Trickfilm in der Grundschule. Produktion eines Legetrickfilms (4. Klasse)


Seminararbeit, 2018

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und aktuelle Relevanz
1.2 Ziele und Aufbau dieser Arbeit
1.3 Aktueller Forschungsstand

2 Konzeption / didaktische Analyse
2.1 Medienkompetenz als Bildungsauftrag
2.2 Trickfilm - Beleuchtung der Sache
2.3 Trickfilmtechniken
2.4 Planung der Unterrichtseinheit
2.4.1 Vorüberlegungen
2.4.2 Vorgehensweise
2.5 BezugzumBildungsplan

3 Pädagogische Praxis 15
3.1 Potentiale aktiver Medienarbeit
3.2 ChancenundRisiken

4 Reflexion

5 Literaturverzeichnis
5.1 Internetquellen

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und aktuelle Relevanz

Der Umgang mit verschiedenen medialen Ausprägungen ist in schulischen Lehr- und Lernkontexten nicht mehr wegzudenken. Medien bestimmen den Alltag von Kindern und Jugendlichen und sind ein Teil ihrer umgebenden Kultur. Ihre Lebenswelt ist stark geprägt von multimedialen Erfahrungsräumen, die verschiedene Zugänge für eine individuelle Welterschließung ermöglichen und gleichermaßen als Handlungsorientierung dienen - bewusst oder unbewusst, z. B. in Form von Bildern, Texten, Filmen oder Fotos, die in der umgebenden Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen verankert sind.

Es verwundert daher nicht, dass auch das Thema der Medienbildung und damit die aktive Auseinandersetzung mit den Anforderungen einer technologischen Kulturlandschaft einen gewichtigen Stellenwert in der Schulbildung eingenommen hat. Spätestens seit dem Beschluss der Kultusministerkonferenz im Jahr 2012 steht fest: „Medienbildung gehört zum Bildungsauftrag der Schule, denn Medienkompetenz ist neben Lesen, Rechnen und Schreiben eine weitere wichtige Kulturtechnik geworden.“' 1 Die Ansprüche an medial gestützter Bildung sind hoch. Sie dient dem Erwerb von Medienkompetenz und wird als neue Schlüsselqualifikation für eine erfolgreiche Lebensführung angesehen.2 Ein zentrales medienpädagogisches Anliegen ist hierbei die Förderung eines kritisch-reflexiven Blickes auf die rasant entwickelnde Medienlandschaft, darunter versteht man u. a. die Vermittlung von Medienwissen, das Erlernen von Medientechniken, das Verstehen von Medieninhalten und die kreative Nutzung von Medien3.

Mit Blick auf gegenwärtige Mediengesellschaften fordern Scheer & Wachter bereits für die Primarstufe eine intensive Förderung des Umgangs mit Medien. Nur so können ausreichend Handlungskompetenzen entwickelt werden, die der zunehmenden Digitalisierung in Lebens- und Arbeitswelten gerecht werden.4

Das Angebot an medialen Formen scheint vielfältiger denn je und ist aufgrund des rasanten technologischen Wandels kaum noch zu überblicken. Für Kinder scheint jedoch ein Medium leitend zu sein - das Fernsehen. Besondere Bedeutung kommt hierbei fantastisch angelegten Programminhalten in Form von Trickfilmen zu.

1.2 Ziele und Aufbau dieser Arbeit

Diese Arbeit beschäftigt sich im Folgenden mit dem Medium des Trickfilms als Unterrichtsgegenstand in der Primarstufe und versucht der Frage nachzugehen, welcher didaktische Mehrwert sich für unterrichtliche Prozesse durch die Einbindung eines Trickfilmprojektes - im Sinne aktiver Medienarbeit - ergibt.

Zu Beginn dieser Arbeit werden die Begriffe Medienkompetenz und Trickfilm näher beleuchtet. Im Anschluss daran wird die Unterrichtskonzeption hinsichtlich ihrer Planung, Vorüberlegungen und deren Bezüge zum aktuellen Bildungsplan dargestellt. Abschließend werden Implikationen für die pädagogische Praxis aufgezeigt und ein Fazit formuliert.

