Brecht, Bert - Die Dreigroschenoper


Referat / Aufsatz (Schule), 2002
10 Seiten, Note: 1

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Die Dreigroschenoper

Inhaltsangabe

B recht verlegt Die Dreigroschenoper in das 100 Jahre spätere viktorianische Zeitalter. Er führte aus: "Über das viktorianische Zeitalter weiß man einiges, aber gleichzeitig ist es doch entfernt genug, um es mit Abstand kritisch beurteilen zu können, so daß die Zuschauer leicht heraussuchen können, was sie angeht."Die meisten Stücke Brechts, spielen nicht in unmittelbarer Gegenwart oder in seiner Heimat Deutschland , So war die Geschichte der Dreigroschenoper für das deutsche Publikum weder allzu fremd, so daß die stoffliche Spannung wegfiel; noch zu nahe gerückt, als daß der Zuschauer die kritische Nüchternheit verlieren könnte. Eine zeitliche wie örtliche Entfernung ermöglichte dem Publikum die gelassene Studier- und Urteilshaltung. Aber Brecht vermied es auch, daß der Zuschauer über allzu große Distanz die Handlung nicht mit dem wirklichen Leben assoziieren könnte. Aus der victorianischen Zeit ließ sich Die Dreigroschenoper leichter in das Deutschland der 20er Jahre transportieren als aus der Zeit, in der The Beggar's Opera spielte.

D ie Dreigroschenoper spielt in Soho, einer der Londoner Verbrechervorstädte der victorianischen Ära, die von den ärmsten und undurchsichtigen amoralischen Elementen wimmelt. Gezeigt wird in der Dreigroschenoper der Konkurrenz- und Existenzkampf zwichen zwei Geschäftsleuten in zwei unterschiedlichen Branchen: dem Bettlerbetried und dem Verbrecherunternehmen.

H err Jonathan Peachum, genannt Bettlerkönig, der aus dem Elend auf seine originelle Weise Kapital su schlagen versteht, betreibt ein einträgliches Geschäft, die Firma "Bettlers Freund". Er staffiert gesunde, meist heruntergekommene Menschen künstlich und wirkungsvoll zu Krüppeln aus und verpflichtet sie, für ihn betteln zu gehen, um aus dem Mitleid der wohlhabenden Schichten seinen Gewinn zu ziehen. Er beherrscht, kontrolliert und organisiet seine Bettler. Für die "Lizenz" der Bettler, in einem bestimmten Distrikt arbeiten zu dürfen, kassiert Peachum einen großen Teil ihrer Einnahmen. Er täuscht ihnen trotzdem den "Brotherrn" vor. Der Geschäftstüchtige Unternehmer entschuldigt sein schmutziges Geschäft mit dem heuchlerischen Spruch: "... mein Geschäft ist es, das menschliche Mitleid zu erwecken". Sein Grundsatz, der ihn in allen Dingen zu den kategorischen Maßnahmen zwingt, lautet: "Ich befinde mich auf der Welt in Notwehr". Er lamentiert über den schlechten Gang seines Geschäfts: Der Mensch habe die furchtbare Fähigkeit, sich gegenüber dem Elend sofort fühllos zu machen. Einen jungen Bettler, Filch, der ohne Lizenz vom Bettlerkönig bettelt, belehrt er über die "Regelung" des Betriebs.

I n der Londoner Verbrecherwelt hat er einen ernsthaften und gefährlichen Konkurrenten, nämlich den Bandenchef Jeff Macheath, genannt Mackie Messer. Dieser organisiert and kontrolliert seinerseits Straßenraub, Einbruch, Vergewaltigung und Brandstiftung. Der Arm der Justiz vermag ihn offensichtlich nicht zu erreichen. Er ist zugleich ein "junger, von den Dämchen vergötterter Gentleman", der keinen Augenblick vergißt, sich bürgerlich zu verhalten.

