Grundlagen der Orchestration von Nikolai Rimsky-Korsakow


Skript, 2002
26 Seiten

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Grundlagen der Orchestration von Nikolai Rimsky-Korsakow

1. Allgemeine Übersicht der orchestralen Gruppen

1.1. Die Streichinstrumente

Von allen Gruppen ist die Streichergruppe die reichste in der Art, den Klang hervorzubringen; auch hat sie die meisten Möglichkeiten von einer Nuance in die andere überzugehen.

Die Ausführung vonlegato, sciolto, staccato, spiccato, portamento, martellato, saltandoAnsatz beim Frosch und bei der Spitze, Aufstrich und Abstrich, alle Grade der Strärke, vomfortissimobis zumpianissimo, das crescendo, diminuendo, sforzando, morendo - all das ist den Streichern eigen.

Die Möglichkeit, Doppeltöne oder sogar ganze Akkorde hervorzubringen (auch ohnedivisi), lässt diese Gruppe nicht nur als melodische sondern auch als harmonische erscheinen.

Was Beweglichkeit und Feinheit anbelangt, so kommt in dieser Gruppe der erste Platz der Violine zu; dann kommen Viola, Violoncello und schließlich Kontrabass.

In der Praxis muss man als die äußersten Grenzen einer freien orchestralen Ausführung folgende annehmen:

Violine:a’’’

Viola:a’’

Cello:a’

Kontrabass:g (Klang)

Die höheren Töne müssen mit größter Sorgfalt angewandt werden, d. h. bei langgehaltenen Tönen, Tremolo oder melodischen Linien, die sich langsam bewegen - möglichst ohne Sprünge!

Bei allen raschen Passagen sollte man lange chromatische Läufe vermeiden und diese besser den Holzbläsern geben.

Die Vornehmheit, Weichheit und Wärme des Klanges, sowie die Gleichmäßigkeit des Tones von einem Ende der Skala - diese Eigenschaften bilden die wichtigste Überlegenheit der Streichergruppe gegenüber den anderen.

Außerdem besitzt jede Saite eines Streichinstruments eine gewisse charakteristische Individualität: Violine: e-Saite → glänzend

a-Saite und d-Saite → schwächer und weicher als die anderen g-Saite → herb

Viola: a-Saite → beißend, nasal

d-Saite → schwächer und weicher als die anderen g-Saite und c-Saite → herb

Cello: a-Saite → rein, klar, wie die Bruststimme

d-Saite → schwächer und weicher als die anderen g-Saite und c-Saite → herb

K-Bass.Ziemlich gleichmäßig (etwas dumpfer auf den 2 tiefen, und schärfer auf den 2 hohen Saiten)

Wenn die Töne der Streichinstrumente höher werden, als die ihnen entsprechende menschliche Stimmlage (Vl. = Sopran; Vla. = Alt; Vc. = Tenor; Kb. = Bass), dann verlieren sie an Ausdruck und Wärme des Klanges. Der Klang der leeren Saiten ist etwas heller und stärker als der der angedrückten, und wenig ausdrucksvoll.

Die heute sehr gebräuchlichen Flageolett-Töne erzeugen eine stark bemerkbare Veränderung der Klangfarbe:kalt und durchsichtig im piano,kalt und glänzend im forte, immer ziemlich ausdruckslos, daher nur Element der Verzierung. Man muss es stets vermeiden sie zu decken, da der Klang schwach ist. Die gewisse Ähnlichkeit zum Klang der Flöte bietet eine Möglichkeit des Überganges zu den Holzbläsern.

Bei Verwendung des Dämpfers wird der Klangmatt im pianoundetwas pfeifend im forte. Er verliert an Kraft.

Der Platz, an welchem die Saite vom Bogen berührt wird beeinflusst ebenfalls Charakter, Klangfarbe und

Stärke: am Steg → metallisch (besonders beim tremolo)

Am Griffbrett → matt und trüb

1.2. Holzbläser

Die Zusammensetzung bietet mehr Möglichkeiten als bei den Streichern - sie hängt vom Komponisten ab. Oft wechseln 2.,3. oder 4. Spieler von Flöte, Oboe, Klarinette oder Fagott ihr Instrument über längere Strecken mit Piccolo, Altflöte, Englischhorn, Bassklarinette, Es-Klarinette oder Kontrafagott. Der 1. Spieler - gewöhnlich der beste - tut dies nur selten.

Die Klangverschiedenheiten der einzelnen Streichinstrumente sind klein, verglichen mit den Holzbläsern, wo die Klangeigenschaft jeder Instrumentengruppe (Fl., Ob., Kl., Fg.) sehr klar hervortritt, ebenso auch der Unterschied der Register.

Die Holzbläser besitzen im Allgemeinen weniger Geschmeidigkeit, Beweglichkeit und Möglichkeiten der Nuancierung als die Streicher.

Man kann die Bereiche desausdrucksvollenund desfarbigen Spielsunterscheiden. Ausdrucksvolles Spiel bedeutet: Der Bereich, in dem das Instrument am besten im Stande ist, alle möglichen Nuancen hervorzubringen, sodass der Spieler wirklich mit Ausdruck spielen kann. Der farbige Bereich ist wie der Name sagt reicher an Farbe als an Ausdruck. Piccolo und Kontrafagott haben keinen ausdrucksvollen Bereich. Sie sind nur Instrumente der Farbe.

Jedes Holzblasinstrument hat 4 Register, der Übergang von einem in das benachbarte ist wenig fühlbar, lässt man aber bei einem Sprung (z. B. vom 1. ins 3.) ein Register aus, so ist der Unterschied sehr deutlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Man kann die Holzbläser in 2 Kategorien Teilen:

1.) Instrumente mit näselndem und dunklem Ton -Ob., Eh., Fg., Kfg.

2.) Instrumente mit dem Klang einer Bruststimme und klarem Ton -Fl., Picc., Altfl., Kl., Kl. picc., Bkl.

Die Charakteristik der Klangfarben macht sich vor allem im 2.-4. Register bemerkbar.

Die tiefen Register der Oboe und des Fagotts klingen hart und dick (Trotzdem näselnd!); das höchste Register (4.) ist trocken und dünn.

Der klare und bruststimmenartige Klang von Flöten und Klarinetten erhält im tiefen Register (1.) etwas Näselndes und Düsteres; im höchsten wird der ziemlich schneidend.

Die Instrumente mit dem Bruststimmenklang - Flöten und Klarinetten - sind am beweglichsten. Den ersten Platz nimmt in dieser Hinsicht die Flöte ein. Doch was Reichtum und Geschmeidigkeit des Klanges, sowie Ausdrucksfähigkeit anbelangt, so ist die Klarinette die erste.

Die Instrumente mit näselndem Klang - Oboen und Fagotte - besitzen weniger Beweglichkeit, und Geschmeidigkeit.

Die Holzbläser eignen sich gut für daslegato, wie auch fürstaccato, und können Übergänge vom einen zum anderen, wie auch deren verschiedene Verbindungen gut ausführen.

Beimlegatosollten die Flöten und Klarinetten bevorzugt werden, beimstaccatodie Oboen und Fagotte.

Technische Eigenschaften:

- Alle Holzbläser sind für rasche Tonwiederholungen geeignet.
- Die Klarinette ist als einzige nicht für schnelle Sprünge in Oktaven geeignet.
- Die arpeggierten Akkorde, und die aus zwei bewegtenlegato-Noten bestehenden klingen nur gut bei Flöten und Klarinetten.
- Das Aushalten sehr langer Noten ist unmöglich.
- Kleine Ruhepausen hin und wieder sind nötig.

Charakterisierung der Klangfarben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Die Charakterisierungen hängen von Melodie, Harmonie, Rhythmus, Bewegung und Dynamik ab.
- Die Wahl der Instrumente hängt auch von dem Platz der Melodie in der Orchesterskala (sehr tiefbissehr hoch)

Die Funktion von Piccolo und Kleiner Klarinette ist hauptsächlich die, die Skala von Flöte und Klarinette in die Höhe hinauf fortzusetzen. Ihr Klangcharakter entspricht demnach - etwas ausgeprägter - den hohen Registern dieser Instrumente. Das höchste Register der Piccolo ist sehr kräftig und lebendig, das der kleinen Klarinette sehr durchdringend. Tiefes und mittleres Register (1. und 2.) dieser Instrumente sind sehr bleich.

Das Kontrafagott erweitert den Umfang des Fagotts in die Tiefe. Allerdings ist nur das tiefe Register aufgrund der schreckenserweckenden und impianosehr kräftigen Klangfarbe wirklich verwendenswert.

Das Englischhorn ist im Klang der normalen Oboe ähnlich → etwas träge und träumerisch und von großer Feinheit. Das tiefe Register aber bleibt ziemlich schneidend Die Bassklarinette ist im Allgemeinen der normalen Klarinette ziemlich ähnlich, imtiefen Registeraber dunkler und trüber, undim hohen weniger silbernSie eignet sich nicht zum Ausdruck von Freude und Lustigkeit.

Die Altflöte klingtkälterals die Flöte und etwaskristallartig, besonders im3. und 4. Register.

Als Dämpfer verwendet man Stoffpfropfen (nicht bei der Klarinette), um den Klang noch leiser zu machen. Für die Flöte gibt es keinen Dämpfer. Der Dämpfer macht es den Fagotten, Oboen und Englischhörnern unmöglich, den tiefsten Ton zu intonieren. Im höchsten (4.) Register haben die Dämpfer keinen Einfluss!

1.3 Blechbläser

Ihre Zusammensetzung ist - wie bei den Holzbläsern - nicht ganz einheitlich.

Die Gruppe der Blechbläser hat viel weniger Beweglichkeit, verglichen mit den Holzbläsern.

Die Klangstärke ist im Allgemeinen sehr kräftig.

- Trompete, Posaune und Kontrabasstuba haben etwa die gleiche Kraft. " Die Kornette sind etwas weniger kräftig.
- Die Hörner sind imfortenur halb so stark, impianoist das Verhältnis ausgeglichen, wenn man ihnen einfach einen höheren dynamischen Grad zuteilt. Imfortemuss man für jede Trompete bzw. Posaune 2 Hörner rechen.

