Printmedien in Rumänien


Seminararbeit, 2001
13 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

1.1 Einführung

1.2 Informationsbeschaffung

1.3 Aufbau der Arbeit

2.Hauptteil
2.1 Die Geschichte der rumänischen Presse nach `
2.2 Medienkonsum
2.3 Die Verlagshäuser

3. Arbeitsbedingungen der Journalisten
3.1 Legislativer Rahmen und rechtliche Absicherung
3.2 Informationsbeschaffung
3.3 Die Darstellung
3.4 Organisation und Verbände

4. Fazit

5. Verzeichnis der wichtigsten Zeitungen

6. Literaturliste

1.1. Einführung

Gegenstand dieser Hausarbeit ist die Situation der Printmedien in Rumänien. Es soll anhand einer Darstellung des Zustands der rumänischen Presselandschaft, ihres legislativen Rahmens und der Bedingungen journalistischer Arbeit aufgezeigt werden, aus welchen Gründen das rumänische Pressewesen auf so niedrigem journalistischem Niveau verharrt. Die rumänischen Medien, und insbesondere die Presse, dienen weniger als Einrichtung der Information und des Austausches innerhalb der Gesellschaft sondern vielmehr als persönliches Kampfmittel politischer Gruppen im Streben nach Macht und Einfluss. Personelle Vernetzung der Interessensphären bestimmt die Inhalte und deren Darstellung.

Dieser Zustand ist in sofern bemerkenswert, als es in Rumänien innerhalb von zwölf Jahren nicht gelungen ist, eine Art von Journalismus zu implementieren, der die Werte einer aufzubauenden Zivilgesellschaft propagiert .

Internationale Presse- und Journalistenvereinigungen schätzen Rumänien in Bezug auf Grundrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit seit langem für relativ frei ein. Es wurden zwar in der Vergangenheit einige Fälle von Einschüchterung, Bedrohung und Anwendung physischer Gewalt gegenüber Journalisten bekannt, dieses aber so vereinzelt, dass daraus nicht unbedingt eine generelle Gefährdung investigativer Journalisten abgeleitet werden kann.

In Rumänien gibt es nach wie vor kein Pressegesetz. Diverse Ansätze, ein Gesetz zu verabschieden wurden von der Presse immer wieder erfolgreich bekämpft. Schon daraus kann abgeleitet werden, dass die zum Teil konfuse Situation der rumänischen Presse weniger einer regressiven Politik rumänischer Behörden gegenüber den Medien entspringt, sondern zu einem Großteil von dem Gebaren der Redaktionen selbst bestimmt ist. Neben dem Fehlen allgemeingültiger Rechtsnormen, und dem Bestand einiger unreformierter Artikel des Strafgesetzbuches im Bereich der Publizistik ist vor allem die Abwesenheit eines allgemein anerkannten Kodexes zur Ethik journalistischer Arbeit zu bemängeln. Die Art und Weise der Aufarbeitung und Darstellung politischer Inhalte in der Presse leidet stark unter diesen Voraussetzungen. Journalisten sehen sich allzu oft immer noch ausschließlich als Akteure, selten als Berichterstatter und Begleiter gesellschaftlicher Prozesse. Der Versuch einer objektiven Darstellung ohne gleichzeitige Wertung ist noch viel zu selten zu erkennen. Diese weit verbreitete Auffassung von Journalismus leitet sich aus der Periode des Aufschwungs nach den Ereignissen im Dezember 1989 ab, als viele neue kurzlebige Publikationen entstanden, deren Autoren, nun endlich mit der Möglichkeit der freien Meinungsäußerung, Journalismus mit eindeutigem Sendungsbewusstsein gegenüber der gerade befreiten Leserschaft betrieben. Diese Entwicklung nach dem Zusammenbruch des Ceausescu-Regimes, in dessen Folge die Bürger mit viel Hoffnung an der Gestaltung ihres Gemeinwesens teilhaben wollten, ist verständlich und in einem solchen Prozess der Neuordnung kann Journalismus als Hilfs- und Kampfmittel konkurrierender Ideen vielleicht durchaus legitim eingesetzt werden. In der Folge hat sich aber in Rumänien keine allgemein anerkannte Ethik durchgesetzt, die ein Pressewesen ermöglicht, das politische Prozesse begleitet und ungefärbte Information der Bürger zulässt.

