Franz von Papen, Kurt von Schleicher und die Präsidialkabinette von 1932/33


Referat / Aufsatz (Schule), 2002
8 Seiten, Note: 13 Punkte

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Biografien:

1. Franz von Papen

* 29.10.1879 in Werl

† 02.05.1969 in Obersasbach

1913-15 Militärattaché in Mexiko und Washington

1918 Stabschef der türkischen 4.Armee in Palästina

1920-28 Mitglied des Zentrums

1930-32 Abgeordneter im preußisch. Landtag, Vorsitzender der „Germania“

1932 01.06.: Reichskanzler; bildet ein von der großen Mehrheit abgelehntes über- parteilich-konservatives Präsidialkabinett (Kabinett der Barone) 20.07.: übernimmt als Reichskommissar Regierung Preußens (bis Apr.1933)

1933 Vizekanzler (bis 1934)

Nach dem Röhmputsch am 30.06.1934 scheidet er, persönlich gefährdet, als Vizekanzler aus; zwei seiner engsten Mitarbeiter werden ermordet.

Ab 1934 Gesandter in Wien

Ab 1936 Botschafter in Wien

→ Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich

1939-44 Botschafter in der Türkei, die ihren Eintritt in den Krieg erst nach Papens Abberufung voll- zieht

Im Nürnberger Prozess gegen die Haupt- Kriegsverbrecher wird er 1946 freige- sprochen, im Spruchkammerverfahren zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, 1949 aber entlassen.

2. Kurt von Schleicher

* 04.06.1882 in Brandenburg/Hard

† 30.06.1934 in Neubabelsberg

ab 1913 Generalstab; Truppengeneral- stab; Oberste Heeresleitung

1918-19 politischer Referent Groeners, dann enger Mitarbeiter Seeckts

ab 1926 Leiter der Wehrmachtsabteilung; gewinnt politischen Einfluss; trägt entscheidend zu dem Sturz Brünings bei (1932)

1932 Reichswehrminister im Kabinett Papen; Reichskanzler (Dez. 32 - Jan. 33)

Im Verlauf des Röhmputschs am 30.06. 1934 wird Schleicher von der SS erschossen.

Kabinett von Papen (01. Juni bis 17. November 1932):

- Reichskanzler: Franz von Papen, Zentrum
- Auswärtiges: Konstantin Freiherr von Neurath, parteilos
- Inneres: Freiherr Wilhelm von Gayl, DNVP
- Finanzen: Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk, parteilos
- Wirtschaft: Hermann Warmbold, parteilos
- Arbeit: Hermann Warmbold, parteilos ab 06. Juni 1932: Hugo Schäffer, parteilos
- Justiz: Franz Gürtner, DNVP
- Reichswehr: Kurt von Schleicher, parteilos
- Post und Verkehr: Paul Freiherr Eltz von Rübenach, parteilos
- Ernährung: Magnus Freiherr von Braun, parteilos
- Ohne Geschäftsbereich ab 29. Oktober 1932: Franz Bracht, parteilos; Johannes Popitz, parteilos

Kabinett von Schleicher (03. Dezember 1932 bis 28. Januar 1933):

- Reichskanzler: Kurt von Schleicher, parteilos
- Auswärtiges: Konstantin Freiherr von Neurath, parteilos
- Inneres: Franz Bracht, parteilos
- Finanzen: Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk, parteilos
- Wirtschaft: Hermann Warmbold, parteilos
- Arbeit: Friedrich Syrup, parteilos
- Justiz: Franz Gürtner, DNVP
- Post und Verkehr: Paul Freiherr Eltz von Rübenach, parteilos
- Ernährung: Magnus Freiherr von Braun, DNVP
- Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung: Günther Gereke
- Stellvertretender Reichswehrminister: Ferdinand von Bredow
- Leiter der Pressestelle der Reichsregierung: Erich Marcks
- Ohne Geschäftsbereich: Johannes Popitz, parteilos

Die Präsidialkabinette Papen und Schleicher 1932/33

Bis zu Brünings Entlassung ist der Name Papen kaum bekannt gewesen, der französische Botschafter sagt zur Ernennung Papens zum Reichskanzler: „Man will nicht daran glauben, und als dann die Nachricht bestätigt wird, lacht oder lächelt man allgemein. Papen hat das Sonderbare an sich, dass weder seine Freunde noch seine Feinde ihn ganz ernst nehmen... man bezeichnet ihn als oberflächlich, handelsüchtig, falsch, ehrgeizig, verschlagen und intrigant...“.

