Storm, Theodor - Der Schimmelreiter


Referat / Aufsatz (Schule), 2002

11 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

Allgemein

Hauke Haien

Weitere Hauptfiguren

Aufbau des Werkes

Zusammenfassung Buch

Quellenangabe

Allgemein

Der Autor

Hans Theodor Woldsen Storm wurde am 14. September 1817 in Husum als das älteste von dreizehn Kindern des Advokaten Johann Casimir Storm und seiner Gattin Lucie Woldsen geboren. Theodor verbrachte in der satten Bürgerlichkeit des väterlichen Hauses eine sorglose Jugend. Das elterliche Haus mit seinen weitläufigen Räumen, die Wirtschaftsgebäude und ein großer Garten der Urgroßmutter in der Husumerau waren zunächst die Welt, in der er manche stille Stunden verträumte oder als echter Bub mit seinen Geschwistern herumtollte. Der Garten hatte es ihm besonders angetan, da er noch im Jahre 1857 in einem Briefe an Eggers schreibt: "Ich war in meiner Heimat als Knabe und später bis zur Auswanderung gewohnt, den Summer über ganz im Garten zu leben, jeden lieben Gedanken dort auszuspinnen, für jede Schwierigkeit der Arbeit nur dort die Lösung zu suchen." Freilich waren auch das Meer, die Marsch und die Geest dem Knaben, der gerne in der Umgebung seiner Vaterstadt umherstreifte, nichts Fremdes. Die eigenartige Landschaft wirkte mit aller Macht auf den jungen Menschen, der dieses Stück Erde über alles lieben lernte und tief unglücklich war, wenn er seine Heimat misse mußte.

Aber nicht alleine die weite Landschaft und die graue Stadt mit ihrer großen Vergangenheit waren es, die dem Jungen frühe Anregungen boten, sondern auch die mannigfaltigen Sagen und Märchen dieser Gegend, die seine Großmutter und ganz besonders die "Märchenfrau" Lena Wies meisterhaft zu erzählen verstanden.

Nach der Volksschule ging er auf eine Gelehrtenschule auf der er jedoch nicht sehr viel lernte, besonders auch in literarischer Hinsicht war er nur mangelhaft gebildet. In Lübeck erst vollendete er seine Gymnasialstudien und erlangte auch literarische Bildung. Auf Wunsch des Vaters studierte der Zwanzigjährige in Kiel, später in Berlin (zuletzt wieder in Kiel die Rechtswissenschaft).

Im Jahre 1843 kehrte Storm in seine Vaterstadt Husum zurück, um sich dort als Rechtsanwalt niederzulassen. Zwei Dinge sind es, die den Dichter in den folgenden Jahren maßgebend beeinflussen: die Liebe zu seiner Base Constanze Esmarch und die Schönheiten der Heimat. Neben dem großen Erlebnis der Liebe war es die Schönheit der Natur, die den Dichter formte. Die reiche Marschlandschaft in ihrer Einfachheit und Großartigkeit zugleich, das Meer und die Heide wurden in dieser Zeit von Storm entdeckt und, wenn auch noch mit unzulänglichen Mitteln, lyrisch dargestellt. Episch zu gestalten fühlt sich der Dichter noch zu unsicher, seine ersten Erzählungen sind einfache Bilder aus dem bürgerlichen Leben.

Im Jahre 1880 bezog der Dichter seinen Ruhesitz, um hier gerade seine bedeutendsten Novellen, als letzte und schönste den Schimmelreiter, zu schreiben. Öfter verließ er Hademarschen um seine Verwandten und Freunde in Berlin, in Weimar, vorallem aber in Husum zu besuchen. Sein siebzigster Geburtstag bracht ihm zahlreiche Ehrungen aus allen Teilen Deutschlands. Bald darauf warf ihn ein böses Krebsleiden, an dem er schon lange litt, endgültig nieder. Am 4. Juli 1888 verließ ihn das Leben, das er sosehr liebte. Wenige Tage später wurde der tote Dichter nach Husum gebracht, um in der Familiengruft beigesetzt zu werden.