1.3 AktuellerForschungsstand

Bereits in frühen Jahren nimmt das Fernsehen im Entwicklungsprozess der Kinder eine tragende Rolle ein. Nach Angaben der miniKIM-Studie, welche vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest regelmäßig durchgeführt wird, gewinnt das Fernsehen für Kinder ab 4 Jahren neben dem Medium Buch zunehmend an Bedeutung. Während etwa 20% der Kinder im Alter von 2 bis 3 Jahren noch keine Fernseherfahrungen vorzuweisen haben, sind es im Alter von 4 bis 5 Jahren nur noch lediglich 7%. Durchschnittlich machen Kinder im Alter von 2,1 Jahren erste Rezeptionserfahrungen mit dem Medium des bewegten Bildes.5

Es wird deutlich, dass anfängliche Begegnungen mit den Inhalten des Mediums Fernsehen in einer frühen Phase der kindlichen Entwicklung eine große Relevanz einnehmen.

Dies wird mit Blick aufdie anknüpfende Datenlage der KIM-Studie, welche Daten zur Mediennutzung von 6- bis 13-jährigen Kindern und Jugendlichen erhebt, noch deutlicher. Nahezu in allen Haushalten sind Fernsehgeräte vorzufinden, zudem besitzen knapp ein Drittel aller Mädchen und Jungen einen eigenen Fernseher (36% Mädchen, 37% Jungen). Von den Befragten gaben 77% an, täglich Fernsehinhalte zu konsumieren, 19% tun dies ein- oder mehrmals die Woche. Lediglich eine Minorität von 4% hat bisher noch keine audiovisuellen Erfahrungen vorzuweisen.6

Fernsehen zählt zu den wichtigsten Medientätigkeiten der Kinder. Neben realistischen Sendungen machen fantastisch ausgeschmückte Darstellungsformen einen wesentlichen Anteil des Filmangebotes aus. Bei der Frage nach den Lieblingssendungen gaben die Kinder mit ,Die Simpsons“, ,Spongebob Schwammkopf“, ,Barbie“ oder ,Tom und Jerry“ eine Vielzahl von Trickfilmangeboten an.7 Gleiches gilt auch für die industriellen Filmproduktionen. Das Kinoprogramm für das jüngere Publikum bestand im Jahr 2017 neben vereinzelten realistischen Filmen hauptsächlich aus Animations- und Trickfilmen (,Ritter Rost“, ,Feuerwehrman Sam“, ,The LEGO Batman Movie“, ,Die Schlümpfe“, ,Boss Baby“ u. a.)8. Ein Blick auf die Bestsellerliste .Kinder und Familie“ des großen Onlinehändlers Amazon - über die meist gekauften Kinderfilme - gestaltet sich ähnlich. Hier landen vor allem Trick- und Animationsfilme im Warenkorb und dienen der Ausgestaltung von heimischen Familienabenden.9

Die Studie zur Fernsehprogrammanalyse von 6- bis 13-Jähringen Kindern und Jugendlichen von Raabe/ Rummler/ Seipold zeigt auf, dass filmische Fernsehinhalte dabei nicht nur eine reine Unterhaltungsfunktion einnehmen, sondern als wesentlicher Teil einer kulturellen Welt gleichermaßen eine Orientierungshilfe sind und einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung leisten. Fernsehen bietet Heranwachsenden mit seinen fantastischen und alltäglichen Geschichten eine wichtige Bezugsquelle zur Ausbildung von Handlungs- und Denkmustern.10

Im hohen Maße identifizieren sich Kinder mit den in Filmen verankerten Protagonisten. Bei der Frage nach medialen Vorbildern in der KIM-Studie gaben 39% aller befragten Kinder an, dass sie besonders für eine Person aus dem Bereich TV/Film schwärmen. Aus dem Bereich der fiktiv-medialen Idole stammen diese überwiegend von Disneyfiguren ab. Unter den Nennungen zählen bspw. Elsa die Eiskönigin, Spiderman und Barbie.11

Das Fernsehen kann als Leitmedium bezeichnet werden, welches mit seinen fiktionalen und realistischen Inhalten im Kindesalter eine tragende Rolle in der Mediensozialisation einnimmt. Die Befunde aktueller Studien zeigen auf, dass explizit Trickfilme beim Aufwachsen von Kindern eine große Rolle spielen. Anzumerken ist hierbei, dass Kinder und Jugendliche bewusst verschiedene Medien für eine Informationsaneignung nutzen12. Fernsehinhalte werden nicht mehr nur über das Medium Fernsehen bezogen, sondern auch über digital vernetzte Angebote konsumiert (Netflix, YouTube, Mediatheken u. a.)13.

