Die Schweiz im Spanischen Bürgerkrieg


Referat / Aufsatz (Schule), 2002
30 Seiten, Note: Prädikat:

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Inhalt

Einleitung

1. Kurze Zusammenfassung des spanischen Bürgerkriegs

2. Die Schweiz in den 1930er Jahren

3. Erste Reaktionen in der Schweiz
3.1 Die Arbeiter solidarisieren sich
3.2 Tätige Solidarität
3.3 Die offizielle Seite der Schweiz

4. Spanienkämpfer
4.1 Schweizer Freiwillige in Spanien
4.2 Mein Besuch bei Hans Hutter
4.3 Schweizer Frauen im Spanischen Bürgerkrieg

5. Zurück in der Schweiz
5.1 Rückkehr und Verhaftung
5.2 Militärgerichtsprozesse und harte Urteile gegen Spanienkämpfer
5.3 Der Ruf nach Amnestie

6. Situation heute

Schlusswort

Anhang

Einleitung

Als wir für unsere Maturarbeit ein Thema auszuwählen hatten, fiel mir dies nicht gerade einfach. Es gab einige Themen, die mich interessierten, vor allem in den Fächern Geschichte und Deutsch, aber für keines konnte ich mich richtig erwärmen. Der Abgabetermin rückte näher und ich wusste immer noch nicht, welches Thema ich nun wählen sollte. Da schlug mir eine Kollegin vor, ich könnte ja meine Arbeit über die Schweizer Freiwilligen schreiben, die im Spanischen Bürgerkrieg mitgekämpft hatten. Ich wurde sofort hellhörig. Der Spanische Bürgerkrieg interessierte mich schon lange, doch habe ich bisher noch nichts über Schweizer gewusst, die dort mitgekämpft hatten. Sie versprach mir ein Buch zu diesem Thema mitzubringen.

Ich schaute mir dieses kleine Büchlein durch, und es war mir bald klar, dass es sich lohnen würde, zu diesem Thema eine Maturarbeit zu schreiben. Vor allem die Vielschichtigkeit, die sich dahinter verbirgt, hat mich fasziniert. Einerseits geht es um die grossen ideologischen Strömungen des 20. Jahrhunderts, um den Kommunismus, den Sozialismus, den Anarchismus und als Gegensatz dazu den Faschismus. Es beinhaltet aber auch ein wichtiges, wenn auch nicht ruhmreiches Stück Schweizergeschichte, das man auf keinen Fall totschweigen darf. Was mich aber vor allem an diesem Thema anspricht, sind die Menschen, die für ihre Idee einer freien und gerechten Gesellschaft bereit waren, zu kämpfen und auch zu sterben. Nachdem ich mich entschlossen habe, dieses Thema nun definitiv zu wählen, begann ich, Material zusammenzutragen. Als soliden Grundstock diente mir das Buch meiner Kollegin[1], dazu kamen weitere Bücher und auch Originalquellen, die ich im Zürcher Sozialarchiv fand[2]. Ich verbrachte anfangs viel Zeit damit, mich in das Thema einzulesen wobei ich mich auch eingehend mit den Hintergründen des Spanischen Bürgerkriegs auseinander setzte, obschon diese nun nur noch am Rande meiner Maturarbeit vorkommen. Schon bevor ich allzu viel über das Thema wusste, hatte ich mir einige Fragen zurechtgelegt, nun begannen sie sich schärfer herauszukristallisieren und Form anzunehmen. Ich beschloss, Schwerpunkte, die ich anfangs noch festgelegt hatte, wegzulassen, und dafür neue zu setzten. Ursprünglich wollte ich eigentlich genauer auf die internationalen Brigaden eingehen, und auch den ideologistischen Strömungen mehr Platz einräumen, nun aber habe ich beschlossen, mich bei meiner Arbeit vornehmlich auf die Schweiz im Zeitraum von 1936-1939 zu konzentrieren, und den Geschehnissen in Spanien nur eine kurze Zusammenfassung zu widmen.

In meiner Maturarbeit möchte ich aufzeigen, weshalb die Schweizer, in doch beträchtlicher Zahl, nach Spanien gingen, wie Rückkehrer vom Staat behandelt wurden und wie die offizielle Schweiz auf die Ereignisse in Spanien reagierte. Ich möchte auch untersuchen, wie sich in der Schweiz Menschen für die Republik einsetzten und mit welchen Widerständen sie zu kämpfen hatten. Im weiteren interessiert es mich, welche Stellung die linken Parteien zu dieser Zeit in der Schweizerpolitik einnahmen und mit welchen Mitteln sie versuchten, ihre Interessen durchzusetzen. Anhand von Erlebnisberichten, die Spanienkämpfer nach ihrer Rückkehr in die Schweiz niedergeschrieben haben, versuche ich aufzuzeigen, welche Rolle die Schweizer Widerstandskämpfer in Spanien spielten, wie sie dachten und mit welchen Augen sie die damalige Welt sahen. Ich habe mich zu diesem Zweck auch mit Herrn Hutter getroffen, der als junger Mann auf Seiten der Republik mitkämpfte und nun ein Buch über diese Zeit geschrieben hat. Ihm und seiner Biographie werde ich eine zentrale Stellung in meiner Arbeit einräumen, denn ich habe in ihm einen äusserst interessanten Menschen kennen gelernt und denke, dass seine Erlebnisse und Gedanken auch stellvertretend für diejenigen anderer Schweizer Freiwilligen sind.

1. Kurze Zusammenfassung des spanischen Bürgerkriegs

[3] Um verstehen zu können, wie es zum spanischen Bürgerkrieg kommen konnte, und weshalb er ein historisches Ereignis von beinahe symbolträchtiger Sprengkraft ist, muss man zuerst die gesellschaftlich-sozialen und politischen Hintergründe Spaniens vor 1936 durchleuchten.

Bis 1931 war Spanien eine stark klerikal geprägte Monarchie. Die katholische Kirche bestimmte weitgehend das gesellschaftliche sowie das politische Leben. Der König, einige adelige Grossgrundbesitzer, und die Bischöfe sassen am Hebel der Macht. Auf die breite Masse des Volkes wurde wenig Rücksicht genommen, viele lebten unter erbärmlichen Bedingungen. Es war das real existierende Mittelalter anfangs 20. Jahrhundert.

Ein verlustreicher und wenig ruhmvoller Krieg, der in Marokko gegen verschiedene Stämme des Riff Gebirges geführt wurde, und die wachsende Unmut der Bevölkerung, führten 1931 zur Abdankung des Königs. Die Republik wurde gewählt.

Dies änderte aber im Grunde wenig an der Situation der proletarischen Bevölkerung. Der Reichtum des Landes ist nun bei einigen tausend Großgrundbesitzern konzentriert, Forderungen der werktätigen Klasse werden mit Gewalt beantwortet. In ganz Spanien führen verschiedene linke Gruppierungen einen Kleinkrieg gegen den repressiv auftretenden Staat. Ein revolutionärer Aufstand der Minenarbeiter Asturiens 1934 wird blutig niedergeschlagen, dabei werden 3000 Arbeiter erschossen, 30’000 kommen ins Gefängnis.

1936 ruft die rechtsbürgerliche Republik allgemeine Wahlen aus. Die rechten Parteien, denen vor allem die Großgrundbesitzer, die Kirche und ein Teil des Mittelstandes angehören, schließen sich zur „Nationalen Aktion“ zusammen, die linken Parteien gründen die Volksfront (frente popular). Ihr gehören vor allem Arbeiter, Bauern und liberal eingestellte Bürger an. Zur Überraschung der Rechten, kann die frente popular die Wahlen für sich entscheiden. Trotz der revolutionären Stimmung die nun allerorts vorherrscht, beginnt nun die neue Regierung eher ein gemäßigtes und liberales Programm zu verwirklichen. Sie strebt zwar eine Agrarreform an, gemäss dieser das Land der Grossgrundbesitzer aufgeteilt und unter den Bauern verteilt werden sollte und es wird nun auch mit dem Aufbau eines öffentlichen Erziehungswesens begonnen, doch die neue Regierung vermag sich nur zögerlich durchzusetzen, und so übernehmen oftmals die Bauern und Arbeiter ihr Schicksal selbst in die Hand und beginnen Land und Fabriken zu besetzen. In den Strassen kommt es zu Kämpfen zwischen den Trupps der Grossgrundbesitzer und militanter Arbeitergruppen, auch bekommen die anarchistischen Parteien, vor allem in Katalonien, enormen Aufwind. Inzwischen treffen die Generäle unter Führung General Francos Vorbereitungen für einen Putsch. Sie sichern sich die Unterstützung Hitlers und Mussolinis, diese versprechen Waffen und Soldaten.

Am 18. Juli 1936 besetzen die rebellierenden Generäle und Offiziere die Garnisonen der Armee. Wie ein Flächenbrand breitet sich die Rebellion in den südlichen und westlichen Landesteilen aus. Mit Hilfe marokkanischer Söldner und der spanischen Fremdenlegion gelingt es den Putschisten schon nach wenigen Tagen einen Viertel der Landesfläche zu besetzen. Die Industriezentren im Norden des Landes sowie die Hauptstadt Madrid und die Provinzhauptstädte Valencia und Barcelona bleiben aber in den Händen der Republik. In den Städten und auch auf dem Land werden Komitees gegründet, Betriebe kollektiviert und zur Verteidigung der Republik Bauern und Arbeiter bewaffnet. In Katalonien haben verschiedene anarchistische und trotzkistische Parteien eine Milizarmee aus ihren Angehörigen rekrutiert und sind so zu einer Konkurrenz der Regierung geworden.

Im ganzen Land werden furchtbare Massaker an den jeweiligen politischen Gegnern verübt, ihnen fallen gegen 200'000 Menschen zum Opfer. Während die Massaker der Franquisten methodisch geplant sind und dazu dienen die Arbeiterschaft zu brechen und politische Gegner zu liquidieren (auch in den eigenen Reihen), haben die Erschiessungen auf republikanischer Seite oft lynchjustizartigen Charakter und werden von der Basis aus durchgeführt. Der Volkszorn entlädt sich auch gegen die Kirche, die von Anfang an auf Seite der Grossgrundbesitzer und der Armee stand.

So beginnt der Bürgerkrieg. Auf der einen Seite Francos modern ausgerüstete Berufsarmee, bestehend aus marokkanischen Söldnern, Fremdenlegionären und italienischen Truppen, unterstützt von Deutschland und Italien, die ihre Flugzeuge und Tanks nach Spanien schickten um sie auf ihre Kriegstauglichkeit zu testen, auf der anderen Seite aber die Milizen des Volkes fast ohne Waffen und ohne einheitliche Struktur, aber beseelt von der Idee, ihre soeben gewonnene Freiheit bis zum Letzen zu verteidigen.

Sie waren bisher nur an den Guerillakrieg gewöhnt, und so führte jede Einheit ihren eigenen Krieg, überdies weigerten sie sich oft Schützengräben zu graben, weil sie sich vor den faschistischen „Cobardes[4] “ nicht verstecken wollten.

Den Faschisten gelingt es, bis nach Madrid vorzudringen, dort erleiden sie aber eine erste empfindliche Niederlage. Dank dem heldenhaften Einsatz der Bevölkerung und einem ersten Eingreifen der internationalen Brigaden in das Kriegsgeschehen, konnte die Stadt gehalten werden. Es sollte fast drei weitere Jahre dauern, bis den Faschisten endlich die durch deutsche Bomben schwer zerstörte Stadt einnehmen können. Bis dahin wird Spanien fast vollständig verwüstet. In zahlreichen Offensiven und Gegenoffensiven versuchen sich die beiden Kriegsparteien, gegenseitig auszubluten und zu zermürben. Kleine Dörfer wie zum Beispiel Belchite erlangen strategische Bedeutung und werden mit hohem Einsatz menschlicher Leben umkämpft.

Angesichts der Ereignisse in Spanien hält sich Europa bedeckt. Am 9. September 1936 wird in London ein Nichteinmischungskomitee gegründet, dem 26 Staaten angehören. Unter ihnen sind auch Deutschland und Italien, die sich aktiv in Spanien engagieren. Obwohl deren grobe Missachtungen der Nichteinmischungsbestimmungen allgemein bekannt sind, lässt man sie gewähren, verwehrt jedoch der legalen spanischen Regierung jegliche Hilfe. Somit ist dieses Nichteinmischungskomitee nicht mehr als eine Farce, weil kein Staat den Mut aufbringt, die beiden faschistischen Staaten ihrem mörderischen Treiben wegen, zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Republikaner müssen lange auf Hilfe warten. Erst mit der Entsendung des spanischen Goldschatzes in die Sowjetunion, erklärt sich diese bereit, die spanische Regierung mit Waffen und militärischen Beratern zu unterstützen. Durch das Eingreifen der Sowjetunion, erlangt die kommunistische Partei Spaniens immer größere Bedeutung, bis sie schlussendlich die Regierung dominiert. Dies führt zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern marxistischer, trotzkistischer und anarchistischer Parteien und den Kommunisten. Diese Auseinandersetzungen enden erst, nachdem die Kommunisten durch eingehenden „Säuberungsaktionen“, jegliche Opposition zum verschwinden gebracht haben.

Eine Besonderheit des spanischen Bürgerkriegs ist der Einsatz der internationalen Brigaden. Diese bilden sich aus Freiwilligen, die aus zahlreichen Ländern zusammengeströmt sind um Spanien gegen den Faschismus zu verteidigen. Unter ihnen waren studierte Professoren, einfache Bauern, Schriftsteller und Künstler, die ihrer linksgerichtete Einstellung wegen in ihren Heimatländer verfolgt wurden. Sie kämpften mit viel Mut und Überzeugung und dienten oft den spanischen Milizen als Vorbilder. Den internationalen Brigaden gehörten insgesamt ungefähr 40'000 Mann an.[5]

Die Faschisten wurden immer stärker durch die Deutschen unterstützt (ein trauriger Höhepunkt bildet die vollständige Auslöschung der für die Basken heilige Stadt Guernica durch die Bomben der deutschen Legion Condor). Die Republikaner aber vergeudeten ihre spärlichen Kräfte in inneren Auseinandersetzungen, die oftmals auch in katastrophalen strategischen Fehlentscheidungen gipfelten. So endet der spanische Bürgerkrieg am 29. März 1939 mit dem Sieg der Faschisten. Was danach an Racheakten an der spanischen Bevölkerung verübt wurde ist unvorstellbar. Die folgende Diktatur Francos sollte bis zu dessen Tod 1975 dauern.

Wie sehr diejenigen recht hatten, die den Spanischen Bürgerkrieg als Testfeld der faschistischen Mächte für einen neuen Weltkrieg sahen, beweist der Beginn des zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 als die Deutschen in Polen einmarschierten.

Eine detaillierte Karte auf der die Bewegungen und Veränderungen in Spanien während des Bürgerkriegs dargestellt sind, findet sich im Anhang.

2. Die Schweiz in den 1930er Jahren

[6] Wenn man sich mit der Rolle der Schweiz im Spanischen Bürgerkrieg befasst, ist es unerlässlich, dass man sich den Hintergrund vor Augen hält, der das Handeln der Schweizer um 1936 beeinflusst hat.

Die große Wirtschaftskrise, die nach dem New Yorker Börsencrash 1929 über die ganze Welt hereinbrach, hatte in der Schweiz mit Verzögerung eingesetzt, dafür hielt sie um so länger an. Ende Juni 1936 wurden in der Schweiz 75 127 Arbeitslose gezählt. Im Winter 36/37 verschärft sich die Lage zunehmend, und im Januar waren bereits 110'754 Menschen arbeitslos.[7] Die jahrelang andauernde Notlage bedrückte die werktätige Bevölkerung. Die ständige Ungewissheit, ob nicht am nächsten Zahltag die Kündigung ausgesprochen würde, oder ob man bis zur endgültigen Aussteuerung nochmals Arbeit finden werde, schuf ein aggressives Klima der Unsicherheit. Viele Arbeiter haben sich organisiert und versuchten, sich gegen die Wirtschaftsgrößen zur Wehr zu setzen, dies jedoch mit geringem Erfolg, was die Spannungen zwischen den Bürgerlichen und den Arbeitern noch mehr verstärkte. Grundsätzlich galt, wer aufmuckst, dem wird die Stelle gekündigt. Dieses Risiko wagten aber die sozial schlecht abgesicherten Familienväter meist nicht einzugehen, der Kampf für einen sozialen Ausgleich blieb deshalb an den Jungen hängen.

In seinem Buch schreibt Hans Hutter: „ Dass es in der Schweiz bis zum Zweiten Weltkrieg Armut und Elend gab, war uns jeden Tag bewusst. Schon sehr früh mussten wir alle miteinander für die Familie aufkommen[8]. Etwas später erzählt er, wie er mit dem Velo im Welschland auf Arbeitsuche ging. „ Im Herbst 1933 war ich also ausgebildeter Maschinenschlosser und Automechaniker, und es galt erneut, eine Arbeit zu finden, was jetzt aber noch schwieriger war, als drei Jahre zuvor. Im Oktober machte ich mich mit dem Velo auf Arbeitssuche. Auf meinem Weg stieg ich bei sämtlichen Garagen und mechanischen Betrieben ab. Am ersten Tag kam ich nach Zofingen, am dritten war ich in Genf “. Einmal stellte ihm ein Firmenchef eine Stelle in Aussicht, musste sein Angebot aber wieder zurückziehen, da die Arbeiterkommission opponiert hatte, denn sie wollte nicht, dass junge Leute eingestellt werden, wenn Tausende von Familienvätern auf der Strasse standen.

So blieb mir nichts anderesübrig, als mich dem Neuenburgersee entlangüber La Chaux de Fonds auf den Heimweg zu machen. Natürlich fand ich auch auf dieser Strecke keine Arbeit[9]

Vor allem für junge Männer, die gerade die RS absolviert hatten, war es schwer eine Stelle zu finden und so mussten sie mit dem bisschen Arbeitslosenentschädigung zuschlage kommen um nicht wieder ihren Familien zur Last zu fallen. In politischen Kreisen nahm man diese Probleme zwar zu Kenntnis, war aber nicht in der Lage, eine Entschärfung herbeizuführen (vielleicht war man an einer allzu sozialen Lösung gar nicht interessiert). In späteren Spanienkämpferprozessen wird den Spanienfreiwilligen oft vorgeworfen, sie seien nur aus Langweile und Abenteuerlust nach Spanien gegangen, oder aber um in fremdem Kriegsdienste Geld zu verdienen (Reisläufer). Tatsache ist, dass die miserable Lage, in der sich viele dieser jungen Männer befanden, es ihnen vielleicht erleichtert hat, nach Spanien zu gehen, jedoch wollten sie dort weder Geld verdienen, noch ihre Zeit vertreiben, sondern es ging ihnen einzig und allein darum, den Faschismus zu bekämpfen.

3. Erste Reaktionen in der Schweiz

[10] Anfangs der dreissiger Jahre lag auch die Schweiz im Spannungsfeld eines ideologischen Kampfes. Auf der rechten Seite des politischen Spektrums wimmelte es nur so von „Fronten“. Eine der wichtigsten und wohl auch einflussreichsten unter ihnen war die „Nationale Front“. Sie strebte nach totalitären Staatsformen, ganz im Sinne Hitlers und Mussolinis. An den Zürcher Gemeindewahlen 1933 verbündeten sich Freisinn und andere bürgerliche Parteien mit der „Nationalen Front“. 1937 verlieh die Universität Lausanne dem italienischen Diktator Mussolini den Titel eines Ehrendoktors. Gegen diese wachsende Bedrohung von Rechts sammelten sich aber Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Linksbürgerliche schon früh zum Widerstand.

3.1 Die Arbeiter solidarisieren sich

Als die ersten Nachrichten vom Ausbruch des Bürgerkriegs eintrafen, war man auch in der Schweiz beunruhigt. Die spanische Regierung liess jedoch verlauten, es handle sich nur um den unbedeutenden Putsch einiger aufständischer Offiziere und man sei Herr der Lage. Als sich aber bald darauf herausstellte, dass die Lage weitaus ernster war als vorerst angenommen, begann es unter den linken Parteien und Organisationen der Schweiz zu brodeln. Nun galt es, die spanische Regierung bei ihrem Kampf gegen den Faschismus zu unterstützen und Solidarität mit den spanischen Arbeitern zu zeigen. In einem seiner berühmt gewordenen Spanien-Manifeste appelliert der Schriftsteller Hans Mühlestein an die Schweizer Bevölkerung: „ Helft dem spanischen Volk bei seinem heldenhaften Kampf um Freiheit und Demokratie gegen den spanischen und internationalen Faschismus unter dem Einsatz aller moralischen und materiellen Kräfte der breitesten Volksmassen! Seid niemals „ neutral “ in den Existenzgrundsätzen eurer eigenen Demokratie und Republik - niemals neutral zwischen Freiheit und faschistischer Knechtschaft! Dies wäre Verrat an den heiligsten Freiheitsüberlieferungen unseres Vaterlandes[11]. Diese Appellationen fielen bei den Arbeitern auf fruchtbaren Boden, denn nach Wirtschaftskrise und umstürzlerischen Ereignissen in den Nachbarländern war ihr politischer Sinn geschärft und der „Klasseninstinkt“ geweckt.

3.2 Tätige Solidarität

Die Solidarität der Schweizer Arbeiter beschränkte sich nicht nur auf Kundgebungen, Appellationen und Zeitungsartikel, allerorts wurden nun auch Hilfswerke gegründet. Den Aufrufen dem spanischen Volk Hilfe zu leisten, wenigstens in einer Form, die vom Bundesrat nicht verboten war, wurde in der ganzen Schweiz bereitwillig Folge geleistet. Die wichtigsten Hilfswerke waren: das Arbeiterhilfswerk der sozialistischen Partei, die Rote Hilfe die von der kommunistischen Partei organisiert wurde, die Samariterhilfe aus Basel und die Ayuda Suiza. Daneben haben sich zahlreiche Arbeitsgruppen und Strickzirkel gebildet. Hauptaufgabe dieser Hilfswerke war es, die Republik mit Lebensmitteln, Kleider und Medikamenten zu versorgen, es gab aber auch Hilfswerke, die vor Ort Spitäler betreuten und sich um die Bevölkerung kümmerten. Auffällig ist, dass das rote Kreuz, der Stolz der schweizerischen Eidgenossenschaft, kaum in Erscheinung tritt. Dies wohl, weil es ihm als offizieller Repräsentant der Schweiz im Ausland untersagt war, sich für diese „roten Horden“ wie die Spanienkämpfer oft von den Bürgerlichen genannt wurden, einzusetzen.

In vielen Orten der Schweiz führte man Veranstaltungen durch, um für die Sache der Republik zu werben. Es wurde öffentlich debattiert, Reden gehalten und Gelder für Hilfsprojekte gesammelt.

Herr Hutter erzählte mir, dass bei manchen Spanien-Veranstaltungen anstatt eines Eintrittsgeldes, ein Stück Seife verlangt wurde, denn Seife war während des Krieges in Spanien absolute Mangelware, was sich katastrophal auf die Hygiene auswirkte. Organisiert wurden solche Veranstaltungen von Gruppen, die sich spontan zusammengeschlossen haben, weil sie sich mit der werktätigen Bevölkerung Spaniens solidarisch fühlten. Die Meisten kamen aus linken Kreisen, aus Arbeiterorganisationen und aus dem Umfeld der beiden grossen linken Parteien KPS und SPS, aber es gab auch unabhängige Wissenschaftler, Lehrer, Ärtzte und Schriftsteller, die sich für eine freie spanische Volksrepublik einsetzten.

3.3 Die offizielle Seite der Schweiz

All diese Aktionen - die Solidaritätserklärungen, das Werben für tatkräftige Hilfe in Spanien, die allerorts stark besuchten Versammlungen und das Überbrücken der Gegensätze innerhalb der Arbeiterschaft - stiessen manchem soliden Schweizer Rechtsbürgerlichen sauer auf. Greift man zur Wortführerin des Schweizer Finanzkapitals, der NZZ, so ist leicht zu erkennen, wie diese bemüht ist, die Sympathien für die spanische Volksfrontrepublik zu dämpfen. In einem Artikel, der am 14.8.36 publiziert wurde, schreibt die NZZ: „ Eine allgemeine oder bewusste und direkte Bedrohung des europäischen Friedens durch die faschistischen Staaten, existiert vorläufig nur als antifaschistische Propagandabehauptung “ . Und fünf Tage später, am 19.8.36 schreibt sie: „ Während sich unser Bürgertum im Hinblick auf den spanischen Bürgerkrieg taktvoller und kluger Zurückhaltung beflei ßigt, scheint ein Teil der marxistischen Führer den klaren Blick und das innere Gleichgewicht verloren zu haben (...) Durch die Aufpeitschung der Masseninstinkte, durch die Darstellung fremder Kämpfe sollen die schlaffen Segel des sozialistische Parteischiffes wieder gestrafft werden. Ein besseres, willkommeneres und bequemeres Mittel die Aufmerksamkeit der Massen auf sich zu lenken, gibt es im Augenblick für die marxistischen Führer nicht “. Nur schon die Betitelung aller linken Parteiführer als Marxisten, lässt Zweifel an einer objektiven Berichterstattung der NZZ aufkommen. Solche Art von Berichterstattung stimmt den Dichter Albin Zollinger denn auch nachdenklich, und er fragt sich, „ Haben wir so etwas wie einen spanischen Gesandten in der Schweiz? Was sich der Mann wohl denkt, wie offen etwa das Leibblatt unserer Bundesräte auf Seiten der Insurgenten stellte “ [12] .

Auf welcher Seite er stand, demonstrierte der Bundesrat nur zu deutlich. Am 14.8.36 wurde ein Bundesratsbeschluss erlassen, der allen Schweizern „die Teilnahme an den Feindseligkeiten in Spanien“ die „von der Schweiz aus in keiner Weise unterstützt werden dürften“ verbot. Dies bedeutete, dass von nun an öffentliche Versammlungen zugunsten der Republik geahndet werden konnten. Auch die Spanienfreiwilligen, und all jene, die vielleicht nur durch Worte jemanden dazu aufgemuntert hatten, nach Spanien zu gehen, machten sich nun strafbar. Diese Massnahmen begründet der Bundesrat mit der Wahrung der Neutralität (die Idee, sich mit Hilfe der Neutralität vom Rest der Welt abzugrenzen ist also überhaupt nicht neu). Die Linken liefen Sturm gegen diesen Bundesratsbeschluss. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, er sei verfassungswidrig und er verleugne schweizerische Traditionen wie Freiheit und Demokratie. Ausserdem sei der Bundesrat unfähig die inneren Probleme des Landes zu lösen und führe die Schweiz immer mehr an den wirtschaftlichen Abgrund.

Ein weiteres eindeutiges Zeichen wurde gesetzt, als die offizielle Schweiz unter der Leitung von Bundesrat Giuseppe Motta im Februar 1937 (als einer der ersten Staaten nach Deutschland und Italien) Franco und seine Rebellengeneräle als Regierung anerkannte. Mit dem Gesandten Francos unterhielt Bern rege diplomatische aber auch gesellschaftliche Beziehungen. Von einem Gesandten der Republik ist nie die Rede (das Nebeneinander dieser beiden Gesandten hätte sich wahrscheinlich auch ein wenig problematisch gestaltet).

In Nationalspanien, wurde die Nachricht der Annerkennung durch die Schweiz mit Genugtuung aufgenommen, der faschistische Radiogeneral Queipo de Llano meldet am Donnerstagabend (29. Juli 1937), die Schweiz habe mit der roten Regierung gebrochen.

4. Spanienkämpfer

4.1 Schweizer Freiwillige in Spanien

[13] Die ersten Schweizer, die sich der spanischen Volksrepublik zur Verfügung stellten, waren wohl jene SATUS Turner und Turnerinnen, die im Juli 1936 zur Volksolympiade[14] nach Barcelona gereist waren und dort den Ausbruch des Bürgerkrieges miterlebten. Einige schlossen sich spontan den Volksmilizen an, unter ihnen auch Schweizerinnen, die sich als Samariterinnen zur Verfügung stellen wollten. Als sich die Nachricht vom Aufstand der faschistischen Generäle auch in der Schweiz verbreitete, zögerten einige überzeugte Antifaschisten nicht lange, und machten sich auf den Weg nach Spanien. Sie schlossen sich in kleinen Gruppen zusammen, so zum Beispiel die Hundertschaft Gastone Sozzi, der vor allem italienische Antifaschisten und Tessiner angehörten, oder die Centurie Thälmann , die von deutschen und deutschschweizerischen Antifaschisten gebildet wurde. Diese kleineren Verbände wurden später in die internationalen Brigaden integriert.

Die „ersten Spanienfahrer“ - wie sie bald genannt wurden - hatten zahlreiche Nachfolger. Bis Ende 1937 wurden 369 Schweizer bei der Polizei angezeigt, die trotz des bundesrätlichen Beschlusses ausgereist waren, um in Spanien zu kämpfen. Es waren aber längst nicht alle Spanienfahrer der Polizei bekannt. Viele erreichten Spanien auf Umwegen oder waren Auslandschweizer und wurden nie von der Polizei erfasst. Es ist unmöglich genau zu sagen, wie viele Schweizer in Spanien gekämpft oder auf sonst eine Weise die Republik unterstützt hatten. Nationalrat Mario Bodenmann, der 1937 als Journalist eine Informationsreise nach Spanien unternahm, war erstaunt, so viele Schweizer bei der Volksfrontarmee anzutreffen. Er schätzte ihre Zahl auf etwa 600[15]. Bis heute wurde über die genaue Zahl der Schweizer Spanienkämpfer nachgeforscht. Man hat jetzt Kenntnis von 641 Ausgereisten, davon gingen 614 zur Republik (unter ihnen 16 Frauen) und 27 zu Franco. 147 Schweizer fielen bei den Kämpfen in Spanien. Diese Zahlen wurden aus zahlreichen Quellen zusammengetragen und sind sicher nicht komplett. Nur schon, weil wichtige Quellen wie zum Beispiel die Militärgerichtsarchive noch nicht ausgewertet werden konnten. Man geht deshalb davon aus, dass sich etwa 700 bis 800 Schweizer am Bürgerkrieg auf Seiten der Republik beteiligt hatten und etwa 40 bis 60 auf Francos Seite. Wenn man diese Zahlen in Bezug zu der Bevölkerungszahl der damaligen Schweiz (ca. 4,5 Millionen) stellt und danach mit anderen in den internationalen Brigaden vertretenen Nationen vergleicht, stellt man fest, dass die Schweizer prozentual gesehen eines der größten Kontingente in den internationalen Brigaden darstellten.

Gemäss Nationalrat Bodenmann, waren etwa ein Drittel der Schweizer Spanienfreiwilligen Mitglieder der Kommunistischen Partei oder des Kommunistischen Jugendverbandes, ferner habe er mindestens siebzig Sozialdemokraten oder sozialistische Jugendgenossen feststellen können. Die große Mehrheit aber gehörte keiner Partei an. Viele stammten aus Gegenden, wo es überhaupt keine kommunistische Parteiorganisationen gibt. Er habe auch Kämpfer aus christlich-sozialen Organisationen angetroffen, alle aber seien Antifaschisten. Das Durchschnittsalter der Spanienkämpfer liegt zwischen zwanzig und dreissig Jahren, der Jüngste, von dem man Kenntnis hat, war ein sechzehnjähriger Gymnasiast aus Lugano. Es gab aber auch Schweizer Spanienkämpfer, die bereits über fünfzig Jahre alt waren. Unter den Kantonen war Zürich sicherlich derjenige, aus dem die Meisten nach Spanien ausreisten, nämlich ca.120, gefolgt vom Tessin (76) und von Bern (66).

Die Schweizer bildeten innerhalb der internationalen Brigaden keine geschlossene nationale Einheit, sondern waren gemäss ihrer militärischen Ausbildung auf alle Truppenteilen und Waffengattungen verstreut. In den internationale Brigaden sah man sie gerne, denn die meisten unter ihnen hatten eine vergleichsweise überdurchschnittliche schulische und militärische Ausbildung genossen und konnten sich rasch auf andere Waffensysteme umstellen oder die Handhabung von Spezialwaffen erlernen. Es gab deshalb vergleichsweise wenige Schweizer Infanteristen. Viele waren hinter der Front als Instruktoren oder Sanitäter tätig, beides äusserst notwendige Aufgaben, da die meisten Offiziere und die Militärsanität zu den Rebellen übergetreten waren. Weitere Schweizer findet man bei der Luft- und Tankabwehrartillerie und bei den Maschinengewehrkompanien. Ferner stellten sie oft die Scharfschützen oder waren als Fahrer tätig, wobei bei der Durchquerung tödlicher Maschinengewehr und Artilleriesperren höchste Anforderungen an Mut und Geschicklichkeit gestellt wurden. Die meisten Schweizer bewährten sich im Kampf und rückten sehr rasch zu Unteroffizieren, Offizieren und Kommissaren auf. Zwei führten sogar ein Bataillon. Der eine war der wohl populärste Schweizer Spanienkämpfer, Otto Brunner aus Zürich, der das Bataillon Tschapajew in der 13. Brigade führte. Der andere der Auslandschweizer Max Doppler aus Baden der das Bataillon Ernst Thälmann und später das Bataillon Hans Beimler in der 11. Brigade kommandierte.

Die meisten Schweizer konnten nach der Auflösung der internationalen Brigaden im September 1938 in die Schweiz zurückkehren, wo sie aber unverzüglich verhaftet wurden. Einige gerieten in Kriegsgefangenschaft und lernten so Francos Gefängnisse und Lager kennen, wobei die meisten das Glück hatten, nicht den Moros, sondern den Italienern und Spaniern in die Hände gefallen zu sein. Sie konnten dann später, im Zuge eines Austausches von Kriegsgefangenen durch das Rote Kreuz, in die Schweiz zurückkehren.

Es sei hier nicht verschwiegen, dass auch auf Francos Seite Schweizer mitgekämpft hatten[16]. Unter ihnen war auch ein Oberstleutnant der Schweizer Armee. Viele, die auf Francos Seite kämpften, waren entweder Doppelbürger oder Angehörige der Fremdenlegion. Einige gingen auch einfach als Söldner um Geld zu verdienen, dagegen gab es meines Wissens keine Schweizer, die aus ideologischen Motiven auf Francos Seite kämpften.

4.2 Mein Besuch bei Hans Hutter

Bei meinen Recherchen zum Thema Schweizer im spanischem Bürgerkrieg, stiess ich auf ein besonderes Buch. Es war das Buch von Hans Hutter[17], in welchem er seine Erlebnisse im spanischen Bürgerkrieg beschreibt. Ich verschlang es nahezu. In einer lebendigen Sprache beschreibt Herr Hutter sein Leben in Spanien während des Bürgerkrieges. Er schreibt von seinen Motiven, die ihn veranlasst hatten nach Spanien zu gehen, von Freunden, die er dort fand, von den Menschen und der Landschaft, die das Land Spanien prägen und man merkt, hier schreibt einer, dem dieses Land und sein Schicksal ans Herz gewachsen sind. Natürlich schreibt er auch über den Krieg, der ihn in seiner ganzen Grausamkeit traf, über die Faschisten und über die Menschen, die bereit waren, ihr Leben für den Kampf gegen den Faschismus einzusetzen. Unter diesen Menschen waren auch er und sein Bruder Max. Sie beide gingen nach Spanien, um der Republik ihre Kräfte und Fähigkeiten anzubieten. Max Hutter musste diesen Gang mit seinem Leben bezahlen. Nach der Lektüre dieses Buches war ich tief beeindruckt. Von Anfang an dachte ich, dass es doch äusserst interessant wäre, Hans Hutter einmal zu treffen, und ihm einige Fragen zu stellen, zumal ich wusste, dass er hier in Winterthur wohnt. Da ich aber einige Bedenken hatte, da ich nicht wusste wie es um ihn gesundheitlich steht, verfasste ich einen Brief und schickte ihm diesen. Drei Tage nachdem ich den Brief abgesandt hatte, klingelte das Telefon. Frau Hutter war am Apparat. Sie rufe im Auftrag ihres Mannes an, er sei über meinen Brief höchst erfreut gewesen und sei gerne bereit sich mit mir zu unterhalten. Natürlich hat mich dieses Telefonat sehr gefreut und ich machte mich hochmotiviert an die Vorbereitungen zu unserem Gespräch. Am Freitag, dem 1. November 2001, war es dann soweit.

Das Ehepaar Hutter bewohnt ein schmuckes, kleines Einfamilienhaus in Oberwinterthur, etwas abseits der verkehrsbelasteten Strassen. Frau Hutter bereitete mir einen äusserst freundlichen Empfang und hiess mich sofort in der Stube Platz zu nehmen. Herr Hutter war noch im Garten beschäftigt, kam dann aber sogleich. Auf den ersten Blick sah ich, dass ich all meine Bedenken bezüglich seiner Gesundheit über Bord werfen konnte. Trotz seiner kleinen Statur (ich überragte ihn um mehr als einen Kopf) strahlt er eine Art Würde und eine kernige Gesundheit aus. Das von Fältchen durchzogene Gesicht lachte mir ein wenig verschmitzt zu und sein Händedruck war fest und bestimmt. Schnell kamen wir ins Gespräch. Zuerst wollte er wissen, in welches Schuljahr ich gehe und weshalb ich eine Maturarbeit schreiben müsse, dann fing er an zu erzählen. Trotz seines Alters hat Herr Hutter noch ein erstaunliches Erinnerungsvermögen und wusste zum Teil noch kleinste Details aus seiner Jugendzeit. (Mein Name vergaßer aber sogleich wieder). Als ich wissen wollte, was seine Motivationen waren, nach Spanien zu gehen, erzählte er mir von seiner Zeit als Automechaniker in La Chaux de Fonds. Dort traf er Paul-Henri Jeanneret, einen Lehrer am hiesigen Gymnasium, als dieser gerade aus Spanien zurückkehrte. Dort hatte er eigentlich mit seiner frisch angetrauten Ehefrau die Flitterwochen verbringen wollen, wurde aber vom Beginn des Bürgerkrieges überrascht. Zurück in der Schweiz hielt er einen Vortrag über die Verhältnisse in der Republik und weckte dadurch das Interesse des jungen Hans am Schicksal von Volksfrontspanien. Weil Verwandte von ihm in Deutschland lebten, wusste Herr Hutter schon einiges über das Wesen des Faschismus. Er nahm auch schon früh die Gefahr eines zweiten Weltkrieges wahr und deshalb war es für ihn umso wichtiger, mitzuhelfen, dem Faschismus in Spanien ein für allemal einen Riegel zu schieben. Er betonte, dass man zu dieser Zeit schon hätte hören und sehen können, wenn man nur gewollt hätte. Diese Kritik richtet sich vor allem an den Bundesrat, der vor den Gefahren des Faschismus beide Augen zukniff.

Den langsam gereiften Entschluss nach Spanien zu gehen, um die Republik in ihrem Kampf gegen die Faschisten zu unterstützen, galt es nun in Tat umzusetzten. Nachdem er sich mit seinem damaligen Chef zerworfen hatte, machte er sich eines Tages, ohne es nur einer Person zu erzählen, auf den Weg. Eigentlich wollte er nicht direkt an den Kampfhandlungen teilnehmen, er sah seinen Platz mehr in der Reserve, wo seine Fähigkeiten als Automechaniker gebraucht werden konnten. Das Schicksal wollte es aber anders und Herr Hutter landete an der Aragonfront, wo er am Alcubierre Pass als Fahrer eines in einen Panzer umfunktionierten Lastwagens seine Feuertaufe zu bestehen hatte. In seinem Buch beschreibt er diese Zeit als abenteuerlich und chaotisch, denn die Anarchisten, mit denen er zusammen kämpfte, legten nicht allzu viel Wert auf geordnete Kriegsführung. Später kam er dann mit den Internationalen Brigaden nach Madrid. Den Faschisten war es gelungen bis nach Madrid vorzustossen und nun wurde diese Stadt arg bedroht. Bombenangriffe der Deutschen und Italiener auf die Zivilbevölkerung waren an der Tagesordnung. Herr Hutter, der ein passionierter Alpinist ist, erzählte, das Bergsteigen habe ihm die Angst eigentlich genommen, nur zwei Sachen fürchte er noch, einen Steinschlag und einen Bombenangriff. Beides sind Sachen, gegen die der Mensch machtlos ist. Für mich zeigt dies das Selbstvertrauen vieler dieser Spanienkämpfer. Solange sie mit einer Waffe in der Hand ihrem Feind gegenüberstanden, fühlten sie sich stark. Sie konnten sich nun endlich im direkten Kampf gegen ihre Peiniger wehren, und waren ihnen nicht mehr auf Leben und Tod ausgeliefert. Jetzt hatten sie die Chance, etwas gegen die Faschisten auszurichten, und dafür waren sie auch bereit zu sterben. Wenn sie aber zuschauen mussten, wie italienische oder deutsche Bomben hilflose Kinder zerrissen und sie nichts dagegen tun konnten, dann packte sie die blanke Wut. Sie waren machtlos gegen die Piloten, die Tag für Tag ihre tödliche Last über der Zivilbevölkerung abwarfen.

Madrid wurde von den Faschisten nicht eingenommen. Dieser Sieg ist sicher zum Teil den Internationalen Brigaden zu verdanken, die Großartiges geleistet haben, aber vor allem ist er auch ein Verdienst der Bevölkerung von Madrid. Unter der Parole „Non paseràn“ wurden alle verfügbaren Kräfte mobilisiert und zur Verteidigung Madrids eingesetzt. Herr Hutter kämpfte bei der Verteidigung Madrids im Universitätsviertel, wo um jedes einzelne Gebäude in blutigen Nahkämpfen heftig gerungen wurde. Im weiteren Verlauf des Krieges kam Herr Hutter noch etliche Male an die Front. Er wurde dann aber dank seinen guten Spanischkenntnissen und seinem technischen Know-How für längere Zeit im sichereren Hinterland als Instrukteur eingesetzt. Während dieser Zeit erfuhr er, dass sein Bruder Max von einem Granatsplitter tödlich getroffen wurde. Der Verlust seines älteren Bruders hat Herr Hutter schwer getroffen. Er sprach oft von ihm und in seinem Arbeitszimmer hängt ein Papier, auf dem in großen Lettern geschrieben steht: “Max, solange noch jemand an dich denkt, bist du noch nicht tot“.

Trotz dem tragischen Tod seines Bruders kämpfte Herr Hutter weiter und wurde gegen Ende des Krieges bei Teruel schwer verwundet. Nach seiner Genesung arbeitete er noch einige Zeit als Wachkommandant in Barcelona. Doch sein Entschluss in die Schweiz zurückzukehren stand bereits fest. Als er Mitte August 1938 seinen Pass erhielt, war es soweit. „ Eine letzte Umarmung, und Barcelona blieb zurück, Spanien und zwei Jahre, von denen ich keine einzige Sekunde bereue “.[18] Ich wollte wissen, ob ihn die Niederlage der Republik nicht mutlos gestimmt habe: Natürlich sei es ein harter Schlag gewesen aber deshalb habe man sich nicht entmutigen lassen.

Bei der Einreise in die Schweiz wurde Hutter sofort verhaftet und verhört, ehe er zu seiner Familie zurückkehren konnte. Verurteilt wurde er wegen „unerlaubtem Eintritt in fremden Militärdienst“ und „Dienstversäumnis“ zu 6 Monaten Gefängnis auf fünf Jahre bedingt. Zusätzlich die „Einstellung in der bürgerlichen Ehrenfähigkeit“ auf die Dauer von zwei Jahren. Dieses doch vergleichsweise milde Urteil hatte er wohl vor allem der Tatsache zu verdanken, dass er nie der kommunistischen Partei angehört hatte. Er sagte, für ihn sei es wichtig, dass jedermann nach seinem eigenen Ermessen handeln sollte, und sich nicht von einer Partei als Zahnrädchen benutzen lässt. Diese Meinung hat ihm in Spanien zahlreiche Feinde eingebracht und ihm oft das Leben erschwert, dennoch ist er ihr treu geblieben. Das Urteil des Militärgerichts hat er akzeptiert, doch der Verlust der bürgerlichen Ehrfähigkeit schmerzte ihn, denn für ihn ist seine Beteiligung an diesem Krieg ganz mit den schweizerischen Grundsätzen wie Freiheit und Demokratie zu vereinbaren. Nach dem zweiten Weltkrieg gründete er eine Garage, aus der dann später die heutige Firma „Hutter Automobile“ in Oberwinterthur entstand.

Herr Hutter ist sein Leben lang Spanien treu geblieben. Nach dem Krieg hat seine Mutter zwei spanische Waisenkinder aufnehmen können, mit denen er heute noch in regem Kontakt steht. Schon während der Francodiktatur unternahm er Reisen nach Spanien und suchte die alten Schauplätze des Krieges wieder auf. Im Laufe der Jahre hat er eine ansehnliche Sammlung von Dokumenten über den Krieg zusammengetragen. Aber nicht nur der Bürgerkrieg hat ihn interessiert, er hat auch viel über Schweizer nachgeforscht, die sich schon lange vorher in Spanien niedergelassen und Kolonien gegründet haben. Seine Eindrücke die er in Spanien gesammelt hat, brachte er auch immer wieder in selbst gemalten Bildern zum Ausdruck. Als ich bei ihm war, zeigte er mir einige seiner Bilder und ich war von deren Qualität ziemlich überrascht.

Immer wieder kam man auf ihn zurück, wenn man jemanden brauchte, der zum Thema Schweizer Spanienkämpfer Bescheid wusste. 1998 hielt er an einer Pressekonferenz eine Rede, als es um die Rehabilitierung der Spanienkämpfer ging. Diese Rehabilitierung stiess auf starken Widerstand bei der SVP, weshalb er dann in seiner Rede[19] schrieb:“...das schmerzt mich noch heute und noch mehr, als dass es immer noch gewisse Parteien gibt, die die braunen Hemden jener Herren weiss sehen oder waschen wollen und nicht die menschliche Gr öße aufbringen können, einzugestehen, dass uns Spanienfreiwilligen einiges an Unrecht und Willkür widerfahren ist.“

4.3 Schweizer Frauen im Spanischen Bürgerkrieg

Zweifelsohne spielten die Frauen während der Spanischen Revolution und später während des Bürgerkriegs eine nicht zu unterschätzende Rolle. Vor allem Anarchistinnen haben sich von den althergebrachten Sitten der spanischen Tradition emanzipiert. Diese definierte Jahrhunderte lang die Rolle der Frau als Mutter und Hausfrau, in der sie zwar in der Familie die unumstrittene Herrscherin war, doch weder politische Rechte hatte noch finanziell unabhängig war. In der Gesellschaft mussten sie sich dem Mann unterordnen, dazu kamen die strengen katholischen Verhaltensregeln, an die sie sich strikt zu halten hatten. Im Zuge der spanischen Revolution änderte sich dies aber schlagartig. In den anarchistischen Kommunen hatten die Frauen die gleichen Rechte wie die Männer und waren politisch engagiert. Auch mit der verstaubten Kirchenmoral wurde gebrochen. Erstmals propagierte man das Prinzip der freien Liebe. Dies bedeutete vor allem die Abschaffung der Ehe, die als bürgerlich verpönt war, man lebte von nun an im Konkubinat zusammen. Es war deshalb auch selbstverständlich, dass Frauen als Milizionärinnen mit an der Front waren, um die Faschisten zu bekämpfen. Als dann unter der Leitung der Kommunisten eine reguläre Spanische Volksarmee aufgebaut wurde, wurde ihnen dies aber verwehrt, sie durften fortan nur noch als Köchinnen oder Krankenschwestern tätig sein.

Als ich bei meinen Recherchen bemerkte, dass unter den Schweizer Spanienkämpfern auch sechzehn Frauen waren, erstaunte mich dies, denn für die damalige Zeit war es für Schweizerinnen überhaupt nicht selbstverständlich, aktiv an Kampfhandlungen teilzunehmen. Ich ging der Sache nach, und stiess nach längerem Suchen auf den Bericht der Journalistin Karin Buselmeier, die ein Interview mit Clara Thalmann, einer Schweizerin, die in Spanien bei den Anarchisten kämpfte, geführt hatte.[20]

Clara Thalmann kam 1936 als Mitglied des Arbeiter-Schwimmklubs nach Barcelona, um an der Volksolympiade teilzunehmen. Da aber Franco und seine Getreuen in der Zwischenzeit geputscht und das Land in einen Bürgerkrieg gestürzt hatten, fanden diese nicht mehr statt. Clara Thalmann erzählt von dem chaotischen Durcheinander, das in den Strassen Barcelonas geherrscht hat. Überall sah man bewaffnete Milizionäre und auch Milizionärinnen. Dies war insbesondere speziell, da es bis anhin in Spanien völlig undenkbar war, dass Frauen sich wie Männer kleideten und auch Waffen trugen. Sie meint dazu: „Da gab es keine Unterschiede, ob Mann oder Frau. Hier war für jeden die Frage: wie werden wir das weiterführen? Wo sind wir am nützlichsten für die Revolution?“ Clara hat sich dann den Anarchisten angeschlossen und ist an die Aragon-Front gegangen. Wo sie denn den Umgang mit dem Gewehr gelernt habe, wollte die Interviewerin wissen. „- Woher ich das konnte? Na von der sozialistischen Jugend her. Wir sind in den Wald gegangen und haben Schiessübungen gemacht“. Auch das Leben unter lauter Männern habe kein Problem dargestellt. Es sei nicht so gewesen, dass die Frauen die ganze Zeit abwaschen und kochen mussten, vielmehr habe man alles mit den Männern gemeinsam gemacht. Es habe bei ihnen auch keine sexuellen Belästigungen gegeben, die Männer hätten gewusst, dass die Frauen nicht zur sexuellen Befriedigung sondern zum Kämpfen an der Front waren. In einigen Centurien habe es Prostituierte gegeben, doch das sei ein besonderes Thema. Auch dass viele Frauen gemeinsam mit ihren Ehemännern zur Front gekommen sind, sei überhaupt kein Problem gewesen, man habe strikt zwischen Dienst und Urlaub unterschieden. Später, als sie mit ihrem Mann in der gleichen Centurie gewesen sei, habe sie ihn trotzdem nur selten gesehen, das Versäumte sei dann im Urlaub nachgeholt worden. Clara Thalmann kehrte nach dem Krieg nicht mehr in die Schweiz zurück, sie liess sich mit ihrem Mann in einer Kommune in Südfrankreich nieder, die dann Ende der sechziger Jahre zu einem Mekka für deutsche Linke avancierte.

Natürlich gingen verhältnismässig nur wenige Frauen nach Spanien um wirklich zu kämpfen. Weitaus mehr versuchten durch humanitäre Hilfe das Los der Spanischen Bevölkerung zu lindern, und so einen Beitrag zum Kampf gegen den Faschismus zu leisten. Unter diesen Frauen war auch die Krankenschwester Elsbeth Kasser[21]. Geboren 1910 im Kanton Bern, wuchs sie als mittleres von fünf Kinder einer Pfarrersfamilie auf. Gleich auf die Schulzeit folgen zwei Aufenthalte in England und im Welschen, danach liess sie sich in Thun zur Krankenschwester ausbilden. In dieser Zeit schloss sie sich dem sozialistischen Frauenbund an. Als in Spanien der Bürgerkrieg ausgebrochen war und freiwillige Helfer für die Hilfe vor Ort gesucht wurden, liess sich Elsbeth Kasser gegen den Willen ihrer Eltern zu einem Einsatz in Spanien verpflichten. Man half beim Aufbau von Spitälern und Sanatorien für die Verletzten des Krieges, es wurden aber auch Waisenheime gegründet und versucht, Kinder die ihre Eltern verloren hatten, ins sichere Ausland zu bringen. Ständig fehlten wichtige Medikamente und Lebensmittel und auch die Hygiene war denkbar schlecht. Dazu kam, dass oft in Frontnähe gearbeitet wurde und man so ständig mit Bombardements rechnen musste. Die freiwilligen Helfer in Spanien konnten mit keiner offiziellen Unterstützung rechen, sogar das rote Kreuz hielt sich unter dem Vorwand der Neutralität zurück. Einzig Arbeiter und Arbeiterinnen sammelten Geld und Lebensmittel, welche dann oft bei Nacht und Nebel nach Spanien geschaffen wurden. Als 1939 die Lage der Republik immer aussichtsloser wurde, war es auch für ausländische Helfer sehr gefährlich, sich noch länger im Land aufzuhalten und so kehrte Elsbeth Kasser in die Schweiz zurück. Doch sie gab nicht auf. Während des zweiten Weltkriegs versuchte sie, unter äusserstem psychischen und physischen Einsatz, das Los der Insassen (unter ihnen auch viele Spanienflüchtlinge) von französischen Internierungslagern zu mildern. Zurück in der Schweiz hat sie schwer an der Last der Erinnerungen zu tragen. Dennoch rappelt sie sich immer wieder von neuem auf und findet zu neuem Lebensmut. Ihre Arbeit wurde mit zahlreichen Auszeichnungen und einer Stiftung gewürdigt. Sie starb 1995 im Alter von 85 Jahren in der Alterssiedlung von Steffisburg.

5. Zurück in der Schweiz

5.1 Rückkehr und Verhaftung

[22] Es war jedem Schweizer, der nach Spanien ging um den Faschismus zu bekämpfen bewusst, dass er sich durch seinen Entscheid in den Augen der Schweizer Justiz strafbar macht. Am 14.8.1936 hat nämlich der Bundesrat einen dringlichen Beschluss erlassen, der es allen Schweizer Bürgern verbot, sich sowohl in Spanien als auch in der Schweiz aktiv für eine der Kriegsparteien einzusetzen. Nach der Auflösung der internationalen Brigaden im September 1938 kehrten aber dennoch viele Spanienkämpfer in die Schweiz zurück, obwohl sie wussten, dass sie höchstwahrscheinlich verhaftet, und vor ein Militärgericht gestellt würden.

Die ersten Gerichtsurteile gegen schweizerische Spanienfahrer erfolgten bereits im Januar 1937, damals noch meist in Abwesenheit der Angeklagten, deren Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg aber feststand. Die nun immer zahlreicher zurückkehrenden Freiwilligen, wurden oft bereits an der Schweizergrenze verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt. Von Hans Hutter weißich, dass er vierzehn Tage in einem Gefängnis in Le Locle verbringen musste, bis er nach Zürich überführt wurde. Er schilderte seine Haftverhältnisse als den Umständen entsprechend angenehm. So habe man ihm vertraut und die Zelle tagsüber nie abgeschlossen, auch habe er zeichnen und Briefe schreiben können. Er habe gemerkt, dass die Wärter seinen Einsatz in Spanien nicht verurteilten, sondern ihn insgeheim schätzen und ihn deshalb auch mit großem Respekt behandelten. Es hatten aber nicht alle das Glück, auf so freundliche Wärter zu treffen. Vielerorts (vor allem im Kanton Zürich) wurden Spanienkämpfer wochenlang eingesperrt und waren sich ihrer Situation ungewiss, bis man ihnen endlich einen Gerichtstermin gab und sie aus der Untersuchungshaft entliess. Dabei mussten die Behörden keine Angst haben, dass ihnen ihre Schützlinge wieder entrinnen könnten, denn die Meisten waren sowieso freiwillig in die Schweiz zurückgekehrt und waren bereit eine Strafe zu akzeptieren, um danach wieder ein normales Leben führen zu können. Die Behörden gingen aber nicht nur gegen jene vor, die in Spanien mitgekämpft hatten, in ihrem Visier hatten sie vor allem auch die sogenannten Werber oder Schlepper, die, in der Schweiz geblieben, Freiwilligen eine Möglichkeit verschafft hatten, nach Spanien zu gehen, sei dies nun durch ein Darlehen um den Transport finanzieren zu können, oder durch das Weiterreichen von wichtigen Kontaktadressen. In diesem Zusammenhang geriet auch die kommunistische Partei einmal mehr ins Kreuzfeuer der bürgerlichen Kritik. Man sah nun endlich eine Möglichkeit, die kommunistische Partei zu verbieten.

5.2 Militärgerichtsprozesse und harte Urteile gegen Spanienkämpfer

Die meisten Spanienkämpfer hatten sich vor einem Militärgericht zu verantworten. Dies hatte zwar den Vorteil, dass die Richter anstatt einer zivilen Haftstrafe auch die leichtere militärische Festungshaft[23] aussprechen konnte, aber auch den entscheidenden Nachteil, dass der Vorsitz dieser Militärgerichte oft durch reaktionäre Offiziere gebildet wurde, deren Feindbild die Linken allgemein, und insbesondere die Kommunisten waren. Besonders berüchtigt war in dieser Beziehung Oberst Pfenninger, der den Vorsitz beim Zürcher Militärgerichtshof innehatte.

Die wichtigsten Anklagepunkte gegen die Spanienkämpfer lauteten: allgemeines Verstoßen gegen die Bundesratsbeschlüsse vom 14.6.36, im weiteren Schwächung der Wehrkraft, Dienstversäumnis, Dienst in fremden Heer und Werbung. Zu diesen Anklagepunkten nimmt Otto Brunner in der Nationalen Zeitung, einer Arbeiterzeitschrift, Stellung: „... Keine dieser Anklagen ist stichhaltig und begründet! Wir sind nach Spanien gegangen im Geiste unserer Vorfahren, um Freiheit und Gerechtigkeit zu verteidigen! Wir haben unser Leben, unser Blut und unsere Gesundheit nicht für schnödes Geld verkauft, sondern wir haben gekämpft und geblutet, für etwas, das jedem echten Schweizer die höchste Ehre ist: für Freiheit und Demokratie “ [24]. Weiter schreibt er, durch die in Spanien gesammelten Erfahrungen könne zur Stärkung der Wehrkraft beigetragen werden und er sei sicher, dass alle Spanienkämpfer sofort bereit wären, ihr Leben für die Verteidigung der Unabhängigkeit und Freiheit unseres Landes zu Opfern.

Solche und ähnliche Argumente waren landauf landab aus linken Kreisen zu hören. Die bürgerliche Presse dagegen nütze die Chance einmal mehr und setzte zum Rundumschlag gegen diese „Söldner“ und „Kriminellen“ an. Auch die Richter, zum größten Teil bürgerlich gesinnt, hatten nichts übrig, für solche Argumente. Sie urteilten strikte nach Paragraphen. Die Strafen, die schlussendlich ausgesprochen wurden, lagen zwar meist unter jenen, die von den Staatsanwälten gefordert worden waren, fielen aber immer noch sehr hart aus. Die Mehrzahl der Angeklagten wurde zu Gefängnisstrafen zwischen sechs und zehn Monaten verurteilt, dazu kam zwischen drei bis fünf Jahren Einstellung des Aktivbürgerrechts, was bedeutete, dass ihnen während dieser Zeit die Stimmabgabe verwehrt wurde. Ausserdem hatten sie die Prozesskosten und oft auch noch Bussen von hundert bis dreihundert Franken zu bezahlen. Je nach Kanton und Gerichtshof variierte die Härte der Strafe deutlich. Die härtesten Strafen wurden im Kanton Zürich ausgesprochen (Otto Brunner erhielt eineinhalb Jahre Gefängnis), wobei dies wohl auch daran gelegen haben mag, dass im Kanton Zürich die meisten Spanienkämpferprozesse stattgefunden haben. In anderen Kantonen war man milder gesinnt, oft wurden Gefängnisstrafen in Festungshaft umgewandelt oder nur bedingt ausgesprochen. Im Tessin und in der Romandie wurde auch längst nicht allen Spanienkämpfern der Prozess gemacht, denn dort waren die Arbeiter traditionell fester verankert, als in der Deutschschweiz.

Die harten Urteile in den Spanienkämpferprozessen, zogen heftige Proteste aus dem linken Lager mit sich. So schreibt zum Beispiel ein gewisser Doktor Zürcher in der Schweizer Volkszeitung „Freiheit“: Das Strafmass ist eine furchtbare Strafe für eine Angelegenheit, die nicht Notzucht, nicht Brandstiftung, nicht Diebstahl ist, sondern eine starke, menschlich zu verstehende, zu billigende Tat[25] “ .

Die Linken anerkannten die Urteile nicht als rechtsgültig, da sie sich auf den Bundesratsbeschluss vom 25. August 36 abstützten, der in ihren Augen verfassungswidrig war. Dies, weil der Bundesrat die Beschlüsse erlassen hatte, obwohl er eigentlich nicht dazu autorisiert gewesen wäre. Diese Auffassung wurde von zahlreichen Juristen unterstützt und bestätigt. Es ist nicht verwunderlich, dass man bald einmal von Klassenjustiz zu sprechen begann. Auffällig war nämlich auch, dass vor allem gegen Kommunisten, die vor Gericht standhaft zu ihrer Ideologie hielten, harte Strafen ausgesprochen wurden, während man über Parteilose weitaus milder richtete. Ein krasser Gegensatz fällt auf, wenn man die Urteile von Schweizern, die auf Francos Seite kämpften, mit denjenigen vergleicht, die für die Republik kämpften. Franquisten kamen meist mit einem blauen Auge davon, man sprach von jugendlichem Leichtsinn und versah sie mit einer geringen Busse, während diejenigen, die für die Republik kämpften, ins Gefängnis mussten. Ich denke, wenn man sich diese Tatsachen vor Augen hält, ist es gerechtfertigt, von Klassenjustiz zu sprechen.

Im Zuge dieser Prozesse, versuchte man auch die Kommunistische Partei Schweiz zu verbieten. Im April 1938 fand ein großer Prozess gegen Otto Brunner, der während des Bürgerkriegs Kommandant des Tschapajew Bataillons war, und ca. 14 weitere Mitangeklagte statt. Ihnen wurde vor allem vorgeworfen, Freiwillige für die internationalen Brigaden angeworben zu haben. Da alle dieser Angeklagten Mitglieder der kommunistischen Partei Schweiz waren, beschuldigte man nun die Partei, Werbezentralen für Freiwillige gegründet und betrieben zu haben. Durch einen Schuldspruch hätte die ganze Partei verboten werden können. Soweit kam es aber nicht, da die Anklage nicht genügend Beweismaterial aufbringen konnte, damit es zu einem Verbot der ganzen Partei gereicht hätte. Sie wurde dann aber während des zweiten Weltkrieges auf Druck der Achsenmächte trotzdem verboten.

Ich denke für die damalige Schweiz waren diese Urteile ein Armutszeugnis. In anderen demokratische Länder wie zum Beispiel England, Frankreich, Schweden oder den USA wurden Spanienkämpfer viel weniger hart verurteilt als in der Schweiz, Belgien und Dänemark amnestierten ihre Spanienkämpfer sogar. In der Schweiz aber mussten sie sofort nach Absitzen der Gefängnisstrafe in den Aktivdienst einrücken, danach hatten sie sich ruhig zu verhalten. Es gibt sicher verschiedene Gründe, weshalb die Schweizer Justiz so hart gegen die Spanienkämpfer vorging. Da vor allem Kommunisten sehr hart bestraft wurden ist es offensichtlich, dass man vor einer starken und revolutionär gestimmten Linken Angst hatte und nun versuchte sie durch harte Strafen zurückzubinden. Unterstützt würde diese These auch durch den Versuch, den die Bürgerlichen unternommen haben, die kommunistische Partei Schweiz zu verbieten. Ein weiterer Grund mag wohl gewesen sein, dass sich die Schweiz zu dieser Zeit von faschistischen Mächten umgeben sah und so wollte man wahrscheinlich gegen Aussen ein Zeichen setzten, dass auch die Schweiz nicht zimperlich mit ihren „Roten“ umgeht. Es ist aber sicher nicht zu leugnen, dass viele Richter eine ausgesprochene Abneigung gegen Linke hatten, die das Strafmass wohl auch beträchtlich beeinflusst haben mag.

5. 3 Der Ruf nach Amnestie

Als die spanische Volksfrontregierung im September 1938 die internationalen Brigaden entliess, reichte L é on Nicole sofort eine Interpellation im Nationalrat ein, ob der Bundesrat bereit wäre, eine Amnestie für heimkehrende Spanienfahrer zu erlassen. Der zuständige Bundesrat Baumann verneinte dies. Darauf hin wurde ein Amnestiekomitee gegründet, und man begann Unterschriften für eine Petition zu sammeln. In wenigen Wochen hatten 80'000 Schweizer die Petition unterschrieben, darunter auch höhere Offiziere, Regierungsräte und Professoren.

Auch in der Presse wurde eine mögliche Amnestie zum Thema. In den Arbeiterzeitungen und in den Demokratischen Blättern, mehrten sich Artikel mit Tatsachen und Augenzeugenberichten. So wurden dem Volk die Geschehnisse in Spanien näher gebracht. Die Arbeiterorganisationen organisierten nun auch im ganzen Land Amnestiekundgebungen, an denen heimgekehrte Spanienkämpfer sprachen. Die Argumente, mit denen man eine Amnestie forderte, waren im Grunde genommen, die Selben, mit denen sich die Spanienkämpfer später vor Gericht verteidigten. Hauptsächlich wurde betont, dass die Schweizer in Spanien auch die Schweizerfreiheit und Demokratie verteidigt hätten, welche in der Verfassung verankerte Grundwerte sind. Am 13. Dezember 1938 reichte der Rechtsanwalt Johannes Huber im Nationalrat ein Postulat ein, in dem er den Bundesrat dazu einlädt, den eidgenössischen Räten einen Antrag zu unterbreiten, ob nicht den Schweizer Spanienfahrern Amnestie zu gewähren sei. Der Bundesrat nahm es entgegen ohne sich aber darüber zu äussern, immerhin wurden heimkehrende Spanienkämpfer nicht mehr sofort verhaftet, sonder vorerst auf freiem Fuss belassen. Nun setze aber auch die rechte Gegenpropaganda ein. NZZ und andere franco-freundliche Blätter, nannten die Freiwilligen „Söldner“ und „Kriminelle“ und machten weiterhin Hetzjagd auf die Kommunisten, denen sie vorwarfen, die Schweizer Demokratie unterhöhlen zu wollen. Für sie waren alle Spanienkämpfer Kommunisten, egal ob sie nun zur Partei gehörten oder nicht. Als der populäre Otto Brunner mit weiteren 63 Spanienkämpfern zurückkehrte, trat er an einer Spanienversammlung auf, wo er für die Amnestie warb. Daraufhin tischte die NZZ eine Geschichte auf, gemäss dieser Otto Brunner in eine Schiesserei in Barcelona verwickelt gewesen sein soll. Otto Brunner wurde daraufhin am 12. Januar 1939 verhaftet, und konnte fortan den Kampf für eine Amnestie nicht mehr unterstützen. Eine am 2. Februar eingereichte Petition mit 80'000 Unterschriften, die zur Unterstützung des Postulats abgeliefert wurde, lehnte der Nationalrat mit 92 zu 71 Stimmen ab; man glaubte auf die faschistischen Nachbarstaaten Rücksicht nehmen zu müssen. Die Ablehnung kam zustande, weil elf Nationalräte, die die Petition mitunterzeichnet hatten, nun ins andere Lager gewechselt haben. Dies wahrscheinlich auf Druck der bürgerlichen Parteien. Der Ständerat sprach sich in einer späteren Sitzung noch deutlicher aus, und lehnte die Petition mit 28 zu 3 Stimmen ab. Die Angeklagten wurden auf den Weg des Gnadegesuchs verwiesen. Die eben erst gegründete Interessensgemeinschaft der Schweizer Spanienfreiwilligen reagierte prompt, und veröffentlichte eine Erklärung: ...“Der Bundesrat hat die Spanienfreiwilligen auf den Gnadenweg aufmerksam gemacht, und die Mehrheit des Parlaments ist der Auffassung, man solle aufrechte Schweizer auf einen solchen Gnadenweg verweisen. Wir lehnen diesen Gnadenweg ab. Nach wie vor sind wir der Ansicht, dass die Verurteilung von uns jeder rechtlichen Grundlage entbehrt. (...) Immer, und wenn wir auch eingesperrt sind, werden wir nach dem Grundsatz handeln: Lieber aufrecht sterben als auf den Knien leben “ .

6. Die Situation heute

[26] Als ich bei Hans Hutter war, wollte ich von ihm wissen, wie es denn heute um die Situation der Spanienfahrer in der Schweiz stehe. Da legte er seine Stirn in Sorgenfalten. Er sei wahrlich nicht zufrieden sagte er. All die Jahre habe die Interessensgemeinschaft Schweizer Spanienkämpfer, der er auch angehört habe, für eine Rehabilitierung der Spanienfahrer gekämpft. Nun sei die Interessensgemeinschaft aufgelöst worden, da die meisten Spanienkämpfer mittlerweile verstorben sind, die etwa dreißig die noch lebten, seien „alles hochbetagte Veteranen mit Wunden verschiedenster Herkunft an Körper und Seele“. Eine offizielle Rehabilitierung durch die Schweizer Landesregierung habe immer noch nicht stattgefunden. Wohl haben einzelne namhafte Politiker wie zum Beispiel Ruth Dreifuss ihre Achtung und persönliche Rehabilitation ausgesprochen, doch es gab immer Parteien, allen voran die SVP, die sich gegen eine Rehabilitation sträubten, vor allem aus Angst, die Spanienkämpfer könnten dann eine Entschädigung für ihre abgesessenen Strafen verlangen. Am 14. November 2001 erschien im Landboten ein Portrait über Max Meier, einem Winterthurer Lehrer, Sozialist und engagiertem Antimilitarist, in dem unter anderem erwähnt wurde, dass die Schweizer Spanienkämpfer ja nun unterdessen rehabilitiert seien. Hans Hutter verfasste darauf einen Leserbrief und schreibt: „ Ich war persönlich an der Debatte im März 2000 im Nationalrat dabei, wo Nationalrat Baumann die Absage damit begründete, so viel er wisse, seien alle Schweizer Kommunisten gewesen, und nur mit der roten Fahne hin und her gesprungen. “ [27]

Auch sonst haben die Spanienkämpfer seitens der offiziellen Schweiz nicht viel Achtung erfahren. In Zürich gibt es am Volkshaus eine kleine Gedenktafel, die an die gefallenen Schweizer in Spanien erinnert, ein weiteres Denkmal steht auf dem Monte Ceneri im Tessin. Auch in der Geschichtsschreibung und Literatur fand das Thema Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg nicht allzu viel Beachtung. Vor allem linke Geschichtsschreiber und Intellektuelle haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Eine gewisse Rehabilitierung hat der Filmemacher Richard Dino mit seinem Film Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg angestrebt, der vom EDI mitfinanziert wurde. Auch Max Frisch thematisierte das Thema ansatzweise in seinem Roman Stiller, doch von offizieller Seite wurde es nie vollständig aufgearbeitet.

Helmut Zschokke schreibt: „ Den Schweizer Söldnern, die anno 1792 den französischen König Ludwig der 16. vor den Tuilerien gegen das rebellierende, notleidende Volk verteidigten, wurde in Luzern ein beeindruckendes, ehrenvolles Löwendenkmal gesetzt. Die Schweizer Freiwilligen aber, die dem spanischen Volk gegen die meineidigen aufrührerischen Generäle zu Hilfe eilten, erfuhren in der Heimat keinerleiöffentliche Annerkennung “.

Hans Hutter meinte zum Schluss noch, wenn er die damalige Situation mit der Heutigen vergleiche, dann fielen ihm schon gewisse Parallelen auf. Er meinte damit vor allem die Terroranschläge und die Nahostkonflikte. Hoffen wir aber, dass die Staatsmänner, denen das Schicksal vieler Menschen in die Hände gelegt wurde, auch aus der Geschichte gewisse Lehren gezogen haben.

Schlusswort

Am 18. Juli 1936 putschen in Spanien einige faschistische Generäle und Offiziere unter der Leitung Francos gegen die zuvor demokratisch gewählte, links ausgerichtete, Volksfrontregierung. Sie konnten dabei auf die Unterstützung Hitlers und Mussolinis zählen. Mit ihrer modernen Ausstattung an Waffen und mit Hilfe marokkanischer Söldner gelang es den Faschisten bald, weite Teile Spaniens einzunehmen, zumal die Republik vorerst nicht einmal über eine organisierte Armee verfügte. Als das Bedrängnis, in welches die Spanische Volksrepublik durch die Faschisten geraten war, bekannt wurde, machten sich aus allen Ländern Europas und aus Übersee junge Antifaschisten auf, um der bedrohten Republik zur Hilfe zu eilen und um dem immer mehr erstarkenden Faschismus in Spanien einen Riegel zu schieben. Sie wurden in den internationalen Brigaden gesammelt, und zeichneten sich in zahlreichen Schlachten des Bürgerkrieges durch besonderen Mut und Einsatzbereitschaft aus. Unter ihnen befanden sich einfache Bauern oder Arbeiter, aber auch Intellektuelle und Schriftsteller, insbesondere Ernest Hemingway, André Malraux und Geroge Orwell.

Auch aus der Schweiz kamen junge Männer um sich am Kampf gegen den Faschismus zu beteiligen. Ihre Zahl schätzt man etwa auf 750 Männer und einige Frauen. Ihrer guten militärischen Ausbildung wegen wurden sie oft in Spezialeinheiten eingesetzt oder waren hinter der Front tätig. Auch findet man zwei Kommandeure unter ihnen, den Kommandanten des Tschapajew Bataillons Otto Brunner, und Max Doppler, der das Hans Beimler Bataillon kommandierte.

Während diese jungen Antifaschisten in Spanien für Freiheit und Demokratie kämpften, lag auch die Arbeiterschaft in der Schweiz nicht auf der faulen Haut. Es wurden zahlreiche Hilfswerke gegründet, die die Republik mit Kleidern, Lebensmittel und Medikamenten versorgten. In Veranstaltungen und Demonstrationen machte man auf die Lage in Spanien aufmerksam und bekundete Solidarität mit den Spanischen Arbeitern. Auch viele Frauen engagierten sich bei diesen Aktionen. Einige mutige Krankenschwestern gingen gar nach Spanien um vor Ort der notleidenden Bevölkerung zu helfen.

Der Bundesrat und die Bürgerlichen hatten nicht viel Freude am Engagement der Schweizer Arbeiter. Am 14. 8. 36 erließder Bundesrat einen Beschluss, der allen Schweizern die Teilnahme am spanischen Bürgerkrieg verbot. Die bürgerliche Presse nutze jede Gelegenheit, um gegen diese „roten Söldner“ zu wettern. Die Bürgerlichen wollten nicht, dass ihre guten Beziehungen nach Deutschland und Spanien gestört wurden. Nach der Auflösung der internationalen Brigaden im September 1938 kehrten viele Spanienkämpfer in die Schweiz zurück. Sie wurden verhaftet und man machte ihnen den Prozess. Vor dem Militärgericht verurteilte man sie zu bis zu zehn Monaten Gefängnis. Die harten Strafen, die gegen die Spanienkämpfer ausgesprochen wurden, wurden vom linken Lager scharf kritisiert. Man forderte eine Amnestie für alle Spanienkämpfer. Diese wurde aber durch National- und Ständerat abgelehnt. Eine Rehabilitation der Spanienkämpfer ist bis heute nicht erfolgt.

Ich versuchte in meiner Maturarbeit ein etwas unbekanntes, aber auf keinen Fall unbedeutendes Kapitel der Schweizergeschichte der Vorkriegszeit zu präsentieren. Es liegt mir viel daran, zu zeigen, dass sich viele Schweizer in der Schweiz oder in Spanien gegen den Faschismus eingesetzt und somit auch im Sinne der Schweizer Verfassung gehandelt haben. Es waren eigentlich vor allem Bürgerliche, die zaghaft blieben, oder ganz offenkundig mit dem Faschismus liebäugelten, obschon zu sagen ist, dass sich auch etliche studierte und wohlhabende Schweizer auf Seiten der Linken für eine freie Spanische Republik und gegen den Faschismus engagiert haben. Ein weiterer Punkt dem ich im Laufe meiner Maturarbeit nachgegangen bin, war die Frage nach der Motivation, die so viele junge Schweizer dazu veranlasst hat nach Spanien zu gehen und für eine Welt ohne Faschismus auch ihr Leben einzusetzen. Im Weiteren möchte ich mit meiner Maturarbeit auch zeigen, wie die damaligen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umstände waren, welche Rollen die linken Parteien einnahmen, wie die offizielle Schweiz mit den Spanienkämpfern umging und wie die breite Bevölkerung zu ihnen stand. Ziel sollte es sein, dass man nach der Lektüre meiner Arbeit ein Bild der damaligen Situation vor Augen hat, und auch ein wenig zum Nachdenken angeregt wird. Denn bis zum heutigen Zeitpunkt wurden die Spanienkämpfer nicht offiziell vom Schweizer Staat rehabilitiert, obschon die wenigen die noch leben es wirklich verdient hätten, dass man ihnen auch von offizieller Seite die Anerkennung zukommen lässt, auf die sie nun schon lange warten.

Ich persönlich habe während der Arbeit an meiner Maturarbeit immer mehr gemerkt, dass ich auf ein Thema gestossen bin, das mich sehr anspricht und fasziniert. Besonders hat mich natürlich gefreut, dass ich noch einem Zeitzeugen begegnen durfte. An dieser Stelle möchte ich Herrn Hutter meinen herzlichsten Dank aussprechen. Es war für mich eine faszinierende Begegnung, die ich lange noch im Gedächtnis behalten werde.

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass man bei solchen Themen schnell einmal versucht ist, einen einseitigen Standpunkt einzunehmen. Ich hoffe dennoch, dass es mir gelungen ist eine einigermassen objektive Haltung zu wahren. Natürlich habe ich mir bald einmal ein Urteil zu diesem Thema gebildet, dass sich während meiner Maturarbeit nur noch erhärtet hat. Ich persönlich erachte das Verhalten der damaligen offiziellen Schweiz als doch eher als unrühmlich, wobei mir aber auch klar ist, dass man so einfach nicht urteilen kann, denn auch die Schweiz hatte ihr Handeln sorgfältig abzuwägen, zumal sie sich von den Achsenmächten eingeschlossen sah. Ich denke aber, die Landesregierung hat zu dieser Zeit am Volk vorbei gehandelt, denn viele Schweizer hatten eine durchaus antifaschistische Überzeugung und hätten es gewünscht, dass die Volksvertreter den Kampf gegen den Faschismus zumindest ein wenig mitgetragen hätten.

Was ich ein nächstes mal vielleicht anders machen würde, wäre eine genauere Gegenüberstellung des linken und des bürgerlichen Lagers der damaligen Schweiz. Aber dafür hätte ich mehr Originalquellen benötigt, und ich hatte zuwenig Zeit mir diese zu verschaffen. Man könnte in dem Bereich sicher noch weiterforschen und das Bild der damaligen Schweiz noch schärfer zeichnen. Dies ist nun ja auch die Bergier Kommission im Begriff zu untersuchen. Aber ich hoffe nun doch, dass ein Leser dieser Arbeit einen etwas differenzierteren Einblick in das Thema „Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg „ gewonnen hat.

Bibliographie:

- Baumann, Gino: Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg, Aarau 1989

- Hutter, Hans: Spanien im Herzen: Ein Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg, Zürich 1996

- Kirsch, Hans-Christian (Hg): Der Spanische Bürgerkrieg in Augenzeugenberichten, München 1978[[4]]

- Kleinspehn, Thomas / Mergner, Gottfried (Hg): Mythen des Spanischen Bürgerkriegs, Grafenau-1 1989[[1]]

- Kogelfranz, Siegfried / Plate , Eckart (Hg): Sterben für die Freiheit, München 1989

- Spiess, Heiner (Hg): „...dass Friede und Glück Europas vom Sieg der spanischen Republik abhängt“: Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg, Zürich 1986

- Stauffer, Ernst: Spanienkämpfer, Biel 1986

- Zschokke, Helmut: Die Schweiz und der Spanische Bürgerkrieg, Zürich 1976

- Kirchlicher Informationsdienst kid: Ohne wenn und aber dem Gewissen verpflichtet, Zürich 2000[[3]]

Kontaktadresse:

Hans Hutter

[...]


[1] H. Zschokke, die Schweiz und der Spanische Bürgerkrieg 1976

[2] siehe Bibliographie

[3] verwendete Literatur:
- dass Friede und...
- der Spanische Bürgerkrieg in Augenzeugenberichten

[4] span. Feiglinge

[5] Diese Angabe stützt sich auf: Kirsch; Der Spanische Bürgerkrieg in Augenzeugenberichten, S. 449

[6] verwendete Literatur:
- H. Zschokke; die Schweiz und...
- H.Hutter; Spanien im Herzen
- E. Stauffer; Spanienkämpfer

[7] H. Zschokke; die Schweiz und... (S.9)

[8] H.Hutter; Spanien im Herzen (S.9/10)

[9] H.Hutter; Spanien im Herzen, S.11

[10] verwendete Literatur:
- H. Zschokke; die Schweiz und...
- E. Stauffer; Spanienkämpfer
- Dass Friede und...

[11] Zitat aus: H. Zschokke; die Schweiz und..., S.15

[12] Volksrecht 15.8.1936

[13] verwendete Literatur:
- H. Zschokke; die Schweiz und...
- G. Baumann; Schweizer im...

[14] Die Volksolympiade wurde von sozialistischen Arbeitern als Protest gegen die olympischen Spiele organisiert, die 1936 im deutschen Reich abgehalten wurden.

[15] H. Zschokke; die Schweiz und..., S.40f

[16] gemäss G. Baumann; Schweizer im..., waren es 27

[17] H. Hutter; Spanien im Herzen 1996

[18] H. Hutter; Spanien im Herzen S.307

[19] Pressekonferenz im Bundeshaus 17.03.98 (Originaldokument)

[20] K/M; Mythen des...1989

[21] Informationen aus: kid; ohne wenn und aber... 2000

[22] verwendete Literatur:
- H. Zschokke; die Schweiz und...
- E. Stauffer; Spanienkämpfer

[23] Die Festungshaft wird in einer Kaserne abgesessen, man trägt Uniform, bezieht auch Sold und erhält keinen Eintrag ins zivile Strafregister .

[24] H. Zschokke; die Schweiz und..., S. 72/73

[25] Originalquelle im Sozialarchiv einsehbar

[26] verwendete Literatur:
- H. Zschokke; die Schweiz und...
- E. Stauffer; Spanienkämpfer

[27] Landbote 27.11.01

30 von 30 Seiten

Details

Titel
Die Schweiz im Spanischen Bürgerkrieg
Veranstaltung
Maturitätsarbeit
Note
Prädikat:
Autor
Jahr
2002
Seiten
30
Katalognummer
V106173
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit soll zu einem differenzierterem Geschichtsbild der Schweiz in der Zwischenkriegszeit beitragen und ist den Schweizer Spanienkämpfern gewidmet, deren Engagement gegen den Faschismus bis heute nicht offiziell rehabilitiert wurde, obwohl dies von einem moralischen Standpunkt gesehen längst von Nöten gewesen wäre.
Schlagworte
Schweiz Spanien Bürgerkrieg internationale Brigaden Hans Hutter Spanienkämpfer
Arbeit zitieren
Matthias Möckli (Autor), 2002, Die Schweiz im Spanischen Bürgerkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106173

Kommentare

  • Gast am 4.6.2002

    Hochinteressant.

    Weile momentan in Barcelona und werde am Freitag im Rahmen eines Spanisch-Kurses einer Veranstaltung beiwohnen, bei der Frauen, die den spanischen Bürgerkrieg in Katalunien miterlebt haben, erzählen werden.
    Diese Arbeit gab mir in kürzester Zeit einen hervorragenden Ueberblick über die Geschehnisse zur Zeit des spanischen Bürgerkrieges und die entsprechende Rolle der Schweiz.
    Gratulation!

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Titel: Die Schweiz im Spanischen Bürgerkrieg


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