Die Boston Tea Party und ihre Bedeutung für den Verlauf der Amerikanischen Revolution


Akademische Arbeit, 2019

8 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

1. Einleitung

Im Herbst 1773 überquerten sieben Schiffe den stürmischen Nordatlantik Richtung amerikanische Küste. Die Schiffe gehörten der berühmten East India Company of London und transportierten insgesamt 600,000 Pfund Tee in ihren Laderäumen, der für kleine Gruppen von Händlern in den Häfen von Boston, New York, Philadelphia und Charleston bestimmt war. Obwohl der Tee durch die Townshend-Steuer bereits mit drei Pence pro Pfund besteuert wurde, sollte dieser Tee zu einem Preis verkauft werden, der es erlaubte, mit dem aus Holland und anderen Ländern in die Kolonien importierten Tee, zu konkurrieren. Als die Schiffe ankamen, waren die Kolonisten jedoch entschlossen, dass keiner der Tees angeliefert werden sollte und dass die Abgaben von Townshend unbezahlt bleiben sollten. In Charleston wurde der Tee von den Zollbeamten beschlagnahmt und gelagert [und] in Philadelphia und New York wurden die Schiffe zurückgeschickt.1 Der Aufruhr gipfelte am Donnerstag, den 16. Dezember 1773 in der legendären Boston Tea Party, bei der schätzungsweise sechs bis sieben Dutzend als Indianer verkleidete Männer Tee im Wert von mindestens 10,000 Pfund in den Bostoner Hafen warfen.2 Die Boston Tea Party ist eines der berühmtesten Symbole der Amerikanischen Revolution und dies obschon sie nur wenige Stunden dauerte.3

In diesem Zusammenhang soll beantwortet werden, welche Bedeutung der Boston Tea Party für die weitere Entwicklung der Amerikanischen Revolution in der Fachliteratur beigemessen wird. Der Forschungsbericht ist so aufgebaut, dass die grossen Themen und Argumente in Verbindung zur Fragestellung einerseits chronologisch geordnet aber auch nach Themenfeldern sortiert sind. Dies um die zeitliche Entwicklung und Veränderung der Interpretation der einzelnen Themen und Argumente geeignet wiedergeben zu können. Die Kapitelüberschriften beziehen sich also auf die jeweiligen Themenfelder, wobei innerhalb dieser Kapitel die einzelnen Themen chronologisch abgehandelt werden.

2. Bedeutung der Boston Tea Party für die Amerikanische Revolution

Benjamin Woods Labaree ist in seinem bedeutenden Werk «The Boston Tea Party» davon überzeugt, dass die Boston Tea Party die notwendigen Charakteristiken gehabt habe, um die Geschichte zu verändern. Dies unter anderem, weil es für eine derartige politische Veränderung in solch kurzer Zeit einen Art Katalysator brauche, der genau auf die Bedingungen der damaligen Zeit abgestimmt sei. Er meint, die Boston Tea Party sei genau ein solcher Katalysator gewesen.4

Dieser Meinung ist auch Peter D. G. Thomas, der die Boston Tea Party ebenfalls als treibende Kraft für die kommenden Ereignisse und den Widerstand der Kolonien beschreibt:

«No revisionist interpretation of the American Revolution has sought to discount the significance of the Boston Tea Party as the actual catalyst of the sequence of events wherein the colonies moved from resistance to revolution.»5 Weiter betrachtet Thomas die Boston Tea Party auch aus einer britischen Perspektive. Er behauptet nämlich, sie sei ein Schock sowohl für die Administration als auch für die Öffentlichkeit gewesen und weiter, dass es eine Missinterpretation des Königs George III. war, der die Boston Tea Party als vorübergehenden Rückschlag und nicht als eigentliche Revolution ansah.6

In eine ähnliche argumentative Richtung geht Alfred F. Young in seinem Buch «The Shoemaker and the Tea Party». Dieses Buch ist eine Erweiterung seines preisgekrönten Essays «George Robert Twelves Hewes: A Boston Shoemaker and the Memory of the American Revolution» welches im «William and Mary Quarterly» veröffentlicht wurde.7 In diesem Buch nimmt er stark Bezug auf das geistige Erbe der Boston Tea Party. Wie bereits erwähnt, argumentiert er ähnlich wie Thomas und beschreibt die Boston Tea Party gar selbst als Akt der Revolution: «[…] it was unmistakably willful and provocative, a true act of revolution.»8 Zuweilen beschreibt er sie gar als aggressiven, quasi-militärischen, destruktiven und karnevalesken aber doch auch disziplinierten und konzentrierten, aufregenden9 Umschwung.10

Die Ansicht, dass die Boston Tea Party für die Entwicklung der Amerikanischen Revolution bedeutend war, zieht sich weiter durch die Literatur. Denn auch in Benjamin L. Carps Buch «Defiance of the patriots» ist die Rede von der Boston Tea Party als für die Revolution bedeutend. Insbesondere deshalb, weil sie die Voraussetzung für eine amerikanische Rebellion und den anschliessenden Krieg schuf11 und dies allein sei schon genug, um ihren Ruf zu garantieren.12 Gleichwohl sei sie zu Beginn weder eine Rebellion und schon gar nicht ein Protest gegen den König selbst gewesen, habe schlussendlich aber dennoch zu verschiedensten Bewegungen geführt, die offen gegen Grossbritannien und die Krone revoltiert haben.13 Weiter sei die Boston Tea Party Ausdruck von politischen Ideologien über Steuern, Rechte und Autorität gewesen.14 Was sie zudem wahrlich revolutionär machte, war, dass sie gewöhnliche Männer dazu gebracht hat, sich an aufsässigen demokratischen Protesten zu beteiligen.15 So war die Boston Tea Party ein nationaler Moment jugendlicher Rebellion mit dem Ziel zur Unabhängigkeit.16

