Neue Medien - Chancen und Risiken computergestützter Kommunikation und Interaktion


Zwischenprüfungsarbeit, 1998
5 Seiten, Note: 2,0

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„ In einer Welt, in der die Umschlaggeschwindigkeit von Neuigkeiten das Tempo von elektronischem Strom erreicht hat, sinkt die Halbwertszeit von Wahrheit mit jedem Tag. “

( Manfred Waffender )

1) „NEUE“ MEDIEN: ZUR TERMINOLOGIE

Anfang der Achtziger Jahre gab es im Medienbereich eine Reihe von Neuerscheinungen, die man unter dem Sammelbegriff Neue Medien zu fassen suchte.

Neue Medien, als Erweiterung der Sinne, sind definitionsgemäß alle die, die sich neuer Technologie bedienen.

Was derzeit an „neuen“ Medien bleibt, sind technische Neuerungen, die sich noch im Versuchs- und Entwicklungsstadium befinden, wobei in einzelnen Fällen absehbar ist, daß sie in naher Zukunft den bereits bestehenden Einzelmedien zugeordnet werden müssen.

2) DER COMPUTER: LEITMEDIUM DER GEGENWART

Heute ist der Computer aus dem Alltag der Menschen in den westlichen Industrienationen nicht mehr wegzudenken. 21% der Erwerbstätigen arbeiten derzeit in Deutschland gelegentlich, weitere 16% primär an computergestützten Maschinen oder Datenverarbeitungsanlagen. 1980 gab es in der Bundesrepublik etwa 120 000 PCs, 1990 mehr als 1,2 Millionen.

- Charakteristische Merkmale des Mediums:

→ die ungeheure Schnelligkeit bei der Durchführung von Rechenoperationen ( Erfas- sen, Verarbeiten, Übermitteln ); derzeit sind das etwa eine Milliarde Rechen- operationen pro Sekunde;

→ die extreme Speicherfähigkeit von Informationen auf engstem Raum und

→ eine praktisch universelle Anwendbarkeit ( Steuern, Regeln, Planen, Entwerfen, Analysieren, Wissen, Informieren, Spielen, Lernen, Sehen, Sprechen, Schreiben, Übersetzen etc. ).

Mittlerweile ist der Computer als „universaler Rechenknecht“ ( Bolz ) schon lange kein „neues“ Medium mehr; interaktive und virtuelle Aspekte, sowie neue Kommunikationsverhälnisse stehen im Fokus der neuesten Entwicklung - der Computer wird zum organisierenden Zentrum eines umfangreichen Medienverbundes.

Unverächtliche Abfallprodukte dieser Entwicklung sind die phantastischen Techniken kommunikativer Darstellungen, die man Hypetext und Cyberspace nennt.

In der technischen Wirklichkeit der neuen Medien ist der Mensch nicht mehr Souverän der Daten, sondern wird selbst in Feedback-Schleifen eingebaut. Der Mensch ist nicht mehr Werkzeug-Benutzer sondern Schaltmoment im Medienverbund. ( Bolz )

- Anwendungsbereiche:

→ Multimedia/Hypermedia:

„ Mit Multimedia auf der Datenautobahn in die Informationsgesellschaft. Stärker l äß t sich die derzeitige ( politische ) Programmatik wohl nicht mehr verknappen. ( Riehm, 1996 ) Multimedia steht in dieser Kombination für „medienreiche Dokumente“, die Datenautobahn für „Hochgeschwindigkeitsnetze“ und die Infor- mationsgesellschaft für das Gesamtsystem aus technischer Infrastruktur, Kom- munikationsmodell und Selbstverständnis dieser Gesellschaft. PRISMA- MODELL ( Riehm ):

- Vorderseite: Computer
- Links: Medien
- Rechts: Interaktion
- Rückseite: Telekommunikation
- Grundfläche: Nutzer

Multimedia meint generell den gleichzeitigen Einsatz unterschiedlicher Medien und Präsentationsformen ( Video, Text, Ton, Graphik, Animation ) und jeweils verschiedene Gerätekomponenten ( PC, CD-Rom-Laufwerk, Bildplatte, Sound- und Videokarte ).

Hypermedia, das neueste technische Konglomerat, ist im Grunde nur ein anderes Wort für das „alte“ Multimedia, allerdings unter dem Vorzeichen ganz neuer Tech- nologien, vor allem optischer Speicher und der Betonung des Interaktiven. ( Faulstich, 1995 )

→ Virtuelle Realität - Wirklichkeiten & Visionen im Cyberspace: ( „Virtual Reality is the next hot medium !“ )

„ Die Druckmedien und das Radio erzählen. Die Bühne und der Film zeigen. Der Cyberspace verkörpert. “ ( Randal Walser )

Virtuelle Realität ( „Hyperrealität“, „Cyberspace“ ) meint computergestützte oder computergenerierte Bilderwelten, in die sich der Mensch mit speziellen Hilfs- Mitteln ( Brille, „Data-Glove“, „Data-Suit“ ) hineinbegeben kann. Dabei werden alle menschlichen Sinne - derzeit noch mit Ausnahme von Geruchs- und Ge- schmackssinn - auf die ausschließliche Wahrnehmung von künstlich erzeugter Wirklichkeit konzentriert. Für manche ist es eine visionäre Droge, für andere ein effizientes Werkzeug zur visuellen Erschließung komplexer Systeme. Der Arzt kann sich Damit auf eine Operation vorbereiten, der Architekt seinen Bauherrn noch vor Dem ersten Spatenstich durchs neue Haus führen.

