Möglichkeiten und Grenzen der Internetnutzung an der Schule für Lernhilfe, Medien, Medienkompetenz


Examensarbeit, 2001

164 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Die Wissensund Informationsgesellschaft

2. Entwicklung und Grundlagen des Internets

3. Die Bedeutung der Medienkompetenz

4. Schule für Lernhilfe

5. Die Bedeutung lerntheoretischer Grundpositionen für den Interneteinsatz an Sonderschulen

6. Der Interneteinsatz in der Schule für Lernhilfe

7. Möglichkeiten und Grenzen des Interneteinsatzes in der Schule für Lernhilfe

8. Muss der Interneteinsatz an der Schule für Lernhilfe ein anderer sein als an der Regelschule

9. Resümee und Ausblick

10. Literaturverzeichnis

11. Anhang

0. Einleitung

Der Terminus der ´Neuen Medien´ ist heute untrennbar mit dem Begriff der Telekommunikation verknüpft. Angefangen bei Mobiltelefonen und Faxgeräten sind besonders Teilbereiche des Internet, wie Online-Dienste, Datenfernübertragung und elektronische Post im Alltag vieler Menschen anzufinden und aus der Berufswelt nicht mehr wegzudenken. Wer die Zunahme der Internetverweise in traditionellen Medien verfolgt, kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass Medienkompetenz bzw. Internetkompetenz eine Grundvorraussetzung für eine gesellschaftliche Teilhabe sei. Spätestens nach Boris Beckers ´Ich bin drin!´- Erfolgserlebnis ist einem Großteil der Bevölkerung klar: Computer und Internet sind nicht mehr Spezialitäten für wenige Computerfreaks , sondern Normalitäten für weite Bevölkerungskreise.

Es besteht jedoch die Gefahr, dass besonders lernschwächere Menschen durch diese technologische Revolution verstärkt ins Hintertreffen geraten, sind doch die Auswirkungen neuer Technologien für diese Personengruppe bereits im Arbeitsund Privatbereich evident. Die Thematik der zunehmenden digitale Spaltung gewinnt mittlerweile derart an Brisanz, dass selbst konservativere Tageszeitungen, wie ´Die Welt´ vor einer einseitigen Entwicklung zu Ungunsten sozial Benachteiligter warnen (vgl. FRÜHBRODT 2001, 12).

Wurden Computer im Bildungsressort anfangs ausschließlich in Universitäten und Fachhochschulen eingesetzt, stellen sie derzeit auch an vielen Schulen eine Bereicherung des Unterrichts dar. Moderne Kommunikationsund Rechercheformen hielten dagegen erst die letzten Jahre Einzug in die Schulen für Lernhilfe. Die Kinder und Jugendlichen der Schule für Lernhilfe entscheiden nicht, ob sie die neuen Medien nutzen oder nicht. Ihre Nutzungsmöglichkeiten hängen davon ab, welche Angebote ihnen unterbreitet werden, seitens des Elternhauses, aber auch (oder gerade?) in der Schule.

´Internetunterricht´ in der Sonderschule muss behinderte Kinder und Jugendliche in die Lage versetzen, die Angebote dieses Mediums möglichst selbständig und verantwortungsvoll nutzen zu können.

Die vorliegende Examensarbeit soll einen Überblick über die derzeitigen Möglichkeiten und Grenzen des Interneteinsatzes an der Schule für Lernhilfe aufzeigen. Für die Vermittlung eines kompetenten Umgangs mit dem Internet ist es meines Erachtens wichtig, dass Lehrpersonen Möglichkeiten und Grenzen bzw. Risiken des Mediums kennen und hinsichtlich des schulischen Einsatzbereiches bewerten. Durch einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Medium und das Abwägen der Chancen und Risiken kann der Interneteinsatz legitimiert und das pädagogische Handeln darauf abgestimmt werden.

Im ersten Kapitel beschreibe ich den Wandel der Gesellschaft von der Industriezur Informationsgesellschaft und zeige die Notwendigkeit von Medienbzw. Internetkompetenz für das spätere Leben der Schüler auf. Dabei verweise ich auf die Gefahren und Chancen, die sich durch den Interneteinsatz und die zunehmende Technisierung für die Berufsperspektiven der Abgänger der Schule für Lernhilfe ergeben.

Im zweiten Kapitel werden die gebräuchlichsten Internetdienste erläutert. Die Darlegung wird eingeleitet durch einen kurzen entstehungsgeschichtlichen Abriss des Internets und endet mit einer umrisshaften Vorstellung weiterer Internetdienste. Erst ein basales Verständnis der im Internet verfügbaren Dienste und gebräuchlicher Termini ermöglicht die Auseinandersetzung mit den weiterführenden Kapiteln. Aufgrund der neugewonnenen technischen Möglichkeiten und der zunehmenden Verbreitung der neuen Technologien gewinnt die im dritten Kapitel beschriebene Medienkompetenz an Bedeutung. Dabei befasse ich mich auch mit der Fragestellung nach dem Wert der zukünftigen Rolle der Lehrkräfte.

Im vierten Kapitel setze ich mich mit dem Versuch vieler Pädagogen, das Phänomen der ´Lernschwierigkeiten´ begrifflich zu fassen, auseinander. Dabei werden Ursachen und mögliche Erscheinungsformen beschrieben. Dies ist mir besonders wichtig, weil der Interneteinsatz an der Schule zwar keine Ursachen für ´Lernschwierigkeiten´ beheben kann, aber in der Lage ist, negative Konsequenzen bei der gesellschaftlichen und beruflichen Teilhabe zu mindern. Bevor ich mich konkret mit den Möglichkeiten des Interneteinsatzes in der Schule für Lernhilfe auseinandersetze, ist es unabdingbar im fünften Kapitel einige lerntheoretische Grundpositionen für den Schulunterricht vorzustellen. Jeder Unterrichtsform und pädagogisch motivierten Internetseite liegt ein theoretisches Lernmodell zugrunde. Das sechste Kapitel beschäftigt sich mit der Legitimation des Internets an der Schule für Lernhilfe und beinhaltet den Bildungsauftrag der Schule, sowie mögliche Ziele und Notwendigkeit des Interneteinsatzes. Die Möglichkeiten und Grenzen des Interneteinsatzes, sowohl in Bezug auf die verfügbaren Dienste, als auch auf die Rahmenbedingungen werden ausführlich im siebten Kapitel diskutiert. Anschließend setze ich mich im achten Kapitel, in Form einer exemplarischen Studie, mit der Frage nach potentiellen Unterschieden des Internetgebrauchs zwischen der Schule für Lernhilfe und der Regelschule auseinander.

In diesem Zusammenhang möchte ich einen Bezug zwischen den im siebten Kapitel dargestellten theoretischen Möglichkeiten und Grenzen und der Praxis herstellen.