Interessant, wenn doch hier auch nur nebenbei bemerkt ist Kenneth Bakers Aussage in seinem Artikel «Aids to Independence», dass die Boston Tea Party der einzige historische Moment sei, den die Menschen in Grossbritannien im Zusammenhang mit dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kennen: «The Boston Tea Party, as it has come to be known, is the only historical event that most people in Britain know about the American War of Independence.»17 Es ist aber nicht genau herauszulesen, auf welchen Zeitpunkt er sich hier bezieht. Also ob er die damalige Bevölkerung Grossbritanniens oder die heutige meint. Da der Satz aber im Präsens geschrieben ist, gehe ich davon aus, dass er die heutige Bevölkerung meint. In diesem Falle würde ich diese Aussage aber stark in Zweifel ziehen.

James M. Volo widerspricht der von Carp aufgestellten These, die Boston Tea Party sei eine Rebellion mit dem Ziel der Unabhängigkeit gewesen, indem er die Unabhängigkeit der späteren Republik als Nebenprodukt ihres anfänglichen Erfolgs bezeichnet:

«That the Americans instead became nationalist seeking an independent republic of their own was really a byproduct of their initial success in forging a cohesive economic response among themselves and in uncovering the staggeringly arrogant attitude of the government to their complaints at almost every phase of the dispute.»18

Weiter beschreibt er sie als kurzen Zwischenfall unter den vielen Szenen, die eine wirtschaftliche und politische Krise ausmachen und letztendlich eine Revolution auslöste.19 Allgemein bleibt Volo in seiner Betrachtung der Boston Tea Party eher kritisch. Da er aber kein Historiker ist, sondern an der Sacred Heart University in Fairfield, Connecticut Pysik, physikalische Wissenschaften und Astronomie unterrichtet, sind seine Aussagen ebenfalls kritisch zu betrachten und mit gewisser Vorsicht zu geniessen.

In seinem Buch «Die Amerikanische Revolution» bezieht Michael Hochgeschwender auf die Frage des Freiheitswillens die gleiche Position wie Volo. Auch er ist der Meinung, «dass die Revolution nur sehr bedingt Ausdruck eines modernen, aufgeklärten Freiheitswillens autonomer und souveräner Subjekte war. Erst im Laufe der Zeit erstarrte sie zu diesem Mythos.»20 Damit antwortet er auf Eric Nelsons Interpretation, die Freiheitsrhetorik sei instrumentell und sekundär gewesen.21 Zwar behandelt Hochgeschwender in seiner Argumentation nicht spezifisch die Boston Tea Party, sondern nimmt die Revolution im Gesamten ins Blickfeld, dennoch liefert sie einen kritischen und deshalb erwähnenswerten Blick auf die Thematik der Revolution.

3. Kritische Betrachtung der Boston Tea Party

Nachdem im vorherigen Kapitel durch die beiden Autoren James M. Volo und Michael Hochgeschwender einen etwas kritischeren Blick auf die Bedeutung der Boston Tea Party für die Amerikanische Revolution aufgezeigt wurde, soll sie in diesem kurzen Kapitel selbst noch kritisch betrachtet werden.

[...]


1 Vgl. Labaree, Boston Tea Party, S. V.

2 Vgl. Unger, American Tempest, S. 3.

3 Vgl. Volo, Boston Tea Party, S. 236.

4 Vgl. Labaree, Boston Tea Party, S. 256.

5 Thomas, Tea Party to independence, S. 24-25.

6 Vgl. Ebd., S. 29.

7 Countrymen, Review, S. 648.

8 Young, Shoemaker, S. 107.

9 Anmerkung: Diese Wörter wurden von mir kursiv gesetzt, da sie in diesem Zusammenhang wertend und nicht unproblematisch sind.

10 Young, Shoemaker, S. 107.

11 Vgl. Carp, Defiance, S. 3.

12 Vgl. Carp, Defiance, S. 218.

13 Vgl. Ebd., S. 2.

14 Vgl. Ebd., S. 3.

15 Vgl. Ebd., S. 233.

16 Vgl. Ebd., S. 229.

17 Baker, Aids to Independence, S. 23.

18 Volo, Boston Tea Party, S. 245.

19 Vgl. Ebd., S. 3.

20 Hochgeschwender, Amerikanische Revolution, S. 18.

21 Vgl. Ebd., S. 18.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Boston Tea Party und ihre Bedeutung für den Verlauf der Amerikanischen Revolution
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2019
Seiten
8
Katalognummer
V1061073
ISBN (eBook)
9783346476470
ISBN (Buch)
9783346476487
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Amerikanische Revolution, Boston Tea Party, Aufstand, Kolonie, Bedeutung, Entwicklung, Forschungsbericht
Arbeit zitieren
Basil Matthias Kunz (Autor:in), 2019, Die Boston Tea Party und ihre Bedeutung für den Verlauf der Amerikanischen Revolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1061073

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