Rolle und Beschreibung der Frau in der Minnelyrik


Hausarbeit, 2021

, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Frau im Mittelalter

3. Minnesang
3.1 Rolle der Frau
3.2 Schönheitsbeschreibung der Frau

4. Minnerede
4.1 Minnesang und Minnerede
4.2 Die Rolle der Frau
4.3 Schönheitsbeschreibung der Frau

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Frau wird durch weitgehende Ent-Individualisierung als Idee, als Typus, als das weibliche Prinzip schlechthin in chiffrenartiger Andeutung benannt und meist nur als Trägerin von verehrungswürdigen Eigenschaften, äußerer Schönheit und menschlicher Würde vorgeführt.1

Diese, als durchaus markant zu erachtende Aussage, über die ohne Frage erst einmal nachgedacht werden muss, stellt einen guten Ausgangspunkt für die folgende Arbeit dar. Diese beschäftigt sich mit der Frau, ihrer Rolle und der Beschreibung derselbigen in der Minnelyrik. Wie wurde die Frau und vor allem ihre Schönheit in der Minnelyrik dargestellt? Und sind Unterschiede in diesen Punkten zwischen Minnesang und Minnereden zu finden?

Hierfür wird zuerst ein historischer Referenzrahmen geschaffen. Es wird analysiert, wie die Frau im Mittelalter, in diesem die Minnetexte entstanden, dastand. Welche Rolle nahm sie innerhalb der Gesellschaft und gegenüber den Männern ein? Dann wird der Minnesang vorgestellt. Nach einer kurzen Erklärung, folgt die Untersuchung zur Frau im Minnesang. Welche Rolle nahm die Frau in den Stücken ein und wie wurde sie beschrieben? Anschließend wird sich den Minnereden gewidmet. Auch hier erfolgt eine kurze Erklärung, um dann im Anschluss den Unterschied zwischen Minnesang und Minnereden aufzeigen zu können. Nach diesem Schritt folgt dann die Überprüfung, ob die vorher herausgearbeiteten Aspekte über die Frau um Minnesang in die Werke der Minnereden übernommen wurden und wenn ja, inwiefern dies passierte.

Diese Überprüfung erfolgt mit Hilfe von einigen ausgewählten Beispielen aus dem Minnesang und der Minnerede. Außerdem werden einige Forschungsliteraturen hinzugezogen, welche sich mit der Beschreibung der Frau in der Minnelyrik und der Rolle derselbigen in den mittelalterlichen Werken beschäftigt. Hierbei handelt es sich sowohl um Literatur, die sich mit dem Minnesang beschäftigt, als auch solche, die sich mit den Minnereden befasst. Es können dadurch beide Untersuchungsschwerpunkte durch bereits getätigte Forschung unterstützt werden.

Zum Schluss wird dann ein Fazit gezogen, welches die wichtigsten Punkte der Untersuchungen zusammenfasst und im Hinblick auf die Rolle und die Beschreibung der Frau in der Minne, genauer dem Minnesang und der Minnerede, miteinander verknüpft.

2. Die Frau im Mittelalter

Wenn man über das Mittelalter spricht, ist man schnell verleitet an das „finstere, dunkle Mittelalter“ zu denken, von dem oft gesprochen und geschrieben wird. Die sonst häufig zuerst angedachten, prägnanten Ereignisse wie die Pest und die Kreuzzüge, spielen hier an dieser Stelle keine Rolle. Vielmehr soll die Situation der Frau zur damaligen Zeit beleuchtet werden, die sich, wie sich gleich zeigen wird, durchaus teilweise als düster und finster bezeichnen lässt.

Frauen wurden im Mittelalter von ihren Ehemännern, Vätern und Brüdern in jeglichen Bereichen, in denen Entscheidungen getroffen wurden, bevormundet und nicht als gleichwertig wahrgenommen. Geheiratet wurde meist nicht aus romantischen Gründen, sondern aufgrund von sozialen und wirtschaftlichen Profitierens.

