Todesnähe-Erfahrungen im Vergleich mit neutestamentlichen Aussagen zu einem Leben nach dem Tod


Hausarbeit, 2000

19 Seiten, Note: 1,5


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Tod des Menschen
2.1 Der Hirntod
2.2 Herz-Kreislauf-Stllstand

3. Todesnähe-Erfahrungen

4. Das Neue Testament und der Himmel
4.1 Jesus und die Auferstehung
4.2 Paulus und die Auferstehung
4.3 Die Offenbarung und der Himmel

5. Vergleich zwischen Todesnähe-Erfahrungen und den biblischen Aussagen

6. Konsequenzen

7. Zusammenfassung

1. Einleitung

Was kommt nach dem Tod? Was ist das ewige Leben? Gibt es das überhaupt und gibt es Beweise für ein Leben nach dem Tod? Mit solchen existentiellen Fragen beschäftigen sich die Menschen schon seit Anbeginn unserer Zeit. Auch heute beschäftigt diese Frage die Menschen und es gibt sehr unterschiedliche Vorstellungen über ein Leben nach dem Tod.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit Berichten von Menschen, die von Grenzerfahrungen nach dem Tod sprechen können und mit den Erkenntnissen, die die heutige, noch recht junge, Todesnähe-Forschung,1 auch die Thanatologie genannt, hervorgebracht hat. Diese Berichte sollen näher geschildert werden und ihre Merkmale einem Vergleich mit den neutestamentlichen Aussagen über ein Leben nach dem Tod unterzogen werden. Wir werden zu erstaunlichen Parallelen kommen, werden aber diesen Vergleich auch kritisch hinterfragen müssen und seine Rechtfertigung prüfen. Es muß auch die Frage gestellt werden, ob man die wissenschaftlichen Ergebnisse auch als einen Beweis für die neutestamentlichen Aussagen nehmen kann.

2. Der Tod des Menschen

Was ist eigentlich Tod? Wie ist er definiert? Und wann ist ein Mensch tot?

Über diese Problemstellungen gibt es schon seit längerer Zeit heftige Diskussionen und sie beschäftigt Ärzte, Theologen, ja die Menschen allgemein.

Es stellt sich die Frage, ob ein Mensch, der auf der Intensivstation nur noch durch Maschinen am Leben erhalten werden kann, tatsächlich noch lebt oder ob nur seine Organe funktionieren, ohne daß sein Bewußtsein vorhanden wäre. Wie ist mit dem Körper eines Menschen umzugehen, dessen Organe zwar noch funktionsfähig sind, dessen Gehirn aber keinerlei Hirnströme mehr aufweist, woraufhin dann der klinische Tod eingetroffen wäre? Besonders im Bereich der Organtransplantation ist dies eine wichtige ethische Frage.2

Man stellt schnell fest, daß mit dem Tod der leibliche Tod, der Tod des Körpers eines Menschen, gemeint ist, nicht aber der Tod der Seele.3 Auch zahlreiche andere Überlegungen führen zu dem Schluß, daß mit dem Tod nicht der Tod der Seele gemeint sein kann.4 Werner Trutwin stellt in seinem Buch „Ewiges Leben“ aus der Reihe „Forum Religion“ verschiedene Denktraditionen über die Unsterblichkeit der Seele vor. Als Beispiel soll hier die moralische Denktradition erwähnt werden. Trutwin schreibt: „Das Sittengesetz verlangt von uns ein Handeln, das unserem Leben oft nicht nützlich ist und uns manchmal sogar das Leben kosten kann. [...] Diese unbedingten Forderungen wären sinnlos und würden auch nicht realisiert, wenn wir nicht auf ein Leben nach dem Tod hoffen könnten.“5 Zwar spricht diese Denktradition nicht eindeutig aus, daß es eine Seele gibt, geht aber zumindest von einer Existenz nach dem Tode aus.

Bevor wir aber die Frage nach der Seele näher untersuchen werden - und damit kommen wir auch zu den mittlerweile näher erforschten Todesnähe-Erfahrungen - wollen wir zunächst klarstellen, was unter dem physischen Tod im medizinischen Sinne gemeint ist. Dabei müssen wir den Tod in zwei Kategorien unterteilen, nämlich den Hirntod, der auch als klinischer Tod bezeichnet wird, und dem biologischen Tod bzw. dem Herz-Kreislauf-Stillstand. Dies geschieht in Rücksicht auf die später noch behandelten Nach-Todes-Erfahrungen.

2.1 Der Hirntod oder der klinische Tod

Der Hirntod wird nach Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer „als Zustand des irreversiblen Erloschenseins der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms bei einer durch kontrollierte Beatmung noch aufrechterhaltenen Herz-Kreislauf-Funktion...“ bezeichnet.6 Bei einem eingetroffenen Hirntod wird das Gehirn nicht mehr mit Blut und Sauerstoff versorgt, wobei die Hirnzellen, vor allem in dem für den Menschen wichtigsten Bereich des Gehirns, absterben. Es besteht allerdings die Forderung, daß als Hirntod nur der Ganzhirntod zu definieren ist, was zur Folge hat, daß ein Teilhirntod, z.B. der Ausfall des Hirnstamms, nicht als Hirntod zu rechnen ist. Die Bundesärztekammer legte auch ein eindeutiges Diagnoseschema fest, nach dem ein kompletter Hirntod festgestellt wird. Diese Feststellung umfaßt dabei mehrere Einzeluntersuchungen, die in ihrer Gesamtheit den Hirntod feststellen müssen. Für die Diagnose eines Hirntods reicht eine Einzeluntersuchung nicht aus.7

2.2 Der biologische Tod oder der Herz-Kreislauf-Stillstand

Eigentlich ist der Begriff „biologischer“ Tod irreführend, da auch der Hirntod als solcher ein biologischer ist. Daher soll auf die Bezeichnung „Herz-Kreislauf-Stillstand“ zurückgegriffen werden.