D ieser;Mann von Welt in Frack und Glacéhandschuhen findet eines Tages unglücklicherweise Gefallen an Peachums Tochter Polly. Er entführt sie, und da sie auch in ihn verliebt ist und ihr der Räuberhauptmann eine sichere Existenz verspricht, feiern sie ohne Einwilligung von Pollys Eltern in einem leeren Pferdestall Hochzeit, und zwar unter feierlicher Assistenz der Bande. Die ganze Einrichtung ist von den Mitgliedern der Bande gestohlen. Außer vom Hochwürden Kimball, der die Ehe einsegnen soll, wird die Hochzeitsfeier noch vom Besuch des Londoner obersten Sheriff (Polizeichef) Brown, genannt Tiger Brown, überrascht. Jedoch kommt er diesmal nicht von Amts wegen: Er läßt es sich nicht nehmen, seinem alten Kriegskameraden und Busenfreund Macheath und dessen Braut Glückwünsche darzubringen. Sie tauschen Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse aus. Der Polizeichef äußert übrigens seine Sorgen wegen der Kröngungsfeierlichkeiiten der Königin. Auch der Bandenführer befürchtet, daß Peachum gegen ihn vorgehen könne. A ls Pollys Eltern von der Heirat ihrer Tochter erfahren, sind sie erschüttert und empört. Das erklärt sich nicht in erster Linie aus moralischen Gründen als vielmehr aus sozialen. Für Peachums bedeutet der Verlust ihrer Tochter den völligen Ruin, da sie im Laden den attraktivsten Gegenstand des Geschäfts darstellt. Der Vater erwägt, den unerwünschten Schwegersohn durch die Anzeige bei der Polizei loszuwerden. Die Mutter baut auf die pünktlichen Gewohnheiten des Herrn Macheath und nimmt an, daß er "bei seinen Menschern" in Turnbridge zu finden sei. Sie entschließen sich, durch Bestechung eine Hure zu bewegen, ihn der Polizei zu übergeben. Sie beschließen, ihn bei seinem nächsten Besuch im Bordell festnehmen zu lassen. Von da an tobt zwischen dem Bettlerkönig und dem Räuberhauptmann ein Kampf auf Leben und Tod.

A uf Peachums Anzeige hin kann Mackie vom Polizeichef nicht länger vor der Verhaftung beschützt werden. Polly warnt ihren Mann und mahnt ihn, sich aus dem Staube zu machen. Nach schmerzlichem Abschied muß Polly an seiner Stelle die "Geschäftsleitung" der Bande übernehmen. Inzwischen wird Jenny, die Hure, von Frau Peachum gewonnen.

Z unächst ist Mackie Messer nicht auf das Moor nach Highgate geritten; er geht ins Bordell, wie es die Peachums erwartet haben. Er wird von Spelunken Jenny angezeigt und der Polizei ausgeliefert. Polizeichef Brown zittert noch um ihn, da wird er schon ins Gefängnis eingeliefert. Bitterlich weint bei seiner Einlieferung nicht nur Brown: seine Tochter Lucy war auch einmal mit Mackie verheiratet. Die eifersüchtige Frau tritt vor den Gefängnisgittern mit Polly zusammen. Durch den heftigen Wortwesel zwischen den beiden wütenden Damen gerät der Bandenführer ins Dilemma, denn das Verhältnis mit Lucy wird bekannt. Der Geschäftsmann Macheath vesteht aber, sich herauszuholen: Er verleugnet unverschämt seine Frau Polly und verspricht der Tochter des Polizeichefs die ewige Treue. Das Eifersuchtsduett wird schließlich durch Pollys Mutter beendet; Polly wird von ihr fortgezerrt.

E s gelingt dem Captain, mit Hilfe Lucys aus dem Gefängnis, das nachlässig bewacht wird, zu fliehen. Tiger Brown ist glücklich darüber. Leider muß ihm Peachum, der gekommen ist, um sein kopfgeld zu holen, erklären, er könne die Flucht seines Gegners nicht dulden. Er droht dem Polizeichef, sollte der letztere Mackie Messer nicht sofort wieder festsetzen lassen, zum äußersten Mittel zu greifen: Er werde die Feierlichkeiten zur Krönung der Königin durch eine "Demonstration des Elends" zu einer Kette von Katastrophen machen.

