Die Theorie der Phillips-Kurve: Zur Rolle der Erwartungsbildung im makroökonomischen Modellen.


Hausarbeit, 2001

19 Seiten, Note: 1,3


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Inhaltsverzeichnis

1. DIE URSPRÜNGLICHE PHILLIPS-KURVE
1.1 DIE EMPIRISCHE STUDIE VON A. W. PHILLIPS
1.2 DIE THEORETISCHE BEGRÜNDUNG DER PHILLIPS-KURVE

2. DIE MODIFIZIERTE PHILLIPS-KURVE
2.1 DIE MODIFIZIERUNG VON P.A. SAMUELSON UND R.M. SOLOW
2.2 DIE "SPEISEKARTENTHEORIE"

3. STAGFLATION: DIE MODIFIZIERTE PHILLIPS-KURVE
3.1 DIE ERWEITERUNG DURCH E.S PHELPS UND M. FRIEDMAN

4. DIE ROLLE DER ERWARTUNGSHALTUNG
4.1 DIE EXTRAPOLATIVE ERWARTUNGSBILDUNG
4.2 DIE ADAPTIVE ERWARTUNGSBILDUNG
4.2 KURZ UND LANGFRISTIGER TRADE OFF BEI AUTOREGRESSIVEN ERWARTUNGEN
4.3 DIE RATIONALE ERWARTUNGSBILDUNG
4.4 KURZ UND LANGFRISTIGER TRADE OFF BEI RATIONALEN ERWARTUNGEN

5. DIE MODERNE PHILLIPS-KURVE
5.1 DER ANGEBOTSSCHOCK

6 ABSCHLIEßENDE BEMERKUNGEN ZUR PHILLIPS-KURVE

LITERATURVERZEICHNIS:

1. Die ursprüngliche Phillips-Kurve

Dieses Kapitel befaßt sich mit der Studie vonA. W. Phillipsund den daraus resultierenden Ergebnissen. Außerdem wird der Verlauf der Phillips-Kurve durch weitere Überlegungen theoretisch fundamentiert.

1.1 Die empirische Studie von A. W. Phillips

Im Jahre 1958 veröffentlichte der an der London School of Economics lehrende NeuseeländerA. W. Phillips, seine empirische Untersuchung über die Beziehung zwischen Arbeitslosenquote und der Lohnsteigerungsrate.Phillipswertete hier- bei Daten aus den Jahren 1861 bis 1957 für Großbritannien aus und veranschau- lichte seine Ergebnisse unter anderem in Koordinatensytemen, welche die inver- se, nicht-lineare Beziehung der Indikatoren stark veranschaulichten.1Obwohl den Ökonomen die negative Korrelation zwischen der Arbeitslosenquote und den Wachstumsraten der Nominallöhnen bekannt war,2inspirierte sie die öko- nomische Forschung so, daß mehrere modifizierte Versionen der Phillips-Kurve entstanden.

Für den Erfolg und der Popularität der Untersuchung vonPhillipsgib es nach K. W. Rothschildinsbesondere drei Gründe.3Der wohl stärkste Grund ist die wirtschaftspolitische Bedeutung im Konflikt zwischen Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität. Weiterhin glaubteRothschild, daß man mit der PhillipsKurve eine feste Konstante der Wirtschaftstheorie gefunden habe. Ebenfalls ist die Intensität und damit die Langfristigkeit des Betrachtungszeitraumes ein Faktor. Schließlich enthält die Studie empirische Daten von annähernd einhundert Jahren mit verschiedenen Konjunkturverläufen.

Durch die graphische Darstellung seiner Arbeit etablierte sich der Begriff "Phil- lips-Kurve". Die folgende Abbildung 1 zeigt die typische "ursprüngliche Phil- lips-Kurve" mit den Daten aus den Jahren 1948 - 1957 für Großbritannien:.

Abbildung 1: Die ursprüngliche Phillips-Kurve 1948 - 1957 (R. Dornbusch / S. Fischer, Makroökonomik, S. 491.)