Als Papen 1932 Reichskanzler wird, hat er keinerlei politische Macht hinter sich, er ist noch nicht einmal Reichstagsabgeordneter gewesen. Seine eigene Partei, das Zentrum, schließt ihn wegen Verrats an Brüning aus. Papen allerdings scheint dies nicht weiter zu berühren, er glaubt, etwas Wichtigeres hinter sich stehen zu haben: Schleicher und die Reichswehr. Im Einvernehmen mit Schleicher bildet er auch gleich die komplette Regierung, das als „Kabinett der Barone“ bezeichnet wird: fünf der neun Mitglieder sind Adelige, zwei von ihnen Konzerndirektoren und der Reichswehrminister heißt Kurt von Schleicher.

Am 04. Juni 1932 löst Papen mit Erlaubnis des Reichspräsidenten Hindenburg den Reichstag auf und setzt für den 31. Juli Neuwahlen an. Am 15. Juni hebt Hindenburg das SA-Verbot auf, was dazu führt, dass alle Büros und Versammlungsräume der SA wieder freigegeben werden und die SA durch die Straßen marschiert. In den dabei stattfindenden blutigen Zusammenstößen mit den Kommunisten und Sozialdemokraten kommt es in den ersten drei Wochen zu 461 Auseinandersetzungen, bei denen 82 Menschen ihr Leben lassen müssen.

Am sogenannten Altonaer Blutsonntag, dem 17. Juli 1932, veranstaltet die NSDAP eine von der sozialdemokratischen Stadtregierung genehmigte Demonstration durch das kommunistische Altona, das damals noch Preußen angehört und unabhängig von Hamburg ist. Die Kommunisten drohen der NSDAP mit Angriffen auf den nationalsozialistischen Zug, was dazu führt, dass sie von preußischen Polizisten begleitet werden. Trotzdem kommen 18 Menschen, darunter zwei SA-Leute, ums Leben.

Papen nutzt den Altonaer Blutsonntag, um die preußische Regierung, die seit Kriegsende 1918 fast ununterbrochen sozialdemokratisch war, zu stürzen. Mit der Begründung, die ständigen Unruhen und Straßenkämpfe seien Beweis dafür, dass die Sozialdemokraten, allen voran Preußens Ministerpräsident Otto Braun, nicht mehr Herr der Lage seien, setzt Papen durch eine von Hindenburg unterzeichnete Notverordnung einen „Reichskommissar“ für Preußen ein, was an sich nicht ungewöhnlich ist, denn auch die Sozialdemokraten wandten 1923 diese Notverordnung an. Papen erklärt den Ausnahmezustand über Berlin und überträgt dem Kommandeur des Berliner Wehrkreises, General von Rundstedt, späterer Feldmarschall Hitlers, die Vollzugsgewalt. Da der Innenminister Preußens, Carl Severing, nur bereit ist der Gewalt zu weichen, schickt Papen ihm einen Polizeipräsidenten und zwei Polizeibeamte, worauf der Form Genüge getan ist und der Innenminister „der Gewalt“ weichen kann.

Dadurch kommt das Deutsche Reich und Preußen an eine einheitliche Regierung unter Papen, welcher in der Bevölkerung dermaßen unbeliebt ist, dass Brüning geradezu ein Volksheld genannt werden könnte. Aufgrund dessen muss sich die NSDAP von Papen distanzieren, um nicht in den Untergang gezogen zu werden. So führt Goebbels im Propagandakampf zu den Reichstagswahlen vom 31. Juli heftige Angriffe gegen Innenminister von Gayl.

