Die Hanse: Aufstieg und Niedergang einer der größten Handelsmächte der Nord- und Ostsee


Seminararbeit, 2002
20 Seiten

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Inhalt:

1. Was bedeutet Hanse überhaupt ?
1.2 Die Hanse im kurzen Überblick

2. Der anfängliche Handel in der Nord- und Ostsee im 12. Jhdt.
2.1 Politische und Religiöse Faktoren
2.2 Die Gründung des Hansezentrums Lübeck
2.3 Die Gotländische Genossenschaft und ihre Beteiligung am Aufbau der Hanse

3. Die Entwicklung der Städtehanse (1250 - 1350)
3.1 Kraftproben mit Flandern und Norwegen
3.2 Der Dänische Vorstoß und die Krise der Hanse
3.3 Der schwarze Tod

4. Die Städtehanse als nordeuropäische Großmacht (1350-1400)
4.1 Konflikt mit Flandern
4.2 Krieg gegen Dänemark, die Kölner Konföderation und der Friede von Stralsund
4.3 Die Vitalienbrüder und die Bekämpfung der Seeräuberei

5. Die Hanse im 14. und 15. Jahrhundert
5.1 Die Mitglieder der Hanse
5.2 Hanse- und Regionaltage
5.3 Die vier Kontore und andere Niederlassungen
5.4 Die Hanse, der Kaiser und die Fürsten

6. Die Städte
6.1 Die Sozialstruktur
6.2 Die Handwerke

7. Schiffe und die Schiffahrt
7.1 Die Schiffe
7.2 Die Schiffahrt

8. Die Kaufleute
8.1 Berufsgruppen und Vereinigungen
8.2 Das Leben eines Kaufmannes

9. Die Wirtschaftspolitik der Hanse und die Konkurrenten

10. Der hansische Handel im Allgemeinen

11. Die hansische Kultur
11.1 Literatur
11.2 Das Stadtbild Wendelin Wolfram 8b

12. Krise Und Niedergang (1400-1475)
12.1 Der holländische Vorstoß und der langsame Bruch der Gemeinschaft
12.2 Der Niedergang des Deutschen Ordens und des Novgoroder Kontors
12.3 Der Abfall Kölns und der englisch-hansische Krieg

13. Das Nachlassen der Kräfte (1475 - 1550)
13.1 Die Hanse und die Fugger

14. Erneuerung und Erlöschen (1550-1669)
14.1 Reorganisationsbemühungen
14.2 Der Dreißigjährige Krieg und das Ende

Die Hanse

Die Geschichte einer der größten Handelsmächte

1. Was bedeutet Hanse überhaupt ?

Der große Kaufmanns- und später Städtezusammenschluss, hat sich den Namen „Hanse“ selbst verliehen, abgeleitet von der „Hansa Theutonicorum“ oder „Dudesche Hense“. Vielerlei Übersetzungen wurden für dieses Wort geschaffen: Wulfila bezeichnete in seiner Bibelübersetzung damit eine bewaffnete Schar, später meinten andere es sei ein Abschnitt zwischen Seine und Elbe, schlussendlich wurde es dann aber als „Gruppe von Kaufleuten im Ausland“ übersetzt.

Das erste Mal schien diese Bezeichnung, am Anfang des 13. Jahrhunderts, in einem Handelsvertrag zwischen London und flandrischen Händlern auf, in der diese als Mitglieder der Hanse bezeichnet werden. Erst 1267 wurden die norddeutschen Händler selbst als Hansen bezeichnet, offensichtlich deswegen, weil ihr Statut dem der vorhin erwähnten Flandrischen Hanse glich. 1343 schließlich, wendet sich der König Schwedens und Norwegens in einem Schreiben erstmals an die „universos mercatores de hansa Theutonicorum“ womit man erkennen kann, dass der Ausdruck „Hansa“ schon weithin als Bezeichnung für die norddeutschen Kaufleute gilt. Später, als die Hanse ein Städtezusammenschluss wurde, sprach man von den „steden der dudeschen hense“.

1.1 Die Hanse im kurzen Überblick

Als die Hanse zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde, war sie ein bloßer Zusammenschluss von Kaufmännern aus Norddeutschland, es gab keine Institutionen, nicht einmal ein eigenes Siegel, als einziges offizielles Ereignis existierte lediglich der Hansetag, der aber äußerst selten zusammentrat und außerdem niemals vollzählig war. Zentrum und Entstehungsort der Hanse ist die Stadt Lübeck, die durch ihre günstige Lage, den Handel zwischen Ost- und Nordsee ankurbelte.

Mitte des 14. Jahrhunderts wird die Hanse zu einem losen Städtebund, noch immer offiziell nicht existent und kirchlichen oder weltlichen Herrschern unterstehend, obwohl sie deren Macht bei weitem übertrifft. Diese Städte sind wie Stadtstaaten, mit einem eigenen Rat, eigener Verteidigung und eigenem Recht, sie bleiben von den jeweiligen Landesfürsten unabhängig. Handelsverbindungen reichen von Nowgorod über Reval, Lübeck, Hamburg und Brügge bis nach London und an die Atlantikküsten Frankreichs und Spaniens.

Aber ab 1400 beginnt die Hanse, durch den Widerstand der Niederländer und der süddeutschen Händler, die ja schließlich auch ein Stück vom Kuchen wollen, langsam in sich zusammenzufallen.

Dadurch, dass die Hanse offiziell nie bestanden hatte und die Organisation untereinander, zumindest in politischer Hinsicht, schlecht war, reichten ihre Anstrengungen nicht aus, um in der Nord- und Ostsee weiterhin das Handelsmonopol halten zu können, und im 16. Jahrhundert war ihre Niederlage bereits offensichtlich. Zwar wächst der Handel weiterhin, aber das System der Hansen passt nicht mehr in das Schema der neuen Zeit und in puncto politischer Macht kann man den damals herrschenden Monarchien nicht das Wasser reichen. Somit steigen viele hansische Kaufleute in andere Organisationen um, und um 1630 hört die Hanse auf zu existieren, als an ihre Stelle der Handelsbund Lübeck-Hamburg-Bremen tritt, manche datieren das Ende der Hanse aber auf 1669, als der Hanstag das letzte Mal zusammenkommt und ein Wiederaufbauversuch scheitert.

2. Der anfängliche Handel in der Nord- und Ostsee im 12. Jhdt.

Nord- und Ostsee bildeten im 12. und 13. Jhdt. gleich dem Mittelmeer, die Verbindung von West nach Ost welche aber durch die Umfahrung Skagens und der dänischen Meerengen behindert wurde.

Handel wurde hauptsächlich von den Skandinaviern betrieben, da sie über schnelle Schiffe und ehemalige Kolonien der Wikinger, besonders in England, verfügten. Die Dänen und Norweger suchten auch regelmäßig den Kontinent auf, belegt sind ihre Beziehungen zu Utrecht und Bremen (1122) sowie zur Normandie und Flandern, wo sich ein beträchtlicher Markt gebildet hatte.

Der damalige Handel steckte noch in den Kinderschuhen, da die Kapazität der skandinavischen Boote klein und auch die Nachfrage in den Zielhäfen nicht allzu groß waren, was aber nicht bedeutet, dass die skandinavische Wirtschaft dadurch nicht floriert hätte.

Zu dieser Zeit waren die deutschen Händler noch wenig verbreitet, ihre spätere Vorherrschaft in der Nord- und Ostsee deutete sich erst Jahre danach an, nur die Städte Bremen und Köln hatten bereits gute Beziehungen zu London, sie wurden durch Ethelred II. den Einwohnern Londons gleichgestellt was hieß, dass sie ab diesem Zeitpunkt unter dem Schutz der englischen Krone standen, was einer sehr hohen Respektserweisung gleichkommt.

2.1 Politische und Religiöse Faktoren

Anfang des 12. Jahrhunderts verlief die Grenze des Reichs und der Christenheit zwischen Elbe und Saale, aber weiter östlich zwischen Elbe und Oder war das Land von heidnischen Stämmen besetzt, eine Tatsache die den sächsischen Adeligen nicht gerade gefiel.

Sie versuchten etliche Male die Stämme zu christianisieren, aber hatten sie in einer Gegend das Christentum gewaltsam eingeführt, so mündete dies meist in Aufständen und schließlich musste man einsehen, dass ein noch radikalerer Weg eingeschlagen werden musste. Gerade zu diesem Zeitpunkt starb der letzte Nachfahre des sächsischen Königshauses, und die Kaiser Heinrich der IV. und später auch Heinrich der V. aus dem salischen Königshaus in Süddeutschland, waren mit dem Investiturstreit so beschäftigt, dass sie jenseits des Harzes nichts gegen die heidnischen Stämme unternehmen wollten.