Es handelt sich hierbei um den Stillstand des Herzens und des Kreislaufs. Das Herz schlägt in diesem Zustand nicht mehr, versorgt den Körper und dessen Organe nicht mehr mit Sauerstoff, wodurch diese Organe absterben. Es tritt der Stillstand des Kreislaufes ein. Treffen beide Todesarten bei einem Menschen zum gleichen Zeitpunkt ein, so ist von seinem endgültigen Tod auszugehen.

3. Todesnähe-Erfahrungen

Dieser Bereich ist in den letzten Jahren umfangreich und intensiv erforscht worden und es gibt zahlreiche Studien und Ergebnisse dazu. Eine umfangreiche Studie haben wir bei Raymond Moody, auf dessen Ausführungen ich mich bei dieser Arbeit stütze.8 In seinem Buch „Leben nach dem Tod“ hat Moody zahlreiche Zeugenberichte geschildert, die versuchen, Todesnähe-Erfahrungen zu schildern. In diesen Schilderungen tauchen immer wieder dieselben Merkmale auf. So berichten viele Zeugen, daß sie nach dem Tod ihren Körper verlassen und durch einen Tunnel einem hellem Licht entgegengehen. Dabei werden sie von geisterhaften Wesen begleitet oder von Gestalten, die sich als verstorbene Verwandte und Bekannte herausstellen, willkommen geheißen werden. Es ist auffallend, daß die Gestorbenen nach dem Verlassen des Körpers eine Art Geistwesen sind. Sie nehmen ihre Umwelt weiterhin wahr, wenn auch anders als mit den fünf Sinnen des Menschen. Sie sehen ihren Körper und ihre Umwelt als Außenstehender, als Beobachter, ohne selbst sichtbar für die anderen zu sein. Sie können auf ihre Umwelt auch keinen Einfluß ausüben. Ich möchte später noch einmal näher auf diese Phänomene eingehen, werde aber zunächst einen Bericht aus dem Buch „Leben nach Tod“ zur Veranschaulichung zitieren: „Ungefähr vor einem Jahr wurde ich wegen Herzbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert. Als ich am nächsten Morgen [...] im Bett lag, spürte ich auf einmal einen sehr heftigen Schmerz in der Brust. Ich drückte auf dem Knopf neben dem Bett, um die Schwestern zu rufen, und sie kamen herbei und begannen, sich um mich zu kümmern. Da ich es auf dem Rücken kaum aushalten konnte, drehte ich mich herum, und dabei stockte mir der Atem, und der Herzschlag blieb weg. Im selben Augenblick hörte ich die Schwester sagen „Herzstillstand!“ Ich fühlte, wie ich aus meinem Körper austrat und zwischen Matratze und Seitengitter des Bettes hinabglitt - es kam eigentlich eher so vor, als ob ich mich durch das Gitter hindurchbewegte -, bis ich am Boden ankam. Und von da an stieg ich ganz langsam in die Höhe. Während des Emporsteigens sah ich immer mehr Schwestern ins Zimmer gelaufen kommen, es müssen wohl etwa ein Dutzend gewesen sein. Sie riefen meinen Arzt, der sich gerade auf seiner Runde durchs Krankenhaus befand, und auch ihn sah ich hereinkommen. Ich dachte: „Was will er eigentlich hier?“ Ich wurde immer weiter hinaufgetrieben, an der Lampe vorbei - ich sah sie ganz deutlich von der Seite -, bis ich unter der Decke zum Stillstand kam; dort oben schwebend, blickte ich hinunter. Fast kam ich mir vor wie ein Stück Papier, das zur Decke hochgeblasen wurde. Von da oben sah ich zu, wie man mich wiederbelebte! Klar und deutlich bot sich mir mein Körper dar, wie er da unten ausgestreckt auf dem Bett lag, um das sie alle herumstanden. Eine Krankenschwester hörte ich sagen: „O Gott, sie ist tot!“, während eine andere sich hinunterbeugte, um mir Mund-zu-Mund- Beatmung zu geben. Dabei blickte ich ihr auf den Hinterkopf, [...]. Den Anblick werde ich nie vergessen. Und dann kamen sie mit ihrer Maschine an, und ich sah, wie sie mir die Elektroden auf die Brust setzten. Als sie mir den Schock gaben, konnte ich sehen, wie mein Körper förmlich vom Bett in die Höhe schnellte, und ich hörte sämtliche Knochen darin knacken und rucken. Das war wirklich furchtbar! Als ich sie da unten auf meinem Brustkorb klopfen und meine Arme und Beine reiben sah, dachte ich: „Warum geben sie sich bloß so viel Mühe, wo es mir dich jetzt so gut geht!“9

Von solchen Berichten gibt es sehr viele und die Forschung nimmt diese Phänomene mittlerweile sehr ernst. Es ist sehr auffallend, daß die meisten Menschen immer wieder ähnliche Dinge berichten.