Durch die Distanzierung von der unbeliebten Regierung erhält die NSDAP am Wahltag einige Stimmen mehr, sie liegt mit 13 745 000 Stimmen und somit 230 Sitzen vorne:

- NSDAP: 230 Sitze
- SPD: 133 Sitze
- KPD: 89 Sitze
- Zentrum: 75 Sitze

Um allerdings die Mehrheit im Reichstag zu besitzen, muss die NSDAP und ihr Führer Hitler mit dem Zentrum koalieren, also bespricht er sich mit dem Mann, von dem er weiß, dass er alle Fäden in der Hand und das Vertrauen des Reichspräsidenten hat, General von Schleicher. In dieser Besprechung stellt Hitler folgende Bedingungen, die zu erfüllen sind, wenn das Zentrum mit ihm koalieren will: er muss Kanzler werden, die NSDAP bekommt die Ämter des Ministerpräsidenten, des Reichs- und des preußischen Innenministeriums, des Wirtschaftsministeriums und der Ministerien für Luftfahrt und Volksaufklärung, Schleicher könnte weiterhin Reichswehrminister bleiben.

Allerdings hofft Hitler vergeblich darauf, dass Schleicher ein gutes Wort für ihn bei Hindenburg einlegt, im Gegenteil, Schleicher stellt sich voll und ganz auf die Seite Papens, der gedenkt, an der Regierung zu bleiben und Hitler allenfalls zum Vizekanzler zu machen, was allerdings von Hindenburg abgelehnt wird.

Trotz allem koaliert die NSDAP mit dem Zentrum und die beiden Parteien wählen am 30.08.1932 den Reichstagspräsidenten Hermann Göring. Als der Reichstag am 12. September 1932 erneut zusammentritt, sitzt zum ersten Mal in der Geschichte der Weimarer Republik ein Nationalsozialist auf dem Platz des Präsidenten des Deutschen Reichstages. In einer Rede vor den Abgeordneten will Reichskanzler Papen das Regierungsprogramm verkünden, hat vorsichtshalber aber schon den Reichspräsidenten Hindenburg um eine Genehmigung zur Auflösung des Reichstages gebeten, falls die Abgeordneten einen Misstrauensantrag gegen ihn stellen würden, weil er weiß, wie die NSDAP ihm gegenüber eingestellt ist und er seinen Untergang befürchtet. Er erhält die Zustimmung Hindenburgs, allerdings ist der Auflösungsbeschluss zu Beginn der Sitzung noch nicht fertig. Papen kommt aber auch gar nicht erst dazu, seine Rede zu halten, denn bereits zu Beginn der Sitzung stellt der kommunistische Fraktionsvorsitzende Torgler den Misstrauensantrag gegen Papen, woraufhin Reichstagspräsident Göring an das Haus die Frage stellt, ob sich Widerspruch gegen die damit beantragte Änderung der Tagesordnungen erhebt, welche mit einem Schweigen beantwortet wird. Ausgerechnet durch einen taktischen Fehler des NSDAP-Vorsitzenden Dr. Frick wird Papen allerdings doch noch aus dieser unangenehmen Situation gerettet, da Frick verwirrt ist und nicht weiß, ob seine Fraktion der geänderten Tagesordnung folgen soll, denn seine Partei müsste mit den Kommunisten und den Sozialdemokraten gegen die noch zuvor „nationale“ Regierung Papens stimmen!

Die Sitzung wird für eine halbe Stunde unterbrochen, was für Papen die letzte Chance darstellt: er ruft unmittelbar Hindenburg an und bittet ihn um die Auflösungsverordnung des Reichstages. Er wäre gerettet, sobald er die Auflösung vor Wiederbeginn vorweisen könnte. Staatssekretär Meißner erkennt sofort, dass es um Papens Existenz geht, er erstellt eine handschriftliche Verordnung, die er persönlich in der sogenannten „Roten Mappe“ Papen überbringt.

