Zur Bedeutung des betrieblichen Gesundheitsmanagements am Beispiel effektiver Stressbewältigung


Hausarbeit, 2020

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Stress am Arbeitsplatz
2.1 Formen von Stress
2.2 Auswirkungen von Stress
2.3 Präventive Maßnahmen und Stressbekämpfung
2.3.1 Rechtliche und Betriebliche Intervention

3 Betriebliches Gesundheitsmanagement
3.1 Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeitergesundheit
3.2 Arbeits- und Gesundheitsschutz
3.3 Betriebliches Eingliederungsmanagement
3.4 Humaner Arbeitsplatz und soziale Verantwortung

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Jeder zweite Arbeitnehmer1 empfindet seine Arbeit als eher stressig und sieht für sich selbst ein mäßiges bis hohes Burnout-Risiko.“ Dies war eines der Ergebnisse einer Umfrage der pronova-BKK zum Thema betriebliches Gesundheitsmanagement aus dem Jahre 2018 (pronova-BKK, 2018: S.28 u. 34). Laut Studie ist ein Anstieg gegenüber den Vorjahren erkennbar. Besonders schwer körperlich arbeitende Menschen sehen sich einem hohen Stress- und Burnout-Risiko ausgesetzt. Das Thema scheint die Managementetagen längst verlassen zu haben. Die Arbeitnehmergesundheit ist in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker in den Focus großer Unternehmen gerückt. Dies belegt auch die Fülle an Fachliteratur und Ratgebern auf diesem Gebiet. Abgesehen von steuerlichen Vorteilen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements hat man erkannt, dass ein gesunder Arbeitnehmer an einem ergonomischen Arbeitsplatz weitaus produktiver ist (vgl. Pfannstiel & Mehlich, 2018: S. 1).

In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob sich das betriebliche Gesundheitsmanagement ausreichend mit der Prävention von arbeitsbedingtem Stress sowie dem Umgang mit stressbedingten Ausfällen befasst. Um grundlegende Begriffe und Konzepte zu erläutern, wird im ersten Teil mithilfe des Transaktionalen Stressmodells von Lazarus die Formen sowie Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz erklärt. Ebenso werden Modelle zur Stressbekämpfung sowie präventive Maßnahmen vorgestellt.

Im weiteren Verlauf wird das Konzept des betrieblichen Gesundheitsmanagements vorgestellt. Hierzu wird der Focus auf die betriebliche Gesundheitsförderung gelegt, sowie die Verhaltens- und Verhältnisprävention vorgestellt.

Ziel dieser Arbeit soll sein, die Frage nach der Nutzbarkeit und Relevanz zur Reduktion von Stress und psychischen Gefährdungen im Allgemeinen im betrieblichen Gesundheitsmanagement zu beantworten.

2 Stress am Arbeitsplatz

2.1 Formen von Stress

Stress (von engl. stress Belastung) wird in der Psychologie als eine Reaktion des Organismus auf innere oder äußere Reize verstanden, die das innere Wohlbefinden potenziell gefährden oder belasten können (vgl. Reif, Spieß & Stadler 2018: S.6).

Diese Reize werden allgemein in fünf Stressfaktoren, auch Stressoren genannt, eingeteilt:

- Äußere oder physikalische Stressfaktoren wie Sinnesreizüberflutungen und Informationsfluten oder deren Entzug - darunter fallen Lärm, Licht, Schmerze aber auch reale oder simulierte Gefahrensituationen.
- Körperliche oder physische Stressfaktoren wie der Entzug von primären Bedürfnissen etwa Nahrung, Schlaf oder Bewegung, sodass diese nicht mehr befriedigt werden können.
- Soziale Stressfaktoren, die eine grundlegende Anpassung der Lebenswelt durch einschneidende Erlebnisse erfordern, etwa durch Arbeitslosigkeit, Tod eines Angehörigen oder Scheidung.
- Psychische und psychosoziale Stressfaktoren wie Kontrollverlust, Ungewissheit oder Konflikte.
- Leistungsstressfaktoren wie Über- oder Unterforderung, Prüfungen oder Kritik. (vgl. Kaluza 2015: S.16)

