Das Mediensystem in Frankreich. Sektoren, Regulierung, Kritik und Zukunftsperspektiven

Ein Vergleich zum deutschen Mediensystem


Hausarbeit (Hauptseminar), 2021

16 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der grundsätzliche Aufbau des Mediensystems in Frankreich

3 Frankreichs Mediensektoren
3.1 Die Printmedien
3.2 Das Fernsehen
3.3 Das Radio

4 Die Regulierung

5 Kritik am französischen Mediensystem

6 Die Zukunft des französischen Mediensystems

7 Vergleich zum Mediensystem in Deutschland

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Zu den Charakteristiken eines Landes gehört neben der Gesellschaft und Politik ganz besonders das jeweilige Mediensystem, so auch beim vorliegenden Beispiel Frankreich. Wie Mediensysteme grundsätzlich aufgebaut sind, haben die Begründer einer Mediensystemtheorie, Hallin und Mancini, zehn Jahre nach ihrer Forschung im Rückblick erläutert. Laut ihren Erkenntnissen sind Mediensysteme nicht statisch, sondern unterliegen langzeitigen Entwicklungen. Sie sind außerdem nicht homogen und man sollte sie nicht als eine Einheit mit festgelegten Merkmalen sehen, sondern eher als eine Art Verhaltensmuster, welches auch variieren kann (Hallin & Mancini, 2017). Auch die einzelnen Sektoren in einem Mediensystem verhalten sich nicht identisch, aber um ihre Rolle und Merkmale beschreiben zu können, sollte man ihren Platz im jeweiligen Mediensystem kennen (Hallin & Mancini, 2017). Außerdem geht die Tendenz aller Mediensysteme in eine ähnliche Richtung, insofern eine Basis aus Menschenrechten und politischer Meinungsfreiheit gewährleistet ist (Blum, 2005). Während man so die Basis aller Mediensysteme beschreiben kann, geht es in der folgenden Arbeit um das Mediensystem in Frankreich, seine einzelnen Bestandteile, Regulierungen, kritische Stimmen und um den Vergleich zum Mediensystem in Deutschland.

2 Der grundsätzliche Aufbau des Mediensystems in Frankreich

Das Mediensystem in Frankreich ist durch einen Etatismus geprägt, welcher in unterschiedlichen Formen auftritt. Hallin und Mancini spezifizieren es, in dem sie das Mediensystem zwischen dem demokratisch-korporatistischen und dem polarisiert-pluralistischen Modell ansiedeln (Hallin & Mancini, 2004). Ähnlich wie in Spanien, Griechenland oder Italien, orientieren sich die Medien in Frankreich an Eliten und sind dabei kommerziell ausgerichtet (Berger, Bischof, & Strauss, 2020). Gleichzeitig gilt der Journalismus in Frankreich als stärker kommentiert und mit einflussreicher, politischer Prägung (Leidenberger, 2015). Der Etatismus in Frankreich hat seine Tradition aus der Nachkriegszeit. Die Nähe zum Staat sollte verhindern, dass die eigene Presse durch ausländische Kräfte beeinflusst wird. So wurde beispielsweise das Radio im Zweiten Weltkrieg als Propagandainstrument missbraucht. Diese Logik zieht sich bis in das heutige Mediensystem (Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, 2015). Historisch entwickelte sich das Mediensystem in Frankreich von einem Monopol der Staatssender, Mitte der 1989er Jahre durch die “réforme de l'audiovisuel” zu einem dualen System mit privaten Sendern (Grosse, 2005). Ausdruck findet die Staatsnähe zu den Medien in vielerlei Hinsicht. So hat das Staatsoberhaupt beispielsweise jederzeit die Möglichkeit, die beste Sendezeit auf den Fernsehsendern TF1 oder France 2 für sich zu beanspruchen (Heimerl, 2013). Daran ist auch erkennbar, dass nicht nur der Staat und das Mediensystem eng miteinander verbunden sind, sondern auch die Staatsoberhäupter mit den Vorsitzenden der nationalen Verlagshäuser und Mediengruppen (Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, 2015). Kennzeichnend für die Abhängigkeit des Mediensystems vom Staat, sind auch die Subventionierungen. Dabei ist Frakreich ein Vorreiter, denn Länder mit anderen Mediensystemen wie die USA oder Dänemark haben sehr viel weniger staatliche Unterstützung für diesen Bereich (Benson, Blach-Orsten, Powers, Willig, & Zambrano, 2012). 2008 addierten sich diese indirekten und direkten Subventionen auf etwa eine Milliarde Euro (Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, 2009). Erklären kann man diese enge Verbindung zwischen Staat und Mediensystem auf diese Weise:

"In der französischen Auffassung des Public Service [...], sind Kapitalbesitz und Auftrag untrennbar miteinander verbunden. [...] Da der Staat Garant des Allgemeinwohls ist, kann nur eine Institution, die dem Staat ganz oder zu großen Teilen gehört, einen gemeinwohlorientierten Auftrag erfüllen" (Bourgeois, 2018)

Doch nicht nur der Etatismus sind maßgeblich für das Mediensystem in Frankreich kennzeichnend, sondern auch der Zentralismus. Im Zentrum ist dabei Paris, wo alle nationalen Tageszeitungen und große Fernseh- und Radiosender ihren Sitz haben. Regionale Medienerzeugnisse sind rar und damit versorgt die Hauptstadt das gesamte Land mit Nachrichten und Informationen, die sich stark auf die Pariser Sichtweise konzentrieren (Heimerl, 2013). Das ist auch an der Leserschaft der französischen Presse erkennbar, welche zu einem großen Teil aus Männern, die sich der Mittel- oder Oberschicht zugehörig fühlen und aus Großstädten stammen, besteht (Latzer, Aubert, Just, Korinth, & Saurwein, 2012). Damit hängen der Zentralismus und die Ausrichtung des Mediensystems an eine Pariser Elite, maßgeblich miteinander zusammen. Dass sich der Zentralismus aber nicht nur auf Paris, sondern auch auf Frankreich im Allgemeinen beziehen kann, wird bei der Betrachtung der nationalen und internationalen Berichterstattung deutlich. So fühlen sich die französischen Bürger am schlechtesten in der EU über europäische Angelegenheiten informiert (Europäische Kommission, 2017). Gleichzeitig liegt ihr Hauptinteresse mit 66 Prozent bei den nationalen Themen, während das Interesse für die internationale Berichterstattung im Vergleich zu Deutschland und anderen Ländern sehr gering ist (Newman, 2012). Dadurch findet durch die Agendasetzung der Medien eine Abschottung von Frankreich gegenüber der Welt und Europa statt (Bourgeois, 2018). Auch das generelle Nachrichteninteresse der Franzosen nimmt ab, so zeigen es die Zahlen der nicht interessierten Nutzer seit 2013 (Berger et al., 2020). Diese Politikverdrossenheit ist ebenso für die Entwicklung des Mediensystems prägend.

Charakteristisch für die französische Medienlandschaft ist auch, dass sie durch viele branchenfremde Unternehmen geprägt wird, darunter ein Rüstung- und Luftfahrtkonzern, ein Baukonzern oder auch ein Waffenhändler. Diese Konzerne haben mit der Liberalisierung des Rundfunks in den 1980er Jahren in die Medienbranche investiert und sind seitdem prägende Kapitalgeber (Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, 2015).

3 Frankreichs Mediensektoren

Wie in anderen Mediensystemen spielen auch in Frankreich die drei Sektoren Print, Fernsehen und Rundfunk eine besonders große Rolle. Doch alle Medienkanäle stehen sinkendem Vertrauen aus der Bevölkerung und dem generellen Trend zu Online Angeboten gegenüber. Im Folgenden wird beschrieben, wie die einzelnen Sektoren im französischen Mediensystem verortet und welchen gesellschaftlichen und politischen Vorgaben sie unterworfen sind.

