Management in Thailand


Hausarbeit, 2002

34 Seiten, Note: 1-


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Gliederung:

1. Einleitung

2. Einführung
2.1 Historische Hintergründe
2.1 Geographie
2.3 Topographie
2.4 Klima
2.5 Bevölkerung
2.6 Sprache
2.7 Währung
2.8 Nationalflagge
2.9 Nationalfeiertage und Feiertage
2.10 Das Politische System
2.11 Allgemeine Daten und Fakten

3. Geschichte Thailands und deutsch- thailändische Beziehungen
3.1 Deutscher Handel mit dem „Land der Freien“
3.2 Machtkämpfe im Inneren Thailands
3.3 Der König als Integrationsfigur
3.4 Berechenbarkeit und Stabilität der Wirtschaftspolitik

4. Merkmale der thailändischen Wirtschaft

5. Das „Image“ der Deutschen
5.1 Vorurteile gegen Deutsche

6. Generelle Verhaltensempfehlungen
6.1 Buddhismus und Gelassenheit
6.2 Hierarchisches Denken
6.3 Die Zeit als Ressource
6.4 Konfliktvermeidung und Selbstbeherrschung
6.5 Vertrauen schaffen und Referenzen nutzen
6.6 Gesichtswahrung trotz Kritik
6.7 Identitätswahrung trotz Anpassung

7. Verhalten bei bestimmten Anlässen
7.1 Höflichkeits- und Umgangsformen
7.1.1 Begrüßung
7.1.2 Anrede
7.1.3 Austausch von Visitenkarten
7.1.4 Sitzhaltung
7.1.5 Intimität in der Öffentlichkeit
7.1.6 Gruß- und Glückwunschkarten
7.2 Berufliche und private Einladungen
7.2.1 Pünktlichkeit
7.2.2 Schuhwerk
7.2.3 Kopfberührungen
7.2.4 Buddhafiguren und Portraits der königlichen Familie
7.2.5 Essen in Thailand
7.2.6 Tabuthemen
7.2.7 Als Gastgeber
7.2.8 Geschenke
7.2.9 Kleidung

8. Verhandlungen
8.1 Englisch als Verhandlungssprache
8.2 Smalltalk Management in Thailand
8.3 Geduld und Gesicht bewahren
8.4 Sympathien schaffen
8.5 Scheinbare Zustimmung

9. Die Vorgesetztenrolle
9.1 Anforderungen ans Führungspersonal
9.2 Entscheidung von Oben
9.3 Sich informieren statt informiert werden
9.4 Die Abläufe im Auge behalten
9.5 Fürsorge und Loyalität
9.6 Sensible Reaktion auf Kritik
9.7 Erfolg durch Geduld

10. Firmengründung in Thailand
10.1 Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung
10.2 Steuern in Thailand
10.2.1 Körperschaftssteuer
10.2.2 Mehrwertsteuer und spezielle Gewerbesteuer
10.2.3 Persönliche Einkommensteuer

11. Außenhandel
11.1 Exporte
11.2 Importe
11.3 Allgemeine Außenhandels Daten

12. Kurioses

13. Schluss

1. Einleitung

Die thailändische Wirtschaft befindet sich momentan in einer schwierigen Lage. Nachdem 1997 der Immobiliensektor zusammengebrochen ist, was erhebliche Turbulenzen auf dem Finanzsektor auslöste, besteht ein ernstes Liquiditätsproblem. Darüber hinaus hat Thailand ein Strukturproblem. Denn gerade im regionalen Vergleich kann Thailand nicht mehr als Billiglohnland betrachtet werden.

Thailand steht damit vor der Aufgabe, seine Industrie zu modernisieren und die Produktivität zu steigern. Es muss eine Abkehr von arbeits- hin zu technologie- und kapitalintensiver Produktion stattfinden. Mit den damit verbundenen Umrüstungen der Anlagen und dem notwendigen Ausbau der Infrastruktur stehen deutschen Unternehmen jede Menge Chancen für ein erfolgreiches Engagement offen. Dazu kommt, dass wegen der Überkapazitäten auf dem Immobilienmarkt geplant ist, diesen in größerem Umfang als bisher für Ausländer zu öffnen.

Geschäftliche Möglichkeiten sind somit, trotz aller erforderlichen Vorsicht bei der Wahl der thailändischen Geschäftspartner, in ausreichender Anzahl vorhanden. Dennoch halten sich gerade deutsche Unternehmer im Vergleich zu Japanern und Amerikanern bisher noch auffällig zurück. Ein Grund hierfür ist wohl in der geringen Erfahrung vieler deutscher Geschäftsleute im Umgang mit der thailändischen Kultur und Geschäftsgebaren zu sehen. In den folgenden Kapiteln versuche ich also den Blick auf einige entscheidende kulturelle Unterschiede zu Deutschland zu lenken und deren Hintergrund verständlicher zu machen. Dazu ist es hilfreich, zunächst einmal Land und Leute näher kennen zu lernen, grundlegende Fakten zur Entwicklung des thailändischen Staates aufzuzeigen und die Struktur der thailändischen Wirtschaft vorzustellen. Später folgen dann konkrete Verfahrensweisen zur Firmengründung, hinweisen zu Steuern und Angaben zu Ex- und Import.

2. Einführung

2.1 Historische Hintergründe

Es gibt verschiedene Auffassungen über den Ursprung der Thais. Vor drei Jahrzehnten noch, nahm man mit Sicherheit an, dass die Thais vor etwa 4500 Jahren aus dem nordwestlichen Szechuan Chinas kamen und gen Süden in ihre heutige Heimat auswanderten. Diese Hypothese änderte sich jedoch schlagartig mit der Auffindung außergewöhnlicher prähistorischer Artefakte im Dorf Ban Chiang, im Nong Han Bezirk der Provinz Udon Thani in Nordost-Thailand. Diese Kunstarbeiten zeugen von 3500 Jahre alten Bronzeverarbeitungstechniken sowie anderen Indikatoren, dass es sich um eine weit höher entwickelte Kultur handelte, als es früher von Archäologen angenommen wurde. Nun scheint es, dass die Thais tatsächlich aus Thailand stammen und erst später in verschiedenste Teile Asiens auswanderten, darunter auch einige Teile Chinas.

"Siam" war der Name, unter dem das Land bis 1939 und nochmals zwischen 1945 und 1949 in der Welt bekannt war. Am 11. Mai 1949 wurde offiziell verkündet, dass das Land von nun an unter einem neuen Namen bekannt sein sollte: "Thailand." Das Wort "Thai" bedeutet "Frei" und so bedeutet "Thailand" das Land der Freien.". Die Thailänder empfinden einen großen stolz für die Bedeutung dieses Namens, da sie im laufe ihrer Geschichte alle Kolonialisierungsversuche von außen erfolgreich abgewehrt haben. Dieser Widerstand spielte übrigens eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung der deutsch- thailändischen Freundschaft, auf die in späteren Abschnitten noch ausdrücklicher eingegangen wird.

2.2 Geographie

Thailand befindet sich im Herzen des südost-asiatischen Festlandes und hat eine Oberfläche von 513.115 Quadratkilometern, was ungefähr der Größe von Frankreich entspricht. Thailand wird im Norden und Westen von Myanmar (früher Burma) begrenzt, im Osten und Nordosten von Laos, im Südosten von Kambodscha, im Süden vom Golf von Thailand (Siam) und Malaysia, und im Südwesten im Bereich Andamanisches Meer ebenfalls von Myanmar. Die maximalen Ausdehnungen Thailands sind ungefähr 2500 km vom Norden bis zum Süden und 1250 km vom Osten bis den Westen. Thailand hat eine Küste von ungefähr 1840 km Länge entlang dem Golf von Thailand und 865 km entlang dem Indischen Ozean. Die größte Erhebung erreicht man auf dem Doi Inthanon, der Gipfel liegt 2.595m über null.

2.3 Topographie

Thailand ist in vier Regionen eingeteilt:

1. Der Norden
2. Die Zentralebene, oder das Chao-Phraya Flussbecken
3. Der Nordosten, oder die Korat Hochebene
4. Der Süden, oder die Südliche Halbinsel

Der Norden ist eine bergige Region, die aus Naturwäldern, Gebirgskämmen und tiefen engen, fruchtbaren Tälern besteht.

