Sexistische Frauendarstellungen in Werbekampagnen. In den 1950ern am Beispiel von "Dr. Oetker" und "Frauengold" im Vergleich zu den Jahren 2007 und 2010 am Beispiel von "Hirter Bier" und "Dolce & Gabbana"


Bachelorarbeit, 2019

34 Seiten, Note: 1.5


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 FRAUEN UND FERNSEHEN
2.1 FRAUEN UND HAUSARBEIT
2.2 SOAP OPERAS IM WEIBLICHEN ALLTAGSGESCHEHEN

3 FRAUEN UND WERBUNG
3.1 DIE FRAU ALS SEXOBJEKT

4 GLEICHHEITSANSATZ UND REPRÄSENTATIONSKRITIK IN DER FEMINISTISCHEN MEDIENTHEORIE
4.1 GLEICHHEITSANSATZ
4.2 REPRÄSENTATIONSKRITIK

5 ANALYSE DER FALLBEISPIELE
5.1 50ER JAHRE
5.1.1 Dr. Oetker
5.1.2 Frauengold
5.2 2007 & 2010
5.2.1 Hirter Bier
5.2.2 Dolce & Gabbana

6 FAZIT

7 LITERATURVERZEICHNIS

8 MEDIENVERZEICHNIS

9 ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 Einleitung

Werbung ist heutzutage zu einer Selbstverständlichkeit unseres Lebensalltags gewor­den, welche wir ohne große Überlegungen hinnehmen. Überall begegnet sie uns - beim Spazieren durch die Stadt, beim Lesen, beim Fernsehen oder beim Surfen durch das Internet. Über Plakate und Werbeclips werden sowohl Botschaften gesendet als auch Idealbilder verbreitet. Werbung gibt gesellschaftliche Rollenbilder weiter. Die da­bei gezeigten Stereotype und Vorurteile beeinflussen die Adressaten und verankern sich in Wertvorstellungen.

Deshalb ist das Ziel dieser Arbeit das Bewusstsein eines jeden zu stärken undauf die tägliche Beeinflussung der verschiedenen Werbesujets gegenüberden Menschen zu richten. Weiters soll auch hervorgehoben werden, dass die Weiblichkeit für Frauen eine Herausforderung ist, da sie sich wegen dieser oft rechtfertigen müssen. Aus die­sen Überlegungen ergibt sich die zentrale Forschungsfrage, ob und wo Kontinuitäten bei den sexistischen Frauendarstellungen in den 50er Jahren und im Jahr 2007 und 2010 vorhanden sind oder in wie weit diese gleichgeblieben sind beziehungsweise sich verändert haben.Trotz vermeintlicherDifferenzen in derPräsentation von Frau­enbildern in den 50ernund heutzutage, lassen sich bei genauerer Betrachtung einige Parallelen finden. Daher sollenmittels dieser Arbeit Argumente geliefert werden, die belegen, dass die herrschende Meinung, dass eine Entwicklung hin zu einem positi­veren Frauenbild stattgefunden hat, nicht vollständig zutreffend ist.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in vier Kapitel. Zu Beginn wird der Fokus auf die Beziehung der (Haus-)Frau zum Fernsehen und in weiterer Folge auf die Beziehung der Soap Opera mit dem weiblichen Alltag gerichtet. Im zweiten Teil wird vorwiegend das Thema Postfeminismus aufgearbeitet, welcher Frauen unter anderem als aktive, sexuell begehrende Subjekte darstellt. Das darauffolgende Kapitel befasst sich mit dem Gleichheitsansatz und der Repräsentationskritik der feministischen Medientheo­rie, da diese die Ungleichbehandlung der Geschlechter thematisiert. Frauen werden hier als Opfer des Mediensystems, resultierend aus der Dominanz der Männer, ange­sehen. Ausgehend von diesen Theorien erfolgtim fünften Teil eine wissenschaftliche Untersuchung der angeführten Werbefälle, um aufzuzeigen ob und wie Frauen in der Werbung diskriminiert werden. Außerdem werden Parallelen und Veränderungen der sexuellen Frauendarstellungen in den 50ern und im Jahr 2007 und 2010 aufgezeigt.

Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Kernaussagen dieser Arbeit, sowie ein Fazit über die beschriebenen Kapitel und die analysierten Werbefälle.

Da sich diese Bachelorarbeit grundsätzlich auf Frauen beziehungsweise Frauenbilder und deren Weiblichkeit bezieht, wird in der vorliegenden Arbeit vorwiegend die weibli­che Form bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen verwendet. Männliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, so­weit es für die jeweilige Aussage zutreffend ist.

2 Frauen und Fernsehen

Das Fernsehen wird von vielen theoretisch Arbeitenden kritisch betrachtet. Adorno vermutet, dass dieses Medium die Menschen in ihrem Dasein fixiert und passiv macht. Somit kann weder eine Veränderung erfolgen, noch werden Menschen zu einem emanzipatorischen Handeln ermutigt.1 Das Fernsehen zeigt kulturelle Aspekte auf, wie beispielsweise den weiblichen Haushalt, die Stabilität der Ehe und heterosexuelle Lie­besbeziehungen. Das Zielpublikum des Fernsehens ist die häusliche Familie.2

2.1 Frauen und Hausarbeit

Inwiefern ist nun Fernsehen mit der Frau beziehungsweise deren Weiblichkeit verbun­den?

Fernsehen wird, bezugnehmend auf Lynn Spigel, als eine Beschäftigung für die ganze Familie angesehen. Da der Wohnraum für das Fernsehen zunächst keinen eignen Raum bot, musste dieser durch eine umfassende Fernsehbefassung und Propagie­rung bestimmter Nutzungsweisen dieses Mediums, hergestellt werden.3 Aufgrund des­sen lässt sich erkennen, dass das Fernsehen vor allen in die räumliche, aber auch in die zeitliche Organisation des häuslichen Bereichs eingreift.4 Auch der emotionale Be­reich einer Person bleibt dadurch nicht unberührt.5 Hausfrauen sind zum Beispiel oft nicht in der Lage, sich auf das Fernsehen zu konzentrieren, da sie befürchten, sie wür­den die häusliche Arbeit dadurch vernachlässigen. Sie erledigen demzufolge während dem Fernsehen andere Tätigkeiten, beispielsweise Bügeln und Nähen. Es besteht des Weiteren auch wenig Interesse für die von Männern ausgesuchten Fernsehpro- gramme.6 Das Fernsehgerät dient vielmehr als eine „Hintergrundkulisse“ oder ein Begleitmedium.7 Brunsdon erklärt diese geringe Aufmerksamkeit der Hausfrauen ge­genüber dem Fernsehen mit Geschlechterrollenerwartungen und der familiären Ge- schlechterhierarchie. Frauen sind gezwungen den Fernseher nur mit zu nutzen, wo­hingegen der Mann die häusliche Machtposition ergreift und dadurch in der Lage ist über das Fernsehprogramm zu bestimmen.8

In vielen Fernsehwerbespots wird unter anderem gezeigt, dass Männer Frauen nicht „entschlüsseln“ müssen, da sie diese längst kennen und wissen welche Bedürfnisse sie haben.9 Indem Werbespots die Aufmerksamkeit der Rezipierenden nutzen, vermit­teln sie geschickt das Idealbild einer Frau: Verheiratet, mit der einzigen, darin beste­henden Funktion, die Sauberkeit und Ordnung des Heims zu gewährleisten.10 Die Be­schwernisse der Hausfrau werden in diesen Spots durch fortgeschrittene Technisie­rung der Hausarbeit gemindert, indem beispielsweise die Anschaffung eines Geschirr­spülers in Fernsehwerbespots gezeigt wird.11 Daher erfolgt mittels dem Fernsehen ein stetiger Konsum solcher oder ähnlicher Produkte. Dieser Konsum wird zur Kernfunk­tion des Haushalts und demnach auch zur Hauptaufgabe der Hausfrauenarbeit.12

