Globalisierung als Chance für Wohlstand und Arbeitsplätze


Hausarbeit, 2001

24 Seiten, Note: 2+ (gut)


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Gliederung

1 Einführung
1.1 Eingrenzung des Begriffs „Globalisierung“
1.2 Historischer Abriss

2 Formen und Gründe der Globalisierung

3 Gefahren aus Sicht der Globalisierungsgegner

4 Auswirkung der Globalisierung auf den Wohlstand
4.1 Wirtschaftswachstum als Ziel
4.2 Klassische Sicht der Arbeitsteilung
4.3 Die Heckscher-Ohlin-Theorie
4.4 Das Leontief-Paradoxon und der Einfluss von Humankapital

5 Auswirkung der Globalisierung auf Arbeitsplätze
5.1 Die Drei-Sektoren-These
5.2 Auswirkungen der Globalisierung auf den Arbeitsmarkt
5.2.1 Zuspitzung der Probleme
5.2.2 Funktionsfähigkeit als Voraussetzung
5.2.3 Zunahme des Weltarbeitsmarktangebots
5.2.4 Die Rolle der Direktinvestitionen
5.3 Modell Niederlande

6 Schlussbemerkungen

1 Einführung

1.1 Eingrenzung des Begriffs „Globalisierung“

Das Wort „Globali si erung“ stammt von „global“ ab, welches ein Syn- onym für „weltumspannend“, „umfassend“1ist. Mit dem Begriff der Glo- balisierung bezieht man sich in der aktuellen Diskussion in den Wirt- schaftswissenschaften auf die Erscheinungen, dass sich der weltumspan- nende Handel zwischen den einzelnen Nationen immer weiter ausdehnt (das Welthandelsvolumen steigt schneller als die Menge an weltweit produzierten Gütern, d.h., der Austausch zwischen den einzelnen Län- dern muss sich in Relation zur wachsenden Produktion stärker ausdeh- nen) und die einzelnen Märkte dadurch zusammenwachsen und sich somit eine internationale Verflechtung herausbildet. Diese Erscheinungen erwecken den Anschein, dass die Welt mit ihren über sechs Milliarden Menschen zu einem „globalen Dorf“ zusammenschrumpft und Entfer- nungen keine Rolle mehr spielen.

Trotzdem kann der Begriff nicht einheitlich umschrieben werden, vor al- lem, da er sich noch in der aktuellen Diskussion entwickelt. So verlangt beispielsweise Shintaro Ishihara, Gouverneur von Tokio, „die USA sollten damit aufhören, der übrigen Welt ihre Version der Globalisierung aufzu- zwingen.“2Diese Aussage macht deutlich, dass die Wirtschaftspolitik sich nicht mehr autark nur auf die innerstaatliche Sichtweise der Dinge be- schränken kann, sondern besonders die Einflüsse von außen beachten muss.

Die Globalisierung wird auch als Chance angesehen, den Entwicklungsländer endlich die Möglichkeit zu eröffnen, zu den reichen Industrienationen aufzuschließen, nachdem die Strategie der sogenannten Importsubstitution als gescheitert angesehen werden muss.3

1.2 Historischer Abriss

Die Erscheinungsformen der Globalisierung sind nicht neu. Schon in der frühzeitigen Menschheitsgeschichte lassen sich vielfältige Aspekte finden: Die große Ausdehnung des Römischen Reiches führte zu einem beacht- lichen Handelsvolumen sowohl innerhalb seiner Grenzen als auch über diese hinaus. Mit der Entdeckung von Amerika durch Christoph Kolumbus 1492 begann der Handel zwischen der Alten und der Neuen Welt. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges konnte man im Zuge der industriellen Revolution und des Kolonialismus eine beachtliche Steigerung des Welt- handelsvolumens beobachten. Danach setzte zunächst eine Zeit des Protektionismus und der Isolation ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das System von Bretton Woods mit dem zentralen Ziel der Förderung des Welthandels gegründet4, wobei feste Wechselkurse zur Stabilisierung des Systems vorgesehen waren. Weiterhin wurden in mehreren Runden im Rahmen des General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) die Han- delsschranken zuletzt auch für Dienstleistungen abgebaut. Das GATT ba- siert auf mehreren Grundprinzipen: Liberalisierung, Nichtdiskriminierung, Reziprozität (dies „bedeutet, dass die Vertragsparteien sich gegenseitig den Marktzugang einräumen“5), Inländerbehandlung (ausländische Produkte sowie Investoren sind wie Inländer zu behandeln) und Meistbe- günstigung.6Seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems Mitte der 70er Jahre spricht man dann von Globali si erung als Erscheinungs- form des modernen Wirtschaftens. Im Gegensatz zu früher sind hierbei das Ausmaß und die Dynamik neu7: Nicht nur Kaufleute, sondern fast je- der Mensch wird auf die ein oder andere Art von der Globalisierung tan- giert: Durchs Surfen im Internet, Essen von neuseeländischen Kiwis, Urlaub in fernen Länder oder Dienstreisen nach Südafrika und New York.

2 Formen und Gründe der Globalisierung

Globalisierung ist nicht urplötzlich entstanden, sondern ein Prozess, wel- cher aus den Entscheidungen der einzelnen Beteiligten (also Staat, Un- ternehmen, usw.) resultiert. So haben z.B. die Maßnahmen des Staates zur Liberalisierung und Deregulierung enorme Auswirkungen auf die Wirt- schaft und das Wachstum und somit direkten Einfluss auf den Wohlstand. Dabei versteht man unter angebotsorientiertem Wirtschaftswachstum Folgendes: „Es ist nichts anderes als Ausdruck der Tatsache, dass die Menschen ständig versuchen, etwas anders, etwas besser zu machen als bisher. Wachstum ist keine staatliche Veranstaltung, sondern das Ergeb- nis dieser unzähligen Bemühungen der Menschen.“8Als Folge lässt sich einebeschleunigteEntwicklung durch den Abbau von Handelsschran- ken (wie z.B. Zöllen), die steigende Mobilität von Produktionsfaktoren und den Fortschritte in der Transporttechnik beobachten.9Somit ist also der internationale Handel die deutlichste Triebkraft hinter der Globalisierung, jedoch spielen die Direktinvestitionen ebenfalls immer unverkennbarer eine wichtige Rolle. Außerdem lassen sich Tatbestände beobachten wie die Internationalisierung desKapitalmarktesmit einer deutlichen Zunah- me der Kapitaltransfers zwischen den Ländern, die Vergrößerung der in- ternationalen Wanderungsbewegungen, weltweite Muster des Massen- konsums oder des Massentourismus und eine zunehmende Vernetzung durch die weltweite Kommunikationstechniken10, bedingt durch Innova- tionen im Bereich der Mikroelektronik, der Telekommunikation sowie Me- thoden zur Gewinnung, Übertragung und Speicherung von Informatio- nen. „Die Geschwindigkeit der Marktreaktionen nimmt mit der Ge- schwindigkeit der Transportmittel und der Informationsübertragung zu.“11

