Die Arbeit untersucht das vergangene Zusammenleben der Sowjets und der Einheimischen zur Zeit der Stationierung der Roten Armee in Ohrdruf und Umgebung von 1945 bis 1990. Dabei wird die Sicht der Zeitzeugen in eine wichtige Stellung gerückt und ihre Emotionalität nicht außer Acht gelassen. Des Weiteren ist das Ziel der Arbeit, die positiven und negativen Aspekte des Zusammenlebens zwischen Sowjets und Deutschen zu beleuchten. Zunächst wird eine theoretische Grundlage geschaffen, um so im zweiten Teil die Erfahrungen und Gedanken der Bürger widerzuspiegeln.
Die Arbeitshypothese ist, dass die Oral History ein wichtiger Bestandteil zur Erhaltung der Geschichte ist, da sie ein Zusammenspiel aus subjektiver Zeitzeugenwahrnehmung und historischen Fakten bildet. Die Oral History verbindet subjektive Erfahrungen und geschichtliche Ereignisse und vergleicht diese auf Grundlage von Fakten und Quellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Oral History
2.1 Definition, Entstehung, Entwicklung
2.2 Interviewpartner oder Zeitzeuge?
2.3 Methode
2.3.1 Zeitzeugensuche und -vorbereitung
2.3.2 Vorbereitung der Interviews
2.3.3 Interview
2.3.4 Auswertung
2.4 Gedächtnis und Erinnerung
2.4.1 Begriffserklärung und Funktionsweisen
2.4.2 Gedächtnisarten
2.4.2.1 Ultrakurzzeitgedächtnis
2.4.2.2 Kurzzeitgedächtnis
2.4.2.3 Langzeitgedächtnis
2.4.3 Gedächtnisformen
2.4.4 Biologische Prozesse bei der Erinnerungsbildung
2.4.5 Gedächtnismanipulation
2.5 Möglichkeiten und Grenzen
3 Schriftliche Zeitzeugenbefragung
3.1 Methode
3.2 Erstellung eines Formulars
3.2.1 Konzeption eines Fragebogens
3.2.2 Formulierung der Fragen
3.2.3 Frageformen
3.2.4 Auswertung
4 Sowjets in Ohrdruf
4.1 Die Grundlagen für die spätere Entwicklung
4.2 Die Befreiung vom Nationalsozialismus
4.3 Organisation des Lebens in der Nachkriegszeit der Roten Armee in Ohrdruf
4.4 Die Rote Armee in der DDR bis zum Abzug der letzten sowjetischen Soldaten
5 Zeitzeugeninterviews
5.1 Vorbereitung
5.2 Durchführung
5.3 Analyse
5.3.1 Zeitzeuge Arbeit
5.3.2 Zeitzeuge Musik
5.3.3 Zeitzeuge Musik in Verbindung mit Schule
5.3.4 Zeitzeuge Sowjetischer Soldat
5.3.5 Vergleich der Interviews
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Seminarfacharbeit ist die Untersuchung des Zusammenlebens zwischen der einheimischen Bevölkerung und den in Ohrdruf stationierten sowjetischen Truppen im Zeitraum von 1945 bis 1990 unter Verwendung der Oral-History-Methode.
- Grundlagen der Methode "Oral History" und deren wissenschaftliche Einordnung.
- Die psychologische Bedeutung von Gedächtnis und Erinnerung bei der Zeitzeugenbefragung.
- Methodik der schriftlichen Zeitzeugenbefragung mittels Fragebögen.
- Historische Aufarbeitung der sowjetischen Präsenz in Ohrdruf.
- Durchführung und Analyse von Zeitzeugeninterviews zur Gewinnung subjektiver Erfahrungsberichte.
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition, Entstehung, Entwicklung
Die Oral History wird als eine geschichtswissenschaftliche Methode bezeichnet. Sie ist eine Teildisziplin der Geschichtswissenschaft, welche dadurch definiert ist, Erzählungen und lebensgeschichtliche Darstellungen als historische Quelle zu produzieren und schlussendlich zu interpretieren und auszuwerten. Die Erzählungen spiegeln sich in den subjektiven Erfahrungen der interviewten Person wider, wobei sich der historische Wert für den Untersuchenden ableitet. Hierbei geht es jedoch nicht um den Wahrheitsgehalt der geschilderten vergangenen Situation, sondern vielmehr darum, wie es der Zeitzeuge aufgenommen hat. Bei der Oral History geht es also nicht grundlegend darum, wie sich etwas zugetragen hat, sondern eher darum, wie Geschichte subjektiv aufgenommen und verarbeitet wird. Die Ergebnisse werden weiterführend dafür genutzt, um herauszufinden, wie die Menschen in besonderen Situationen gehandelt haben und ihr Verhalten wird dahingehend erforscht.