Die weiteren Hauptaufgaben der Hausfrauen bestehen darin, sich um das Wohl ande­rer zu sorgen, die Bedürfnisse der eigenen Familie zu erfüllen und offen für deren Wünsche zu sein.13 Die Hausfrau muss demnach sowohl die Zeit bekämpfen, damit sie ihre täglichen Arbeiten erledigen kann, als auch Zeit erlangen, um die familiären Ansprüche und Bedürfnisse zu erfüllen.14 Nancy Chodorow beschreibt die Hausfrau­enarbeit unter anderem als eine andauernde Aufmerksamkeit und Zuwendung zu den Kindern, aber auch als Pflicht die Bedürfnisse des Mannes zu beachten und zu befrie­digen. Demzufolge erfordert dies vielmehr eine Bindung zu anderen Personen als eine Trennung von ihnen.15 Die Hausfrau muss daher öfter mit unterschiedlichen Menschen und deren Launen zurechtkommen, und gleichzeitig auf die verschiedensten Konflikte und Schwierigkeiten reagieren. Dies bringt eine große Verantwortung mit sich, da sie nicht all ihre Kraft und Ausdauer auf nur eine Aufgabe richten kann, das heißt sie ar­beitet im Zustand der Zerstreuung.16 Diese Zerstreuung hängt fest mit der Hausfrau­enarbeit zusammen und ist von großer Wichtigkeit, damit die Frau die Hausarbeit rich­tig und gewissenhaft meistern kann.17 Bei der Hausarbeit müssen viele verschiedenen Tätigkeiten erledigt werden und deshalb benötigt die Hausfrau somit eine Vielzahl an Fähigkeiten.18 Die Hausfrau ist demnach in gewisser Maßen eine Arbeitslose, aber auch eine Beschäftigte.19

Im Bezug zum Fernsehen bietet das Fernsehen Unterbrechungen, aber auch Ablen­kungen an. Das Prinzip der Unterbrechbarkeit besagt, dass sobald eine Handlungs­kette zu spannend wird, folgt eine Unterbrechung durch einen Werbespot oder es wird mit einem anderen Erzählstrang fortgesetzt. Jenes Prinzip ist für das fehlerfreie Funk­tionieren der Hausfrau entscheidend.20

Hingegen der Annahme, dass das Fernsehprogramm allein auf den Mann und seine Interessen zugeschnitten ist, bietet es auch extra für die Hausfrau konzipierte Fern­sehsendungen an. Diese Programme lenken die Konzentration und Emotionen der Hausfrau auf eine fernsehbasierte Existenz. Dadurch wird ihr Wunsch eines zentrier­ten Lebens unterbrochen beziehungsweise vergessen.21 Spigel beschreibt, dass diese „genderspezifischen Hausfrauensendungen“ oft mittels einem Zweitfernseher in der Küche gesehen werden und somit den Anschein erwecken, einer Trennung der Haus­frau zum Fernseher entgegenwirken zu wollen.22 Es ist ihr somit trotz räumlicher Tren­nung vom Wohnzimmer möglich, ein für sie zugeschnittenes Fernsehprogramm zu er­leben. Räumliche und auch zeitliche Hindernisse wurden somit entfernt. Nicht nur Un­terhaltung, sondern auch Fortbildungen im Haushaltsbereich, beispielsweise Koch­sendungen, wurden angeboten.23

2.2 Soap Operas im weiblichen Alltagsgeschehen

Täglich sitzen Millionen von Zuschauern vor dem Fernseher, um die unterschiedlichen Soap Operas zu verfolgen.24 Heutzutage werden weiterhin eher nicht intellektuelle, aus der Unterschicht stammende Hausfrauen als Hauptgruppe definiert. Diese Ziel­gruppe wird neuerdings auch durch andere demographische Gruppen, wie Berufstä­tige oder männliche Zuschauer, ergänzt. Somit existiert heute ein heterogeneres Bild vom typischen Seifenopern-Fan.25