2 Konzeption / didaktische Analyse

2.1 Medienkompetenz als Bildungsauftrag

Medienpädagogische Bemühungen im unterrichtlichen Handeln haben das Ziel der Ausbildung einer Medienkompetenz bei den Kindern und Jugendlichen. Für eine umfassende wissenschaftliche Betrachtung ist es von Relevanz, den im Alltag selbstverständlichen Terminus genauer in den Blick zu nehmen. Dies gilt vor allem für die didaktische Einbettung, denn vorliegende Theorien bilden die Basis für das schulpraktische Handeln, orientiert sich dieses an den in den Theorien formulierten Sachverhalten.

Eine einheitliche Beschreibung des Begriffes ist in der Literatur nicht vorzufinden, vielmehr handelt es sich dabei um ein sehr umfassendes Konstrukt. Oftmals versucht der Terminus Medienkompetenz alle vorhandenen Medien gleichermaßen einzubinden, was sich mit Blick auf die Vielzahl der vorhandenen medialen Formen als schwierig erweist.

In dieser Arbeit wird Medienkompetenz nach Baacke definiert. Er versteht unter Medienkompetenz „[...] die Fähigkeit, Medien und die dadurch vermittelten Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend effektiv nutzen zu können.“ 14 Medienkompetenz ist für ihn die Antwort auf die Frage, wie Menschen sich in einer immer komplexer werdenden Welt der Medien zurechtfinden und diese zielführend für die eigene Lebensführung nutzen können. Seiner Ansicht nach entfaltet sich Medienkompetenz auf vier verschiedenen Feldern: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. Unter diesen differenziert er nochmals in eine vermittelnde Dimension (Medienkritik, Medienkunde) und einer handelnden Dimension (Mediennutzung, Mediengestaltung).15

2.2 Trickfilm - Beleuchtung der Sache

Trickfilm ist nicht gleich Trickfilm. Unter dem Begriff des Trickfilms versteht man verschiedene „heterogene Phänomene“ 15. In einer Untersuchung des Mediums wirft Friedrich die Frage ein, ob eine genaue Zuweisung eines Genres überhaupt möglich sei, da es bei Trickfilmformaten kaum16 einheitliche Charakteristika und eindeutige Erkennungsmerkmale gibt, wie es bspw. im Realfilm der Fall ist (Figurenkonstellationen, Handlungsmuster usw.)17. Die mit der Genese des bewegten Bildes produzierten Trickfilme, zeichneten sich nach Thiele durch ihre Kürze, den Verzicht auf logische Handlungsabfolgen, witzigen Situationen und Überraschungsmomente aus 18. Erst Disney konstruierte im Jahr 1941 mit dem Trickfilm ,Dumbo‘ bewusste Handlungsstränge und löste sich von der reinen Unterhaltungsintention ab.19

Gegenwärtig sind Trickfilmformate sehr verschieden. Sie sind wiederzufinden in eigens produzierten Trickfilmen für Kino und Fernsehen, in Werbespots im Bereich des Marketings und erstrecken sich ebenso in computergenerierten Szenerien (3D Animation). Auf der künstlerisch-gestalterischen Ebene sind kaum Parallelen zu den einzelnen Trickumsetzungen auszumachen. Betrachtet man jedoch das Fundament ihrer Umsetzung, sind Gemeinsamkeiten innerhalb des Entstehungsprozesses erkennbar. Der Kern des Trickfilms ergibt sich durch das scheinbar in Bewegung setzen lebloser Objekte zu einem flüssigen Bewegungsablauf20. Der Begriff Trickfilm stammt dem lateinischen Wort ,animare‘ ab, was ,Leben einhauchen“/ zum ,Leben erwecken“ bedeutet21, oder auch unter dem Wort Animation bekannt ist. Damit ist jedoch keine genaue Differenzierung gegenüber dem Realfilm möglich, da dieser gleichermaßen Einzelbildern als Ausgangslagefilmischer Darstellung nutzt22. Pfeffer spezifiziert daher die initiierte Bewegung im Trickfilm, welche bewusst auf Anthropomorphismen zurückgreift23. Darunter versteht man die Vermenschlichung nicht menschlicher Objekte, die Zuschreibung menschenähnlicher Eigenschaften, wie sie in Trickfilmfiguren wiederzufinden ist (Bambi, Dumbo, Micky Maus u. a.). Im Trickfilm kann Unmögliches zur Realität werden. Genau diese Gegebenheit fasziniert die Kinder und ermöglicht imaginative Prozesse bei der Verwirklichung eigener Ideen.

Trickfilme beruhen auf einer visuellen Wahrnehmungstäuschung, welche durch die Trägheit des Auges begünstigt wird. Diese scheinbar automatische Bewegung aneinandergereihter Bilder bezeichnet man auch als Stroboskopeffekt. Das Gefühl einer flüssigen Bewegung wird ab 12 Bildern pro Sekunde erzeugt, ab 24 Bildern pro Sekunde wirken diese absolut flüssig und gleichen sich den realen Sehgewohnheiten an.24

2.3 Trickfilmtechniken

In der Trickfilmproduktion unterscheidet man verschiedene Herstellungsverfahren eines scheinbar flüssigen Bewegungsablaufes. Die Auswahl erfolgte mit Blick auf die in der pädagogischen Praxis relevanten Produktionsverfahren in der Grundschule - computerbasierte Bewegungsabläufe werden aufgrund ihrer technischen Komplexität ausgespart.

Legetricktechnik: Die Legetechnik beruht auf einer zweidimensionalen Bewegung. Dazu werden gebastelte oder gezeichnete Figuren auf einer Hintergrundfläche kleinschrittig verschoben. Zwischen jeder Positionsänderung der Objekte erfolgt eine Einzelbildaufnahme der Szenerie. Nachträglich wird durch die Aneinanderreihung der Einzelbilder eine sichtbare Bewegung erzeugt.

Der Vorteil dieser Technik liegt in der recht einfachen Verschiebeanimation und ist im Besonderen für den Primarschulbereich geeignet.

[...]


1 KMK (2012: 9)

2 Vgl. Staatsministerium Baden-Württemberg (2016: 13)

3 Vgl. Süss etal. (2013: 16)

4 Vgl. Scheer & Wachter (2018: 14)

5 Vgl. MPFS (2015: 12)

6 Vgl. MPFS (2017: 10)

7 Vgl. MPFS (2017: 44)

8 Aufgerufene Daten von Kino.de in der Rubrik ,Die besten Kinder- und Familienfilme‘. Zugriff am 03.10.2018: https://www.kino.de/filme/genres/kinder-familienfilm/

9 Bestsellerliste aufAmazon basiert aufVerkaufszahlen und wird täglich aktualisiert. Zugriffam 07.10.2018: https://www.amazon.de/gp/bestsellers/dvd-de/9840056031/ref=zg_bs_nav_d_1_d

10 Vgl. Raabe etal. (2007:2-7)

11 Vgl. MPFS (2017: 20)

12 Wagner (2011)

13 Vgl. MPFS (2017: 36)

14 Baacke(1999:31)

15 Vgl. Baacke (2007: 98)

16 Maiwald & Josting (2010: 13)

17 Vgl. Friedrich (2007: 9)

18 Vgl. Thiele (1981:25)

19 Vgl. Römmelt (2017:23)

20 Vgl. Friedrich (2007: 10)

21 „animieren“ auf Duden online. Zugriff am 23.10.2018: https://www.duden.de/rechtschreibung/animieren

22 Vgl. Friedrich (2007: 9)

23 Vgl. Pfeffer (2012: 316)

24 Vgl. LandesanstaltfürKommunikationBaden-Württemberg (2016: 7)

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Trickfilm in der Grundschule. Produktion eines Legetrickfilms (4. Klasse)
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
25
Katalognummer
V1059994
ISBN (eBook)
9783346474421
ISBN (Buch)
9783346474438
Sprache
Deutsch
Schlagworte
trickfilm, grundschule, produktion, legetrickfilms, klasse
Arbeit zitieren
Daniel Gottschalk (Autor:in), 2018, Trickfilm in der Grundschule. Produktion eines Legetrickfilms (4. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1059994

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