Gründe dafür sind in vor allem in der wirtschaftlich schwachen Lage der meisten Verlagshäuser, den resultierenden schlechten Arbeitsbedingungen der Journalisten und der sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Unabhängigkeit beziehungsweise Beeinflussbarkeit publizistischer Arbeit zu finden.

Die Betrachtungen zu den Printmedien werden sich auf in Rumänien erscheinende Tageszeitungen und auf wenige Wochenzeitungen beschränken. Zeitschriften und Magazine fachlicher oder spezieller thematischer Ausrichtung sind nicht Gegenstand der Betrachtungen, da die Thematisierung politischer Inhalte im gegebenen Zusammenhang wichtiger erscheint als die eher wenig gesellschaftsrelevante Berichterstattung über Freizeit, Technik und andere Gebiete.

1.2. Informationsbeschaffung:

Die diesen Betrachtungen zugrunde liegenden Informationen stammen vor allem aus

Berichten international arbeitender Menschenrechts- und

Pressefreiheitsorganisationen, aus Artikeln deutscher Tageszeitungen und Berichten des BOIS, Köln. Des weiteren führte der Autor in Bukarest, Rumänien Interviews mit verschiedenen Beobachtern und Vertretern rumänischer Printmedien. Interviewpartner waren:

Mircea Toma

-stellvertretender Chefredakteur „Academia Catavencu“

-Direktor der „Media Monitoring Agency“

Malte Kessler

-Wirtschaftsjournalist der ADZ (Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien)

Ein Diplomat der deutschen Botschaft in Rumänien

1.3. Aufbau der Arbeit:

In einem ersten Abschnitt wird kurz die Entwicklung der Printmedien nach der Wende 1989 skizziert. Der nächste Teil befasst sich mit dem Umfang der erscheinenden Zeitungen und deren Relevanz für den rumänischen Markt.

Der Abschnitt 2.3. widmet sich den wirtschaftlichen Aspekten der Zeitungslandschaft. Es werden die privatwirtschaftlichen Strukturen der Verlagshäuser untersucht. Abschnitt 3 beleuchtet die Arbeitsbedingungen der Journalisten. Es wird unterteilt in die legislativen Voraussetzungen journalistischer Arbeit(3.1), in die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung(3.2), in Art und Weise der Präsentation von Meldungen(3.3) und in den Grad der Organisationen der Presse. Im Anhang befindet sich ein Verzeichnis der wichtigsten rumänischen Tageszeitungen.

Hauptteil

2.1. Die Geschichte der rumänischen Presse nach `89:

Nachdem die Presse im Ceausescu-Regime der totalen Kontrolle der Partei und der Familie Ceausescu untergeordnet war und freies Publizieren so gut wie unmöglich wurde, stellt die Zeit nach dem Umbruch im Jahr 1989 für das rumänische Pressewesen eine Zeit der Euphorie dar. Erstmals konnten Publikationen frei und ohne Zensur erscheinen. Die Anzahl der Publikationen stieg explosionsartig an, die Auflagen der bestehenden Zeitungen vervielfachten sich. Diese Hochzeit der rumänischen Presse war am Ende des Jahres 1990 aber schon fast wieder beendet, da wirtschaftliche Schwierigkeiten der Verlage in Folge der allgemeinen Preisfreigabe und des Wegfalls staatlicher Subventionen und damit steigende Preise der Publikationen die Auflagenzahlen drastisch zurückgehen ließen. Probleme bereitete auch der Mangel an Papier. Die einzige rumänische Zeitungspapierfabrik war mit dem gestiegenen Bedarf völlig überlastet. Die Zeitungen waren gezwungen, in verringerter Seitenzahl zu erscheinen, oder die Anzahl der Ausgaben pro Woche zu mindern.