Erst um 1200 wurden die Christianisierungsanstrengungen wieder verstärkt und Boleslav von Polen entsandte den Bischof Otto von Bamberg als Missionar nach Pommern, wo sich schließlich Tausende Heiden taufen ließen und zahlreiche Kirchen errichtet wurden. Im Raum Lübecks erzielte man durch die 1140 zahlreich einwandernden Deutschen große Erfolge, aber ein Kreuzzug der Norddeutschen gegen die Slaven, von Polen und Dänen stark unterstützt, scheiterte an der guten Befestigung der Verteidiger und so mussten die christlichen Heere wieder abziehen.

Besonders wichtig für die Erschließung des Ostens ist Lothar III., der Boleslav von Polen mit Pommern und Rügen belehnte um dort seine Herrschaft zu sichern und insgesamt drei hochrangige Fürsten einsetzte um den Osten zu kontrollieren.

2.2 Die Gründung des Hansezentrums Lübeck

Mitte des 12. Jahrhunderts, begannen immer mehr Deutsche von Adolf II. von Schauenburg, Graf von Holstein, einem Vasall des Sachsenherzogs Heinrich des Löwen, angeworben, auf der Suche nach Land in den Osten zu ziehen, um die dort ansässigen Obotriten zu vertreiben und das Christentum einzuführen. Genau zu dieser Zeit entschied sich der Graf, an der Ostseeküste auch noch eine Kaufmannssiedlung zu gründen, nämlich Lübeck. Die Wahl des Platzes fiel auf die Zusammenmündung von Wakenitz und Trave. Da sich Lübeck am schmalsten Teil Holsteins befand und die Trave durchaus mit damaligen Schiffen befahrbar waren, war die Stadt geradezu dazu prädestiniert in naher Zukunft die Ostsee wirtschaftlich zu regieren.

Der florierende Handel in der 1158/59 gegründeten Stadt, erregte den Neid Heinrich des Löwen, der zuerst versuchte Lübeck dadurch zu schwächen, dass er eine Gegenstadt, nämlich Löwenstadt, baute. Leider war deren Lage nicht allzu günstig und er zwang schließlich Adolf II., Lübeck an ihn abzugeben. Die daraufhin von Heinrich an das Hansezentrum verliehenen Privilegien, machten die Stadt zum Dreh- und Angelpunkt des Seehandels im nördlichen Raum Europas.

2.3 Die Gotländische Genossenschaft und ihre Beteiligung am Aufbau der Hanse

Gotland, die Insel mitten in der Ostsee, wurde im 12. Jhdt. allmählich ein wichtiger Stützpunkt für Händler, Missionare und Beamte die in den Osten nach Novgorod oder Smolensk wollten, oder, wie die meisten Südschweden nach Stockholm. Aufgrund dieses regen Durchzugsverkehrs, expandierte das Zentrum Gotlands, die Stadt Visby, schnell. Die Deutschen erkannten die Wichtigkeit dieses Handelsstützpunktes und Heinrich der Löwe söhnte sie mit den Gotländern aus, und aufgrund dessen wurde eine Art Handelsbündnis zwischen Deutschen und Gotländern geschaffen, eben die Genossenschaft. Von diesem Moment an war der Vorstoß der Deutschen nach Russland und Livland kein Problem mehr, und sie gründeten Niederlassungen in Ladoga, Novgorod und Smolensk.

Die Gotländer waren ebenfalls an der Erschließung des Ostmarktes maßgeblich beteiligt und so teilte die Genossenschaft redlich ihren Gewinn, unter der Aufsicht des „Oldermannes“, dem Vorsitzenden der Genossenschaft.

Später als erste Christianisierungsversuche erfolgreich waren, versuchte man alle baltischen Staaten mit Kreuzzügen zu überrennen und zu bekehren. Ein eigener Orden, der, der Schwertbrüder wurde dazu gegründet und sie drangen bis weit nach Livland vor. Die Litauer aber, konnten ihnen eine schwere Niederlage beibringen und somit schien die Christianisierung der baltischen Ländereien gefährdet. Nur durch das rasche Handeln des Hochmeisters des Deutschen Ordens, Hermann von Salza, konnten die Litauer zurückgedrängt werden.

Als diese Gebiete in fester, christlicher Hand entschieden die Deutschritter, allein dort zu regieren, womit die Gotländer viel Land verloren und die Genossenschaft stark zu bröckeln begann. Obwohl sie starken Einfluß gehabt hatte, existierte sie nach dem 13. Jahrhunderts nicht mehr, an ihre Stelle wurde ein gegenseitiger Unterstützungsvertrag von Riga, Lübeck, zu dieser Zeit bereits DIE Handelsstadt Norddeutschlands, und Visby unterzeichnet.

3. Die Entwicklung der Städtehanse (1250 - 1350)

Aufgrund großer Unruhen, und kaiserlicher Ohnmacht in Deutschland, verbündeten sich viele Städte miteinander, um gegen plündernde Horden und gierige Herren gewappnet zu sein. Der erste große Städtebund hansischen Ursprungs, war der, der „Wendischen Städte“ um 1280. Dazu zählten Lübeck, Rostock, Kiel, Wismar, Stralsund sowie Hamburg und Lüneburg. Der Bund ging auf einen Kontrakt zwischen Lübeck und Hamburg ( 1230 ) zurück in dem sie beschlossen gemeinsam den Schutz für den Landweg zu übernehmen, und als Zeichen der Freundschaft den Bürgern beider Städte die gleichen Rechte einzuräumen.

3.1 Kraftproben mit Flandern und Norwegen

Mittlerweile war die Hanse sehr groß und mächtig geworden, hatte die Gotländische Genossenschaft verdrängt und beherrschte fast die ganze Nord- und Ostsee. Erster wahrhaft unangenehmer Widerstand regte sich 1280 in Brügge, in Flandern. Dort begann man, die Vorteile und Rechte, die man einst der Hanse und ausländischen Händlern zugesichert immer mehr zu missachten. Daraufhin überdachten die wendischen Städte eine Blockade gegen Brügge auszusprechen. Sie sandten ein Ratsmitglied, Johann Doway, dorthin, und mit der Unterstützung der dort Handel treibenden Spanier und der sächsischen, westfälischen Städte, als auch Visby, beschlossen sie das Hansekontor von Brügge nach Aardenburg zu verlegen. Bald musste Brügge seinen Fehler eingestehen und den Hansen sowie den Ausländern wurden wieder mehr Rechte zugeteilt.

Norwegen wurde noch drastischer getroffen als sie 1284 die Privilegien der dortigen Deutschen stark beschnitten. Das genügte um den Großteil der Nordseestädte und fast sämtliche Ostseestädte dazu zu bewegen, die dänischen Meerengen und somit den Schmuggel zu blockieren, sodaß die Norweger, abhängig vom Getreide der Deutschen, aufgaben und die Hansen wieder privilegierten.

Wie ich finde, sind das sehr eindrucksvolle Beispiele für die Macht dieser offiziell gar nicht existenten Organisation.

3.2 Der Dänische Vorstoß und die Krise der Hanse

Die Situation am Anfang des 14. Jahrhunderts wird für die Hanse jedoch kritisch. Die Fürsten, neidisch auf den Reichtum, wollten die unabhängigen Hansestädte wieder unter ihre Kontrolle bringen. Doch ihnen fehlten die finanziellen Mittel, die ihnen aber der Dänenkönig Erik VI. Menved gewährt. Die wendischen Städte werden ständig belagert und Erik nimmt ein Jahrhundert nach Waldemar dem Siegreichen, die Ausdehnungspolitik der Dänemark wieder in Angriff. Durch die Fehden der Grafen untereinander sind sie stark geschwächt und müssen so Erik als Lehensherr des Großteils ihrer Ländereien anerkennen. Durch diese Kriege wird die Hanse stark geschwächt, die wendischen Städte verarmen zusehends. Der Spuk hat erst ein Ende als Erik 1319 stirbt. Die ruinierte Staatskasse Dänemarks ist so gut wie leer und die deutschen Fürsten begannen ihr Land in Richtung Dänemark zu erweitern. So ging das gut 20 Jahre lang bis schließlich die einheimischen Dänen die deutschen Einwanderer zu Hunderten töteten. Um das Land wieder in den Griff zu bekommen, setzt man Waldemar IV. Atterdag auf den Thron, der daraufhin Lübeck und den wendischen Städten mehr Privilegien zusicherte und Schonen an Schweden abtrat.

3.3 Der schwarze Tod

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts konnte die Hanse einen gewaltigen Aufschwung verzeichnen, es wurde reger Handel mit Italien und England getrieben, wo die Hansen schließlich zu den wichtigsten Kaufleuten zählten.