Noch bevor sich die Oral History als eine wissenschaftliche Methode beweisen konnte, wurden kulturelle als auch historisch wichtige Ereignisse, die weit zurücklagen, zusammengetragen und notiert. Jedoch geschah dies aus anderen Beweggründen. Somit wurde das historische Erbe in einer „nicht-literalen Gesellschaft“ weder aufgeschrieben noch verewigt, sodass es nur von Gespräch zu Gespräch weitergegeben wurde. Die Oral History ist aber dennoch nicht zu vergleichen mit einer mündlichen Überlieferung von Geschichten innerhalb einer Gesellschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation für das Zeitzeugen-Projekt am Gymnasium Gleichense und führt in die Arbeitshypothese ein, dass Oral History ein wesentlicher Bestandteil zur Erhaltung lokaler Geschichte ist.
2 Oral History: Dieses Kapitel definiert die Methode der Oral History, beleuchtet ihre Entwicklung und widmet sich intensiv den psychologischen und biologischen Grundlagen des menschlichen Gedächtnisses sowie den Möglichkeiten und Grenzen der Befragungen.
3 Schriftliche Zeitzeugenbefragung: Hier werden methodische Ansätze zur schriftlichen Erhebung vorgestellt, insbesondere die Konzeption von Fragebögen, die Formulierung von Fragen und die spätere Auswertung der Daten.
4 Sowjets in Ohrdruf: Dieses Kapitel liefert den historischen Hintergrund über die Stationierung der Sowjetarmee in Ohrdruf, von den Grundlagen nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Abzug der Soldaten 1991.
5 Zeitzeugeninterviews: Dieser Praxisteil beschreibt die konkrete Vorbereitung, Durchführung und Analyse der Interviews mit vier Zeitzeugen und vergleicht die unterschiedlichen Perspektiven zum Zusammenleben.
6 Fazit: Das Fazit bestätigt die Arbeitshypothese und reflektiert den gesamten Forschungsprozess unter Berücksichtigung der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie.
Schlüsselwörter
Oral History, Zeitzeugen, Sowjetarmee, Ohrdruf, Gedächtnis, Erinnerung, Befragung, Zeitzeugeninterviews, lokale Geschichte, Besatzungszeit, Transkription, Fragebogen, Zusammenleben, Nachkriegszeit, historische Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Erforschung der Zeit der Stationierung sowjetischer Streitkräfte in Ohrdruf und Umgebung durch Zeitzeugengespräche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Oral-History-Methodik, die Funktionsweise des menschlichen Gedächtnisses und die historische Analyse der sowjetischen Präsenz vor Ort.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, subjektive Erfahrungen des Zusammenlebens von Einheimischen und sowjetischen Soldaten zu dokumentieren und historisch einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die "Oral History" sowie ergänzend schriftliche Umfragebögen für die Zeitzeugen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Zeitzeugenbefragung, eine historische Analyse der Nachkriegszeit in Ohrdruf und die Auswertung der selbst geführten Interviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Oral History, Zeitzeugen, Sowjetarmee, Gedächtnisforschung, Ohrdruf und DDR-Besatzungszeit.
Wie beeinflusste die Covid-19-Pandemie das Projekt?
Durch Kontaktbeschränkungen musste der Zeitplan verschoben werden, was die Schüler zwang, ihr Vorgehen bei den Interviews anzupassen.
Was ergaben die Interviews zum Thema Freundschaft?
Die Interviews verdeutlichten, dass die offizielle "Deutsch-Sowjetische Freundschaft" meist nur politisch propagiert wurde, während persönliche Kontakte im Alltag eher selten und durch Distanz geprägt waren.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2020, Zeitzeugen im Gespräch. Die Stationierung der Sowjetarmee in Ohrdruf und Umgebung von 1945 bis 1990, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1061260