B rown sieht sich gezwungen, eine Notmaßnahme zu treffen: Er erscheint mit seinen Konstablern in der Nacht vor der Krönung in Peachums Bettlergarderoben, wo sich die großen Bettlerscharen auf den Aufmarsch vorbereiten. Aber Browns Vorhaben, Peachums "Kunden" zur Sicherheit des Krönungsaufzugs festzunehmen, erweist sich sofort als undurchführbar. Er hat die Unmenge von den wahren "Ärmsten der Armen", die Peachum unter Führung seiner Pseudobettler mobilisieren kann, außer acht gelassen. Brown ist sich nun des Ernstes der Lage bewußt. Schweren Herzens muß er dem Bettlerkönig nachgeben. Er verspricht ihm, seinen Freund erneut dingfest zu machen. Der Bettlerkönig vertraut ihm Mackies Aufenthaltsort bei einer Hure und hält vorerst die Demonstration zurück.

S o wird der Gangster, der mittlerweile abermals zu den Huren gegangen ist, abermals von Jenny verraten und von seinem Jugendfreund Brown abermals verhaftet. Da die nötigen Schmiergelder, die seine Gauner aufzutreiben beauftragt worden sind, immer ausbleiben, gelingt es dem Ganoven nicht, seinen Aufseher zu bestechen. Trotz Brows wiederholten Verständigungsversuchen bleibt Mackie förmlich. Nun muß der Verbrecher aufgehängt werden. In seiner Todeszelle hält er eine letzte Ansprache, in der er seinen Fall aus der fehlenden Konkorrenzfähigkeit eines kleinen Betriebs erklärt. Er bittet alle um Verzeihung. Erst unter dem Galgen, mit dem Kopf in der Schlinge, wird der Verbrecherchef durch ein unerwartetes Ereignis gerettet: Der königliche "reitende Bote", angekündigt vom Chor, erscheint und verkündet den königlichen Befehl, ihn anläßlich der Krönung der Königin sofort freizulassen und in den erblichen Adelstand zu erheben. Dazu erhält Macheath ein Schloß und eine lebenslängliche Rente. Die Dreigroschenoper klingt so aus mit den Zeilen des Liedes: "Bedenkt das Dunkel und die große Kälte in diesem Tale, das vor Jammer schallt."

- Eineübersicht der Personen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

AUFBAU DES STüCKES

Vorspiel: Inmitten einer Menge von Bettlern, Huren und Dieben in Soho, London, singt ein Moritatensänger DIE MORITAT VON MACKIE MESSER. Selbiger befindet sich unter den Zuhörern, er wird erkannt und verschwindet.

Erster Akt

1. Der Geschäftsmann Jeremy Peachum, der Bettlerkönig genannt, organisiert die Bettler der Stadt. Das Erregen des menschlichen Mitleids betrachtet er als ein Geschäft, das systematisch geplant werden muss, denn nichts gibt der Mensch unwilliger her als sein Geld.

Ein junger, unorganisierter Bettler namens Filch erscheint, er hat auf eigene Faust gebettelt und ist von Peachums Leuten verprügelt worden. Jetzt erklärt ihm Peachum seinen Betrieb. Gegen Vorauszahlung wird Filch nun dem Distrikt Bakerstreet zugeteilt und Frau Peachum stattet ihn bettlermäßig aus.