Die Frage, ob zwischen Soap Operas und den weiblichen Alltagsstrukturen eine Be­ziehung besteht, kann laut Warth bejaht werden, da die täglich ausgestrahlte Daytime Soap Opera tief in den Frauenalltag eingeflochten ist.26

Da die Pausenzeiten der Hausfrau nicht klar ersichtlich sind27, fällt es ihr scheinbar schwer, ihre alltägliche Hausarbeit mit ihrem Fernsehvergnügen zu verbinden, folglich kann sie auch kaum eine Soap Opera in ganzen Zügen aufmerksam ansehen. Deshalb muss sie ihrem Fernsehkonsum während der Arbeit nachgehen.28 Dies wiederum führt zum, im vorhergehenden Kapitel bereits angeführten, Zustand der Zerstreuung.29 Durch einfache und verständliche Handlungsdialoge und gleichbleibende Handlungs­räume haben Soap Operas den klaren Vorteil der Einfachheit. Dadurch ist es den Hausfrauen möglich, auch bei längerer Abwesenheit, der Geschichte folgen zu kön- nen.30

Durch die alltägliche zeitliche Strukturierung solcher Sendungen wird auch der weibli­che Alltag weitestgehend zeitlich durchstrukturiert.31 Diese Durchstrukturierung der Hausarbeit findet bei vielen Frauen Anklang, da diese durch die strenge Einhaltung von Zeitplänen bezwecken, dass ihre getätigten Arbeiten aufgewertet und ihre emoti­onalen Bedürfnisse anerkannt werden. Dies wiederum ist wichtig um die eigene Unsi­cherheit eines isolierten Daseins verdrängen beziehungsweise kompensieren zu können.32 Verschiebungen der Programmzeiten führen dazu, dass sich Frauen mit an­deren Soap Operas begnügen oder komplett darauf verzichten.33

Doch nicht nur eine Änderung der Programmzeiten kann zu solchen Ergebnissen füh­ren, auch der emotionale Aspekt muss betrachtet werden. Viele Frauen fühlen sich schuldig, da sie durch den Konsum solcher Sendungen eine Vernachlässigung ihrer Haushaltspflichten befürchten und beginnen folglich diese Soaps als Sucht anzuse­hen. Demzufolge verurteilen sie ihr Verhalten im negativen Sinne anhand von familiär aufgestellten Wertekriterien. Diese Frauen sehen die Möglichkeit ihre „angebliche“ Schuld zu überwinden darin, die Serie mit anderweitigen häuslichen Tätigkeiten zu verbinden.34

Die Soap Opera wird durch Wiederholungen zentraler Teile der Geschichte und durch eine regelmäßige Ausstrahlung charakterisiert und beinhaltet demnach eine (weibli­che) zyklische Zeitstruktur.35 Demzufolge sind eindeutige Schlusspunkte nicht mög- lich.36 Weiters wird versucht durch Wiederholungen, aber auch durch Unterbrechun­gen beziehungsweise Ablenkungen den Zuschauern Freude zu bereiten.37 Solche Überdehnungen oder Unterbrechungen der Erzählkette geben den Zuschauern die Gelegenheit selbstreflektierend zu agieren.38 Durch diese Wiederholungen besteht die Schwierigkeit den Bedeutungszusammenhang kontinuierlich aufrechtzuerhalten.39 Soap Operas arbeiten neben dem Instrument „Wiederholungen“, mit Verlangsamung der Handlungen und Dehnung der erzählten Zeit.40

Das weibliche Publikum bildet, wie zuvor schon kurz erwähnt, die werberelevante Ziel­gruppe der Soap Opera, deren Hauptaugenmerk auf Interaktionen, Gemeinschaft und Beziehungen liegt.41 Weiters wird dieses Format als weiblich angesehen, weil zentrale Aspekte das traditionelle Leben von Frauen betonen, viele eindrucksvolle, individuelle Frauencharaktere gezeigt und für Frauen angemessene Kompetenzen und Aufgabenbereiche dargestellt werden.42 Allein der Titel vieler Soap Operas bestätigt den weiblichen Programmzuschnitt, wie beispielsweise „One Life to Live“ oder „All My Children“, da dadurch die Bedürfnisse und Wünsche der Frau sichtbar werden. Der Themenschwerpunkt solcher Soaps liegt im Privatleben.43

