Eltern, Lehrer und Medien werten ihn ab und setzen ihn mit Sprachverfall gleich; Jugendliche identifizieren sich mit ihm: der Begriff Jugendsprache ist ein allgegenwärtiger. So kommt man im alltäglichen Leben kaum um die Jugendsprache umher, sie scheint ein ständiger Berührungspunkt zu sein. Grundsätzlich kann die Sprache der Jugendlichen aus sprachwissenschaftlicher Sicht in dem Bereich der Soziolinguistik verankert werden. Dennoch ruft der Terminus Jugendsprache so manche Fragen auf. Auf diese soll in der vorliegenden Arbeit Bezug genommen und schrittweise geklärt werden.
Mögliche anfängliche Fragen scheinen eine Erklärung des schwammigen Begriffes und eine allgemeine Definition zu fordern. Des Weiteren herrscht oftmals Unklarheit, beziehungsweise Unstimmigkeit über die Tatsache, ob es sich bei der Sprache der Jugendlichen um eine Varietät oder um einen Stil handelt. Die Fragen nach gewissen Merkmalen der Sprache und Situationen, in denen die Jugendsprache auftritt, sind ebenso berechtigt. Auch die Funktionen dieser Sprechweise stellen ein Rätsel auf.
Um jene Fragen zu klären, werden zunächst die Termini Jugend und Jugendsprache definiert. Daraufhin werden die Funktionen und Situationen, in denen die Jugendsprache geläufig ist, vorgestellt. Der Fokus der Arbeit wird auf den Merkmalen der Jugendsprache liegen, wobei hier auf das Lexikon, die Semantik, die Syntax und die Morphologie Bezug genommen wird.
Abschließend folgt ein prägnanter Exkurs zu der Jugendsprachforschung und deren Kritik, wobei hier genauer auf Jugendwörterbücher und die Präferenzhypothese eingegangen wird. Im abschließenden Fazit sollen die vorherig genannten Fragen endgültig geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition Jugend
3 Jugendsprache
3.1 Definition
3.2 Varietät oder Stil?
4 Funktionen der Jugendsprache
5 Vorkommen der Jugendsprache
5.1 Situationen
5.2 Kontextgebundenheit
6 Merkmale der Jugendsprache
6.1 Lexikon
6.1.1 Anglizismen
6.1.2 ‚Migrantendeutsch‘
6.1.3 Adjektive
6.1.4 Lautwörter und Comicsprache
6.2 Morphologie
6.2.1 Komposition
6.2.2 Derivation
6.2.3 Konversion
6.2.4 Modifikation
6.2.5 Kurzwörter
6.2.6 Neologismen
6.3 Semantik
6.3.1 Metaphorisierungen
6.3.2 Bedeutungserweiterungen und Bedeutungsverengungen
6.4 Syntax
6.4.1 Strukturen
6.4.2 Partikel
6.4.3 Floskeln und Phraseologismen
7 Jugendsprachforschung
7.1 Jugendwörterbücher
7.2 Präferenzhypothese
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das komplexe Phänomen der Jugendsprache aus soziolinguistischer Perspektive, um gängige Fehlinterpretationen als reinen Sprachverfall zu widerlegen und ihre funktionale sowie strukturelle Dynamik aufzuzeigen.
- Soziolinguistische Definition von Jugend und Jugendsprache
- Funktionen der Sprachwahl zur Identitätsbildung und Abgrenzung
- Strukturelle Analyse (Lexikon, Morphologie, Syntax, Semantik)
- Kritische Auseinandersetzung mit der Jugendsprachforschung
- Einfluss von Kontextfaktoren auf den Sprachgebrauch
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition
Als Jugendsprache ist allgemein die Sprache der Jugendlichen zu definieren. Jene gilt grundsätzlich als äußerst komplex (vgl. Schlobinski 1993, 12).
Bei der Jugendsprache handelt es sich – ähnlich wie bei der Jugend – nicht um einen homogenen, sondern um einen heterogenen Sachverhalt (vgl. Neuland 2018, 50f.). Denn unterschiedliche Jugendliche verwenden zu unterschiedlichen Zeiten und unterschiedlichen Orten unterschiedliche Sprechweisen. Es lassen sich zwar gewisse Gemeinsamkeiten feststellen, eine einzige Jugendsprache ist jedoch nicht vorhanden (vgl. Schlobinski 1993, 22). Die Jugendsprache lässt sich folglich vielmehr als Konglomerat vieler verschiedener Sprechweisen und Ausprägungen der Standardsprache, die je nach Gruppe, Nationalität und Zeit stark variieren können, definieren (vgl. ebd., 207). Somit ist klar, dass die Jugendsprache keine bestimmte Lexik oder Grammatik aufweist (vgl. Bahlo 2019, 2).
Könning betont des Weiteren den „[...] innovativen und sprachproduktiven Charakter jugendtypischer Ausdrucksweisen [...]“ (Könning 2020, 333).
Der Ausdruck Jugendsprache trägt meist einen negativen Beigeschmack, da häufig die auftretenden Verständnisprobleme zwischen Jugendlichen und Erwachsenen sowie die Unverständlichkeit der Älteren für die neueren Begriffe betont werden (vgl. Schlobinski 1993, 19f.). Daher wird Jugendsprache auch oftmals mit einem Sprachverfall gleichgesetzt (vgl. Könning 2020, 333).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Begriffs Jugendsprache ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Merkmale und Funktionen näher zu beleuchten.
2 Definition Jugend: Das Kapitel definiert den Begriff der Jugend soziologisch als eine individuell geprägte, heterogene Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter.
3 Jugendsprache: Hier wird Jugendsprache als heterogenes Konglomerat verschiedener Sprechweisen definiert, das sich nicht als einheitliche Varietät, sondern als dynamischer Stil beschreiben lässt.
4 Funktionen der Jugendsprache: Das Kapitel beleuchtet die Rolle der Sprache zur Identifikation innerhalb von Peer-Groups sowie zur Abgrenzung gegenüber anderen sozialen Gruppen.
5 Vorkommen der Jugendsprache: Es wird analysiert, wie situative Kontexte und soziale Umgebungen den Einsatz jugendsprachlicher Mittel beeinflussen.
6 Merkmale der Jugendsprache: Dieser umfangreiche Hauptteil untersucht die sprachlichen Besonderheiten in den Bereichen Lexikon, Morphologie, Semantik und Syntax.
7 Jugendsprachforschung: Kritische Reflexion über die wissenschaftliche Erfassung von Jugendsprache, insbesondere anhand von Jugendwörterbüchern und der Präferenzhypothese.
8 Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Jugendsprache eine komplexe, dynamische Ausdrucksform und kein Zeichen von Sprachverfall ist.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Soziolinguistik, Identitätsbildung, Sprachwandel, Peer-Group, Sprachverfall, Lexik, Morphologie, Syntax, Semantik, Varietät, Stil, Kontextgebundenheit, Sprachproduktives Handeln, Jugendforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Merkmalen, Funktionen und der wissenschaftlichen Erforschung der deutschen Jugendsprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Definition von Jugend, die Funktionen der Gruppensprache, die sprachliche Analyse auf verschiedenen Ebenen und die Kritik an bisherigen Forschungsansätzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Vorurteil des "Sprachverfalls" zu entkräften und Jugendsprache als komplexes, situativ bedingtes Kommunikationssystem zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse soziolinguistischer Fachliteratur, die gängige Theorien und Merkmale der Jugendsprache strukturiert zusammenfasst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert lexikalische, morphologische, semantische und syntaktische Besonderheiten, die für jugendsprachliche Äußerungen typisch sind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziolinguistik, Identitätsbildung, Heterogenität, Sprachwandel und Peer-Group-Kommunikation.
Warum wird Jugendsprache oft fälschlicherweise als "Sprachverfall" bezeichnet?
Der negative Beigeschmack resultiert häufig aus Verständnisproblemen zwischen den Generationen und einer mangelnden Anerkennung der sprachlichen Kreativität Jugendlicher durch die Erwachsenenwelt.
Welche Rolle spielt der Kontext bei der Verwendung von Jugendsprache?
Der Kontext, wie die Zusammensetzung der Gruppe und die Situation, beeinflusst maßgeblich, welche sprachlichen Register oder Stile gewählt werden.
Wie kritisiert die Autorin die gängigen Jugendwörterbücher?
Die Autorin weist darauf hin, dass diese Bücher die Komplexität und den situativen Charakter der Jugendsprache ignorieren und fälschlicherweise ein homogenes Vokabular suggerieren.
- Arbeit zitieren
- Anna Bugl (Autor:in), 2021, Linguistische Merkmale, Funktionen und Vorkommen der deutschen Jugendsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1060956