Nebenbei unterhalten sich Herr und Frau Peachum über den neuen Verehrer ihrer Tochter POLLY. Dieser nennt sich Captn uns scheint reich und vornehm zu sein, doch der alte Peachum erkennt an der Beschreibung, dass es Mackie Messer sein muss. Sie suchen Polly, doch diese ist nicht im Hause und ihr Bett ist unberührt. Sie singen den -> ANSTATT DASS-SONG. 2. In einem Pferdestall in Soho wird Mackies Hochzeit mit Polly vorbereitet. Zuerst ist Polly unglücklich über die unromantischen Umstände, doch nach und nach bringen Mackies Männer zusammengestohlenes Mobiliar und ein Festmahl her. Mackie gibt mächtig an und versucht seinen grobschlächtigen Gesellen Manieren und Kultur beizubringen, schließlich ist jetzt ein "Wendepunkt" (55) in seinem Leben, er will vom Straßenräuber zum Geschäftsmann aufsteigen. nach ankunft von hochwürden kimball singt polly das -> LIED DER SEERÄUBER-JENNY (61).

Zur großen Verwunderung von (fast) allen taucht Tiger-Brown auf, der Polizeipräsident von London. Es zeigt sich, dass Mackie und Brown seit ihrer gemeinsamen Soldatenzeit freundschaftlich zusammenarbeiten. Sie singen zusammen den -> KANONENSONG . Dann muss er schnell weiter, denn die Krönungsfeier der Königin steht an und es darf keine Zwischenfälle geben.

3. Zuhause wird Polly zur Rede gestellt. Sie singt ein "KLEINES LIED", durch das sie "IHREN ELTERN IHRE VERHEIRATUNG MIT DEM RÄUBER MACHEATH" (Barbara-Song) andeutet. Vater nennt sie eine "Verbrecherschlampe", Mutter fällt in Ohnmacht, was Polly nicht viel auszumachen scheint.

Fünf Bettler erscheinen, um sich über die Ausrüstung zu beschweren. sie bekommen neue Stümpfe und neuen Grind usw., nur einer wird rausgeschmissen, weil er zu fett geworden ist. Polly verteidigt sich, indem sie ihren Gatten als großen Reäuber anpreist. Peachum und seine Frau wollen ihn der Polizei ausliefern, das gibt 40 Schilling Belohnung. Polly weist auf dessen gute Beziehung zum Polizeichef hin. Frau Peachum will zu den Huren gehen, wo sie den Aufenthaltsort Mackies vermutet.

Erstes Dreigroschenfinale: ÜBER DIE UNSICHERHEIT MENSCHLICHER VERHÄLTNISSE ... Da hat er eben leider recht, Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht ...

Zweiter Akt

4. Donnerstag: Polly sucht ihren geliebten Bräutigam im Pferdestall auf, um ihm mitzuteilen, dass er fliehen müsse. Ihr Vater habe derart auf Tiger-Brown Druck ausgeübt, dass dieser Mackie nicht mehr schützen könne. Mackie ist zur Flucht bereit, wohin sagt er nicht, und übergibt die Leitung seines Geschäftes in die Hand seiner Frau, welche sich recht schnell bei den Bandenmitgliedern Respekt verschafft.

Zwischenspiel: Frau Peachum besticht Spelunken-Jenny, damit diese Mackie ausliefert, wenn er ins Bordell kommt. Trotz der Verfolgung werde dieser seine Gewohnheiten ja nicht aufgeben. Frau Peachum singt ->DIE BALLADE VON DER SEXUELLEN HÖRIGKEIT.

5. Tatsächlich, die Krönungsfeiern sind gerade vorüber, da taucht Mackie im Hurenhaus von Turnbridge auf und verlangt seelenruhig nach "seinem Kaffee". Die Anklageschrift amüsiert ihn nur. Jenny liest ihm aus der Hand, das beunruhigt ihn schon mehr: In Kürze werde ihn die List eines Weibes gefährden, der Name dieser Frau fange mit "J" an.

Zusammen singen sie die -> ZUHÄLTERBALLADE, aus der das enge Verhältnis der beiden herausklingt. Währenddessen kommt der Polizist Smith ins Haus. Als er Mackie festnehmen will, springt dieser aus dem Fenster, vor dem allerdings Frau Peachum mit Konstablern schon auf ihn wartet. Mackie, ganz Gentleman, lässt sich verhaften.