Die Blechbläser sind die ganze Skala hindurch recht gleichmäßig in der Klangfarbe. Allgemein gilt: Je höher ein Ton ist, desto heller und kräftiger wird er, je tiefer desto dunkler und schwächer. Der Klang ist weich imppund herb und prasseln imff.

Die Blechbläser können gut einen Ton vomppzumffanschwellen lassen, und auch umgekehrt. Dassfppklingt ebenfalls sehr gut.

Man kann über Charakter und Klangfarbe der einzelnen Instrumente Folgendes sagen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die rasche Wiederholung eines Tones ist auf allen Blechblasinstrumenten durch (einfachen) Zungenschlag möglich. Der doppelte Zungenschlag lässt sich nur auf Trompeten und Kornetten ausführen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Stopfen(mit der Hand) verändert den Klang eines Blechblasinstruments grundlegend, ist aber nur bei Hörnern, Trompeten und Kornetten möglich.

DerDämpferexistiert für alle Blechblasinstrumente.

Auf der Trompete sind die Töne mit Dämpfer besser, als die gestopften, beim Horn ist beides gleich gut. Man verwendet das Stopfen für kurze, den Dämpfer für längere Passagen. Der gedämpfte Klang nähert sich der Oboe und dem Englischhorn. Sordinierte Blechbläser erwecken den Eindruck von Entfernung.

1.4. Instrumente mit kurzer Klangdauer

1.4.1. Gezupfte Saiten

Wenn die Streicher nicht mit dem Bogen spielen, sondern die Saiten mit den Fingern zupfen, kann man sie zusammen mit der Harfe als eine neue Gruppe betrachten → Instrumente mit gezupften Saiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Daspizzicatowird im Orchester auf zwei verschiedene Arten verwendet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Harfe:

Die Harfe ist vor allem ein harmonisches oder ein Begleit-Instrument. Sie hat speziell die Aufgabe, Akkorde oder Akkordfigurationen auszuführen. Die Akkorde werden immer gebrochen gespielt(arpeggiato). Will der Komponist es anders, so muss er dies extra vermerken(non arpeggiato). Mit jeder Hand können höchstens vier Noten gleichzeitig gegriffen werden, daher sollten die Akkorde eng geschrieben und der Raum zwischen beiden Händen nicht zu groß sein.

DerTonumfangder Harfe reicht vom Ces’ → fis’’’’. Von diesem Umfang braucht man gewöhnlich nur den Bereich vom C → c’’’; höhere und niedrigere Töne nur in Spezialfällen oder als Verdoppelung in Oktaven.

In den tiefen und mittleren Oktaven erlischt der Klang der Saite nicht sofort, sondern nach und nach. Dies kann der Spieler durch das Auflegen der Hand verhindern.

Sollten die Harmonieveränderungen allerdings sehr rasch sein, so kann dieses Mittel nicht angewandt werden, und es können unangenehme Kakophonien entstehen. Deshalb ist eine klare und genaue Ausführung schneller melodischer Linien nur in hoher Lage möglich, da hier die Saiten kürzer und trockener klingen.

Die Harfe ist hauptsächlich ein diatonisches Instrument und daher wenig zu raschen Modulationen geeignet. Zwar werden heutzutage auch chromatische Harfen (ohne Pedale) gebaut, doch haben diese andere Nachteile. Um diese Modulationsschwierigkeiten zu beheben ist die Verwendung von 2 Harfen zu empfehlen, die abwechselnd spielen.

Anmerkung: Bei der Harfe gibt es keine Doppel-Kreuze oder Doppel-Bes! Man muss daher immer die enharmonische Verwechslung gebrauchen(d. h.: statt Ais-MollB-Moll usw.)

Besonders gut klingt auf der Harfe dasglissando. Allerdings können hier beim Spielen von diatonischen Tonleiten Klangkonfusionen entstehen, da die einzelnen Saiten nachklingen.

Weniger problematisch ist das Spielen von Sept- oder Nonen-Akkorden, welche durch die enharmonische Verwechslung erreicht werden können(z. B.: Des7= cis-des-eis-f-gis-as-h).

Von allen Flageolett-Tönen gebraucht man bei der Harfe nur die Oktav-Flageoletts, welche eine einigermaßen rasche Aufeinanderfolge gestatten.

Akkorde von Flageolett-Tönen sind nur 3-stimmig ausführbar (zwei für die linke, eine für die rechte Hand).

Die weiche und poetische Klangfarbe der Harfe ist in allen dynamischen Nuancen sehr vorteilhaft, aber nie sehr kräftig (Auch deshalb ist die Verwendung von bis zu vierunisono-spielenden Harfen zu empfehlen)!

Je rascher dasGlissandoist, desto stärker klingt es.

Die Flageolett-Töne sind schwach und nur impianoanwendbar.

1.4.2. Schlaginstrumente mit bestimmter Tonhöhe Instrumente mit Klaviatur

Pauken:

Den ersten Platz nimmt hier die Pauke ein. Zwei Pauken - in Tonika und Dominante gestimmt - bilden seit jeher einen obligaten Bestandteil des Orchesters.

Die Tonumfänge der Pauken waren zur Beethoven-Zeit so kalkuliert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Heute hängt der Tonumfang von Größe und Qualität der Instrumente ab. Zu empfehlen ist folgender für den Orchestrator: E - gis.

Die Pauken können alle dynamischen Nuancen hervorbringen, von stärkstenfffbis zum kaum hörbaren ppp.

Im tremolando geben sie alle möglichencrecendi,diminuendiodermorendi.

Um den Ton der Pauken zu dämpfen legt man gewöhnlich ein Stück Stoff auf das Fell.

Klavier und Celesta:

Außer in Klavierkonzerten trifft man fast ausschließlich in Werken der russischen Schule auf ein Klavier im Orchester (z. B. zur Darstellung des VolksinstrumentsGussli).

Auch wird es benutzt, um den Klang von Glocken oder Glöckchen zu imitieren.

Wenn das Klavier nicht solistisch hervortreten sondern ein „echtes“ Orchesterinstrument sein soll, so verwendet man besser ein Pianino anstatt eines Flügels.

Der Klang der Celesta, der zarten Glöckchentönen ähnlich ist, ist sehr schön. Wenn man sie ersetzen muss - weil z. B. in kleinen Orchestern keine Celesta vorhanden ist - so nimmt man ein Klavier, aber kein Glockenspiel !

Glockespiel:

Glocken:

Xylophon:

Das Glockenspiel gibt es mit oder ohne Klaviatur. Das ohne ist vorzuziehen, da es technisch ausgereifter ist. Der Klang isthervortretender,stärkerundschneidenderals bei der Celesta.

Die großen Glocken (statt richtigen Glocken oft nur Metallplatten oder Röhren) gehören mehr zu den Requisiten der Operntheater, als zu den Orchestern.

Der Klang des Xylophons ist eine Art Klappern oder Prasseln, ziemlich Kräftig und durchdringend.

Ein dem Xylophon ähnlicher Klang kann erzeugt werden, wenn die Streicher mit der Rückseite des Bogens spielen (col legno). Der trockene Klang erinnert an ein schwaches pizzicato, das ein gewisses Klappern beinhaltet. Es klingt umso besser, je größer die Zahl der Spieler ist.

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1.4.2. Schlaginstrumente mit unbestimmter Tonhöhe

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Sie haben nur rhythmische Funktion, da sie weder zur Melodie noch zur Harmonie fähig sind.

Vergleich der Klangstärken der Orchestergruppen und Kombinationen der Klangfarben

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- Vergleich mit Instrumenten von kurzer Klangdauer

-ƒ Die vereinigte Kraft der Instrumente mit sich hinziehenden Tönen ist größer als die Kraft von gezupften Saiten(pizzicato, Harfe), voncol legno,Celesta, oder (schwach gespieltem)Klavier.

ƒ- Glockenspiel, Xylophon, Glocken, Pauken, Becken, Große TrommeloderTamtam können immer das ganze Orchester übertönen.

Verdoppelungen:

Holzbläser + Blechbläser = sanfterer Blechbläserklang Holzbläser + Streicher = dickerer Streicherklang

Blechbläser + Streicher = zwei getrennte Klänge, die nicht gut verschmelzen

Blechbläser + Holzbläser + Streicher(im Unisono)= fetter, weicher und einheitlicher Klang

Mehrere Holzbläser → stärker als → alle Ersten Violinenusw.→ aber gutes Verschmelzen und Weichheit z.B. Alle 1. und alle 2. Violinen → stärker als → Ein Holzblasinstrument → aber etwas dickerer Klang

Streicher con sordini + Holzbläser = Weniger günstig

Bläser + Instrumente mit kurzer Klangdauer = klarerer Klang der Zweiten = Pikanterer Klang der Ersten Streicher + Instrumente mit kurzer Klangdauer = wenig Verschmelzung ; zwei isolierte Klangfarben

Gezupfte Saiten + Schlaginstrumente = ausgezeichneter, edler, verschmelzender Klang

Flageolett-Töne der Streicher → ähnlich wie → Flöte

Bratsche → ähnlich wie → Fagott (mittlere Lage)oderKlarinette (tiefe Lage) Tiefe Flöte → ähnlich wie → Trompete impianissimo

Gedämpfte HörneroderTrompeten → ähnlich wie → OboeoderEnglischhorn

Verbindungsglied zwischen Holz und Blech = FagottoderHorn (im piano und mezzoforte)

Die wesentliche musikalische Bedeutung gehört im Allgemeinen den Instrumenten mit gedehntem oder fortdauerndem Klang, welche gleichzeitig die drei ersten Elemente der Musik darstellen: Melodie, Harmonie und Rhythmus zugleich.

Die Instrumente mit kurzer Klangdauer haben meist nur koloristische Bedeutung, die Instrumente mit unbestimmter Tonhöhe nur rhythmische.