Als Göring die Sitzung wieder eröffnet, meldet sich Papen gleich zu Wort. Der Reichstagspräsident tut allerdings so, als habe er weder die „Rote Mappe“ noch Papens Wortmeldung gesehen und fordert zur Abstimmung über den gestellten Misstrauensantrag auf. Papen legt die Mappe sogar auf Görings Tisch, was dieser mit den Worten „Sie können mich doch jetzt nicht stören!“ kommentiert und die Mappe wegschiebt, woraufhin Papen und seine Regierungsmitglieder wütend den Reichstag verlassen.

Die Abstimmung ergibt eine so vernichtende Niederlage für Papen, wie sie zuvor noch keinem deutschen Kanzler zuteil geworden ist: von insgesamt 608 Stimmen werden 32 gegen den Antrag abgegeben, wobei nicht feststeht, ob diese Stimmen für Papen abgegeben worden sind; alle Parteien stimmen gegen ihn, auch seine frühere Partei, das Zentrum.

Göring öffnet nun erst die „Rote Mappe“, liest die Verordnung vor und erklärt dann, dass diese natürlich ungültig sei, denn sie sei von einem eben erst abgesetzten Reichskanzler unterschrieben.

Mit dieser Solo-Einlage des Komödianten Görings hebt sich der Vorhang zum letzten Akt der Tragödie der Weimarer Republik.

Papen bleibt zunächst im Amt, der Geschäftsordnungsausschuss des Reichstages stellt nachträglich fest, dass nach der Rechtslage die Auflösung dann erfolge, wenn die Urkunde dem Reichstagspräsidenten zugestellt worden sei; in diesem Fall ist die Zustellung in dem Moment erfolgt, in dem Papen Göring die Mappe hingelegt hat und das war vor Abstimmungsende.

Allerdings ändert dies nichts an Papens Schicksal, für eine Wende war die Ablehnung des Reichstages schlichtweg zu groß. Außerdem betrachtet die Öffentlichkeit Papen nicht mehr als „richtigen“ Kanzler und General von Schleicher ist fest entschlossen, sich von Papen zu trennen.

Bei den Neuwahlen am 06. November 1932 ist ein deutlicher Verlust der NSDAP-Wähler zu erkennen, im Gegensatz zu den Wahlen vom 31. Juli 1932 fallen auf sie 196 Sitze, d.h. ca. 2 Millionen weniger Wähler. Die KPD hingegen hat um 682 000 Stimmen gewonnen und kommt deshalb auf 100 Sitze.

So sieht das Endergebnis der Wahlen wie folgt aus:

- NSDAP: 196 Sitze
- SPD: 121 Sitze
- KPD: 100 Sitze
- Zentrum: 70 Sitze
- DNVP: 54 Sitze

Papens Regierung aufrecht zu erhalten wäre nur möglich gewesen, wenn der Reichspräsident den soeben erst gewählten Reichstag wieder auflösen würde. Dies war allerdings nicht zu erwarten, vor allem weil General von Schleicher jetzt entschieden gegen Papen Stellung nimmt und ihn zum Rücktritt auffordert. Am 17. November kapituliert Papen schließlich und legt mit seinen Ministern das Amt nieder; General von Schleicher will zukünftig kein Reichswehrminister mehr sein, sein neues Ziel ist es, Reichskanzler zu werden. Er setzt sich mit Gregor Strasser in Verbindung und bittet ihn, Hitler zu fragen, ob dieser bereit wäre, an einer Regierung, bei der nicht Papen, sondern Schleicher Reichskanzler sei, teilzunehmen.

Am 01. Dezember treffen sich NSDAP-Führer Hitler, Strasser, Frick, Goebbels und Göring, um über diesen Vorschlag zu diskutieren; Strasser und Frick sind für Schleichers Vorschlag, Hitler, Goebbels und Göring dagegen (Goebbels schreibt in sein Tagebuch: „Jeder mit gesundem Menschenverstand sieht, dass das System in den letzten Zuckungen liegt, und dass es geradezu ein Verbrechen wäre, wenn wir uns in diesem Augenblick noch einmal mit ihm verbündeten.“).

Hindenburg beruft Papen erneut zum Reichskanzler, es ist allerdings die kürzeste Amtszeit, die ein deutscher Reichskanzler je inne hatte, sie dauert einen Tag.