6. Im Gefängnis, Old Bailey, begegnen sich Mackie und Brown. Brown bittet um Nachsicht, Mackie schweigt verächtlich und kalt, was den Sheriff völlig verzweifeln lässt.

Doch die Geschichte nimmt eine neue, unerwartete Wendung: Der Polizist Smith lässt ihn frei für 50 Guinee, da steckt die Tochter des Sheriffs, Lucy, dahinter, mit welcher Mackie auch ein Verhältnis hatte. Mackie singt -> DIE BALLADE VOM ANGENEHMEN LEBEN. Lucy kommt und macht Mackie Vorwürfe wegen seiner Heirat mit Polly. Doch dieser leugnet das einfach. Da erscheint auch noch Polly und sie erkennen sich als betrogene Rivalinnen. Sie singen ->DAS EIFERSUCHTSDUETT.

In diesem Augenblick verleugnet Mackie die Beziehung zu Polly und Lucy behauptet schwanger zu sein.

Frau Peachum erscheint, sieht ihre Tochter, gibt ihr eine Orfeige und schleppt sie ab. Mackie flieht mit Lucys Hilfe.

Brown und der alte Peachum treffen sich, letzterer droht jetzt mit massiver Störung des Krönungszuges durch die "untersten Schichten der Bevölkerung", wie damals bei der Königin Semiramis.

Zweites Dreigroschen-Finale:

Macheath und Jenny singen das Lied -> DENN WOVON LEBT DER MENSCH?

Dritter Akt

7. Peachum bereitet die "Demonstration des Elends" vor, da erscheint Jenny und will die Belohnung haben. Sie wird ihr verweigert, da Macheath auf freiem Fuß ist. Peachum erfährt aber von ihr Macs neues Versteck: Bei Sucky Tawdry (=flitterhaft).

Da kommt auch schon Brown mit Polizisten hereingestürzt und will die Bettler-Demonstranten verhaften, doch statt Bettlern erscheint eine Musikkapelle, die -> DAS LIED VON DER UNZULÄNGLICHKEIT DES MENSCHLICHEN STREBENS (111) spielt. Peachum wiederholt seine Drohung von der Störung des Krönungszuges, Brown kann nicht anders als nachgeben und jetzt, da er erfährt, wo MM sich aufhält, diesen verhaften. Ab. Jenny singt den -> SALOMON SONG

8. Polly, die sich jetzt Frau Macheath nennt, sucht Lucy im Old Bailey auf, wo diese wohnt. Sie gibt Reue und Zerknirschtheit wegen ihres Auftretens vor, möchte aber eigentlich erfahren, wo MM sich aufhält.

Lucy weiß es nicht, die beiden scheinen sich in ihrem Unglück zu versöhnen und Lucy gibt zu, ihre Schwangerschaft nur vorgetäuscht zu haben. Da wird MM ins Gefängnis eingeliefert und seine Hinrichtung steht bevor.

9. Freitag früh 5 Uhr. Um 6 soll die Hinrichtung stattfinden. MM versucht, Smith noch einmal zu bestechen, doch 1000 Pfund sind viel Geld, er hat nur 400. Seine Männer Matthias und Jakob kommen und sollen es bringen.

Polly kommt, hat auch kein Geld, und nimmt tränenreichen Abschied.

Brown bringt die Henkersmahlzeit: Spargel. Jetzt wird abgerechnet und zwar wörtlich: Beider Geschäftsbeziehung muss einen ordentlichen Abschluss finden, MM möchte ja kein Straßenräuber, sondern Geschäftmann sein.