Im Jahre 1350 wurde Norddeutschland von der Pest überrannt. 1349 vermutlich über England eingeschleppt, breitete es sich über Preußen und Schweden aus, mit blitzartiger Geschwindigkeit auch in Friesland, Jütland und Gotland. 1351 erreichte sie als letzte norddeutsche Stadt Brandenburg.

In den meisten Städten raffte die Seuche 25-50% der Einwohner dahin, was schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft und die Politik bedeutete. Der Handel war in einer Rezession, weil Handelspartner der Reihe nach starben, in manchen Städte mussten ganze Räte ersetzt werden darüber hinaus wurde das Geld abgewertet. Am härtesten trafen diese Tatsachen die Handwerker und kleinen Händler. Aufgrund zahlreicher Erbschaften, bekamen wenige Reiche noch mehr Geld während die Armen noch ärmer werden. Doch diese Ungerechtigkeiten wurden in den darauffolgenden Jahren bald wieder ausgeglichen. Trotz der dramatischen Berichterstattung mancher Geschichtsschreiber, die Pest forderte zahlreiche Tote, was eigentlich Westdeutschland half das Problem der Überbevölkerung zu lösen, außerdem erstarkte die deutsche Wirtschaft in den Jahrzehnten darauf, was so nüchtern und grausam es klingen mag, nur der Pest zu verdanken war.

4. Die Städtehanse als nordeuropäische Großmacht (1350-1400)

Im dritten Viertel des 14. Jahrhunderts tritt, nach einem Krieg gegen die Dänemark und der Überwindung der Pest, anstelle der Vereinigung der Kaufleute, die Städtehanse, die die Interessen ihrer Kaufleute im Ausland. Dieser Bund wurde für eineinhalb Jahrhunderte DIE nordeuropäische Großmacht.

4.1 Konflikt mit Flandern

Der Hundertjährige Krieg hatte, um 1350, das flandrische Brügge wirtschaftlich stark geschwächt. Die Folgen davon waren höhere Abgaben der Kaufleute an die Stadt und ein Beschneiden ihrer Privilegien.

Davon war die hansische Städtevereinigung nicht begeisterte, man berief 1356 in Lübeck den ersten Hansetag ein. Gemeinsam entschlossen sich die norddeutschen, schwedischen und livländischen Städte, zu einer Handelssperre für ganz Flandern, inklusive der erst kürzlich erworbenen Städte Antwerpen und Mecheln.

Zermürbt durch die Unterversorgung mit preußischen Getreide und ohne die kostbaren Ostwaren, ging der flandrische Handel stark zurück. 1360, nach einer schlechten Ernte, mussten sich die Flamen geschlagen geben, alle Städte Flanderns gewährten den Hansen ihre alten Privilegien, welche auch vom Graf von Flandern anerkannt wurden. Somit hatte die Hanse einen weiteren großen Erfolg zu verzeichnen.

4.2 Krieg gegen Dänemark, die Kölner Konföderation und der Friede von Stralsund

Wenige Monate später nahm König Waldemar IV. Atterdag, der bei seiner Thronbesteigung noch von der Hanse unterstützt wurde, Gotland ein, plünderte Visby und besetzte es fast drei Jahrhunderte lang. Zwanzig Jahre zuvor hatte er den Schweden Schonen wieder abgenommen und knüpfte an die Hegemonialpolitik Eriks VI. Menved an. Ein wendisch-pommerscher Städtetag beschloß die Erhebung einer Sondersteuer auf alle gehandelten Waren, ging ein Bündnis mit Schweden und Norwegen ein und sicherte sich auch die Unterstützung der Herzöge von Schleswig und der Grafen von Holstein. Doch die darauffolgende militärische Aktion war ein Schlag ins Wasser. Der Lübecker Bürgermeister Johann Wittenborg führte ein Flotte von 52 Schiffen in dänisches Gewässer, beging aber den Fehler, einen Teil der Truppen nach Hälsingborg auszuschiffen um die Stadt zu belagern. Diese Gelegenheit nutzte Waldemar und eroberte 12 große Schiffe. Wittenborg erreichte einen Waffenstillstand und kehrte geschlagen nach Lübeck zurück, wo ihn der Tod erwartete.

Waldemar gab sich zähen Verhandlungen mit der Hanse hin, was aber schließlich darauf hinauslief, dass die Hansestädte, nun untereinander einig, bereit waren Waldemar zu besiegen. Die wendischen, preußischen und westfälischen Städte gingen auf einem Hansetag 1366 ein Kriegsbündnis (verbund ) mit Schweden und dem Herzog von Mecklenburg ein, um gegen Waldemar und Hakon VI. von Norwegen bestehen zu können. 1367 fand eine allgemeiner Hansetag in Köln statt, bei der die Erhebung des Pfundgeldes in schärferer Form beschlossen, außerdem traten Städte aus dem nichthansischen Raum bei, wie die Städte der Zuidersee mit Gesandten aus Amsterdam und Haderwijk. So entstand die „Kölner Konföderation“ die nicht nur für die Dauer des Krieges, sondern auch nachher einige Jahrzehnte bestand. In der Folge entbaten fast alle Seestädte vom finnischen Meerbusen bis zum Rhein ihre Hilfe. Durch die Hilfe des schwedischen Königs, Holsteins und aufgrund der aufständischen dänischen Adeligen konnte Waldemar besiegt werden. Schließlich schloß man in Stralsund Frieden mit dem Dänenkönig, das Ergebnis der Friedensverhandlungen war: Die Kaufleute bekamen alle ihre Privilegien bestätigt, die Hanse übernahm für 15 Jahre die Festungen Hälsingborg, Malmö, Skanör und Falsterbo und die Deutschen erhielten Mitspracherechte, falls ein neuer König gewählt werden sollte.

Somit endete diese Kraftprobe mit einem triumphalen Sieg für einen Zusammenschluß von STÄDTEN!, die ihren Handel verteidigen wollten. Jetzt war die Hanse, obwohl theoretisch anderen Herren unterstehend, eine der größten politischen, militärischen und wirtschaftlichen Supermächte geworden.

4.3 Die Vitalienbrüder und die Bekämpfung der Seeräuberei

Im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts wurde ein anderer Konflikt zum Problem für die Hanse: der Seeraub. Grund dafür waren Streitereien zwischen Albrecht, König von Schweden und Margareta, „Regentin“ Dänemarks, der in einen Kaperkrieg mündete. Natürlich blieben auch die hansischen Schiffe nicht verschont und so beschloß man dem Piratentum ein Ende zu bereiten, unter dem Einsatz aller Hansestädte. Leider entzogen sich viele der Verantwortung und am Ende führten Stralsund und Lübeck alleine den Krieg, der ein schnelles Ende fand.

Schließlich starb Hakon VI. und seine Gattin, Margareta von Dänemark, übernahm nun den finnischen Thron (1380) und 9 Jahre später wurde sie, nach der Vertreibung Albrechts, auch Herrscherin über Schweden. Bald darauf gaben aber die Mecklenburger Fürsten, aus deren Geschlecht Albrecht stammte, ein Schreiben aus, indem sie ihre Häfen jedem zur Verfügung stellten der „dem Königreich zu Dänemark Schaden zuzufügen wünsche“. Das lockte Räuber und Gesetzlose in die mecklenburgischen Städte Rostock und Wismar, von wo aus die Kaperfahrten organisiert wurden. Diese trafen Margareta schwer, aber auch hansische Schiffe wurden überfallen. Das Problem für die Hanse waren nicht nur die materiellen Verluste, es war auch der „Verrat“ von Rostock und Wismar, die aber angaben, nur ihren Herren Gehorsam zu leisten. Diese Aussage störte die Beziehung zwischen Hanse und einem Teil der wendischen Städte einigermaßen.

Die Seeräuber wurden zu dieser Zeit „Vitalienbrüder“ genannt, abgeleitet von den „vitailleurs“ wie im Hundertjährigen Krieg die Nachschub besorgenden Heere genannt wurden, die dies plündernd und brandschatzend taten. Schließlich nahm sich der

Hochmeister des Deutschen Ordens, Konrad von Jungingen, des Problems an und in kurzer Zeit war der Kaperkrieg vorbei, abgeschlossen mit dem Frieden von Skanör. Dabei wurde vereinbart, dass Margareta die alleinige Herrscherin der drei Länder Schweden, Norwegen und Dänemark ist. Die Seeräuber verschanzten sich nun auf Visby, aber durch das schnelle Durchgreifen der Hanse und des Deutschen Ordens, die mit 84 Schiffen und 4000 Mann Visby im Sturm nahmen, waren die Vitalienbrüder in der Ostsee unter Kontrolle. Die meisten hatten sich jedoch in die Nordsee nach Friesland zurückgezogen, wo sie vom Grafen von Oldenburg freundlich aufgenommen wurden. 1400 konnten Hamburg und Bremen, die schwer unter den Piraten litten, ihnen einen schweren Schlag zufügen. Kurz darauf wurden die beiden Anführer Godeke Michels und Klaus Störtebeker mit Hunderten ihrer Gefährten geköpft.