Das Werk

Einst reitet ein Mann von seinen Verwandten weg in die Stadt, um dort Geschäfte zu tätigen. Er reitet an einem nebeligen Nachmittag. Die Landschaft sieht grau und verschwommen aus. Sein Pferd trabt mit ihm einen Deich entlang. Plötzlich ist ihm als komme ihm ein Reiter entgegen, und wenig später vermeint er eine Gestalt mit glühenden Augen auf einem Pferd zu erkennen; aber weder Hufschlag noch Keuchen des Pferdes sind zu vernehmen. Noch ein zweites Mal sieht der Reiter die Spukfigur, dann bleibt sie verschwunden. Wenig später kommt er in einen Gashof, in dessen Stube der Deichgraf und die Gevollmächtigten eine Versammlung abhalten. Der Neuankömmling erzählt sein Erlebnis vom Deich. Plötzlich meint einer, daß dies nur der Schimmelreiter gewesen sein könne. Neugierig geworden fragt er was für eine Bewandtnis es mit dem Schimmelreiter habe. Auf Aufforderung des Deichgrafen hin beginnt der Schulmeister zu erzählen:

"Einst leben ein Mann, der im ganzen Dorf der weitaus Gescheiteste war, und sein Sohn in einer kleinen Kate. Der Vater, Tede Haien, maß und rechnet oft an den langen Winterabenden, wobei ihm sein Sohn Hauke zusieht, wohl manchmal auch etwas fragt. Die Antworten darauf muß sich der Junge, da es sein Vater selbst oft nicht recht weiß, aus einem alten holländischen Mathematikbuch suchen. Hauke lebt nun nur mehr für die Geometrie. Um seinen Sohn auf andere Gedanken zu bringen schickt ihn Tede Haien zu den Deicharbeitern. Hauke aber läßt sich die Freude an seiner Lieblingswissenschaft nicht nehmen.

Als es Winter wird und die Arbeiten am Deich eingestellt sind, geht Hauke oft auf den Deich hinaus und beobachtet stundenlang die an dem Deich nagenden Wellen. Stets kommt Hauke erst nach langer Zeit zurück und wird deshalb von seinem Vater hart ausgescholten. Eines Abends ist er wieder auf den Deich hinausgegangen, da sieht er den Nebel gespenstisch über den Eisspalten wogen. Hauke fürchtet sich nicht, denn er weiß, daß es bloß der aus den Spalten aufsteigende Rauch ist.

Hauke lebt sehr zurückgezogen. Er hält Freundschaft mit dem Angorakater der alten Trin Jans. Eines Tages hat er einen Eisvogel gefangen und will das Tier nicht wie gewöhnlich dem maunzenden Kater überlassen. Doch die Katze entreißt ihm die Beute. Voll Wut erwürgt Hauke das Tier und wirft es gegen die Kate der Alten. Nachdem Tede Haien von der Tat seines Sohnes in Kenntnis gesetzt wird, meint er Hauke müsse sich um einen Arbeitsplatz umsehen, denn für zwei Herren sei die Kate zu klein.

So geht Hauke zum Deichgrafen Volkerts und verdingt sich als Kleinknecht. Die Tochter seines Brotgebers, Elke nimmt ihn oft vor dem Großknecht Ole Peters in Schutz. Hauke muß des öfteren in der Stube seines Herrn seine Rechenkünste unter Beweis stellen. Hauke steht in allen Amtsgeschäften dem Deichgrafen zur Seite. Die Differenzen zwischen Hauke und Ole werden immer größer. Im Frühjahr beim "Eisboseln" ist es sogar schon so weit, daß Ole Peters den Eintritt Haukes in die Mannschaft der Marschleute verhindern will. Doch Ole Hensen setzt schließlich durch, daß Hauke mitspielen darf. Hauke erringt den Sieg für seine Partei.