Viele Zeitungen mussten ihr Erscheinen bald wieder einstellen, da sie auf dem überfüllten Zeitungsmarkt nicht mithalten konnten.

Die meisten Printmedien, soweit sie auf Grund relativer finanzieller Unabhängigkeit überhaupt eigene Impulse setzen konnten, standen bis 1996 der amtierenden Regierung unter Ion Iliescu sehr feindlich gegenüber. Kritik an Reformunfähigkeit, Korruption und generell der Vorwurf, die neue politische Führung sei ideologisch und personell stark mit der alten Führung um Nicolae Ceausescu verwoben, wurde in der Presse fortwährend publiziert.

Beobachter schätzen deshalb ein, dass der Wahlsieg der konservativen Opposition unter Emil Constantinescu im November 1996 zu einem Großteil mit der Verdienst der Presse ist. Interessant ist, das eine Vielzahl der ehemaligen Redakteure von „Romania Libera“, der Sperrspitze der einstigen demokratischen Oppositionspresse, nach dem Machtwechsel wichtige Posten in der neuen Regierung innehatten, vom Regierungssprecher bis hin zum Leiter des Sicherheitsdienstes.1Viele Mitarbeiter der kritischen Presse arbeiteten während des Wahlkampfes neben ihrer Berichterstattung für die Opposition und schrieben Reden oder Wahlkampftexte.2

2.2 Medienkonsum

Die Informationsmöglichkeiten über Daten und Statistiken zur rumänischen Presse sind äußerst dürftig. Die Schätzungen zur Anzahl der regelmäßig erscheinenden Publikationen variiert zwischen 600- 8003im Jahr 1996 und 200- 2504nach neueren Angaben.

Informationen über Auflagenzahlen sind sehr lückenhaft. Selbst in einer Publikation der FREEDOM HOUSE Organisation, der einzigen verfügbaren Datensammlung zu Rumäniens Medien, sind die Angaben zu Auflagen und Leserschaft so unvollständig, dass ein genaues „ranking“ nur ansatzweise möglich ist.

Zur Zeit gibt es ungefähr 10 landesweit verbreitete überregionale Tageszeitungen, Marktführer unter ihnen ist „Adevarul“ ( Die Wahrheit), nach 1989 hervorgegangen aus dem Organ der kommunistischen Partei „Scintea“ ( Der Funken) mit einer Auflage von 200 000 Exemplaren, gefolgt von „Romania Libera“, Evenimentul Zilei und „National“. Neben den überregionalen Tageszeitungen gibt es mindestens noch je eine Zeitung für die einzelnen Regionen (judet).Als wichtige Wochenzeitungen treten vor allem „Dilema“, „22“ und „Academia Catavencu“ in Erscheinung. Erstere beide erscheinen zwar nur mit einer geringen Auflage von ungefähr 10 000, sind aber wegen ihrer ausführlichen Hintergrundanalysen in intellektuellen Kreisen anerkannt und einflussreich. „Academia Catavencu“ ist eine wöchentlich erscheinende Satire-Zeitschrift, bekannt dafür, sensible Themen der rumänischen Politik aufzugreifen, die von anderen Zeitungen eher nicht berührt werden, Auflage 100 000. Die Mitarbeiter haben die „Media Monitoring Agency“ gegründet, eine Organisation die sich um Pressefreiheit und Journalistenschulungen kümmert.5

Diese drei Wochenzeitungen fallen unter den anderen Publikationen auf, da sie, im Gegensatz zu den meisten Tageszeitungen, auf einem sehr hohen Niveau arbeiten und Journalismus nach westlichen Maßstäben betreiben. Alle größeren Zeitungen sind mit ihren Ausgaben mittlerweile auch im Internet zu finden.

Des weiteren gibt es die Zeitungen der ungarischen und der deutschen Minderheit, „Romaniay Magayar Szo“ und die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“, beide erhalten staatliche Subventionen.