Die Berichterstatter erzählen immer wieder von einem hellem Licht, das nicht blendet. Die Gestorbenen begegnen in diesem Licht einem Wesen, das Liebe und Wärme ausstrahlt. Das Wesen kommuniziert mit dem Gestorbenen in einer Sprache, die der irdischen nicht identisch ist. Hier taucht oft auf, daß das Wesen nach dem Leben fragt und somit eine Situation entsteht, in der sich der Gestorbene mit seinem Leben auseinandersetzt. Dabei geschieht es auch, daß das Leben in einer Art Film nochmals vorbeizieht.10 Viele empfinden bei dieser Rückschau, die sehr detailliert Situationen des Lebens zeigt, eine starke Reue, da neben Situationen, in denen nicht nur uneigennützig gehandelt wurde, auch solche dabei vorkommen, in denen selbstsüchtig gehandelt wurde.

Manche Menschen machen beim Sterben die Erfahrung, in der sie vor einer Schranke oder einer unsichtbaren Grenze stehen. Sie sehen jenseits der Grenze bekannte Gesichter, können sich aber nicht auf diese zubewegen. Sie merken, daß es noch nicht an der Zeit, diese Grenze zu überschreiten.11 Daran anschließend erfolgt die Rückkehr, bei der die Beteiligten wieder in ihren Körper, in ihr Leben, wieder zurückkehren. Die meisten Menschen bekommen nach solcher Todeserfahrung einen anderen Blick auf ihr Leben und auf das Leben anderer. Sehr oft erleben sie eine Horizonterweiterung oder sehen ihr Leben und ihren Tod in einem anderen Licht. Für viele ist es ein großes Bedürfnis geworden, sich Wissen anzueignen und die Zeit ihres Leben dazu zu nützen. Andere wiederum sorgen sich mehr um ihre Mitmenschen, da sie in ihrer Todeserfahrung festgestellt hatten, wie wichtig die Liebe unter den Menschen sei.12 Es stellt sich die Frage, wie mit solchen Phänomenen umgegangen werden soll. Es gibt Wissenschaftler, die gegen diese Phänomene argumentieren und sie als Halluzination bezeichnen.13 So vergleicht Ronald Siegel in seinem Artikel diese Nach-Todes- Erfahrungen mit den Bildern, die bei einem LSD-Trip auftreten können und setzt beide Erfahrungen gleich. Er scheut sich nicht davor, Todesnähe-Erfahrungen als unwirklich zu beurteilen, weil sie im Grunde nur Halluzinationen seien, die auch bei vollem Bewußtsein stattfinden könnten. Moody wehrt sich in seinem Buch gegen solche Argumente. Er schreibt, daß seine Berichterstatter sehr wohl in der Lage wären, Halluzination und erlebte Wirklichkeit auseinanderzuhalten. Ihre Erlebnisse nach ihrem Tod waren so wirklich, daß sie nach ihrer Wiederbelebung ihren Ärzten erzählen konnten, was bei ihrem Tod passiert wäre.14 Die Menschen unternahmen in ihrem Zustand nach dem Tod einige Versuche, ihre Umwelt zu beeinflussen, was ihnen auf Grund ihrer fehlenden stofflichen Konsistenz nicht gelang. Sie waren nicht in der Lage, Gegenstände anzufassen und zu benutzen. Sie griffen hindurch. Genauso waren sie aber auch in der Lage, durch Wände zu gehen und andere Hindernisse zu durchschreiten. Es fehlte die Möglichkeit, sich mit Umwelt, mit den Mitmenschen zu kommunizieren. Diese sehen und hören den „Toten“ nicht.15 Die authentischen Berichte der Gestorbenen darüber, was bei der Wiederbelebung passiert sei, sind erstaunlich, bestätigen aber die Aussage, daß die Sterbeerlebnisse nicht als Halluzination abgetan werden können.

Es kommt aber ein anderes Gegenargument in Frage, das genauso beachtet werden muß.

Sind diese Berichte denn wirklich klare und stichhaltige Argumente für eine Existenz nach dem Tod? Oder entzieht sich ihnen die Grundlage, wenn man beachtet, daß die Menschen nicht wirklich „tot“ waren?

Tatsache ist aber, daß unter den Befragten kein einziger dabei war, der hirntot war. Es lag „nur“ ein Herz-Kreislauf-Stillstand vor und durch die Wiederbelebungsmaßnahmen und der Herzmassage konnte verhindert werden, daß das Gehirn vollkommen zerstört wurde. Es gibt aber in den Berichten keinen Fall, bei dem bekannt war, daß er schon mehrere Tage tot war und danach wieder ins Leben zurückkam und über seine Erlebnisse während dieser Zeit berichtet hätte. Hier tut sich eine Grenze auf, über die man (bisher) nicht hinausgekommen ist. Dadurch läßt sich das Argument einbringen, daß man keine konkreten Vorstellungen darüber habe, was nach dem Tod kommt, weil ein solcher Fall nicht vorliegt.16

4. Das Neue Testament und der Himmel

Mit diesem Hintergrund möchte ich im Neuen Testament nach Parallelen suchen. Dabei werde ich verschiedene Vorstellungen des Neuen Testaments über den Himmel und dem Leben nach dem Tod darlegen. Dabei wird aber häufig der Begriff Auferstehung verwendet. Der herkömmliche Begriff „Himmel“ kommt in dieser Form im Neuen Testament eigentlich nicht vor.