Jeder Mensch reagiert individuell und unterschiedlich stark auf Einflüsse der Umwelt. Entsprechend unterschiedlich werden diese Einflüsse als potenziell stressig oder gefährdend wahrgenommen. Ein Modell, welches die Verarbeitung von Stressoren verdeutlicht, ist das transaktionale Stressmodell nach Richard Lazarus und Susan Folkman aus dem Jahre 1984 (siehe Abb. 1, S. 3). Anstatt den Stressoren der Umwelt passiv ausgesetzt zu sein, gehen Lazarus und Folkman davon aus, dass sich Menschen aktiv und unter der Berücksichtigung persönlicher Wahrnehmungen und Ressourcen mit den Einflüssen ins Verhältnis setzen (vgl. Kaluza 2015: S.44).

Wird ein potenzieller Stressor erkannt, erfolgt die kognitive Bewertung neuer oder unbekannter Situationen in einer primären und einer sekundären Einschätzung.

Während der primären Bewertung (engl. primary appraisal) wird die Situation auf Relevanz, Herausforderungen oder mögliche Bedrohungen (Stresspotenzial) überprüft. Wird die Situation als potenziell bedrohlich wahrgenommen, wird in der sekundären Einschätzung (engl. secondary appraisal) überprüft, ob diese mit den persönlichen, sozialen und materiellen Ressourcen bewältigt werden kann. Eine Stressreaktion wird ausgelöst, wenn diese Ressourcen nicht ausreichend sind. Anschließend erfolgt eine Neubewertung der Situation der reappraisal womit der Erfolg der Bewältigungsstrategie überprüft wird.

Einerseits lässt sich die persönliche Stresskompetenz durch Lernprozesse steigern, andererseits jedoch können durch Übersensibilisierung jede Herausforderung als potenzielle Bedrohungen wahrgenommen werden (vgl. Uhle & Treier 2019: S.441).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Transaktionales Stressmodell nach Lazarus und Folkman (vgl. Uhle & Treier

2.2 Auswirkungen von Stress

Der menschliche Körper strebt danach ein konstantes, inneres Milieu oder auch ein Gleichgewicht der physiologischen Körperfunktionen, zu halten. Während dieses, als Homöostase bezeichneten Vorganges, erfolgt ein ständiger Abgleich der Außenwelt mit den persönlichen Ressourcen. Um auf Umweltreize oder Ereignisse zu reagieren, versucht der Organismus bei beständigen Umwelteinflüssen stetig die körpereigenen Sollwerte anzupassen. Treten nun jedoch plötzliche neuartige Änderungen oder Störungen der Außenwelt ein, wie die in Kapitel 2.1 beschriebenen Stressoren, entstehen große Differenzen der Soll-Ist-Werte des Körpers, welche nicht durch die schematischen Reaktionen kompensiert werden können. Es kommt zu einer unspezifischen Notfallreaktion, sodass sich der Körper physiologisch auf eine potenzielle Gefahr oder Bedrohung einstellet - die Stressreaktion entsteht (vgl. Kaluza 2015: S.18).

Diese biologische Stressreaktion äußert sich in diversen Organen. Das Gehirn wird stärker durchblutet, um Sinnesreize in verkürzter Zeit verarbeiten zu können. Gleichzeitig wird der Zugang auf Inhalte des Gedächtnisses blockiert. In den Lungen weiten sich die Bronchien und die Atmung wird erhört, was zu einer erhöhten Sauerstoffaufnahme führt. Die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen, wodurch die Versorgung der Muskulatur mit Sauerstoff und Energie angehoben wird. Sogenannte Endorphine, körpereigne Schmerzhemmstoffe, werden ausgeschüttet, sodass die Schmerzempfindlichkeit abnimmt (vgl. Kaluza 2015: S.19 f.). Aus evolutions-biologischer Sicht ist das körpereigne Stressprogramm durchaus sinnvoll, da es den Organismus auf eine mögliche körperliche Auseinandersetzung mit den potenziellen Bedrohungen vorbereitet. Jedoch erweist sie sich bei den derzeitigen leistungsbezogenen Anforderungssituationen der Mensch als wenig förderlich, da die emotionale, körperliche Aktivierung eine konstruktive Bewältigung beeinträchtigt (vgl. Kaluza 2015: S. 20).