Am 02. Dezember 1932 hält Papen die erste Kabinettssitzung seiner neuen alten Regierung, in der General von Schleicher erklärt, dass die am Vortag von Hindenburg vollzogene Ernennung Papens zum Reichskanzler rückgängig gemacht werden müsse, da die Reichswehr kein Vertrauen mehr zu Papen habe und eine weitere Zusammenarbeit mit ihm ablehne. Er begründet dies, indem er sagt, dass Papen die Absicht habe, nicht nur mit Notverordnungen, sondern ausgesprochen gegen die Verfassung zu regieren. Sein Vorhaben, den Reichstag auf unbestimmte Zeit aufzulösen, dann bei gegebener Gelegenheit eine Verfassungsreform durchzuführen und dazu eine Änderung des Wahlrechts einzuführen, bedeute automatisch einen Bürgerkrieg. Die Reichswehr sei unter solchen Umständen nicht bereit, für Ordnung zu sorgen und somit sei Papens diktatorische Politik eine große Gefahr für das Deutsche Reich, da die Reichswehr nicht gleichzeitig in einem Bürgerkrieg und gegen einen polnischen Angriff, der zu befürchten sei, kämpfen könne.

Nach diesen Behauptungen bittet Papen Hindenburg um die Entlassung Schleichers, der Reichspräsident ist allerdings nicht bereit, Papens Politik weiterhin zu unterstützen, wenn sie solch schwere Folgen für das Deutsche Reich haben kann und beruft noch am selben Abend Kurt von Schleicher zum Reichskanzler.

Im Gegensatz zu Papen ist Schleicher frei von jeglichen Standesvorurteilen und aufrichtig von seiner nationalen und sozialen Politik überzeugt, die er, indem er „anständige“ Nationalsozialisten, „vernünftige“ Sozialdemokraten und „fortschrittliche“ Deutschnationale zusammenführt, ausüben will.

Schleicher will die NSDAP spalten: er macht den NSDAP-Repräsentant und für viele den eigentlichen Führer der NSDAP Gregor Strasser mit seinen politischen Plänen vertraut und schlägt ihm vor, unter seiner Regierung Vizekanzler und zugleich preußischer Ministerpräsident zu werden. Schleicher erhofft sich dadurch, dass auch andere prominente NSDAP-Politiker wie Frick Strasser folgen; die Spaltung der NSDAP wäre somit unvermeidlich. Allerdings weißStrassers Partei von Schleichers Plänen und hält ihn mit allen Mitteln von einer Zusage an Schleicher ab.

Schleicher führt in der Zwischenzeit Gespräche mit den Sozialdemokraten, um wenigstens deren Zustimmung zu erhalten; anfangs sieht es auch gut aus, die Sozialdemokraten scheinen nicht abgeneigt und sie erhoffen sich durch Schleichers geplante „Präsidialregierung“ eine Schwächung Hitlers, die SPD-Führung allerdings lehnt eine Zusammenarbeit bzw. eine Tolerierung der Regierung Schleicher vollkommen ab. So besteht keine Hoffnung mehr auf die Ausführung Schleichers Pläne: da Strasser auf Grund des Drucks, der von der NSDAP auf ihn ausgeübt wird, aufgibt und eine Zusammenarbeit mit Schleicher ablehnt, kann Schleicher die NSDAP nicht mehr spalten. Zudem hat er durch die „Strasseraffäre“ den Hass Hitlers auf sich gezogen, nicht zu vergessen den Hass Papens wegen des „Verrats“ am 02. Dezember 1932. Auch die Reichswehr wendet sich von ihm ab, eine Zusammenarbeit mit der SPD wäre ihr nicht angenehm gewesen; durch die Ablehnung der SPD käme Schleicher allerdings für keine Partei mehr als Kanzler in Frage.

So ist Schleicher am 15. Januar 1933 so gut wie vollkommen isoliert. Er versucht, diese Situation zu überspielen und glaubt die nationalsozialistische Gefahr innerhalb Deutschlands überwunden.