Reihenfolge der Bedeutung der einzelnen Instrumente in der Instrumentation:

1.) Streicher → zum ausdrucksvollen Spiel am besten geeignet
2.) Bläser
3.) Gezupfte Saiten
4.) Schlaginstrumente mit bestimmter Tonhöhe
5.) Schlaginstrumente ohne bestimmte Tonhöhe

2. Die Melodie

Muss sich unbedingt abheben, wenn begleitende Stimmen beigegeben sind. Es gibt eine künstliche und eine natürliche Art der Abhebung:

1.) Künstliche Abhebung: Mehr dynamische Nuancen als bei der Begleitung (z.B.: Melodie mf ;

Begleitungp)

2.) Natürliche Abhebung: Durch Klangfarbenkontrast, Verdoppelungen usw.

Wenn die Melodie der höchsten oder tiefsten Stimme zugeteilt ist, so tritt sie schon durch diese Position hervor.

2.1. Die Melodie bei den Streichern

2.1.1. Violine: Die Melodie in der Lage des Soprans (oder Alts) fällt gewöhnlich der 1. Violine zu; manchmal auch der 2. oder beiden im Unisono, was einen volleren Klang ergibt, ohne die Zartheit der Klangfarbe einzuschränken.

2.1.2. Viola: Die Melodie in der Lage des Alts (oder Tenors) ist die Domäne der Bratschen. Doch sind die großen, breiten und singenden Melodien seltener den Bratschen als den Violinen oder Violoncelli zugeteilt, weil derKlang der Bratsche etwas nasal ist.

2.1.3. Cello: Die Violoncelli übernehmen meist Melodien in der Lage des Tenors oder Basses. Sie eignen sich für des Singende, Gedehnte und Leidenschaftliche. Der melodische Gesang wird ihnen meist auf der höchsten (A-) Saite zugedacht, da diese die Klangfarbe der Bruststimme besitzt.

2.1.4. K-Bass: Der Kontrabass eignet sich nicht für singende Melodien, seiner dumpfen Klangfarbe wegen. Solche werden ihm - wenn überhaupt - nur verdoppelt durch die Violoncelli zugeteilt.

Gruppierung im Einklang(unisono):

a.) 1. und 2. Violinen: Voller und weicher, als wenn nur eine Violingruppe spielt. Meist wird diese

Kombination gebraucht, wenn ein Holzblasinstrument beigefügt ist, welches keinesfalls hervortreten sondern nur den Klang fetter Machen soll.

b.) Violinen und Bratschen: Im Wesentlichen wie bei a.)

c.) Bratschen und Celli: d.) Violinen und Celli: e.) Vl. I/II + Br. + Celli:

f.) Celli und K-Bässe:

Voller und fetter Klang. Die Celli dominieren. Wie bei c.), aber noch fetter.

Nur in der Alt-/Tenor-Lage möglich. Imfortesehr gedehnt und mächtig, impianosehr voll und weich.

Im Bereich des tiefen Basses ein voller und weicher Klang.

Verdoppelung in Oktaven:

a.) 1. und 2. Violinen in 8ve: Sehr häufig. Die 2. Violinen dienen zur Verdoppelung in der Unteroktave, was vor allem dann wichtig ist, wenn die 1. Violinen die Lage des Soprans überschreiten und somit an Klangfülle verlieren. Die 2. Violinen geben einer Solchen Melodie Stabilität und Fülle.

b.) Violinen divisi in 8ve:

c.) VI. und Br. In 8ve:

d.) Br. und Celli in 8ve: e.) Vl. und Celli in 8ve:

f.) Celli und Kb. In 8ve:

Macht den Klang schwächer als bei a.), und geschieht meist nur in Verdoppelung mit Holzbläsern.

Vor allem dann von Nutzen, wenn die Unteroktave der Melodie das g unterschreitet.

Vor allem dann angewandt, wenn die Violinen anderweitig beschäftigt sind.

Bei sehr ausdrucksvollen, singenden Sätzen, wo die Celli die Melodie auf der D- oder A- Saite spielen.

Normal in der Basslage. Unzählig oft angewandt.

Verdoppelung in drei oder vier Oktaven:

Nur selten, und wenn, dann in Verbindung mit den Bläsern.

Melodien in Terzen und Sexten:

Bei den Streichern ist es oft notwendig, bei Melodien in Terzen beiden Stimmen die gleiche Klangfarbe zu geben, bei Melodien in Sexten nicht.

2.2. Die Melodie bei den Holzbläsern

Die Wahl ist vom Charakter und Ausdruck der Melodie abhängig und größtenteils dem Geschmack des Orchestrators überlassen.

Am natürlichsten klingen Melodien in der normalen Lage des Instruments, das sie spielt. Man kann auch zu Aufhebungen dieser Ordnung greifen (z.B. Oboen höher als Flöten etc.), jedoch darf man dieses Verfahren nicht missbrauchen!

Verbindungen im Einklang:

a.) Flöte und Oboe: Vollere Klangfarbe als bei der Flöte allein, weichere als bei der Oboe. Impiano herrscht die Klangfarbe der Flöte im tieferen, die der Oboe im höheren Register vor.

b.) Fl. und Klar.: Vollere Klangfarbe als die der Flöte, mattere als die der Klarinette. In der tieferen Lage

herrscht die Klangfarbe der Fl. Vor, in der höheren die der Klar..

c.) Ob. Und Klar.: Klangfarbe ist voller als bei jedem der Instrumente isoliert. In der tiefen Lage dominiert das Dunkle und Nasale der Oboe, in der hohen das Bruststimmenartige der Klarinette.

d.) Fl.+Ob.+Klar.: Sehr volle Farbe. In der tiefen Lage herrscht die Klangfarbe der Flöte vor, in der mittleren die der Oboe und in der höheren die der Klarinette.

e.) Klar. + Fag.: Sehr volle Farbe. In der tiefen Lage herrscht das Finstere der Klarinette, in der hohen

das Kränkliche des Fagotts vor.

f.) Fagott + Flöte:

g.) Fagott + Oboe: h.) Ob.+Klar.+Fag.: i.) Fl.+Klar.+Fag.:

j.) Fl.+Ob.+Kl.+Fag.: Alles sehr selten

Die Verbindung im Einklang hat den Nachteil, dass die Ausdrucksmöglichkeit vermindert wird. Sinnvoll sind Verdoppelungen im Einklang zweier gleicher Instrumente, aber Solo-Melodien klingen immer am schönsten!

Verbindungen in Oktaven:

Man benutzt am besten folgende Verbindungen:Fl./Ob. Fl./Klar. Fl./Fag. Ob./Klar. Ob./Fag. Clar./Fag. Die Verbindung in Oktaven zwischen Flöte und Fagott ist selten, weil der Unterschied der Register zu groß ist.

Die Umkehrungen der oben genannten Ordnungen (z.B.:Ob./Fl.) ergeben einen wenig natürlichen gezwungenen Klang.

Die Verwendung zweier gleicher Instrumente in Oktaven ist nicht zu verwerfen, aber auch nicht wirklich zu empfehlen, außer in der Mittellage, bei Verdoppelungen durch Streicher, oder bei wiederholten oder angehaltenen Tönen.

Es ist prinzipiell immer notwendig, eine Melodie, die sich in der tiefsten oder höchsten Lage befindet, in der Oktave darüber bzw. darunter zu verdoppeln.

Verbindungen in zwei, drei oder vier Oktaven: z. B.: Fl./Ob./Klar. Ob./Klar./Fag. Fl./Ob./Fag.

Fl./Ob./Klar./Fag.

Oder gemischte Klangfarben

Melodien in Terzen und Sexten:

- Entweder zwei Instrumente gleicher Klangfarbe
- Oder zwei Instrumente verschiedener Klangfarbe, aber in normaler Höhenordnung Wenn man diese Ordnung aufgibt, ergeben sich fremdartige, gezwungene Klänge.

Bei Terzen ist das Verwenden zweier gleicher Instrumente am besten ! Bei Sexten ist beides gut möglich !

Gleichzeitige Terzen und Sexten:

Fl./Ob./Klar.oder Ob./Klar./Fag.

Oder Verdoppelungen:Fl.+Ob./Fl.+Klar./Ob.+Klar.

2.3. Die Melodie bei den Blechbläsern:

- Am besten klingen Fanfaren(Signale, Appele).
- Am besten geeignet zu deren Vortrag sind Hörner und Trompeten in der mittleren und hohen Lage.
- Nach den Fanfaren sind diatonische - nicht modulierende - Melodien, welche einen herausfordernden und triumphierenden Charakter in Dur und einen dunklen, traurigen in Moll haben, am passendsten.
- Der poetische und herzliche Ton des Horns erlaubt diesem Instrument eine breitere Auswahl an Melodien diatonischen und Fanfaren-Charakters.
- Die Melodien, die chromatische und enharmonische Elemente enthalten, eignen sich nicht sehr gut für die Blechbläser.

Leidenschaft und Herzlichkeit → nicht gut im Blech Kraft und Energie → super Blechbläser im Einklang, in Oktaven, Terzen und Sexten Man kann die Blechbläser problemlos Solo spielen lassen, wie sie zu vereinigen. Der Klang der vereinigten Instrumente ist voller Fülle und Kraft.

Aufgrund der Gleichheit der Klangfarben - dunkel in der Tiefe und leuchtend in der Höhe - ist die Verwendung des Blechs im Einklang, in Oktaven, Terzen oder Sexten immer gut.

Sehr gut: (im Einklang, in Oktaven, in Terzen, in Sexten)

Trp. + 2 Hrn. / Trp. + Pos. / Pos. + Tb. / 2 Pos. + Pos. und Tb. / 2Trp. + 2Pos. / 2 Hrn- + Tb.

Gut: (in Oktaven)

2 Hrn. + Pos. / 4 Hrn. + 2 Pos.

2.4. Die Melodie bei Instrumenten verschiedener vereinigter Gruppen

2.4.1. Holz und Blech im Einklang

Ergibt einen gemischten Klang, bei dem die Farbe des Blechs vorherrscht. Der Klang ist stärker als der jedes einzelnen, und weicher und etwas dünner als der des Blechblasinstruments alleine. Im Forte sind diese Verdoppelungen häufig, vor allem bei der Trompete:

Trp. + Klar. / Trp. + Ob. / Trp. + Fl. / Trp. + Klar. + Ob. + Fl.

Aber auch bei Hörnern(mit Klar. oder Fg.), Posaunen und Tuba(mit Fg.).