3 Gefahren aus Sicht der Globalisierungsgegner

SogenannteGlobalisierungsgegnerbetonen die R i s i k e n aus der Ent- wicklung eines „Hyperkapitalismus“ oder eines „Raubtierkapitalismus“12. Sie machen auf Versammlungen wie dem World Economic Forum im schweizerischen Davos oder Tagungen des Internationalen Währungs- fonds durch Demonstrationen auf ihre Bedenken aufmerksam. Insbeson- dere befürchten sie eine Diktatur von einzelnen gewinnmaximierenden „Global Players“13(internationalen Multikonzernen), so dass eine nationa- le Wirtschafts- und Finanzpolitik keine Chance mehr hat, etwas Wesentli- ches in einem Land zu verändern.14Auch befürchten sie einenUnterbie-tungswettbewerbim Bereich der Steuern, der Umweltschutzauflagen und der sozialen Standards. Ein reiner Darwinismus im Bereich der Wirt- schaft mit dem Ziel des „Survival of the Fittest“ kann in ihren Augen nur unsozial sein und besonders die Armen und Wehrlosen benachteiligen. Man spricht hierbei von einer „Brutalisierung der sozialen Verhältnisse“15. Auch würde die Globalisierung in ihrer jetzigen Form weiterhin zur Aus- beutung der Entwicklungsländer beitragen. Diese „verspüren die Kehrsei- te der Globalisierung, vor allem ihre ökonomische und politische Margi- nalisierung. Diesen Ländern fehlt das Potenzial und die technologische Leistungsfähigkeit, um mit industriell oder handwerklich gefertigten Gü- tern an den Weltmärkten Erfolg zu haben.“16

Um Genaueres über die Auswirkungen der Globalisierung sagen zu können, muss die Debatte entemotionalisiert und auf ihre wirtschaftswissenschaftlichen Grundannahmen zurückgeführt werden, um logische Aussagen machen zu können. Dies wird im Folgenden versucht.

4 Auswirkung der Globalisierung auf den Wohlstand

4.1 Wirtschaftswachstum als Ziel

Ein angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum ist bereits im deut- schen Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirt- schaft von 1967 als eines von vier Zielen der Wirtschaftspolitik zur Steige- rung des gesellschaftlichen Wohlstands verankert. Ein Grund für die Fest- schreibung ist die Tatsache, dass in den hochentwickelten Ländern seit Mitte der 60er Jahre das Wachstum in kleineren Raten als früher vor sich geht.17Begründet wird dieses Ziel des Wachstums damit, dass sich gera- de erst aus dem Wachstum heraus „der Lebensstandard der Bevölke- rung erhöht und Arbeitsplätze geschaffen werden, soziale Konflikte bes- ser zu lösen sind, der Strukturwandel erleichtert wird und mehr Geld für neue Aufgaben wie Umweltschutz und Entwicklungshilfe zur Verfügung steht.“18

4.2 Klassische Sicht der Arbeitsteilung

Wachstum ist also die Voraussetzung für Prosperität, welche auf einem größeren Markt bereits nach Adam Smith ein entscheidender Faktor für die Entstehung von Wohlstand durch zunehmendeArbeitsteilungist.19Hierbei kommt das Prinzip der komparativen Vorteile ins Spiel: Demnach ist es für Menschen in einer Gesellschaft sinnvoll, wenn sie sich auf dieje- nigen Tätigkeitenspezialisieren, die sie relativ gut beherrschen,anstattzu versuchen,allebenötigten Güterselbst herzustellen. Sie haben also in einigen Gebieten einen komparativen Vorteil gegenüber ihren Mitmen- schen, weil sie etwas schneller oder billiger herstellen können. Aufgrund dieser Arbeitsteilung produzieren die Menschen über ihren Eigenbedarf hinaus Güter. Den Überschuss bieten sie auf einem freien Markt an, wo es zum üblichen Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage kommt. Für

die Menschen ist der dort erzielte Preis einerseits eine gerechte Entloh- nung und andererseits ein Anreiz, fleißig möglichst viele Sachen anzubie- ten, um so ein hohes Einkommen zu erzielen, was den Güterbestand ei- ner Gesellschaft optimal vermehrt. Zugleich wird diese Gütermenge durch die faire Preisfindung auf dem Markt ideal verteilt, weil sie zum Ort des größten Bedürfnisses geleitet wird, da dieser den höchsten Preis be- zahlt, was man insgesamt als produktive Effizienz bezeichnet.20

Das Prinzip der komparativen Vorteile giltunabhängig von der Größe der betrachteten Gesellschaft. Ob sich die Arbeitsteilung innerhalb eines Dorfes, zwischen Stadt und Land oder innerhalb eines Staates zwischen den Regionen vollzieht, ist dabei unerheblich. Sobald sich die Wirtschafts- einheiten auf bestimmte Produktionen spezialisieren, die dann in größerer Serie für den Weltmarkt gefertigt werden, erhöht sich die gesellschaftli- che Wohlfahrt.21