Die Unregelmäßigkeiten der Jahre 1949 und 1951 erklärte Phillips unter ande- rem durch den Einfluß von exogene Umständen, wie Importpreissteigerungen oder Anpassungsverzögerungen. Seine Hypothese sah er grundsätzlich bestätigt, daß während des Betrachtungszeitraum "...the Rate of Change of monye wage rates cab be explained by the level of unemplyment and the rate of change of unemployment"4.

In Abbildung 1 ist zuerkennen, das es sich bei der ursprünglichen Phillips- Kurve, um eine hyperbelförmigen Funktion mit negativen Verlauf handelt. In dieser Funktion ist ein geringe Arbeitslosenquote mit einer hohen Lohnsteige- rung und dementsprechend ein hohe Arbeitslosenquote mit geringer Lohnsteige- rung verbunden. Folglich existiert eine inverse Beziehung zwischen der Arbeits losenquote und der Änderungsrate der Geldlöhne. Dieser Zielkonflikt zwischen Arbeitslosigkeit und Lohnentwicklung wird auch "trade off" genannt.

Mathematisch war die ursprüngliche Phillips-Kurve wie folgt spezifiziert:5

Die Wachstumsrate der Nominallöhnewˆ ist in Abhängigkeit der VariableUdie der Arbeitslosigkeit entspricht, wobeibein Koeffizient ist der die Reaktion des Norminallohns auf die laufenden Arbeitslosenquote bestimmt.

1.2 Die theoretische Begründung der Phillips-Kurve

Leider hatte "...Phillipsselbst über den theoretischen Hintergrund des von ihm gefundenen Zusammenhangs nicht viel zu sagen"6und überlies die Interpretation seiner Arbeit anderen. 1960 lieferteR.G. Lipseyein theoretisches Fundament zur Phillips-Kurve in Form einer Studie.7

Danach kann die ursprüngliche Phillips-Kurve aus dem klassischen Gesetz von Angebot und Nachfrage abgeleitet werden. Kernpunkt dieser Überlegung ist ein normal verlaufendes Angebots/Nachfragemodell in Abhängigkeit vom Nominallohn.8Im Schnittpunkt beider Kurven herrscht nicht, wie man annehmen könnte, eine Arbeitslosigkeit von Null, sondern eine normale Arbeitslosenquote, die sich auf friktionelle und strukturelle Unterbeschäftigung bezieht, wobei die Anzahl der offenen Stellen gleich der Zahl der Arbeitsuchenden ist.9

Verlagert sich, z.B. aufgrund von höheren Absatzerwartungen, die Nachfrage- funktion in diesem Modell nach rechts, entsteht bei bestehendem Nominallohn ein Nachfrageüberschuß. Die Konsequenz aus dem Gesetzt von Angebot und w=konstant−bU Nachfrage ist nun ein steigender Nominallohn. So verbindet sich eine geringere Arbeitslosenquote mit Lohnsteigerungen, wie esPhillipsStudie ebenfalls zeigt. Lipseybetont jedoch, daß die Beziehung zwischen Arbeitslosenrate und Lohn- satzänderungen im Falle eines Nachfrageüberschusses nicht linear sei, da der Wechsel des Arbeitsplatzes und/oder der Eintritt in den Arbeitsmarkt, z.B. nach vollendetem Studium, je nach Anzahl der offenen Stellen einen entsprechenden Zeitbedarf beansprucht.10

Eine weitere theoretische Begründung für den Verlauf der Phillips-Kurve ist die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften. In Zeiten starker Beschäftigung kön- nen sie, aufgrund der Knappheit des Faktors Arbeit, höhere Löhne erzielen. Das hat zur Folge, daß sich die Kosten der Lohnsteigerungen aufgrund von starker Beschäftigung in steigenden Preisen widerspiegelt. Dagegen ist der Einfluß der Gewerkschaften in rezessiven Phasen gering. Auch handeln Gewerkschaften nicht immer eigennützig. So gab es in Deutschland in den 90ern Jahren oftmals nur ein Inflationsausgleich als Tarifabschluß um die angespannte wirtschaftliche Lage nicht zu verschlechtern und die Preisstabilität zu wahren.

Die Phillips-Kurve läßt sich also nicht nur empirisch, sondern durchaus auch theoretisch begründen.

2. Die modifizierte Phillips-Kurve

Die Existenz einer stabilen Phillips-Kurve stellt einen wirtschaftspolitischen trade off da, insofern als eine tiefere Arbeitslosenrate durch eine höhere Lohnänderungsrate erkauft werden kann. Der wirtschaftspolitisch interessantere trade off ist aber derjenige zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Auf dieser Überlegung basierend, entstand die Modifizierung der Phillips-Kurve, auf der in dem folgenden Kapitel näher eingegangen wird.

2.1 Die Modifizierung von P.A. Samuelson und R.M. Solow

Die ÖkonomenP.A. SamuelsonundR.M. Solowersetzten bei der Phillips-Kurve " aufgrund der engen statistischen Korrelation von Nominallohnveränderun- gen und Inflation die abhängige Variable Nomimallohnveränderung durch die Inflationsrate".11Diese modifizierte Form ist in Abbildung 2 dargestellt.

Abbildung 2: Die modifizierte Phillips-Kurve (W. Patzig, Stagflation und Phillips-Kurve, S.212)

SamuelsonundSolowgingen bei dieser graphischen Darstellung davon aus, das es einen 2,5 %igen Produktivitätsanstieg gab, den sie einfach von der Lohnstei- gerungsrate subtrahierten. Diese Verschiebung wird in der rechten Ordinate dar- gestellt. Die ursprüngliche Phillips-Kurve geht also in die modifizierte Kurve über, indem von jedem Ordinatenwert, die jeweilige Änderungsrate der Arbeits- produktivität subtrahiert wird. Es entsteht ein neuer Zusammenhang zwischen Inflationsrate und Arbeitslosenquote. Der Übergang zur Lohninflation ist aller- dings nicht fundamental, weil Preisinflation und Lohninflation eng miteinander verknüpft sind. In Zeiten, in den die Löhne schnell steigen, steigen auch die Preise schnell.12Mathematisch gilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wobei ˆ die Inflationsrate ist,U die Arbeitslosenquote und λ die Veränderung der Arbeitsproduktivität. Die Arbeitslosigkeit kann auch genauer als zyklische ArbeitslosigkeitU−Un spezifiziert werden, wobeiUdie Arbeitslosigkeit der laufenden Periode undUn die natürliche Arbeitslosigkeit darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als natürliche Arbeitslosenquote bezeichnet man "... das Niveau der Arbeitslosenquote zu dem die Inflationsrate konstant ist, ohne eine Tendenz sich zu beschleunigen oder zu verlangsamen."13

2.2 Die "Speisekartentheorie"

Durch die Modifikation vonSamuelsonundSolowkonnte die Phillips-Kurve als technische Relation interpretiert werden. Aus dieser Perspektive ist es möglich eine geringere Arbeitslosenquote gegen einen höhere Inflationsrate einzutau- schen. Die Phillips-Kurve dient als Budgetgerade und legt somit den Handlungs- spielraum der Geld und Fiskalpolitik fest. Abbildung 3 verdeutlicht dieses.

Abbildung 3. Stabilisierungspolitik mit Hilfe der Phillips-Kurve

Da der Ursprung der Ordinate, also keine Arbeitslosigkeit und keine Inflation nicht erreicht werden kann, haben Politiker nur die Wahl einen Punkt auf der Phillips-Kurve zu realisieren. Je nach politischer Gesinnung müssen Sie sich also für mehr Arbeitslosigkeit und weniger Inflation, oder für weniger Arbeitslosigkeit und mehr Inflation entscheiden.

3. Stagflation: Die modifizierte Phillips-Kurve

Auch die modifizierte Phillips-Kurve vernachlässigte jedoch das für Arbeitneh- mer die Kaufkraft und für die Arbeitgeber die Kosten in Relation zu den Güter- preisen im Vordergrund stehen.14Dieser Kritikpunkt und die Tatsache, daß wäh- rend den siebziger Jahren die zeitweise erhebliche Inflationsbeschleunigung nicht mit mehr Beschäftigung, sondern mit wesentlich mehr Arbeitslosen ver- bunden war, führten zu einer zusätzlichen Erweiterung der Phillips-Kurve.15

3.1 Die Erweiterung durch E.S Phelps und M. Friedman

Bereits Ende der sechziger Jahre äußerten derE. PhelpsundM. FriedmanKritik an der Interpretation der Phillips-Kurve als "Speisekarte". Die Stagflation, also die hohen Arbeitslosenquoten und die ebenfalls hohen Inflationsraten der Sieb- ziger Jahre, die der behaupteten Stabilität der Phillips-Kurve widersprachen, gab ihnen Recht.E. PhelpsundM. Friedmanargumentierten in einer neuen Überle- gungn das Arbeitnehmer und Arbeitgeber nur am Reallohn und damit an der Summe der für Geld erhältlichen Gegenleistungen interessiert seien. Aus diesem Grund versuchen die Wirtschaftssubjekte abzuschätzen, welche zukünftige Ent- wicklung das Preisniveaus haben wird und bilden damit Erwartungen über die zukünftige Inflation.16

Diese zusätzliche Einflußgröße

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Inflationsrate ( ˆ ) ist abhängig von der zyklischen Arbeitslosenquote

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

onserwartung ist, daß sich die ursprüngliche Phillips-Kurve auf den Spezialfall einer Inflationserwartung ˆ = 0) reduziert und das sich die Kurve bei einer erwartenden Inflation die ungleich Null ist im selben Verhältnis zur erwarteten Inflation vertikal verschiebt.17Die Begründung für die vertikale Verschiebung der Phillips-Kurve liegt in den Eigenschaften der Erwartungen die in den folgenden Abschnitten näher beschreiben werden.

4. Die Rolle der Erwartungshaltung

Da die Inflationserwartungen die Lage der Phillips-Kurve erheblich beeinflußt, ist es aus wirtschaftspolitischer Sicht interessant festzustellen, wie Erwartungen gebildet werden, wenn die Kurve weiterhin als Grundlage von Entscheidungen dienen soll. Im allgemeinen setzen sich Erwartungen aus subjektiven Erfahrun- gen, sowie aus der Beachtung objektiver Phänomene und Informationen zusam- men.18In der Literatur unterscheidet man im allgemeinen zwischen 3 Arten von Erwartungsbildung. Der extrapolativen, adativen und rationellen Erwartungsbil- dung.

4.1 Die extrapolative Erwartungsbildung

Die extrapolative Erwartungsbildung ist der einfachste Typ der autoregressiven Erwartungen. Der erwartete zukünftige Inflationsverlauf wird ausschließlich auf Erfahrungen über den vergangenen Inflationsverlauf gebildet. Wenn die Inflati- on in der Vergangenheit stetig gestiegen ist, wird man davon ausgehen das sich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

dieser Trend auch in der Zukunft fortsetzen wird. Die erwartete Inflationsrate ist also direkt von den vorhergegangenen Werten abhängig.

Das unten aufgeführte Beispiel zeigt die erwartete Inflationsrate(Pˆet) der Perio- de zu Zeitpunkt (t) in Abhängigkeit der letzten (Pt-1 ) und der vorletzten (Pt-2 ) Periode:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Folglich ist die erwarte Inflationsrate gleich der beobachteten der letzen Periode, korrigiert durch den Unterschied der letzen und vorletzten Periode in Höhe des Koeffizientena.19Besonderes vereinfacht ist der Fall mit a gleich Null wobei man lediglich den Vorperiodenwert der Inflationsrate erhält:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die erwartete Inflationsrate ist somit immer gleich der Inflation der vorherge- gangenen Periode. Eine maßgebliche Rolle hierbei spielt der Zeithorizont, also die Anzahl der Jahre, die zur Bildung der Inflationserwartung herangezogen werden. Je größer der Zeithorizont, um so genauer ist der Erwartungswert. Im allgemeinen geht man jedoch davon aus, daß der jüngeren Vergangenheit ein größeres Gewicht beigemessen wird als weiter zurückliegenden Zeitpunkten20. Bei dieser Art der Erwartungsbildung existiert leider keine Möglichkeit eventu- elle Irrtümer aus vergangenen Perioden zu korrigieren. Diesen Kritikpunkt ver- sucht man bei der adaptiven Erwartungshaltung zu vermeiden.

4.2 Die adaptive Erwartungsbildung

Die adaptive Erwartungsbildung ist eine Erweiterung der extrapolativen Erwar- tungsbildung. Sie ergänzt zusätzlich die Möglichkeit der Korrektur eines vorher- gehenden Erwartungsirrtums.Jeffery D Sachsbeschreibt diesen Mechanismus wie folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die bestehen Erwartungen über die Inflation der nächsten Periode (P+ 1 ) sind

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

), die in Abhängigkeit des Faktorsv

stehen, der die Schnelligkeit angibt, mit der die Erwartungen revidiert werden.21Vereinfacht heißt das: Ist die Inflation in dieser Periode höher als erwartet, dann wird sie für die nächste Periode nach oben korrigiert und ist sie in dieser Periode niedriger als angenommen, wird sie nach unten revidiert. Für die Wirtschaftspolitik stellt dieses ein Problem dar, denn sie kann die erwartete Inflationsrate nur beeinflussen wenn sie die herrschende Rate ändert.

Wenn der Faktorv nahe bei 1 liegt so passen sich die Erwartungen aufgrund der gegenwärtigen Inflation schnell an. Istv=1 so kann man die adaptive Erwartungsbildung erheblich vereinfachen auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier ist die Inflationsrate der aktuellen Periode gleich der erwarteten Rate der nächsten Periode, was dem er einfachste Fall der extrapolativen Erwartungsbildung entspricht und auch als statische Erwartung bezeichnet wird.22Setzt man die Statische Erwartung in die Phillips-Kurve ein, so erhält man:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier wird deutlich das die Arbeitslosenquote nur bei einer expansiven Wirt- schaftspolitik mit steigender Inflation unter ihrer natürlichen Rate gehalten wer- den kann. So kann die Arbeitslosigkeit (U) nur mit einem immer weiteren stei- genden Inflationsniveau unter ihrer natürliche Quote (Un) gehalten werden.

4.2 kurz und langfristiger trade off bei autoregressiven Erwartungen

Nach der Phillips-Kurve Theorie glaubten viele Ökonomen, daß eine dauerhafte niedrigere Arbeitslosenquote durch eine höhere, aber stabile Inflationsrate er- kauft werden kann. Der Staat kann also durch eine Erhöhung der Gesamtnach- frage via Geldpolitik eine geringere Arbeitslosenrate realisieren. Dieser Effekt ist jedoch nur kurzfristig, da die Wirtschaftssubjekte ihre Inflationserwartungen im Zeitverlauf anpassen und sich dadurch die Phillips-Kurve vertikal verschiebt. Das hat zur Folge, daß sich das gewünschte Beschäftigungsziel wieder nur mit einer weiteren Steigerung der Inflationsrate erreichen läßt. Dieser Vorgang wird auch als Akzelerationstheorem bezeichnet.23

Mit einer beschäftigungspolitischen Aktion läßt sich die Arbeitslosenrate zwar unter ihr natürlichen Niveau senken, aber sie wird immer wieder zu ihrem Ur- sprung zurückkehren während die erhöhte Inflationsrate bleibt.24Langfristig kehrt also die Arbeitslosigkeit wieder auf ihr natürliches Niveau zurück und es gibt keinen trade off, Folglich verläuft die langfristige Phillips-Kurve senkrecht. Abbildung 4 zeigt die kurz und langfristige Phillips-Kurve bei autoregressiven Erwartungen.

Abbildung 4: Kurz- und langfristige Phillipskurve bei adaptiver Erwartungsbildung Berlemann (Dr. rer. pol.), Michael, In "Makroökonomische Modellierung"

4.3 Die rationale Erwartungsbildung

In den frühen siebziger Jahren wurde ein anderer Ansatz der Erwartungsbildung bekannt. Bei der Bildung von rationalen Erwartungen geht man davon aus, daß die Wirtschaftssubjekte zusätzlich zu den Erfahrungen der Vergangenheit, jede mögliche Information nutzen um Prognosen über die Zukunft aufstellen zu kön- nen. Arbeiter und Unternehmer bilden also auf der Basis der ihnen zur Verfüh- gung stehenden Informationen, Vorhersagen über den zukünftigen Inflationsver- lauf und verknüpfen diese mit ihren Erfahrungen aus der Vergangenheit. Damit wird den Wirtschaftssubjekten eine gewisses wirtschaftliches Verständnis unter- stellt, mit dessen Hilfe sie die Informationen richtig verwerten können. Folglich werden auch Informationen über die aktuelle Wirtschaftspolitik zur Erwartungs- bildung verwendet. Weil Geld und Fiskalpolitik die Inflationsrate beeinflussen, hängen die Inflationserwartung auch von der verfolgten Wirtschaftspolitik ab.25Damit ist eine direkte Einflußnahme der wirtschaftspolitischen Entscheidungs- träger auf die rationale Erwartungsbildung im Gegensatz zur adaptive Erwar- tungsbildung möglich.

Ein solches Modell scheint relativ einfach sein, wird aber sehr schnell komplex, wenn vielen Einflußfaktoren zur Ergebnisfindung verwendet werden. Da Infor- mation nicht unbegrenzt und kostenlos zur Verfügung stehen, entstand der An- satz der "ökonomisch-rationaler" Erwartungsbildung. Hierbei streben die Wirt- schaftssubjekte nicht die maximale Informationsmenge an, sondern mehr die für sie wirtschaftlich sinnvolle Anzahl. So kann es unter gewissen Umständen sinn- voll sein, wenn die adaptive Erwartungsbildung als "ökonomisch-rational" ge- wählt wird, wenn zum Beispiel die Kosten zur Informationsbeschaffung zu hoch und/oder die Wirtschaftssubjekte nur mangelnde Kenntnisse von Wirtschaftszu- sammenhängen haben.26

4.4 Kurz und langfristiger trade off bei rationalen Erwartungen

Unter der Annahme das die Wirtschaftssubjekte richtige rationale Erwartung bezüglich der Inflationsrate gebildet haben, und der Staat expansive Geldpolitik zur Senkung der Arbeitslosigkeit in gleicher Höhe betreibt, werden die Inflati- onserwartungen durch die ausgedehnte Geldmenge bestätigt und es gibt keinen kurzfristigen trade off. Die zusätzliche Geldmenge trifft auf mit geringere Kauf- kraft rechnende Arbeitnehmer und Arbeitgeber, und wird so einfach absorbiert ohne eine Wirkung zu erzielen. Diese "Selbsterfüllung" der Erwartungen hat zur Folge daß die Phillips-Kurve bei rationalen Erwartungen kurz und langfristig horizontal verläuft wie Abbildung 5 zeigt.27

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Phillips-Kurve bei rationaler Erwartungsbildung.

Berlemann (Dr. rer. pol.), Michael, In "Makroökonomische Modellierung" Vertreter der rationalen Erwartungsbildung behaupten jedoch, daß eine offene und glaubwürdige Informationspolitik mehr bewirken würde, als diesbezüglice wirtschaftspolitische Maßnahmen.28Kommuniziert der Staat eine eindeutige Disinflationspolitik, so würden sich die Erwartungen schnell nach unten korrigieren. Das hätte zur Folge, daß sich auch die Phillips-Kurve horizontal nach links verschieben würde, und man so eine niedrigere Inflationsrate auch ohne erhöhte Arbeitslosigkeit realisieren könnte.

