Machiavelli - Der Geschichtsschreiber von Florenz


Hausarbeit, 2002
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Das Geschichtsinteresse in der Renaissance

2. Die humanistische Geschichtsschreibung

3. Machiavelli und die Geschichtsschreibung
3.1. Machiavelli und die humanistische Geschichtsschreibung
3.2. Der Geschichtsschreiber Machiavelli

4. „Die Geschichte von Florenz“
4.1. Der Auftrag zur „Geschichte von Florenz“ und die Medici
4.2. Der Inhalt der „Geschichte von Florenz“
4.3. Der Aufbau der „Geschichte von Florenz“

Schlußbemerkung

Bibliographie

Einleitung

In meiner Hausarbeit möchte ich mich der Person Niccolo Machiavelli als Geschichtsschreiber und seiner „Geschichte von Florenz“ widmen. Ziel der Arbeit ist es, zu versuchen, den Zusammenhang zwischen dem Geschichtsinteresse der Renaissance und seiner Geschichtsschreibung mit Machiavelli als Historiker und seiner „Geschichte von Florenz“ zu verbinden. Die Geschichtsschreibung in dieser Zeit war geprägt von dem Geschichtsinteresse der Humanisten, deren Grundsätze für die Geschichtsschreibung sich aus der klassischen Historiographie ableiteten und für die, die Geschichte an sich etwas Nebensächliches war.[1] Auch für Machiavelli war seine Geschichte von Florenz etwas einzigartiges unter seinen Schriften[2], war Machiavelli doch eigentlich mehr Politikwissenschaftler als Historiker. Doch die Geschichte von Florenz, sein letztes größeres Werk und seine einzig wirkliche Geschichtsdarstellung ist trotzdem sein drittgrößtes Werk nach dem „Principe“ und den „Discorsi“. Es nimmt daher einen eben so hohen Stellenwert ein, denn auch in diesem Werk zeigen sich die Leitlinien Machiavellis politischen Denkens. Trotzdessen streiten sich die Gelehrten über den Charakter und die Bedeutung des Werkes. Einige sehen in ihr die ausführliche Darstellung und Erläuterung der Regeln und Vorschriften, wie sie Machiavelli bereits im „Principe“ und in den „Discorsi“ entwickelt hatte. Andere sehen in ihm einen Meilenstein in der modernen Historiographie. Es gibt aber auch einige, die in der Geschichte von Florenz die neue und letzte Etappe in der Entwicklung des Machiavellistischen Denkens sehen. Machiavellis Werke haben immer Diskussionen und Kontroversen ausgelöst, aber auch in diesem Zusammenhang ist die Geschichte ein Sonderfall, weil über sie die Ansichten grundsätzlich auseinandergehen.[3]

Machiavellis „Geschichte von Florenz“ ist kein Originalwerk. Er holte sich sein Material aus den Chroniken und älteren Geschichten. Neu an dieser Geschichte war die Form der politischen Geschichtsschreibung.[4] Machiavelli hatte im Gegensatz zu anderen Darstellungen des Florenz des ausgehenden fünfzehnten Jahrhunderts ein ganz anderes Bild dieser Zeit entworfen. Anstatt die künstlerische und kulturell Hochblüte der Stadt zu beschreiben zeichnete er die Zeichen von Krise und Verfall in der Stadt der Medici nach. Seine Gedankenführung war illusionsfrei und streng und sie hat ihn zu einem der wichtigsten politischen Denker dieser Epoche gemacht.[5]

1. Das Geschichtsinteresse in der Renaissance

Wie ich in meiner Einleitung schon angedeutet habe, wurde die Kenntnis der Vergangenheit in der Renaissance eher als unwichtig empfunden, die Geschichte an sich galt als etwas Nebensächliches. Die wirklich wichtigen historischen Schriften der Renaissance wurden von den Humanisten geschrieben. Es gibt von ihnen jedoch nicht viele und sie nehmen in den Gesamtwerken auch keine hervortretende Stellung ein. Die Gründe für das geringe Geschichtsinteresse der Humanisten waren einige. Die Humanisten hielten sich zum einen für Protagonisten einer neuen geistigen Ordnung, sie waren der Ansicht in einer neuen besseren Welt zu leben, die sich von der Vergangenheit unterschied. Für die Humanisten war die Geschichte kein ganzheitlich kontinuierlicher Prozeß, eher eine zusammenhangslose Masse von Material, aus der man sich isolierte Ereignisse und Perioden herausnehmen konnte und das was einem uninteressant erschien einfach übergehen konnte. Trotzdem wurde die Beschäftigung mit den Ereignissen der Vergangenheit doch nicht ganz als sinnlos betrachtet, auch wenn man in dem historischen Prozeß keine Entwicklung oder Ordnung sah. Die Humanisten übernahmen die Ansicht der Antike, daß die Geschichte durch ihr Beispiel lehrte. Die Lehren der Geschichte, die man ziehen konnte, änderten sich aber in ihrem Wesen. Da die Humanisten eher Rhetoriker waren, legten sie Wert darauf die antike Moralphilosophie in einer verständlichen anwendbaren Form zu präsentieren. Die Rolle die der Mensch in der Welt spielte, sein Kampf mit dem Schicksal, wurde betont.

In der Renaissance gab es aber keine Historiker im Sinne von Gelehrten, da die Geschichte kein eigenständiges Wissensgebiet war. Es gab also keinen, der sein Leben ausschließlich der Geschichtsschreibung widmete.[6]

2. Die humanistische Geschichtsschreibung

Die Nachahmung der Klassiker, war das Grundprinzip der humanistischen Gelehrsamkeit. Dieses hatte sowohl positiven als auch negativen Einfluß auf die Historiographie. Die Humanisten unterschieden zwischen vollständigen Geschichtswerken und Kommentaren von Beteiligten.

Der Inhalt der historischen Schriften sollte sich durch ein genau definiertes Thema kennzeichnen lassen. Um eine zusammenhängende Geschichte zu schreiben, denn so wurde es gefordert, sollte man die Ereignisse in einer strengen chronologischen Reihenfolge erzählen. Der eine Nachteil der Nachahmung der klassischen Muster war in diesem Zusammenhang dieser, daß nur politische Ereignisse und militärische Aktionen für Wert befunden wurden, erwähnt zu werden. Die Nachahmung war auch nicht nur eine Frage in Bezug auf die literarische Form oder die Themenwahl. Man ging von der Annahme aus, daß sich die Ereignisse der Vergangenheit genauso behandeln lassen konnten, wie die der Gegenwart, weil die Faktoren, die die Männer in der Vergangenheit beeinflußt hatten, genau dieselben waren, wie die der Gegenwart. Das war der entscheidende Punkt der humanistischen Geschichtstheorie, der Glaube daran, daß sich Geschichte immer wieder wiederholt. Eigentlich hatten die Humanisten nicht wirklich ein Interesse an der Geschichtstheorie, da sie sich der geschichtlichen Forschung eben nicht sonderlich verpflichtet fühlten. Für sie war als also nicht notwendig für die Ermittlung historischer Fakten ein besondere Methode zu haben. Sie gingen bei ihrer Geschichtsschreibung so vor, daß sie sich ein bestimmtes Ereignis, eine Handlung oder eine historische Figur suchten und sie so zur Darstellung brachten, daß sie eine unmittelbare Bedeutung für die Gegenwart erlangte. Die Humanisten scheuten sich auch nicht davor zu stilisieren, das erklärte Ziel war es ja, die Lehren der Geschichte so deutlich wie möglich herauszustellen. Eine wohl negative Tatsache der humanistischen Geschichtsschreibung in Bezug auf ihre Glaubwürdigkeit war, daß eigene Forschung von den Geschichtsschreibern nicht erwartet wurde, das zeigt sich auch deutlich in der Art, wie sie ihre Geschichten verfaßten. Das Ergebnis dieser Tatsache war es, daß sich der Schwerpunkt des Werkes von dem Inhalt auf die Form verlegte.[7] Auch wenn die historischen Schriften und Werke der Renaissance vielleicht oberflächlich und auch selten waren, hatte sie damit doch Einfluß auf den Wandel des Geschichtsbewußtseins der Menschen. Sie trug zu der Entstehung eines neuen Geschichtsbildes bei. Der Grund dafür lag wohl an der Bewunderung der Renaissance für die Antike. Die Einteilung der Geschichte in verschiedene Kulturepochen und die Einsicht in die Bedeutung und Komplexität methodologischer Fragen, waren Neuerungen, die sich aus der intensiven Beschäftigung mit der antiken Welt ergaben.[8] Am Ende der Renaissance hatte sich die Geschichtsauffassung erweitert, das historische Interesse galt fortan einem universellen Geschichtswissen.[9]

[...]


[1] vgl. Gilbert 1991, 15

[2] vgl. ebd., 33

[3] vgl. ebd., 33

[4] vgl. Kluxen 1993, 579

[5] vgl. Hausmann 1987, 7

[6] vgl. Gilbert 1991, 15-19

[7] vgl. ebd., 20-21

[8] vgl. ebd., 26-27

[9] vgl. ebd., 31

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Machiavelli - Der Geschichtsschreiber von Florenz
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Romanistik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V10620
ISBN (eBook)
9783638169929
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Machiavelli, Geschichtsschreiber, Florenz
Arbeit zitieren
Heike Lorenz (Autor), 2002, Machiavelli - Der Geschichtsschreiber von Florenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10620

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