→ Logged In: Kommunikation im Internet

Das Internet ist keine Organisation und auch kein kommerzielles Unternehmen. Es hat keine Zentrale und unterliegt ( bisher ) keiner amtlichen Kontrolle. Erstaunlicherweise ging dieses anarchische Kommunikationsmittel ausgerechnet aus militärischer Forschung hervor ( ARPA-net, 1969 ). So entstand Ende der 70er bis Anfang der 80er Jahre ein Netz der Netze: das Internet.

Mittlerweile nutzen 160 Millionen Menschen diesen Kommunikationsdienst für die unterschiedlichsten Zwecke, monatlich wächst das Internet um 16%: Electronic Shopping, Electronic Banking, Telefon-und Faxverkehr, Werbezwecke, Informationsbeschaffung, globale Kommunikation, . . .

- Senden und Empfangen elektronischer Briefe ( E-Mails )
- Lesen „Schwarzer Bretter“ zu bestimmten Themen ( Newsgroups )
- Teilnahme an fachlichen Diskussionsforen ( Listservers )
- Abruf und Bereitstellung von Dateien ( FTP )
- Einloggen bei Rechnern in aller Welt ( Telnet )
- Suchen von Information mit Hilfe von Navigationsprogrammen (Lycos, AltaVista, . . . )
- WWW ( Hypertexte, durch Querverweise vernetzt; URL;HTML; Hypermedia )

→ Virtuelle Gemeinschaften:

„ Die Jäger und Sammler des Informationszeitalters waren einsame Wölfe, bevor sie das Netz fanden. “ ( Howard Rheingold )

Virtuelle Gemeinschaften gehen aus einer überraschenden Verknüpfung von Menschlichkeit und Technologie hervor. Wie wir an der Geschichte des Telefons, des Radios und des Fernsehens sehen konnten, können Menschen neue Medien an- nehmen und ihre Lebensweise in erstaunlicher Geschwindigkeit verändern. Virtuelle Gemeinschaften sind Aggregate, die dann entstehen, wenn genug Menschen oft genug im Cyberspace aufeinanderstoßen. Die Art und Weise, in der Menschen CMC benutzen, wird immer in den menschlichen Bedürfnissen ver- wurzelt sein, und nicht in Hardware oder Software. Ein Nebeneffekt des Ent- wicklungskurses der Telekommunikation und der Computerindustrie, wie er für die nächsten zehn Jahre vorausberechenbar ist, ist das Potential für soziale Ver- änderungen. Das Zeitalter der online-Pioniere wird bald zuende gehen, und die Cyberspace-Siedler werden in Massen kommen. CMC wird uns und auch unsere Kultur in einer Weise verändern, wie Telefon, Fernseher und billige Videokameras es getan haben, indem sie unsere Wahrnehmungs- und Kommunikationsweisen verändert. Die Tatsache, daß Menschen CMC benutzen wollen, um andere Menschen zu treffen und um mit der eigenen Identität zu experimentieren, sind Jedenfalls wertvolle Wegweiser in eine mögliche Zukunft.

WELL ( Whole Earth ‚ Lectric Link; Konferenz-Systrem mit weltweiten Zugangs- Punkten )

- Problematik:

Viele Theoretiker und Praktiker betrachten die Mensch - Maschine - Schnittstelle nach wie vor als das bislang ungelöste zentrale Problem des Mediums Computer.

Obwohl Computer schneller als Menschen und andere Maschinen arbeiten und weniger fehlerhaft, zuverlässiger, arbeitssparender, kostengünstiger sowie der modernen Entwicklung angepaßt sind, dürfen die Nachteile des Mediums nicht übersehen werden.

Computerkriminalität ( Wirtschaftliche Schäden )

Die rapide Ausbreitung der computergestützten Informations- und Kommunikationssysteme hat nämlich gleichzeitig ein erhebliches Anwachsen der damit verbundene Mißbrauchsmöglichkeiten zur Folge.

Mit ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen hat sich die Computerkriminalität zwischenzeitlich zu einer herausragenden Deliktgruppe innerhalb der polizeilichen Kriminalitätsstatistik entwickelt. In keinem anderen Straftatenbereich sind die jährlichen Steigerungsraten derart hoch. Nach einer Verlautbarung des Bundesministers des Innern vom Februar 1996 hat sich die Computerkriminalität innerhalb eines Jahres verdoppelt. Dabei ist davon auszugehen, daß lediglich ein geringer Teil der auf diesem Sektor verübten Straftaten überhaupt publik wird. Ein herausragendes Spezifikum der Computerkriminalität liegt nämlich nicht zuletzt in der extrem hohen Dunkelziffer von bis zu 85%. Strafrechtliche bzw. technische Gegenmaßnahmen vermögen mit dieser Entwicklung kaum Schritt halten. Besonders umstritten ist derzeit die strafrechtliche Verantwortlichkeit von Online - Dienste - Anbietern ( Providern ), die Zugang zu Netzen wie etwa dem Internet ermöglichen.