In meiner Arbeit werde ich die Nutzung des Internets im Unterricht vornehmlich auf die Nutzungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler beziehen. Falls es für das Textverständnis erforderlich sein sollte, werde ich jedoch kleine Exkursionen in Richtung Lehrkraftnutzung vornehmen. Unter ´Computer´ verstehe ich in meinen Ausführungen immer einen Personalcomputer, also einen Computer der sowohl für den privaten, als auch geschäftlichen Bereich genutzt werden kann und eine Anbindung an Datennetze ermöglicht.

Noch drei praktische Hinweise zur Lektüre der Arbeit möchte ich voranstellen:

1. Im weiteren Verlauf werde ich nicht die Form Schülerinnen/ Schüler, Lehrerinnen/ Lehrer verwenden, sondern Schüler, Lehrer etc.. Diese impliziert selbstverständlich auch die weibliche Form und dient der besseren Leserlichkeit. Keinesfalls stellt sie eine Wertung dar.
2. Des weiteren verwende ich neben doppelten zitatbezogenen Anführungszeichen auch einfache; sie sollen Ausdrücke kennzeichnen, die von mir distanziert gebraucht werden oder der Umgangssprache entstammen. Wegen der Fragwürdigkeit des Lernbehindertenbegriffs kennzeichne ich beispielsweise die Bezeichnung ´Lernbehinderung’ auf diese Weise.
3. Direkte und indirekte Zitate, die ich einer Internetseite entnommen habe, werden von mir durch ein „I“ statt der Seitenangabe markiert. Selbstverständlich ist im Literaturverzeichnis der entsprechende Verweis samt Internetadresse vermerkt.

1. Die Wissensund Informationsgesellschaft

1.1 Vorbemerkung zum Wissensbegriff

Laut SCHILLER/MIÈGE (z.n. SACHER 2000, 102) sprechen wir von Wissen, „wenn Informationen methodisch erschlossen und reflektiert, gewertet und gewichtet und schließlich in einen Rahmen von Bedeutungen eingeordnet" werden. Demnach können Medien zwar Informationen transportieren, jedoch keinesfalls Wissen. Wissen, als etwas durch humane Arbeit und subjektive Aneignung im Menschen entstandenes, ist demnach in den Medien nicht zu finden. Wissen besitzt nur ein lebender Organismus. Medien vermitteln Information, sie vermitteln aber kein Wissen.

KORING (2000, 142) verdeutlicht dies, indem er einen Vergleich zum Buch aufstellt, welches ebenfalls nur Informationen enthalten kann. Von Wissen sollte erst gesprochen werden, sobald mit Informationen gearbeitet wird. Erst nach der Transformation zu Wissen können Informationen „einen Beitrag dazu leisten, menschliche Probleme zu lösen“ (ebd.). Als Fazit bezeichnet KORING die Informationen im Internet als ´wertlos´ und ´leer´ , solange humane Probleme, Bedürfnisse und Interessen nicht berücksichtigt werden. Welche Auswirkung KORINGS Fazit auf den Interneteinsatz im Schulunterricht hat, stelle ich in Kapitel 8 ausführlich dar.

1.2 Begriffsdefinition Informationsgesellschaft

Die Technisierung ist aus unserer Umwelt nicht mehr wegzudenken. Neue Technologien[1] nehmen mittlerweile einen festen Platz in der Gesellschaft ein. Besonders das Internet expandiert in „allen gesellschaftlichen Bereichen (z.B. Bildungswesen, Gesundheitswesen, Kunst, Politik, Arbeitsleben)“, was zu einer Veränderung der gesellschaftlichen

Kommunikation oder gar des gesellschaftlichen Miteinanders führt (DÖRING 1999, 32). In den kommenden zehn Jahren wird es wahrscheinlich zu einer Verzahnung von Internet und Fernsehen kommen, die zu einer weiteren Verbreitung des Internet in den Familien führen wird (vgl. GERLACH 1999, I). Auch in der Politik wird das Internet zunehmend bedeutsamer, bieten doch die neuen Informationsund Kommunikationstechnologien eine potentiell höhere Bürgernähe und größere Transparenz. In diversen, vom Bundesministerium für Arbeit geförderten Pilotprojekten werden bereits Wahlen via Internet erprobt, die in Zukunft für alle Bürger Realität werden sollen (vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG 1998; BUNDESMINISTERIUM FÜR BILDUNG UND FORSCHUNG 1999, 84).

Die Umwandlung der Industriegesellschaft in eine sogenannte Informationsgesellschaft ist bereits seit Ende der 70er Jahre im Gespräch. Angesichts der immer stärkeren Verbreitung der Medien, verbunden mit einem fortschreitenden Ausbau der Telekommunikationsnetze und der exponentiell steigenden Verbreitung der Personalcomputer ist derzeit vom Übergang in das Informationszeitalter die Rede. Geisteswissenschaftler und Medien beschwören bereits das Ende des Industriezeitalters. Unter der Bezeichnung Informationsgesellschaft wird dabei häufig eine Wirtschaftsund Gesellschaftsform konstatiert, in welcher der produktive Umgang mit der Ressource Information eine herausragende Rolle spielt (vgl. BUNDESMINISTERIUM FÜR BILDUNG UND FORSCHUNG 1999).

FLUSSER (1995, 15) schließt sich der Definition des Bundesministeriums weitgehend an, nach der eine Informationsgesellschaft eine Gesellschaftsform ist, in der „das Herstellen, Verarbeiten und Verteilen von Informationen eine zentrale Stellung einnimmt“. Diese einfache Definition wird von Flusser jedoch nur als Voraussetzung für eine neue Kultur angesehen, „in der sich das existentielle Interesse auf den Informationsaustausch mit anderen konzentriert“ (ebd.). Der menschliche Drang nach Informationsaustausch rückt bei dieser Theorie in den Vordergrund.

WERSIG (2000, I) distanziert sich dagegen von der vorherrschenden Definition der Informationsgesellschaft als ´ informationstechnische´ Gesellschaft. Er verweist auf Schlüsseltechnologien der letzten Jahrzente, die trotz ihrer großen Bedeutsamkeit nichts zu der Namensgebung einer Gesellschaft beitrugen. Wäre dies geschehen, müssten Gesellschaftsbezeichnungen wie „Automobilgesellschaft oder der Anti- Baby-Pillen-Gesellschaft“ ebenfalls legitim sein (ebd.).

Des weiteren kommt es zu Verknüpfungen einzelner Gesellschaftstheorien. Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr beschreibt beispielsweise auf ihrer Internetseite die „Vernetzte Dienstleistungs-Gesellschaft“ und versucht sich an einer Integration des Informationsgesellschaftsbegriffs in den bereits länger gebräuchlichen Terminus der auf Dienstleistung basierten Arbeitsgesellschaft (ÖTV 2001, I).