Ein Jahr später kündigt Ole Peters seinen Dienst und heiratet Vollina Harders. Hauke rückt zum Großknecht auf. Doch er hat die Stellung nicht lange inne, denn sein alter Vater ist nicht mehr im Stande die Wirtschaft selbst zu führen. Tede Haien stirbt bald; doch hat er noch ein kleines Stückchen Grund zu seinem Besitz dazugekauft, welches er nun Hauke überläßt. Hauke fühlt oft, daß er wohl der richtige Mann wäre wenn ein neuer Deichgraf gewählt werden müsse. Doch ist sein Grundbesitz für den eines Deichgrafen viel zu klein.

An dem Hochzeitstag einer Verwandten von Haiens sind Hauke und Elke zur Tafel geladen. Bei einer günstigen Gelegenheit schiebt Hauke Elke einen Ring, den er schon lange bei sich trägt auf ihren Ringfinger. Damit ist eine Freundschaft fürs Leben besiegelt. Kurz darauf stirbt der alte Deichgraf. Bei dem Leichenmahle wird nun besprochen wer der Nachfolger sein sollte.

Jeve Manners, der Pate von Elke, schlägt Hauke vor. Doch man gerät in Bedenken wegen des Besitzes. Kurz entschlossen erklärt Elke, daß sie Hauke heiraten wolle damit der nötige Grundbesitz vorhanden sei. So wird Hauke Haien der neue Deichgraf. Doch er hat mehr Feinde als Freunde.

Der Aberglaube der Leute wird dadurch gefördert, daß Hauke eines Tages einen halbverhungerten Schimmel mit nach Hause bringt, den er alsbald wieder völlig einsatzfähig gemacht hat. Es ist ein feuriges Tier, das sich nur von Hauke reiten läßt. Doch das Knochengerüst von Jevershalling ist verschwunden und so glauben die Leute der Schimmel des Deichgrafen hänge irgendwie mit diesem zusammen.

Durch den neuen Deichbau, den Hauke entworfen hat, entzieht er sich die Freundschaft vieler im Dorf, denn zu seinem Plan muß viel mehr Erde angefahren werden als gewöhnlich, und außerdem ist es um vieles teurer.

Im neunten Jahr ihrer Ehe gebärt Elke ein Mädchen, das Wienke genannt wird. Leider ist die Kleine nicht normal, doch sie wird trotzdem von ihren Eltern sehr geliebt.

Im darauffolgenden Sommer läßt Hauke trotz verschiedener Gegenstimmen den alten Deich reparieren. Er rettet dabei einen kleinen gelben Hund der seiner Tochter mit der Möve "Klaus" der liebste Spielgefährte wird.

Oft reitet Hauke mit der kleinen Wienke auf den Deich hinaus, doch stets wird das Kind sehr ängstlich und verschreckt. Nach Neujahr hat das Marschfieber Hauke ergriffen. Als er wieder genesen ist, besteigt er seinen Schimmel um die Deiche zu inspizieren. Er berichtet das bei der nächsten Versammlung, doch da die Mehrzahl gegen einen Neubau des Dammes ist, fügt sich auch Hauke dem allgemeinen Beschluß.

Im Frühjahr stirbt Trin Jans und wird auf dem Dorffriedhof begraben. Es werden in letzter Zeit viele fürchterliche Ereignisse berichtet, die auf ein grausiges Erlebnis vorbereiten sollen. Ende Oktober nämlich bricht während eines Sturmes der alte Damm und das Marschland wird verwüstet. Elke und Wienke wären in ihrem Hause sicher gewesen, doch die Sorge um Hauke treibt sie hinaus wo sie beide ertrinken. Hauke hat das mit ansehen müssen ohne helfen zu können und stürzt sich verzweifelt in die Fluten. Nun vermeint man ihn in stürmischen Nächten als unheilbringendes Gespenst zu sehen. Doch das ist Aberglaube."