2.3. Die Verlagshäuser

Fast alle Printmedien sind als Aktiengesellschaften organisiert. Es gibt keine staatseigenen Printmedien, abgesehen von einigen Kulturzeitungen und Minderheitenblättern (s.o.), die von der Regierung subventioniert werden. Die Zeitung des Parlaments und die der Regierung sind faktisch nicht existent. Zeitungen werden als Unternehmen betrachtet und ebenso besteuert wie andere produzierende Betriebe. Die Eigentümer sind öfters identisch mit den Direktoren oder Chefredakteuren. Zeitungsverleger spielen in der rumänischen Öffentlichkeit, vor allem durch häufiges Auftreten im Fernsehen, eine wichtige Rolle. Sie sind ständige Gäste in Talkshows, manche haben ihre eigenen Sendungen.

Die meisten der Tages- und Wochenzeitungen operieren ständig am Rande des Bankrott. Nach diversen Einschätzungen ist es nur schwer möglich mit Zeitungsjournalismus Geld zu verdienen.

Die Einnahmen setzen sich aus Werbung und Verkauf zusammen. Die andauernde Wirtschaftskrise erlaubt es nicht, der Leserschaft höhere Zeitungspreise zuzumuten. Schon jetzt sind Zeitungen, im Schnitt kosten sie ca. 30 Pf, im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen der Bevölkerung teurer, als in Westeuropa. Das Werbeaufkommen ist wegen der Schwäche der Wirtschaft nach wie vor gering. Die anhaltende wirtschaftliche Notlage vieler Zeitungen lässt vermuten, dass die Zeitungsbesitzer diese Verlustgeschäfte finanzieren, um sich über diese Publikationen politische Einfluss- und Druckmittel zu bewahren, die sich an anderer Stelle auszahlen. Förderer von Publikationen sichern sich so ihren Einfluss auf die redaktionelle Leitung.

Will man unabhängigen Journalismus fördern, ist hier ein wichtiger Ansatzpunkt, wo auch durch veränderte Gesetzgebung geholfen werden kann. Da die Verlagshäuser wie produzierende Privatunternehmen besteuert werden, vermindert sich die ohnehin schon geringe Wirtschaftlichkeit. Durch Senkung der Steuersätze würde Unternehmen der Medienbranche die Möglichkeit eröffnet werden, unabhängiger von anderweitiger finanzieller Unterstützung zu arbeiten.

Soweit es überhaupt in Erfahrung zu bringen ist, wer wirklich hinter welchen Zeitungen steht, kann man sagen, dass Konzentration und Konzernbildung auf dem rumänischen Medienmarkt noch am Anfang stehen. Die großen landesweit vertriebenen und am ehesten einflussreichen Tageszeitungen gehören zu verschiedenen Häusern, somit ist hier Pluralität möglich. Konzentration findet zunehmend über die Grenzen verschiedener Medienarten hinweg statt. Dem Geschäftsmann Dan Voiculescu, Vorsteher des Wirtschaftsimperiums „Crescent“, gehört die Tageszeitung „Jurnalul National“ und „Antena1“,einer der weit verbreiteten TV-Sender Rumäniens. Voiculescu ist Gründer der Humanistischen Partei Rumäniens (PUR).

Konzentration von Printmedien erscheint zunehmend bei vielen kleinen Magazinen und Zeitschriften, die zum Teil nur übersetzte Formate westeuropäischer Verlage sind.