Die Zentralebene, ist ein üppiges, fruchtbares Tal. Es ist die reichste und ausgedehnteste reisproduzierende Region des Landes und wird deshalb auch die „Reisschüssel“ Asiens genannt. Bangkok, die Hauptstadt Thailands, befindet sich in dieser Region.

Der Nordosten ist trocken und hat eine typische sanft hügelige Landschaft. Wegen des rauen Klimas, hat diese Region häufig Überschwemmungen und Dürren.

Der Süden hat eine hügelige bis bergige Landschaft mit dichten Urwäldern und reichen Erz- und Mineralvorkommen. Die Region ist Zentrum für die Produktion von Gummi dem Anbau von anderen tropischen Feldfrüchten.

2.4 Klima

Im Norden, Nordosten und der Zentralebene herrscht wechselfeuchtes Savannenklima mit jeweils 6 Monaten Trocken- und Regenzeit, die Regenzeit hält ungefähr an von Mai bis September. Die Temperaturen sind im März und April am höchsten und im Dezember und Januar am niedrigsten. Die Durchschnittstemperatur ist 28,1 C.

2.5 Bevölkerung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: National Economic and Social Development Board und Bank of Thailand

Die Bevölkerung Thailands belief sich 1999 auf 62,1 Millionen, wovon ungefähr 70% über 14 Jahre alt waren, das heißt im Arbeitsfähigen alter. Die Anzahl der tatsächlichen Arbeitskräfte beläuft sich auf über 32 Millionen Menschen. Schätzungsweise kommen jedes Jahr 800.000 Personen dazu, wobei die Analphabetenquote unter 5% liegt, was sicherlich darauf zurückzuführen ist das mit dem „ achten nationalökonomischen und sozialen Entwicklungsplan ( 1997-2002)“ die Ausbildung im Königreich Thailand höchste Priorität genießt.

Die Wachstumsrate der Bevölkerung gehört zu den niedrigsten Asiens, mit 1,2 ~ 1,4% pro Jahr liegt man zwar noch kurz vor China ( 1,2% ), jedoch weit hinter Nachbarländer wie Laos oder Kambodscha.

Im Gegensatz zu den meisten Südost-Asiatischen Ländern gibt es in Thailand keine nennenswerten ethnischen Konflikte. Der einzige, allerdings nicht sehr ausgeprägte, innere Konflikt des Landes, in den südlichsten Provinzen des Königreiches, ist nicht ethnisch, sondern eher religiös begründet. Die südlichsten Provinzen, an der Grenze zu Malaysia, sind moslemisch (3,8% der Bevölkerung), während die thailändische Bevölkerung ansonsten dem Theravada- Buddhismus (~95%) anhängt. Doch obwohl die Beziehungen zwischen Bangkok und den südlichsten Provinzen bisweilen nicht gerade harmonisch sind, und obwohl es in dem religiös motivierten Konflikt mehrere Tote im Jahr gibt, werden den separatistischen Tendenzen wenig Erfolgsaussichten prognostiziert. Andere Religionen in Thailand sind Christen mit 0,5%, Hindus mit 0,1% und sonstige mit 0,6%.

2.6 Sprache

Die offizielle Nationalsprache ist Thai. Sie hat Töne, keine Deklination und vorherrschend einsilbige Wörter. Die meisten mehrsilbigen Wörter im Wortschatz sind Lehnwörter, hauptsächlich aus Khmer, Pali (Schriftsprache der Buddhisten in Sri Lanka u. Hinterindien) und Sanskrit (Literatur- u. Gelehrtensprache des Altindischen). Dialekte werden auf dem Land gesprochen. Andere Sprachen sind Chinesisch und Malaiisch. Englisch ist Pflichtfach in allen öffentlichen Schulen und wird viel gesprochen und verstanden, besonders in Bangkok und den anderen Großstädten.

2.7 Währung

Thailands Währung ist der Baht, der unterteilt ist in 100 Satang. Es gibt Münzen zu 25 Satang, 50 Satang, 1 Baht, 5 Baht und 10 Baht. Im Umlauf sind alte und neue Münzen des selben Werts. Die alten Münzen sind größer, und nur die neuen haben außer den Thai-Ziffern auch arabische Ziffern. Satang-Münzen (unter einem Baht) sind messingfarbig. Baht-Münzen sind silberfarbig, wobei die gängigen 10-Baht-Münzen einen messingfarbenen Kern haben. Geldscheine haben je nach Wert eine unterschiedliche Größe und Farbe. Gebräuchliche Werte sind 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Baht.

Alle Preise sind in Baht ausgezeichnet und es wird ausschließlich in Baht bezahlt. Es gibt also keine Schattenwährung, wie z.B. der US$ eine Schattenwährung in einigen Ländern ist und keinen Währungs-Schwarzmarkt. Alle größeren Banken unterhalten Wechselschalter, die bis ca. 19.00 Uhr geöffnet sind. Die Kurse sind überall gleich. Für Reiseschecks erhält man einen besseren Kurs als für Bargeld. Man benötigt zum Geldwechseln immer seinen Pass und muss seine Adresse in Thailand angeben.

Die bekannten Kreditkarten wie Visa, American Express oder MasterCard werden in den Hotels und in großen Einkaufszentren akzeptiert. Außerdem an zahlreichen Geldautomaten. Der Baht hat sich in den letzten Jahren stabilisiert und bewegt sich stabil zum US$ und den meisten anderen wichtigen Währungen.

2.8 Nationalflagge

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Nationalflagge Thailands wird jeden Morgen in jedem Dorf und in jeder Stadt um 8.00 Uhr zeremoniell gehisst und um 18.00 Uhr gestrichen. Die Flagge setzt sich aus fünf horizontalen Farbstreifen zusammen: rot, weiß, und blau. Die äußeren roten Streifen symbolisieren die Nation. Diese roten Streifen schließen die gleichmäßigen inneren weißen Streifen ein. Diese weißen Streifen sollen die Religion darstellen. Der blaue Streifen, der das zentrale Drittel der Gesamtfläche der Flagge ausmacht, symbolisiert die Monarchie. Die harmonische Gestaltung stellt dar, wie sich diese drei Säulen der thailändischen Nation ergänzen. . Die Flagge wurde in der Regierungszeit von König Vajiravudh (Rama VI) im Jahre 1917 geändert, als Siam auf Seite der Alliierten in den Ersten Weltkrieg eintrat - angeblich, um das Prestige des Landes mit einer westlich anmutenden Flagge aufzuwerten. Bis dato stellte die thailändische Nationalflagge einen weißen Elefanten auf rotem Untergrund dar.

2.9 Nationalfeiertage und Feiertage

Der Geburtstag des Königs Bhumibol Adulyadej wird am 5. Dezember gefeiert. Dieser Tag ist Nationalfeiertag in Thailand und ein gesetzlicher Feiertag.

Die meisten gesetzlichen Feiertage und Feste sind religiöser Natur. Sie dienen dazu, ein Gefühl von Ergebenheit zur Monarchie, der Religion und der Nation hervorzurufen. Einige richten sich nach dem Mondkalender und fallen deshalb nicht in jedem Jahr auf dieselben Daten. Andere Feiertage richten sich nach dem Sonnenkalender.

2.10 Das politische System

Thailand ist eine konstitutionelle Monarchie mit Mehrparteiensystem und einem Zwei- Kammer-Parlament. Staatsoberhaupt ist König Bhumibol Adulyadej (Thronbesteigung 1946). Die konstitutionellen Rechte des Königs sind genau definiert, was nicht immer so war, denn die absolute Monarchie wurde erst im Jahr 1932 beendet. Grund dafür war eine Gruppe unzufriedener Staatsbeamter und Militärs die eine Revolution inszenierten. Dem zum trotz blieb das große politische Gewicht des Königs jedoch erhalten, da es aus dem hohen Ansehen der Monarchie als Symbol der nationalen Einheit und als Friedensstifter zwischen den Religionen galt und auch heute noch besteht. Dem Monarchen selbst kommt eine immense Bedeutung für den inneren Zusammenhalt des Landes zu. Offiziell jedoch ist seine Macht nicht größer als die der europäischen Monarchen, Beispiel England oder Schweden.