Die Verbindung des Englischhorns, der Bassklarinette oder des Kontrafagotts mit entsprechend hohen Blechbläsern ergibt dieselben Klangeigenschaften.

DIE VERBINDUNG IM EINKLANG EINES HOLZ- UND EINES BLECHBLASINSTRUMENTES GIBT DER MELODIE GEWÖHNLICH MEHR LEGATO, ALS WENN DAS BLECHBLASINSTRUMENT ALLEINE SPIELT !!

2.4.2. Holz und Blech in Oktaven

Grundsätzlich gilt:

1 Horn = 2 Holzbläser(Fl., Ob. oder Klar.)in Oberoktave

2 Hörner = 3 oder 4 Holzbläser in Oberoktave

1 Trompete = 3 oder 4 Holzbläser(in hoher Lage reichen 2 Flöten)in Oberoktave

Posaunen sollen nicht in der Oberoktave durch Holzbläser verdoppelt werden. Hierfür sind Trompeten vorzuziehen !

2.4.3. Streicher und Holz

Jede Verbindung oder Verdoppelung Streicher + Holz ist gut. Im Einklang wird der Streicherklang stärker und fülliger, der Holbläserklang weicher. Der Streicherklang herrscht bei gleicher Kraft beider Stimmen vor(z.B.: Erste Vl. + Ob. / Celli + Fagott).

Im Einklang:

Am besten sind Verbindungen von Instrumenten gleicher Höhenlage:

Vl. + Fl. / Vl. + Ob. / Vl. + Klar.

Br. + Englhrn. / Br. + Klar. / Br. + Fg.

Vc. + Klar. / Vc. + Fg.

Kb. + Bass-Klar. / Kb. + Fg. / Kb. + K-Fg.

Diese Verbindungen werden angewandt um:

a.) Eine neue bestimmte Klangfarbe zu erreichen

b.) Die Kraft der Streicher zu heben

c.) Den Ton der Holzbläser weicher zu machen

In Oktaven, Terzen und Sexten:

Wie bei Verbindungen im Einklang verwendet z. B.:Vl. und Klar. + Br. und Fg. uva.

Wenn in der Höhe des Soprans zwei Stimmen in Oktaven fortschreiten und eine davon verdoppelt ist, lässt man die Holzbläser in Oktaven schreiten und verdoppelt die untere Stimme durch Streicher.

Bassmelodien in Oktaven teilt man am besten Vc. und Kb. zu und verdoppelt die Vc.-Sitmme durch ein Fagott. Der Kb. spielt unverdoppelt.

2.4.4. Streicher und Blech

Aufgrund der Ungleichheit der Klangfarben, ist hier nicht dieselbe Verschmelzung zu erwarten, wie bei Streichern + Holz. Man hört beide Gruppen für sich.

Die Verbindung zweier Instrumente gleicher Höhenlage ist auch hier am besten.

DIE VERBINDUNG VON HORN UND VIOLONCELLI IST SEHR GEBRÄUCHLICH UND ERGIBT EIGENTLICH EINE WEICHE UND GEMISCHTE KLANGFARBE.

2.4.5. Streicher, Holz und Blech

Ist gebräuchlicher als die vorige Verbindung, da die Holzbläser den Klang mehr vermischen und vereinheitlichen. Am besten und natürlichsten klingen:

Vl. + Ob. (Fl. Klar.) + Trp. / Br. (Vc.) + Klar. + Hrn. / Vc. (Kb.) + Fg. + Pos. (Tba.)Man gebraucht diese Verbindung imForteoder imDicken Piano.

3. Harmonie

Die Kunst der Orchestration erfordert:

- Eine ausgeglichene und schöne Disposition der Akkorde " Klarheit, Korrektheit und reine Stimmführung Oft wird gedacht, dass bei der Instrumentation nur die Wahl der Instrumente und Klangfarben von Bedeutung ist, und dass ein schlecht klingendes Stück seine Fehler auch nur in diesem Bereich haben kann. Aber oft ist dieser schlechte Klang nur die Folge einer fehlerhaften Stimmführung. Auch kann gesagt werden, dass bei guter Stimmführung und gutem Akkordsatz auch das Klangergebnis IMMER gut sein wird, egal welche Instrumente eingesetzt sind.

Bevor ein Komponist mit dem Instrumentieren beginnt, sollte er zuerst in der Skizze Zweifel in Bezug auf Stimmenzahl und Stimmführung beseitigen. Außerdem sollte er die musikalische Wortführung (Syntax) verstehen, und sich über musikalische Elemente wie Motiv, Phrase oder Satz im Klaren sein. Jeder Übergang von z. B. einem vier- zu einem dreistimmigen Satz muss mit einem Übergang zu einem Motiv, einer Phrase oder einem Satz zusammenfallen.

3.1. Die Zahl der harmonischen Stimmen - Verdoppelungen

Die Harmonie besteht gewöhnlich aus 4 Stimmen. Harmonien die aus mehr Stimmen gebildet zu sein scheint, hat meist Zusatzstimmen, die nichts Anderes sind, als Verdoppelungen einer oder mehrerer der drei oberen Stimmen in der Nachbaroktave (Der Bass kann nur in der tieferen Oktave verdoppelt werden.

Enge Lage:(Notenbeispiel 1)

Vierstimmige Harmonie - 1, 2 und 3 verdoppelte Stimmen

Weite Lage:(Notenbeispiel 2)

Vierstimmige Harmonie - 1 und 2 verdoppelte Stimmen

In der weiten Lage sollte man nur Sopran und Alt verdoppeln, da die Verdoppelung des Tenors eine enge Lage erzeugt !

Die Bass-Stimme soll sich nicht mit den übrigen Stimmen vermischen

Notenbeispiel 3 = Schlecht

Die Verdoppelungen können nur teilweise sein, weil das die Entfernung vom Bass bedingt(Notenbeispiel 4)

Die nacheinander folgenden Oktaven, welche die oberen Stimmen einfassen, sind sorgfältig zu vermeiden

Notenbeispiel 5 = Schlecht

Die Nacheinanderfolge von Quinten, welche sich beim Fortschreiten der drei oberen Stimmen ergeben, hat keine Bedeutung.(Notenbeispiel 6)

Der Bass einer Umkehrung des Dominant-Sept-Akkordes darf niemals von einer oberen Stimme verdoppelt werden !!!(Notenbeispiel 7)

Dasselbe muss auch bei anderen (auch verminderten) Septimen-Akkorden beachtet werden !

Die Regeln der Harmonie in Bezug auf ausgehaltene oder Pedaltöne erlauben - was Hilfsnoten, durchgehende oder Wechselnoten anbelangt - gewagtere Kombinationen wenn die Klangfarben verschieden sind.(Notenbeispiel 8)

Pedaltöne oder ausgehaltene Töne, oben und in der Mitte, sind beim Orchester dank der verschiedenen Klangfarben viel besser als z. B. beim Klavier.(Notenbeispiel 9)

3.2. Disposition der Akkorde

Die normale Ordnung der Töne der Naturtonleiter kann als Muster der Disposition der Akkorde im Orchester gelten - das heißt: In der Tiefe nehme man große Intervalle, in der Höhe immer engere(Notenbeispiel 10)

Der Bass kann in Ausnahmefällen weiter als eine Oktave von der nächsthöheren Stimme entfernt sein. Der Mangel an harmonischen Tönen in den Oberstimmen ist zu vermeiden.

Notenbeispiel 11 = Schlecht

Sexten und Oktavverdoppelungen des oberen Tones können in den oberen Stimmen manchmal gut sein(Notenbeispiel 12)

Wenn eine gute Stimmführung es erfordert, dass sich die obere Stimme von den übrigen des Akkordes entfernt, so ist das kein Problem(Notenbeispiel 13)Es wäre im Gegenteil sehr schlecht,Füllstimmen diesem Akkord beizufügen !!

Die Disposition der mittleren Stimmen im orchestralen Gewebe ist also von größter Wichtigkeit.

Es ist sehr schlecht, die oberen Stimmen vom Bass durch große, leere Intervalle zu trennen, besonders imForte(imPianosind diese Dispositionen im äußersten Falle anwendbar).

Es ist deshalb auch notwendig, bei Gegenbewegung neue Mittelstimmen einzuschalten(Notenbeispiel 14)bzw. alte wegzunehmen(Notenbeispiel 15).

3.3. Die Harmonie bei den Streichern

Die Ausgeglichenheit der Klangstärken der einzelnen Stimmen einer Harmonie ist sehr wichtig und kommt in den langen, gehaltenen Akkorden besser zum Vorschein, als in kurzen.

Bei kurzen Akkorden kann man auch Tripel- und Quadrupelgriffe anwenden, bei gehaltenen Akkorden nur Doppelgriffe oderDivisi.

a.) Kurze Akkorde: Bei den Streichern können Tripel- und Quadrupelgriffe nur kurz gespielt werden. Diese kurzen Akkorde klingen arco nur im forte (f, sf, ...) gut, und auch da nur dann, wenn sie von Bläsern unterstützt sind. Die Gleichheit der Klangkraft und die korrekte Stimmführung sind bei kurzen Akkorden nicht so wichtig. Wichtig sind die Leichtigkeit der Ausführung und der Klang - die Griffe auf den nicht umsponnenen Saiten sind wegen der größeren Klangkraft vorzuziehen. Bei Violinen und Bratschen sind Mehrfachgriffe häufig, beim Cello seltener und beim Kontrabass kaum anzutreffen.

b.) Ausgehaltene Akkorde und Tremolo: Länger gehaltene Akkorde - oft im Tremolo - erfordern eine Gleichheit der Verteilung der Klangkraft. Da die Klangkräfte der einzelnen Streichinstrumente annähernd gleich sind, wird ein vierstimmiger Satz (mit doppeltem Bass) in enger Lage einheitlich genug sein. Wenn die oberen Stimmen aber weiter vom Bass entfernt sind, so muss man die leere Mittellage auffüllen. DieDivisisollte man hierfür vermeiden, außer man wendet sie für alle Stimmen an, sonst verliert der Klang an Homogenität.