4.1 Jesus und die Auferstehung

Jesus äußert sich in verschiedenen Streitgesprächen mit Schriftgelehrten über die Auferstehung. In Markus 12, 18-27 wird ein solches Gespräch geschildert, in dem Anhänger der Sadduzäer, einer religiösen und politisch interessierten Gruppe innerhalb des Judentums, die nicht an die Auferstehung der Toten glaubte, Jesus die Frage nach der Existenz der Ehe in der Auferstehung stellten, indem sie den Fall einer Frau schilderten, die als Witwe die sechs übrigen Brüder ihres Mannes heiraten mußte.

Jesus gab zur Antwort, daß es in der Auferstehung keine Ehe gäbe und die Menschen den Engeln gleich wären.17 Diese Existenzform geht nicht von einem physischen Leib, von einem stofflichen Körper aus.

Bei dieser Aussage Jesu wird klar, daß die Menschen bei der Auferstehung nicht über einen leiblichen Körper verfügen werden, sondern verwandelt werden. Da somit die Umstände, unter denen ein Mensch - wenn in solch einem Zustand von einem Menschen noch die Rede sein kann - existiert, ganz andere sind, als auf der Erde, wird ein Fortbestehen der Ehe damit hinfällig. Allein schon der körperliche Aspekt wie z.B. die Sexualität oder die Fortpflanzung und die damit verbundene Gründung von Familien ist dann nicht mehr gegeben.18

Die Toten kommen nach ihrem Sterben nicht in den Scheol, dem Totenreich, sondern befinden sich bei Gott. Da Gott für Jesus „nicht ein Gott der Toten, sondern ein Gott der Lebenden“19 ist, gleichzeitig aber der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist, können diese drei Personen nicht tot sein, sondern müssen auferstanden sein.20 Die Auferstehung gilt folglich also auch für alle, die an Gott glauben. Die Existenz ist nicht mehr durch bisherige soziale Beziehungen wie die Ehe oder den Verwandten geprägt, sondern durch religiöse Beziehungen. Gott, und auch der Erzvater Abraham, stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Auf diese Personen konzentriert sich das himmlische Leben. Diesen Anschauungen entspricht das Gleichnis vom armen Lazarus und dem reichen Prasser. Aus diesem Gleichnis wird auch klar, daß es keine Auferstehung des Körpers gibt, sondern eine Auferstehung der Seele, wenngleich sie Schmerzen oder Wohlbefinden verspüren. Zwar kommt dem Körper in der biblischen Überlieferung als Schöpfung Gottes eine wichtige Rolle zu, in der Auferstehung ist er eher unwichtig.

4.2 Paulus und die Auferstehung

Bei der paulinischen Auffassung bleiben wesentliche Elemente, die schon bei Jesus auftraten, erhalten. So bleibt die Verwandlung des Körpers bei der Auferstehung. Paulus nennt das Ergebnis dieser Verwandlung den „geistlichen Leib“ oder den „Leib der Auferstehung“. Dieser Leib gleicht nicht mehr dem irdischen Leib und ist somit auch nicht materiell. Er wird keine Nachkommenschaft zeugen, „noch genießt er jene Annehmlichkeiten des irdischen Lebens.“21 Für Paulus sollte sich die Ankunft des Messias in der Wiederkunft Christi vollziehen, bei der nicht die gerechten Juden, sondern die Christen, die an diese Wiederkunft glaubten und an diesem Tag noch lebten, in den Himmel aufgenommen werden sollten. Bei dieser Aufnahme, die „plötzlich, in einem Augenblick“ geschehen soll, verwandelt sich der Körper in den geistigen Leib, der aus dieser Welt nichts mehr in den Himmel mitnehmen sollte.

Nachdem Christus auf der Erde das Gericht über die Christen durchgeführt hat, wird er die Herrschaft an den Vater abgeben und die Christen werden im Himmel bei Gott in seiner Gegenwart bleiben.22

Betrachtet man die Aussagen, die Paulus über den geistlichen Leib macht, so sieht man, daß Paulus Jesus in seinen Anschauungen nicht widerspricht, sondern diese ergänzt und verfeinert. Für beide war der Himmel ein Ort, der nicht den Gesetzen dieser Welt untergeordnet ist, sondern eine eigene Ordnung hatte. Gott stand im Mittelpunkt dieser Ordnung und auf Gott selbst richtete sich die gesamte Konzentration.

4.3 Die Offenbarung und der Himmel

In der Offenbarung des Johannes finden wir eine sehr detaillierte Vision des Himmels, die, genau wie bei Jesus und Paulus, ebenfalls von einer theozentrischen Ordnung ausgeht. Es ist für die Offenbarung bezeichnend, daß der Verfasser eine Fülle von Bildern benutzte, um seine Visionen annähernd zu beschreiben. Im vierten Kapitel ist vom Thron Gottes die Rede, das Wesen auf dem Thron „war anzusehen wie der Stein Jaspis und Sarder“23 Von den vier Gestalten um den Thron heißt es: „Und die erste Gestalt war gleich einem Löwen, die zweite Gestalt war gleich einem Tier, und die dritte Gestalt hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und die vierte Gestalt war gleich einem fliegenden Adler. Und eine jede der vier Gestalten hatte sechs Flügel, und sie waren innen und außen voller Augen, [...]“24 Es ist klar, daß diese Bilder nur Vergleiche sind, um die Erlebnisse des Visionärs einigermaßen zu schildern und in Worte zu fassen. Würden sie wörtlich genommen werden, würde die Vision ihren mystischen Charakter verlieren und die Objekte der Beschreibung, hier der Thron Gottes und die vier Gestalten, würden ihre Aussagekraft und ihre Bedeutung verlieren.