Ich werde den Begriff ´Informationsgesellschaft´ im folgenden Text als eine Sammelbezeichnung einer auf Informationsbeschaffung basierenden Gesellschaft verwenden.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Gesellschaft ist das Internet. Anfangs noch von der breiten Masse ungeachtet, gewann es seit 1993 eine enorme kulturelle Präsenz. Fernsehen, Tageszeitungen und Zeitschriften berichten mittlerweile regelmäßig über das „Surfen auf der Datenautobahn“ (vgl. DÖRING 1999, 27). FRENZEL (2000, 3), als Vorsitzender der Initiative ´N-21´[2] geht noch einen Schritt weiter und beurteilt das Internet als einflussreichstes Kommunikationsmedium der postindustriellen Gesellschaft.

1.3 Risiken der Informationsgesellschaft

Wie bei allen technischen Neuerungen und gesellschaftlichen Entwicklungen gibt es zahlreiche Kritikpunkte an der sich im Wandel befindlichen Gesellschaft. Parallell zu der Entwicklung von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft befüchten Kritiker eine Teilhabe der technologischen Entwicklung an der zunehmenden Individualisierung der Menschen. HEUSER (1995, 54) warnt vor einem weiteren Verlust an Arbeitsplätzen[3], sowie dem Verlust an Gemeinschaftserlebnissen. Die digitale Technik, die unter anderem individuell abgestimmte Fernsehund Radioprogramme ermöglicht, untergräbt seines Erachtens das gemeinschaftliche Erlebnis interaktionsfreier Technologien, bei denen der Zuschauer lediglich Rezipient ist. Im Gegensatz zum herkömmlichen Radiound Fernsehprogramm sehen bei dieser Technologie große Teile der Bevölkerung keine identischen Programme, über die sie anschließend diskutieren könnten.

Die Folgen einer übertechnisierten Welt sieht POSTMAN (1992) in Form von steigender Arbeitslosigkeit, ungesunden Bildschirmarbeitsplätzen, steigender Überwachung, sowie in fehlenden zwischenmenschlichen Kontakten. Die im Netz verfügbaren, vermeintlich unerschöpflichen Informationsbestände erscheinen den Kritikern der Informationsgesellschaft als unüberschaubare Ansammlungen von Datenmüll. Das zielgerichtete Durchsuchen des Informationsträgers Internet kommt der Suche nach der ´Nadel im Heuhaufen´ gleich.

Befürworter der Informationsgesellschaft entdecken auch in vermeintlich negativen Auswirkungen der fortschreitenden technischen Entwicklung verborgene Vorzüge. NEGROPONTE (1995) kann der wachsenden Zahl von technologischen Analphabeten (vor allem in den älteren Jahrgängen) durchaus etwas Positives abgewinnen. Bei ihm lässt sich nicht die Metapher der Schere, die immer weiter auseinander klafft entdecken, sondern die der Waage, die endlich ins Gleichgewicht kommt: Die bessere Technikkompetenz der jüngeren Menschen erlaubt es ihnen, an den Marktprivilegien der Älteren zu partizipieren und mehr gesellschaftlichen Einfluss zu gewinnen.

Vermutlich liegt die Wahrheit im Mittel der antagonistischen Vermutungen. Das Versprechen des unbeschränkten Wissens, dank Informationsgesellschaft, halte ich für genauso bedenklich, wie die Annahme eines kollektiven ´Verlaufens im Datendschungel´.

Über die Unumkehrbarkeit der voranschreitenden technischen Entwicklung und aller damit verbundenen Risiken besteht aber zwischen Befürwortern und Kritikern Übereinstimmung.

1.4 Defizite bei der Chancengleichheit

Die neuen Medien üben ihren Einfluss nicht über alle Bevölkerungskreise in gleichem Maße aus. Auch die Konsequenzen aufgrund der sich ausbreitenden neuen Technologien, sind nicht für alle Bevölkerungsteile identisch. Kinder, Männer, Frauen, Angehörige sozialer Schichten erfahren in unterschiedlicher Weise Veränderungen ihres Alltags. Aufgrund der Variabilität der Technik sind immer mehr Bereiche des täglichen Lebens von diesem Wandel betroffen. Neue Lernformen und Lerngegenstände führen in einer Gesellschaft auch zu einer außerschulischen, sogenannten informellen Bildung. Wissen und Wege der Wissensaneignung erfahren eine umfangreiche Neubewertung.

Der Kompetenzerwerb der neuen Technologien setzt aber nicht nur Interesse und Motivation bei den Menschen, sondern auch entsprechende Bildungsangebote voraus. Von großer Bedeutung ist diesbezüglich auch die Ausstattung der Haushalte mit Computern und Internetzugängen, die einen Internetkompetenzerwerb außerhalb des institutionellen Bildungssystems erst ermöglichen.

Die Enquete-Komission „Zukunft der Medien in Wirtschaft und Gesellschaft“ des Deutschen Bundestages stellte 1998 in Bezug auf das Internet bereits fest, dass derzeit „noch beträchtliche Ungleichheiten, und zwar vorwiegend zu Lasten von Frauen und geringer qualifizierten Bürgern [bestehen] (DEUTSCHER BUNDESTAG 1998, 8).

FRENZEL (2000, 3) differenziert diesen Umstand, indem er die vorherrschende ´digitale Spaltung´ nicht nur vom Geschlecht und Bildungsgrad der Menschen abhängig macht, sondern Variablen wie Schulbildung, Alter, Geschlecht, berufliche Stellung und den Wohnort mit einbezieht. Er befürchtet nicht nur Probleme für den Wirtschaftstandort Deutschland, sondern auch für das gesamte gesellschaftliche Gefüge. Untermauert wird seine These durch die Aussage Sigmar Gabriels, der den „selbstverständliche(n) und kompetente(n) Umgang mit Internet und Multimedia (als) qualifikatorische Grundanforderung für den Zugang zum Arbeitsplatz und für die Teilhabe am gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben“ ansieht (GABRIEL; zit. n. FRENZEL 2000, 3).

Diese Gegebenheit nahm MOSER bereits 1986 zum Anlass, eindringlich vor einer erneuten Ungleichheit zu warnen. Es zeichneten sich bereits damals unterschiedliche Bildungschancen, aufgrund der zunehmenden Computernutzung und den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Computernetzen, ab. Mehrfach wurde in der Literatur belegt, dass Kinder der Mittelund Oberschicht[4] häufiger als solche der Unterschicht einen eigenen Computer besitzen oder im Elternhaus Zugang zu einem Computer haben. Moser befürchtet, dass Kinder aus sozial schwächer gestellten Familien von den Errungenschaften des technischen Fortschrittes im privaten Umfeld nur sehr geringen Gebrauch machen können (vgl. MOSER 1986, 120f.; FAULSTICH-WIELAND 1988, 110).