Man sollte meinen, dass dieses Ereignis den Zusammenhalt in der Hanse gefestigt hat, dem war aber nicht so. Immer mehr divergierten von nun an die Interessen der einzelnen Städte, besonders die der Binnen- und Seestädte sowie die der wendischen und preußischen. Nun, am Anfang des 15. Jahrhunderts, versucht die Hanse defensiv zu spielen und ihre Positionen zu sichern, aber die Rivalen werden technologisch immer überlegener und langsam, kaum sichtbar beginnt der Niedergang der Hanse.

5. Die Hanse im 14. und 15. Jahrhundert

5.1 Die Mitglieder der Hanse

Vor 1350 läßt sich leicht definieren wer zur Hanse gehörte, nämlich norddeutschen Händler die mit dem Ausland Handel trieben. Dabei wurde auf die Herkunft aus einer Hansestadt bestanden, oder einem Hansekontor.

Später jedoch, lässt es sich schwer eruieren, wer nun Mitglied der Städtehanse ist und wer nicht, da nie ein Verzeichnis, oder Buch geführt wurde wer nun dazuzuzählen ist und welche Stadt nicht. Man kann nur aus einem Bericht über die Verteilung militärischer Kontingente, dass es 15. und 16. Jhdt. 55-80 Hansestädte gegeben haben muß. Dies wird durch ein Schreiben an Papst Urban VI. bestätigt, in dem sich „Lübeck, das Haupt der 77 Städte, in der Liga der Hanse“ an ihn wendet. 1469 sprach man im Brügger Kontor von offiziell 72 Städten, was dann auch von ausländischen Kanzleien, anerkannt wurde. Dennoch ist es schwer zu sagen wer aller Mitglied war, da es zwischen 1358 und dem 17. Jhdt. viele Aus- und Eintritte gab.

Mitglied konnte man über drei verschiedene Wege werden:

1. Als ursprüngliches Mitglied der Städtehanse 1358
2. Über einen offiziellen Antrag
3. Sich ohne Antrag anzugliedern, was kleinen Städten vorbehalten war

Mitglieder waren faktisch alle Städte, die dem Deutschen Orden unterstanden, da der Hochmeister einer der wenigen Fürsten, der durch seine Expansionspolitik die Sympathie der Hanse sicher hatte.

5.2 Hanse- und Regionaltage

Hansetage fanden seit 1356 statt, das hieß, das Abgesandter aller Städte zusammentraten um über wirtschaftliche Handlungen, Blockaden, Ausschlüsse und militärische Aktionen zu entscheiden. Meist wurde alle ein bis zwei Jahre ein Hansetag abgehalten, das größte Problem war allerdings das Nichterscheinen der einzelnen Abgesandten, was de facto so aussah, dass selten mehr als die Hälfte aller Städte abwesend war, obwohl der Tag Monate im Voraus bekannt gegeben wurde, nur um die Anfahrtskosten der Abgesandten zu sparen, sprich, nicht die Schotten, die Hansen waren die größten Geizhälse. 1430 drohte der Hansetag den Städten die nicht erschienen, eine Mark Gold Buße, eine ordentlichen Summe zu damaligen Zeiten, Beschlagnahme der Handelsgüter und schließlich Ausschluß aus der Hanse, an, diese Drohung wurde aber nie durchgesetzt.

Die Besprechungen selbst waren meist von lächerlichen Problemen gequält, fast jeder Abgesandte glaubte hierarchisch, beim hufeisenförmigen Tisch, am falschen Platz zu sitzen was zu unnützen Verhandlungen und Streitigkeiten führte. Die Verhandlungen selbst waren von einem ähnlichen Kolorit, jeder Beschluß schwerfälligst erarbeitet, Kompromisse in stundenlangen Diskussionen über den Haufen geworfen etc.

Der Großteil der Entscheidungen wurde aber von Lübeck, als Kopf der Hanse, selbst getätigt und von den anderen Städten akzeptiert.

Viel mehr Bedeutung maß man den Regionaltagen bei, die viel häufiger stattfanden, besser besucht waren und konkrete lokale Probleme erörterten.

5.3 Die vier Kontore und andere Niederlassungen

Kontore, also Genossenschaften der hansischen Kaufleute, gab es in großer Anzahl, von Ladoga bis nach Portugal und Italien, aber die vier Stützen der Hanse waren Novgorod mit dem „Peterhof“, London mit dem Stalhof (steelyard), Brügge und Bergen mit dem Gaarden. Kontore waren die Handelsstützpunkt der Hanse im Ausland, sie waren viel strenger organisiert als die Hansestädte selbst. Den Vorstand übernahm ein Jurist der auch für Kasse und Gericht zuständig war. Jeder Kontor hatte sein eigenes Siegel: der Doppeladler für London und Brügge, der Stockfisch für Bergen und der Petersschlüssel für Novgorod.

Dennoch sind die anderen Niederlassungen nicht zu vernachlässigen, sie machten auch einen großen Teil des Handelserfolges der Hanse aus.

5.4 Die Hanse, der Kaiser und die Fürsten

Zwar bezeichnete sich die Hanse im 14. Jhdt. als „ghemeene koeplude utem Roomschen rike van Alemanien“, dieser Begriff stimmte aber nicht mehr, da der Kaiser und die Fürsten, bei der Hanse wenig mitzureden hatten. Lothar III. übte anfangs Macht auf diese Städte aus, Heinrich der Löwe ebenfalls. Später nimmt sich die Hanse aber selbst in die Hand unabhängig vom Kaiser. Erst Karl IV. von Luxemburg interessierte sich für die Hanse, reiste 1375 nach Lübeck und besprach eine Festigung der Beziehungen der Hansestädte mit dem Kaiserreich, wobei er den Rat mit „Herren“ ansprach. Die Gespräche waren fruchtbar, aber leider beendete der Tod Kaiser Karls die Hoffnungen der Hansen. Der nächste kaiserliche Besuch sollte erst 500 Jahre später durch Wilhelm I. stattfinden!

Vor ein weiteres Problem wurden die Städte Ende des 14. Jahrhunderts gestellt, als die erstarkenden, weltlichen und geistlichen Herren, die rechtmäßig ihrigen Städte zurückforderten. Der Großteil der Kämpfe verlief zugunsten der Städte, nur Braunschweig unterstand nachher wieder dem Grafen von Mecklenburg.

Vor dieser Epoche, waren die Fürsten mehr oder weniger von den Krediten der Städte abhängig, und gewährten ihnen im Gegenzug ihre Autonomität.

Der Niedergang der Hanse im 15. Jhdt. hat sicher auch seine Ursprünge in den kostenaufwendigen Kriegen gegen die Landesfürsten, der Abgabe von Privilegien und der Erstarkung der Herren.

6. Die Städte

Die Hanse umfasste ungefähr 180 bis 200 Städte von denen aber nur um die 70 wirklich große Bedeutung hatten. Ihre Ausbreitung war von der Zuidersee, Maas, Thüringen, Brandenburg, Polen bis zum Finnischen Meerbusen.

Wendische und pommersche Städte

Die wendischen Städte spielten, durch die Reichsstadt Lübeck, die größte Rolle in der Hanse. Zu ihnen zählten Hamburg, Kiel, Rostock, Wismar, Lübeck und Lüneburg. Lübeck war fast immer das inoffizielle Zentrum der Hanse, bis es 1418 an einem Hansetag dazu ernannt wurde, was aber nicht hieß, das alle damit einverstanden waren. Hamburg legte z.B. legte 1367 beim Beitritt zur „Kölner Konföderation“ starke Zurückhaltung an den Tag, oder am Ende des Jahrhunderts als Wismar und Rostock von Lübecks Ansichten abwandten die Vitalienbrüder unterstützten.

Sächsische, thüringische und brandenburgische Städte

Im niedersächsischen Gebiet zwischen Elbe und Weser befanden sich an die 25 Hansestädte. Neun von ihnen waren seit der Gründung der Städtehanse bereits dabei nämlich Braunschweig, Lüneburg (das zugleich auch zur wendischen Städtegruppe gehörte) Goslar, Hameln, Hildesheim, Göttingen, Magdeburg und Hannover. Bremen wurde 1358 gesondert aufgenommen, da es 1280 ausgeschlossen wurde, weil es Brügge gegen die Hanse „unterstützt“ hatte.