David Ricardo hat Anfang des 19. Jahrhunderts anhand des mittlerweile berühmt gewordenen Beispiels von England (lieferte z.B. Wolle) und Por- tugal (lieferte Wein) gezeigt, dass die Wohlfahrtssteigerung durch Arbeits- teilung auch international gilt, wobei die Anpassungsreaktionen von Geldmengen und/oder des Wechselkurses dafür sorgen, dass auch Län- der miteinander handeln können, deren Produktivitäts- und Lohnniveaus stark unterschiedlich sind. Wenn sich beide Länder entsprechend ihrer komparativen Vorteile spezialisieren, erreichen sie als Gruppe ein höhe- res Niveau an materieller Güterversorgung, als wenn jedes Land alle Gü- ter selbst produziert22, wodurch am Ende auch mehr Güter zur Auswahl stehen. Durch den Außenhandel erhöht sich das Bruttoinlandsprodukt des exportierenden Landes, da mehr Güter erzeugt werden, wodurch mehr zusätzliche, relativ hoch entlohnte Arbeitsplätze geschaffen wer- den und höhere Unternehmensgewinne über die Wertschöpfungskette die Faktoreinkommen steigen lassen. Der vermehrte Wettbewerb mit an- deren Anbietern führt schließlich auch zu einer größeren Vielfalt, da die „beteiligten Länder offenbar aus ihrer Trägheit“23gerissen werden und die Konkurrenten auf der Unternehmensseite vermehrtinnovative Pro-duktvariationen anbieten undVeränderungen im Produktionsprozess vornehmen, um sich dem direkten Konkurrenzkampf durch Besetzung von Marktnischen zu entziehen. Durch die wachsenden Importe können relativ aufwendig hergestellte Inlandsprodukte ersetzt werden, und diese Kostenersparnis führt zu einem Wachstum des Realeinkommens und da- mit zu einer Erhöhung des gesellschaftlichen Wohlstands.

Durch die Globalisierung wird also ein Druck zur Überwindung „eingefah- rener Verhaltensmuster und verkrustete Strukturen“24erzeugt. Außerdem verbessert sie die Allokation der vorhandenen Produktionsfaktoren, wo- durch letztendlich bessere oder vielfältigere Güter erzeugt werden kön- nen.

4.3 Die Heckscher-Ohlin-Theorie

Die bisherigen Erkenntnisse werden nun im Heckscher-Ohlin-Theorem zusammengefasst:„Ein Land hat in dem Gut einen komparativen Vorteil,das für seine Produktion den im Land relativ reichlicher vorhandenenFaktor relativ intensiv verwendet.“25

Die Auswirkungen der internationalen Arbeitsteilung lassen sich exempla- risch an zwei zunächst autarken Ländern zeigen, die vereinfachend an- genommen über nur zwei Faktoren zur Produktion (Arbeit und Kapital) von nur zwei Gütern verfügen und nun beginnen, gegenseitig Waren auszutauschen.

Land 1 verfügt hierbei über einen relativ hohen Anteil an Arbeit L, wes- halb das Lohn-Zins-Verhältnis relativ niedrig ist, da der knappe Produkti- onsfaktor Kapital relativ höher entlohnt wird im Vergleich zum relativ häufiger angebotenen Faktor Arbeit, während Land 2 dagegen reichlich mit Kapital K ausgestattet ist. In beiden Ländern werden zunächst ein kapitalintensives Produkt X mit X = a * K und ein arbeitsintensives Pro- dukt Y mit Y = b * L hergestellt. Weiterhin sei annähernd alles gleich, also die Präferenzen der Menschen stimmen überein, die Produktionsfunktio- nen sind gleich, die Produktionsfaktoren innerhalb eines Landes voll- kommen mobil, die Märkte zeichnen sich durch freie und vollständige Konkurrenz aus, usw. Ein veränderter Einsatz der Produktionsfaktoren in gleicher Proportion wird den Output der Produktion genau in dieser Pro- portion verändern (dies bezeichnet man alskonstante Skalenerträge).26Aus den gesetzten Annahmen ergibt sich nun, dass die Unternehmen aufgrund der auf langfristige Sicht ausgeschlossenen Gewinnerzielungs- möglichkeiten nur die Grenzkostenpreise verlangen27, für die sich ergibt: pX = r / a und pY = w / b mit r für den realen Zinssatz und w für den Ar- beitslohn.

Nach dem Zweiten Gossenschen Gesetz müssen sich jetzt das Verhältnis der Güterpreise und das Verhältnis der Grenznutzen (beschrieben durch die Ableitung der Nutzenfunktion U = x * y) entsprechen. Daraus ergibt sich für jedes Land i = 1, 2 Folgendes:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Allein von der vorhandenenAusstattung mit Produktionsfaktorenhängen also dieFaktor- und Güterpreisverhältnissedirekt ab. Da nun Land 1 über reichlich Arbeit verfügt, hat es einen komparativen Preisvorteil bei der Herstellung des arbeitsintensiven Gutes Y und wird sich daher auf dessen Produktion spezialisieren.

Nehmen nun die beiden Länder gegenseitigen Handel auf, so werden sich die Güterpreisverhältnisse zunächst aneinander angleichen, welche von der durchschnittlichen gemeinsamen Faktorausstattung der Länder bestimmt werden. Land 1 wird nun das kapitalintensive Produkt X impor tieren, da es von Land 2 billiger hergestellt wird. In Land 2 freut man sich dagegen über einen sinkenden Preis des arbeitsintensiven Gutes Y. Dieses wird von Land 2 daher aber auch relativ weniger hergestellt. Diese Einbußen im Realeinkommen werden aber durch den vermehrten Export des anderen Gutes mehr als kompensiert. In beiden Länder kommt es also zu Spezialisierungen, die letztendlich (gesamt betrachtet) eine steigende Wohlfahrt zur Folge haben.

Erhöht sich nun im Falle des Freihandels der Relativpreis des arbeitsinten- siven Gutes Y, wird dieser Anstieg nach dem sogenannten Stolper- Samuelson-Theorem „den Lohnsatz relativ zu beiden Güterpreisen erhö- hen und den Zins relativ zu beiden Güterpreisen senken“28, so dass sich in Land 1 das Realeinkommen der Arbeit erhöht und das des Kapitals sinkt. Somit gewinnt das Land 1 aus dem Handel mit Land 2, da es über den reichlicher vorhandenen Faktor Arbeit profitiert. Zur Abrundung dieses auf die Heckscher-Ohlin-Samuelson-Theorie erweiterten Modells gehört noch die Aussage des Rybczynski-Theorems: „Zu konstanten Preisen wird ein Anstieg einer Faktorausstattung den Output des Gutes in höherer Proportion erhöhen, das zu seiner Produktion diesen Faktor intensiv ein- setzt und den Output des anderen Gutes senken.“29Also hat wirtschaftli- ches Wachstum, das den Kapitalstock eines kapitalreichen Landes er- höht, zur Folge, dass sich die Importnachfragekurve dieses Landes nach außen verschiebt.