Es wird 6 Uhr, die Zuschauer kommen, darunter auch die Schwiegereltern Peachum. MM hält vor allen eine Abschiedsrede: Er sieht sich als Opfer der neuen Zeit, in der der kleine Verbrecher ("Handwerker") durch die großen Geschäftsleute verdrängt wird: Die Aktionäre, die Banker und die Kapitalisten. Es folgt -> DIE BALLADE, IN DER MACHEATH JEDERMANN ABBITTE LEISTET

Doch als MM oben auf dem Galgen steht, tritt Peachum auf und verkündet in Versen: "...wir haben uns einen anderen Schluß ausgedacht", weil wenigstens in der Oper Gnade vor Recht ergehen soll:

Drittes Dreigroschen-Finale

Es erscheint der "reitende Bote der Königin", MM wird begnadigt, in den Adelstand erhoben, bekommt ein Schloss und alle zusammen singen an der Rampe das ->

3.DREIGROSCHENFINALE

FUNKTION UND INHALT DER SONGS IN DER DREIGROSCHENOPER

- Die Gesangsweise ist vorwiegend Sprechgesang, melodiös sind allenfalls die Refrains
- Die Instrumentierung ist eher grell, schrill, (Bläser, Schlagzeug), der Charakter der Musik zwischen jazzig-aggressiv und sanft-schmalzig Insgesamt kann die Musik bizarr genannt werden
- Die Songs und Balladen sind dramaturgisch aus der Handlung herausgehoben (Licht, Tafel...)
- Sie stehen in einem inhaltich gebrochenen Verhältnis zur Handlung (Einschübe und Zwischenspiel)
- Das Ich der Songs ist selten identisch mit der Figur des Singenden, z.B. z.B. Seeräuber-Jenny, Kanonensong, ...

=> Die Songs variieren allesamt ein Thema: Was oder wie ist der Mensch? Der Mensch ist unmoralisch

Er ist materialistisch und abhängig von seinen sexuellen Trieben

Er ist ohne Ideale, bzw. immer bereit, diese zu verraten

Er ist unverbesserlich schlecht.

||

\/

Fazit: Der Mensch ist ein Gewohnheits-Tier ohne Moral und Ideal! WIE SIND DIE CHARAKTERE GEZEICHNET

???

- Es gibt keine moralisch und menschlich vorbildhaften Figuren:

Peachumt Geschäfte mit dem Mitleid anderer Leute

- Seine Frau und er halten die Liebe für "groben unfug"

Seine Tochter Polly übernimmt ohne Bedenken die Bandenführung und Mackies Führungsstil

Mackie Messer verrät ohne Gewissensbisse seine Braut Polly

Mackie liefert unorganisiere Kleinganoven der Polizei aus

Jenny verrät Mackie zweimal an die Polizei

Mackie betrügt Polly mehrmals

Mackie verlässt die "schwangere" Lucy

- Lucy hat ihr Schwangerschaft nur vorgespielt um Mackie für sich zu gewinnen Brown hat nur seinen Vorteil im Sinn und macht Geschäfte mit der Unterwelt Fazit: Die Figuren sind genau solche Menschen,

wie sie uns in den Songs gezeigt werden und wie Brecht die Menschen sieht, nämlich dass sie schlecht sind

"Denn wovon lebt der Mensch ...?"

"Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm"

BERTHOLD BRECHT (1898-1956)

wurde am 10. Februar 1898 als Eugen Berthold Friedrich Brecht in Augsburg geboren.

Sein unsystematisches Studium der Naturwissenschaften, der Medizin und vor allem der Literatur wurde 1918 durch seinen Dienst als Sanitätssoldat in einem Lazarett unterbrochen, eine Zeit, die ihn zum erbitterten Kriegsgegner machte.

In diesem Jahr schrieb er sein erstes Drama "Baal", dem neben Theaterkritiken und Kurzgeschichten weitere Theaterstücke folgten. "Baal" wurde 1922 an den Münchner Kammerspielen - wo Brecht als Dramaturg wirkte - uraufgeführt und begründete seinen Ruf als Dramatiker.

1924-26 war Brecht Dramaturg bei Max Reinhardt in Berlin und studierte gleichzeitig intensiv den Marxismus. 1927 wurde "Mann ist Mann" uraufgeführt und seine erste Gedichtsammlung "Hauspostille" herausgegeben.