Da sich die Schülerzahl der Lernbehinderten zu 80% - 90% aus den unteren Sozialschichten resultiert (BEGEMANN 1970), ist meines Erachtens mit einer weitgehenden außerschulisch erworbenen Internetkompetenz der Schüler in Hinblick auf das Internet nicht zu rechnen.

Dies scheint auch INGE NORDENDORF (z.n. BENNING 2000, 125) zu erkennen. Sie befürchtet eine weitere Benachteiligung ihrer Schüler mit besonderem Förderbedarf, wenn zukünftig ein Internetzugang für alle Schüler erforderlich sein sollte. Gestützt wird ihre These von der Tatsache, dass 60% der WWW-Nutzer das Abitur besitzen (SCHACHTNER 2000, 41).

Ein weiteres Auseinanderdriften der Chancengleichheit ist für benachteiligte Kinder und Jugendliche unverkennbar. Dementsprechend fatal ist es, dass die meisten Fortbildungsangebote von Lehrern der Schulen wahrgenommen werden, „die bereits über die größten Vorkenntnisse verfügen“ (SCHNOOR 2000, 14).

Zudem unterliegen Schüler aus sozialschwachen Milieus bereits einer Benachteiligung, wachsen sie doch „mit jenen Technologien auf, die es in ihrem unmittelbaren Umfeld gibt“ (TULLY 2000, 192). Computer und Internetzugänge sind bei ihnen selten anzutreffen. Moderne Technologien, die meist sehr kostspielig sind, existieren „für die einen früher und für die anderen später, nicht aber für alle in gleicher Weise“ (ebd.).

Der Abstand zwischen denen, die aufgrund mangelnder Bildung, mangelnder technischer und finanzieller Resourcen das Internet nicht nutzen können, vergrößert sich durch Initiativen wie SaN[5] (Schulen ans Netz). Sind es doch gerade die interessierten Lerner, bei denen derartige Initiativen ansetzen und die vorhandenen Kompetenzen noch weiter steigern (KORING 2000, 155f.). Die Gefahr eines „informationstechnischen Proletariats“ (ebd.) kann nur gebannt werden, wenn eine demokratische Medienund Lernkultur zum Kernziel der neuen Medienpädagogik wird.

HUBER (2000) stellt gar eine Teilung der Gesellschaft in drei Klassen zur Diskussion. Eine Klasse, die über uneingeschränkten Zugang zur Information verfügt,. eine weitere, die lediglich an ihrem Arbeitsplatz Computer nutzen kann und schließlich eine dritte Klasse, die weder Zugang zur Technologie, noch zum Internet hat. Während nun die ersten beiden Gruppe ungehinderten Zugang zu Informationen haben oder zumindest die Chance an solche zu gelangen, „wird die Schere zwischen denen, die über Informationen verfügen und den digitalen ´ Habenichtsen´

immer weiter auseinander gehen: Die einen werden die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen immer weiter zum Ausbau ihres eigenen Status nutzen, wohingegen die anderen immer weniger darüber im Bilde sein werden, was überhaupt um sie herum vor sich geht“ (HUBER 2000, 7).

DOERING (1999, 142 u. 168) widerlegt diese These, indem sie die zunehmende Verbreitung des Internets, verbunden mit einer Verschiebung der Benutzergruppen zu einem größeren Nichtakademikeranteil hervorhebt. In einer Sozialstatistik der globalen Internet-Population vom April 1998, ist der Anteil der Internetanwender ohne Abitur von 27% (Oktober 1994) auf 50% gestiegen (ebd, 142).

Laut einer Umfrage des W3B[6] stieg der Anteil der Internetnutzer mit Hauptund Realschulabschluß in den vergangenen Jahren von 5,4% auf 32,4%, während der Anteil der AbiturientInnen von 94,5% (1995) auf 52,7% (2000) fiel (vgl. W3B 2001).

Eine Abschaffung der Bildungsbürger, anhand einer sich selbst entwickelnden breitenwirksamen Bildung durch die wachsende Informationstechnik, wie MÜHLHAUSEN (1986, 452f.) sie prophezeit, scheint somit utopisch.

Multimedia und Internet werden grundlegende Veränderungen in unserer Gesellschaft bewirken. Neue Medien führen zu einer anderen Form der Lebensorganisation, Arbeit und Kommunikation, die auch Eingang in das Bildungswesen finden muss. Es darf zu keiner Teilung der Gesellschaft in eine Gruppe von Menschen kommen, die zur Kommunikation und Informationsrecherche im Internet fähig ist und einer anderen die über solche Kompetenzen nicht verfügt. Nur auf diese Weise lassen sich „gesellschaftspolitische und soziale Verwerfungen vermeiden oder wenigstens zu reduzieren“ (BUSCH 1997, 280).

Noch desolater als in Deutschland ist der Status der ´digitalen Spaltung´ in den sogenannten Schwellenund Entwicklungsländern. Diese Kluft wird bei einem Vergleich zwischen den Internetzugängen in Afrika (0,3%) und Nordamerika (44,3%) besonders deutlich (vgl. RABANUS 2000, 23; SCHNOOR

2000, 13). Selbst innerhalb der finanzstarken USA gibt es gravierende Unterschiede. Die „weißen und schwarzen Ghettos der Industriemetropolen [...] weisen – gemessen an Fiberglaskabel und internationalen Computernetzen - die geringste Informationsund Kommunikationsdichte [der USA] auf“ (SCHACHTNER 2000, 41).

Diese Entwicklung kann schlimmstenfalls durch eine unterschiedliche Computerausstattung der Schulen noch verstärkt werden, wie sich bereits in einer besseren Ausstattung der hauptsächlich von Weißen besuchten Schulen abzeichnet (vgl. LIEBERMANN 1985). Im Hinblick auf die Chancengleichheit aller Menschen müssen derartige Tendenzen rechtzeitig unterbunden oder zumindest verlangsamt werden. Eine Ghettobildung wie in den USA ist zwar derzeit in Deutschland nicht ersichtlich, dies schließt aber nicht aus, dass auch hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

1.5 Veränderungen im Beschäftigungssystem

Die Veränderungen im Beschäftigungssystem wurde bereits vor vielen Jahrhunderten eingeleitet. Schon vor der industriellen Revolution wurden Arbeitsabläufe von Menschen durch Maschinen gestützt. Waren es anfangs noch einfache Konstruktionen, die beispielsweise das Heben von schweren Gütern erleichtern (Flaschenzug), wurden im Laufe des Fortschritts immer komplexere Maschinen erfunden (z.B. Windmühle, Dampfmaschine), die Arbeiten erleichtern und beschleunigen können.

