Über die Funktion von Brückensprachen bei der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache/ Zweitsprache (DaF/ DaZ) an arabische Muttersprachler


Hausarbeit, 2021

11 Seiten, Note: 2,6


Leseprobe

HA: Über die Funktion von Brückensprachen bei der Vermittlung von DaF bzw. DaZ, insbesondere in der Arbeit mit syrischen Flüchtlingen / Muttersprachlern

Gliederung/Einleitung

Wer als Lehrkraft bereits vor der Aufgabe stand, Deutsch oder eine andere Fremdsprache zu vermitteln, wird die Problematik in der unterrichtlichen Praxis recht zügig bemerken. Stehen sich der oder die Lehrende und die Lerngruppe dabei gegenüber ohne elementare Kenntnisse der Muttersprache des anderen, steht auf sprachlicher Ebene so gut wie kein Schnittpunkt bei der Vermittlung der zur Aufgabe gestellten Fremdsprache zur Verfügung. Es bleibt einzig die Kommunikation über Gesten, Symbole und exemplarische Gegenstände.

Diese Situation bricht sofort auf, wenn sich herausstellt, dass es eine dritte Sprache, eine Brückensprache, gibt, welche sowohl der Lehrende wie auch die Lernenden beherrschen – unmittelbar ergibt sich die Gelegenheit, die riesigen sprachlichen Lücken, welche durch die gegenseitige fehlende Beherrschung der jeweils anderen Muttersprache bestehen, durch flüssige, griffige Umschreibungen des Gesuchten in der von beiden Parteien beherrschten Drittsprache zu formulieren.

1.Historische Ursprünge der Vermittlung von DaZ & DaF

Die Professionalisierung von Deutsch als Fremdsprache entwickelte sich parallel sowohl in der BRD als auch in der DDR. Ausschlaggebend war eine steigende Zahl ausländischer Studenten wie auch eine erhöhte Zahl an Einwanderern im westlichen Teil als Gastarbeiter. Dies zeitigte unmittelbar eine hohe Zahl an ausgebildeten Lehrkräften, welche an neu gegründeten Fachbereichen und Instituten der Universitäten ausgebildet wurden. Derzeit kennt die Arbeitsstelle Kleine Fächer, Stand Juni 2019, 26 eigenständige Lehrstühle an 23 deutschen Universitäten.1

Das erste Institut für Auslandsstudium wurde 1961 an der Universität Leipzig gegründet. Geleitet wurde es von Gerhard Helbig. Die Aufgabe des Instituts war es, ausländische Studierende auf ein Fachstudium in Deutschland sprachlich angemessen vorzubereiten. Vergleichbares bot die Universität Heidelberg dann ab 1970 an, 1975 folgte Hamburg, ab 1978 die Universitäten München und Bielefeld. 1997 zählte man dann bereits 14

entsprechende Lehrstühle an deutsche Universitäten.2

2. Definition grundlegender Begriffe zur Fragestellung

2.1. Brückensprachen

Ähnlichkeiten in Wortbeständen und grammatikalischen Strukturen zwischen verschiedenen Sprachen können als Brücke zur Vermittlung und Übersetzung dienen. Dies greift insbesondere, wenn die Muttersprachen zwischen Lehrenden und Schülern wechselseitig der anderen Seite nicht bekannt sind. Über die sprachlichen Ähnlichkeiten, in Grammatik wie Wortschatz, mit einer dritten (oder vierten) Sprache, welche beiden Seiten bekannt ist, kann sich die zu vermittelnde Sprache des Unterrichts erschlossen werden.3

2.2. DaF bzw. DaZ

Von der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache, DaF, spricht man allgemein, wenn Deutsch im Ausland an Interessierte vermittelt wird. Von Deutsch als Zweitsprache, DaZ, ist hingegen die Rede, wenn Deutsch an anderssprachige Muttersprachler in einem deutschsprachigen Land vermittelt wird und im alltäglichen Gebrauch notwendig ist.4

2.3.Muttersprache

Als Muttersprache bezeichnet man die erste Sprache, welche ein Kind ohne formellen Unterricht intuitiv erlernt, vermittelt von den Eltern als engen Bezugspersonen und im alltäglichen Gebrauch ist.5

2.4. Syrische Flüchtlinge, geographische und historische Ursprünge

Das Schlagwort der „syrischen Flüchtlinge“ entstand 2015, nachdem aufgrund verschärfter kriegerischer Auseinandersetzungen in dem Land mehr als eine Million Menschen mehrheitlich zu Fuss auf dem Landweg aufmachten, um nach Zentraleuropa zu gelangen. Binnen Kurzem wurden für diese Vielzahl an Neuangekommenen, welche in Deutschland Zuflucht fanden, Sprachkurse des Deutschen organisiert, um diesen für die Bewältigung des Alltags die Grundstrukturen und Schlüsselbegriffe der Sprache zu vermitteln.

Es bleibt jedoch ein Schlagwort, weil die Gruppe der Flüchtenden nicht kohärent aus syrischen Staatsbürgern bestand, sondern etwa auch Irakis oder Einwohner aus den autonomen kurdischen Siedlungsgebieten darunter waren und sich in den Sprachkursen wieder fanden. Es zeigte sich in der Praxis, dass jede dieser Gruppen mit ganz unterschiedlichen Sprachkenntnissen in weiteren Sprachen gesegnet waren, welche im Unterricht als Brückensprache genutzt werden konnten.

