Wer Erfahrung in der Vermittlung einer Fremdsprache gesammelt hat, wird schnell die Erfahrung gesammelt haben, welche funktionale Bedeutung dabei eine Brückensprache einnehmen kann, wenn der Lehrende auf der einen, und die Lernenden auf der anderen Seite nicht die jeweilige Muttersprache des anderen beherrscht. Eine Brückensprache ist eine dritte Sprache, welche beide Seiten fließend beherrschen. Sie übernimmt die Funktion, dass sich die unbekannte neue Sprache reflektiert und strukturiert angeeignet werden kann.
Das vorliegende Exzerpt reflektiert die Erfahrungen bei der Vermittlung von Deutsch als Zweit- bzw. Fremdsprache - DaZ bzw. DaF - an arabischsprechende Muttersprachler nach der Flüchtlingskrise 2015, und die z.T. überraschende Funktion von Brückensprachen in diesem Kontext.
Inhaltsverzeichnis
1. Historische Ursprünge der Vermittlung von DaZ & DaF
2. Definition grundlegender Begriffe zur Fragestellung
2.1.Brückensprachen
2.2.DaF bzw. DaZ
2.3. Muttersprache
2.4.Syrische Flüchtlinge, geographische und historische Ursprünge
3. Praxis der Sprachvermittlung des Deutschen als Zweit- bzw. Fremdsprache
4. Praktische Erfahrungen bei der Fremdsprachenvermittlung im Kontext von Brückensprachen
5. Spezifische Erfahrungen bei der Vermittlung von Deutsch als Zweit/Fremdsprache bei syrischen Flüchtlingen
5.1.„Syrische Flüchtlinge“ - Eine inhomogene Gruppe
5.2. Flüchtlinge aus dem irakischen Staatsgebiet
5.3. Flüchtende aus kurdischen Siedlungsgebieten
5.4. Flüchtlinge aus dem syrischen Staatsgebiet
5.5.Gemeinsames Lernen mit anderen Lernenden aus Drittstaaten
6. Fazit: Über die Funktion von Brückensprachen
6.1. In der Fremdsprachenvermittlung allgemein
6.2. in der Vermittlung von DaF & DaZ an Muttersprachler im Rahmen der syrischen Flüchtlingskrise 2015
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die didaktische Bedeutung von Brückensprachen bei der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache (DaF) sowie Deutsch als Zweitsprache (DaZ), mit einem besonderen Fokus auf die Arbeit mit heterogenen Lerngruppen wie syrischen Flüchtlingen.
- Funktion und Nutzen von Brückensprachen im Fremdsprachenunterricht
- Definition und Abgrenzung von DaF und DaZ
- Herausforderungen in der Arbeit mit inhomogenen Flüchtlingsgruppen
- Praktische Methoden wie das "Helfer-Prinzip" im Sprachunterricht
- Bedeutung von Vorkenntnissen (z.B. Englisch, Französisch) für den Spracherwerb
Auszug aus dem Buch
4. Praktische Erfahrungen bei der Fremdsprachenvermittlung im Kontext von Brückensprachen
Brückensprachen spielen natürlich nicht nur bei der Vermittlung des Deutschen eine Rolle. So berichtet Zuzanna Czerwonka etwa von Der Sprachvermittlung des Niederländischen an polnischen Universitäten. Statistisch belegt ist, dass die Mehrheit der Fachstudenten Niederländisch nicht im familiären Umfeld erlernt haben als Kind, sondern das Erlernen erst im Erwachsenenalter anstreben. Zwischen dem Polnischen und dem Niederländischen gibt es grosse Unterschiede im Bereich der Phonetik. So gibt es im Polnischen keine prädorsalen gerundeten Vokale (y) (ö).
Wer deshalb Niederländisch an einer polnischen Universität studieren möchte, muss fortgeschrittene Kenntnisse im Englischen und im Deutschen nachweisen. Als germanische Sprachen geben beide dem idR. Polnischen Muttersprachler bereits das Phonemwerkzeug an die Hand, das Polnisch nicht bietet, und ihm beim Erlernen des Niederländischen ein wichtiger Schlüssel sein wird.