Um den Thron versammeln sich vierundzwanzig Älteste, bekrönt und in weißen Gewändern, die dem Wesen auf dem Thron „Preis, Ehre und Dank gaben“. Auch hier schlägt die theozentrische Ordnung des Himmels nieder, nur daß im Gegensatz zu Jesu’ Aussagen die Feier, die Liturgie und die Anbetung Gottes hinzukommen.25

5. Ein Vergleich zwischen Todesnähe-Erfahrungen und den biblischen Aussagen

Es wurden einerseits die Todesnähe-Erfahrungen, andererseits die neutestamentlichen Aussagen zu der Auferstehung und zu einem Himmelreich näher betrachtet. Es stellt sich die Frage, in welchem Zusammenhang die Sterbeerlebnisse zu den neutestamentlichen Aussagen stehen. Bestätigen diese Erfahrungen diese Aussagen überhaupt oder auch in Einzelheiten? Ist ein Vergleich zwischen beiden möglich und überhaupt gerechtfertigt? Gibt es Einwände gegen die neutestamentlichen Aussagen einerseits und den Sterbeerlebnisse andererseits?

Vergleicht man die Aussagen, die Jesus und Paulus gemacht haben, mit den Berichten der Menschen, die „gestorben“ waren, so stellt man fest, daß der „geistliche Leib“ bestätigt wird. Menschen erzählen von ihrem Zustand nach dem „Tod“, als sie auf ihr Krankenbett schauten. Es war ein nichtstofflicher Körper, ein „geistlicher Leib“26. Im Neuen Testament ist von diesem Gott die Rede, der liebevoll und fürsorglich ist. Menschen begegnen in ihren Sterbeerlebnisse einem Wesen, das ihnen Liebe und Wärme entgegenbringt. Viele Berichterstatter, vor allem wenn sie aus einem christlichen Hintergrund haben, verwenden für dieses Wesen den Begriff Gott. Tatsächlich fühlten sich viele Menschen bei dieser Begegnung so wohl und so geliebt, daß sie nicht mehr in ihr Leben zurückkehren wollten. Sie vergleichen diese Begegnung, auch wenn die Worte dazu nicht ausreichen, mit paradiesischen Zuständen.

Das Neue Testament geht davon aus, daß man sich nach dem Tod bei Gott befindet, und auch das Lichtwesen, sofern man dieses Wesen als Gott bezeichnen will, wird in den Berichten durch die Begegnung bestätigt.

Auch die Aussagen vom Gericht, das jeder Mensch nach seinem Tod erfahren wird, wird durch die Rückschau bestätigt. Allerdings geht diese Rückschau, die von vielen Berichterstattern auch als Gericht angesehen wird, nicht vom Lichtwesen aus, sondern findet in ihrem Innern statt.27 Dabei tritt in den Berichten immer wieder auf, daß die Gestorbenen vom Lichtwesen den Auftrag bekommen, nach ihrer Rückkehr die Menschen zu lieben und diese Liebe zu lernen, denn es gäbe nichts Wichtigeres als diese Liebe zu praktizieren. Auch bei Jesus tritt die Wichtigkeit der Liebe im Doppelgebot (Mt 22,37-39) ganz klar zutage, wobei hier auch ein Schwerpunkt auf die Liebe zu Gott gelegt wird.

Kommt man zu den Bildern der Hölle, wie sie die Bibel beschreibt, stellt sich die Frage, ob diese Vorstellungen einer Hölle auf die Sterbeerlebnisse zutreffen. Moody schreibt, daß er hier in keinem seiner Berichte eine Hölle nach bisherigen Vorstellungen vorkam bzw. daß ein Berichterstatter diese Hölle erlebt hätte. Tatsächlich schreibt Moody, daß er vielen Menschen begegnet ist, die verunsichert waren, daß in seinen Büchern kein einziger Bericht vorkam, der die biblischen Aussagen über eine Hölle und einem Jüngsten Gericht bestätigen würde.28

Spätestens hier beginnt der Vergleich zu schwanken und spätestens hier muß man sich die Frage stellen, ob dieser Vergleich gerechtfertigt ist. Können beide Aussagen wirklich miteinander verglichen werden?

Es ist einleuchtend, wenn man die Aussagen in der Bibel über den Himmel und die Auferstehung als Erklärungsversuche für eine Wirklichkeit, über die man nur Spekulationen machen kann, erkennt.29

Man kann die wissenschaftlichen Ergebnisse in der Todesnähe-Forschung nicht als Bestätigung für einzelne Aussagen der Bibel nehmen, weil die Berichte teilweise von den Aussagen der Bibel abweichen. (s.o.) und weil diese Berichte auch sonst mißbraucht werden würden, um eine Glaubensideologie bzw. eine Dogmatik zu festigen.

