahmen im Unterricht

1. Schaffen Sie einen "fehlerfreundlichen" Unterricht.

2. Verbinden Sie theoretische Überlegungen mit alltäglichen bzw. berufspraktischen

Problemstellungen.

3. Schaffen Sie bewertungsfreie Zeiten, Räume und Lernprozesse.

4. Würdigen Sie auch die kleinsten kreativen Einfälle Ihrer Schülerinnen und Schüler.

5. Eigene kreative Ideen sollten Sie sofort in die Tat umsetzen.

6. Stellen Sie möglichst viele Aufgaben/Probleme, für die es mehrere Lösungswege bzw.

Lösungen gibt.

7. Ermutigen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler neue bzw. weitere Lösungswege zu erdenken.

8. Erläutern Sie Ihren Schülerinnen und Schülern, dass bei kreativen Prozessen das Gefühl von Unsicherheit zum Lernen gehört.

9. Sprechen Sie mit Ihren Schülerinnen und Schüler über den Weg, den Sinn und über die umfassende Bedeutung von Kreativität.

10. Fördern Sie die Selbständigkeit Ihrer Schülerinnen und Schüler.

11. Erläutern Sie Ihren Schülerinnen und Schülern, warum manchmal der Weg wichtiger/bedeutsamer ist als das Ziel.

Paradigmenwechsel

1 Der Lehrer steht nicht mehr im Mittelpunkt des Unterrichts.

2 Schüler und Lerninhalt bilden eine Einheit; sie müssen zusammengebracht werden.

3 Es besteht eine direkte Beziehung zwischen Schüler und Lerninhalt.

4 Der Lehrer ist beweglicher, er kann besser beobachten und hat mehr Zeit für "lernschwächere" Schüler.

5 Die Aufgabe des Lehrers besteht u.a. darin, Lernprozesse zu organisieren.

6 Der Lehrer geht nicht mehr bei Bedarf zu den Schülern, sondern die Schüler gehen mit ihren Fragen, Unsicherheiten usw. zum Lehrer.

7 Die Schüler holen sich ihre Informationen bei Gebrauch ("just-in-time-learning").

8 Die Schüler können ihren Lernweg/Lernprozess freier bestimmen.

9 Der Schüler übernimmt Mitverantwortung für sein Lernen.

Literatur:

Arvidson, S.:Demokratiesierung des Schulsystems, in: Meyer, E. (Hrsg.):Gruppenpädagogik zwischen Moskau und New York, Heidelberg 1972

Cropley, Arthur.:Unterricht ohne Schablone - Wege zur Kreativität, Ravensburg 1978

Fudickar, Margrit:Kreativitätstraining und Schule, Erfolgreiche Methoden zur Steigerung der Kreativität am Beispiel eines Unterrichtsversuchs, Essen 1985

Hallmann, Ralph.:Techniken des kreativen Lehrens, in: Mühle, G. und Schell, C. (Hrsg.): Kreativität und Schule, München 1973

Keller, Josef A., Novak, Felix:Kleines Pädagogisches Wörterbuch, Freiburg 1981 Landau, Erika:Psychologie der Kreativität, München 1969

Lenzen, Dieter, (Hrsg.):Theorien und Grundbegriffe der Erziehungswissenschaft Enzyklopädie Band 1, Stuttgart 1983

Lohmann, Jürgen:Kreativität, Persönlichkeit, Erziehung,Trier 1975

Mayer, Frederick:Kreativität - Illusion oder Wirklichkeit, Wien 1979

Seiffge-Krenke, Inge:Probleme und Ergebnisse der Kreativitätsforschung, Bern 1974 Ulmann, Gisela:Kreativität, Neue amerikanische Ansätze zur Erweiterung des Intelligenzkonzeptes, Braunschweig 1975

Wulf, Christoph, (Hrsg.):Wörterbuch der Erziehung, München 1989

12 von 13 Seiten

Details

Titel
Didaktisches Prinzip - Kreativität
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V105736
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktisches, Prinzip, Kreativität
Arbeit zitieren
Hnenna, Oksana (Autor), 2002, Didaktisches Prinzip - Kreativität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105736

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