Am 22. Januar erscheint er bei Hindenburg und bittet ihn, da er weiß, dass SPD und NSDAP für seine Politik nicht mehr in Frage kommen, den eben erst gewählten Reichstag aufzulösen und keine Neuwahlen auszuschreiben, der Reichstag soll auf unbestimmte Zeit vollkommen ausgeschaltet werden. Schleicher spricht offen aus, dass er eine Militärdiktatur errichten möchte, der Staatsnotstand ausgesprochen werden soll und die Gewalt der Reichswehr, also ihm als Reichskanzler und Reichswehrminister übertragen werden soll. Hindenburg wirft ein, dass dieser Grund genau der sei, weshalb Papen zurücktreten musste, woraufhin Schleicher antwortet, dass er die Reichswehr entschieden besser in der Hand habe als Papen. Hindenburg fordert Schleicher daraufhin auf, eine parlamentarische Mehrheit zustande zu bringen, obwohl beide wissen, dass dies unmöglich ist und daher die noch nicht formelle Entlassung Schleichers aus seinem Amt bedeutet.

Am 28. Januar erklärt Schleicher seinen Rücktritt, etwas anderes bleibt ihm nicht übrig, denn am 31. Januar wird der Reichstag wieder zusammentreten und es würde zu einem Misstrauensantrag kommen und Schleicher schließlich vom Reichstag gestürzt werden. So gibt er lieber freiwillig auf.

Schleicher fleht Hindenburg noch einmal an, ihm die Vollmacht und den alleinigen Oberbefehl über die Reichswehr zu übertragen. Dies sei die letzte Möglichkeit, eine Diktatur Hitlers zu verhindern, auch wenn man dazu die Verfassung brechen müsste. Immerhin hätten die Väter der Verfassung eine solche kritische Lage nicht voraussehen können. Alle radikalen Gruppen wie KPD, SA und SS müssten sofort verboten, Goebbels und andere Radikale verhaftet werden. Er scheint sich in diesem Moment wie der Retter der Republik vor dem Nationalsozialismus zu fühlen und ist es vielleicht auch.

Hindenburg ist allerdings davon überzeugt, dass Schleicher übertreibt und betont, dass er niemals die Verfassung brechen werde.

Er verabschiedet Schleicher mit den Worten: „Ich werde ja wohl bald vor dem ewigen Richter stehen, und der wird mir sagen, ob ich recht gehandelt habe oder nicht. Hier kann mir das niemand sagen.“

Quellenangaben

1. Winkler, Heinrich August Der lange Weg nach Westen Band 1 (S. 510 - 551) Verlag C. H. Beck München, 2000
2. Göhring, Martin Bismarcks Erben (1890 - 1945) Franz Steiner Verlag GmbH Wiesbaden, 1959
3. Schwanitz, Dietrich Bildung - Alles, was man wissen muss Eichborn AG Frankfurt am Main, 1999
4. dtv - Atlas Weltgeschichte Band 2 - Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart (S.470 f.) Deutscher Taschenbuch Verlag München, 2000
5. Meyers Großes Taschenlexikon Band 16 und 19 B.-I. Taschenbuchverlag München, 1998
6. http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/verfassung/kabinette/#papen (15.12.2001)
7. http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/PapenFranz/index.html (15.12.2001)
8. http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SchleicherKurt/index.html (15.12.2001)

8 von 8 Seiten

Details

Titel
Franz von Papen, Kurt von Schleicher und die Präsidialkabinette von 1932/33
Note
13 Punkte
Autor
Jahr
2002
Seiten
8
Katalognummer
V106175
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Franz von Papen, Kurt von Schleicher, Präsidialkabinette 1932/33
Arbeit zitieren
Tini Henn (Autor), 2002, Franz von Papen, Kurt von Schleicher und die Präsidialkabinette von 1932/33, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106175

Kommentare

  • Gast am 24.6.2002

    An meine Süße.

    Hey Süße! Auch wenn ich eher nich so die Lust hatte deine Arbeit durchzulesen, hab ich sie trotzdem mit sehr gut bewertet. Wollt dich bisschen aufheitern. Sei nich so traurig, ja? Ich helf dir wenn du allein bist! Ich liebe dich!!!

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