Westfälische Städte

Zwischen Weser und Rheintal befand sich die größte Ansammlung an Hansestädten, in etwa 80, von denen aber nur 15 wichtig waren und die sich außerdem um die Städte Osnabrück, Dortmund, Soest und Münster gruppierten. In diesem Teil Deutschlands war der Ausgangspunkt für die Kaufmannshanse zu finden und somit kamen die Städte erst recht spät, 1418, zur Städtehanse hinzu.

Niederländische und rheinische Städte

In den Niederlanden gab es um 1450 ungefähr 20 Städte die zur Hanse gehörten, die, bis auf Groningen, am Ostufer der Zuidersee (Staveren, Kampen, Harderwijk) entlang der Ijssel (Zwolle, Deventer, Zutfen) und am Niederrhein (Arnheim und Nimwegen) lagen.

In diesem Gebiet verstand sich die Zugehörigkeit zur Hanse nicht von selbst, die Städte wurden vor dem Beitritt erst genau geprüft, schließlich wurden die Kaufmänner aus diesen Städten aber auch als „gemeine Kaufmänner“, sprich gleichgestellte Händler, behandelt.

Preußische Städte

Die wichtigsten Städte hier sind Elbing, Danzig und Königsberg, eine Stadt unter der Herrschaft des Deutschen Ordens, später auch Krakau und Breslau.

Andere Städte

Natürlich gab es auch in anderen Teilen Deutschlands Hansestädte wie z.B. im rheinischen Gebiet Köln, die damals größte Stadt und der Rangordnung nach gleich hinter Lübeck zu stellen, Duisburg, Düsseldorf, an der Maas kam 1441 Roermund hinzu.

Am Baltikum gab es ein Dutzend livländischer Hansestädte, aber nur drei waren von politischer und wirtschaftlicher Bedeutung: Riga, Reval (oder Tallin) und Dorpat. Ihr Zusammenhalt wurde durch die Landtage gefestigt, die sie seit Mitte des 14. Jahrhunderts abhielten. Riga, Sitz eines Erzbistums, stand zwar häufig mit dem Deutschen Orden im Streit, war aber als Sammelpunkt für die Novgorodreisenden, und wegen der guten Wirtschaft, die wichtigste der livländischen Städte.

Zuletzt sei noch Visby anzuführen, das sich als Sitz der gotländisch-livländischen Hanse sieht, aber im Laufe der Jahrhunderte nimmt es einen immer geringeren Platz.

Die schwedischen Städte sind nun die einzigen noch fehlenden. Man kann mit Sicherheit behaupten, dass zumindest Stockholm im 14. Jahrhundert ein Mitglied der Hanse war, nicht ganz sicher ist man sich bei Kalmar und Nyköping, die sich aber beide 1362 an der Erhebung des Pfundzolls für die Hanse beteiligten.

Hier Charakterisierungen für 12 Hansestädte aus dem Volksmund

Lübeck, ein Kaufhaus, Köln, ein Weinhaus, Braunschweig, ein Zeughaus, Danzig ein Kornhaus, Magdeburg, ein Backhaus, Rostock, ein Malzhaus, Lüneburg, ein Salzhaus, Stettin, ein Fischhaus, Halberstadt, ein Frauenhaus (!), Reval, ein Wachs- und Flachshaus, Krakau, ein Kupferhaus, Visby, ein Pech- und Teerhaus.

6.1 Die Sozialstruktur

Der große Konflikt innerhalb der Hansestädte findet zwischen den sozialen Gruppen der Geschlechtern und der, der Handwerker statt.

Die Rangordnung in den hansischen Städten war nur teilweise feudal, Geld war der Indikator für die gesellschaftliche Position eines Bürgers. So konnte beispielsweise ein reicher Brauherr sozial um einiges höher stehen als ein mittelmäßig begüterter Adeliger. Anhand des Beispiels Hamburg hat Walter Reincke ein 5-Klassensystem erstellt.

1. Die Reichen, die mehr als 5000 Mark lübisch besaßen, und hauptsächlich Rentner und Kaufleute waren.
2. Die gehobene Bürgerschicht mit Vermögen zwischen 2000 und 5000 Mark lüb., zu denen die reichsten Brauer, Reeder, die mittleren Kaufleute und die Tucher zählten.
3. Die Mittelschicht (600-2000 Mark), zumeist Brauer, kleine Kaufleute, wohlhabende Handwerker, wie Fleischer und Goldschmied.
4. Das Kleinbürgertum (150-600 Mark) das aus Handwerksmeistern und kleineren Brauern bestanden.
5. Schließlich die wirtschaftlich schwächste Gruppe, wie die städtischen Angestellten, die kleinsten Handwerker, Gesellen deren ärmste Schicht aus Tagelöhnern und Bettlern bestand.

Dieses System kann man natürlich nicht auf alle Städte anwenden, jede Stadt hatte einen unterschiedlichen Reichtum und andere Berufe in den verschiedenen Schichten.

Das Patriziat der Stadt, wurde aus den reichsten Bürgern gebildet, sie wurden als „Erbgesessene“, „Kunstabelen“ aber allgemein als „Junker“ bezeichnet, gemeinhin aus Rentnern und Kaufleute bestehend, die auch noch oft einen Teil des Stadtrates innehatten. Besonders wichtig ist, dass die politische und gesellschaftliche Karriere vorrangig vom Können als Kaufmann abhing. Somit führten die meisten der Aufstände der Armen zu nichts, da kein fester Wert angegriffen werden konnte, wie z.B. der Adelstitel oder die Weihe.

Das Patriziat schloß sich meist zu societas zusammen, wie etwa die Junkergesellschaft in den wendischen Städten, die Zirkelgesellschaft in Lübeck oder die Richerzeche (Klub der Reichen) in Köln und auch die Gewandschneidergilde in Münster, Osnabrück, Magdeburg, Stendalen, deren Reichtum von dem Handel mit den damals sehr begehrten flämischen Tüchern rührte.

Der Zusammenhalt der Patriziate war durch die Verwandtschaft der Geschlechter bereits gegeben, dennoch musste man aufgrund der Seuchentode und der Degeneration das Patriziat mit reichen Kaufleuten „auffüllen“, nur in wenigen Städten hielten sich die Familien durchwegs an der Spitze, wie etwa in Köln. Dort stellten im 14. Jahrhundert, die schon im 12. Jhdt. starken Geschlechter das Patriziat, die Familien Jude und Lyskirchen das Patriziat bis ins 17. Jahrhundert.

6.2 Die Handwerke

Handwerker organisierten sich zu dieser Zeit in Innungen, Gilden, Gewerke und Ämtern, jeweils mit einem „Oldermann“ bevorstandet, in denen alle Handwerkszweige vertreten waren: Lebensmittel-, Metall-, Leder-, Holz- und Tuchgewerbe. Darin enthalten waren auch die Zweige die mit dem Seehandel in Verbindung standen wie die Böttcher, der Fassdauben und Planken herstellte, oder auch sehr eigenartige Berufe wie der, des Paternostermachers (stellte Bernstein-Rosenkränze her).

Bis zum 16. Jhdt. erhielten fast alle Ämter und Innungen Statuten, die ihnen das Monopol sicherten, wie etwa die fünf großen Innungen von Magdeburg, die sechs Dortmunder Gilden, die vier Gewerke von Berlin, Frankfurt, Rostock und Greifswald in denen hauptsächlich die Schlachter, Bäcker, Schuster, Weber oder Schmiede tätig waren.

Diese Innungen wurden von den Städten geleitet, die ihnen vorschrieben, welche Waren sie zu verkaufen und benutzen hatten, ebenso Ausreiseverbote erteilten sodass kein lübischer Böttcher in Schonen arbeiten konnte , Höchstlöhne festsetzten und Schwarzarbeit verbaten. Um dies zu ändern, wollten diese früheren Gewerkschaften mehr politische Macht, was zu teilweise schweren Aufständen führte. Nicht der Unterschied zwischen Arm und Reich war der Grund, dass man in Magdeburg 1301 10 Führer der Gewerkschaft bei lebendigem Leib verbrannte, sondern der Unterschied zwischen Patriziat und Handwerk.

Mit zahlreichen Aufständen schafften es die Handwerker schließlich, Vertreter für den Rat stellen zu dürfen, wenn auch nur in geringer Anzahl, da die Hanse das Patriziat noch immer bevorzugte. Im Gegensatz dazu hatten die flämischen Tuchweber zw. dem 13. und 16. Jhdt. viel größere politische Macht.

7. Schiffe und die Schiffahrt

7.1 Die Schiffe

Zur Zeit der Gründung Lübecks, wurden die Nord- und Ostsee von zwei Schiffstypen befahren, einerseits von den schnellen, kleinen Wikingerschiffen, mit Ruder und Segel die nur eine geringe Ladekapazität hatten, andererseits das rundere, langsamere und seetüchtige westeeuropäische Segelschiff, das auch kaum mehr als 15 bis 30 Last transportierte [ 1 Last = die Menge an Roggen, die ein vierspänniger Wagen ziehen kann also umgerechnet 2 Tonnen ].