1928 gelang ihm mit der von Kurt Weill vertonten "Dreigroschenoper" ein Welterfolg. In den "Anmerkungen" zu "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" formulierte Brecht 1928 erstmals seine Vorstellungen vom "epischen Theater", in welchem den Zuschauern keine illusionärgeschlossenen Bühnenwelten mehr geboten werden sollten, sondern Konflikte, die sie aktiv mit durchdenken und mit entscheiden sollen. Dem gleichen Zweck dienten eine Reihe von didaktischen "Lehrstücken", die zur Aufführung außerhalb des tradtionellen Theaterbetriebs für Arbeiter bzw. ein nicht-bürgerliches Publikum gedacht werden.

Im Jahre 1933 nach der Machtübernahme von Adolf Hitlers und der NSDAP und am Tage nach dem Reichstagsbrand begann Brechts Weg ins Exil. Seine Stücke waren verboten worden und 1935 wurde ihm auch die Staatsbürgerschaft entzogen. So begann - "öfter die Länder als die Schuhe wechselnd" ("An die Nachgeborenen") - Brechts lange Reise mit vielen Stationen: Zuerst über Prag und Paris nach Dänemark, dann über Schweden nach Finnland und schließlich im Jahre 1941 über Moskau und Wladiwostok in die USA, wo er sich mit seiner Frau, der Schauspielerin Helene Weigel, in Californien niederließ in der Hoffnung auf Arbeit für Hollywoods Filmstudios.

Brecht verließ die Vereinigten Staaten im Jahre 1947 am Tag nachdem er sich einem Verhör durch das "Committee for Un-American Activities" hatte unterziehen müssen, ein erniedrigendes und peinliches Verfahren, das viele andere nicht-amerikanische, aber auch bekannte US- amerikanische Künstler traf. Brecht hatte sich wegen vermuteter kommunistischer Kontakte und Aktivitäten zu verantworten, es konnte ihm aber nichts nachgewiesen werden. Die Jahres des Exils waren Brechts fruchtbarste Schaffensperiode. Es entstanden so großartige Dramen wie "Das Leben des Galilei" (1938), "Mutter Courage und ihre Kinder" (1939) oder "Der kaukasische Kreidekreis" (1944/45). Doch seine Texte blieben ungedruckt und unaufgeführt, einzig der "Galilei" wurde in den USA aufgeführt, zu einem Zeitpunkt jedoch, da Brecht schon wieder nach Europa zurückgekehrt war.

Ohne Pass, ohne Verleger und mit wenig Geld hielt er sich zuerst in Zürich auf und versuchte dort Theater zu machen. Da ihm die Alliierten die Einreise in die Westzonen verweigerten, ging er nach Ost-Berlin, wo er mit seiner Frau 1949 das "Berliner Ensemble" gründete, das ab 1954 im "Theater am Schiffbauerdamm" zu einer der wichtigsten Experimentierbühnen Europas heranwuchs. Im "Berliner Ensemble" kamen dann endlich die "Mutter Courage" und andere Brecht-Stücke zur Aufführung. Auch in seinen letzten Lebensjahren in Ost-Berlin hatte Brecht mit ästhetischen und ideologischen Widerständen zu kämpfen, 1952 soll er sogar die Auswanderung nach China in Erwägung gezogen haben. In diesen Jahren schrieb er kein einziges Stück mehr, sondern widmete sich der Verwaltung seines "Nachlasses" und der sorgfältigen Inszenierung seiner Stücke. Zu seinen letzten Inszenierungen gehörte "Das Leben des Galilei", dessen Aufführung am Schiffbauerdamm er aber nicht mehr erlebte.

Er starb am 14. August 1956 in Berlin.

Zusammenfassung: Worum geht ´ s?