So endet des Schulmeisters Erzählung. Der Fremde bedankt sich und geht in sein Zimmer, um ausgeruht zu sein, wenn er am nächsten Tag seinen Ritt in die Stadt fortsetzte.

Interpretation

In diesem Werk wird besonders gut auf den Aberglauben der Menschheit eingegangen. Der Aberglaube dichtet der Gestalt des Deichgrafen die Aura des Unheimlichen an und bringt sein Lebenswerk in Verbindung mit Teufelsspuk und Gespenterseherei. Der Haß schlägt Hauke offen entgegen, als er mit Gewalt den Aberglauben unterdrückt, daß "etwas Lebendiges" in den neuen Deich eingegraben werden müsse, damit er Bestand habe. Das Volk verknüpft sofort den geheimnisvollen Schimmelspuk auf Jeverssand mit dem mysteriösen Schimmelkauf des verdächtig freigeistigen Grafen. Nach Haukes Tod läßt die Sage den gespenstischen Schimmelreiter immer dann erscheinen, wenn Unwetter die Deiche bedroht.

Bei Storm steht der vieldeutige, rational nicht auflösbare Widerspruchscharakter des Lebens. Chiffre dieses Schicksals ist eine Natur, die handelnd und bewegend in den Kampf eingreift; das Meer als elementarer Widersacher des Menschen, aufgetürmt in den tobenden Wellenbergen der Sturzflut, prägt die Grundstimmung der Erzählung, jene Schwermut der friesischen Küstenlandschaft, deren magischen Bannkreis Hauke nicht durchbrechen kann.

Charakterisierung von Hauke Haien

Kindheit

Hauke Haien ist der Sohn eines kleinen Marschbauern, der neben seiner Feldarbeit und Schafhaltung ein lebhaftes Interesse am Rechnen und an Messungen hat. In dem Jungen zeigt sich bald, dass er diese Neigung des Vaters verstärkt geerbt hat und dass er in der Land- und Viehwirtschaft nicht besonders glücklich werden wird. Sein liebstes Vergnügen ist es am Wasser zu sein, die Wellen, die Strömung, das Wattenmeer zu beobachten. Träumen und Grübeln, Lesen, Rechnen und Messen und Deichmodelle modellieren, das waren seine Interessen. Trotz vieler und schwerer Arbeit, zu der der Vater ihn heranzieht, lässt der Junge nicht davon ab. Eine Neigung zu Jähzorn zeigt sich, als er den Kater der Trien` Jans erwürgt, da dieser ihn einen Vogel stehlen wollte und ihn dabei sehr gekratzt hat

Jugend

Hauke sucht sich eine Dienststelle als Kleinknecht beim derzeitigen Deichgrafen. Dort kann er nach der normalen Feld- und Stallarbeit dem Deichgrafen beim Rechnen und beim prüfen von Rechnungen helfen. Er ist fleißig und zuverlässig, versucht Frieden zu halten, trotz des Umstandes, dass Ole Peters eifersüchtig auf ihn ist und ihn mit harter Arbeit kaputt zu machen versucht.. Des Deichgrafen Tochter Elke wehrt dem, so gut es geht. Der kluge und helle Kopf , die Intelligenz und die Aufmerksamkeit, die Hauke dem Deich, dem überlebensnotwendigen Bauwerk bei einer Sturmflut, schenkt, scheint ihr wichtiger als tüchtiges Säcke schleppen.

Hauke macht sich bereits in seiner Jugend bei vielen Dorfbewohnern unbeliebt, weil er den Deichgrafen auf gewisse Sünden und Unterlassungen der Marschbewohner gegenüber dem Deich aufmerksam macht so reitet z.