Deshalb tauchte zu Ende des 12. Jahrhunderts, im Norden, ein breitbauchiges, neuartiges Schiff auf, die Kogge (coggo), deren Tragkraft zwischen 80 und über 120 Last schwankte. Sie war durchschnittlich 30m lang, 7m breit und wurde aus dachziegelartig übereinandergelegten Planken gefertigt. Trotz der schlichten Bestückung mit nur einem Mast, war die Kogge wendig und schnell, der entscheidende Vorteil für die Hanse war jedoch die gestiegene Ladekapazität.

Der nächste Schifftyp, der dann schließlich im 14. Jhdt. auftauchte, war der Holk, ein flaches Frachtschiff, breitbäuchiger als die Kogge, dass zwischen 150 und 300 Lasten transportieren konnte.

Im 15. Jhdt. kamen schließlich das Kraweel, ein noch größeres Frachtschiff aus Italien, nach Norddeutschland, das Besondere waren die drei Masten und die nebeneinanderliegenden Planken sowie die Kapazität von 800 Lasten. Der Erfolg war dem Schiff dadurch beschieden, dass „Pierre de La Rochelle“ ein außergewöhnlich großes Kraweel im Hafen von Danzig aufgab, welches, durch seine Größe beeindruckend, als Kriegsschiff die Meere kreuzte und schließlich die Kaufleute Interesse daran fanden. Dennoch blieb bis ins 17. Jhdt. der Holk das vorherrschende Schiff.

Weiter kleine Schiffe, waren die Kraier und die Schnigge, welche durch ihre Wendigkeit und geringe Größe perfekt als Küstenschiffe oder Flusstransporter dienten.

Kriegsschiffe der Hanse, waren im Allgemeinen Koggen und Holks die einfach mit Waffen bestückt wurden, aber trotzdem sehr wirkungsvoll kämpfen konnten.

7.2 Die Schiffahrt

Im Allgemeinen wurde von der Hanse sehr rege Schiffahrt auf den Meeren und Flüssen der Nord- und Ostsee betrieben. Bis zum Jahre 1403 gab es keine Vorschriften für das Befahren der Meere, jedoch ab diesem Jahr wurde die damals übliche Winterpause von Martini (11. Nov) und Petri Stuhlfeier (22. Feb) Pflicht. Zuwiderhandeln zog Geldstrafen oder den Aussschluß von den Hanseprivilegien nach sich. Ab 1396 riet die Hanse außerdem dazu an, im Konvoi zu fahren, da die Seeräuberei und der Konflikt mit Dänemark die Meere unsicher gemacht hatten. Bis dahin war es üblich gewesen, alleine zu reisen oder in Gruppen von 2-5 Schiffen.

Diese Vorschriften konnten zwar sicher viele Schiffbrüche verhindern, stoppten aber die Hanse über den Winter und zwangen Kaufleute, die nicht rechtzeitig heimkehren konnten, in flämischen oder englischen Häfen teuer überwintern zu müssen.

Die Binnenschiffahrt, auf großen Flüssen, wie der Spree, der Havel und der Trave, war auch eine wichtige Einnahmequelle für die Kaufleute und die Landesherren,die natürlich Flusszoll verlangten und somit zumindest den Flusshandel kontrollierten.

8. Die Kaufleute

8.1 Berufsgruppen und Vereinigungen

Die Geschichte der Hanse ist fast nicht von der, der „Mercator hansae Theutonicorum“ oder „gemeene copman“ zu trennen, da das eine das andere braucht. So kann man leicht feststellen, dass a.) die Städtehanse ausschließlich für den Gewinn gegründet wurde und b.) dass die Gotländische Genossenschaft der eigentlich Gründer war.

An oberster Stelle der Kaufleute, stand der Kaufmann mit dem größten Vermögen, der nur Großhandel über weite Entfernungen betrieb und dessen Besitz nach Reincke zwischen 5000 und 25000 Mark lüb. Lag, wobei der reichste Hansekaufmann aller Zeiten, Johann Bussmann, bei seinem Tod 40000 Mark lüb. besaß. Natürlich konnten diese Leute nicht mit den großen süddeutschen Händlern konkurrieren, wie etwa die Fugger (375000 Mark lüb.), die Welser (486000 Mark lüb.) oder der Ravensburger Gesellschaft (198000 Mark lüb.). Diese Händler waren meist Mitglieder des Patriziats und des Rates, somit oft in hohen Ämtern, z.B. als Bürgermeister, anzutreffen (Amerika hat dieses Wahlsystem, nachdem der Reichste oder Bekannteste und nicht der Fähigste regiert, von den Hansestädten übernommen).

Danach kamen die mittleren Kaufmänner (2000-5000 Mark), die zumeist nur mit einem fremden Land Handel trieben, wie etwa England, Russland, Norwegen oder Flandern und nicht im nur Groß- sondern auch im Kleinhandel ihre Finger im Spiel hatten.

Als letzte Klasse kamen die unbedeutenden Kleinhändler und Krämer (>2000 Mark), die meist nur Küstenhandel oder Flusshandel betrieben und ausschließlich Kleinhändler waren.

Typisch für den hansischen Handel waren die Kaufleutegruppen, die nach ihren Zielen benannt wurden. Die älteste ist die „fraternitas danica“ in Köln, die fast nur Ostseehandel trieb. Ab dem 14. Jhdt. werden diese Gemeinschaften als Fahrer oder Kompanien bezeichnet. Bekannt und wichtig waren die Schonen- und die Bergenfahrer.

8.2 Das Leben eines Kaufmannes

Basierend auf den Chroniken des Franz Lubbe aus Danzig, und denen des Bürgermeisters von Stralsund Franz Wessel, kann man den ungefähren Ablauf des Lebens eines Kaufmannes erstellen. (Man verzeih bitte die Genitivkette) Mit sechs Jahren trat der angehende Händler in die Pfarrschule ein, wo er Lesen und Schreiben lernte, und mit zwölf bis sechzehn Jahren die Schule beendet, wobei nur sehr wenige später eine Universität besuchten.

Nun begann das Anlernen durch einen Verwandten, der ihn auf seine Reisen zu Niederlassungen mitnahm und ihn im Rechnungswesen, der Buchführung, Prüfung der Waren, dem Ein- und Verkauf und auch dem Kreditwesen unterwies. Nach zwei bis drei Jahren war er Geselle, machte auf eigene Faust Geschäfte und wurde schließlich mit einem Startkapital entlassen, dass ihm half sein Unternehmen aufzubauen.

Hatte er sich niedergelassen, saß er tagsüber im Büro und leitete seine Geschäfte. Er nahm persönlich die Kaufleute in Empfang, überprüfte kritisch die gelieferte Ware sowie auch die, die er wieder zurückschickte. Zusammen mit diesen Waren schickt er auch Briefe an seinen Handelspartner mit Information über die politische Lage, Angebot und Nachfrage in den Städten und Geldknappheit. So wurde damals ein gutes Informationsnetz aufgebaut, dass in Funktionsweise und Aktualität für die damalige Zeit vorbildlich war. Zumeist fanden sich auch Anrufungen an den lieben Herrgott in den Briefen der tiefgläubigen Kaufmänner.

Die Freizeit verbrachte der Händler im Versammlungsraum (Schütting) seiner Vereinigung, wo er seinen Platz einnahm, trank, tafelte und redete oder auch fremde Gäste empfing. Dort wurde auch dem Wettspiel gefrönt, bei der man auf die Dauer eines Kriegs, ein bevorstehende Heirat oder den Preis von Hering wettete. Gewisse Fälle sind historisch dokumentiert, es wettet z.B. ein Kaufmann um 10 Gulden sich ein Jahr lang nicht zu kämmen, oder dass eine Köchin ihren Herrn als Vater bezeichnen würde.

Der religiöse Kaufmann war aber auch oft Gefahren ausgesetzt derer er sich durchaus bewußt war, Krankheiten oder ein Seeunglück, um nur 2 von vielen zu nennen. Deswegen ging er vor fast jeder Reise beichten und fasste sein Testament ab, in dem die geistlichen Organisationen immer besser abschnitten als seine weltlichen Bindungen.

9. Die Wirtschaftspolitik der Hanse und die Konkurrenten

Die Hanse selbst hatte nur ein einziges Ziel: die Wahrung der Interessen und der Privilegien der hansischen Kaufleute. Dies schien bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts kein Problem zu sein, aber dann drängten auch die Holländer und die Süddeutschen auf den Markt, was die Hanse dazu brachte, immer strengere Reglementierungen einzuführen, die im Endeffekt aber auch der Hanse selbst schadeten.

Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts war ein starker Aufschwung der Hanse zu verzeichnen, sie drängten alle anderen Handelsleute der Nord- und Ostsee zurück. Aber im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts begann das Wiedererstarken der anderen Händler.

Die Italiener

Reiche Kaufleute aus Italien traf man hauptsächlich in Köln als Geldverleiher oder Kaufleute an, was noch nicht so tragisch gewesen wäre, aber ihr Handel in der Fremde, zog fast mit dem der Norddeutschen gleich, was diese stark beunruhigte. Dennoch waren sie nicht wirklich gefährlich.

Die Engländer

Die „Merchant Adventurers“ erschienen da bedeutend aggressiver. Sie verschifften Tuch in Richtung Kontinent und kauften Holz, Getreide und Metalle in Danzig, wo Richard II. sogar eine offizielle Niederlassung gründete. Diese stand genau wie bei den Deutschen unter der Leitung einer bestimmten Person, in diesem Fall der „governor“.

Als sich die Engländer aber nun ansiedelten, begannen Streitigkeiten mit den Deutschen, die darin endeten, dass die Engländer durch den stark eingeschränkten Handel (aufgrund des Misstrauens der Deutschen) ohne großen Spielraum waren, die große Expansion Englands sollte erst später kommen.

Die Holländer

Das Volk, dass schließlich das Schicksal der Hanse besiegelte. Anfangs waren die Niederlande kein allzu bedeutender Gegner, aber da sie in die gleichen Gebiete wie die Hansen vordringen wollten, gab es bald Handelskonflikte (ab 1367).

Das Ankurbeln des Tuchhandels in Amsterdam, Haarlem und Rotterdam, der dann aufgrund der Nachfrage stark wuchs, brachte den Deutschen einigen Schaden bei. Dazu kam dann noch, dass Holland anfing sein eigenes Bier zu brauen, noch ein herber Schlag, da vorher deutsches Bier den Markt in den Niederlanden regiert hatte. Von da an ging es mit der hansischen Bierwirtschaft abwärts. Die Übermacht der holländischen Wirtschaft führte Ende des 15. Jahrhunderts dazu, dass die Hanse ihr Handelsmonopol in den Nordmeeren verlor.

Die Süddeutschen

Die Süddeutschen selbst konnten anfangs auch nicht viel gegen die Hanse ausrichten, aber die Hanse schien im 15. Jhdt. auseinander zu brechen, was auch den Sd gute Chancen einräumte. Als erstes konnten sie in Lübeck Fuß fassen, von wo aus sie dann Ostwaren wie Pelze, Bernstein und Wachs in den Süden lieferte. Mit der Zeit nahm ihre Tätigkeit und obwohl die lübischen Kleinhändler gegen die „ausländischen“ Deutschen, fügten die Süddeutschen den Hansen schwere wirtschaftliche Schäden zu.

10. Der hansische Handel im Allgemeinen

Der hansische Handel beginnt mit der Gründung Lübecks, die ersten richtigen Handelsbeziehungen führen entlang der Linie Novgorod-Reval-Lübeck-Hamburg-Brügge- London. Auf diesem Handelsweg fand der Austausch der wichtigsten Ostwaren statt, wie etwa Pelze und Wachs. Bis zum Eindringen der Holländer in den hansischen Handel, trägt diese Linie in erster Hand zum Gedeih des Handelsbundes bei, die Linie Breslau-Leipzig- Frankfurt beeinträchtigt Novgorod-London maßgeblich und trägt so zum Niedergang der Hanse bei.

Weiterer Handel fand auch im Mittelmeerraum statt, hauptsächlich in Mailand, Genua, Lyons und Katalonien, doch wird dies nicht unbedingt als hansischer Handel angesehen. Besonders wichtig für die Deutschen war das französische Salz, ein rares Gut, das niemals in dem Maß importiert werden konnte in dem es gebraucht wurde.

Die wichtigsten Handelsgüter waren: Tuche, Pelze, Wachs, Salz, Trocken- oder Salzfisch, Getreide, Holz und Bier. In dieser Liste findet man alles, was man so im täglichen Leben braucht, nämlich Luxusgüter, Lebensmittel und Baumaterial und diese Vielfalt an Gütern brachte der Hanse ihren damaligen Aufschwung.

11. Die hansische Kultur

Betrachtet man das Bild Norddeutschlands zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert, so wird man feststellen, dass sich in künstlerischer Hinsicht damals wenig getan hat, obschon die Kaufleute wegen ihres Vermögens eine Mäzenatenrolle spielten. Die vorherrschenden Künstler, schmückten Kirchen, erbauten solche, vertraten also die geistliche Kunst, die auch stärker von den Kaufleuten gefördert wurde als die weltliche.

11.1 Literatur

Originale Literatur findet man in Norddeutschland wenig, die meisten Werke sind Übersetzungen aus dem französischen, das Niederdeutsche kann sich nie zu einer Sprache der Literatur entwickeln. Eines der wenigen Werke die bis heute erhalten sind, ist der Reynke de Vos (Reineke Fuchs) der damals auch ins Oberdeutsche übertragen wurde, wodurch er die oberdeutschen Autoren zu ähnlichen Tiersatiren anregte. Entnommen aus den Sagen und Ritterspielen der Engländer, werden auch Erzählungen über den Artushof und andere ritterliche Institutionen immer weitläufiger verbreitet.

Andere wichtige Werke sind die sächsische Weltchronik, und die Chronica Slavorum von Helmold, einem Pfarrer in Bosau (Holstein), verfasst.

11.2 Das Stadtbild

Das typisch hansische Stadtbild ist geprägt von den Backsteinbauten die damals in den Küstenregionen der Nordmeere vorherrschend waren, aber es gibt auch Bauten aus Haustein und zwar von Köln bis nach Magdeburg.

Eine Hansestadt stand normalerweise auf einem mehr oder weniger regelmäßigen Rechteck deren repräsentativster Profanbau stets das Rathaus war. Es lag direkt am Markt und beeinhaltete, wie z.B. Dortmunder Rathaus, das heute noch steht, eine Tuchhalle, einen Weinkeller, einen Sitzungssaal und hin und wieder auch einen Tanzsaal. Neben dem Rathaus, bildeten die Kaufmannshäuser, die Handwerkerinnungen und die Kirche das charakteristische Bild der Hanse. Kirchen wurden damals zwar hauptsächlich zur Festigung des Glaubens gebaut hatten aber auch die Funktion eines Navigationpunktes für die Seefahrer, weswegen die Glockentürme meist sehr hoch waren.

Im 15. Jhdt. wurden schließlich auch wirkungsvolle Wehrbauten zur Verteidigung gebaut, eine der wenigen die heute noch stehen ist die 3000m lange Stadtmauer Visbys mit 38 Türmen. Im Osten hingegen trifft man zusätzlich Ordensburgen (Königsberg, Reval) des Deutschen Ordens an, da damals die Gefahr von Angriffen der noch nicht christianisierten Stämmen relativ hoch war.

12. Krise Und Niedergang (1400-1475)

12.1 Der holländische Vorstoß und der langsame Bruch der Gemeinschaft

Kennzeichnend für das 15. Jahrhundert, ist die allmähliche Schwächung der Gemeinschaft bestimmt durch viele Faktoren. Einer davon war die Zunahme der monarchischen Gewalt, die der Hanse immer mehr an Macht nahm. Vor allem in den wirtschaftlich wichtigen Niederlanden, lief alles den Interessen der Hansen zuwider. Die Niederlande war bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts in viele kleine Territorialbistümer zerstückelt, aber schließlich konnte 1430 Philipp der Gute von Burgund seine Herrschaft über die Gebiete von Holland bis zur Picardie, unbestritten machen. Durch den burgundischen Rückhalt war nun der größte Feind der Hanse gestärkt, was diese nicht besonders gut verkraftete.

Die Entwicklung Skandinaviens und Englands war fast ohne ungünstige Auswirkung auf die Hanse, zwar hatten der Hundertjährige Krieg und die Kaperfahrten die Hanse oft in Mitleidenschaft gezogen, doch das Gebiet Skandinavien blieb wirtschaftlich bei ihnen, obwohl auch hier der Vorstoß der Holländer zu spüren war.

Weitaus schlimmer war auch die wachsende Macht der Territorialherren, die von nun an die Städte immer öfter angriffen, und einige auch unterwerfen konnten. Hinzu kam noch der eigentliche Grund, warum die Hanse zusammenbrach, nämlich der, das die Ansichten und Interessen innerhalb immer stärker divergierten, was auch zu großen Spannungen führte.