3.1 Die Printmedien

Gerade die Nachkriegszeit wird mit Auflagen um die 15 Millionen häufig als “Sternstunde der französischen Tagespresse” bezeichnet (Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, 2015). Doch von diesem Höhenflug ist heute nicht mehr viel zu sehen, denn seit dieser Zeit ist die Anzahl der nationalen Tageszeitungen von ehemals 28 auf acht zurückgegangen (Berger et al., 2020). Gründe dafür gibt es viele. Im Vordergrund steht aber ein generelles Misstrauen der französischen Bürger gegenüber den Medien, darunter auch die Presse. Frankreich ist in einem europäischen Vergleich unter den fünf Ländern mit dem geringsten Medienvertrauen, der Presse im Speziellen vertrauen nur 50 Prozent der Befragten (Europäische Kommission, 2017). Dazu mag auch die Tatsache beitragen, dass nur wenige die französische Presse als objektiv wahrnehmen (Heimerl, 2013). Diese Unsicherheit haben sich Gratiszeitungen wie “20Minutes” zunutze gemacht, welche mittlerweile die Auflagenzahlen der Tageszeitungen überholt haben, auch wenn die Leserschaft dadurch nur schwer feststellbar ist (Latzer et al., 2012). Durch diese Gratiszeitungen, aber auch durch die Werbekrise 2009, in der die Werbeausgaben um über 12 Prozent gesunken sind, befindet sich die französische Presse in einer tiefen Krise (Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, 2015). Nicht zuletzt deshalb ist sie maßgeblich von den Subventionierungen abhängig und kann wirtschaftlich nicht auf eigenen Beinen stehen. Der verpasste Umstieg von Print zu einem Onlinejournalismus, hat dazu sein Übriges getan (Heimerl, 2013). Interessant ist ebenso, dass die Abonnentenzahlen der Tageszeitungen sehr gering sind und stattdessen mehr in Supermärkten und im Kiosk verkauft wird. Der Unterschied wird vor allem darin deutlich, wie die Zeitungen gestaltet sind. Denn um den Leser am Kiosk zu überzeugen, ist eine plakative, visuell fokussierte und werblichere Aufmachung nötig (Grosse, 2005).

Zu den größten Tageszeitungen zählen in der französischen Medienlandschaft “Ouest France”, eine regionale Zeitung, “Le Figaro”, welche national rechtskonservativ orientiert ist und “Le Monde”, welche sich besonders an eine linksliberale Leserschaft richtet (Latzer et al., 2012). Der wöchentliche Zugriff auf die Presse um Nachrichten zu konsumieren, liegt in der Bevölkerung mit 57 Prozent abgeschlagen hinter dem Fernsehen und dem Internet (Newman, 2012). Zumindest im Online Bereich werden die Internetauftritte der Zeitungen als Hauptinformationsquelle genutzt, auch wenn hier wieder die Gratiszeitungen vorn liegen (Newman, 2012). Außerdem werden nur die Hälfte der französischen Bevölkerung täglich vom Internet erreicht, was hinter dem Wert für andere nordeuropäische Länder liegt (Latzer et al., 2012).

3.2 Das Fernsehen

Das Fernsehen hat die größte Reichweite unter den französischen Bürgern. 80 Prozent greifen wöchentlich darauf zu, um Nachrichten zu konsumieren (Newman, 2012). Gleichzeitig verwenden es Rezipienten im Durchschnitt etwa vier Stunden pro Tag (Latzer et al., 2012). Obwohl das Fernsehen damit als primäre Nachrichtenquelle bezeichnet werden kann, ist dadurch das Vertrauen in dieses Medium nicht größer. Ganz im Gegenteil: Nur 36 Prozent der Franzosen vertrauen den Aussagen des Fernsehens, noch weniger als denen der Presse oder des Radios (Europäische Kommission, 2017). Dabei ist das Verhältnis zwischen privaten und öffentlich rechtlichen Sendern in etwa ausgeglichen, was aber keinen Einfluss auf die Mitsprache des Staates hat. Die Sender France 2, 3, 4 und 5 gehören neben dem weitreichenstärksten Kanal TF1 zu den wichtigsten Informationskanälen der Franzosen (Berger et al., 2020). Die Verbindung zwischen Fernsehen und Presse ist eng, denn die großen Tages- und Abendzeitungen geben die Agenda für die folgenden Fernseh- und Rundfunksendungen vor (Latzer et al., 2012).