Das Jahr 1992 war der Beginn nachdrücklichen Forderung aus weiten Bevölkerungskreisen nach einer neuen Verfassung. Eine Verfassunggebende Versammlung wurde im Dezember 1996 eingesetzt. Sie bestand aus 76 gewählten Vertretern der Provinzen sowie 23 Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und öffentlichem Leben, die vom Parlament bestimmt wurden. Der neue Verfassungsentwurf wurde innerhalb von 240 Tagen ausgearbeitet. Dabei nahm die Bevölkerung - nicht nur in Bangkok, sondern auch in den Provinzen - regen Anteil an der Verfassungsreformdiskussion: Eine eigene Unterkommission der Verfassunggebenden Versammlung wertete die Beiträge von Bürgern und Institutionen, insbesondere Universitäten, aus und ließ sie in den Verfassungsentwurf einfließen, der am 27. September 1997 mit überwältigender Mehrheit von beiden Häusern des Parlaments angenommen wurde. Nach der Unterzeichnung durch den König trat sie am 11. Oktober 1997 in Kraft. Wichtige neue Elemente der Verfassung sind die Einsetzung eines Verfassungsgerichts, der Aufbau einer Verwaltungsgerichtsbarkeit, die Einführung eines gemischten Wahlrechts mit Listenwahl, Direktwahl durch das Volk statt Ernennung der Mitglieder des Senats, die Einrichtung einer Anti-Korruptions-Kommission mit weitreichenden Vollmachten, der Aufbau einer kommunalen Selbstverwaltung, die Einführung von Volksbegehren sowie Bestimmungen zum Schutz der natürlichen Umwelt. Dabei griff man auf Vorbilder aus anderen Staaten, insbesondere Deutschland, Japan und Skandinavien, zurück. Bemerkenswert ist u.a., dass die Verfassung erstmals Vorschriften über die innere demokratische Ordnung und Transparenz der Parteien enthält. Insgesamt hat die Demokratiebewegung in Thailand durch den Verfassungsreformprozess erheblich an Auftrieb gewonnen.

Der Staatsaufbau ist ähnlich dem zentralstaatlichen Prinzip: Neben der nationalstaatlichen Ebene gibt es 76 Provinzen, denen - die Hauptstadt Bangkok ausgenommen - jeweils ein gewählter Gouverneur vorsteht. Die Provinzen umfassen insgesamt rund 800 Distrikte. Auf diesen beiden Ebenen agieren Beamte der verschiedenen Fachministerien auf direkte Weisung der Regierung in Bangkok. So kommt den Gouverneuren lediglich eine gewisse Koordinierungsfunktion zu.

2.11 Allgemeine Daten und Fakten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Geschichte Thailands und deutsch-thailändische Beziehungen

3.1 Deutscher Handel mit dem „Land der Freien“

Wie schon in der Einführung erwähnt, bedeutet Thailand „das Land der Freien“. Die Thailänder sind sehr stolz darauf, in ihrer Geschichte alle Kolonialisierungsversuche von außen erfolgreich abgewehrt zu haben. Die gemeinsame Abwehr dieser Bedrohung spielte auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der deutsch-thailändischen Freundschaft. Erste diplomatische Beziehungen zwischen beiden Ländern wurden im Jahre 1858 aufgenommen, nachdem auf Initiative der freien Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck ein Freundschaftsvertrag unterzeichnet und ein hanseatischer Konsul nach Thailand entsandt worden war. Beide Länder profitierten in der Folgezeit von den deutlich intensivierten Handelsbeziehungen. Die Deutschen unterstützten Thailand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei der Abwehr mehrerer französischer Kolonialisierungsversuche, was die Freundschaft weiter vertiefte. König Chulalongkorn besuchte Deutschland in den Jahren 1897 und 1907. In zahlreichen thailändischen Behörden wurden Deutsche eingesetzt und ein weiteres Indiz für die Verbundenheit war der Fakt das in eigens dafür eingerichteten Sprachschulen viele Thailänder, aus freien Stücken Deutsch zu lernen begannen.

Nachdem es während der beiden Weltkriege zu einer vorübergehenden Trübung der Beziehungen gekommen war, setzte sich der Ausbau der Kontakte danach umso intensiver fort. Für zusätzlichen Rückenwind bei der wirtschaftlichen und politischen Annäherung sorgte die deutliche Ausweitung des thailändischen Außenhandels im Anschluss an die Wachstumsperiode seit Beginn der 80er Jahre. Deutschland wurde zu Thailands wichtigstem Handelspartner in Europa.

3.2 Machtkämpfe im Inneren Thailands

Obwohl das Land jeden Vereinnahmungsversuch von außen erfolgreich abwehrte, herrschte nach innen keineswegs immer Einigkeit. Die politische Machtverteilung war bis in jüngste Zeit wiederholt Anlass zu Auseinandersetzungen zwischen den politisch einflussreichen Gruppierungen. Seit einem Putsch 1973 ist die Macht im Wirtschafts- und Gesellschaftssystem Thailands im wesentlichen auf fünf Säulen verteilt: den König, das Militär, die Bürokratie, die Großunternehmen und die Lobbyverbände. Vorher hatten die Armee und die politische Bürokratie das Land weitgehend allein dominiert. Im Verlauf der zunehmenden Industrialisierung und Modernisierung Thailands wurde diese Machtkonstellation immer unzeitgemäßer und scheiterte 1973 schließlich an ihrer Schwerfälligkeit.

3.3 Der König als Integrationsfigur

Heute ist besonders der vom Volk populäre König Bhumipol zu einer Integrationsfigur geworden, die der Bevölkerung trotz zahlreicher sowohl demokratischer als auch gewaltsamer Regierungswechsel immer Sicherheit und Kontinuität zu vermitteln wusste. Nach einem weiteren Putschversuch von 1991 mussten die Führer von Regierung und Militär öffentlich auf den Knien rutschend zu den Schlichtungsgesprächen bei ihm erscheinen.

3.4 Berechenbarkeit und Stabilität der Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik des Landes ist über alle Regierungen hinweg überraschend zuverlässig und stabil geblieben, wodurch das atemberaubende wirtschaftliche Wachstum der letzten Jahre erheblich begünstigt und erleichtert wurde. Das Land verfolgt einen ausgesprochen freiheitlichen marktwirtschaftlichen Kurs. Die unternehmerische Initiative kann sich ungehindert entfalten. Da die Kenntnis der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine unerlässliche Voraussetzung fundierter Managemententscheidungen ist, werden wir im folgenden erläutern, durch welche Besonderheiten sich die thailändische Wirtschaft auszeichnet.

4. Merkmale der thailändischen Wirtschaft

Großunternehmen spielen bezüglich der Anzahl der dort Beschäftigten und des Investitionsvolumens die mit Abstand wichtigste Rolle unter allen Unternehmensgrößen.

Das Kapital dieser Großunternehmen liegt entweder in der Hand des thailändischen Staates, multinationaler Konzerne oder bei einheimischen Kapitaleignern. Ungefähr 50% des in Thailand investierten Kapitals stammt aus dem Ausland.

Großkonzerne schließen sich immer häufiger zu Unternehmenskonglomeraten (Mischkonzernen) zusammen, um eine Verbesserung der Unternehmensleitung zu erzielen, die Liquidität zu steigern und eine Risikoverteilung zu erreichen. Die jüngere Entwicklung deutet auf einen weiteren Konzentrationsprozess hin.

Teilt man die thailändische Wirtschaft in die Bereiche Finanzdienstleistungen, verarbeitendes Gewerbe und Handel auf, so zeigt sich ein deutliches Übergewicht des Finanzsektors, das sich ursprünglich durch den Erfolg der zahlreichen thailändischen Großbanken erklären lässt.