Frauen werden sehr früh in das Ritual der Soap Opera eingeführt44, da jene, gemäß Brown, ein Teil der „women's culture“ sei. Dies ist mit der Sozialisierung von Mädchen und dem Entstehen von Bedeutungen, Spaß und Gesprächsthemen für Frauen erklär- bar.45 Die Position des Frauencharakters in Daily Soaps ist allerdings oft ein schlech­ter, da sie von ihren (Ehe-) Männern unterdrückt und ausgebeutet werden. Dies wie­derum stellt das fiktionale Leben der Frauen in einem Patriarchat dar.46 Die Soap Opera beinhaltet jedoch nicht ausschließlich patriarchale Vorstellungen und Werte, sondern zeichnet sich auch durch Darstellung der Lebensschwierigkeiten von Frauen aus.47 Weiters wird in solchen Sendungen meist das Bild einer weißen idealen Mutter und Hausfrau beziehungsweise erfolgreich Berufstätigen aus der Mittel- oder Ober­schicht mit einem Ehemann gezeigt. Dieses Bild entspricht nicht den der arbeiteten Frauen.48 Frauen, die nicht in dieses Bild passen, können sich somit nicht mit den Darstellern jener Soap Operas identifizieren.49 Daher wird Modleskis Position, welche sich auf Sympathie, Anteilnahme und Identifikation der Zuschauerinnen auf solche Charaktere stützt, wiederlegt.50 Außerdem wird ihre Aussage, dass die gesammelte Wut der Zuschauerinnen über ihr eigenes Leben verdrängt wird und stattdessen auf die „Schurkin“ der Daily Soap produziert wird, entkräftig. Vielmehr ist es so, dass eher die positiv gezeigten privilegierten Figuren, welche wegen ihres scheinbar schlimmen Lebens leiden, verachtet und abgelehnt werden und stattdessen die „Schurkinnen“ Zu­neigung und Bewunderung erfahren. Dem ist so, da sie Stärke ausstrahlen und das traditionelle weibliche Frauenbild aufbrechen.51 Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Gestaltung von Liebesbeziehungen in Soap Operas. Diese finden nämlich Großteils zwischen Mann und Frau statt.52 Betrachtet man die heutige Ausgestaltung von Liebesbeziehungen im echten Leben, merkt man, dass Homosexualität nach wie vor eine Seltenheit ist, beziehungsweise nach außen selten gezeigt wird.

Diese Tatsache wiederum spricht für Seiters Position, da sich mit heterosexuellen Fi­guren in Soap Operas die Mehrheit der Zuschauer identifizieren kann und solche Soaps stark von Konventionen geprägt sind.53

Durch Programmtexte in Soap Operas werden taktisch bestimmte gewählte Abläufe festgelegt. Es werden diese hingegen von Zuschauern bei den Rezeptionen anders interpretiert.54 Sofern sich die Einstellungen der Rezipierenden und der Autoren der Soap Operas weitestgehend voneinander unterscheiden, besteht sogar die Möglich­keit den Text so zu interpretieren, dass diese Interpretation von den Absichten der Autoren abweichen oder ihnen gar widersprechen.55 Zusätzlich dazu kann die Klas­senzugehörigkeit die Interpretation des Textes weitestgehend beeinflussen.56 Janice Radways Kritik an der Beeinflussung der Leserschaft durch Heftchenromane kann auch auf Soap Operas bezogen werden. Sie schreibt, dass massenkulturelle Produkte, wie zum Beispiel die Soap Operas, nichtsahnende Zuschauende oder Lesende mit Ideologien „füttern“. Infolgedessen beeinflussen diese Produkte die Werte und Normen ihrer Rezipienten.57

[...]