Andererseits kann man aber auch sagen, daß die Berichte eine Vorschau auf das seien, was nach dem Tod kommen könnte. Hans Küng schreibt in seinem Buch „Ewiges Leben?“, daß es bis jetzt noch nicht gelungen sei, die Existenz des ewigen Lebens deduktiv zu bewiesen. Allerdings sei ein induktives Bewahrheiten möglich. Das geschieht durch die „erfahrungsbezogene Erkenntnis des ewigen Lebens“, wobei das Wort „Erfahrung“ die „geistige (innerliche, emotionale, zwischenmenschliche, intellektuelle) Dimension menschlicher Wirklichkeit“ meint.30

Küng bringt in die Diskussion, ob das ewige Leben nicht bloße Projektion sei, die auf das Abhängigkeitsgefühl der Menschen beruht, das Argument, daß gerade dieses Abhängigkeitsgefühl „ein sehr reales Ziel haben“ kann. D.h. daß der Glauben an ein Leben nach dem Tod nicht nur reine Wunschvorstellung sein muß, sondern auch eine Äußerung einer Wirklichkeit, deren Nicht-Existenz sich nicht beweisen läßt, sein kann.31 Die Frage nach dem „echten“ Toten bekräftigt aber eher das Argument, daß die Sterbeerlebnisse als das letzte Lebenszeichen des Gehirns beurteilt werden.32

Es gibt in dieser Frage keine endgültige Antwort. Die Todesnähe-Forschung ist noch relativ jung und konstituiert sich erst. Man muß die Berichte einerseits ernst nehmen, muß allerdings ihre beschränkte Aussagekraft berücksichtigen, da es sich hier um keine echten Toten handelte. Sicher ist jedoch, daß man die Berichte nicht als Beweise für biblische Aussagen über ein Leben nach dem Tod nehmen kann, auch wenn es erstaunliche Parallelen gibt. Demzufolge dürfen die Berichte auch nicht dazu verwendet werden, um die Vorstellungen über ein Leben nach dem Tod mit Bildern auszuschmücken, die dem nicht entsprechen würden. Theologen wie Paul Tillich und Rudolf Bultmann geben dem Himmel mehr eine symbolische Deutung, die auf die Wörtlichkeit der (biblischen) Bilder verzichtet.33 Damit soll verhindert werden, daß die Bedeutung, die dem Himmel und dem ewigen Leben zukommen, verflacht und oberflächlich wird. Andererseits kann man eine Existenz nach dem Tode nicht verneinen, da sich das Gegenteil nicht beweisen läßt.34

6. Konsequenzen

Die Konsequenzen, die sich aus dem Vergleich entwickeln, sind unterschiedlich.

Zunächst kommt man dazu, daß man die Stellung der Bibel und ihre Aussagekraft hinterfragen. Ist sie endgültiges Gottes Wort? Ist sie eine Ansammlung von überlieferten Glaubenszeugnissen der damaligen Welt, die viele existentielle Fragen aufgreift und Denkanstöße vermitteln will? Da der Vergleich an einigen Stellen schwankt, wird klar, daß die Bibel in ihrer Wörtlichkeit nicht als endgültig betrachtet werden kann und die Erkenntnisse der Wissenschaft sich von ihren Aussagen unterscheiden. Das führt dazu, daß man auch gewisse Aussagen, wie z.B. über die Hölle neu hinterfragen muß und in Zusammenhang mit der Wissenschaft stellen muß.

Was meint die Bibel mit einer Hölle? Ist die Hölle in der Bibel wörtlich zu verstehen? Warum taucht in den Sterbeberichten keine Beschreibung einer Hölle auf? Was ist dann unter einer Hölle zu verstehen? Oder gibt es sie zuletzt überhaupt nicht?35

Eine weitere Konsequenz ist der Umgang mit der Bibel. Auch wenn ihre Stellung nicht hinterfragt wird, wird sie doch als Glaubenszeugnis betrachtet, das man nicht in allen Fällen wörtlich nehmen kann, sondern auch ihre Symbolkraft und die eigentliche Aussage entdecken muß. Daraus entwickelt sich ein hoffnungsvolles Warten auf das, was nach dem Tod kommt, anstatt der Ausschmückungen und Träumereien, wie dieses Leben aussehen könnte, wobei auch viele Sehnsüchte und Wünsche hineinprojeziert werden. Somit nimmt man der Frage über das Leben nach dem Tod nicht ihre „unaussprechliche“ Aussage.

Eine dritte Konsequenz ist daß man sich auf Grund der wissenschaftlichen Erkenntnisse sich ernsthafter mit diese Frage beschäftigt. Es entwickelt sich ein ernsthaftes Nachdenken darüber, statt einer Spekulation, die aus „dem Glauben heraus“, aus dem Überzeugtsein, daß es so etwas geben muß, geschieht. Man kann sich dabei auch an Hand der Sterbeberichte orientieren und hat ein festeres Fundament.

7. Zusammenfassung

In dieser Arbeit sollte untersucht werden, welche Vorstellungen sich Menschen in der Bibel über ein Leben nach dem Tod machen und was die Wissenschaft für Ergebnisse vorweisen kann.

Es wurde aber auch die Frage gestellt, ob man die Sterbeberichte als Beweise für die neutestamentlichen Aussagen nehmen kann, oder ob man beides für sich betrachten muß. Diese Arbeit soll zeigen, daß man die Berichte nicht als Beweis nehmen kann. Man findet vielmehr erstaunliche Parallelen zwischen dem, was Menschen schon in früher Zeit über ein Leben nach dem Tod dachten, und dem, was die Wissenschaft in diesem Bereich an Erkenntnissen erbracht hat.

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DIE BIBEL: nach der Übersetzung Martin Luthers, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart 1985

[...]