Sehr hilfreich haben sich Brückensprachen auch beim sog. „Helfer-Prinzip“ bewährt. Stehen Lehrendem und Lernenden keine unmittelbare Brückensprache zur Verfügung, so wird erst einmal das Unterrichtsgespräch angestrebt. In diesem Kontext helfen, ganz klassisch, die Erfahreneren den weniger Geübten, dh. die, die es kapiert haben, springen spontan als Übersetzer für ihre Landsleute ein. In diesem Falle übernimmt die zu vermittelnde Sprache die Brückenfunktion für die bereits Geübteren, die sich in ihrem Fortschritt bereits bestätigt fühlen und diesen weiter ausbauen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Historische Ursprünge der Vermittlung von DaZ & DaF: Beschreibt die historische Entwicklung der Fachbereiche für Deutsch als Fremdsprache in Deutschland seit den 1960er Jahren.
2. Definition grundlegender Begriffe zur Fragestellung: Definiert die zentralen Fachbegriffe wie Brückensprache, DaF/DaZ, Muttersprache und ordnet den Begriff "syrische Flüchtlinge" historisch ein.
3. Praxis der Sprachvermittlung des Deutschen als Zweit- bzw. Fremdsprache: Unterscheidet fachlich zwischen den Anwendungsbereichen von DaF und DaZ im Kontext von Integration und Alltag.
4. Praktische Erfahrungen bei der Fremdsprachenvermittlung im Kontext von Brückensprachen: Analysiert anhand von Fallbeispielen den Einsatz von Drittsprachen als Hilfsmittel und erläutert das "Helfer-Prinzip".
5. Spezifische Erfahrungen bei der Vermittlung von Deutsch als Zweit/Fremdsprache bei syrischen Flüchtlingen: Beleuchtet die Heterogenität syrischer Flüchtlingsgruppen und die unterschiedlichen sprachlichen Vorkenntnisse je nach Herkunftsregion.
6. Fazit: Über die Funktion von Brückensprachen: Fasst die Ergebnisse zusammen, wonach Brückensprachen den Lernprozess beschleunigen und die Lernatmosphäre nachhaltig verbessern.
Schlüsselwörter
Brückensprache, DaF, DaZ, Sprachvermittlung, Syrische Flüchtlinge, Helfer-Prinzip, Interkomprehension, Fremdsprachendidaktik, Migrationshintergrund, Spracherwerb, Sprachbarrieren, DaF-Unterricht, Sprachkurs, Mehrsprachigkeit, Deutschunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die didaktische Rolle von sogenannten Brückensprachen, die im Deutschunterricht für Flüchtlinge und Fremdsprachenlerner genutzt werden, um sprachliche Lücken zu überbrücken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die begriffliche Definition von DaF/DaZ, die Bedeutung von Vorkenntnissen bei heterogenen Gruppen und der praktische Einsatz von Vermittlungshilfen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Drittsprachen, die sowohl Lehrende als auch Lernende beherrschen, das Lerntempo und die Kommunikation im Unterricht effizienter gestalten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Analyse von fachdidaktischer Literatur sowie auf eigenen praktischen Erfahrungen des Autors aus Sprachkursen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert praktische Erfahrungen mit Brückensprachen, das "Helfer-Prinzip" und die spezifischen Herausforderungen bei der Arbeit mit syrischen Flüchtlingen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Spracherwerb, Brückensprache, DaF/DaZ und die didaktische Praxis in Migrationskontexten.
Warum ist die Gruppe der "syrischen Flüchtlinge" didaktisch als inhomogen zu betrachten?
Wie die Arbeit ausführt, handelt es sich um ein Schlagwort, da die Gruppe diverse Bildungsstände und sprachliche Hintergründe (z.B. Iraker oder Kurden) umfasst, was den Einsatz von Brückensprachen erschwert oder verändert.
Wie unterscheidet sich die Situation von Flüchtlingen aus dem Irak zu denen aus Syrien?
Der Autor stellt fest, dass Flüchtlinge aus dem Irak im Vergleich oft schlechtere Fremdsprachenkenntnisse aufwiesen als syrische Gruppen, bei denen häufig Englischkenntnisse als Brückensprache genutzt werden konnten.
Was genau beschreibt das im Text erwähnte "Helfer-Prinzip"?
Das Helfer-Prinzip beschreibt eine Unterrichtssituation, in der lernstärkere Teilnehmer spontan als Übersetzer für ihre Landsleute einspringen, wenn keine gemeinsame Brückensprache mit dem Lehrenden vorhanden ist.
- Quote paper
- Nils Oliver Berger (Author), 2021, Über die Funktion von Brückensprachen bei der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache/ Zweitsprache (DaF/ DaZ) an arabische Muttersprachler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1059773