1 Adorno, Theodor W., „Prolog zum Fernsehen", in: Gesammelte Schriften, Bd. 10, Kulturkritik und Gesellschaft II. Eingriffe, Stichworte, Anhang, hrsg. v. Rolf Tiedemann, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2003, S. 108ff.

2 Ellis, John, „Fernsehen als kulturelle Form“, in: Grundlagentexte zur Fernsehwissenschaft. Theorie-Ge- schichte-Analyse, hrsg. v. Ralf Adelmann/Jan O. Hesse/Judith Keilbach/Markus Stauff/Matthias Thiele, Kon­stanz: UVK 2002, S. 47-48.

3 Spigel, Lynn, „Der Haushalt des Fernsehens“, in: Fernsehtheorie zur Einführung, hrsg. v. Lorenz Engell, Ham­burg: Junius 2012, S. 110.

4 Warth, Eva-Maria, „And That's My Time. Daytime Soap Operas als Zeitkorsett im weiblichen Alltag”, in: Frauen und Film 57, 42/ 1987, S. 33.

5 Modleski, Tania, „Die Rhythmen der Rezeption. Daytime-Fernsehen und Hausarbeit“ in: Grundlagentexte zur Fernsehwissenschaft. Theorie-Geschichte-Analyse, hrsg. v. Ralf Adelmann/Jan O. Hesse/Judith Keilbach/Mar- kus Stauff/Matthias Thiele, Konstanz: UVK 2002, S. 379.

6 Raumer-Mandel, Alexandra, Medien-Lebensläufe von Hausfrauen, München: TR-Verlagsunion 1990, S. 70.

7 Cornelißen, Waltraud, „Der Stellenwert des Fernsehens im Alltag von Frauen und Männern“, in: Feministische Kommunikations- und Medienwissenschaft. Ansätze, Befunde und Perspektiven der aktuellen Entwicklung, hrsg. v. Johanna Dorer/Brigitte Geiger, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2002, S. 279.

8 Brunsdon, Charlotte, „Women watching television”, in: MedieKultur: Journal of Media and Communication Research 4, 2/1986, S. 102ff.

9 Modleski, „Die Rhythmen der Rezeption“, S. 381.

10 Kempas, Thomas/Eberhard Roters/ Rolf Weweder , mit höchster Raffinesse ihren Opfern suggeriert“, in: Frauenfeindliche Werbung. Sexismus als heimlicher Lehrplan, hrsg. v. Christiane Schmerl, Reinbek bei Ham­burg: Rowohlt 1983, S. 66.

11 Spigel, „Der Haushalt des Fernsehens“, S. 114.

12 a.a.O., S. 113.

13 Modleski, „Die Rhythmen der Rezeption“, S. 380-381.

14 a.a.O., S. 384.

15 Chodorow, Nancy, Das Erbe der Mütter. Psychoanalyse und Soziologie der Geschlechter, München: Frauen­offensive 1985 , S. 232 (Orig. The Reproduction of Mothering. Psychoanalysis and the Sociology of Gender, Berkley/Los Angeles: University of California Press 1978).

16 Modleski, „Die Rhythmen der Rezeption“, S. 380-381.

17 a.a.O., S. 386.

18 a.a.O., S. 376.

19 a.a.O., S. 382.

20 Modleski, „Die Rhythmen der Rezeption“, S. 382.

21 Ebd.

22 Spigel, „Der Haushalt des Fernsehens“, S. 112.

23 Ebd.

24 Der Name „Soap Opera“, übersetzt „Seifenoper“, kommt ursprünglich aus dem Amerikanischen und entstand Ende der 30er Jahre. Die damals täglich ausgestrahlten Serien wurden hauptsächlich von Waschmittelfirmen und Seifenfabrikanten gesponsert - daraus ergab sich die Bezeichnung Soap Opera.