1 Ich habe diesen Begriff von Raymond Moody übernommen, weil dieser Begriff sehr gut den Zustand beschreibt, in dem sich die Menschen bei ihren Sterbeberichten befanden. Warum das wichtig ist, wird noch in Kapitel 3 erläutert.

2 Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen, die auf dieses Thema näher eingehen. Genannt sei hier als Beispiel das Beiheft zur Berliner Theologischen Zeitschrift (BThZ) von 1995: „Gehirntod und Organtransplantation“, erschienen beim Wichern-Verlag Berlin, das ich für diese Arbeit ebenfalls verwendet habe. Da aber das Thema Gehirntod - Organtransplantation zu umfangreich ist und an der Fragestellung vorbeigeht, soll und kann es nicht näher erläutert werden.

3 Bei dem Begriff der Seele gehe ich hier von griechischen Vorstellung des Menschen aus, die besagt, daß der Mensch in einen Körper, einen Geist, der den Verstand meint, und der Seele, die nach dem Tod weiter lebt. Selbst Platon ging in seinen Überlegungen davon aus, daß die Seele unsterblich sei. Vgl. auch den Dialog „Phaidon“, in dem Sokrates seinem Schüler Kebes die Unsterblichkeit der Seele herleitet, aus: Phaidon oder die Unsterblichkeit der Seele, Philosophische Bibliothek, Band 147, S. 105ff., S.107f.

4 Daß die Trennung zwischen Leib und Seele doch nicht so künstlich ist, wie sie manchmal zu sein scheint, wird an den später geschilderten Nach-Todes-Erfahrungen etwas klarer.

5 Vgl. Trutwin, Werner: Ewiges Leben, S. 54, in: Forum Religion, Band 7, Düsseldorf 1987.

6 Vgl. Deutsches Ärzteblatt 83 (1986) 2940 - 2946; 88 (1991) 4396 - 4407; 90 (1993) 2177 - 2179; 94 (1997) Sonderdruck, zitiert aus: Fuat Oduncu, Hirntod - Tod des Menschen? in: Stimmen der Zeit, Bd. 215 (1997), S. 678-691.

7 Zu diesen Einzeluntersuchungen zählt z.B. das EEG, die Messung der Hirnströme. Diese maschinelle Untersuchung, wie auch andere, dient dazu, die Beobachtungszeit zu verkürzen. Für den klinischen Verlauf der Untersuchung wurde eine bestimmte längere Beobachtungszeit festgelegt, um nicht zu voreiligen Diagnosen zu kommen. Die Diagnose muß von zwei Ärzten durchgeführt werden, die unabhängig voneinander den Patienten untersuchen.

8 Vgl. hier besonders: Raymond A. Moody, Leben nach dem Tod, Reinbek 1977. Dieses Buch beinhaltet zahlreiche Zeugenberichte von Todeserfahrungen. Vgl. auch: Derselbe, Nachgedanken über das Leben nach dem Tod, Reinbek 1978.

9 Ebenda. S.41f.

10 Ebenda. S.71f.

11 Ebenda. S.81ff. Hier beschreibt Moody einige Beispiele solcher Grenzerfahrungen. Bei manchen Beispielen werden die Beteiligten in Form von Worten, Gedanken oder von dem Lichtwesen direkt, ob sie bereit seien, zu sterben. Manche entscheiden diese Frage aber auch sich heraus.

12 Ebenda. S.100. Moody schreibt später in seinem Buch, daß die befragten Personen keineswegs immer aus einem kirchliche Familienhintergrund kamen und in dieser Hinsicht nicht von einem richtenden Gott, wie er im christlichen Glauben vermittelt wird, vorgeprägt waren. Aber auch diese Menschen machten diese Erfahrung der Rückblende.

13 Vgl. hier den Artikel in der Zeitschrift „Psychologie heute vom April 1981: Ronald K. Siegel, Der Blick ins Jenseits - eine Halluzination? In: Psychologie heute, April 1981, S.23-33.

14 Vgl. Moody, Leben nach dem Tod, S.92ff.

15 Moody schreibt hier über den spirituellen Leib, dem manche Eigenschaften des physischen Körpers fehlen. Vgl. Moody, Leben nach dem Tod, S.51ff.

16 Der alternative Begriff „Nach-Todes-Erfahrung“ wäre hier irreführend, weil der Begriff an sich schon auf einen Zustand „nach dem Tod“ hinweist. Dieser Zustand ist aber in diesem Fall nicht gegeben.

17 Vgl. Mk 12,25ff.

18 Bernhard Lang und Calleen McDannell führen in ihrem Buch „Der Himmel“ diese Bedeutungslosigkeit der Ehe und den familiären Beziehungen für Jesus nicht auf eine Verneinung der Geschlechtlichkeit des Menschen zurück, sondern auf seine Erfahrung mit den zerrütteten Familienverhältnissen, aus denen er stammte, und auch auf sein Leben als Wanderprediger. Jesu Sicht eines Himmels, in dem Gott im Zentrum steht, also eine theozentrischen Himmels, ist aus seiner Sicht, daß Gott vor der Familie und den alltäglichen Verpflichtungen oberste Priorität eingeräumt werden muß, zu verstehen. Vgl. Bernhard Lang/Colleen McDannell, Der Himmel, Frankfurt/Main 1996, S.55.