Ein Höhepunkt dieser Entwicklung fand in Form der dritten industriellen Revolution statt, welche die negativen Folgen für die Berufswelt offensichtlich machte. Verloren anfangs vornehmlich Kleinbauern ihre Lebensgrundlage kamen später im Rahmen der fortschreitenden Rationalisierung Arbeitnehmer aus Handwerk und Kleingewerbe hinzu. Diese Entwicklung setzte sich fort, so dass derzeit kaum ein Bereich der Produktion, Forschung und Verwaltung davon unberührt ist. Konnten damals Arbeitnehmer aus dem produzierenden Gewerbe in den Dienstleistungsbereichen neu geschaffene Arbeitsplätze wahrnehmen, sind heute auch diese vom Arbeitsplatzabbau vom „Rationalisierungswahn“ betroffen (vgl. DUISMANN 1988; DUISMANN/KLATTENHOFF 1991 25f.).

Heute sind vollautomatisierte Produktionsabläufe im produzierenden Gewerbe keine Seltenheit mehr. Das Ergebnis sind fast menschenleere Produktionshallen, in denen hochqualifizierte Angestellte nur noch für die Überwachung und Wartung der Maschinen und Industrieroboter[7] zuständig sind. Besonders einfache Arbeiten, die zuvor von gering qualifizierten Arbeitnehmern ausgeübt wurden, werden automatisiert (vgl. DUISMANN 1988 2f.; NUSSBAUMER 2000).

Aufgrund der Möglichkeiten der neuen Medien ist der Arbeitnehmer nicht mehr an sein Büro gebunden, sondern arbeitet von Zuhause aus. Das benötigte Qualifikationsniveau zur Herstellung eines Produktes wird entweder gesenkt oder in starkem Maße angehoben. Die Zahl der insgesamt benötigten Arbeitskräfte für die Produktion ist dabei rückläufig. (vgl. DUISMANN/KLATTENHOFF 1991).

Die Folgen des Einsatzes von vollautomatischen Produktionsanlagen, nämlich der Austausch der menschlichen Arbeitskraft gegen vollautomatische Maschinen, sind schnell abzusehen. In steigenden Arbeitslosenzahlen und einer erhöhten Anzahl langfristiger Arbeitsloser werden die Konsequenzen offensichtlich.

Aber auch das Internet, als derzeit jüngstes Kommunikationsmedium, durchdringt zunehmend die Arbeitswelt. Bis zum Jahr 2004 sollen bereits 70 Prozent der Arbeitnehmer über einen Internetzugang an ihrer Arbeitsstelle verfügen (vgl. RÖTZER 2000, I).

Im Gegensatz zur Industriellen Revolution sind diesmal aber auch hochqualifizierte Arbeitnehmer betroffen. Der Abschluss einer Versicherung oder der Einkauf im Internet mag ja für einen Kunden eine bequeme und kostengünstige Alternative sein, jedoch sehen arbeitslose Versicherungsvertreter und Arbeitnehmer aus dem Einzelhandel diese Entwicklung weniger euphorisch. Problematisch erscheint mir nunmehr, dass der Computer uns nicht nur durch das Leben begleitet, sondern uns in der Arbeitswelt teilweise auch ersetzt. Zwar entstehen eine Vielzahl neuer Berufsbilder wie Elektroniker, Informatiker, Informatikkaufmann, Screendesigner, Software Entwickler, Netzwerk Administrator und Systemberater, jedoch werden wahrscheinlich die wenigsten für Abgänger von Sonderschulen zugänglich sein.

PAPERT (1994) verweist in diesem Zusammenhang auf den stetigen Wandel der beruflichen Qualifikationsanforderungen, da bereits jetzt viele Arbeitnehmer in Berufen arbeiten, die es zum Zeitpunkt ihrer Geburt noch nicht gab. Als Konsequenz dieser Entwicklung ist das lebenslange Lernen obligatorisch und zwar unabhängig von sozialer Herkunft und aktuellem Bildungsstand eines Menschen (vgl. DUISMANN/KLATTENHOFF 1991). Ein Architekt, der in den 80er Jahren als Koryphäe in seinem Beruf galt ist für seinen Arbeitgeber derzeit nur von geringem Nutzen, falls er den Wandel vom Zeichenbrett zum technischen Zeichnen am Computer mittels entsprechender CAD-Software[8] versäumt hat. Lebenslanges Lernen und eine lebenslange Weiterbildung gelten deshalb mittlerweile als Schlüsselqualifikation.

Meines Erachtens werden zukünftig Schlüsselqualifikationen weiter an Bedeutung gewinnen und herkömmliche berufsspezifische Anforderungen in ihrer Bedeutsamkeit übertreffen.

Die mir am wichtigsten erscheinenden Schlüsselqualifikationen sind:

•• Kooperationsund Teamfähigkeit
•• Vernetzt denken, urteilsfähig sein
•• Flexibilität, Mobilität, und andauernde Lernbereitschaft
•• auf Technik bezogene Kreativität

Sowie seit kurzem auch:

•• Medienkompetenz und Internetkompetenz (siehe Kapitel 3)

Besonders beachtenswert erscheint mir hierbei, dass die neuen Schlüsselqualifikationen nicht die alten Qualifikationen ersetzen.

Keineswegs, denn sie kommen zu den traditionellen Berufsanforderungen hinzu. Natürlich muss ein Facharbeiter diese angestammten Fähigkeiten noch beherrschen, aber die bereits erwähnten Schlüsselqualifikationen gewinnen an Dominanz. Computerund Internet an der Schule für Lernhilfe, verbunden mit Berufspraktika können diese Entwicklung zwar nicht stoppen, jedoch bieten sie auch Schülern, die Schwierigkeiten mit dem Lernen haben, die Chance notwendige Eintrittsqualifikationen zu erreichen.

Der Einsatz neuer Technologien in vielen Berufen macht die Integration von Computer und Internet in der Schule für Lernhilfe notwendig, damit die Schüler die Möglichkeit bekommen, ein technisches Basiswissen zu erlangen und den Anschluss an gestiegene Schlüsselqualifikationen zu erreichen. Sonderschüler ohne Informations-und kommunikationstechnologische Kompetenzen werden in besonderem Umfang durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten benachteiligt, wenn Sonderschulen sich nicht den Herausforderungen der neuen Medien stellen. Veränderte Arbeitsbedingungen könnten sonst weitere Berufsbereiche für Schüler mit besonderem Förderbedarf verschließen. Es bedarf deshalb umso mehr einer qualifizierten Vorbereitung aller Schüler auf eine zukünftige Lebensund Arbeitswelt.

Wegen fehlender bzw. unzureichender Berücksichtigung der Methoden und Inhalte in den Curricula werden diese Qualifikationen einer großen Schülerzahl vorenthalten. Ein Verzicht auf auf berufsvorbereitende Bildung ist nicht zu vertreten.

2. Entwicklung und Grundlagen des Internets

Um das Internet zu verstehen und seine ziemlich chaotischen Strukturen durchschaubar zu machen, ist es von Vorteil, einen kurzen Blick auf die Entstehungsgeschichte dieses Mediums zu werfen.

Viele Detailprobleme des Internetgebrauchs werden erst ersichtlich, sobald Überlegungen, die dabei Pate standen, betrachtet werden. Das scheinbare Problem der nicht möglichen Zensur im Internet wird beispielsweise erst durch ein technisches Basiswissen verständlich. Obgleich die schulbezogenen Aspekte des Internets in meiner Arbeit im Vordergrund stehen, möchte und darf ich auf die kurze Darstellung einiger technischer Grundlagen nicht verzichten. Ein Auslassen der Grundlagen könnte in den späteren Kapiteln zu Verständnisschwierigkeiten und Missverständnissen führen.

2.1 Geschichtliche Entwicklung

Vor mehr als 30 Jahren, zu Zeiten des ´Kalten Krieges´ entstand das Internet aus einem Forschungsprojekt des amerikanischen Verteidigungsministeriums (ADVANCED RESEARCH PROJECTS AGENCY). Das Ziel dieses Projektes war die Entwicklung eines Netzsystems, das auch nach Teilausfällen, beispielsweise durch den Einschlag einer Bombe in einem Rechenzentrum, noch funktionstüchig sein sollte (vgl. HUBER 2000, 8).

Selbst bei einem atomaren Angriff sollten wichtige Informationen nicht zerstört und ein Datenaustausch nicht unterbunden werden können. Grundvorraussetzung für ein derart zuverlässiges Computernetz war, dass jeder Rechner über mehrere Wege, mit jedem anderen Rechner kommunizieren können musste. Das Computernetzwerk sollte autonom organisiert sein, d.h. es durfte keine zentrale und somit verletzliche Leitstelle geben. Statt dessen sollten alle beteiligten Rechner den gleichen Status besitzen.

1972 waren über das ARPANet bereits 40 Computer miteinander verbunden. Wissenschaftler aus dem zivilen Bereich erkannten weniger in der Spiegelung gleicher Daten einen Nutzen, als in der Möglichkeit Daten von einem anderen Rechner, auch über große Entfernungen, abzurufen.

Mit der zunehmenden Verbreitung des ARPANets stieg auch die Zahl nicht kompatibler Betriebssysteme und unterschiedlicher Netzzugänge. Diese Vielzahl an Möglichkeiten erzwang die Entwicklung eines neuen Datenübertragungsprotokolls. Die Protokollfamilie TCP/IP[9] entstand, die eine paketorientierte Datenübertragung ermöglichte. Fällt bei dieser Datenübertragungsart eine Datenroute aus, suchen sich die Pakete solange eine andere Route, bis sie an ihrem Zielrechner angelangt sind.

„Werden aus irgendwelchen Gründen Teile des Netzes zerstört, so bleiben immer noch alternative Wege, über die die beiden Rechner miteinander kommunizieren können“ (BAUMGARTNER 1998, 6).

Anfang der 80er Jahre wurde das Datennetz in Milnet und ARPANet gespalten. Das ARPANet sollte zukünftig ausschließlich im wissenschaftlichen Bereich seine Aufgaben erfüllen. In den folgenden Jahren wurde eine Vielzahl wissenschaftlicher Netzwerke unterschiedlicher Nationen, etwa das Deutsche Forschungsnetz (DFN), daran angeschlossen. (vgl. STANGL 2000, 14f.). Ab 1983 nutzen das Netzwerk, das seitdem Internet genannt wird, zunehmend Amateure, nachdem zunächst vor allem Hochschulangehörige von den erweiterten Möglichkeiten des Netzwerkes profitierten und es mit einem breiten Informationsangebot versorgten (vgl. HÜTHER 1997, 151f.). „Waren es noch vor wenigen Jahren vor allem Universitäten [...] die vom weltumspannenden Netz Gebrauch machten, so wird es heute mehr und mehr von kommerziellen Anbietern durchdrungen“ (BAUMGARTNER 1998, 5). Das Internet wird fälschlicherweise oft als das umfangreichste Computernetzwerk der Welt bezeichnet. Näher betrachtet handelt es sich jedoch um einen Zusammenschluss vieler kleiner heterogener territorial oder organisatorisch begrenzter Netzwerke. Gemeinsam betrachtet schaffen sie einen großen Netzverbund, die ´Interconnected Networks[10] ´. Da für das Internet keine zentrale Betreibergesellschaft und keine Verwaltung existieren, kann jede Person, die über die erforderlichen technischen Möglichkeiten verfügt, ihr lokales Netz am Internet anschließen und sich dessen freiheitliche Struktur zu Nutze machen (BAUMGARTNER 1998, 7). Dies ist eine Ursache der fehlenden Zensur und der Verbreitung „von unerwünschtem Gedankengut wie etwa nationalistische Propaganda oder Sexservern[11] (ebd., 7), die auf einen ungenügend medienkompetenten Jugendlichen negative Auswirkungen haben können. Heutzutage hat sich das Internet zu einem festen Bestandteil der Medien unserer Zeit entwickelt. Für diese Entwicklung ist vor allem der multimediale Dienst des Internet, das ´World Wide Web´ (siehe Kapitel 2.2.4) verantwortlich, welcher zu Beginn der 90er-Jahre zu den bestehenden Diensten, wie Diskussionsforen und E-mail, hinzugefügt wurde.

Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Computernetzwerk besteht das Internet nicht nur aus einer Vernetzung einzelner Rechner, sondern aus einer zusätzlichen Integration heterogener Netze. Ein trennscharfer Terminus des Internets liegt vielleicht gerade deshalb bis heute nicht vor. So stellt sich die Frage, ob das Internet die Summe aller verfügbaren Netzwerkdienste oder gar die Zusammensetzung aller durchgeführten Kommunikationsprozesse ist? Ist ein Computer, mit dem über das Internet gelegentlich Mails abgerufen, aber keine WWW-Seiten aufgerufen werden können, bereits Teil des Internets?

DÖRING (1999, 18f.) schlägt als Definitionskriterium das im Internet übliche Netzwerkprotokoll TCP/IP vor, das auch zukünftige Entwicklungen des Internets mit einschließt und dem ich mich anschließen möchte.

2.2 Internetdienste und ihre Merkmale

Während Telefon, Radio, Fernsehen und Zeitungen monofunktionale Medien sind, die jeweils eine Hauptaktivität beinhalten, lässt sich beim Internet nicht pauschal von einer Hauptaktivität ausgehen. In diesem Kapitel werden die für die Schule für Lernhilfe besonders relevanten Anwendungen des Internets kurz vorgestellt. Hierzu zähle ich die Elektronische Post, Diskussionsforen und vor allem das World Wide Web. Der Datentransfer via FTP (siehe Kapitel 2.2.6) nimmt meines Erachtens im Schulalltag eine eher untergeordnete Rolle bei der Nutzung des Internets an Schulen ein und wird deshalb im folgenden Kapitel nur ansatzweise berücksichtigt. Bei den meisten, im Internet verfügbaren Diensten, treten Nutzer sowohl als Informationsrezipienten, wie auch als Informationsproduzenten auf. Das Internet bietet eine Reihe von Diensten an, deren bedeutsamsten für Privatpersonen und Schulen das World Wide Web (WWW) und der E-mailversand sind. Nicht verschwiegen werden sollte aber, dass ein Grossteil der Internetdienste wie E-mail, das Usenet (Diskussionsforum), Gopher (Textdatenbank) und IRC (Internet Relay Chat) Informationen ausschließlich in Form von Texten übermitteln und deshalb von weniger versierten Anwendern meist gemieden werden.

Im folgenden Abschnitt möchte ich einen kurzen Überblick über die heutigen Möglichkeiten des Internets verschaffen, die potentiell in der Schule für Lernhilfe einsetzbar sind.

Laut Döring (1999) lassen sich die Anwendungen und Dienste des Internet in vier funktionale Gruppen einteilen:

1. Steuerung entfernter Rechner (Telnet-Basisdienst)
2. Dateitransfer (FTP-Basisdienst)
3. Zwischenmenschliche Kommunikation (E-mail-Basisdienst, Diskussionsforen, Chat etc.)

asynchrone = zeitversetzte Dienste (Informationen werden zeitlich versetzt übermittelt)

Diskussionsforen, E-mail, Mailinglists

synchrone = zeitgleiche Dienste (eine wechselseitige Kommunikationsvrbindung besteht) Chatten, Telefonieren, Videokonferenzen

4. Informationspräsentation (World Wide Web und sonstige Dienste)

2.2.1 E-mail

Die elektronische Post ist eine der ältesten und am häufigsten genutzten Dienste des Internet. Lange Zeit war sie ausschließlich Forschungseinrichtungen vorbehalten und diente primär der Nachrichtenübermittlung zwischen den Universitäten (vgl. HUBER 2000, 15f.; DÖRING 1999, 36). Inhaber einer E-mail-Adresse sind nicht nur von jedem Computer der Welt aus erreichbar, sondern können von jedem Computer der Welt aus ihre elektronische Post abrufen. Die E-mailfunktion des Internets erlaubt eine weltweite individuelle Übertragung von Texten und Dateien an einen Empfänger. Anhand des @-Zeichens (sprich: engl.

„at“, also „bei“) in der Adresse sind sie als Mailadressen erkennbar. Moderne E-mailprogramme erlauben es, Mails nach Versendern geordnet abzulegen, so dass diese nachträglich schnell wieder aufgefunden werden können. In den gängigen Browsern[12], wie dem Netscape Navigator, sind diese Funktionen bereits implementiert (vgl. HUBER 2000, 15f.). Im Gegensatz zum Chatten (siehe Kapitel 2.2.3), handelt es sich beim E- mailschreiben um eine asynchrone Kommunikation, d.h. der Empfänger muss nicht zeitgleich mit dem Versender im Netz sein ( vgl. STANGL 2000, 26f.).

„Den markantesten Unterschied zwischen dem unter E-Mail bekannten Dienst der Postvermittlung auf elektronischem Weg und der „gelben Post[13] “ ist die Geschwindigkeit der beiden unterschiedlichen Medien, weshalb letztere auch im Jargon als Snail-Mail[14] bezeichnet wird“ (BAUMGARTNER 1998, 13).

Im Gegensatz zum Briefwechsel handelt es sich beim E-mailverkehr um einen äußerst preiswerten Weg, Nachrichten, aber auch Videos, Animationen und Musik, über große Distanzen auszutauschen. Ein Großteil der Dienstleistungsanbieter im Internet stellt dem Interessenten kostenlose E-mailadressen zur Verfügung. Lediglich die für die Datenübertragung notwendigen Onlinekosten sind an den Internet Service Provider[15] zu entrichten.

Neben der Möglichkeit des Nachrichtenund Dateiaustausches mit einem Empfänger gibt es auch die Möglichkeit an sogenannten Mailinglisten teilzunehmen, bei denen die Nachricht automatisch an beliebig viele Empfänger, vergleichbar mit einem Rundschreiben, versendet wird. Mailinglisten werden meist moderiert und sind klar strukturiert aufgebaut. Moderatoren sind für ihren Inhalt verantwortlich. Ihnen obliegt die Entscheidung, Leserrückmeldungen an alle Abonnenten weiterzuleiten oder ggf. die Weitergabe zu unterbinden. In Mailinglisten ist es, wie bei allen Kommunikationsformen im Internet üblich, sich an die sogenannte

´Netiquette´[16] zu halten, die eine menschenverachtende bzw. beleidigende Umgangsform vermeiden soll. ( vgl. STANGL 2000, 33f.). Die Netiquette erinnert an Grundsätze des zwischenmenschlichen Verhaltens, die auch im Internet nicht vergessen werden sollten, wie z.B. die Vermeidung von Pöbeleien (vgl. HUBER 2000, 18).

Emotionen werden in E-mails als Gesichtsikonen dargestellt. Das bekannteste Emotionsikon ist das lachende Gesicht (Smiley :-) oder ;o) ). Aber auch Sound- (´grumpf´, ´huch´, ´tststs´, etc.) und Aktionswörter (´zwinker´, ´würg´, ´staun´, etc.) genießen bei der textbasierten Kommunikation eine große Bedeutung. Beziehungsbotschaften können auf diese Weise, wenn auch nur in verkürztem Maße, übertragen werden (vgl. DÖRING 1999, 45).

Weiterhin werden häufig bestimmte Abkürzungen (Akronyme) wie MfG (=Mit freundlichen Grüßen) oder CU (=See you) verwendet.

2.2.2 Diskussionsforen

Diskussionsforen stellen die nach Themen bzw. Foren geordneten öffentlichen ´schwarzen Bretter´ des Internet dar, an die sich Informationen anhängen lassen. Sie decken in ihrer Gesamtheit fast jedes denkbare Thema ab. Meist werden nur selektiv darin enthaltene Artikel gelesen.

Im Gegensatz zu Mailinglisten, die im Kapitel 2.2.1 bereits beschrieben wurden werden Diskussionsforen ohne vorherige Anmeldung für beliebige Netzteilnehmer bereitgestellt. Für den Gebrauch einer Newsgroup[17] wird ein Newsreader benötigt. In einigen aktuellen Webbrowsern, wie dem Netscape Navigator ist der Newsreader bereits enthalten.

Im World Wide Web (siehe Kapitel 2.2.4) werden ebenfalls zahlreiche Newsgroups angebotenen. Im Gegensatz zu den newsreadergebundenen Angeboten sind sie in ihrer Vielfältigkeit zwar eingeschränkt, bieten statt dessen aber den immensen Vorteil leicht bedienbar und ansprechend gestaltet zu sein.

