Die hier vorgestellte Unterrichtsstunde „Das Geheimnis der kreisrunden Narbe am Arm“ befasst sich thematisch mit der Pionierleistung von Edward Jenner und der Geschichte der Pockenimpfung und kann so dem historischen Lernen zugeordnet werden.
Mit einer Rätselgeschichte aus der Lebenswelt der Schüler*innen (angelehnt an die Mystery-Methode) werden die Kinder vor die Herausforderung gestellt, exemplarisch die spannende und scheinbar längst abgeschlossene Geschichte der Pockenimpfung mit Hilfe von Quellen und Darstellungen zu rekonstruieren und mit einer erweiterbaren und zukunftsoffenen Zeitleiste die Entwicklung der (Schutz-) Impfungen in einem kooperativen Setting darzustellen.
Bei den Überlegungen für eine Unterrichtseinheit im Sachunterricht wurde hier ein situationsorientiertes aktuelles Thema gewählt, das ein breitgefächertes Potential an Lernfeldern bietet: die Impfung. Ein spannendes und faszinierendes Thema mit vielen Anknüpfungspunkten an die Lebenswelten der Schüler*innen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Bildungstheoretische Dimension
1.1 Vorentscheidung durch Curriculare Vorgaben
1.2.Kultureller Stellenwert des Unterrichtsinhalts
1.3.Pädagogischer Blickwickel
2. Wirkungserwartungen
2.1. „Der Lerner im Blick“
2.2. „Die Sache im Kopf“
2.2.1 Fachwissenschaftliche Anforderungen
2.2.2 Fachdidaktische Anforderungen
3. Lernarrangements
3.1 Ziele des Unterrichts
3.2 Unterrichtsdramaturgie
3.2.1 Rahmenbedingungen
3.2.2 Motivierender Anfang
3.2.3 konzentrierte Erarbeitung
3.2.4 Abschluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein Unterrichtskonzept für den Sachunterricht zu entwickeln, das historische Lernprozesse anhand des komplexen Themas der Impfgeschichte (exemplarisch Pocken) in einer Grundschulklasse fördert. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Schülerinnen und Schüler durch die Rekonstruktion historischer Zusammenhänge und die Auseinandersetzung mit authentischen Quellen ein reflektiertes Verständnis für die Bedeutung von Schutzimpfungen für die eigene Gegenwart und Zukunft entwickeln können.
- Historisches Lernen im Sachunterricht
- Die Entwicklung und Bedeutung der Pockenimpfung
- Methodik der Quellenarbeit (in Anlehnung an Mystery-Methode)
- Förderung von Geschichtsbewusstsein und Gesundheitsbildung
- Bezugnahme auf aktuelle Impfdiskussionen (z.B. Corona-Pandemie, Masernpflicht)
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Fachwissenschaftliche Anforderungen
Seit Jahrtausenden ist den Menschen bekannt, dass manche Krankheiten von Mensch zu Mensch übertragbar sind und andere nicht. Diese grundlegende medizinische Erkenntnis lässt sich schon auf babylonischen Tontafeln von 1700 v. Chr. belegen. Dort wurden auch zum ersten Mal verschiedene Viruserkrankung dokumentiert und beschreiben. Darunter auch die Pocken. Erklärung für den Unterschied der Krankheiten oder die Ursachen konnten die Babylonier noch nicht geben. Das Wort „Pocken“ kommt aus dem Germanischen und bedeutet Beutel, Tasche, Blase (=Blattern) und bezeichnet eine lebensbedrohliche Krankheit, die durch Pockenviren (Orthopox variolae) verursacht wird, die mit hohem Fieber, starken Ganzkörperschmerzen und den charakteristischen Eiterbläschen zunächst auf der Haut, später auch auf allen Schleimhäuten einhergeht.