Schlecht:Vl. I div. / Vl. II div. / Br. Unis. / Vc. Unis. / Kb. Unis.

Gut:Vl. I div. / Vl. II div. / Br. div. / Vc. div. /Kb. div.

Oft werden nur Violinen und Bratschen geteilt, die Celli und Kontrabässe führen den Bass in Oktaven aus, was etwas schwerer wirkt. Mann sollte ihnen deshalb dynamische Nuancen eines niedrigeren Grades geben oder die Zahl der Spieler verringern.

Wenn bei einem f oder fp bei jedem Instrument zwei Noten ausgehalten werden, so muss man auch das Gleichgewicht beibehalten(Notenbeispiel 16).

3.4. Die Harmonie bei den Holzbläsern

Das harmonische Gewebe muss gleichmäßig verteilt sein:

1.) Die Instrumente, welche die Akkorde bilden müssen für den ganzen Satz in derselben Weise verteilt sein.

2.) Man muss die normale Höhenlage beachten (Außer bei Kreuzung und Einschließung)

3.) Entsprechende und Nachbarregister sollen zusammenfallen

4.) Die konsonanten Intervalle (Oktaven, Terzen, Sexten) muss man Instrumenten der selben Gattung oder Klangfarbe zuteilen, nicht aber die dissonanten (Quarten, Quinten, Septimen) !

Vier- und dreistimmige Harmonie

Die Disposition der Harmonie bei den Holzbläsern kann von 2 Standpunkten aus betrachtet werden:

1.) Holzbläser à 2:

Es gibt drei Möglichkeiten die Klangfarben der Holzbläser à 2 zu verteilen(Notenbeispiel 17): a.) Eine über der anderen(Superposition)

b.) Stimmkreuzung

c.) Einrahmung

- Man muss bei einzelnen Akkorden darauf achten, dass man nicht ein schwaches Register eines Instruments mit einem starken eines anderen mischt.
- Bei einer Akkordfolge muss die Stimmführung beachtet werden (z. B. die liegenden Stimmen müssen eine andere Klangfarbe haben als die fortschreitenden).
- Bei der Einrahmung einer bestimmten Klangfarbe, müssen die beiden äußeren verschiedenartig sein.
- Bei 4-stimmigen Akkorden in weiter Lage kann man eventuell jeder Stimme eine eigene Klangfarbe zuteilen, in enger Lage ist dies zu vermeiden.

Die 3-stimmige Harmonie wird meist dann gebraucht, wenn der Bass einer anderen Gruppe zugeteilt ist. Man gibt hier normalerweise zwei Stimmen die selbe Klangfarbe, der dritten eine andere, niemals aber benutzt man drei verschiedene Klangfarben !

Die Anwendung von Kreuzung und Einrahmung ist hier von der Stimmführung abhängig.

2.) Holzbläser à 3

- Die Gruppierung von 3 Instrumenten gleicher Klangfarbe klingt immer sehr gut.
- Bei 4-stimmigen Akkorden inenger Lagewendet man am besten die Übereinanderstellung an (3 gleiche und eine andere Klangfarbe)
- Bei Akkorden inweiter Lageist es schlecht, drei Instrumente gleicher Klangfarbe zu nehmen, außer wenn das dritte Instrument einer tieferen Lage angehört(z. B.: 2 Klar./1 Bassklar.usw.)

Vielstimmige Harmonie

Meist ist die Harmonie 4-stimmig, die restlichen Stimmen sind Verdoppelungen(Notenbeispiel 1). Man verwendet daher am besten für gleiche Töne in Oktaven Instrumente, welche diese Oktaven gut bilden. Man kann aber auch Kreuzung und Einrahmung anwenden.

- Vielstimmige Akkorde in weiter Lage sollte man vermeiden.
- Bei Holzbläsern à 3 eignet sich in enger Lage am besten die Übereinanderstellung. Verdoppelung der Klangfarben
- Wenn die Holzbläser à 2 sind, so ist es gut, soviel wie möglich verdoppelte Klangfarben untereinander zu mischen.
- Wenn die Holzbläser à 3 sind, so ist eine vollständige Gleichheit durch Verdoppelung möglich.

Allgemeine Bemerkungen:

- In der Klassik gab es bei vielstimmigen Akkorden oft Leerstellen. Das ist heute unüblich und besonders im forteschlecht.
- Im Allgemeinen ist ein vielstimmiger Akkord von großer Ausdehnung nach der normalen Ordnung verteilt: Im tiefen Register große Intervalle (Oktaven, Sexten), im mittleren Quinten und Quarten, und im hohen Terzen und Sekunden.
- Oft erfordert eine gute Stimmführung über einen Zeitraum hindurch die Verdoppelung einer Stimme, während die anderen unverdoppelt bleiben. Das ist aber eben wegen der guten Stimmführung unproblematisch.
- Eine 4-stimmige Harmonie wird nicht immer allein den Holzbläsern zugeteilt. Oft wird der Bass extra behandelt (z. B. Streicher pizz.). Hier müssen die Holzbläser allerdings als unabhängig betrachtet werden, daher sind offene Quinten oder Quarten unzulässig.
- Viele der oben erwähnten Regeln gelten nicht für kurze Akkorde, da hier die Disposition und Verteilung der Klangfarben nicht so deutlich hörbar sind.
- Allgemein ist zu beachten:

Die normale Höhenordnung soll als Leitfaden dienen.

Ein Akkord soll - womöglich - immer entweder vollständig oder nicht verdoppelt geschrieben sein.

Kreuzung und Einrahmung sind nur in bestimmter Absicht zu gebrauchen.

Die enge Lage ist vorzuziehen.

3.5. Die Harmonie bei den Blechbläsern

Hier muss man in enger Lage schreiben und darf keine Intervalle auslassen !

Vierstimmige Disposition

1.) 4 Hörner + verdoppelter Bass (Fagott, nicht Posaune oder Tuba)

2.) 1 Trompete (oder 2 Hörner) und 3 Posaunen + verdoppelter Bass (Tuba)

GUT: Die 3 oberen Stimmen spielen 3 Posaunen, den Bass 2 Hörner und die Verdoppelung in der

Unteroktave eine Tuba (guter und voller Klang) → Notenbeispiel 18

3.) 2 Trompeten und 2 Posaunen (oder 4 Hörner statt der Posaunen)

4.) 3 Trompeten und 1 Posaune (oder 2 Hörner statt der Posaune)

Man kann auch die Einrahmung verwenden

Dreistimmige Disposition

Am besten sind: 3 Posaunen

3 Hörner

3 Trompeten

Wenn man 2 Klangfarben mischt, verdoppelt man die Zahl der Hörner !

Vielstimmige Akkorde Wenn die ganze Gruppe verwendet ist, verdoppelt man die Zahl der Hörner ! Wenn man 5-,6- oder 7-stimmig schreibt, muss man Instrumente weglassen !

Die dissonanten Intervalle (Septime und Sekunde) gibt man unähnlichen Klangfarben(Notenbeispiel 19)

In allen Fällen, wo die nötige Klangkraft der Stimmen nicht durch die Verwendung der Härner à 2 erzielt werden kann, gibt man den Hörnern einfach eine höhere dynamische Nuance, als den Trompeten oder Posaunen.

Wenn die Akkorde in weiter Lage in vielen harmonischen Etagen gesetzt sind, kann die Etage der Hörnerohne Verdoppelung bleiben(Notenbeispiel 20)

Verdoppelung der Blechbläser

Am häufigsten ist die Verdoppelung eines Trompeten- oder Posaunenakkordes durch Hörner, da diese den Klang weicher machen.

Auch häufig kommt es vor, dass bei ausgehaltenen Noten Verdoppelungen der Hörner stattfinden. Für ausgehaltene Noten in der Doppeloktave am häufigsten:Notenbeispiel 21 Die Posaunen nehmen gewöhnlich an solcher Kombination nicht teil.

3.6. Die Harmonie bei den vereinigten Gruppen

3.6.1. Verbindung von Holz- und Blechbläsern

Unisono: Das Holzblasinstrument gesellt sich zu dem Blechblasinstrument und macht dessen Klang weicher, indem es den typischen Charakter des Blechs vermindert.

2(3) Trompeten + 2(3) FlötenoderOboenoderKlarinetten 2(3) Hörner + 2(3) Klarinettenoder/undFagotte

- Ein Akkord aller Blechbläser, verdoppelt von allen Holzbläsern à 2 ergibt einen wunderbaren und gleichen Klang !
- Die gestopften oder gedämpften Töne der Hörner und Trompeten erzeugen unisono mit Oboen oder Englischhorn einen prächtigen Klang !
- Die mittleren Noten der gedämpften Hörner unisono mit dem tiefen Register der Klarinette, geben eine schöne dunkle Klangfarbe !(mit Fagott weniger charakteristisch)

Übereinanderstellung, Kreuzung, Einrahmung:

Hörner und Fagotte haben eine ähnliche Klangfarbe, daher klingt eine 4-stimmige Harmonie, die von 2 Hörnern und 2 Fagotten gespielt wird schön und ausgeglichen, etwas durchsichtiger als bei 4 Hörnern allein. Im forte beginnen die 2 Hörner aber, die 2 Fagotte zu unterdrücken !.Für die Kombination Hörner/Fagotte wählt man am besten die Kreuzung und gibt den Hörner die Konsonanten und den Fagotten die dissonanten Intervalle. Man kann auch die 2 Fagotte eingerahmt zwischen den Hörnern schreiben, aber nicht umgekehrt !

Wenn man zwischen 2 Trompeten in Oktaven 2 Flöten in Terzen setzt, so erwecken diese einen schönen, mystischen Eindruck.

Wenn man eine ganze Reihen von eingerahmten Akkorden schreibt, so gibt man die liegenden Stimmen dem Blech und die bewegten dem Holz.

Klarinetten soll man nicht zwischen Hörner einschließen, aber sie ergänzen diese gut in der Höhe (Notenbeispiel 22 ; im forte müssen hier die oberen Stimmen verdoppelt werden, da sonst die Hörner zu stark sind !)

Auch die Akkordkombination von einem gestopften Horn mit Oboen ist gut Wenn an einem Akkord Trompeten oder Posaunen teilnehmen, so setzt man die Holzbläser (außer natürlich die Fagotte) in die höhere harmonische Etage.

3.6.2. Verbindung der Streicher und Bläser

Die Gegenüber- oder Nebeneinanderstellung von Akkorden der Streicher und Holzbläser ist sehr gebräuchlich.

Die Verbindung der Streicher mit den Blechbläsern ist wegen vollständigem Mangel an Verwandtschaft wenig zu empfehlen. Man kann aber die Gegenüberstellung anwenden, wenn die Streicher die Harmonietremolandoodersforzandound die Bläser in ausgehaltenen Noten spielen. Die Akkorde der Hörner verdoppelt durch Violoncelli oder Bratschendivisiklingen ausgezeichnet.

3.6.3. Verbindung aller drei Gruppen

Die Vereinigung von Streichern, Holz- und Blechbläsern gibt der Harmonie Fülle und Inhalt.

DIE AUSGEGLICHENHEIT DER KLÄNGE UND DIE GENAUE VERTEILUNG DER KRÄFTE SPIELT EINE VIEL GRÖSSERE ROLLE BEI LANGGEZOGENEN ODER RHYTHMISCH FIGURIERTEN AKKORDEN, DENN HIER IST DIE KLANGWIRKUNG OFFENSICHTLICH !!!

4. Die orchestrale Faktur

Von den verschiedenen Arten, ein und dieselbe Musik zu orchestrieren Oft hat ein Komponist einen so eindeutigen Einfall, dass auch dessen Orchestration zunächst nur eine einzige Möglichkeit zu bieten scheint, um das gewünschte Klangergebnis zu erzielen. Als Beispiel sei hier eine Fanfarenmelodie vor einem TremoloHintergrund gegeben. Wohl jeder Instrumentator käme sofort auf die Idee, die Fanfare der Trompete zu geben und den Tremolo-Hintergrund den Streichern, und nicht etwa umgekehrt. Doch ist dies wirklich die einzige Möglichkeit? Was ist zum Beispiel, wenn die Melodie zu hoch oder zu tief für die Trompete ist? Oder vielleicht sollte man sie überhaupt zwei oder drei Trompeten unisono zuteilen. Oder das Tremolo durch ausgehaltene Bläserstimmen verdoppeln.

Diese Fragen sollen nun der Reihe nach beantwortet werden. Wenn die Melodie für die Trompete zu tief ist, so kann man sie dem Horn geben, da dieses mit der Trompete verwandt ist. Wenn die Melodie zu hoch ist, so bieten sich Klarinette und Oboe unisono an, da dieser Klang demjenigen einer Trompete sehr nahe kommt. Ob eine, zwei oder drei Trompeten, Hörner, Oboen oder Klarinetten verwendet werden sollen, das hängt davon ab wie stark und kräftig das Klangergebnis sein soll. Das Verdoppeln des Tremolos durch liegende Bläserstimmen ist reine Geschmackssache. Wenn erreicht werden soll, dass sich die Melodie sehr deutlich vom Hintergrund abhebt, so braucht man diese Verdoppelung nicht anzuwenden. Wenn man einen sehr vollen Grund und einen weniger ausgeprägten Ausdruck der Melodie haben will, so verdoppelt man das Tremolo durch Bläserstimmen. Diese Bläserstimmen sollen sich im Klang von der Melodie stark unterscheiden, das heißt: Spielt die Trompete oder das Horn die Melodie, so teilt man die Harmonie den Holzbläsern zu, spielen sie aber Oboe und Klarinette, so verwendet man die Hörner.

Die einfachsten musikalischen Ideen - Unisono-Sätze, Sätze in Oktaven oder Akkorde ohne melodische Bedeutung - kann man auf verschiedene Arten orchestrieren, wobei Höhenlage, gewünschte Dynamik, Ausdrucksgrad und nötige Färbung zu berücksichtigen sind.

Bei komplizierteren musikalischen Gedanken - harmonisch-melodische oder polyphone Figuren - gibt es schon weit weniger Arten der möglichen Orchestration.

Wenn Perioden oder Sätze des selben musikalischen Inhalts verschieden orchestriert werden, so geschieht dies, um entweder die Farbe oder die Klangkraft zu verändern.

Das beste Mittel, ein und dieselbe Idee auf verschiedene Arten zu instrumentieren, besteht darin, dass man die Substanz der Musik speziell diesem Zwecke anpasst. Die Möglichkeiten dieses Verfahrens sind: a.) Die vollständige oder teilweise Transposition in andere Oktaven

b.) Wiederholung in einer anderen Tonart

c.) Ausdehnung durch Zusatz von Oktaven in der Höhe und Tiefe

d.) Einführung von Veränderungen der Einzelheiten und von Varianten der Faktur. e.) Veränderung der allgemeinen Dynamik

Verschiedene Instrumentationen eines musikalischen Gedankens → crescendo und diminuendo → Abwechslung der Klangfarben → Veränderung der Färbung

GroßeTutti

„Tutti“ bedeutet normalerweise das gleichzeitige Spiel aller Instrumente des Orchesters, doch ist dies durchaus nicht immer notwendig, um eine Stelle trotzdem mit „Tutti“ zu bezeichnen.

Großes Tutti= Mitwirken aller melodischen Gruppen des Orchesters (Holz, Blech, Streicher)Kleines Tutti= Das teilweise Fehlen der Blechbläser

Tuttider Bläser Die Holz- oder Blechbläser können für kürzere oder längere Perioden die „Tutti“ allein ausführen. Manchmal findet man Holzbläser allein, öfters mit Hörnern zusammen und auch Blechbläser allein. Das Mitspielen von Schlagwerk oder Streicher-Pizzicati (und Harfe) ist häufig. Die Holzbläser-Tutti (auch mit Hörnern) können keine große Kraft erreichen, die Blechbläser-Tutti schon !

Großes Pizzicato

Das Pizzicato-Tutti (manchmal mit Harfe oder Klavier) ist ein besonderer Fall. Es kann ohne den Zusatz von Bläsern keine Kraft erreichen und bildet einen glänzenden Klang mittlerer Stärke

Solider Streichinstrumente

Streicher-Soli sind verhältnismäßig selten, vor allem bei der Bratsche und beim Kontrabass Man benutzt sie entweder um eines besonderen Ausdrucks willen, oder, wenn eine Stelle so schwer ist, dass außer dem Konzertmeister sie keiner gut spielen kann. Die schwache Klangkraft eines Streicher-Solos erfordert zarte und durchsichtige Begleitung. Gelegentlich trifft man auch ein komplettes Solostreichquartett an. Manchmal ist ein Solostreicher durch einen Holzbläser verdoppelt, um eine große Reinheit und Fülle des Klanges zu erreichen, ohne den Charakter des Solos zu verändern (besonders im 1. und 3. Register) oder für Farbeffekte.

Die oberste und unterste Grenze der Orchesterskala Musikalische Gedanken, die sich auf die oberste (~ g’’’-c’’’’’) oder unterste Grenze (~ C’-C) der Skala konzentrieren, sind selten. Für erstere nimmt man Piccolo, Flöte oder Violinen (hellleuchtende Färbung), für zweitere (Kontra-)Fagott, Tuba, Kontrabass, Posaune usw. (sehr dunkle Färbung).

Dass zwischen oberen und unteren Stimmen eines Satzes große Zwischenräume frei bleiben (ohne dass die mittleren Oktaven ausgefüllt sind) , kommt sehr selten vor. Doch kann diese bizarre Klangwirkung zu fantastischen Effekten verwendet werden.

Tipp:Oben:kleine Flöte +Harfe +Glockenspiel ;Mitte:Große Flöten ;Sehr tief:Kontrabass-Solo +Tuba= fantastischer Eindruck Transmission von Sätzen Bedeutet, dass man einen Satz oder eine Figur von einem Instrument in ein anderes übergehen lässt. Um solche Teile besser zu verbinden, lässt man die letzte Note eines Teils mit der ersten des nächsten zusammenfallen. Man wendet ein solches Verfahren an, wenn Passagen für ein und dasselbe Instrument unausführbar wären, wenn man die Klangfarbe ändern will, oder wenn ein Satz sich über einen großen Teil der Orchesterskala erstreckt. Hierbei spielen die Instrumente einige Noten gemeinschaftlich, dann setzt eines aus usw..

Abwechslung von Akkorden verschiedener Klangfarbe

1.) Einfache Abwechslung von Akkorden, die von verschiedenen Gruppen gespielt werden.

Wenn zwischen den Akkorden ein Unterschied in der Höhenlage ist, so muss man auf die regelrechte Stimmführung achten

2.) Ein Akkord wird von einer Gruppe einer anderenübergeben

Dieses Verfahren erfordert genaue Stimmführung und gleiche Höhenlage.

Verstärkung (Zugabe) und Abnahme der Klangfarben

Dieses Verfahren gebraucht man, um eincrescendohervorzubringen (Eine Gruppe markiert das crescendo gradweise → eine andere trittpianoein und markiert es rascher → usw.. Das crescendo wird gedehnter und die Klangfarbe wechselt). Das entgegengesetzte Verfahren ist das Wesentliche desdiminuendo.

Wiederholung, Imitation, Echo Wichtig ist, dass man bei Nachahmungen in der Höhe bzw. Tiefe die normale Höhenordnung beachtet, d.h. die Flöte wird in der Höhe von der Piccolo, in der Tiefe von der Oboe oder Klarinette nachgeahmt, und nicht etwa umgekehrt ! Für das Echo muss man ein zweites Instrument von schwächerer Klangfarbe wählen (Tipp: Die gedämpften Trompeten eignen sich gut als Echo der Oboen, die Flöten als Echo der Klarinetten und Oboen !).

Akkordesf>poderp<sf

Derartige Akkorde kann man natürlich, d. h. einfach durch Vorschreiben dieser dynamischen Nuancen die Spieler selbst erzeugen lassen, erreichen, oder künstlich.

a.) Am Beginn eines von den Bläsern ausgehaltenenpiano-Akkordes steht einsforzando-Akkord der Streicher (am besten auf 4 Saiten;arcooderpizzicato), bzw. umgekehrt beip<sf-Akkorden. b.) Der umgekehrte Fall, d. h. dass der kurze Akkord in den Bläsern und der lange in den Streichern (tremolando!) liegt, ist selten und weniger wirkungsvoll.

Mittel, um einen gewissen Moment zu unterstreichen

Außer decrescendo und sforzando gebraucht man zur Unterstreichung eines gewissen Momentes:

1.) Akkorde der Streicher à 2-4 Noten

2.) Kurze Noten der Holzbläser (3-4 Noten)

3.) Kurze Gruppen von Noten in Tonleiterform (schnelle Vorschläge, meist von unten nach oben und mit Bindebogen zu der Zielnote. Bei den Streichern darf man solche nicht vor Tripel- oder Quadrupel-Griffe setzen !)

Crescendo und Diminuendo

KurzeCrescendiundDiminuendierzeugt man gewöhnlich auf natürliche Weis (durch einfaches Vorschreiben voncresc. unddim.), bei längeren werden sie gleichzeitig natürlich und künstlich erzeugt. Die Blechbläser erzeugen das beste Crescendo, die Klarinetten das beste Diminuendo bis zum Morendo.

Die langen Crescendi erhält man im Orchester durch das nach und nach Eintreten von: a.) Streicher b.) Holzbläser

c.) Blechbläser

Beim Diminuendo fallen die Instrumente in umgekehrter Reihenfolge weg [c.),b.),a.)].

Auseinander- und zusammengehende Fortschreitungen Meistens sind die harmonischen Fortschreitungen nur eine Gegenbewegung der drei oberen Stimmen zum Bass. Es ist dabei notwendig, verdoppelte Stimmen hinzuzufügen bzw. welche wegzunehmen (→Notenbeispiele 14 und 15). Wenn es die Harmonie zulässt ,bleiben die Mittelstimmen oft liegen.

Die Klangfarben als harmonische Faktoren

Harmonischer Grund:

Melodische Figurationen, deren Noten großteils nicht der Harmonie angehören (Durchgangsnoten, Vorschläge, Verzierungen...), können nicht - sobald sie länger dauern - mit den reellen Noten gemeinsam fortschreiten:

Wenn man die figurierte Stimme eine Oktave tiefer setzt, wird die Härte vermindert; ebenso, wenn die Bewegung schnell ist. Wenn die Figuration mehrstimmig (in Terzen, Sexten usw.) ist, wird der Fall sehr kompliziert. In der Instrumentation kann man aufgrund der verschiedenen Klangfarben die Zusammenstöße aufweichen. Je unterschiedlicher die Klangfarben beider Stimmen sind, desto weicher wird der Zusammenstoß sein. Die bemerkbarsten Unterschiede sind:

a.) Menschliche Stimme → Orchester (Der größte Unterschied überhaupt ! )

b.) Streicher → Bläser

c.) Streicher → Gezupfte Saiten d.) Streicher → Schlagwerk e.) Bläser → Gezupfte Saiten

f.) Bläser → Schlagwerk

Der Unterschied Holzbläser → Blechbläser ist geringer, daher beträgt bei diesen Gruppen der Unterschied zwischen Harmonie und Melodie gewöhnlich eine Oktave. Man kann auch der Harmonie schwächere dynamische Nuancen zuteilen.

Die antiharmonischen Zusammenstöße werden weicher durch einen ausgehaltenen harmonischen Grund anderer Klangfarbe.

Dekorative Effekte

Verfahren, die auf Unvollkommenheiten des Ohres und dessen Empfangseigenschaften beruhen (z. B. Harfen- Glissandi).

Die Anwendung der Schlaginstrumente für den Rhythmus und die Farbe

Das Schlagzeug kann für die Ausführung einer rhythmischen Zeichnung herangezogen werden (Kleiner scherzhafter Rhythmus → Triangel, Kleine Trommel, Tamburin und Kastagnetten ; Einfacher und starker Rhythmus → Große Trommel, Becken und Tamtam), oder für Farbeffekte (am besten mit den Bläsern).

Instrument/Effekt Passt zu Triangel, Kleine Trommel, Tamburin Harmonien in hoher Lage Große Trommel, Becken, Tamtam Harmonien in tiefer Lage Tremolo von Triangel oder Tamburin Triller der Violinen und Holzbläser Tremolo der Kleinen Trommel oder des Beckens (c.b.) Gehaltene Akkorde der Hörner und Trompeten Tremolo der Großen Trommel und des Tamtams Akkorden der Posaunen, Celli oder Kontrabässe Von der Ökonomie der orchestralen Farben Hier eine Reihenfolge, wie oft die einzelnen Gruppen im Orchester mitwirken dürfen, ohne für das Ohr ermüdend zu wirken:

a.) Streicher b.) Holzbläser c.) Blechbläser d.) Pauken e.) Harfen

f.) Pizzicato

g.) Schlagzeug: 1.) Triangel

2.) Becken

3.) Große Trommel

4.) Kleine Trommel

5.) Tamburin

6.) Tamtam

7.) Celesta

8.) Glockenspiel

9.) Xylophon

10.) Kastagnetten

11.) Klavier

5. Verbindung der Singstimme mit dem Orchester

Instrumente auf der Bühne

5.1. Begleitung von Solisten durch das Orchester

Allgemein:

Die Orchesterbegleitung muss genügend durchsichtig sein, um dem Sänger nicht die nötige Freiheit zu nehmen. Der Operngesang hat zwei große Abteilungen:

1.) Lyrischer Gesang(Arie, Arioso, usw.)

2.) Deklamation(Rezitativ)

Die Arie in langgezogenen Noten erlaubt es, den Ton in höherem Grade zu entwickeln, als das Rezitativ in kurzen Noten. Allerdings erlauben die Verzierungen nicht, einem Ton eine Fülle zu geben, und es ist nicht gut, solche Verzierungen durch das Orchester zu verdoppeln. Daran muss der Komponist als erstes denken. Außerdem erdrückt eine schwere und verwickelte Begleitung den Gesang, während eine zu einfache die Stimme kaum unterstützt.

In heutigen Opern kommt es oft vor, dass dem Orchester die wesentliche Rolle anvertraut ist, und der Gesang begleitet. Allerdings muss der gesungene Text immer gut verständlich sein. Große Orchestersteigerungen sollen nur beim Schweigen der Singstimme auftreten. Jede künstliche Verminderung der Klangkraft des Orchesters ist zu vermeiden, da eine solche dem Orchester Glanz nimmt.

Merke: Was nicht gut komponiert ist, kann auch nicht gut instrumentiert werden ! ! !

Durchsichtigkeit der Begleitung

Harmonie

Die Streicher bilden das durchsichtigste harmonische Milieu, dann kommen Holzbläser, Hörner, Posaunen und Trompeten. Harfe und Pizzicati bilden eine günstige Begleitung für den Gesang. Im Allgemeinen verdunkeln langgezogene Klänge den Gesang mehr als kurze.Streicher +HolzoderBlechbzw.Holz +Blecherdrücken den Gesang sehr leicht, genauso wie die Tremoli der Pauken und anderen Schlaginstrumente. Man muss auch Verdoppelungen zwischen Holz und Blech vermeiden, ebenso die Anwendung von 2 Klarinetten, 2 Oboen oder 2 Hörnern im Einklang. Lang angehaltene Töne im Bass sind auch ungünstig.

Die Nebeneinanderstellung von Streichern und Holz ist weniger beeinträchtigend, wenn die Streicher eine harmonische Figuration ausführen, und die Holzbläser ausgehaltene Noten spielen oder umgekehrt. Ausgehaltene Harmonien in der kleinen und halben eingestrichenen Oktave verdunkeln die darrüberliegenden Frauenstimmen. Die in gleicher Höhe liegenden Männerstimmen werden aber nicht verdunkelt. Im Allgemeinen werden Frauenstimmen von Harmonien, die in gleicher Höhe liegen eher verdunkelt als Männerstimmen. Jede Gruppe einzeln für sich angewendet ist der Gesangsstimme normalerweise günstig. Eine längere, ununterbrochene 4-stimmige Harmonie muss vermieden werden (außer wenn Pausen eintreten, oder Pedalnoten gespielt werden).

Verdoppelung der Stimmen

Verdoppelungen im Einklang oder in Oktaven sind häufig, aber sie sollten über lange Strecken vermieden werden. Für Frauenstimmen wähle man: Violinen, Bratschen, Klarinetten und Oboen, für Männerstimmen: Bratschen, Celli, Fagotte und Hörner. Verdoppelungen in der Oktave geschehen meist oberhalb. Posaunen und Trompeten sind für Verdoppelungen wenig geeignet.

Oft spielt ein Instrument die eigentliche Melodie, welche die Singstimme zeitweise verdoppelt.

Große Aufschwünge müssen sowohl im Einklang, als auch in Oktaven verdoppelt werden. Sehr oft sind solche Höhepunkte von Blechbläsereintritten begleitet, wenn er aber zart ist, so ist es besser, ihn nicht durch das Orchester zu unterstützen.

Harmonische und melodische Unterstützung in Ensembles sind häufig und geben dem Gesang Präzision und Glanz.

Man kann auch einen Gesang (arioso) von einem Soloinstrument begleiten (umspielen) lassen Es kommt selten vor, dass Schlaginstrumente an der Begleitung teilnehmen.

Rezitativ und Deklamation

Solche Teile müssen sehr durchsichtig begleitet werden, damit der Text gut hervortritt, und der Sänger sich nicht anstrengen muss. Ausgehaltene Akkorde der Streicher (oder Tremolo) und Holzbläser sind am besten. Normalerweise sind Rezitative frei im Tempo (a piacere). Deshalb sollten neue Akkorde immer dann eintreten, wenn der Sänger pausiert. Wenn die Begleitung komplizierter ist, muss der Sänger genau im Takt bleiben.

5.2. Orchesterbegleitung der Chöre

Dir Klang der Chorstimmen ist viel kräftiger, als der der Solostimmen, daher ist die Begleitung unproblematischer. Im Allgemeinen ist die Begleitung eines Chores gleich wie ein reines Orchesterstück zu instrumentieren. Verdoppelungen der Chorstimmen durch Orchesterinstrumente sind meistens gut, es sei denn, es handelt sich um isolierte Ausrufe oder Rezitative.