Die einheimischen Unternehmen werden zumeist von einer einzelnen Familie oder wenigen kooperierenden Familien geführt. Eine Trennung von Kapitaleigentum und Verfügungsgewalt über das Unternehmen, wie es in den meisten deutschen Aktiengesellschaften üblich ist, gibt es nicht. Somit entfällt auch eine Kontrolle des Managements durch etwaige Aktionäre. Häufig kontrolliert das Familienoberhaupt den Großteil der Firmenanteile selbst.

5. Das „Image der Deutschen“

Von den Deutschen haben die Thailänder ein überaus positives Bild. Deutsche gelten als zuverlässig, fleißig und wirtschaftlich erfolgreich. „Made in Germany“ ist ein gern gesehener Qualitätsbeleg. Den Deutschen wird hohe fachliche Kompetenz, Lieferzuverlässigkeit und Vertragstreue nachgesagt. Letzteres besitzt in Thailand besonderen Stellenwert und begünstigt erheblich eine zuvorkommende Behandlung der Thailänder.

5.1 Vorurteile gegen Deutsche

Im allgemeinen treten einem die Thailänder offen und vorurteilsfrei gegenüber. Sensibel sollte man jedoch die ungewollte Bestätigung der folgenden negativen Vorurteile verhindern, denen man in Thailand dennoch mitunter begegnet:

Deutsche gelten bisweilen als übertrieben sparsam, zu direkt, wenig einfühlsam, unflexibel und laut. Das deutsche Geschäftsgebaren wirkt auf viele Thailänder zu aktionistisch und ist mit der zurückhaltenden thailändischen Art manchmal nur schwer in Einklang zu bringen. Der Wunsch, sofort „auf den Punkt“ zu kommen, kann einem schnell als versuchte Überrumpelung ausgelegt werden.

6. Generelle Verhaltensempfehlungen

Um das Verhalten der Thailänder zu verstehen, ist es zunächst notwendig, sich ihr Wertesystem, die Basis ihres praktischen Handelns genauer anzusehen. Nur so lässt sich nachvollziehen, was in den Köpfen vorgeht. Auf dieser Grundlage lassen sich schließlich konkrete Verhaltensempfehlungen, wie ich sie in diesem Kapitel geben werde, begründen.

6.1 Buddhismus und Gelassenheit

Die Lebenseinstellung der Thailänder ist vom Buddhismus geprägt, dem über 95% der Bevölkerung angehören. Gemäß der buddhistischen Lehre erlebt ein Mensch mehrere Wiedergeburten in jeweils anderer Gestalt. Das Verhalten in früheren Leben ist ausschlaggebend dafür, in welcher Position und in welchem Körper man wiedergeboren wird. Jeder ist für sein heutiges Schicksal also selbst verantwortlich. Dieser Glaube hat für das Alltagsverhalten der Thailänder und die Einstellung zu ihrer Gesellschaft vielfältige Konsequenzen: Die Armut, von der weite Bevölkerungsteile trotz des Aufschwungs noch immer betroffen sind, wird anspruchslos ertragen. Das „Karma“ (Schicksal) wird einfach hingenommen.

6.2 Hierarchisches Denken

Folgerichtig werden auch die gesellschaftliche Position, der Einfluss und Reichtum der Oberschicht akzeptiert. Wer Autoritäten öffentlich in Frage stellt, gibt sich eher dem Ruf eines undankbaren Unruhestifters hin. Deutliche Hierarchieunterschiede stellen für die Thailänder die „natürliche Ordnung“ der zwischenmenschlichen Beziehungen dar. Die westliche Tradition der Gleichberechtigung zwischen den Menschen, hat sich in Thailand kaum entwickelt. Eher werden die Thailänder dazu erzogen, Rangunterschiede durch ihr Verhalten deutlich werden zu lassen. Der Rang richtet sich weniger nach Leistung und Kompetenz als nach den Kriterien Alter, Abstammung und Dauer der Organisationszugehörigkeit. Wer zügig und noch jung allein aufgrund seiner Leistung durch die Ränge aufsteigt, hat gewöhnlich Probleme, als Autorität akzeptiert zu werden.

6.3 Die Zeit als Ressource

In Erwartung zahlreicher Wiedergeburten ist für einen überzeugten Buddhisten die Lebenszeit keine knappe Ressource, mit der man vorsichtig umgehen müsste. Pünktlichkeit und Planung sind für Thais somit meist zweitrangig. Da Zeit nicht mit der Begrenztheit eines Menschenlebens in Verbindung gebracht wird, neigen die Thailänder viel weniger als etwa westliche Geschäftsleute zu Ungeduld, Eile und pedantischen Planungen. Wichtig ist ihnen vielmehr, hier und heute soviel Spaß wie möglich zu haben, den Augenblick zu genießen. Das erklärt auch die geringe Sparneigung der Thailänder. Sofortiger Konsum oder „von der Hand in den Mund leben“ ist für die Bevölkerung kein ungewöhnlicher Charakterzug.

6.4 Konfliktvermeidung und Selbstbeherrschung

Um dem „Nirwana“, der höchsten Stufe der Wiedergeburt näher zu kommen, muss ein Buddhist sich von allen Lüsten und Trieben befreien. Diese werden als die Ursprung allen Übels in der Welt angesehen. Die Thailänder werden deshalb zu einem außergewöhnlich hohen Maß an Selbstbeherrschung erzogen. Emotionen werden permanent unter Kontrolle gehalten oder dringen zumindest nicht nach außen. Nur selten kommt es zu einem lauten Umgang miteinander oder zu Wutausbrüchen.

Vielmehr basieren die thailändischen Sitten und Verhaltensweisen auf dem Respekt vor den Gefühlen der Mitmenschen und dem Wunsch nach sozialer Harmonie, eine Fähigkeit die in Deutschland immer weiter verkümmert oder gerne auch als Schwäche ausgelegt wird. Häufig begegnet man in Thailand deshalb Menschen, die über ein hohes psychologisches Einfühlungsvermögen verfügen und sich vor allem durch Freundlichkeit und Höflichkeit auszeichnen.

Extreme jedweder Art sind gemäß der Lehren des Buddha möglichst zu vermeiden. Stattdessen sollen die Menschen Zurückhaltung und Genügsamkeit üben, also auf dem „mittleren Pfad“ durch ihr Leben reisen. Der Kompromiss wird zum Wert an sich.

6.5 Vertrauen schaffen und Referenzen nutzen

Tragfähige geschäftliche Beziehungen können nur langfristig und mit viel Geduld aufgebaut werden. Thailändische Geschäftsleute schließen nur ungern Geschäfte mit wenig bekannten Partnern ab. Zunächst gilt es, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Die ersten Kontakte vor Ort sollte man sich in jedem Fall von angesehenen ortsansässigen Personen oder Institutionen vermitteln lassen und auf gar keinen Fall unangekündigt ohne Termin in Thailand erscheinen. Gerade zu Beginn einer geschäftlichen Beziehung ist es problematisch, sich auf eigene Briefe, Telefonate und Fernschreiben zu verlassen.

6.6 Gesichtswahrung trotz Kritik

Die Grundregel der Geduld gilt auch für den persönlichen Umgang. Es wird als aggressiv und flegelhaft empfunden, seinen Ärger ungefiltert nach außen zu tragen. Auch bei wirklichen Ärgernissen sollte man unbedingt die Ruhe bewahren. Dieses Verhalten dient der Verwirklichung eines in ganz Asien geltenden Verhaltensgrundsatzes: es gilt, sein eigenes Gesicht und das Gesicht des Gegenüber zu wahren. Wer diese Regel missachtet, läuft Gefahr, als Gesprächspartner nicht mehr akzeptiert zu werden. Selbst eine sachlich völlig gerechtfertigte Kritik am Geschäftspartner oder den eigenen thailändischen Mitarbeitern wird - insbesondere wenn sie in Anwesenheit weiterer Personen stattfindet - als absichtliche Bloßstellung betrachtet und entsprechend übelgenommen. Gerade Vorgesetzten werden deshalb aus falscher Rücksichtnahme wichtige schlechte Informationen gerne vorenthalten, weil die unangenehme Stellungnahme gescheut wird. So kann mitunter auf wichtige geschäftliche Negativ-Entwicklungen, nicht rechtzeitig reagiert werden.