Bei unkompliziertem Krankheitsverlauf trocknen diese Pusteln ein und heilen unter starkem Juckreiz narbig ab. Waren Augen oder auch Teile des Gehirns davon befallen, endete dies häufig in Blindheit und mit gravierenden Hirnschäden. Die Übertragung fand sowohl durch die Flüssigkeit in den Bläschen, als auch durch Aerosole statt. Durch die hohe Infektiosität und eine extrem hohe Letalität zwischen 20-40% (je nach Form und Ausprägung der Epidemie) gehören die Pocken zu den gefährlichsten Krankheiten der Menschheitsgeschichte. Wie weit diese Krankheit verbreitet war, zeigt sich auch an den Spuren der Mumie v. Ramses V., der von 1150-1145 in Ägypten regierte und an mehreren Körperstellen Pockensymptome aufweist. Und auch Hippokrates beschreib in seinem Werk „Corpus Hippocraticum“ die Pocken und viele weitere Infektionskrankheiten. Bei ihm lassen sich auch schon zahlreichen weitere Referenzen finden, die die Aspekte der Hygiene, der Epidemiologie und der Immunantwort beschreiben. In vielen Schriften wurde über die Auslöser der furchtbaren Krankheit spekuliert, aber keiner konnte die Verantwortlichen ausfindig machen, denn die Viren, die diese Krankheit auslösten, blieben aufgrund ihrer geringen Größe lange Zeit unentdeckt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das situationsorientierte Thema der Impfgeschichte und Begründung der historischen Relevanz für den Sachunterricht.
1. Bildungstheoretische Dimension: Verknüpfung der Unterrichtseinheit mit dem Bildungsplan Baden-Württemberg und theoretische Fundierung durch Klafki.
2. Wirkungserwartungen: Analyse der lernpsychologischen Voraussetzungen der Schüler und der fachwissenschaftlichen sowie fachdidaktischen Anforderungen des Inhalts.
3. Lernarrangements: Konkrete Planung und methodische Gestaltung der Unterrichtsstunde inklusive Rahmenbedingungen und Unterrichtsdramaturgie.
Schlüsselwörter
Sachunterricht, Impfgeschichte, Pocken, Historisches Lernen, Quellenarbeit, Mystery-Methode, Gesundheitsbildung, Pandemie, Impfpflicht, Vakzination, Geschichtsbewusstsein, Grundschule, Impfnarbe, Infektionskrankheiten, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit konzipiert eine historische Unterrichtsstunde für die Grundschule zum Thema Impfen, konkret zur Geschichte der Pockenimpfung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf historischem Lernen, der Entwicklung von Schutzimpfungen, der Rolle von Quellen und der Gesundheitsbildung im Kontext aktueller Impfdebatten.
Was ist das Ziel der Unterrichtsstunde?
Die Schüler sollen die Geschichte der Pockenimpfung rekonstruieren, um ein tieferes Verständnis für die Bedeutung medizinischen Fortschritts und die eigene gesellschaftliche Verantwortung zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Abwandlung der Mystery-Methode eingesetzt, bei der die Kinder arbeitsteilig und kooperativ Quellen analysieren, um historische Fragen selbstständig zu beantworten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in bildungstheoretische Dimensionen, lernpsychologische Voraussetzungen, fachwissenschaftliche Grundlagen zu Pocken und Impfgeschichte sowie die konkrete methodische Planung der Unterrichtsdramaturgie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Historisches Lernen, Gesundheitsbildung, Quellenarbeit, Impfgeschichte, Pocken, Vakzination und Konstruktivistische Didaktik geprägt.
Welche Rolle spielt die "Mystery-Methode" in diesem Konzept?
Die Methode dient als strukturierendes Element, das die Kinder motiviert, aus authentischen Quellen und Darstellungen eine eigene historische Narration zu konstruieren und die Perspektivität von Geschichte zu begreifen.
Warum wird gerade das Thema Pocken gewählt?
Pocken gelten als die bisher einzige weltweit ausgerottete Infektionskrankheit und bieten somit eine ideale, abgeschlossene Erfolgsgeschichte, um komplexe wissenschaftshistorische Zusammenhänge altersgerecht für Grundschüler aufzubereiten.
- Arbeit zitieren
- Nicole Brenzel-Leibßle (Autor:in), 2020, Die Geschichte der Pockenimpfung (4. Klasse Sachunterricht), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1060772