Stellen, die a capella erfunden sind, bleiben oft ohne Verdoppelungen und werden von ausgehaltenen Noten oder unabhängigen Figuren begleitet.

Gemischte Chöre (auf der Bühne) müssen am stärksten instrumentiert werden. Der Komponist muss sich immer die wahrscheinliche Anzahl der Sänger vor Augen halten ! Ein Chor hinter der Bühne erfordert durchsichtige Instrumentation !

Sologesang mit dem Chor

Eine Frauen-Solostimme hebt sich immer gut von einem Männerchor ab, ebenso umgekehrt. Wenn hingegen ein gleichartiger oder gemischter Chor auftritt, so muss man diesen stetspianound in tiefer Lage singen lassen, und die Solostimme a piena voce in hoher Lage abheben. Die Orchesterbegleitung muss hierbei der des Sologesanges entsprechen ( → vorige Seite).

Wenn der Chor hinter der Bühne singt, ist der Solist IMMER gut zu hören.

5.3. Instrumente auf und hinter der Bühne

Auf der Bühne werden heutzutage fast nur noch Instrumente verwendet, die dem Handlungsmilieu entsprechen. Diese werden häufig hinter den Kulissen gespielt, und der Sänger täuscht das Spiel nur für das Auge vor. Aber es werden auch Instrumente hinter der Bühne verwendet die etwas klanglich darstellen sollen (z. B. eine Große Trommel für Kanonendonner, ein Tamtam für Kirchenglocken...)

Streicher und Holzbläser werden eher selten hinter der Bühne angewandt.

6. Die Stimmen

6.1. Technische Bezeichnungen

Neben den vier Hauptstimmbezeichnungen (Sopran, Alt, Tenor, Bass) gibt es noch mehrere Spezialbegriffe (z. B.: leichter Sopran, lyrischer Sopran, dramatischer Sopran [ebenso beim Tenor]; singender Bass, tiefer Bass . . .). Es gibt außerdem (normalerweise nur bei den Solostimmen) noch die Mittellagen Mezzosopran und Bariton. Es gibt unterschiedliche Arten, den Ton herauszubringen (Bei Frauenstimmen:Brust-, Medium- und Kopfstimme.Bei Männerstimmen:Brust-, gemischte und Falsett- [Fistel-] Stimme).

6.2. Höhenlage

Chorstimmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Solostimmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Man darf eine Stimme nie zu lange in außergewöhnlichen Bereichen singen lassen. Im normalen Bereich gibt es keinesfalls Probleme.

6.3. Die Solostimmen

6.3.1. Vokalisation (Aussprache beim Gesang)

Eine gute vokale Melodie muss aus Noten von zumindest drei verschiedenen Werten bestehen. Lange Noten sollten stets bei Silbenwechseln stehen. Man kann einen fließenden Eindruck erwecken, indem man mehrere kurze Noten auf eine Silbe schreibt (aber nicht zu viele → Koloratur). Es ist wichtig, dem Sänger an richtigen Stellen Atempausen zu geben !

Die Vokale: Der bequemste Vokal für hohe Töne ist bei den Frauenstimmen das A, bei den Männerstimmen O und E. Die Vokale I und U erweichen den schneidenden Charakter der hohen Bassnoten, und der Vokal A eignet sich beim Bass für die tiefsten Töne.

6.3.2. Geschmeidigkeit und Beweglichkeit

Jede Stimme zeigt die größte Geschmeidigkeit und Beweglichkeit im Normalbereich. Frauenstimmen sind prinzipiell geschmeidiger und beweglicher als Männerstimmen, und bei jeder Art sind die höheren Stimmen noch einmal beweglicher als die tiefen. Alle diatonischen Tonleitern, oder arpeggierte Terzen können die Singstimmen recht rasch ausführen, bei Intervallen, die über eine Quarte hinausgehen wird es schwierig. Es ist notwendig, jede zu hohe Note vorzubereiten.

6.3.3. Farbe und Charakter der Stimmen

Der Charakter und die Klangfarbe einer Stimmen sind stets von Sänger zu Sänger verschieden und brauchen daher vom Komponisten nicht berücksichtigt werden. Im Allgemeinen kann man aber zwei Stimmtypen unterscheiden: Den lyrischen (feiner, beweglicher und ausdrucksfähiger) und den dramatischen (kräftiger).

6.4. Verbindung der Stimmen

Das beste Mittel um den melodischen und individuellen Charakter der Stimmen im Ensemble zu bewahren ist, das polyphon-harmonische Fortschreiten derselben.

6.4.1. Zweistimmig

Die günstigsten Verbindungen sind die Fortschreitungen von zwei Stimmen, die in Oktaven-Beziehungen stehen:

Sopran → Tenor

Mezzosopran → Bariton

Alt → Bass

Die Fortschreitungen dieser Stimmen in Dezimen, Sexten, Oktaven (und Terzen) klingen immer gut. Auch bei polyphonen Sätzen sollten sich zwischen diesen Stimmen nicht oft Intervalle ergeben, die größer als eine Dezime sind.

Die folgenden Kombinationen

Sopran →Alt

Alt → Tenor

Tenor → Bass

müssen in kleineren Intervallen - Terzen und Sexten - fortschreiten (alles über einer Oktave ist hier selten !).

Die folgenden Kombinationen

Sopran → Mezzosopran

Mezzosopran → Alt

Tenor → Bariton

Bariton → Bass

müssen unisono oder in Terzen und Sexten fortschreiten und erlauben häufigere Kreuzungen.

Bei der Kombination Sopran → Bass sind Sexten, Dezimen und Terzdezimen am besten.

Bei der Kombination zweier gleicher Stimmen ist die Fortschreitung im Einklang sowie in Terzen bis hin zu Sexten gut. Kreuzungen sind hier sogar wünschenswert.

Im Allgemeinen ist ein Duett dann gut, wenn die Stimmführung klar ist. Mann muss offene Intervalle auf starken Taktteilen vermeiden (außer wenn eine Stimme die Melodie singt, und die andere „begleitet“). Merke: Die Singstimmen sind immer für sich allein zu hören, daher ist es sinnlos, z. B. leere Intervalle durch das Orchester auszufüllen.

6.4.2. Drei-, vier- und mehrstimmig

-Hier gilt alles, was auch im vorigen Abschnitt gesagt wurde.

-Es ist sehr selten, dass immer die oberste Solostimme die Führung hat.

-Die Verschmelzung aller Stimmen zu einem Ganzen, ohne das individuelle Hervortreten einer Stimme wird vor allem bei Chorälen, Hymnen etc. angewandt.

6.5. Der Chor

6.5.1. Zusammenstellung:

Großer Chor:32 Soprane, 32 Alte, 32 Tenöre, 32 Bässe

Mittlerer Chor:16-20 S, A, T, B

Kleiner Chor:8-10 S, A, T, B

Es gibt verschiedenste Arten, (in Opern) den Chor zu behandeln.

6.5.2. Die Melodie

-Die Chor-Melodie ist bezüglich Umfang und Beweglichkeit viel begrenzter als die Solo-Melodie. ¾Das „Atemproblem“ spielt beim Chor dafür eine weniger große Rolle (chorische Atmung!).

Gemischter Chor:

Einklang:Am besten: Sopran/Alt und Tenor/Bass (Alt/Tenor [seltener] = aparter und gemischter Klang)

In Oktaven:Am besten: Sopran/Tenor und Alt/Bass. Die Oktaven einer (geteilten) Stimme sind selten

(ausgenommen beim Bass).

Man erhält einen kraftvollen Klang, wenn Sopran/Alt in Terzen geführt sind, und jede Stimme von der entsprechenden eine Oktave tiefer verdoppelt wird.

Divisi:Bei einem Akkord in enger Lage wähle man: S1/2,A,T1/2,B1/2 [S1/T1in8 S2/T2in8 A/B1in8 B2 selbständig] (besonders imforte).

Wenn eine Stimme melodische Aufgaben hat, so werden - wo nötig - die anderen Stimmen geteilt.

Wenn eine Polyphonie von mehr als 4 Stimmen vorkommt, muss man jede Stimme bis zu 3fach teilen.

Fugen u. Ä. werden gewöhnlich 4-stimmeig geschrieben. Wenn sich zwischendurch die Zahl der Stimmen vermehrt, so muss der Schlussakkord beachtet werden.

Frauen- und Männer-Chor

-Wenn so ein Chor 3-stimmig ist, so gibt es entweder 2 Soprane/Tenöre oder 2 Alte/Bässe, je nachdem, welche Stimme zum Vorschein kommen soll. Beim 4-stimmigen Satz ist die Teilung (2S/T 2A/B) logisch. "Beim 3-stimmigen Chor ist auch weite Lage gut, beim 4-stimmigen nicht ! "Die rein harmonischen Frauen- und Männerchöre sind gewöhnlich in enger Lage geschrieben. "Bei der 3-stimmigen Fuge ist stets eine Stimme verdoppelt (beim 4-stimmigen Chor).

Allgemeine Schlussbemerkungen

1.) Der Klang der geteilten Stimmen ist schwächer als jener der ungeteilten. Der Komponist kann bei Teilungen in den Chören freier verfahren.

2.) Man kann bei 3-stimmigen Chören die Mittelstimme verdoppeln, wenn man größte Ausgeglichenheit erzielen will.

3.) Die gute Stimmführung bei Chören garantiert eine klare und korrekte Ausführung.

Ende des Buches

26 von 26 Seiten

Details

Titel
Grundlagen der Orchestration von Nikolai Rimsky-Korsakow
Hochschule
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz
Autor
Jahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V105884
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ich habe versucht, das Wichtigste aus diesem Buch des genialen Orchestrators Rimsky-Korsakow herauszuarbeiten und in Form von Tabellen übersichtlich zu gestalten
Schlagworte
Rimsky-Korsakow, Instrumentation, Orchestration, Instrumentenkunde, Harmonielehre
Arbeit zitieren
Stefan Kompacher (Autor), 2002, Grundlagen der Orchestration von Nikolai Rimsky-Korsakow, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105884

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