2.2.3 Chatten

Eine Form der synchronen Textübertragung ist das Chatten[18]. Besonders leicht fällt dies beim Gebrauch der sogenannten Chaträumen im WWW, die im Gegensatz zum asynchronen E-mailen eine zeitgleiche Kommunikation erlauben. Die Texteingabe von einer Person erfolgt unmittelbar, d.h. im Verlauf weniger Sekunden sieht der Empfänger, was der Sender übermittelt hat (vgl. DÖRING 1999, 91f.). Im Gegensatz zur asynchronen Kommunikation muss eine Onlineverbindung während des Chattens permanent bestehen, wodurch hohe Nutzungsentgelte entstehen können.

Neben den bereits im Kapitel 2.2.1 angesprochenen emotionalen Offenbarungen via Aktionsund Soundwörtern ermöglichen einige Chaträume Steckbriefe, Hervorhebungen und ähnliches. Eine Face to Face Kommunikation ist auch im Chat verfügbar. Sie erlaubt die Beibehaltung der Privatsphäre in den Chatrooms (ebd.,111f.).

Oft werden als Nickname[19] Synonyme verwendet, die den Chatter in die Lage versetzen, anonym zu bleiben, beziehungsweise eine andere Identität vorzugeben. Im Chat gibt es einfache Regeln, deren Nichteinhaltung einen Rauswurf aus dem Chat oder gar einen längerfristigen Ausschluss (vgl. STANGL 2000, 37f.) nach sich ziehen.

Bei vielen Chatraumanbietern ist es zudem möglich, Teilnehmer, die sich nicht an die Netiquette halten, zu ignorieren, d.h deren Aussagen nicht darzustellen.

2.2.4 World Wide Web (WWW)

Erst zu Beginn der 90er Jahre wurde an einem Schweizer Institut namens CERN das WWW[20] entwickelt, das den Zugriff auf im Internet verfügbare Informationen erleichtert. Das WWW ist der jüngste Dienst innerhalb des Internet, der es auch ungeübten Anwendern erlaubt, sich im Informationsangebot zu bewegen, zu Chatten oder Dateien zu übertragen. Im WWW sind Dateinamen und komplexe kryptische Eingabebefehle nicht mehr notwendig. Das mühelose Navigieren im World Wide Web mit Hilfe eines Browsers führte zu der gebräuchlichen Redewendung des ´Surfens´ im Netz (vgl. STANGL 2000, 42f.).

[...]


[1] Der Begriff der „Neuen Technologien“ ist eine unklare Sammelbezeichnung für eine Vielzahl in den letzten Jahren entwickelter Verfahren und Techniken (z.B. Genetik, Mikroelektronik, neue regenerative Energiequellen etc.) (vgl. HENGSBACH 1987, 34). Einen Schwerpunkt der Neuen Technologien bilden die neuen Kommunikationsund Informationstechnologien.

[2] Das Aktionsprogramm ´N-21´ macht es sich zur Aufgabe die digitale Spaltung in Niedersachsen zu verhindern, indem es in den kommenden drei Jahren Sachund Finanzleistungen zur Verfügung stellt. Ziel ist es die Ausstattung von Schulen zu verbessern, Lehrkräfte zu schulen und Ausbildungshemmnisse im IT- und Medienbereich abzubauen (vgl. N-21, 2001, siehe auch Kapitel 7.6).

[3] Siehe auch Kapitel 1.5.

[4] Zum Schichtbegriff: Die Angehörigen von Schichten werden durch ihre Qualifikation, ihre berufliche Stellung, ihr Einkommen und ihr Prestige unterschieden. Mit Schichten sind in der Regel vertikal übereinander anzuordnende Gruppierungen gemeint (vgl. HRADIL 1999, 350).

[5] Eine am 18. April 1996 vom ehemaligen Bundesbildungsministers Dr. Jürgen Rüttgers und dem Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG gegründete Initiative. Ihr Anliegen ist es, die neuen Medien im Schulalltag zu verankern. Neben der Finanzierung der Computerausstattung übernimmt sie die Schulung und Weiterbildung des Lehrpersonals.

[6] W3B ist die größte kontinuierliche Internetumfrage. Sie wurde 1995 von Susanne Fittkau und Holger Maaß initiiert und findet halbjährlich statt.

[7] Als Industrieroboter werden heute alle rechnergesteuerten, mit einer Anzahl von Bewegungsmöglichkeiten ausgestatteten Arbeitsgeräte bezeichnet; mit Sensoren ausgestattete Industrieroboter werden zur Werkzeughandhabung eingesetzt, v. a. zum Schweißen und zur Montage von Großserienteilen (Microsoft Lexirom 4).

[8] CAD, Abk. für engl. computer aided design (rechnerunterstützter Entwurf), Entwurf und Konstruktion (auch Optimierung) von techn. Produkten mithilfe geeigneter Computer und Computerprogramme.

[9] TCP / IP, Abk. für „Transmission Control Protocol / Internet Protocol“. Das grundlegende Verbindungsprotokoll für den Datenaustausch zwischen Internet- Rechnern. Es kann unterschiedliche Hardware benutzen und wird von nahezu allen Betriebssystemen unterstützt.

[10] Interconnected Networks, engl. für verbundene Netze.

[11] Ein Server ist ein Rechner, der ein zentrales Speichermedium verwaltet (z. B. größere Festplatten o. Ä.), auf das verschiedene mit ihm vernetzte Rechner Zugriff haben.

[12] Browser engl.: Programm, welches verwendet wird, um Daten und Dokumente im World Wide Web zu suchen, abzurufen und auf einem Computerbildschirm darzustellen (Microsoft Lexirom 4)

[13] Gemeint ist in diesem Falle die herkömmliche Deutsche Post, deren gelbes Logo für diese Bezeichnung ausschlaggebend war.

[14] Snail mail, engl. für Schneckenpost.

[15] Provider engl.: Anbieter von Kommunikationsdiensten (wie z. B. einem Zugang zum Internet).

[16] Netiquette, auch Netikette: ein Kunstwort aus Netz und Etikette, Benimmregeln im Netz.

[17] Newsgroup, engl. für Informationsund Diskussionsforum

[18] Chatten, engl. für Tratschen, Plaudern

[19] Nickname, engl. für Spitzname

[20] World Wide Web, auch WWW oder W3 genannt kommt aus dem Englischen und bedeutet sinngemäß ´weltumspannendes Spinnennetz´

164 von 164 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen der Internetnutzung an der Schule für Lernhilfe, Medien, Medienkompetenz
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
164
Katalognummer
V105878
Dateigröße
959 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Grenzen, Internetnutzung, Schule, Lernhilfe, Medien, Medienkompetenz
Arbeit zitieren
Marc-Oliver Schmidt (Autor), 2001, Möglichkeiten und Grenzen der Internetnutzung an der Schule für Lernhilfe, Medien, Medienkompetenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105878

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