Diese Arbeit hat zum Ziel, den Leser über den gesamten Vorgang des Unternehmenskaufs zu unterrichten: von der Art und Weise, in welcher ein Unternehmenskauf getätigt werden kann, über den Abbau von Informationsasymmetrien im Kontext der Due Diligence zur Identifikation von mit der Transaktion verbundenen wirtschaftlichen Risiken, aber insbesondere Risiken rechtlicher Art, die sich aus gesetzlichen Haftungstatbeständen und Inhalten der Klauseln des Unternehmenskaufvertrags ergeben können.
In den Jahren 2015-2018 sind weltweit Unternehmenstransaktionen abgeschlossen worden, die ein Gesamtvolumen von 14988 Mrd. Dollar aufweisen. 3,58 % dieses Transaktionsvolumens lässt sich auf den deutschen Markt zurückführen. Zumal es sich vermeintlich um einen Bruchteil des internationalen Gesamtvolumens handelt, sind dennoch im Zuge deutscher Unternehmenskäufe im angeführten Zeitraum 537,6 Mrd. Dollar umgesetzt worden.
Große Investitionen sind stets mit hohen Risiken für Käufer und Verkäufer verbunden und insbesondere deshalb ist es notwendig, die mit Unternehmenstransaktionen verbundenen Risiken transparent darzustellen und mögliche Lösungswege aufzuzeigen, welche Risikopotentiale minimieren oder gänzlich ausschalten.
Inhaltsverzeichnis
1.Teil: Einleitung
2.Teil: Der Begriff und der Prozess der Unternehmensakquisition
A)Begriff und Arten der Unternehmensakquisition
I) Unternehmensakquisition
II) Fusion
III) Übernahme börsennotierter Unternehmen
IV) Buyouts
V) Joint Venture
VI) Carve Out
B) Prozess der Akquisition
I) Verkauf im Auktionsverfahren
II) Verkauf außerhalb eines Auktionsverfahrens
III) Eingliederung des Zielobjekts
3.Teil: Informationsasymmetrien und Due Diligence zur Risikoidentifizierung
A)Informationsasymmetrien zwischen Käufer und Verkäufer
I) Lösungsansätze
1) Signalling
2) Screening
3) Self selection
B)Die Due Diligence – Bedeutung und Formen
I) Inhalt und Ausmaß
II) Due Diligence als Risikofaktor für den Verkäufer
III) Verkäufer- und Käufer-Due Diligence
IV) Unterkategorien der Due Diligence
1) Tax Due Diligence
2) Commercial Due Diligence
3) Financial Due Diligence
4) Legal Due Diligence
4.Teil: Das gesetzliche Mangelgewährleistungsrecht und Haftungstatbestände
A)Gesetzliche Gewährleistung und Rechtsfolgen
B)Gesetzliche Haftungstatbestände und ihre Entschärfung
I) Haftung bei Abbruch der Vertragsverhandlungen
II) Haftung beim Asset Deal
1) Käuferhaftung für Altverbindlichkeiten §°25°HGB
2) Haftung für Steuerverbindlichkeiten, §°75°AO
III) Haftung im Share Deal
1) Haftung aus §°16°Abs.°1°S.°1°GmbHG
5.Teil:Vertragsgestaltung und Risikoverteilung
A)Earn-Out-Klausel
B)Selbstständige und unselbstständige Garantien
I) Interessen des Käufers
II) Interessen des Verkäufers
III) Offenlegungen
IV) Rechtsfolgen von Garantien nach Maßgabe des deutschen Schadensrechts
V) Haftungsbegrenzungen und Freistellungen
1) De minimis und Haftungscap
2) Freistellungen
3) Best-Knowledge-Garantien
VI) Beispiel: Bilanzgarantie
VII) Material-Change-Adverse-Klauseln
VIII) Warranty & Indemnity-Versicherungen
1) Umlegung der Garantiehaftung
2) Beginn des Versicherungsschutzes
3) Auslöser des Versicherungsschutzes
4) Spiegelung der Haftungshöchstgrenze
5) Umfang und Beschränkungen
6.Teil:Reflexion der Arbeit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit befasst sich mit der Risikominimierung bei Unternehmenskäufen durch die Analyse des Akquisitionsprozesses, der Identifikation von Informationsasymmetrien mittels Due Diligence sowie der vertraglichen Risikoverteilung, um die Transaktionssicherheit für Käufer und Verkäufer zu erhöhen.