12.2 Der Niedergang des Deutschen Ordens und des Novgoroder Kontors

In den ersten Jahren schien der Deutsche Orden, ein Mitglied der Hanse, eine große Macht erreicht zu haben, seine Ritter sicherten militärisch, Preußen und die baltischen Staaten, deren Fürsten aber die Tyrannei nicht mehr länger ertragen wollten. Deswegen schlossen sie 1397 den „Eidechsenbund“ gegen den Orden, der durch Polen unterstützt wurde.

Die preußischen Städte waren allerdings auch sehr aufgebracht, genoß doch der Deutsche Orden eine Reihe von Privilegien, die sie nicht hatten.

Der gefährlichste Gegner des Ordens war jedoch Vladislav Jagiello, König von Polen und Litauen, der den preußischen Handel systematisch behinderte, woraufhin Hochmeister Ulrich von Jungingen, Polen den Krieg erklärte. Ergebnis war die Niederlage von Tannenberg am 15. Juli 1410 in der der Hochmeister und Tausende Ritter fielen. Daraufhin schworen alle preußischen Adeligen, Bischöfe und Städte Vladislav die Treue. Zwar konnte der Deutsche Orden sich wieder aufrappeln, er existierte aber nur mehr mit wenig Macht und in Abhängigkeit vom polnischen König. Zwar brachte der Fall des Ordens eine starke Niederlage für das Deutschtum im Osten, der Hanse schadete es aber nicht, es profitierte eher, zu zeigen am Beispiel Danzig, das von diesem Zeitpunkt an mehr Freiheiten genoß.

An Novgorod hingegen zeigt sich die Rivalität zwischen den livländischen Städten und den anderen Hansen. Aufgrund der großen Macht dieser, musste man ihnen 1422 die Leitung des Kontors übergeben. Nun kamen die Hansen zwar weiterhin, aber der Handel in Novgorod begann langsam abzunehmen. Schließlich verlagerte sich im 15. Jahrhundert der Pelz- und Wachshandel in die finnischen und livländischen Städte, was den Untergang für den Novgoroder Kontor bedeutete.

12.3 Der Abfall Kölns und der englisch-hansische Krieg

Die wachsende Spannung zwischen England und der Hanse in der Mitte des 15. Jahrhunderts führte 1469 zum offen Krieg zwischen den beiden Mächten, eine der härtesten Kraftproben für die Hanse, in der Köln entschlossen war, nur seine eigenen Interessen zu verteidigen.

Der englisch-hansische Konflikt eskalierte als die Dänen, erbost über das Monopol der Engländer in Island, sieben englische Schiffe beschlagnahmten. Daraufhin wurde die Hanse von den Engländern beschuldigt zu ihren Ungunsten interveniert zu haben. Eine wütende Menge zerstörte zur gleichen den Stalhof in London. Um nicht benachteiligt zu werden sagten sich nun die Kölner von der Hanse los.

Der darauffolgende Krieg dauerte vier Jahre, bestimmt von einer Handelsblockade der Hanse, gegen englische Tücher, die von Dänemark und Polen unterstützt wird. Diese zeigt aber wegen des Nichtgeltens der Sperre für die Niederlande und Köln wenig Wirkung. Militärisch konnten anfangs das kriegerische Danzig und lübische Flotten Erfolge verzeichnen, aber der Kaperkrieg ermattete beide Seiten. Herauszuheben ist der Kaperkapitän Paul Beneke, der wegen der Gefangennahme des Lord Mayor of London und der Aufbringung einer italienischen Galeere mit einer Ladung im Wert von 60000 Pfund Groschen, großen Ruhm erlangte. Dennoch wurden die Hansen oft geschlagen, und schließlich beschloß man 1474 den Frieden von Utrecht. Dieser war ein voller Erfolg der Hanse. Sie erhielten Schadenersatz von England, sowie alle vorigen Privilegien und zur Krönung, kam auch noch Köln, dass aufgrund politischer Querelen völlig isoliert war, auf Knien gekrochen um wieder Mitglied werden zu dürfen. Für die Untreue wurden Köln harte Strafen auferlegt, aber schließlich wurde es wieder Mitglied.

Der Utrechter Friede war ein unverhoffter, glänzender Erfolg der Hanse, der sie noch einige Zeit vor der Auflösung bewahrte.

13. Das Nachlassen der Kräfte (1475 - 1550)

Trotz des günstigen Ausgangs des englisch-hansischen Krieges, schwächelte die Hanse weiter, eben wegen des Verfalls der Kontore, des Erfolgs der Konkurrenz, des Widerstands gegen die gemeinsame Ordnung und der individuellen Tendenzen jeder Stadt. Dennoch ist anzunehmen, dass der wirkliche Todesstoß für die Hanse von den großen Entdeckungen dieser Zeit und von der Verlagerung der Seewege geführt wurde. Die Globalisierung des Marktes verdammte die Hansen endgültig, da die Nordmeere allein zu eng wurden.

13.1 Die Hanse und die Fugger

Um 1490 begann nun das süddeutsche Handelsgeschlecht der Fugger in den Norden zu wandern um neue Geschäfte zu machen und neue Märkte zu erschließen. Die ersten Niederlassungen finden sich 1494 in Antwerpen, 1496 sogar schon in Lübeck. Von dort aus nehmen sie den Osten in Angriff, besonders Danzig, von wo aus sie besonders den Kupferhandel betreiben. Die Hanse unterdessen handelt nicht, sie glaubt nicht an den Bestand der sogenannten „Bankiers“. Zu spät bemerkt man die Konkurrenz der Fugger besonders gegenüber dem schwedischen Kupfer. Die Hanse bringt nicht mehr die Kraft auf zu handeln, nicht einmal als Jacob Fugger stirbt, oder als der ungarische König die Kupferminen beschlagnahmt (1525) , handelt sie.

Dadurch dass sich Danzig, Stettin und Hamburg geweigert hatten, gemeinsam mit Lübeck gegen die Oberdeutschen vorzugehen, trat auch der Interessenskonflikt in den Vordergrund. Gemeinhin wird behauptet, dass die Fugger die Hanse ablösten.

14. Erneuerung und Erlöschen (1550-1669)

Kurz vor der Mitte des 16. Jahrhunderts glaubt man schon an den Verfall der Hanse, doch die vielen von Erfolg gekrönten Bemühungen den Handel wiederauferstehen zu lassen, werfen wieder ein anderes Licht auf die Hanse.

Doch schließlich wird die Hanse von den Russen und Schweden die Livland einnehmen, indirekt zerstört. Ebenso tragen die Handelsbemühung der englischen Merchant Adventurers dazu bei.

14.1 Reorganisationsbemühungen

Um die Hanse wiederaufleben zu lassen, versuchte man die Gründe für die Stärke der Rivalen zu erkunden. Eine bestand darin, dass sie alle einem Schutzherrn (einem Monarch) unterstanden. Für die Hanse, kam nur einer der Regenten, in deren Regionen sie vertreten war, in Frage. Dies war der König von Polen, der aber schließlich wegen der zu unterschiedlichen Interessen der Hansestädte, auch wieder ausschied. Also versuchte man die Ordnung innerhalb der Hanse neu zu entwerfen, was aber nach einigen fruchtlosen Versuchen scheiterte, der innere Zusammenhalt war nicht mehr gegeben. 1630 gründeten Bremen, Lübeck und Hamburg eine Gemeinschaft, das bis in das 20. Jahrhundert fortdauerte.

14.2 Der Dreißigjährige Krieg und das Ende

Der Dreißigjährige Krieg verdammte die Hanse endgültig zum Scheitern, in dem Kampf zwischen Dänemark, dem Reich, Polen und Schweden hatte sie keine Chance mehr, zumal auch noch Christian IV. von Dänemark den Handel der Hanse in der Nordsee einschränkte.

1630 war die Hanse sich ihrer Ohnmacht gegenüber den Aktionen der letzten Jahre bewusst, sie ließ Hamburg, Bremen und Lübeck eine Bündnis eingehen um die Hanse weiterleben zu lassen. Die Uneinigkeit mit den anderen Städten hatte die Oldermänner zu diesem Schritt bewegt. Nun ist die Hanse so gut wie nicht mehr existent, 1669 versucht man zwar auf dem letzten Hansetag die norddeutschen Städte mit den süddeutschen zu einen, aber diese Idee wurde abgelehnt.

Die glorreiche Zeit des Hansehandels vom 13. Jhdt bis in das 17. ist somit endgültig vorbei.

20 von 20 Seiten

Details

Titel
Die Hanse: Aufstieg und Niedergang einer der größten Handelsmächte der Nord- und Ostsee
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V106189
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hanse, Aufstieg, Niedergang, Handelsmächte, Nord-, Ostsee
Arbeit zitieren
Wendelin Wolfram (Autor), 2002, Die Hanse: Aufstieg und Niedergang einer der größten Handelsmächte der Nord- und Ostsee, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106189

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