Westliche Investoren werden auf dem rumänischen Zeitungsmarkt, im Gegensatz zu Beteiligungen bei elektronischen Medien, nur zögerlich aktiv. Zur Zeit halten der Verlag „Gruner und Jahr“, die deutsche Tageszeitung “WAZ“ und die Schweizer Ringier-Gruppe Anteile an rumänischen Tageszeitungen.( siehe Tabelle Seite zwölf) Im Gegensatz zu der Auswahl an Druckereien haben die Verlage bei den Verteilungssystemen weiterhin mit Problemen zu kämpfen. Den größten Marktanteil hält immer noch die staatseigene Firma „Rodipet SA“, die den Großteil der überregionalen Zeitungsabonnements verteilt und ein großes Netzwerk von Zeitungskiosken betreibt. Rodipet ist die einzige landesweit operierende Distributionsfirma. Im Sommer 2001 wandte sich der Rumänische Presseclub (die Vertretung der rumänischen Zeitungsverleger, s.u.) an die Öffentlichkeit, da aufgrund ausbleibender Zahlungen der Vertriebsagentur viele Zeitungen vor dem Ruin ständen.6 Rodipet hatte die Abbozahlungen der Kunden nicht an die Verlage weitergeleitet. Manche Verlage warteten schon bis zu einem Jahr auf diese Einnahmen. Wo die Gelder verblieben sind ist unklar.

Die staatliche Vertriebsagentur kam schon Anfang der neunziger Jahre in die Schlagzeilen, als die Verteilung oppositioneller Zeitungen behindert oder verzögert wurde und teilweise Exemplare bündelweise aus fahrenden Zügen geworfen wurden.7

Mittlerweile gibt es private Vertriebsfirmen, diese decken jedoch immer nur einzelne Regionen ab. Kooperation zwischen ihnen und der Aufbau landesweiter Strukturen scheiterte bis jetzt, so dass die Verlage weiterhin auf Zusammenarbeit mit Rodipet angewiesen sind.8

3. Arbeitsbedingungen der Journalisten

3.1. Legislativer Rahmen und rechtliche Absicherung

Die rumänische Verfassung sichert in Artikel 30 Meinungsfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung zu, Beschränkungen finden sich im Schutz der Persönlichkeit. Staat und Nation dürfen nicht geschmäht werden, Zensur ist verboten.

In Rumänien existiert kein Pressegesetz. In den vergangenen Jahren gab es mehrere Versuche der verschiedenen Regierungen, ein solches Gesetz zu implementieren. Die Proteste der Medien haben die Gesetzgebungsprozesse jedoch immer wieder zu einem vorzeitigen Abbruch geführt. Die Vertreter der rumänischen Medien haben nicht verstanden, dass ein solches Gesetz nicht unbedingt eine Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit bedeuten muss, sondern dass es im Gegenteil den Journalisten und Verlagen Schutz und Sicherheit bieten kann. Eine Aversion gegen staatliche Kontrolle der Medien ist in Rumänien aus der Geschichte heraus durchaus nachzuvollziehen. Die totale Überwachung unter Ceausescu hat weiterhin abschreckende Wirkung. Die augenblickliche Behandlung der Presse, gerade im Bereich des Strafrechts, verlangt aber nach einer Regelung, die offizielle Standards im Publikationswesen festlegt.

Die Veränderungen des Strafgesetzbuchs 1996, welche Gefängnisstrafen für Journalisten vorsehen, die der Defamierung, besonders von öffentlichen Personen und Staatsbeamten, schuldig befunden sind, wurden von Organisationen wie „Helsinki Watch“ oder „Reporter ohne Grenzen“ stark kritisiert.9

In einer Resolution des Europarates wird gefordert, die Artikel 205,206,238 und 239 des Strafgesetzbuches zu novellieren10. Diese Artikel befassen sich mit dem Strafbestand der Beleidigung und Verleumdung, und behindern nach Einschätzung des Rates das Recht auf freie Meinungsäußerung. Die Resolution (1997) gab einen Zeitrahmen von einem Jahr vor, die entsprechenden Paragraphen in Einklang mit der Europäischen Menschenrechtskonvention (ECHR) zubringen. Dies ist bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht vollzogen worden.11

3.2. Informationsbeschaffung

Seit die private Nachrichtenagentur „Mediafax“ vom Medienkonzern „Pro“ übernommen worden ist und damit neben der staatlichen Agentur „Rompress“ andere Informationsquellen bestehen, hat sich das Angebot auf Grund der Konkurrenzsituation qualitativ verbessert.