19 Vgl. Mk 12,27.

20 Es war damals in jüdischen Kreisen durchaus üblich, an den Tod der Erzväter zu glauben, aber nicht an ihre Auferstehung. Vgl. auch Lang/McDannell, Der Himmel, S.48f.

21 Ebenda. S.58.

22 Der physische Leib ist für Paulus nur mehr eine „Übergangslösung“. Er steht im Konflikt mit dem göttlichen Geist, der im Gläubigen Raum genommen hat, da beide gegeneinander streiten. So versucht der Geist den physischen Körper immer mehr zu verändern und die „fleischlichen Triebe“, wie Paulus sie nennt, abzutöten und sie den himmlischen Zielen zu unterstellen, während „das Fleisch“ das Gegenteil bewirken will und sich gegen diese Unterordnung wehrt. Vgl. Gal 5,16ff.

23 Vgl. Offb 4,3a.

24 Vgl. Offb 4,7-8a.

25 Wir sehen am Gleichnis vom armen Lazarus und dem reichen Prasser, daß Jesus auf die Beziehung zu religiösen Gestalten bzw. zu Gott aufmerksam macht. Jesus erzählt, daß Lazarus in den Armen Abrahams liegt, was eine tiefe Beziehung, in der Vertrautheit und Geborgenheit gegeben sind, ausdrückt. Ganz anders dagegen die Bilder in der Offenbarung, die davon zeugen, daß die anderen Wesen sich vor Gott niederwerfen und anbeten.

26 Vgl. 1.Kor 15,42ff.

27 Vgl. Raymond Moody, Nachgedanken über das Leben nach dem Tod, Reinbek 1978, S. 50ff. Daß die Initiative zur Rückschau nicht vom Lichtwesen ausgehen, sondern im Innern des Gestorbenen stattfindet, kann man auch als Reaktion des Gestorbenen auf die Vollkommenheit des Wesens interpretieren. In der Gegenwart dieses Lichtwesens werden sich die Gestorbenen ihrer menschlichen Unzulänglichkeit bewußt

28 Vgl. Moody, Nachgedanken, S.55f. Moody schreibt dazu, daß diese Menschen sich in ihrem Glauben auf die Bibel berufen würden. Er schließt die Existenz einer Hölle nicht aus, kann aber keine wissenschaftliche Bestätigung zu diesen Aussagen vorweisen.

29 Es ist auffallend, daß Jesus sich nur vage über den Himmel bzw. die Auferstehung äußerte und lediglich Grundprinzipien des Lebens im Himmel erklärt (Ehelosigkeit etc.), während bei Paulus die Schilderung der Auferstehung der Toten und der Entrückung der heiligen schon bildhafter ist. Vgl. dazuden ersten Thessalonicherbrief. In der Offenbarung des Johannes nimmt diese Schilderung angesichts der Bilder und Symbole schon extreme Ausmaße an. Man kann diese Schilderungen jedoch als Ausschmückung des Erlebten, betrachten, ohne zugleich die Wirklichkeit des Erlebten zu hinterfragen. Man muß dazu beachten, daß es sich bei den Überlieferungen des Neuen Testaments lediglich um Glaubenszeugnisse handelt, die von Menschen stammen, die ihre Erlebnisse in der damaligen Zeit niederschrieben, ohne für eine wortgetreue Richtigkeit des Geschriebenen zu bürgen.

30 Vgl. Hans Küng, Ewiges Leben?, 7.Aufl. München 1996, S.102f.

31 Ebenda. S.49f.

32 Mit dem Körper verhält es sich ähnlich: Es können bei Toten immer noch Reflexe eintreffen, die auf verschiedene Reaktionen innerhalb des Körpers beruhen (Muskelreflexe etc.). Ein Beispiel sei hier erwähnt, daß Krankenschwestern und Ärzte oft berichtet haben, wie sich die Hand des Toten ihren Arm umfaßte.

33 Paul Tillich geht sogar so weit, daß er nicht einmal den theozentrischen Himmel mit Gott als seinem Mittelpunkt sich vorstellen kann. Er kam mit den herkömmlichen Vorstellungen nicht klar, wenngleich er das ewige Leben und die Existenz nach dem Tode nicht in Frage stellte. Vgl. auch Lang/McDannell, Der Himmel, S.439.

34 Küng schreibt, daß die Verneinung des Lebens nach dem Tod eher psychologisch bedingt ist und auf negativen Erfahrungen in diesem Leben beruht, als auf eine rationale Begründung. Vgl. Küng, Ewiges Leben?, S.

35 Moody schreibt darüber, daß Menschen in ihrer Rückschau so schockiert und betroffen waren, da sie alle Situationen in ihrem Leben wiederholt durchlebten. (s.o.) Er ist der Meinung, daß die Frage nach der Hölle und nach dem Jüngsten Gericht angesichts dieser Erfahrung irrelevant und unsensibel sei. Vgl. Moody, Nachgedanken, S. 57f.

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Todesnähe-Erfahrungen im Vergleich mit neutestamentlichen Aussagen zu einem Leben nach dem Tod
Hochschule
Technische Universität Dresden
Veranstaltung
Grundfragen der Systematischen Theologie
Note
1,5
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V106076
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Todesnähe-Erfahrungen, Vergleich, Aussagen, Leben, Grundfragen, Systematischen, Theologie
Arbeit zitieren
Helmut Haug (Autor), 2000, Todesnähe-Erfahrungen im Vergleich mit neutestamentlichen Aussagen zu einem Leben nach dem Tod, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106076

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