4.4 Das Leontief-Paradoxon und der Einfluss von Humankapital

Wassily Leontief untersuchte Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts die Richtigkeit des Heckscher-Ohlin-Samuelson-Modells anhand der USA, welche als kapitalreiches Land relativ mehr kapitalintensive Produkte ex- portieren sollten. Jedoch fand Leontief in aufwendigen Untersuchungen und Berechnungen paradoxerweise heraus, dass die USA gerade umge- kehrt als erwartet eher kapitalintensive Güter importieren als ausführen.

Eine mögliche Erklärung dieses Phänomens besteht in der mangelnden Berücksichtigung der Investitionen in Bildung und Ausbildung, also des Humankapitals. Daher wandelt man nun das Modell ab und versucht, den sogenanntenNord-Süd-Handelzwischen den Industrieländern im Norden der Erde und den überwiegend im Süden liegenden Entwicklungsländern mit in das Modell einzubinden:

Der Faktor Arbeit lässt sich besser nach der Technologie in die zwei Pro- duktionsfaktoreneinfache ArbeitundHumankapitalaufteilen, womit nun ein hoch technisiertes Produkt, zu dessen Produktion nur Humankapital gebraucht wird, und ein einfaches Massenprodukt hergestellt werden können. Das reichlich vorhandene Kapital wird besonders zum Ausbau des Faktors Humankapital verwendet, also zur Schulung und Bildung. Somit sind die amerikanischen Produkte eher humankapitalintensiv her- gestellt, so dass letztendlich wieder mehr arbeitsintensive Güter erzeugt und exportiert werden.

Nun verteilt sich die durch internationale Arbeitsteilung steigende Wohl- fahrt sehr ungleich auf die Produktionsfaktoren.30Die Länder spezialisie- ren sich wieder auf die Produktion des Gutes, über dessen Faktor sie reichlich verfügen, wobei sich durch ein zusätzliches Arbeitsangebot „ei- ne Relativpreisänderung zuungunsten des arbeitsintensiv produzierten Gutes“31einstellt und eine Preiserhöhung für das High-Tech-Produkt zu einer Verbesserung der Terms of Trade des reichlich mit Humankapital versorgten Landes 2 führt. So gesehen scheinen die Entwicklungsländer durch die internationalen Arbeitsteilung doch nicht zu gewinnen. Dage- gen spricht andererseits die Vermutung, dass „die in der wirtschaftlichen Entwicklung aufschließenden Länder die sich aus ihrer Faktorausstattung ergebenden komparativen Kostenvorteile konsequent nutzen wollen.“32Weiterhin kann die Annahme von vollkommenen Märkten in Frage ge- stellt werden, da im Wirtschaftsgeschehen eher vonunvollkommenen Märkten ausgegangen werden muss, so dass auf diesen nur einige we- nige Industriezweige temporäre Monopolgewinne realisieren.33Nun kann eine Regierung durch eine strategische Handelspolitik versuchen, ver- mehrt solche Unternehmen mit hohen positiven externen Effekten und hohen Skalenerträgen ins eigene Land zu holen, um somit durch über- proportional hohe Außenhandelsgewinne den Wohlstand der gesamten Volkswirtschaft zu steigern. Auch dadurch würde es also deutlich Gewin- ner und Verlierer der internationalen Arbeitsteilung geben. Jedoch muss man nun beachten, dass „durch die Globalisierung Monopolpositionen aufgebrochen werden, weil es vermehrt auch Marktpartner jenseits der Grenzen gibt, die eine Alternative zu den bisherigen inländischen Anbie- tern oder Nachfragern darstellen. Wettbewerb schafft Markteffizienz, er- höht über den Druck zu Kostensenkungen die Produktivität, spornt zur technischen Verbesserung der Produkte an und verbessert die Marktren- te.“34Globalisierung ist „eine mächtige Triebfeder des institutionellen Wandels, ... [durch die] nicht mehr haltbare Marktzugangsbeschränkun- gen fallen.“35

Zu bemerken bleibt noch, dass die modellhafte internationale Arbeitstei- lung sich in Realität grob auf zwei Ebenen vollzieht: Zum einen innerhalb von Freihandelszonen und Binnenmärkten wie der EU, der amerikani- schen NAFTA oder der asiatischen ASEAN. Zum anderen dann insbeson- dere zwischen diesen Weltregionen.36Warum findet ein Großteil des weltweiten Handels aber gerade nur zwischen den Industrienationen statt? Dies lässt sich mit dem Prinzip der Produktvielfalt aufgrund unter- schiedlicher Präferenzen der Nachfrager erklären.37Diese verlangen viel- fältig differenzierte Produkte, weshalb beispielsweise im intrasektoralen Handel deutsche Autos nach Frankreich und französische Autos nach Deutschland exportiert werden.

Jedoch bleiben kritische Anmerkungen wie diejenige des ehemaligen amerikanischen Finanzministers Larry Summers über Japan: Es sei „naiv zu glauben, dass allein die Reform des Bankensektors, die Deregulierung des Telekommunikationssektors und der Abbau von Hindernissen für den Handel zu einem stärkeren Wachstum führen würden.“38

5 Auswirkung der Globalisierung auf Arbeitsplätze

5.1 Die Drei-Sektoren-These

Das Wirtschaftsgeschehen ist nie konstant, da sich Marktwirtschaften in ständiger Bewegung befinden, durch die ihre Strukturen permanent ver- ändert werden. Alle fortgeschrittenen Volkswirtschaften durchlaufen beim Prozess des Strukturwandels drei Phasen (sogenannte Drei- Sektoren-These39): Von der durch Forst- und Landwirtschaft geprägten Agrargesellschaft über die Industriegesellschaft hin zur Dienstleistungsge- sellschaft, die auch „Informationsgesellschaft“40genannt wird. Die An- forderungen an die Arbeitsplätze und deren Formen ändern sich also laufend.

5.2 Auswirkungen der Globalisierung auf den Arbeitsmarkt

5.2.1 Zuspitzung der Probleme

Das Problem der Arbeitslosigkeit ist ein Hauptthema in der täglichen ge- sellschaftlichen Diskussion über die seit Jahrzehnten relativhohen Arbeits-losenquotenund die Gefahren für Arbeitsplätze. Die Arbeit ist die Basis des Lebens der Menschen. Ohne Arbeit kommen sich Menschen hilflos und unnütz vor, verlieren sogar ihren Sinn im Leben. Außerdem werden die sozialen Sicherungssysteme durch zu hohe Raten an Arbeitslosigkeit extrem belastet. Die auf dem Arbeitsmarkt zustande gekommenen Löh- ne sind der entscheidende Kostenfaktor der Produktion.41Daher ist es immer ein oberstes Ziel für die Politik, die Ursachen von Arbeitslosigkeit abzustellen und die hohen Raten durch geeignete Maßnahmen zu sen- ken, um letztendlich auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Volkswirtschaft zu fördern.