3.Praxis der Sprachvermittlung des Deutschen als Zweit- bzw. Fremdsprache

Wie bereits erwähnt unterscheidet man fachlich zwischen der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache, DaF, welche die Vermittlung der Sprache grundsätzlich im Ausland erfasst, und die Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache, DaZ, welche sich auf die Vermittlung des Deutschen in einem deutschsprachigen Land bezieht an hier lebende Flüchtlinge, Ausländer, Arbeitsmigranten und Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Elementar ist dabei die Bedeutung des Deutschen für die Bewältigung des Alltags .6

4.Praktische Erfahrungen bei der Fremdsprachenvermittlung im Kontext von Brückensprachen

Brückensprachen spielen natürlich nicht nur bei der Vermittlung des Deutschen eine Rolle. So berichtet Zuzanna Czerwonka etwa von Der Sprachvermittlung des Niederländischen an polnischen Universitäten. Statistisch belegt ist, dass die Mehrheit der Fachstudenten Niederländisch nicht im familiären Umfeld erlernt haben als Kind, sondern das Erlernen erst im Erwachsenenalter anstreben. Zwischen dem Polnischen und dem Niederländischen gibt es grosse Unterschiede im Bereich der Phonetik. So gibt es im Polnischen keine prädorsalen gerundeten Vokale (y) (ö).

Wer deshalb Niederländisch an einer polnischen Universität studieren möchte, muss fortgeschrittene Kenntnisse im Englischen und im Deutschen nachweisen. Als germanische Sprachen geben beide dem idR. Polnischen Muttersprachler bereits das Phonemwerkzeug an die Hand, das Polnisch nicht bietet, und ihm beim Erlernen des Niederländischen ein wichtiger Schlüssel sein wird.

Sehr hilfreich haben sich Brückensprachen auch beim sog. „Helfer-Prinzip“ bewährt. Stehen Lehrendem und Lernenden keine unmittelbare Brückensprache zur Verfügung, so wird erst einmal das Unterrichtsgespräch angestrebt. In diesem Kontext helfen, ganz klassisch, die Erfahreneren den weniger Geübten, dh. die, die es kapiert haben, springen spontan als Übersetzer für ihre Landsleute ein. In diesem Falle übernimmt die zu vermittelnde Sprache die Brückenfunktion für die bereits Geübteren, die sich in ihrem Fortschritt bereits bestätigt fühlen und diesen weiter ausbauen können.

In einem weiteren Beispiel aus der Praxis besteht der Autor Michael Schmitz aus Berlin für die Kunden seiner Deutschkurse darauf, dass alle Beteiligten ausreichende Englischkenntnisse haben. Das Resultat sind hochzufriedene Kunden, sowie die Gewissheit, dass alle Beteiligten das lateinische Alphabet beherrschen.

Des Weiteren gibt Schmitz seinen Lernenden eine doppelte englische Liste an die Hand mit Übersetzung der deutschen Sätze: „Eine normale und eine wörtliche. So wissen sie nicht nur, was gemein ist, sondern auch wie es auf Deutsch gesagt ist, Beispiel:“7

Deutsch Was ist gemeint? Wie ist es konstruiert?

Ich muss Deutsch lernen. I must learn German. I must German learn.

Wie spät ist es? What’s the time? How late is it?

Wenn es sein muss. If it must be. I fit be must.

Und stehen dem Lehrenden bei seiner Arbeit keine Brückensprachen zur Verfügung? „Dann müssen wir eben langsamer vorgehen. (…) Hauptsache ist, man kommt irgendwie ins Gespräch!“ Etwa durch zwei Würfel, das Benennen und Addieren von Zahlen, Buchstabenlieder oder dem Benennen von Körperteilen.“8

[...]


1 https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_als_Fremdsprache (abgerufen am 7.7.2021)

2 https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_als_Fremdsprache (abgerufen am 7.7.2021)

3 http://www.m-liedke.de/index.php/vortraege-und-projekte/17-interkomprehension/20-interkomprehension#:~:text=Interkomprehension%20%2D%20Deutsch%20als%20Br%C3%BCckensprache,-Wer%20Deutsch%20kann&text=Als%20Interkomprehension%20bezeichnet%20man%20die,sich%20beim%20Lernen%20zunutze%20machen. (abgerufen am 7.7.2021).

4 https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_als_Fremdsprache (abgerufen am 7.7.2021)

5 https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_als_Fremdsprache (abgerufen am 7.7.2021)

6 https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_als_Fremdsprache (abgerufen 7.7.2021)

7 Butzkamm, Wolfgang: Fremdsprachendidaktik u. Spracherwerb, Vorschläge zum Spracherwerb mit

Migranten, S. 8/24.

8 Butzkamm, Wolfgang: Fremdsprachendidaktik u. Spracherwerb, Vorschläge zum Spracherwerb mit

Migranten, S. 9/24.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Über die Funktion von Brückensprachen bei der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache/ Zweitsprache (DaF/ DaZ) an arabische Muttersprachler
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Germanistik)
Note
2,6
Autor
Jahr
2021
Seiten
11
Katalognummer
V1059773
ISBN (eBook)
9783346472045
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über, funktion, brückensprachen, vermittlung, deutsch, fremdsprache/, zweitsprache, daf/, muttersprachler
Arbeit zitieren
Nils Oliver Berger (Autor), 2021, Über die Funktion von Brückensprachen bei der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache/ Zweitsprache (DaF/ DaZ) an arabische Muttersprachler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1059773

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