B. Ole Peters spätere Frau den Deich schräg hinauf. Andere halten ihr Deichstück von Unkraut nicht frei etc. Hauke ist nicht wichtigtuerisch, er will auch nicht petzen. Er sieht es als seine Pflicht an alles zu tun, was die Sicherheit des Deiches fordert, wodurch sich die Charaktereigenschaft verantwortungsbewusst gut hervorhebt, mehr als es von ihm als Kleinknecht erwartet wird.

Seit Hauke beim Deichgrafen ist, wird dieser von der übergeordneten Stelle gelobt. Elke gibt ihm zu verstehen, wer zu loben wäre. Ole Peters wird darauf immer gehässiger. Als zwei Dienstjahre, die Lehrjahre, um sind, gibt es einen Wurfwettkampf, von dem Ole Peters Hauke auszuschließen versucht, allerdings vergeblich. Hauke ist geschickt und siegt im Wettwerfen. Elke freut sich sehr und Hauke fühlt, dass sie beide sich lieben. Es ist eine unauffällige Art von Liebe (Aus dieser Begebenheit geht etwas die Schüchternheit Haukes hervor). Er kauft einen goldenen Ring; sie fühlen sich als heimlich verlobt.

Heirat

Hauke wäre zu bescheiden gewesen Elke zu bitten, ihn zu heiraten. Er ist auch zu arm. Doch Elke ergreift die Initiative. Als ihr Vater stirbt und das Amt des Deichgrafen zu vergeben ist, spricht sie tapfer und offen zum Oberdeichgrafen, ihrem Paten und dem Pastor über ihre heimliche Verlobung und ihre Liebe. Sie gibt ihr Hab und Gut an Hauke, der nun mächtig und reich genug ist, um das Amt des Deichgrafen zu beanspruchen. Sehr zum Ärger aller Hasser und Neider, allen voran Ole Peters. Der prägt das Wort ,, der von seiner Frau gemachte Deichgraf", Darüber wird im Wirtshaus gelacht und gelästert. Hauke fühlt den Zorn, wie damals beim Angorakater, doch Elke kann ihn beruhigen.

Deichgraf

Das böse ,,der von seiner Frau gemachte Deichgraf" erbittert Hauke. Bei einem seiner Routineritte am Deich faßt er einen ehrgeizigen Plan, der den Spöttern und Neidern beweisen soll, dass er ein ganzer Deichgraf sei, nicht nur dank seiner Frau. Er beschließt, an den Oberdeichgrafen einen fundierten Vorschlag über ein neueinzudeichendes Stück Land einzureichen. Viel Arbeit und Mühe steckt er in dieses Projekt, welches schließlich auch von der Obrigkeit bewilligt wird. Erstmals soll der neue Deich auch ein anderes Profil erhalten. Seine Beobachtungen, seine Berechnungen und Modellversuche haben einen sanften Deichabfall zum Meer als günstig ergeben.

Hauke erntet mit dem Projekt und dem Neubau bei seinen Dorfgenossen kein Lob, sondern Hass und Zorn. Arbeit und Kosten kommen auf die Leute zu. Und Sturmfluten waren relativ lange ausgeblieben. Leichtsinn hatte sich auf der Marsch breitgemacht. Hauke ist unerbittlich. Er zwingt den Bauern seinen Willen und seinen Willen auf. Er ist von der Richtigkeit seines Werkes und der Notwendigkeit eines zweiten Deiches überzeugt und mutig genug, den Feindseligkeiten seiner Mitbewohner standzuhalten. Gerüchte schwirren umher. Sein unheimliches Pferd, seine Art zu beten, wie er den kleinen Hund vor der abergläubischen Menge rettet - die Dorfbewohner deuten das als Zauberei oder dass er mit dem Bösen im Bunde sei. Trotzdem wird der Deich fertig und stolz reitet Hauke an dem im Volksmund nun ,,Hauke- Haien- Koog" genannten neugewonnenen Land entlang.