- Grundlagen des Unternehmensbegriffs und der verschiedenen Akquisitionsarten
- Prozess der Unternehmensakquisition von der Vorbereitung bis zur Eingliederung
- Umgang mit Informationsasymmetrien durch Due Diligence Prüfungen
- Rechtliche Haftungstatbestände und Möglichkeiten ihrer vertraglichen Entschärfung
- Gestaltung von Earn-Out-Klauseln, Garantien und Absicherungen durch W&I-Versicherungen
Auszug aus dem Buch
VI) Beispiel: Bilanzgarantie
Eine sog. Bilanzgarantie gibt dem Käufer die Gewähr über die Richtigkeit der Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre und ihre Konformität mit den gesetzlichen Bestimmungen gem. §°264°Abs.2°S.1°HGB. Somit vermittelt sie „unter Beachtung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild von der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft“. Sie nimmt im Garantiekatalog mithin eine Sonderstellung ein, zumal sie sich, ungleich zu anderen Garantien, im zeitlichen Bezugspunkt nicht auf den Zustand der Richtigkeit der Bilanzen zum Bilanzstichtag bei Vertragsunterzeichnung oder Vollzug der Unternehmensveräußerung bezieht, sondern auf den weiter in der Vergangenheit liegenden Bilanzstichtag abstellt.
Das erweckt den Anschein, als sei sie eine bloße retrospektive Darstellung der Buchführung des Unternehmens. Sie ist jedoch dahingehend zukunftsrelevant, dass durch korrekte bilanzielle Zahlen finanzielle Erfolgsursachen transparent dargestellt werden und diese die Preiskalkulation für das zu erwerbende Unternehmen erheblich beeinflussen.
Sofern sie keine kenntnisbezogenen Qualifikationsmerkmale aufweist, wird die Bilanzgarantie regelmäßig als harte (objektive) Garantie klassifiziert. Das OLG Frankfurt a. M. ist jüngst in einer Entscheidung über die Auslegung einer harten Bilanzgarantie gem. §°133,°157°BGB eines Unternehmenskaufvertrags zu folgendem Ergebnis gekommen: „Die von den Bekl. abgegebene ‚harte’ Bilanzgarantie ist unter Berücksichtigung des in ihr enthaltenen materiellen Elements so zu verstehen, dass die Referenzbilanz zum Stichtag die tatsächlichen Verhältnisse objektiv vollständig und korrekt widerspiegelt. Damit hat der Verkäufer auch für nicht bekannte Schulden und Eventualverbindlichkeiten bis zum Stichtag einzustehen, mögen diese auch nach subjektiven Kriterien unter Berücksichtigung der bilanzrechtlich erforderlichen Aufstellungssorgfalt nicht erkennbar gewesen sein und im Hinblick auf die Vermögenslage der Zielgesellschaft keine Verletzung der handelsrechtlichen Bilanzierungsgrundlagen darstellen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1.Teil: Einleitung: Die Einleitung skizziert das Gesamtthema der Risikominimierung bei Unternehmenstransaktionen, begründet die Relevanz der Untersuchung und stellt die Forschungsfrage nach der Wirksamkeit der Vertragsgestaltung zur Absicherung von Transaktionen.
2.Teil: Der Begriff und der Prozess der Unternehmensakquisition: Dieser Teil definiert den Unternehmensbegriff im Kontext der Akquisition, erläutert die verschiedenen Arten wie Asset oder Share Deals sowie den typischen Prozess der Verkaufsabwicklung.