Frauen hatten nach gewissen Vorschriften zu leben. Dies waren „hohe Moral, ihre Keuschheit, ihre guten Taten, ihre Aufrichtigkeit und ihre Beständigkeit, ihre Preiswürdigkeit und ihre Höfischheit, ihr guten Ruf, ihre Vornehmheit und ihre Tugend.“2

Frauen waren dazu angehalten, Demut und Würde auszustrahlen, welche sie durch einfache Kleidung und unauffälliges Verhalten erlangen konnten. Zugleich sollten sie ganz bei sich bleiben und nicht ohne Grund mit ihren Augen abschweifen, damit sie nicht zufällig mit ihrem Blick einen Mann trafen, der sie dann dazu hätte bringen können zu sündigen.3

Ebenfalls sollten sie gar nicht erst lernen zu Lesen, damit sie nicht in Versuchung geraten konnten auf verfängliche Briefe von Männern zu antworten und gegen die Regel der Keuschheit zu verstoßen.4 Es scheint, als hätten die Männer geglaubt, die Frauen vor sich selbst schützen zu müssen, als sie dafür eintraten, Frauen das Lesen zu verwehren.

Ob sich diese Lebensbedingungen der Frauen auch in der Lyrik des Mittelalters widerspiegelten, wird im Folgenden noch untersucht und festgestellt werden.

3. Minnesang

Minnesang ist Preis und Klage. Aber nicht um verlorene Liebe wird geklagt und gesungen, nicht um die verlorene Liebste, um das vergangene Glück - besungen wird in unermüdlicher Wiederholung die ferne Liebe, die unerreichbare Frau. Gepriesen wird der Verzicht auf Wunscherfüllung, verklärt werden ewige Sehnsucht und Leiden um die schöne, tugendhafte, vollkommene Frau.5

Die Männer, die diese Lieder vortrugen, waren Ritter, die sich an eine Frau ihrer Wahl richteten.6 Diese Form der Lyrik entwickelte sich im höfischen Rahmen der damaligen Zeit und wurde ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Die entstandenen Werke wurden oft von den Minnedichtern selbst vor höfischem Publikum vorgeführt. Zu unterscheiden ist hierbei zwischen der hohen Minne und der niederen Minne. Die hohe Minne kennzeichnet sich dadurch, dass ein ritterlicher Mann um die Gunst und die Aufmerksamkeit einer unerreichbaren Frau wirbt. Meist zeichnet sich diese Unerreichbarkeit durch die unterschiedlichen Stände aus. Da sich der Ritter dieser Unerreichbarkeit durchaus bewusst sein kann, dieweil seine Umworbene zum Beispiel die Ehefrau eines adligen Mannes ist, steigert sich seine Sehnsucht nach ihrer Liebe und Aufmerksamkeit nur noch mehr und er glaubt, trotz aller Zurückweisungen, durch die weitere Verehrung der auserwählten Frau seine eigene innere Vervollkommnung zu erreichen.7

Die niedere Minne weist diese Form der Unerreichbarkeit nicht auf. Die Frau und der Mann befinden sich auf einer Ebene, ohne dass eine oder einer der Beiden sich unterwerfen müsste. Es herrscht also eine Gleichberechtigung, bei der es vor allem um die Befriedigung von Trieben geht und nicht darum, dass sich der Ritter der Frau verpflichtet fühlt, wie es bei der hohen Minne der Fall ist.

Für die folgenden Beispiele und Untersuchungen sind sowohl die eben aufgeführten Charakteristika der hohen Minne relevant, als auch die der niederen Minne, da sich sowohl die herangezogene Forschungsliteratur mit diesen beschäftigt als auch die Textbeispiele nicht alle eindeutig nur der hohen Minne zuzuordnen sind, wie sich noch zeigen wird.