Der Deichgraf ist nicht beliebt. Zu streng, zu unverbindlich, zu verantwortungsbewusst ist dieser Mann. Sein rascher Geist, seine Übergroße Gestalt machen ihn vielen sogar unheimlich. Daher lebt Hauke nur mit seiner Frau und seinem geliebten, wenn auch schwachsinnigen, Kind. Seine Familie ist ihm sein ein und alles. Sie leben harmonisch, sehr zufrieden und glücklich, trotz all der vielen Arbeit seines Hofes und seines Amtes. Einige Jahre nachdem der neue Deich fertiggestellt ist, kündigen furchtbare Stürme eine schwere Sturmflut an. Bei einem Ritt findet Hauke eine Schwachstelle dort, wo der neue Deich in den alten mündet. Die Grasnarbe ist zerstört, das Wasser wühlt im Deich, Mäusegänge höhlen ihn bereits aus. Hauke ist tief erschrocken. Im Gemeinderat kann er sich nicht durchsetzen und findet sich mit einer Reparatur der bewussten Stelle ab. Als die Reparatur ausgeführt und wieder Gras darauf gewachsen ist, kann Hauke trotzdem seine Unruhe und Angst nicht bezwingen. Er fühlt, er hätte stark bleiben sollen und das der Deich dort hätte neugemacht werden müssen. Er war aber der ewigen Streitereien so müde gewesen und hatte sich selbst schwach gefühlt. Als die Stürme immer größer wurden und eine Sturmflut nach fast 100 Jahren wieder einmal die Halligen heimsucht, bricht der Deich an dieser Stelle. Hauke bekennt seine Schuld. Die bestand darin nicht fest genug gegen alle Widerstände auf einer tiefgreifenden Neugestaltung des gefährdeten Deichsstück bestanden zu haben. Die Wasser kommen unter dem Schreckensgeschrei der Dorfbewohner wie eine Sintflut heran geschossen und hindern diese daran, den neuen Deich durchzustechen und damit den Hauke- Haien- Koog zu opfern. Dieser Deich hält schlimmen Flut stand und hat später noch Kinder und Enkel vor dem Wasser geschützt. Die falsche Nachgiebigkeit und einzige Schwachheit des Deichgrafen kostete den Marschbewohnern der tiefliegenden Höfe viel Hab und Gut. Hauke, dessen Hof hoch liegt und der Frau und Kind sicher wähnt, muss ein schreckliches Ende seines Glückes und seines Lebens erfahren. Seine Frau, mit Kind, Hund, kommt mit dem Pferdegespann an der zerborstenen Deichstelle vor seinen Augen ums leben. Hauke gibt seinem braven Schimmel die Sporen und stürzt sich seiner Familie nach.

Andere Hauptpersonen

Elke Volkerts

Die Tochter des Deichgrafen Volkerts stellt sich dem Leser als ruhige und heimatverbundene Frau dar. Sie lebt auf dem Hof des Vaters, wo sie den Haushalt führt und ihm bei der Arbeit mit dem Deichgrafenamt hilft. Elke kann, was für eine Frau der damaligen Zeit eher ungewöhnlich ist, gut rechnen und ist allein aus diesem Grunde eine besondere Frau. Als Hauke Haien die Stelle als Kleinknecht auf dem Hof antritt, merkt sie sehr bald, dass die Interessen der beiden in weiten Teilen ähnlich sind. Elke bewundert und schätzt Haukes Fähigkeiten und verliebt sich in kurzer Zeit in ihn. Elke stellt ihre Interessen weitestgehend hinter die ihres Mannes, weil sie einsieht, dass die ihn auf andere Weise nicht halten kann. Elke versteht es immer wieder, ihren Mann bei seiner Arbeit zu unterstützen und ihm Halt zu geben. Sie scheint nicht zu merken, dass sie und Hauke nur nebeneinander leben und zwischen ihnen die Aufgabe des Deichgrafen steht, der sich Hauke so entschlossen stellt.