25 Rössler, Patrick, Dallas und Schwarzwaldklinik. Eine Programmstudie über Seifenopern im deutschen Fernsehen, München: Reinhard Fischer 1988

26 Warth, „And That's My Time”, S. 27.

27 Modleski, „Die Rhythmen der Rezeption“, S. 385-386.

28 Warth, „And That's My Time, S. 31.

29 Modleski, „Die Rhythmen der Rezeption“, S. 386.

30 Klaus, Elisabeth, Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung. Zur Bedeutung der Frauen in den Massenmedien und im Journalismus, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1998, S. 335.

31 Warth, „And That's My Time, S. 27.

32 Oakley, Ann, The Sociology of Housework, London: Blackwell 1984, S. 112.

33 Warth, „And That's My Time, S. 30-32.

34 a.a.O., S. 32.

35 a.a.O., S. 28.

36 Modleski, „Die Rhythmen der Rezeption“, S. 385.

37 Ebd.

38 Seiter, Ellen, „Von der Niedertracht der Hausfrau und Größe der Schurkin. Studien zur weiblichen Soap- Opera-Rezeption“, in: Frauen und Film 57, 42/ 1987, S. 42.

39 Seiter, „Von der Niedertracht der Hausfrau und Größe der Schurkin“, S. 43.

40 Modleski, „Die Rhythmen der Rezeption“, S. 384.

41 Klaus, Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung, S. 369.

42 a.a.O., S. 336.

43 Seiter, „Von der Niedertracht der Hausfrau und Größe der Schurkin“, S. 36-37.

44 Warth, „And That's My Time”, S. 33.

45 Brown, Mary Ellen, Soap Opera and women's talk. The pleasure of resistance, Thousand Oaks/London: Sage Publication, 1994, S. 86.

46 Seiter, „Von der Niedertracht der Hausfrau und Größe der Schurkin“, S. 41.

47 Klaus, Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung, S. 337.

48 Seiter, „Von der Niedertracht der Hausfrau und Größe der Schurkin“, S. 57-58.

49 Schneider, Irmela, „Genre und Gender“, in: Kommunikationswissenschaft und Gender Studies, hrsg. v. Elisa­beth Klaus/ Jutta Rösser/Ulla Wischermann, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2002, S. 100.

50 Modleski, „Die Rhythmen der Rezeption“, S. 377.

51 Seiter, „Von der Niedertracht der Hausfrau und Größe der Schurkin“, S. 55-56.

52 a.a.O., S. 42.

53 Ebd.

54 Warth, „And That's My Time”, S. 29.

55 Seiter, „Von der Niedertracht der Hausfrau und Größe der Schurkin“, S. 40-41.

56 a.a.O., S. 57.

57 Radway, Janice, Reading the Romance: Woman, Patriarchy, and Popular Literature, Chapel Hill: University of North Carolina Press 1984, S. 8.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Sexistische Frauendarstellungen in Werbekampagnen. In den 1950ern am Beispiel von "Dr. Oetker" und "Frauengold" im Vergleich zu den Jahren 2007 und 2010 am Beispiel von "Hirter Bier" und "Dolce & Gabbana"
Hochschule
Universität Wien
Note
1.5
Autor
Jahr
2019
Seiten
34
Katalognummer
V1060820
ISBN (eBook)
9783346515537
ISBN (Buch)
9783346515544
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sexistische, frauendarstellungen, werbekampagnen, oetker, frauengold, hirter, bier, dolce, gabbana, Sexismus, Werbung, Gender, Geschlecht
Arbeit zitieren
Michaela Kahler (Autor:in), 2019, Sexistische Frauendarstellungen in Werbekampagnen. In den 1950ern am Beispiel von "Dr. Oetker" und "Frauengold" im Vergleich zu den Jahren 2007 und 2010 am Beispiel von "Hirter Bier" und "Dolce & Gabbana", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1060820

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Blick ins Buch
Titel: Sexistische Frauendarstellungen in Werbekampagnen. In den 1950ern am Beispiel von "Dr. Oetker" und "Frauengold" im Vergleich zu den Jahren 2007 und 2010 am Beispiel von "Hirter Bier" und "Dolce & Gabbana"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden