Hesse, Herrman - Siddhartha - Bedeutung Siddharthas in der heutigen Welt


Referat / Aufsatz (Schule), 2002

8 Seiten, Note: 1-


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Inhalt

1 Einleitung

2 Siddhartha gestern, heute, morgen
2.1 Mögliche Ursachen für den Erfolg von Siddhartha im 20. Jahrhundert
2.1.1 Die Welt zwischen den zwei Kriegen
2.1.2 Die „Hippie“ - Zeit
2.2 Heute und Morgen
2.2.1 Der verlorene Glauben an der Religion
2.2.2 Ohne Besitz gegen den Kapitalismus
2.2.3 „Höhere Ebenen“ für die „Fun - Generation“
2.2.4 Fasten wird zur Diät
2.2.5 Indien- immer noch das friedliche Land Siddharthas?
2.2.6 Kurznachricht von Govinda
2.2.7 D.J. Siddharta 3000
2.3 Schlussfolgerung und möglicher Blick in die Zukunft

3 Quellen
3.1 Literatur
3.2 Titelbild Fehler! Textmarke nicht definiert

4 Erklärung Fehler! Textmarke nicht definiert

Bedeutung Siddharthas in der heutigen Welt

Genaue Fragestellung:

Hermann Hesses Roman „Siddhartha“ wurde bis heute in 39 Sprachen übersetzt, darunter 13 indische Dialekte und zählt mit einer Weltauflage in zweistelliger Millionenzahl zu den erfolgreichsten Büchern des 20. Jahrhunderts. Stelle Ursachen für diesen Erfolg dar und erörtere anhand ausgewählter Inhalte, ob „Siddhartha“ auch heute noch für junge Menschen in Deutschland von Bedeutung sein kann.

1 Einleitung

„Siddhartha - eine indische Dichtung“ wurde seit der Erstveröffentlichung 1922, weltweit millionenfach verkauft, in nahezu vierzig Sprachen übersetzt und wurde sogar verfilmt.

Woher kommt dieser Erfolg, warum ging dieses Buch allein in den Vereinigten Staaten fünf Millionen Mal über den Ladentisch? Was bewegte so viele Menschen aus allen Kulturkreisen die Lebensgeschichte des Siddhartha zu lesen?

Trotz des immensen Erfolges im letzten Jahrhundert, bleibt die Frage, ob die Inhalte immer noch aktuell ansprechend sind und ob die sogenannte „Techno-“, „Computer-“ oder gar „Nullbockgeneration“ noch etwas für die „indische Dichtung“ übrig hat.

2 Siddhartha gestern, heute, morgen

2.1 Mögliche Ursachen für den Erfolg von Siddhartha im 20. Jahrhundert

Da Hesses Bücher zum grossteil während des Dritten Reiches verboten wurden, und nur noch durch einen kleinen Schweizer Verlag, verbreitet wurden, werde ich zwischen der Vor- und Nachkriegszeit unterscheiden.

2.1.1 Die Welt zwischen den zwei Kriegen

"Ostasien, (wir nennen es heute Südasien) zumal Indien,übt heute auf die wenig Gebildeten eine gewaltige Anziehungskraft aus, es gehen da tiefe geistige Interessen mit jungenhafter Lust am Exotischen und lüsterner Sucht nach Sensationen wunderlich durcheinander." 1

Hermann Hesse geboren in Calw, sein Vater war evangelischer Missionar in Indien und seine Mutter Indologin. Er wurde dadurch früh mit der fernöstlichen Kultur konfrontiert. Er reiste später auch nach Indien, wo er die Grundlagen für seinen Roman sammelte, und diese nicht nur in Büchern und Reiseberichten fand, wie es damals oft der Fall war2. Dadurch wirkte sein Buch lebensnah und somit interessanter.

„Siddharta“ wurde Anfang der zwanziger Jahre zum ersten Mal veröffentlicht. Der Krieg hatte vieles verändert, das Flugzeug setzte sich langsam als Verkehrsmittel durch, die Welt wurde kleiner und die Menschen wurden neugierig auf andere Kulturen, welche sie nicht mehr als „Wilde“ oder „Gottlose“ beschimpften.

Insbesondere Geschichten aus China, Japan und Indien, die den Menschen mystisch vorkamen - wahrscheinlich wegen den starken Unter- schieden zur christlichen Philosophie, zogen die Menschen magisch an. Ein weiterer Punkt, sicherlich von höherer Bedeutung, war die Ent- täuschung, welche nach dem verlorenem Krieg entstand. 1914 zogen tausende junge deutschen Soldaten, hochmotiviert, für ihr Vaterland in den Kampf, und kehrten nach vier Jahren Schützengraben als elende Verlierer zurück. Sie hatten ihr Vertrauen in ihre Heimat verloren und sehnten sich nach einer neuen Denkweise. Schriftsteller und Philosophen glaubten dass das abendländische System, mit dessen Kultur zugrunde gehen musste3. Auch die katholische Kirche, welche bereits seit Anfang der Industrialisierung stark an Bedeutung verlor, konnte ihre Schäfchen nicht mehr hüten.

Diese allgemeine Hoffnungslosigkeit und das Verlangen nach neuen Idealen, welcher später auch teilweise für den Nationalsozialismus verant- wortlich gemacht wurden, brachte die Menschen auf den fernen Osten, eine noch unbekannte, geheimnisvolle Welt wo alles noch rein zu sein schien. Eine Welt wo man „höhere“ Ziele anpeilte als nur riesige Material- schlachten zu gewinnen.