Tede Volkerts

Elkes Vater wird gekennzeichnet von seiner Schwerfälligkeit, er benötigt die Hilfe von Hauke in seinen lezten Lebensjahren.

Ole Peters

ist der Widersacher Haukes, es beneidet Hauke in jeder Weise, er wollte auch Elke zur Frau nehmen. So versucht er alles um Haukes Leben zu zerstören.

Jewe Manners

ist Elkes Pate und gleichzeitig der Oberdeichgraf.

Tede Haien

ist Haukes Vater, der in alleine aufzieht, da seine Frau bei Haukes Geburt stirbt. Er ist ein ehrlicher und tüchtiger Mann, der in wichtigen Lebensabschnitten in Haukes Leben eingreift und so Haukes Leben entscheidend verändert.

Aufbau des Werkes

Der Schimmelreiter ist prinzipiell in drei Rahmen unterteilt. Im ersten Rahmen, dem äußeren, welcher sich 1888 abspielt, erzählt Storm eingangs wie er auf die Geschichte des Schimmelreiters aufmerksam geworden ist. Im zweiten, inneren Rahmen kommt der eigentliche damalige Erzähler zu Wort, der um 1830 am Deich entlang ritt und den Schimmelreiter gesehen hat. Der alte Schulmeister erzählt dann die eigentliche Geschichte des Schimmelreiters in der Innenhandlung die sich wahrscheinlich in der Mitte des 18. Jahrhunderts abgespielt hat. Viermal unterbricht der Schulmeister seine Erzählungen und gönnt sich eine Verschnaufpause. Durch diese Unterbrechungen wird die gesamte Innenhandlung unterbrochen und gegliedert. Der Höhepunkt wird hinausgezögert, dadurch wird die Geschichte spannender und fesselnder. Der Schimmelreiter tritt sowohl in der Innenhandlung als auch im Inneren Rahmen als Gespenst auf. Dadurch werden die Rahmen miteinander verknüpft.

Zusammenfassung - Der Schimmelreiter

Die Novelle "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm spielt in der Meereslandschaft Nordfrieslands. Der Autor wählt für die Rahmenhandlung die Ich-Erzählform, indem er von einem Reisenden berichtet, der während einer Sturmflut an einem nicht näher bezeichneten Deich in Nordfriesland entlangreitet und in einem Gasthaus Schutz vor dem Unwetter sucht. In dem Gasthaus trifft er auf eine Gesellschaft von Bauern der Gegend, die zusammen mit dem Deichgrafen Wache halten, um eventuelle Deichbrüche schnell erkennen und abwenden zu können. Der Erzähler berichtet in dieser Runde von einer Begegnung, die er auf dem Deich hatte: Ihm sei ein Reiter begegnet, der auf einem Schimmel geritten sei, ohne dass von diesem Gespann das geringste Geräusch ausgegangen sei.Dieser Bericht führt dazu, dass der ebenfalls in der Gesellschaft anwesende Schulmeister des Dorfes die Sage vom Schimmelreiter zu erzählen anfängt.Hier beginnt nun die eigentliche Geschichte um den Schimmelreiter, die zeitlich in der Mitte des 18.Jahrhunderts angesiedelt ist.Hauke Haien, wächst in der nordfriesischen Marsch auf, wo er schon als Junge sein Interesse für die Mathematik und für die wissenschaftliche Betrachtung aller Dinge entdeckt, die ihn umgeben. Besonders die Deiche interessieren ihn, er verbringt seine gesamte Jugend vornehmlich damit, das Meer und seine Wirkung auf die Deiche zu beobachten. Er kommt schon früh zu der Überzeugung, dass ihre Form verbesserungswürdig ist. Mit 14 Jahren tritt Hauke Haien eine Stelle als Kleinknecht beim Deichgrafen Tede Volkerts an. Schon nach kurzer Zeit wird er von diesem oft als Helfer eingesetzt, wenn Deich- oder Sielgebühren zu berechnen sind. So entwickelt sich zwischen Volkerts und Hauke Haien ein Verhältnis, das dem zwischen Herrn und Knecht nicht gleichzusetzen ist. Der Großknecht des Hofes, Ole Peters, sieht seinen Einfluss schwinden und wird zu Haukes Feind, zumal er erkennt, dass die Tochter des Deichgrafen, Elke Volkerts, sich mehr und mehr zu Hauke Haien hingezogen fühlt und nicht zu ihm. Ole Peters hatte sich selbst gute Chancen ausgerechnet, Elke zu heiraten. Als der alte Deichgraf stirbt und Hauke seine Tochter heiratet, fällt ihm mit dem Besitz auch die Würde zu. Der neuernannte Deichgraf Hauke Haien findet in der Bevölkerung nur wenig Unterstützung. Seine Ideen zur Verbesserung der Deiche bedeuten großen finanziellen Aufwand und erhebliche Arbeitsbelastungen für die Allgemeinheit. Die Dorfbewohner sehen die Notwendigkeit nicht, als Hauke Haien einen neuen Deich bauen lässt, dessen Profil sich grundlegend von dem der alten unterscheidet. Der neue Deich soll zur Seeseite deutlich flacher angelegt werden als es üblich ist, was einen höheren Aufwand beim Bau bedingt. Der schärfste Gegner des Deichgrafen wird Ole Peters, der immer wieder versucht, die Dorfbewohner gegen ihn aufzubringen. Den Widerstand gegen Hauke zu schüren fällt Ole Peters nicht schwer, da er den Aberglauben der Dorfbewohner auszunutzen versteht. Als Hauke Haien einen Schimmel kauft, den er fortan ständig reitet, geht im Dorf das Gerücht um, es handele sich bei diesem Schimmel um ein Geisterpferd, dessen Skelett auf einer kleinen Sandbank vor der Küste liege und von dem einige behaupten, es in manchen Nächten auf dieser Sandbank lebendig gesehen zu haben. Dem Deichgrafen wird nun nachgesagt, dieses Geisterpferd gezähmt zu haben, was ihn den Dorfbewohnern unheimlich macht.

Mit äußerster Willensanstrengung, dabei nicht frei von Hass und Verachtung gegenüber seinen Mitmenschen, trotzt er dem Meer Neuland ab. Privates Glück hingegen bleibt ihm versagt: Als nach Jahren des Wartens seine Frau Elke ihm endlich ein Kind schenkt, muss Hauke erkennen, dass seine Tochter Wienke schwachsinnig ist. Einsamkeit und Krankheit schwächen seine Wiederstandskraft. Zu allem Unglück bricht auch noch eine schwere Sturmflut herein.Der von Hauke Haien entworfene und durchgesetzte Deich hält den Angriffen der Nordsee stand, doch der angrenzende, nach alter Art reparierte Deich bricht. Der Deichgraf sieht Elke und ihre gemeinsame Tochter Wienke, die mit Pferd und Wagen von der in den Koog (eingedeichtes Land) drückenden See überrascht werden und in der Flut umkommen. Daraufhin treibt er seinen Schimmel in die Bruchstelle und geht mit den Worten "Herr Gott, nimm mich, verschon die andern!" unter.

Quellenangabe

Meine Quellen für diesen Hefter waren:

Das Buch „Der Schimmelreiter“,

Das Internet,

und der Brockhaus.

11 von 11 Seiten

Details

Titel
Storm, Theodor - Der Schimmelreiter
Hochschule
Real Centro Universitario Maria Cristina
Autor
Jahr
2002
Seiten
11
Katalognummer
V106295
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Storm, Theodor, Schimmelreiter
Arbeit zitieren
Daniel Kuschmierz (Autor), 2002, Storm, Theodor - Der Schimmelreiter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106295

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