Der Schwerpunkt der Computerkriminalität liegt seit eh und je im Bereich der verschiedenen Betrugsarten; insbesondere der Mißbrauch gestohlener EurochequeKarten an Geldausgabe- und Kassenautomaten spielt hier eine wesentliche Rolle. Die stärkste Zuwachsrate war im Jahr 1994 allerdings beim „Ausspähen von Daten“ ohne nachrichtendienstlichen Auftrag zu verzeichnen. Diese Entwicklung liegt offensichtlich im internationalen Trend. So sind nach einer aktuellen Studie aus den USA über 90% aller amerikanischen Unternehmen bereits einmal Opfer von Computerstraftaten geworden. Allein die durch Hackerangriffe verursachten Schäden werden weltweit auf 800 Millionen Dollar geschätzt.

„ Im Grundsatz bleibt festzuhalten, daßdas Mißbrauchsrisiko und dabei insbesondere auch die Ausspähungsgefahr beim Betrieb von DV-Anlagen als unverhältnism äß ig hoch zu bewerten ist. “ ( Bundesministerium für Wirtschaft )

Human-Verträglichkeit ( Soziale Auswirkungen ):

Zu was für Menschen werden wir in einer durch den Computer vermittelten Welt werden ? Werden wir diese Veränderungen irgendwie kontrollieren können ? Wer schützt die Privatsphäre von Individuen gegenüber Technologien, die es ermöglichen, detaillierte persönliche Informationen über jedes Mitglied einer großen Bevölkerung anzuhäufen und abzurufen ?

„ Wir können uns das Blaue vom Himmel simulieren und dürfen, nein: müssen es für echt halten. Der Unterschied zur Geisteskrankheit besteht darin, daßsich andere Leute per Knopfdruck dazuschalten können und es für genauso echt halten werden. Was damit auf dem Spiel steht, darf sich jeder selbst ausmalen oder, wie es in deröffentlich-rechtlichen Nullsprache heiß, ‚ Chancen und Gefahren abwägen ‘ . ( Micky Remann )

„ Die künftigen Generationen werden die Frage nach dem denken so wenig wie die nach der Freiheit stellen: sie werden gleichsam an ihren Sitzen festgeschnallt, das Leben wie einen Luftraum durchqueren. . . Der virtuelle Mensch, reglos vor seinem Computer, macht Liebe via Bildschirm und seine Vorlesungen per Telefonferenz. Er wird zum motorisch und wohl auch zelebral Behinderten - der Preis, den er zahlen muß, um operational zu werden. Wie Brillen oder Kontaktlinsen eines Tages zu integrierten Prothesen einer Gattung werden, die den Blick verloren hat, so wird einst - kann man befürchten - die künstliche Intelligenz samt technischem zubehör die Prothese einer Gattung werden, der das denken abhanden gekommen ist. “ ( Jean Baudrillard )

„ Je mehr man von einer Sache versteht, desto mehr versteht man auch, was man noch nicht versteht - und das erhöht den Respekt. “ ( Karl Sims )

Literatur:

- BOLZ, Norbert u.a. ( Hrsg. ) ( 1994 ):

Computer als Medium.

Wilhelm Fink Verlag, München

- BRÖSSLER, Daniel ( 1995 ):

Zeitung und Multimedia: Was Leser

und Journalisten erwartet - Visionen aus Amerika.

KoPäd Verlag, München

- FASSLER, Manfred/HALBACH, Wulf R. ( Hrsg. ) ( 1994 ):

Cyberspace: Gemeinschaften, Virtuelle Kolonien, Öffentlichkeiten

Wilhelm Fink Verlag, München

- FAULSTICH, Werner ( 1995 ): Grundwissen Medien.

Wilhelm Fink Verlag, München

- RIEHM, Ulrich/WINGERT, Bernd ( 1996 ):

Multimedia: Mythen, Chancen und Herausforderungen.

Bollmann, Mannheim

- WAFFENDER, Manfred ( Hrsg. ) ( 1993 ):

Cyberspace: Ausflüge in virtuelle Wirklichkeiten.

Rowohlt, Reinbek

- Computerspionage: Risiken und Prävention ( 1998 ):

Bundesministerium für Wirtschaft ( Hrsg. ), Bonn

- Die Informationsgesellschaft: BMWi Report ( 1997 )

Bundesministerium für Wirtschaft ( Hrsg. ), Bonn

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Neue Medien - Chancen und Risiken computergestützter Kommunikation und Interaktion
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Veranstaltung
Zwischenprüfung
Note
2,0
Autor
Jahr
1998
Seiten
5
Katalognummer
V105814
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neue, Medien, Chancen, Risiken, Kommunikation, Interaktion, Zwischenprüfung
Arbeit zitieren
Nicole Hahne (Autor), 1998, Neue Medien - Chancen und Risiken computergestützter Kommunikation und Interaktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105814

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