3.1 Rolle der Frau

Wie sich zeigt, wird in den meisten Werken der Minne ein Bild der Frau vermittelt, welches völlig konträr zur Lebenswirklichkeit des Mittelalters war. Die Frau stellte in der Lyrik eine Projektionsfläche für Idealisierungen dar. Anstatt die weiblichen Teile der Gesellschaft als schwächer, dümmer und unmündiger als die männlichen darzustellen, steigerte sich die Wertschätzung der Frau und das Ansehen stieg soweit an, dass die Frau als unerreichbar galt.

3.2 Schönheitsbeschreibung der Frau

Im Folgenden werden nun einige Beispiele für Werke des Minnesangs aufgeführt und auf die Beschreibung der Frau hin untersucht. Besonders präsent bei der Auswahl der Texte ist Walther von der Vogelweide, da viele seiner Werke eine solche Beschreibung der Frau beinhalten.

„Nemt, frouwe, diesen Kranz“ stellt ein Werk dar, welches eher der niederen Minne zuzuordnen ist, da der Dichter hier nicht als Bitter oder Bettler auftritt, sondern als Anbietender oder Geber. So heißt es zum Beispiel:

[…]

Si nam daz ich ir bôt,

einem kinde vil gelîch, daz êre hât.

ir wangen wurden rôt

sam diu rôse, dâ si bî den lilien stât.

des erschamten sich ir liehten ougen.

dô neic si mir vil schône.

daz wart mir ze lône.

wirt mirs iht mêr, daz trage ich tougen.

[…]8

Die angesprochene Dame scheint das, was der Mann ihr angeboten hat, anzunehmen. Sie wird als junges Mädchen von höfischem Anstand beschrieben, dessen Wangen rot werden und dessen strahlende Augen auf einmal voll Scham sind. Außerdem verneigt sie sich vor ihm. All diese Beschreibungen machen deutlich, dass es sich hier nicht um ein Werk der hohen Minne handeln kann. Die Frau ist hier also ein ebenbürtiges Gegenüber, welches aber trotzdem vom Dichter gelobt wird:

„Nemt, frouwe, disen kranz",

alsô sprach ich zeiner wol getânen maget,

"sô zieret ir den tanz

mit den schœnen bluomen als irs ûfe traget.

het ich vil edele gesteine,

daz müest ûf iuwer houbet,

ob ir mirs geloubet.

seht mîne triuwe, daz ich ez meine.

Ir sît sô wol getân,

daz ich iu mîn schapel gerne geben wil,

daz beste, daz ich hân.

wîzer unde rôter bluomen weiz ich vil […]9

Zuerst wird die Frau als „frouwe“ angesprochen. Dies könnte sowohl „Herrin“ als auch „Dame“ heißen, deutet aber darauf hin, dass es sich um eine Frau höheren Standes handeln könnte. Im weiteren Verlauf wird sie als wohlgestaltet und wohlgeschaffen bezeichnet. Auch wenn Charakteristika der niederen Minne vorliegen, wird die Frau sehr idealisiert dargestellt.

Die Frau wird nicht detailliert beschrieben. Nur ihre Augen und ihre Wangen tauchen kurz auf und ihr allgemeines Auftreten wird beschrieben.

Ein anderes Werk, ebenfalls von Walther von der Vogelweide, ist „Wol mich der Stunde“. Auch hier taucht die Frau nur durch ein Körperteil, nämlich ihren Mund auf, wenn man die äußerlichen Merkmale betrachtet. So heißt es:

„[…]Daz ich gescheiden von ir niht enkan,

daz hât ir schœne und ir güete gemachet,

und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet […]“10

Der Dichter kann nicht mehr ohne die Dame existieren, was laut ihm nur durch ihre Schönheit, was durchaus auch als innere Schönheit interpretiert werden kann, und ihre Güte, auch aber durch ihren roten Mund, der so lieblich lacht, geschieht.

Ebenfalls in „Muget ir schouwen“ von Walther von der Vogelweide erscheint die Frau nur als Mund:

„[…]Rôter munt, wie dû dich swachest –

lâ dîn lachen sîn! […]“11

Die Frau scheint den Dichter zu verspotten, was ihn sehr bedrückt. Es erfolgt auch hier keine nähere Beschreibung der Frau.