Wo? London, Soho, ein zwielichtiges Viertel , Hauptstadt des British Empire, Zentrum des Welthandels

Wann? In den Tagen der Krönungsfeiern der engl. Königin (19.Jhdt): Industialisierung

Milieu? großstädtische Unter- und Halbwelt, Rotlichtmilieu verrucht, zwielichtig, kriminell und amoralisch =>

-> Es geht um Geschäfte, also eine gutbürgerliche Tätigkeit

-> Angleichung von bürgerlichem und kriminellem Geschäftsgebaren

-> gutbürgerliche Werte (Sparsamkeit, Fleiß, Ordnungsliebe, höheres Streben,Kultur, Umgangsformen) werden von der Unterwelt für sich in Anspruch genommen (= entwertet)

-> Grenzverwischung von Gut und Schlecht Absichten: Kapitalismus-Kritik (Geschäft=Verbrechen), Aufzeigen der Fragwürdigkeit bürgerlicher Wertvorstellungen Schockieren durch Darstellung von Amoralität

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Es gibt keine gute und keine schlechte Gesellschaft: Hier Verbrechertum und Rotlichtmilieu - dort gehobenes und moralisch gefestigtes Bürgertum; sondern nur den Sumpf von London.

Die Kontrahenten (die männlichen wie die weiblichen) dieses Stückes liegen zwar im Streit miteinander, unterscheiden sich aber wenig voneinander.

Allen gemeinsam ist,

dass sie Geschäfte treiben, eine durch und durch bürgerliche Tätigkeit! dass ihre Moral eine Doppelmoral ist,

dass sie zwar Wert auf gewisse bürgerliche (Sekundär-)Tugenden legen: Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit, Vertragstreue, Hilfsbereitschaft (eine Hand wäscht die andere), gute Organisation; diese Tugenden aber sind moralisch zweckfrei. (KRITIK an der (kapitalistischen) Gesellschaft)

Bürgerliches und kriminelles Geschäftsgebaren unterscheiden sich nicht voneinander, sondern bedingen einander. Geschäfte machen und Verbrechen begehen sind zwei Seiten derselben Medaille, sie unterliegen einem ähnlichen Ehrenkodex: Straffe Disziplin, kein Aus-der-Reihe-Tanzen, Unterordnung unter die Organisationsprinzipien, welche allein den Geschäftserfolg garantieren (bei Bettlern ebenso wie bei Einbrecherbanden und Polizisten)

Brechts Wirkungsabsichten mit seinem "epischen Theater":

Den Zuschauer in kritisch beobachtender Distanz zu halten Keine Identifikationsangebote mit den Charakteren (denn alle sind moralisch zweifelhaft) Die bürgerlichen Wertvorstellungen als fragwürdig erkennbar machen. Das Ineinandergreifen von Geschäft und Verbrechen im Kapitalismus sehen lernen. Nachdenken über die moralischen Abgründe der eigenen Welt .

Erzielte Wirkung

Beste Unterhaltung, ein Welterfolg, das bürgerliche Publikum amüsiert sich, alle Welt singt die köstlichen Songs.

Denkaufgabe:

1.Warum ging Brechts Rechnung nicht auf? (Die finanzielle schon, aber die aufklärerische nicht.)
2.Welche Konsequenzen hat er - für weitere Theaterstücke zB den Kreidekreis- daraus gezogen? ( vergleicht mit dem Kreidekreis-Stück!)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Brecht, Bert - Die Dreigroschenoper
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
10
Katalognummer
V106262
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brecht, Bert, Dreigroschenoper
Arbeit zitieren
Jule Nohl (Autor), 2002, Brecht, Bert - Die Dreigroschenoper, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106262

Kommentare

  • Gast am 18.9.2002

    nice.

    auch wenn ich nicht alles gelesen habe, das meiste sogar nur überflogen, hat mir durch den übersichtlichen Aufbau, sehr gute Struktur der Artikel sehr geholfen. Auf jedenfall eine der besseren Artikel hier :)

  • Gast am 21.10.2002

    Lob.

    Schöner Stil, gut verständlich, präzise, nicht zu lang, im ganzen würde ich sagen du hast deine Note verdient. Thx

  • Gast am 30.11.2003

    dreigroschenoper.

    vielen dank, ohne dich hätte ich in einer langzeitarbeit über die dreigroschenoper alt aus gesehen :)
    ciao !

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Titel: Brecht, Bert - Die Dreigroschenoper


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