3.Teil: Informationsasymmetrien und Due Diligence zur Risikoidentifizierung: Hier werden Informationsasymmetrien zwischen Käufer und Verkäufer analysiert und die Rolle der Due Diligence als Instrument zur Risikoidentifizierung sowie Lösungsansätze wie Signalling und Screening dargelegt.
4.Teil: Das gesetzliche Mangelgewährleistungsrecht und Haftungstatbestände: Das Kapitel behandelt die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Mangelgewährleistung sowie spezifische Haftungsrisiken des Käufers bei Asset und Share Deals.
5.Teil: Vertragsgestaltung und Risikoverteilung: Der Hauptteil erläutert die praktische Ausgestaltung von Kaufverträgen durch Garantien, Earn-Out-Klauseln, Freistellungen und W&I-Versicherungen zur zielgerichteten Risikoverteilung.
6.Teil: Reflexion der Arbeit: Das Abschlusskapitel resümiert, dass die identifizierten Vorgehensweisen und Gestaltungsmöglichkeiten in der M&A-Praxis effektiv dazu beitragen, Transaktionsrisiken zu minimieren und Haftungsfragen kalkulierbarer zu machen.
Schlüsselwörter
Unternehmensakquisition, Risikominimierung, Due Diligence, M&A-Prozess, Bilanzgarantie, Haftung, Garantien, Freistellung, Earn-Out-Klausel, Informationsasymmetrie, Asset Deal, Share Deal, Kaufvertrag, Risikoverteilung, Gewährleistungsversicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Risiken, die mit Unternehmenskäufen (M&A) verbunden sind, und stellt Strategien vor, wie Käufer und Verkäufer diese Risiken durch Transaktionsgestaltung, Due Diligence und vertragliche Vereinbarungen minimieren können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die rechtlichen Grundlagen von Unternehmenstransaktionen, die Methoden der Due Diligence, die Handhabung von Informationsasymmetrien sowie die Gestaltung von Kaufverträgen inklusive Garantiekatalogen und Haftungsbeschränkungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, dem Leser den gesamten Prozess des Unternehmenskaufs nahezubringen und aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Vertragsgestaltung und Risikoanalyse das Transaktionsrisiko reduziert und ein faires Chancen-Risiko-Verhältnis für alle Parteien geschaffen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Rechtsanalyse. Sie wertet aktuelle Fachliteratur, Kommentierungen sowie relevante BGH- und OLG-Urteile aus, um die praktische Anwendung von Vertragsklauseln im deutschen Transaktionsraum zu erläutern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Informationsasymmetrien, die Durchführung einer Due Diligence (inklusive Steuer-, Commercial-, Financial- und Legal-Due-Diligence), die gesetzliche Haftungssituation sowie die detaillierte Ausgestaltung von Garantien und Versicherungen zur Risikoabsicherung.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Risikominimierung, M&A-Transaktionen, Due Diligence, vertragliche Haftungsregeln, Garantien und Compliance-Aspekte charakterisieren.
Warum ist die Bilanzgarantie ein so wichtiger Bestandteil der Arbeit?
Die Bilanzgarantie ist zentral, da sie eine Sonderstellung im Garantiekatalog einnimmt. Die Arbeit analysiert insbesondere, wie aktuelle Rechtsprechung, wie das Urteil des OLG Frankfurt, die Anforderungen an die Formulierung dieser Garantien verschärft hat.
Welche Rolle spielen Earn-Out-Klauseln bei der Risikominimierung?
Earn-Out-Klauseln dienen der risikoadäquaten Preisanpassung. Sie minimieren das Risiko für den Käufer bei unsicherer Zukunftsentwicklung und ermöglichen dem Verkäufer, an einem zukünftigen Erfolg des Unternehmens zu partizipieren.
- Arbeit zitieren
- Angelos Kastrinos (Autor:in), 2019, Risikominimierung bei Unternehmenskäufen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1061133