Ein weiteres Werk, diesmal von Heinrich von Morungen, „In sô hôher swebender wunne“ stellt ein weiteres Beispiel für das alleinige Auftreten des Mundes dar:

[…]

Saelic sî diu süeze stunde,

saelic sî diu zît, der werde tac,

dô daz wort gie von ir munde,

daz dem herzen mîn sô nâhen lac

[…]12

Obwohl die Frau hier nur als Mund auftritt, ist der Dichter glücklich, hoffnungsvoll und euphorisch. Man weiß nicht genau, welche Nachricht, beziehungsweise welches konkrete Wort den Dichter in eine solche Verfassung gebracht hat. Unmissverständlich scheint jedoch, dass ein einziges Wort hierfür ausreichte.

Laila Salem untersucht in ihrem Werk „Die Frau in den Liedern des „Hohen Minnesangs“ unter anderem die Schönheitsbeschreibung der Frauen im Minnesang. Sie kommt zu dem Schluss:

Weder wird ein Name preisgegeben, noch wird nach irgendwelchen Eigenarten oder persönlichen Zügen differenziert. In keinem Gedicht wird etwa die Augen- oder Haarfarbe der Geliebten verraten. Keine „persönliche Note“ hebt die eine von der anderen ab. Die Frau „wird mit allen Zügen der Reinheit und Schönheit ausgestattet, in denen es keine persönliche Differenzierung mehr gibt.“13 Es sind stets wiederkehrende Wesens- und Charakterzüge, die jegliche Unterscheidung erschweren und die Frau als irreal erscheinen lassen, und es entsteht der Eindruck, als ob der Dichter nur der Vorstellung oder der Idee der Frau als solcher nachjagt und zustrebt.14

Wörter für die Beschreibung der äußeren Erscheinung seien laut Salem vor allem „schoen“, „wolgetân“, „minnelîch“ und „süez“ gewesen. Die inneren Eigenschaften wurden vor allem durch Wörter wie „guot“, „“tugendhaft“, „staete“, „werdec“, „rein“, „saelic“, „hôhgemuot“ dargestellt.15

[...]


1 Salem, Laila: Die Frau in den Liedern des „Hohen Minnesangs“. S.233.

2 Bumke, Joachim: Höfische Kultur. S.470.

3 Vgl. Bumke, Joachim: Höfische Kultur. S.471.

4 Vgl. Bumke, Joachim: Höfische Kultur. S.475f..

5 Meyer zur Capellen, Renée: Die Hohe Frau im Minnesang und im Parzival. S.24.

6 Vgl. Salem, Laila: Die Frau in den Liedern des „Hohen Minnesangs“. S.1.

7 Vgl. Nusser, Peter: Deutsche Literatur im Mittelalter. S.241.

8 Von der Vogelweide, Walther: Nemt, frouwe, diesen Kranz.

9 Von der Vogelweide, Walther: Nemt, frouwe, diesen Kranz.

10 Von der Vogelweide, Walther: Wol mich der Stunde.

11 Von der Vogelweide, Walther: Muget ir schouwen.

12 Von Morungen, Heinrich: In sô hôher swebender wunne.

13 De Boor, Helmut. Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. S.219.

14 Salem, Laila. Die Frau in den Liedern des „Hohen Minnesangs“. S.224.

15 Vgl. Salem, Laila. Die Frau in den Liedern des „Hohen Minnesangs“. S.225ff.

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Details

Titel
Rolle und Beschreibung der Frau in der Minnelyrik
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Katalognummer
V1059590
ISBN (eBook)
9783346470256
ISBN (Buch)
9783346470263
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, beschreibung, frau, minnelyrik
Arbeit zitieren
Charlotte Ristau (Autor:in), 2021, Rolle und Beschreibung der Frau in der Minnelyrik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1059590

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