3.3 Das Radio

Um das Radio ist es im französischen Mediensystem bisher noch am besten bestellt. Es ist für die Franzosen mit einem Vertrauen von 56 Prozent das glaubwürdigste Medium (Europäische Kommission, 2017). Doch obwohl die Bürger es als vertrauenswürdig wahrnehmen, greifen nur 43 Prozent wöchentlich darauf zu, um Nachrichten zu konsumieren (Newman, 2012). Anders als das Fernsehen und die Presse, kam das Radio auch verhältnismäßig gut durch die Wirtschaftskrise: Die Werbeeinnahmen gingen in diesem Sektor nur um 1,4 Prozent zurück (Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, 2015). Der Radiomarkt wird in Frankreich hauptsächlich von privaten Sendern dominiert, über 900 an der Zahl (Latzer et al., 2012). Diese Dominanz zeigt sich auch darin, dass die privaten Sender an einem durchschnittlichen Wochentag etwa doppelt so viele Hörer erreichen, wie die öffentlich rechtlichen Sender (Latzer et al., 2012). Die sieben öffentlich rechtlichen Sender bilden gemeinsam die “Radio France”- Gruppe, welche aber nur ein Drittel des Gesamtmarkts ausmacht. Die Hälfte des Marktes besteht stattdessen aus den Sendern der Mediengruppen RTL, NRJ und Lagardère Active (Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, 2015).

4 Die Regulierung

Nicht nur was die Subventionen, sondern auch was die Regulierung des Mediensystems angeht, ist Frankreich ein Spitzenreiter (Benson et al., 2012). Das bedingt sich besonders durch den vorherrschenden Etatismus. Das Ministerium für Kultur und Kommunikation ist im Namen der derzeitig herrschenden Regierung für die Frequenzverteilung zuständig. Die Privatsender werden stattdessen von einer unabhängigen Medienregulierungsbehörde, dem “Conseil supérieur de l'audiovisuel”, kurz CSA, kontrolliert (Heimerl, 2013). Der CSA vergibt Sendefrequenzen, beaufsichtigt den Schutz der Jugend, Verbraucher und von Minderheiten und soll die Meinungsvielfalt kontrollieren und gewährleisten (Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, 2015). Seit 1994 ist sie außerdem dafür verantwortlich, dass die französische Quotenpolitik im Rundfunk eingehalten wird. Das Gesetz "chanson d'expression francophone" besagt, dass 40 Prozent der ausgestrahlten Spielfilme oder gesendeten Lieder, von französischen Regisseuren oder Künstlern stammen müssen. Das soll die französische Kunst vor der Verdrängung und dem zu starken Einfluss durch ausländische Erzeugnisse, schützen. Wer diese Vorgabe nicht einhält, muss mit einer Verwarnung und danach mit einem Bußgeld rechnen (Grosse, 2005).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Mediensystem in Frankreich. Sektoren, Regulierung, Kritik und Zukunftsperspektiven
Untertitel
Ein Vergleich zum deutschen Mediensystem
Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Veranstaltung
Medienpolitik und Medienwissenschaft
Note
1,5
Autor
Jahr
2021
Seiten
16
Katalognummer
V1061015
ISBN (eBook)
9783346478702
ISBN (Buch)
9783346478719
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frankreich, Mediensystem, Medienpolitik, Mediensektoren, Radio, Printmedien, Rundfunk, Fernsehen, Kritik, Vergleich Deutschland, Regulierung
Arbeit zitieren
Jana Braungardt (Autor:in), 2021, Das Mediensystem in Frankreich. Sektoren, Regulierung, Kritik und Zukunftsperspektiven, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1061015

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