Staatliche Stellen und Behörden haben Pressesprecher oder geben Informationen über ihre Internetoberflächen heraus. Bemängelt wird, dass dort oft nur allgemeine Formeln zu erfahren sind, mit dem Hinweiß, dass aus Gründen der Geheimhaltung zu dieser oder jener Frage keine Auskünfte erteilt werden können. Ein Großteil der wirklich interessanten veröffentlichten Inlandsinformationen stammt aus inoffiziellen Quellen, was den Nachteil hat, dass vor der Veröffentlichung kaum eine Bestätigung von einer zweiten unabhängigen Quelle eingeholt werden kann.

Rumäniens Printmedien verfügen über keine Auslandskorrespondenten. Die größeren Zeitungen schicken zu wichtigen Ereignissen eigene Journalisten.

3.3. Die Darstellung

Das große Problem der rumänischen Presse ist die ständige Mischung aus Berichterstattung und gleichzeitiger Wertung. Objektive Informationen und Darstellungen sind, vor allem in den Tageszeitungen, schwer zu finden. Defamierung, Störung der Privatsphäre, diskriminierende Sprachweise, Missinterpretationen und einseitige Berichterstattung erscheinen täglich in den rumänischen Medien.12

Rumänische Journalisten haben oft nicht das Bewusstsein für eine informierende Berichterstattung, sie fühlen sich eher „wie Robin Hood und treten für die gute Sache ein“.13

Die wenigsten von ihnen haben eine journalistische Ausbildung, viele kommen aus den Geistes- oder Sozialwissenschaften. Nachdem 1989/90 viele neue Publikationen erschienen und ein großer Bedarf an Journalisten bestand, arbeiteten in den Redaktionen viele Menschen, die mit diesem Feld nicht vertraut waren, die keine Kenntnisse von Presse-Ethik, Recherchiermethoden oder objektiver Berichterstattung hatten; dazu eine alte Journalistenelite, die gut trainiert war, Loblieder über die Wohltaten Ceausescus und die Segnungen des Kommunismus zu schreiben.

Diese professionellen Schwächen sind bis heute zu spüren und gerade bei kleinen finanziell angeschlagenen Zeitungen im ländlichen Raum ist der Professionalisierungsgrad extrem gering.

Nach seriösen Schätzungen arbeiten in Rumänien zur Zeit 20 000 Journalisten.14

Internationale Vereinigungen organisieren zunehmend Trainingskurse für Journalisten. Das Problem dabei sei, so wurde es dem Autor gegenüber in vielen Gesprächen dargelegt, dass die geschulten Journalisten in ihren Redaktionen nicht die Freiheit haben, eine neue Arbeitsweise zu etablieren, sondern sich den Zwängen der Redaktion und damit dem Stil der Publikation unterordnen müssen. Diese Kurse werden zwar von vielen Seiten begrüßt, die Wirkung, so oftmals die Feststellung, sei aber nur sehr langsam zu erkennen.

Ein Phänomen der rumänischen Presse ist der starke Kampagnen-Stil vieler Meldungen. Gemeint ist, dass Zeitungen über Tage oder Wochen hinweg einzelne Personen oder Gruppen aus Wirtschaft und Politik zielscheibenartig mit vernichtenden, mehr oder weniger korrekten Berichten und negativen Kommentaren belasten, um sie politisch zu schwächen. Erstaunlich ist, das diese Kampagnen, obwohl sehr offensichtlich veröffentlicht, in ihren Konsequenzen eher mäßig sind. Die Überlegung, dass eine Presse, die politische Skandale aufdecken und veröffentlichen kann, eine freie Presse sein muss, da die Betroffenen nicht den Einfluss aufbringen können die Publizierung zu verhindern, findet ihre Grenze dann, wenn Skandale keine Wirkung nach sich ziehen, sondern die Verhältnisse trotz großer Aufregung bestehen bleiben. Die große Anzahl, die überzogene unangemessene und öfters falsche Darstellung brisanter Themen hat zu einer Inflation des Bedeutungswertes geführt. Berichte über Korruption oder Misswirtschaft haben so keinen großen Einfluss mehr auf die Politik, personelle Konsequenzen bleiben aus.

3.4. Organisationen und Verbände

Es bestehen keine funktionierenden einflussreichen Journalistenverbände in Rumänien. Eine Gewerkschaft, die die Belange der Journalisten vertritt, gibt es nicht. Es bestehen viel kleine Verbände einzelner Fachrichtungen (Sportjournalismus, Technik), diese dienen jedoch eher dem internen fachlichen Austausch als der Interessensvertretung nach außen.15

Eine Vielzahl internationaler Organisationen ist in Rumänien aktiv: Open Society Foundation Romania, Freedom House, The Foundation for Independent Journalism sind die bemerkenswertesten.

Des weiteren gibt es den rumänischen Presseclub („Clubul Român de Pres“ ,CRP“) in dem die Eigentümer der Presse organisiert sind. „Der Rumänische Presseclub ist ein Interessensverband rumänischer Medienmogule.“16

Diese Vereinigung vertritt eher die wirtschaftlichen Aspekte der Zeitungen gegenüber dem Staat, die qualitative Verbesserung des Journalismus steht nicht unbedingt auf der Agenda. Da zu vermuten ist, das viele Direktoren ihre Zeitungen als Waffe im politischen Machtkampf benutzen, ist es ja auch nicht in ihrem Interesse, einen eigenständigen „guten“ Journalismus zu fördern. Praktischer sind Journalisten, die gegen Bezahlung die Artikel und Meinungen produzieren, die gebraucht werden.

4. Fazit

Diverse Gespräche mit Beobachtern der Situation zeigen, dass die unzureichende Rechtslage für Journalisten kein Hindernisgrund ist, brisante Themen anzuschneiden. Die täglichen Kampagnen gegen Personen des öffentlichen Lebens, die teilweise auf unterstem Niveau geführt werden, sind Beleg dafür, dass die Mittel der Judikative, auch wenn sie vom Europarat und diversen NGO`s als zu restriktiv angeprangert werden, die Presse nicht unbedingt einschränken. In Rumänien ist eine große Zahl von Verleumdungsklagen gegen Journalisten und Verlage anhängig. Mit Blick auf das Erscheinungsbild vieler Tageszeitungen erscheint dies gerechtfertigt. Es ist gängige Praxis, rechtlich sehr bedenkliche Skandal- und Sensationsmeldungen als Aufhänger und Titelstory zu benutzen um hohe Auflagen zu erreichen. Für Mehreinnahmen werden so Anklagen und Bußgelder billigend in Kauf genommen.

Journalisten sind den Betreibern von Zeitungen oftmals ausgeliefert. Das Fehlen von einflusstarken Interessensvertretungen und Vereinigungen hat zur Folge, dass Journalisten mit ungünstigen Arbeitsverträgen ausgestattet, wenig Schutz genießen. Die Zwangslage, in der sich viele Journalisten befinden, führt nicht gerade dazu, einen eigenständigen kreativen Journalismus zu fördern. Vielmehr sind sie darauf angewiesen, Meinungen zu produzieren, die die Linie des Blattes bedienen.

Wenn diese Zwangslage bestehen bleibt, kann auch die Wirkung von Weiterbildungs- und Trainingsprogrammen für Journalisten nicht -allzu- groß sein. Um in den Medien eine neue Ethik zu etablieren, muss nicht nur ein Bewusstsein der Mitarbeiter dafür gelingen. Die Chefredaktionen müssen bereit sein, für rumänische Verhältnisse neue Wege zu beschreiten und einen objektiveren unabhängigen Journalismus zulassen. Dazu bedarf es auch einer größeren Unabhängigkeit der Redaktionen von übergeordneten Vorgaben und Interessen finanzieller Unterstützer. Die mögliche Perspektive einer strukturellen Verbesserung erscheint jedoch langwierig. Eine finanzstarke Wirtschaft, die die Presse durch vermehrte Ausgaben für Werbung stabilisiert, ist noch nicht sehr entwickelt und die nach allen Schätzungen weiterhin anhaltende Wirtschaftskrise fördert nicht gerade den Pressekonsum der Bevölkerung.

Zwischen den Redaktionen der verschiedenen Medien ist eine große personelle Fluktuation im Gange. Journalisten wechseln damit nicht nur zu einem anderen Arbeitsplatz, sondern häufig auch zu einer anderen politischen Sicht- und Darstellungsweise über. Das Vertrauen der Leser in die Wahrhaftigkeit der Darstellungen leidet unter solchen Bedingungen.

All diese Faktoren führen dazu, dass die Entwicklung eines Journalismus, der dringend nötige zivilgesellschaftliche Prozesse forciert, verzögert wird. Es bedarf einer Medienlandschaft, die die Werte und Tugenden der Demokratie stärken kann. Medien müssen den Akteuren des politischen Lebens eine Möglichkeit sein, auf faire Art und Weise ihre konkurrierenden Ideale und Entwürfe darzubieten. Solange Medien die privaten Mittel einzelner Gruppen oder Parteien sind, kann ein chancengleicher ausgangsoffener Wettstreit nicht funktionieren.

5. Liste der wichtigen Tageszeitungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6. Literaturliste

Freedom House,Top 99 a Guide to Romania´s Media, Second Edition.

Lingner, Gudrun,Die rumänischen Printmedien, Ausdruck und Motor derDemokratisierung.Köln: BOIS, 1997.-35 S. , Berichte des Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien 13-1997.

Verseck, Keno „Verflochtene Eliten“Die Tageszeitung.8.6.2001. S.16

Online available: http://www.taz.de/pt/2001/06/08/a0133.nf/text10.10.2001

Capita, Carol,Country Reports on Media Romania,Education and Media in Southeast Europe: Country Reports.

Online available:

www-gewi.kfunigraz.ac.at/csbsc/country_reports/Media_Romania.htm

10.10.2001

Schlegel, Dietrich:Entwicklung und aktueller Stand der Medien in Bulgarien, Rumänien und Ungarn.In: Südosteuropa Mitteilungen(München), 38(1998)1, S. 1-9.

Medien- und Pressespiegel „Medien Südosteuropa“ 07/2001-10-10

Online available: www.br-online.de/br-intern/suedosteuropa/spiegel06.html

Freedom House Report, Romania

www.freedomhouse.org/pdf_docs/research/nitransit/2001/24_romania.pdf

10.10.2001

Romania: Media Boom on Fragile Ground, Press Now Dossier http://194.109.221.181/dossier/romaniacah.html 10.10.2001

„Rumänische Printmedien in Gefahr“Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien.

9.7.2001

Peter Gross “Limping to nowhere: Romania`s media under Constantinescu”EastEuropean Studies, Occasional Papers.

Online available:

http://wwics.si.edu/PROGRAMS/REGION/ees/occasional/romgross51.html

10.10.2001

Article 19, “Statement on Romania`s progress towards meeting international standards on freedom of expression” , Article 19, the Global Campaign for Free Expression and the Centre for Independent Journalism (CJI), Romania Online available: www.article19.org 10.10.2001

[...]


1Dietrich Schlegel

2Peter Gross

3Gudrun Lingner

4Carol Capita

5www.mma.ro

6DAZ. 9.7.2001

7Gudrun Lingner

8Mircea Toma in einem Interview mit dem Autor

9Peter Gross

10Resolution 1123 (1997) Parliamentary Assembly of the Council of Europe

11Article 19

12Press Now Dossier

13Ein Diplomat der deutschen Botschaft in einem Interview mit dem Autor.

14Medien- und Pressespiegel „Medien Südosteuropa

15Mircea Toma in einem Interview, geführt vom Autor

16Keno Verseck

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Printmedien in Rumänien
Autor
Jahr
2001
Seiten
13
Katalognummer
V105835
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Printmedien, Rumänien
Arbeit zitieren
Felix Wolf (Autor), 2001, Printmedien in Rumänien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105835

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