Im oben erläuterten Heckscher-Ohlin-Modell wirkt „eine Zunahme der internationalen Arbeitsteilung ... über die Veränderung relativer Güter- preise“42, wobei von vollkommenen Arbeitsmärkten ausgegangen wird. Nun handelt es sich aber insbesondere beim Arbeitsmarkt eher um einen unvollkommenen Markt, was sich auch an den vielen Arbeitslosen zeigt, da dieses Phänomen nach klassischer Sichtweise höchstens vorüberge- hend auftreten dürfte. Unvollkommene Märkte entstehen nun überwie- gend durch monopolartiges Auftreten von Marktteilnehmern wie durch die Bildung von Arbeitgebervertretungen und Gewerkschaften, welche die Flexibilität der Löhne (der Preise auf dem Arbeitsmarkt) durch Tarifver- träge beschneiden, was zuMarktungleichgewichtenführt. Die Preise auf dem Arbeitsmarkt stellen dann eventuell nicht mehr Knappheitsverhält- nisse, sondern Machtverhältnisse dar. Weiterhin schränken auchEingriff des Staateswie das Setzen von Mindestlöhnen die Lohnflexibilität nach unten erheblich ein. Durch die Globalisierung werden nun die Probleme in einem Land wie diese inflexiblen Marktstrukturen zugespitzt, da sich das Land dem internationalen Wettbewerb um den geeignetsten Standort stellen muss.Ineffizienzwird nicht länger bestehen bleiben kön- nen. So verlangt das weltweite wirtschaftliche Betätigen auch eine Flexi- bilisierung der Arbeitszeiten wie es sich in Deutschland z.B. an der Diskus- sion zur Streichung des Ladenschlussgesetzes zur Erreichung längerer Öff- nungszeiten oder des verlängerten Börsenhandels zeigt. Hier ergeben sich auch vielerlei Möglichkeiten für neue Arbeitsplätze, obwohl solche verlängerten Arbeitszeiten im Anfangsstadium sicherlich zunächst durch vermehrte Überstundenarbeit erreicht werden. Auch hier kann sich die Starrheit eines Arbeitsmarktes zeigen, da Unternehmen sichtlich davor zurückschrecken, neue Kräfte einzustellen, weil sie die hohen Kosten und vor allem die Schwierigkeiten bei einer möglichen anschließenden Wieder-Freisetzung der Arbeitskräfte scheuen.

5.2.2 Funktionsfähigkeit als Voraussetzung

Man kann nun einmal die Faktoren auf den Märkten der Volkswirtschaft in mobile und immobile Faktoren aufteilen, wobei dieArbeitzunächst überwiegend zu denimmobilen Faktorengezählt wird. Kann nun der Preis für Arbeitsleistungen sich nicht den neuen Anforderungen anpas- sen, die durch den internationalen Handel entstehen, dann kann dies Arbeitslosigkeit fördern, da die Unternehmen auf den verstärkten Anpas- sungsdruck nur mit Rationalisierungen oder Standortverlagerungen hin zu Niedriglohnländern reagieren. „Ein spürbarer Abbau der Arbeitslosigkeit setzt funktionsfähige Arbeitsmärkte voraus, die den Wettbewerb auch auf diesen Märkten wieder in Kraft setzen.“43Also gehört zu den Aufga- ben des Staates die Gewährleistung von offenen Märkten. Er muss nach dieser angebotsorientierten Sicht Ordnungspolitik betreiben und deshalb die Standortqualität verbessern durch einen guten „Ausbildungsstand der Bevölkerung, eine leistungsfähige Infrastruktur, ein funktionierendes Rechts- und Justizsystem und eine effiziente und korruptionsfreie Verwal- tung“44, wobei aber darauf geachtet werden muss, dass nicht die Einfüh- rung international bindender Umwelt- und Sozialstandards gefordert wird, weil dies den Entwicklungsländern gerade wieder ihre Standortvor- teile nimmt und also letztlich nur auf einen versteckten Protektionismus der Industrieländer hinausläuft.

Beim Aufbau eines Arbeitsmarktes als Teil der Wirtschaftsverfassung eines Landes lassen sich schlicht zwei Hauptformen unterscheiden: DasRheini-sche Modell, nach dem zahlreiche Regelungen und Eingriff in den Marktmechanismus durch ein ausgebautes soziales Sicherungssystem vorgesehen sind, und wo es vergleichsweise hohe Raten an Arbeitslosig- keit gibt, und dasAngelsächsischeModell, das die freie Entfaltung der Marktkräfte betont und von niedrigen Arbeitslosenzahlen gekennzeich- net ist. Beim angelsächsischen Modell, besonders in den U.S.A., ist zu be- obachten, dass „the wage differential between skilled and unskilled la- bor widens“45, was zu „high employment growth and low real wage growth“46führt. In Europa kommt es dagegen weniger zu Lohndifferen- zierungen und eher zu einem einheitlich hohen Einkommensniveau.

5.2.3 Zunahme des Weltarbeitsmarktangebots

Im Zuge der Globalisierung führen fallende Grenzen nun möglicherweise zu einer Steigerung derWanderungsbereitschaftder Arbeitnehmer aus ärmeren in reichere Länder. Der Faktor Arbeit ist also nicht länger als im- mobil anzusehen, was sich an der laufend steigenden Zahl von Wirt- schaftsflüchtlingen veranschaulichen lässt, die eine Abstimmung über die Missstände in ihren Heimatländern anschaulich mit den Füßen durch- führen. Dadurch wird das bisherige System auf dem Arbeitsmarkt durch die billigeren Kräfte schnell ausgehebelt, weil das Tarifsystem unterwan- dert wird.

Aber auch ohne große Wanderungsbewegungen bewirkt die Integration vor allem von Ländern wie China oder Indien in die internationale Ar- beitsteilung und das allgemeine Bevölkerungswachstum in den Entwick- lungsländern eine Zunahme des Weltarbeitsmarktangebots an einfacher Arbeit. Die Auswirkungen soll folgendes Schaubild veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

a = ArbeitsintensitätQuelle:Schäfer, W.: Globalisierung: Entmonopo-

A = Arbeitsangebot lisierung des Nationalen?, in: Berg, H. (Hrsg.):

w/r = Lohn-Zins-Verhältnis Globalisierung der Wirtschaft: Ursachen -

p1/p2 = Preisverhältnis Formen - Konsequenzen, Berlin 1999, S. 17.