5. Die moderne Phillips-Kurve

Die Phillips-Kurve hat seidA. Phillipsverschiedenen Modifikationen erfahren. Die Nominallöhne (ˆ ) wurden durch die Inflationsrate (ˆ ) ersetzt, die Abwei- chung der Arbeitslosigkeit von ihren natürlichen Niveau (U−Un) also die zykli- sche Arbeitslosigkeit und die Inflationserwartungen ˆ ) ergänzt. In der moder-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

nen Form der Phillips-Kurve wird zusätzlich der sogenannte Angebotsschock hinzugefügt:29

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.1 Der Angebotsschock

Der Angebotsschock (v) beschreibt eine Veränderung der Outputmenge die Unternehmen bei einem gegeben Preisniveau zur produzieren bereit sind.30Ein Beispiel hierfür sind die durch die OPEC verursachten stark gestiegenen Ölprei- se der siebziger Jahre oder eine große Mißernte in der Landwirtschaft. Der Angebotsschock kann sich positiv oder negativ auf die Inflationsrate aus- wirken. Ein nachteiliger Angebotsschock führt zu einem negativen Wert vonv und damit zu einer steigenden Inflation. Hervorgerufen wird die Steigung durch allgemeine Zunahme der Produktionskosten. Deshalb nennt man diese Inflation auch "Kostendruck Inflation". Negativ, und damit inflationsverringernd, wirkt sich ein positiver Angebotsschock aufvaus.

6 Abschließende Bemerkungen zur Phillips-Kurve.

Die Vergangenheit hat gezeigt das die Phillips-Kurve, trotz verschiedener An- passungen, kein verläßliches Modell zur Erfassung des Zusammenhanges von Arbeitslosigkeit und Inflation ist. Der Wunsch der Politiker, ein einfaches und sicheres Entscheidungsinstrument für ihre Wirtschaftspolitik zu besitzen, hat sicherlich zur mehrfachen Modifikation beigetragen. Ich bin der Meinung das die Phillips-Kurve sicherlich ein interessanter Ansatz ist, aber viel zu einfach um das komplexe Verhältnis zwischen der Arbeitslosenquote und Inflationsrate pas- send zu beschreiben.

Literaturverzeichnis:

Berlemann (Dr. rer. pol.), Makroökonomische Modellierung und makroö-

Michael okonomische Politik Foliensammlung.

URL: http://www.tu-

dresden.de/wwvwlgkw/Folien Vorlesung.pdf

Claassen, E. M. Grundlagen der Makroökonomischen Theorie,

München 1980

Dieckheuer, G. Makroökonomik Theorie und Politik, 2 Auflage

1995

Dornbusch, R./ Fischer, S. Makroökonomik, München 1992

Gordon, R. J.

Landmann, O./ Jerger, J.

Lipsey, R. G.

Patzig, W.

Phillips, A. W.

Mankiw, N. G.

Rothschild, K. W

Sachs J. D. / Larrain F.

Makroökonomik, 4 Auflage

Beschäftigungstheorie, Berlin 1999

The Relation between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, in: Economica Vol. 27

Stagflation und Phillips-Kurve, Freiburg 1990

The Relation between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, 1861 - 1957, in: Economica

Makroökonomik, 4 Auflage, 2000

Die Phillips-Kurven-Diskussion, in: Löhne, Preise, Beschäftigung, Frankfurt 1974,

Makroökonomik In globaler Sicht, Oldenburg 1995

Hiermit versichere ich, das die vorliegende Arbeit von mir selbständig und ohne unerlaubte Hilfe angefertigt worden ist, insbesondere, dass ich alle Stellen die wörtlich oder annähernd wörtlich aus Veröffentlichungen entnommen sind, durch Zitate als solche kenntlich gemacht habe.

Carsten Schneider

[...]


1Vgl. A.W Phillips, The Relation between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, 1861 - 1957, in: Economica, 1958, S. 283 - 299.