Eine sehr diplomatische und sensible Vorgehensweise ist daher unverzichtbar. Thais versuchen, den offenen Konflikt zu vermeiden.

6.7 Identitätswahrung trotz Anpassung

Gefragt sind Geduld und Understatement in allen Lebensbereichen, wobei die eigene westliche Identität keineswegs durch übermäßige Anpassung aufgegeben werden sollte. Wer versucht, thailändischer als ein Thai zu sein, wird damit keinen Erfolg haben und in den Augen der Thais an Ansehen eher verlieren. Dass einem europäischen Geschäftsmann nicht alle sozialen Verhaltensregeln Thailands bekannt sein können, wird von den Thais durchaus akzeptiert.

7. Verhalten bei bestimmten Anlässen

In diesem Abschnitt werde ich nun die besonderen Verhaltenserwartungen in einigen ausgewählten Situationen beschreiben, in denen sich ein Geschäftsmann in Thailand wahrscheinlich häufiger befinden wird.

7.1 Höflichkeits- und Umgangsformen

7.1.1 Begrüßung

Der traditionelle thailändische Gruß ist der „Wai“. Zur Ausführung des Wais legt man die Handflächen in Brusthöhe wie zum Gebet flach aufeinander und führt eine angedeutete Verbeugung aus. Je tiefer die Verbeugung, desto mehr Respekt zeigt man seinem Gegenüber. Neben seiner Verwendung als Begrüßungsform wird der „Wai“ noch in einigen anderen Situationen gebraucht. Er kann außerdem bedeuten „Danke“, „Verzeihen Sie, ich habe einen Fehler gemacht“, oder auch „Ich stehe in Ihrer Schuld“. Der im Gesellschaftsrang Niedrigere grüßt zuerst.

Viele thailändische Geschäftsleute haben inzwischen die westliche Gewohnheit übernommen, zur Begrüßung die Hände zu schütteln. Erwarten sollte man es aber nicht.

7.1.2 Anrede

In Thailand ist es üblich, sich mit dem Vornamen anzureden, ohne damit ein Zeichen besonderer Vertrautheit setzen zu wollen. Man sollte deshalb nicht überrascht sein, wenn Ihr Gesprächspartner Sie als „Mr. Hans“ oder „Mr. Heinz“ anredet oder vorstellt.

7.1.3 Austausch der Visitenkarten

Es ist ein unausweichliches Ritual, beim ersten Kontakt mit einem Gesprächspartner die Visitenkarten auszutauschen. Eine gute Visitenkarte sollte in Thailand in englischer Sprache, im Idealfall auf der Rückseite auch in thailändischer Sprache verfasst sein und in eindeutiger Weise den Namen der Firma, den Namen des Karteninhabers und vor allem dessen Rang und Bedeutsamkeit erkennen lassen. Bei der Bezeichnung der Position wird in Thailand eher zu dick als zu dünn aufgetragen. Insbesondere die Bezeichnung „Manager“ wird gerne und häufig vergeben.

7.1.4 Sitzhaltung

Die Füße gelten in Thailand als wenig edles Körperteil. Deshalb lässt man seine Fußspitze nie in die Richtung des Gesprächspartners zeigen und vermeidet am besten ein Übereinanderschlagen der Beine während einer Sitzung. Sitzt man wie beim Besuch eines buddhistischen Tempels auf dem Boden, so ist auf eine Sitzhaltung zu achten, bei der die Füße nicht in die Richtung der thronenden Buddhastatue zeigen.

7.1.5 Intimität in der Öffentlichkeit

Enger körperlicher Kontakt in der Öffentlichkeit ist verpönt. Es gilt als unsittlich, sich in der Öffentlichkeit zu umarmen oder sich zu küssen. Diese bisweilen übertrieben erscheinende Zurückhaltung beginnt sich in den stark westlich beeinflussten Teilen Bangkoks allerdings bereits zu lockern.

7.1.6 Gruß- und Glückwunschkarten

Eine große Freude macht man den Thailändern, indem man ihnen zu Weihnachten oder Neujahr eine Glückwunschkarte zuschickt. Mit den Karten ruft man sich bei seinen Geschäftspartnern und Kunden in Erinnerung und zeigt, dass man niemanden vergessen hat.

7.2 Berufliche und private Einladungen

7.2.1 Pünktlichkeit

Man selbst sollte in Thailand pünktlich zu allen Verabredungen erscheinen, dasselbe Verhalten jedoch nicht von einem Thai erwarten. Leichte, manchmal auch schwere Verspätungen bis hin zum Nichterscheinen sollten und können eingeplant werden. Dies gilt insbesondere in der Innenstadt von Bangkok mit ihren recht unberechenbaren Verkehrsverhältnissen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf Bangkoks Straßen beträgt ungefähr 5km/h, weshalb es sich empfiehlt, ein Hotel nahe am Ort der geschäftlichen Tätigkeit zu wählen.

7.2.2 Schuhwerk

Beim Besuch eines privaten Hauses oder eines buddhistischen Tempels ist es üblich, in jedem Fall die Schuhe vor der Tür auszuziehen. Das Haus wird betreten, ohne die Türschwelle dabei zu berühren. Die Schwelle wird von guten Geistern bewohnt, die schlechte Geister am Betreten des Hauses hindern.

7.2.3 Kopfberührungen

Im Haus kann man stürmisch von den Kindern des Gastgebers begrüßt werden. In dieser Situation sollte man dem westlichen Instinkt widerstehen, die Kinder am Kopf anzufassen, da nach dem Glauben der Thais eine Berührung dieses spirituellen Zentrums den Geist des Kindes verwirren könnte. Falls es in einem unaufmerksamen Moment dennoch passiert, so sollte man sich nachdrücklich dafür entschuldigen.

7.2.4 Buddhafiguren und Portraits der königlichen Familie

Häufig befinden sich im Hause Buddhafiguren und Bilder des Königs Bhumipol und seiner Frau. Sie dürfen nicht berührt werden und müssen mit Respekt behandelt werden. Spricht man während einer Diskussion über die königliche Familie, sollte man sich der Anrede „Seine Majestät König Bhumipol Adulyadij“ bedienen.

7.2.5 Essen in Thailand

Wie fast überall auf der Welt macht es auch in Thailand einen guten Eindruck, wenn man die gewählte Portion vollständig verzehrt, um zum einen dem Gastgeber zu schmeicheln und zweitens nicht als Verschwender verstanden zu werden.

7.2.6 Tabuthemen

Einige Themen sind in Thailand so heikel, dass sie besser ganz vermieden werden sollten. Kritik am hochverehrten König und der Königin sind absolut tabu. Ebenso ungünstig wäre es, Kritik an Buddha und seiner Auffassung vom Glauben zu äußern. Selbst harmlos erscheinende Scherze sind bei diesem Thema völlig fehl am Platze, will man es sich mit seinem Gesprächspartner nicht im wahrsten Sinne des Wortes verscherzen. Auf Kritik an ihrem Land, thailändischen Produkten oder sozialen Problemen reagieren die Thailänder vielfach kleinlich, da sie einen starken, wenn auch nicht aggressiven Nationalstolz empfinden. Es empfiehlt sich deshalb, auf keinen Fall wie ein Apostel oder Besserwisser aufzutreten und sich nicht zu negativen Äußerungen hinreißen zu lassen. Das Thema Politik birgt wie fast überall viel Zündstoff und sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Besteht dennoch die Gefahr, auf diesen Themenbereich angesprochen zu werden, so ist es zumindest notwendig, sich vorab genau über das aktuelle Geschehen zu informieren.

Empfindlich reagieren viele Thailänder auch, wenn es um Prostitution und die damit zusammenhängende AIDS-Epidemie geht. Schätzungsweise sind 85-90% der Prostituierten mit HIV infiziert. Es herrscht in der Bevölkerung, natürlich nur unter vorgehaltener Hand, große Verärgerung darüber, wie wenig die Politik gegen diese Problematik unternommen hat.

7.2.7 Als Gastgeber

Lädt man als Gastgeber einen, evtl. auch zukünftigen Geschäftspartner zu sich nach Hause ein, so bedarf es der Einhaltung einiger Regeln. Verzichtet man darauf, so besteht die Gefahr, dass von dem Thailänder trotz Zusage er nicht erscheint. Die Chance auf erscheinen des thailändischen Gastes steigt , wenn Einladungen persönlich überreicht werden. Außerdem sollte man versuchen ein oder zwei andere Thailändische Kollegen einzuladen, um ihm das Gefühl zu geben den Abend nicht als einziger Thai bestreiten zu müssen. Das macht die Atmosphäre ungezwungener und gibt ihm ein Gefühl von Sicherheit. Die Gäste sollten sofort nach ihrer Ankunft zumindest vorgestellt werden und dazu ermuntert werden, sich zu vermischen. Für reichlich Essen und Trinken sollte im vorhinein garantiert werden. Der Beginn des vorzugsweise im Buffetstil zu servierenden Essens ist möglichst früh anzusetzen.

7.2.8 Geschenke

Die Form des Schenkens ist in Thailand weitgehend verwestlicht und frei von den meisten Formalitäten. Die meisten Geschenke dürfen ruhig klein sein - Bücher, Firmenkalender, Kugelschreiber, Taschenrechner und ähnliches. Es lohnt sich dennoch , über ein passendes Geschenk ein paar Gedanken zu verlieren. Blumen z.B. sind ein gutes Präsent bei Krankenhausbesuchen. Bei älteren Personen kann man auch eine Schildkröte als Symbol für ein langes Leben schenken. Geschenke sollten attraktiv eingepackt werden, mit viel buntem und Schleifen. An Geburtstagen ist es nicht üblich, sich zu beschenken. Ist man Gast bei einer religiösen Zeremonie, wird es gerne gesehen, wenn Sie einen Spende von 5-7€ abgeben. Dieses Geschenk übergeben Sie dem Veranstalter der Zeremonie, um sich mit den Geistern Gutzustellen und zur Finanzierung der Veranstaltung beizutragen.

Beziehungen pflegen

7.2.9 Kleidung

Seit jeher ist die Kleidung in Thailand besonders Merkmal für den gesellschaftlichen Stand. Bei formalen Anlässen sollte die Garderobe deshalb den eigenen Status möglichst vorteilhaft und seriös erscheinen lassen - je wohlhabender, desto besser. Hier würde man an der falschen Stelle sparen. Vor einem „Overdressing“ sollte man nicht scheuen. Im Arbeitsalltag sind Hemd und Krawatte ausreichend.

Bei privaten Einladungen kann ein Mann ein gutes Hemd ohne Krawatte tragen, wobei Seide den Geschmack der Thailänder gut treffen dürfte.

Die Farben Schwarz und Weiß werden mit dem Tod in Verbindung gebracht und sollten außer auf Beerdigungen gemieden werden.

Beim betreten privater Wohnungen und buddhistischen Tempeln zieht man die Schuhe aus.

8. Verhandlungen

8.1 Englisch als Verhandlungssprache

Die meisten Geschäftsverhandlungen müssen auf Englisch geführt werden, denn Deutsch spricht in Thailand fast niemand. Bei wichtigen Vertragsabschlüssen kann es ratsam sein, einen Dolmetscher zu engagieren, um das Risiko eines sprachlichen Missverständnisses möglichst gering zu halten.

8.2 Smalltalk

Anfangs sollte man sich bei ein paar Minuten unkomplizierten Meinungsaustausches näher kommen. Dann trägt man den Kern seines Anliegens nüchtern und emotionslos vor. Auf keinen Fall ist es ratsam, ohne Umschweife zur Sache kommen zu wollen. Ein Thailänder würde sich davon unter Druck gesetzt fühlen. Ebenso wie man in ein Verhandlungsgespräch eröffnete sollte man es auch beenden.

8.3 Geduld und Gesicht bewahren

Kritik oder offener Widerspruch sind bei Verhandlungen tabu. Ein Thailänder fühlt sich in einer konfliktbeladenen Atmosphäre nicht wohl. Dementsprechend ist es auch nicht ratsam und erfolgversprechend, durch Druck ans Ziel gelangen zu wollen. Vielmehr braucht man viel Geduld und viele Anläufe, bis ein Geschäft zum Abschluss kommt. Wie in allen anderen Lebensbereichen ist auch bei Verhandlungen von zentraler Bedeutung, den Gesprächspartner sein Gesicht wahren zu lassen.

8.4 Sympathien schaffen

Viel Sympathie kann man auf sich ziehen, indem man sich ein paar Sätze Thailändisch aneignet, was allerdings kein ganz einfaches Unterfangen ist. Die Thailänder fühlen sich jedoch von der Mühe sehr geschmeichelt. Nicht nur bei Verhandlungen wird es gerne gesehen, wenn man die thailändische Kultur respektiert und die bestehenden Unterschiede zur westlichen Kultur nicht als „soziale Etikette“ abtut. Die Thailänder verzeihen einem dann im Gegenzug auch die meisten unabsichtlich begangenen Tabubrüche.

8.5 Scheinbare Zustimmung

Vorsicht ist geboten, wenn ein Thailänder zu den im Gespräch vermeintlich getroffenen Übereinkünften sein Einverständnis zu geben scheint und zu allem jeweils „ja“ bzw. „yes“ sagt oder zustimmend lächelt. Dieses „yes“ oder Lächeln kann vieles bedeuten. Es könnte zum Beispiel sein, dass der Thailänder vom Inhalt des Gespräches recht wenig verstanden hat und durch seine zustimmende Reaktion lediglich sein Gesicht zu wahren versucht. Außerdem wäre es möglich, dass der Thailänder das zu konfrontative Tabuwort „no“ vermeiden möchte und das „yes“ in einer Art und Weise vorbringt, aus welcher ein kundiger Zuhörer die Ablehnung unmissverständlich entnehmen würde. Denkbar wäre auch eine Erklärung des „yes“ durch eine zu direkte Übersetzung des thailändischen Wortes „khrap“, welches in diesem Zusammenhang soviel bedeuten kann wie: „Ich nehme zur Kenntnis, dass Sie gerade etwas zu mir gesagt haben“. Folglich sollte man sich genau vergewissern, wie die zunächst eindeutig erscheinende Zustimmung des thailändischen Gesprächspartners tatsächlich zu verstehen ist, um sich die bisweilen gar gerichtlichen Auseinandersetzungen zu ersparen.

9. Die Vorgesetztenrolle

9.1 Anforderungen ans Führungspersonal

Auch beim Umgang mit Mitarbeitern sind die kulturellen Besonderheiten Thailands zu berücksichtigen. Aufgrund der starken Betonung hierarchischer Unterschiede hat ein Vorgesetzter in Thailand eine Rolle auszufüllen, die weit höhere Anforderungen in Anspruch nimmt als die seines westlichen Ebenbildes. Vom Chef wird nicht nur eine umfassende Kompetenz in allen fachlichen Belangen erwartet, sondern auch eine intensive persönliche Betreuung der Mitarbeiter.

9.2 Entscheidung von Oben

In der thailändischen Gesellschaft war es traditionell nie üblich, Entscheidungskompetenz an untere hierarchische Ränge zu delegieren. Der Versuch im Westen, die Distanz zwischen den Mitarbeitern und Führung so gering wie gerade nötig zu halten, widerspricht der thailändischen Neigung. Eine Kultur des „Management-by-delegation“, eine bewusste Übertragung von Entscheidungsfreiheiten von oben nach unten, existiert in Thailand nicht.

Vielmehr wird vom Vorgesetzten erwartet, dass er die Entscheidungen in einer Art und Weise trifft, die man in Deutschland als autoritär bezeichnen würde. Die „Last“ der Entscheidung liegt zu 100% auf den Schultern des Chefs. Auch die von westlichen Managementschulen propagierte Entscheidungsfindung in Teams ist in Thailand nur sehr beschränkt anwendbar.

9.3 Sich informieren statt informiert werden

Der Informationsfluss verläuft in der thailändischen Gesellschaft fast generell von oben nach unten. Schon in der Schule werden die Thais dazu erzogen zu gehorchen und zu tun was man ihnen sagt. Autoritäten und Meinungen in Frage zu stellen und seine eigene Meinung darzulegen, steht nicht auf dem Lehrplan. Viele Thais haben deshalb auch Probleme mit der Darbietung eigener Standpunkte, in Abgeben von Kritik und im Argumentieren. Das bekommt auch ein Vorgesetzter schnell zu spüren, wenn er vergeblich darauf wartet, von seinen Mitarbeitern über das aktuelle Geschehen im Betrieb informiert zu werden. Stattdessen wird es als Aufgabe des Chefs angesehen herauszufinden, was innerhalb und außerhalb des Unternehmens vor sich geht. Ein weiterer Grund hierfür könnte aber auch sein, das sie aus Rücksichtname und Vermeidung von angespannten Situationen handeln. Dieses Verhalten lässt sich möglicherweise abmildern, indem man die Mitarbeiter ausdrücklich von der Verpflichtung zu dieser Art der Rücksichtnahme entbindet und einen freieren Informationsfluss bewusst fördert. Ganz werden die Thailänder dennoch nicht auf die Anwendung diese Eigenart ihrer Kultur verzichten. Im besten Fall werden sie sie etwas zurückhaltender anwenden.

9.4 Die Abläufe im Auge behalten

Der Richtsatz „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ ist in Thailand durchaus angebracht, liegt doch durch die Entscheidungskompetenz und die Verantwortung für das Betriebsergebnis allein in den Händen des Chefs. Das Gefühl für individuelle Verantwortlichkeiten der Mitarbeiter in ihrem Bereich ist nämlich nur schwach ausgeprägt.

9.5 Fürsorge und Loyalität

Wie sich zeigt, ist ein Vorgesetzter schon durch die Pflicht zur detaillierten Anweisung und Kontrolle auf der fachlichen Ebene recht stark belastet. Zusätzlich wird von ihm jedoch auch erwartet, seinen Mitarbeitern in persönlicher Hinsicht eine Stütze zu sein. Für die Arbeitsmotivation eines Thailänders ist es enorm wichtig, über gute persönliche Beziehungen zu seinen Kollegen und seinem Vorgesetzten zu verfügen. Während in westlichen Unternehmen häufig eine eher individualistische Grundhaltung vorherrscht, sind die Thailänder stark gruppenorientiert und investieren viel Zeit und Mühe in den Aufbau und Erhalt tragfähiger Kontakte zu den anderen Betriebsangehörigen. Man kümmert sich intensiv um das Wohlergehen der Kollegen auch auf privater Ebene. Insbesondere vom Vorgesetzten wird eine beinahe väterliche Zuwendung erwartet. Der Vorgesetzte sollte sich deshalb über die wichtigsten familiären Verwicklungen seiner Mitarbeiter in Kenntnis setzen und ihnen bei Problemen mit Wort und Tat zur Seite stehen. Dabei ist es durchaus üblich, Einladungen zu sehr privaten Anlässen (z.B. Beerdigungen, Hochzeiten, Geburtstagen) wahrzunehmen und den Gastgeber durch die Anwesenheit des honorigen Gastes zu ehren und - im Trauerfall - emotional zu unterstützen.

Als Dank für solch umfassende Fürsorge wird dem Vorgesetzten im Gegenzug ein sehr starkes „Engagement“ und ein hohes Maß an Loyalität von den Mitarbeitern entgegengebracht. Loyalität wird von den Thailändern nicht gegenüber Organisationen entwickelt, sondern gegenüber Personen. Die Motivation und Arbeitszufriedenheit der Thais steht und fällt mit der Beziehung zum Vorgesetzten. Da ein funktionierendes staatliches Sozialsystem in Thailand bisher nicht existiert, ist der Einzelne im Krisenfall auf die Unterstützung seiner unmittelbaren Umgebung angewiesen. Die einzige Möglichkeit aufgefangen zu werden besteht somit in der Hilfeleistung von Freunden und Kollegen.

9.6 Sensible Reaktion auf Kritik

Die enge persönliche Beziehung zum Mitarbeiter hat jedoch auch ihre Schattenseiten. Da jede berufliche Beziehung in Thailand eine starke persönliche Komponente besitzt, wird auch Kritik an der Arbeit eines thailändischen Mitarbeiters schnell persönlich genommen. Eine „rein fachliche“ Beurteilung ist kaum möglich. Die in der westlichen Geschäftswelt weithin akzeptierte Auffassung von der konstruktiven Kritik als Mittel zur Verbesserung und Weiterentwicklung ist in der thailändischen Kultur nur schwach verbreitet. Deshalb lässt sich ein „Management-by-objectives“ (Führung durch Zielvereinbarung) mit regelmäßigen Personalbeurteilungsgesprächen in Thailand nicht durchführen. Das Verfahren wäre für die thailändische Mentalität viel zu druckorientiert und konfrontativ.

9.7 Erfolg durch Geduld

Bei der Beurteilung der Leistung eines thailändischen Mitarbeiters ist immer zu berücksichtigen, wie relativ kurz der enorme wirtschaftliche Aufschwung Thailands eigentlich erst anhält und welch große Lernprozesse die Bevölkerung in dieser Zeit bereits bewältigt hat. Eine Produktivität und Arbeitsqualität, die einem Westeuropäer noch deutlich steigerungsfähig erscheinen mag, stellt für einen Thai vielleicht ein nicht zu erreichendes Ziel dar. Das Verstehen und Erlernen der in Europa über lange Zeit gewachsenen Verhaltensweisen kann nicht von heute auf morgen vonstatten gehen.

10. Firmengründung in Thailand

Wie in den meisten Ländern gibt es drei Arten von Geschäftsorganisationen in Thailand:

Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften . Da die populärste Form unter ausländischen Anlegern die Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist, will ich im folgendem das Hauptaugenmerk auf diese Organisation werfen.

10.1 Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Um eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Thailand zu errichten, sollte folgendermaßen vorgegangen werden. Zunächst einmal muss der Name der Gesellschaft beim thailändischen Handelsministeriums reserviert werden, um anschließend den Gesellschaftsvertrag einreichen zu können. Der Gesellschaftsvertrag, der bei der Handelsregistrierungsabteilung eingereicht werden muss, muss den Namen der Firma, der zuvor erfolgreich reserviert wurde, die Provinz, wo die Firma sich befinden wird, ihre Geschäftsziele, das registrierte Kapital, und die Namen der Investoren enthalten (GmbHs benötigen in Thailand ein Minimum an 7 Investoren). Die Registrierungsgebühr für den Gesellschaftsvertrag beträgt 50 Baht pro 100.000 Baht registriertem Kapital. Anschließend wird eine Pflichtversammlung einberufen. Hier werden Regeln und Satzungen bestimmt, der Vorstand gewählt und ein Abschlussprüfer ernannt. Innerhalb drei Monate ab Datum der Pflichtversammlung muss der Vorstand abschließend den Antrag zur Firmenerrichtung einreichen. Die Registrierungsgebühren für Firmen betragen 500 Baht pro 100.000 Baht registrierten Kapitals.

10.2 Steuern in Thailand

Das Steuergesetz stellt die Vorschriften für die Besteuerung von Einkommen dar. Einkommensteuer wird in Thailand in die drei folgenden Kategorien eingeteilt :

- Körperschaftssteuer
- Mehrwertsteuer oder spezielle Gewerbesteuer
- Persönliche Einkommensteuer

10.2.1 Körperschaftssteuer

Unternehmen mit eigener Rechtspersönlichkeit, die in Thailand tätig sind, zahlen Einkommensteuer mit einem Steuersatz von 30 Prozent des Nettogewinns.

Alle Gesellschaften, die gemäß thailändischen Gesetzes eingetragen sind, unterliegen der Besteuerung, wie es in dem Steuergesetz festgesetzt ist. Sie unterliegen auch der Einkommensteuer auf Einkommen, das aus Quellen innerhalb und außerhalb Thailands stammt. Ausländische Firmen, die nicht in Thailand eingetragen sind oder sich nicht in Thailand befinden, unterliegen nur der Steuer auf Einkommen, das aus Quellen innerhalb Thailands stammt.

10.2.2 Mehrwertsteuer und spezielle Gewerbesteuer

Das Mehrwertsteuer- System ist am 1. Januar 1992 in Thailand in Kraft getreten und hat ein Gesellschaftssteuersystem ersetzt. Gemäß der Steuereinteilung ist der Wert, der bei jeder Produktionsphase hinzugefügt wird, 7%. Diese Steuer entrichten: Hersteller, Dienstleistungsanbieter, Großhändler, Einzelhändler, Exporteure und Importeure. Die MwSt. muss monatlich bezahlt werden und kalkuliert sich folgendermaßen:

Geschuldete Steuer - Vorsteuerabzüge = bezahlte Steuer wobei die geschuldete Steuer die MwSt. ist, die der Betriebsleiter bei einem Verkauf vom Käufer einnimmt. Die Vorsteuerabzüge sind die MwSt., die der Betriebsleiter dem Verkäufer der Güter oder Dienste, die er in seinem Betrieb in Anspruch nimmt, bezahlt. Wenn das Resultat dieser Berechnung ein positiver Betrag ist, muss der Betriebsleiter dem Finanzamt die übrige Steuer spätestens 15 Tage nach jedem Monatsende bezahlen. Im Fall einer negativen Differenz, ist der Betriebsleiter jedoch zu einer Rückerstattung in Form von Bargeld oder einer Steuergutschrift berechtigt.

Eine spezielle Gewerbesteuer von ungefähr drei Prozent wird anstelle der MwSt. für die folgenden Unternehmen erhoben:

- Geschäftsbanken und ähnliche Unternehmen
- Versicherungsgesellschaften
- Effektenmakler ( Handelsmakler )
- Verkäufe an der Börse
- Verkäufe von nicht- beweglichen Vermögen
- Pfandhäuser

10.2.3 Persönliche Einkommensteuer

Management in Thailand Interkulturelles Management 31 Jede Person, Thailänder oder Ausländer, die ein steuerpflichtiges Einkommen von einem Unternehmen in Thailand bezieht oder Vermögen in Thailand besitzt, unterliegt einer persönlichen Einkommensteuer. Beim Einkommen ist es egal ob es in oder außerhalb Thailands erzielt wird. Die Einkommensteuer wird mittels eines Staffeltarifs folgendermaßen ermittelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bestimmte Personen, wie Beamte der Vereinten Nationen, Diplomaten und ausgesuchte Experten können von der Persönlichen Einkommensteuer befreit werden.

11. Außenhandel

Inzwischen deuten alle Anzeichen auf eine deutliche Erholung der deutschen Importe nach Thailand infolge der Zunahme der Kapazitätsauslastung, der lokalen Nachfrage selbst nach Luxusgütern und der privaten Investitionstätigkeit hin. Zahlreiche Investitionen in Kapitalgüter wurden während der Wirtschaftskrise verschoben. Folglich besteht nunmehr dringender Bedarf, in die Modernisierung von Produktionsprozessen zu investieren, um auf höherem technologischem Niveau konkurrenzfähig zu bleiben. Hiervon sollte der deutsche Güterexport in den kommenden Jahren profitieren.

11.1 Exporte

Seit 1991 haben sich die Exporte im Wert verdoppelt, von 28,2 Milliarden US$ auf eine geschätzte Summe von 58,3 Milliarden US$ 1997. Obwohl Exporte 1998 auf 54,5 Milliarden US$ abfielen, wuchsen sie 1999 um etwa 4%. Exporte von Fertigwaren, sind wichtiger geworden . Sie machten insgesamt 80 % des Gesamtexports in den letzten Jahren aus. Thailand ist jetzt ein bedeutender Exporteur von Computern und Computerteilen, Textilwaren, Edelsteinen und Schmuckwaren, elektronischen Produkten, Fahrzeugprodukten und auch landwirtschaftlichen Produkten.

Hauptsächlich in Thailand nachgefragte deutsche Exportprodukte sind Chemie und Plastik, Maschinen und Werkzeuge sowie elektrische und elektronische Erzeugnisse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Abteilung für Volkswirtschaftliche, Ministry of Commerce Anmerkung: * geschätzt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Abteilung für Volkswirtschaftliche, Ministry of Commerce Anmerkung: * geschätzt

11.2 Importe

Traditionell haben auch Importe starken Zuwachs gezeigt, obwohl sie im Zuge der finanziellen Krise Thailands ab Mitte 1997 abnahmen . 1998 fielen Importe um 32,8 % (in US-Dollar) auf 47,4 Milliarden US$. In den ersten drei Monaten von 1999, beliefen sich Importe jedoch auf 11,4 Milliarden US$, was einen Zuwachs von 5,8 % bedeutet.

Die wichtigste Gruppe von Importen ist, mit deutlich zunehmender Tendenz, der Elektro- und Elektronikbereich. Landwirtschaft und Fischerei, insbesondere verarbeitete landwirtschaftliche Produkte, spielen nach wie vor eine bedeutende Rolle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: National Economic and Social Development Board Anmerkung: * geschätzt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: National Economic and Social Development Board Anmerkung: * geschätzt

11.3 Allgemeine Außenhandels Daten

Wichtigste

Außenhandelspartner: Export: USA, Japan, Singapur, Niederlande, Deutschland, Hongkong, Großbritannien, Malaysia

Import: Japan, USA, Singapur, Deutschland, Taiwan, China, Südkorea, Malaysia, Großbritannien

Ausfuhrgüter: Maschinen, Elektronik, Reis, Fischprodukte, Zinn, Textilien, Gummi, Maniok, Zucker, Juwelen

Einfuhrgüter: Erdölderivate, Vieh, Transportausrüstung, Maschinen, chemische Erzeugnisse, Eisen, Stahl, Konsumgüter

12. Kurioses

Von Wirtschaftskrisen profitieren mitunter die kuriosesten Branchen. In Thailand zum Beispiel herrscht in den Wahrsagestuben Gedrängel wie nie. Das thailändische Farmers Forschungszentrum hat errechnet das allein die Einwohner Bangkoks 50 Millionen Mark für die Zukunftsdeutung ausgeben. Der Andrang ist so groß, dass sogar wissenschaftliche Studien über die Branche erarbeitet werden. Nicht nur Pech in der Liebe oder andere Sorgen in der Familie sind es der Studie zufolge, die die Menschen zum Hellseher treiben, sondern auch und vor allem wirtschaftliche Ängste. Bei 23,7 Prozent der Männer ist laut Untersuchung die Sorge um den Job der Grund für den Wahrsagerbesuch. Frauen nennen immerhin zu 18,2 Prozent diesen Grund. Danach folgen bei Männern Geldsorgen, während die Frauen Rat in Liebesfragen suchen. Laut der Studie lassen sich Kunden von Wahrsagern in Bangkok im Schnitt zweimal jährlich die Zukunft weissagen. Ein Besuch kostet etwa 200 Baht, das entspricht etwa fünf Euro.

13. Schluss

Da es meinen Bruder nun schon vor einiger Zeit geschäftlich nach Bangkok zog, hab auch ich mich zu einem kritischen Thailand begeisterten entwickelt. Aus Erzählungen meines Bruders, der in einer Kanzlei als Anwalt arbeitet, scheint es in der Tat so zu sein, das man seine Erfolgschancen erhöht, wenn man die Verhaltensnormen und Tabus des Landes sich aneignet und respektiert. Ein Engagement in Thailand sollte gründlich geplant und vorbereitet werden, um sich einen klaren Vorsprung vor Mitbewerbern um Aufträge und Partnerschaften zu verschaffen. Da aber in der heutigen Zeit nicht jeder die Möglichkeit hat sich über längere Zeit mit Thailand vertraut zu machen, ist es doch zumindest ratsam, mit einer geduldigen und aufgeschlossen Grundhaltung in Thailand aufzutreten. Denn auch so kann man in dem durchaus interessanten Wirtschaftsstandort Thailand fast alles erreichen.

34 von 34 Seiten

Details

Titel
Management in Thailand
Note
1-
Autor
Jahr
2002
Seiten
34
Katalognummer
V105944
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Management, Thailand
Arbeit zitieren
Norman Brauns (Autor), 2002, Management in Thailand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105944

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