Das Schaubild gilt für ein kapitalreiches Industrieland. Nimmt hier das Ar- beitsangebot (A) bedingt durch die Globalisierung zu (c), dann führt dies zu einer Erhöhung der Arbeitsintensität (a). Eine Ausdehnung der Ar- beitsintensität führt über die inverse Beziehung zwischen dieser und dem Lohn-Zins-Verhältnis (w/r) zu einer Absenkung jenes (d), da Kapital durch die nun vermehrt vorhandene Arbeit substituiert wird. Eine Absenkung des Lohn-Zins-Verhältnisses hat nun eine Vergrößerung des Preisverhält- nisses p1/p2 zur Folge (e), da die Ausweitung des Arbeitsangebotes bei dem als arbeitsintensiv produziert angesehenen Gut 2 zu einer relativen Preissenkung führt. Eine Faktormarktöffnung im Rahmen der Globalisie- rung führt also in industrialisierten Ländern zu einem Überangebot auf dem Markt für einfache Arbeit, so dass dort die Löhne relativ, mögli- cherweise sogar absolut sinken, oder bei stark reglementierten Märkten die Arbeitslosigkeit in diesen Bereichen zunehmen dürfte.47Die Verteilung des Wohlstandes wird also „ungerechter“, da sich die sogenannte Einkommensschere weiter öffnet.

Industrieländer sollten sich also vermehrt um eine umfassende Ausbil- dung ihrer Bevölkerung kümmern. „Im Sinne der Neuen Außenhandels- theorie bedeutet dies, dass dem Faktor Arbeit über Humankapitalinvesti- tionen komparative Vorteile neu zuwachsen.“48Nur durch ständige Fort- und Weiterbildung der Menschen werden diese in die Lage versetzt, in der Forschung und Entwicklung neue Produkte zu kreieren, bei denen die Industrieländer dann wieder führend sind. Diese können sie exportieren, während sie die vormals selbst hergestellten, arbeitsintensiv produzierten Güter nun billiger importieren.

Durch den Prozess der Globalisierung gewinnen also alle Länder: In Ent- wicklungsländern entstehen neue Arbeitsplätze, weil sich arbeitsintensive Produktionen aus den Industrieländern dorthin verlagern. Zwar gehen dadurch diese Arbeitsplätze in den Industrieländern verloren, aber dafür werden wiederum neue mit einer hohen Produktivität der Arbeit in neue- ren Bereichen und Zweigen der Wirtschaft geschaffen, welche auch ent- sprechend hoch entlohnt werden, denn „Unterschiede im Einkommen zwischen verschiedenen Ländern bleiben bestehen, soweit sie Unter- schiede in der Produktivität entsprechen.“49Diese neu entwickelten Gü- ter werden auch vermehrt in die Entwicklungsländer exportiert, da diese durch den ihrerseits vermehrten Export über mehr Devisen zur Befriedi- gung ihrer Bedürfnisse nach solchen Hochtechnologieprodukten verfü- gen. Somit hat ein steigendes Wirtschaftswachstum in den Entwicklungs- ländern eine steigende Nachfrage nach hoch technisierten Exportgütern auf dem Weltmarkt zur Folge50, wodurch wiederum Beschäftigung in den darauf spezialisierten Ländern gesichert wird.

5.2.4 Die Rolle der Direktinvestitionen

Direktinvestitionen spielen heutzutage eine wichtige Rolle in der Weltwirt- schaft. Meist gehen sie von „transnationalen Konzernen“51der hoch entwickelten Ländern aus und dienen einerseits zum Errichten und zum Sichern von Absatzmärkten (z.B. in dem riesigen Markt China) und ande- rerseits der Auslagerung der Produktion von arbeitsintensiven und damit teuren Gütern. Dadurch werden einige unternehmerischeRisikenredu- ziert: „Im einzelnen geht es um das Ausweichen vor protektionistischen Maßnahmen: Wer hinter den Schutzmauern einer Zollfestung produziert und vertreibt, kann durch diese Mauer nicht aufgehalten werden; die Senkung des Beschaffungsrisikos; die Senkung des ‚Piraterie‘-Risikos bei Direktverkäufen von Know-how/Hochtechnologie; das Hedging: Kosten und Erlöse sollen in derselben Währung erzielt werden.“52Direktinvestitio- nen fließen besonders in Form von Kreditbeziehungen zwischen der Mut- tergesellschaft im Inland und der Tochtergesellschaft im Ausland.53Daneben lassen sich unter dem Begriff noch die reinvestierten Gewinne sowie das Beteiligungskapital rechnen, mit dem Anteile an anderen Unternehmen erworben werden. Die Wirkung auf Arbeitsplätze lässt sich wie folgt auffassen: Im Ausland entstehen Arbeitsplätze durch die Investitionen beispielsweise durch Gründung von Tochtergesellschaften und den Aufbau von Vertriebs- und Servicenetzen, um Absatzmärkte zu erobern. Im Inland werden Arbeitsplätze dadurch gesichert oder sogar noch ausgebaut, dass die Produktion für die neuen Märkte ausgeweitet wird. Werden nun aber arbeitsintensive Produktionen z.B. von Vorleistungen ins Ausland verlagert, dann bleiben zumindest die Arbeitsplätze derHauptproduktion im Inland erhalten. Somit dienen auch solche Investitionen schließlich der Arbeitsplatzsicherung, da die Unternehmen ansonsten aufgrund der teuren Vorproduktion mit ihren Gütern nicht mehrwettbewerbsfähigwären.54Es findet also lediglich werbsfähigwären.54Es findet also lediglich eine weitere Form der Arbeits teilung statt: Arbeitsintensive Produktion wandert ab, aber die hoch technisierte, humankapitalintensive Produktion bleibt oder wird noch ausgebaut. Solch eine Möglichkeit der Arbeitsteilung ist beispielsweise den westeuropäischen Unternehmen durch die Integration der osteuropäischen Länder in die Weltwirtschaft erwachsen, da diese „als Vorlieferant arbeitsintensiver und leicht humankapitalintensiver Produkte“55genutzt werden können. Damit lassen sich auch hohe Reallöhne verteidigen, „wenn Arbeit hochwertiges Humankapital verkörpert und die Arbeitsproduktivität aus diesem Grund hoch ist.“56