Eine akute Stressreaktion ist noch kein Risiko für die körperliche Gesundheit, vielmehr fördert sie diese. Phasenweises Aktivieren des Körpers ist Ausdruck der Lebendigkeit und, wird subjektiv als lustvoll und angenehm empfunden und wirkt motivierend und leistungssteigernd - man spricht vom gesundheitsfördernden Eustress dem der sogenannte, gesundheitsschädigende Distress gegenübersteht (vgl. Kaluza 2015: S. 30). Dieser tritt bei einer chronifizierten Stressreaktion auf. Da in heutiger Zeit zwischenmenschliche Beziehungen oder auch die eigene Arbeit als Stressoren wahrgenommen werden können, kann auch eine Stressreaktion oft über Jahre anhalten. Die somit fehlende Zeit der Erholung kann dazu führen, dass der Organismus in einer ständigen Widerstandsbereitschaft gehalten wird, in der er sich an ein Leben mit chronischer Belastung anpasst. Es kommt zu einer Verschiebung der Sollwerte, in der der Körper versucht unter enormen Energieaufwand ein neues Gleichgewicht auf erhöhtem Niveau einzuregulieren. Bleibt das Niveau dauerhaft oder über einen langen Zeitraum erhöht, beginnt der Körper seine Fähigkeit zur Selbstregulation zu verlieren und kaum noch auf ein Ruheniveau zu kommen. Blutgefäße bleiben verhärtet, was dazu führt, dass sie sich nicht mehr weiten können, wodurch der Blutdruck chronisch erhöht ist. Das ständig ausgeschüttete Stresshormon Kortisol hemmt die, im Regelfall durch Insulin geförderte, Aufnahme von Zucker, damit für das Gehirn genügend Energie zur Verfügung steht. Dies hat jedoch zur Folge, dass die Bauchspeicheldrüse den erhöhten Blutzuckerspiegel als Insulinmangel interpretiert und versucht diesen auszugleichen. Durch den chronischen Verlauf der Reaktion kommt es zu einer Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse was in einem tatsächlichen Insulinmangel resultiert - das Risiko für Diabeteserkrankungen steigt. Nicht verbrauchte Energie verbleibt als Zucker und Fett im Blut und kann die Blutgefäße verstopfen, was das Risiko eines Infarktes in der Lunge, dem Herzen oder dem Gehirn fördert (vgl. Kaluza 2015: S.30. f.). Chronischer Stress wirkt sich nicht zuletzt stark auf das psychische Wohlbefinden und die psychische Gesundheit aus. Viele Depressionen können eine Folge dauerhaften Stresses sein (vgl. Kaluza 2015: S.34). Eine weitere längerfristige und schwerwiegende Folge langanhaltenden Stresses ist das Burn-Out Syndrom oder kurz Burn-Out als Resultat völliger Erschöpfung und der subjektiven Empfindung des Ausgebranntseins, der inneren Leere und der Nutzlosigkeit (vgl. Reif, Spieß & Stadler 2018: S.93). Es handelt sich beim Burnout jedoch nicht um ein eigenständiges Krankheitsbild nach der ICD-10, der von der WHO internationalen Klassifizierung aller Krankheiten. Vielmehr ist das Syndrom ein weiterer Risikofaktor für die psychische wie physische Gesundheit und kann beispielsweise Depressionen weiter begünstigen (vgl. Kaluza 2015: S.35 f.).

2.3 Präventive Maßnahmen und Stressbekämpfung

Menschen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wahrnehmung, Bewertung und Bewältigung von Stressoren. Das individuelle Bewältigen, auch als Coping bezeichnet, stellt neben dem Bewerten, appraisal, das zweite, wichtige Konzept in der Stresstheorie von Lazarus und Folkmann dar (vgl. Kaluza 2015: S.62).

Bewältigungsversuche lassen sich in problem- und emotionsbezogenes Coping kategorisieren. Von problembezogenem Coping spricht man, wenn die Bedingung, welche eine Herausforderung, Bedrohung oder Schädigung auslöst, angegangen wird. Emotionsbezogen ist die Bewältigung, wenn die bei Stress auftretenden Emotionen kontrolliert oder reguliert werden (vgl. Uhle & Treier 2019: S.102 ff). Der Begriff der Bewältigung umfasst im wissenschaftlichen Sinne bereits den Versuch, oder die Anstrengung die Herausforderungen zu bewältigen (vgl. Kaluza 2015: S.62).

Ob eine Coping-Strategie effektiv ist, hängt von den Bedingungen jeder einzelnen Situation ab. Ist eine Situation grundsätzlich kontrollierbar, ist ein problembezogenes Coping sinnvoll, in schwer zu kontrollierenden Situationen ist das Beherrschen negativer Emotionen und insbesondere positives Umdeuten effektiv (vgl. Uhle & Treier 2019: S.105). Die Form der individuellen Stressbewältigung ist für die Gesundheit und soziale Funktionstüchtigkeit genauso relevant, wie die Häufigkeit und Intensität der Stresserlebnisse. Analog der Bewältigungsversuche lassen sich drei Hauptwege des individuellen Stressmanagements, insbesondere auf die Arbeitswelt, detaillieren:

- Instrumentelles Stressmanagement: Reduzieren oder Eliminieren von Stressoren durch Umorganisieren des Arbeitsplatzes oder Verändern von Abläufen. Instrumentelles Stressmanagement kann reaktiv auf akute Belastungen hin erfolgen.
- Mentales Stressmanagement: kognitive Intervention, bei der die persönlichen Einstellungen, Denkweisen und Verhaltensmuster, also die persönlichen Stressverstärker, kritisch hinterfragt und möglichweise in stressfreie Denkweisen transformiert werden.
- Regeneratives Stressmanagement: Regulierung der bereits eingetretenen psychologischen und physiologischen Stressreaktionen. Unterschieden wird hierbei zwischen kurzfristigen Bewältigungsversuchen (Palliation), wie Medikamentation oder Ablenkung und längerfristigen Bemühungen (Regeneration), wie Hobbys und das Pflegen sozialer Kontakte. (vgl. Kaluza 2015: S.63-65)

Die Effektivität einzelner Bewältigungsmaßnahmen ist dabei stark von der psychischen Belastung abhängig. Die symptomatische Behandlung beispielsweise durch Medikamente oder Psychopharmaka, aber auch Alkohol und andere sinnesverändernde Substanzen, sogenannte eskapistische Strategien, lässt eine schnelle Minderung der Belastung zu, hat langfristig aber eine konträre Wirkung zur Folge (vgl. Kaluza 2015: S.65-67).

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung aller personalisierten Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für jedes Geschlecht.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Zur Bedeutung des betrieblichen Gesundheitsmanagements am Beispiel effektiver Stressbewältigung
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V1061368
ISBN (eBook)
9783346475466
ISBN (Buch)
9783346475473
Sprache
Deutsch
Schlagworte
BGM, Stressbewältigung, betriebliches Gesundheitsmanagement
Arbeit zitieren
Magnus Lindwedel (Autor:in), 2020, Zur Bedeutung des betrieblichen Gesundheitsmanagements am Beispiel effektiver Stressbewältigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1061368

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