2Eine der ersten Studien ist die von Fischer Vgl. I. Fischer, A Statistical Relation Between U- nemployment and Prices Changes, International Labor Review Juni 1926

3 Vgl. K. W. Rothschild, Die Phillips-Kurven-Diskussion, in: Löhne, Preise, Beschäftigung, Frankfurt 1974, S. 19 - 20

4 Vgl. A.W. Phillips, The Relation between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, 1861 - 1957, in: Economica, 1958, S. 283 - 299.

5Vlg. J. D. Sachs / B. Larrain, Makroökonomik in globaler Sicht, Oldenburg 1995, S. 586

6Vgl. O. Landmann./ J. Jerger, Beschäftigungstheorie, S. 88

7Vgl. R. G. Lipsey, The Relation between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, in: Economica Vol. 27, 1960, S. 1-31.

8D.h. steigender Nominallohn bei Nachfrageüberhang - Überbeschäftigung (Nachfrage > Ange- bot) und sinkender Nominallohn bei Angebotsüberhang - Unterbeschäftigung (Angebot > Nach- frage)

9 Vlg. E. M. Claassen, Grundlagen der Makroökonomischen Theorie, München 1980, S 282

10Vgl. R. G. Lipsey, The Relation between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, S. 1-31.

11W. Patzig, Stagflation und Phillips-Kurve, Freiburg, 1990 S211.

12Vgl. N. G. Mankiw, Makroökonomik 4, Auflage, S 404

13Vgl. R. J. Gordon, Makroökonomik, 4 Auflage, S17

14Vlg. J. D. Sachs, F. Larrain, Makroökonomik In globaler Sicht, Oldenburg 1995, S 586

15Vgl. R. Dornbusch / S. Fischer, Makroökonomik, München 1992, S 493

16 Vlg. G. Dieckheuer, Makroökonomik Theorie und Politik, 2 Auflage 1995, S 362

17Vgl. W. Patzig, Stagflation und Phillips-Kurve, S 221

18 Vlg. G. Dieckheuer, Makroökonomik Theorie und Politik, 2 Auflage 1995, S 354

19E. M. Claassen, Grundlagen der Makroökonomischen Theorie, München 1980, S 299

20 E. M. Claassen, Grundlagen der Makroökonomischen Theorie, München 1980, S 301

21Vlg. J. D. Sachs, F. Larrain, Makroökonomik In globaler Sicht, Oldenburg 1995, S 590

22 Vlg. J. D. Sachs, F. Larrain, Makroökonomik In globaler Sicht, Oldenburg 1995, S 590

23Vgl. O. Landmann / J. Jerger, Beschäftigungstheorie S93

24 Vlg. G. Dieckheuer, Makroökonomik Theorie und Politik, 2 Auflage 1995, S 370

25Vgl. N. Gregory Mankiw, Makroökonomik 4 Auflage, S 411

26Vgl. E. M. Claassen, Grundlagen der Makroökonomischen Theorie, München 1980, S 304

27 Vlg. G. Dieckheuer, Makroökonomik Theorie und Politik, 2 Auflage 1995, S 373

28Vlg. N. G. Mankiw, Makroökonomik, 4 Auflage, S 411

29Vlg. N. G. Mankiw, Makroökonomik, 4 Auflage, S 404

30 Vlg. R. J. Gordon, Makroökonomik, 4 Auflage, S 707

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Details

Titel
Die Theorie der Phillips-Kurve: Zur Rolle der Erwartungsbildung im makroökonomischen Modellen.
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Bochum gGmbH
Veranstaltung
Volkswirtschaftstheorie
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V105822
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theorie, Phillips-Kurve, Rolle, Erwartungsbildung, Modellen, Volkswirtschaftstheorie
Arbeit zitieren
Carsten Schneider (Autor), 2001, Die Theorie der Phillips-Kurve: Zur Rolle der Erwartungsbildung im makroökonomischen Modellen., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105822

Kommentare

  • Gast am 17.6.2002

    Phillips Rules.

    Was ein Glück das Phillip nicht recht hatte! Ansonsten währe es jetzt ein Echter Teuro!

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