5.3 Modell Niederlande

Die Niederlande hatten Anfang der Achtziger Jahre ähnlicheProbleme wie die meisten Industrieländer: Sie kämpften mit hohen Arbeitslosenzah- len, mangelndem Wirtschaftswachstum und hohen Inflationsraten. Dann wurden jedoch nach und nach Strukturreformen in Angriff genommen: Der Arbeitsmarkt wurde flexibilisiert, z.B. durch Steigerung der attraktiven Teilzeitarbeit und der Frauenerwerbsquote. Das Ladenschlussgesetz wur- de gelockert und es kam zu Lohnzurückhaltungen aufgrund kooperativer Abkommen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, was eine Zeit lang zu realen Lohnsenkungen führte. Die Arbeitskosten stiegen also un- ter dem Schnitt weniger als dieProduktivität, wodurch die Beschäftigung stieg und die Inflation abgebaut werden konnte. Seitdem fließen wieder vermehrt Direktinvestitionen ins Land, und die Leistungsbilanz weist einen zunehmenden Überschuss auf. Natürlich erfordert dies auch einUmden- ken in der Gesellschaft, so dass nicht mehr „der Status quo verteidigt und Inaktivität akzeptiert“57werden, sondern Flexibilität und Partizipation am Erwerbsleben als gesellschaftliche Ziele anerkannt sind. Ähnliche Erfah- rungen konnten im Vereinigten Königreich, in Dänemark und in Irland58gesammelt werden, wo die Gewerkschaften faktisch entmachtet wur- den.

6 Schlussbemerkungen

Diese Beispiele zeigen sehr deutlich, dass ein Land die sich aus dem zu- nehmenden Wettbewerbsdruck im Zuge der Globalisierung ergebenden Chancen für mehr Arbeitsplätze und ein Wachstum der Wirtschaft sehr wohl wahrnehmen kann, um den Wohlstand der Gesellschaft zu mehren. Jedoch bleibt ein Problem bezüglich desempirischen Nachweisesder Auswirkungen. Schon die Arbeiten von Leontief waren sehr aufwendig. Hinzu kommt nun, dass die Globalisierung ein dynamischer Prozess ist, der von zahlreichen, zusammenhängenden und sich gegenseitig beeinflus- senden Faktoren bestimmt wird. Somit lassen sich einzelne Vorfälle oder Ereignisse kaum direkt auf die Globalisierung zurückführen; sie gesche- hen eher im Hintergrund der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung auf diesem Planeten.

Trotzdem sollten deshalb die Grundprinzipen dieser Entwicklung jetzt nicht unbeachtet bleiben. Die mangelnde Nachweisbarkeit ändert nichts an der Tatsache, dass es diesen Prozess gibt und er auch Auswir- kungen auf alle Beteiligten hat. Dies muss akzeptiert werden, um daraus für alle einen Vorteil machen zu können. Und letztlich ist es „eine Tatsa- che, dass all diejenigen Länder, die sich in die Weltwirtschaft erfolgreich integrieren konnten, den höchsten Wohlstand aufweisen.“59

Literaturliste

Ackermann, R.: Globalisierung, die auch den Armen hilft, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 22 vom 26. Januar 2001, S. 13.

Beck, U.: Was ist Globalisierung?, 6. Aufl., Frankfurt 1997.

Beck, U. (Hrsg.): Perspektiven der Weltgesellschaft, Frankfurt 1998.

Berg, H. (Hrsg.): Globalisierung der Wirtschaft: Ursachen - Formen - Konsequenzen, Berlin 1999.

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Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig angefertigt habe; die aus fremden Quellen direkt oder indirekt übernommenen Gedanken sind als solche kenntlich gemacht.

Ort, den 21. Februar 2001

Seite y

[...]


1 Duden Band 5 - Das Fremdwörterbuch, 6. Aufl., Mannheim 1997, S. 294.

2 Interview in: Der Spiegel, Nr. 5 vom 29. 1. 2001, S. 127.

3 Vgl. Siebert, H.: Weltwirtschaft, Stuttgart 1997, S. 225 ff.

Seite 1

4 Vgl. Volz, G.: Die Organisation der Weltwirtschaft, München 1998, S. 50 ff.

5 Freytag, A. und Sally, R.: Offene Türen für globale Märkte, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 23 vom 27. Januar 2001, S. 15.

6 Vgl. Siebert, H., 1997, S. 212 f.

7 Vgl. Löhr, D.: Globalisierung, Deregulierung und „dritte technologische Revolution“, in: Wirtschaftsdienst, 79. Jg., Heft II, 1999, S. 123 ff.

Seite 2

8 Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Wachstum, Beschäftigung, Währungsunion - Orientierung für die Zukunft - Jahresgut- achten 1997 / 98, Stuttgart 1997, S. 173.

9 Vgl. ebenda, S. 178.

10Vgl. Ossorio-Capella, C.: Globalisierung und Strukturwandel, in: Bülow, W. v., Globali- sierung und Wirtschaftspolitik, Marburg 1999, S. 37.

11Wenig, A.: Globalisierung, Verhaltensnormen und wirtschaftlicher Wohlstand, in: We- nig, A. (Hrsg.): Globalisierung und die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft, Berlin 2000, S.156.

Seite 3

12Schmidt, H.: Die Selbstbehauptung Europas, 2. Aufl., Stuttgart, München 2000, S. 51 ff.

13Freytag, A. und Sally, R.: Offene Türen für globale Märkte, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 23 vom 27. Januar 2001, S. 15.

14Vgl. Beck, U.: Was ist Globalisierung?, 6. Aufl., Frankfurt 1997, S. 116 ff.

15Kuda, R.: Globalisierung und Gewerkschaften, in: Heidelberger Club für Wirtschaft und Kultur e.V.: Globalisierung - Der Schritt in ein neues Zeitalter, Heidelberg 1997, S.

72.

16Jochimsen, R.: Globalisierung heute - Was ist neu, wo liegen die Risiken?, in: Jochim- sen, R. (Hrsg.), Globaler Wettbewerb und weltwirtschaftliche Ordnungspolitik, Bonn 2000, S. 21.

Seite 4

17Vgl. Berthold, J.: Europa auf dem Weg ins 21. Jahrhundert - Die Perspektive Westeu- ropas, in: Wenig, A. (Hrsg.): Globalisierung und die Zukunft der sozialen Marktwirt- schaft, Berlin 2000, S. 51.

18Link, J. F.: Wettbewerb, Konjunktur und Wirtschaftspolitik, in: Institut der Deutschen Wirtschaft (Hrsg.): Soziale Marktwirtschaft, Köln 1997, S. 114.

19Vgl. Hardes, H.-D. und Schmitz, F.: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 7.Aufl., Mün- chen, Wien 2000, S. 21.

Seite 5

20Vgl. Volz, G., 1998, S. 5f.

21Vgl. Link, J. F., 1997, S.114.

22Vgl. Siebert, H., 1997, S. 173 ff.

Seite 6

23Berthold, N. und Hilpert, J.: Sozialstandards unter globalem Druck, in: Berg, H. (Hrsg.): Globalisierung der Wirtschaft: Ursachen - Formen - Konsequenzen, Berlin 1999, S. 146.

24Kommission der Europäischen Gemeinschaft: Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Be- schäftigung - Weißbuch, Brüssel 1993, S. 19.

25Ethier, W. J.: Moderne Außenwirtschaftstheorie, 2. Aufl., München, Wien 1991, S. 146.

Seite 7

26Vgl. Ethier, W. J., 1991, S. 141.

27Vgl. Berthold, N. und Hilpert, J., 1999, S. 148.

Seite 8

28Ethier, W. J., 1991, S. 152.

29Ebenda, S. 154.

Seite 9

30Vgl. Berthold, N. und Hilpert, J., 1999, S. 147 ff.

31Siebert, H., 1997, S. 29.

32Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Chancen auf einen höheren Wachstumspfad - Jahresgutachten 2000 / 01, Stuttgart 2000, S. 181.

Seite 10

33Vgl. Ohr, R.: Internationale Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft, in: Berg, H. (Hrsg.): Globalisierung der Wirtschaft: Ursachen - Formen - Konsequenzen, Berlin 1999,

S. 52 f.

34Wenig, A., 2000, S.158.

35Ebenda, S.156.

36Vgl. Beck, U., 1997, S. 199 ff.

37Vgl. Siebert, H.: Arbeitslos ohne Ende? - Strategien für mehr Beschäftigung, Frankfurt, Wiesbaden 1998, S. 79 ff.

Seite 11

38Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Nr. 24 vom 29.Januar 2001, S. 13.

39Vgl. Rhein, A.: Arbeitsmarkt und Beschäftigungssystem, in: Institut der Deutschen Wirt- schaft (Hrsg.): Soziale Marktwirtschaft, Köln 1997, S 271 ff.

40Kommission der Europäischen Gemeinschaft, 1993, S. 9.

Seite 12

41Vgl. Schürfeld, A.: Die deutsche Arbeitsmarktordnung auf dem Prüfstand, in: Donges,

J. B. und Freytag, J. (Hrsg.): Schriften zur Wirtschaftspolitik - Die Rolle des Staates in einer globalisierten Wirtschaft, Band 6, Stuttgart 1998, S. 73 ff.

42Weiß, P.: Inländische Arbeitsmärkte und Handel mit Niedriglohnländern, in: Donges, J.

B. und Freytag, J. (Hrsg.): Schriften zur Wirtschaftspolitik - Die Rolle des Staates in einer globalisierten Wirtschaft, Band 6, Stuttgart 1998, S. 54 ff.

Seite 13

43Berthold, J.: Europa auf dem Weg ins 21. Jahrhundert - Die Perspektive Westeuropas, in: Wenig, A. (Hrsg.): Globalisierung und die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft, Berlin 2000, S. 53.

44Ackermann, R.: Globalisierung, die auch den Armen hilft, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 22 vom 26. Januar 2001, S. 13.

Seite 14

45Landmann, O.: Wages, Unemployment, and Globalization: a Tale of Conventional Wisdoms, in: Wagner, H. (Hrsg.): Globalization and Unemployment, Berlin und andere Orte 2000, S. 186.

46Ebenda

Seite 15

47Vgl. Landmann, O., 2000, S. 176 ff.

48Schäfer, W.: Globalisierung: Entmonopolisierung des Nationalen? in: Berg, H. (Hrsg.): Globalisierung der Wirtschaft: Ursachen - Formen - Konsequenzen, Berlin 1999, S. 18.

49Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, 1997, S. 179.

50Vgl. Siebert, H., 1998, S. 80.

Seite 17

51Löhr, D.: Globalisierung, Deregulierung und „dritte technologische Revolution“, in: Wirtschaftsdienst, 79. Jg., Heft II, 1999, S. 125.

52Ebenda.

53Vgl. Deutsche Bundesbank: Monatsbericht November 1999, S. 44.

Seite 18

54Vgl. Beyfuß, J. und Fröhlich, H.-P.: Standort Deutschland und internationale Wirt- schaftspolitik, in: Institut der Deutschen Wirtschaft (Hrsg.): Soziale Marktwirtschaft, Köln 1997, S. 453 f.

55Siebert, H., 1998, S. 80.

56Ebenda, S. 100.

57Paridon, K. v.: Das Modell Holland - Ein neues Wirtschaftswunder?, in: Wirtschafts- dienst, 77. Jg., Heft IV, 1997, S. 198 ff.

Seite 19

58Werner, H: Die Erfolgsgeschichte der Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung Irlands, in: Wirtschaftsdienst, 80. Jg., Heft V, 2000, S. 123 ff.

59Freytag, A. und Sally, R.: Offene Türen für globale Märkte, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 23 vom 27. Januar 2001, S. 15.

Seite 20

24 von 24 Seiten

Details

Titel
Globalisierung als Chance für Wohlstand und Arbeitsplätze
Note
2+ (gut)
Autor
Jahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V105821
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vorgabe war eine 20seitige Hausarbeit in 4 Wochen zu erstellen. Abschnitt 4 sollte ans Ende gestellt werden. Weitere Kritk betraf die mangelnde Trennung zwischen Ursache und Wirkung, die übergewichtete Konzentration auf die Absatzmärkte und der Mangel an empirischen Daten.
Schlagworte
Globalisierung, Chance, Wohlstand, Arbeitsplätze
Arbeit zitieren
Martin Ockler (Autor), 2001, Globalisierung als Chance für Wohlstand und Arbeitsplätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105821

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