2.1.2 Die „Hippie“ - Zeit

In den sechziger und siebziger Jahren, bildete sich daraus eine Mode- erscheinung, die Tausende junge Menschen zum reisen nach Indien moti- vierte, um dort zu erfahren was es an sich hat, zumindest kurzweilig, die Erleuchtung zu suchen. Die damalige Jugend wollte sich vom Establish- ment abgrenzen und gegen die Wohlstandsgesellschaft der Eltern ankämp- fen.

2.2 Heute und Morgen

Kann die Biographie des Siddhartha die junge Generation von heute noch so begeistern, wie ihre Eltern? Ich meine - noch? - nicht, zumindest nicht im gleichem Umfang und nicht aus den gleichen Gründen.

2.2.1 Der verlorene Glauben an der Religion

„ Om ist Bogen, der Pfeil ist Seele,

Das Brahman ist des Pfeiles Ziel,

Das soll man unentwegt treffen “ 4

Es gibt heute kaum noch jemand der Vertrauen in die Geistlichkeit hat. Die Naturwissenschaft hat dermaßen große Vorschritte gemacht, das es nicht mehr so einfach ist an eine „höhere Macht“ zu glauben wie zum Beispiel an eine Gottheit.

Auch haben die Religionsinstitutionen viel Glaubwürdigkeit verloren. Die heiligen Grundsätzen werden jeden Tag verraten, missinterpretiert, manipuliert und mit Füssen getreten. Man schaue einfach nur auf all diese „Gotteskrieger“ in Kabul, Jerusalem - Texas? - die sich angeblich aus religiösen Gründen gegenseitig bekämpfen.

Anderseits ist auch der Dalai-Lama nicht sehr erfolgreich, da Tibet seit Jahren weiterhin chinesischer Herrschaft unterliegt und sich kaum etwas verändert hat. Doch zumindest überzeugt er durch seine friedliche Art.

2.2.2 Ohne Besitz gegen den Kapitalismus

Zuweilen gingen sie zu zweien durch die Dörfer, um Nahrung für sich und ihre Lehrer zu betteln 5

Wir leben in einer sehr materialistisch orientierten Gesellschaft wo ein Bettler nicht unbedingt der bestangesehenste Beruf ist. Siddhartha lebte während seiner Zeit als Samanamönch, von der Gunst Anderer. Als Sozial- hilfeempfänger, stellt sich heute kein Jugendlicher seine Zukunft gerne vor. Die einzige Episode, welche heute wirklich verlockend wäre, ist das Leben als Kaufmann bei den Kindermenschen, das aber im Buch als nicht geistig erfüllend dargestellt wird, was unsere Lebensart, vielleicht nicht zu unrecht, infragestellt. Doch bleibt die Frage wie viele Menschen bereit wären alle schönen, eigentlich überflüssigen, Dinge die sie umgeben, gegen ein „er- füllteres“ Leben einzutauschen, in dem sie absolut nichts Weltliches besitzen.

2.2.3 „Höhere Ebenen“ für die „Fun - Generation“

Dieser Vater hatte nichts, was ihn entzückt, und nichts was er gefürchtet hätte. Er war ein guter Mann, dieser Vater, ein guter, gütiger, sanfter Mann, vielleicht ein sehr frommer Mann, vielleicht ein Heiliger - dies alles waren nicht Eigenschaften, welche den Knaben gewinnen konnten. langweilig war ihm dieser Vater, der ihn gar in seiner Elenden Hütte gefangen hielt. 6

Probleme die Siddhartas Sohn mit seinem Vater hat. Vermutlich dieselben die nahezu jeder Jugendliche mit einem vergleichbaren Vater hätte. Unsere Generation wird oft als „FUN - Generation“ bezeichnet, also als eine Generation welche nahezu ausschließlich von „ ...Trieben und Wün- schen geleitet... “ 7 wird. Die Unterhaltungsindustrie boomt und wie Sidd- hartha am Fluss zu sitzen Tag ein Tag aus untersteht, in dieser unter- haltungsgeilen Gesellschaft, dem schnellen „Funfaktor“ des Fernsehens oder einer Nacht in einer Diskothek.

2.2.4 Fasten wird zur Diät

... sehr aber quälte ihn der Hunger, [...] und lange war die Zeit vorüber, da er hart gegen den Hunger gewesen war. 8

Die europäische Union hat eine sehr hohe Grundnahrungsmittel Überproduktion und man findet an jeder Ecke eine Möglichkeit zum günstigen Kauf von Essen; so muss hier niemand Angst haben zu ver- hungern. Die Angst ist sogar so niedrig, dass viele zuviel essen und sich dann beklagen Übergewicht zu haben. Dann versuchen sie eine Diät zu machen um wieder in „Fit for Fun“ zu sein. Der Sinn dieser Art des „Nicht- essens“ weicht vollkommen vom der ab, die Siddhartha bei den Samanas betreibt.

Es gibt heute einfach keinen Grund mehr zu fasten, da wir in Deutschland, im Vergleich zu Indien zum Beispiel, zu viel von allem haben.

2.2.5 Indien- immer noch das friedliche Land Siddharthas?

In „Siddhartha“, wird Indien als ein reines, unschuldiges Land dargestellt indem alle miteinander auskommen und ein Friede auf Erden herrscht, wo man bestenfalls an Schlangenbissen sterben kann.

Dank unserer weltumspannenden Nachrichtennetzwerke, wissen was überall los ist. Darum wissen wir, dass im heutigen Indien Kinder hungern, unter schweren Krankheiten leiden und durch den - aus religiösen Gründen entstandenen - Krieg mit Pakistan werden jeden Tag Hunderte umgebracht. Nicht wenige Pilger müssen auf ihrem Weg nach Kaba oder auf der Suche nach Buddha auf Tretminen achten - die Idylle verliert ihren Zauber.

2.2.6 Kurznachricht von Govinda

„ Noch immer o Siddhartha, liebst du ein wenig den Spott, wie mir scheint. “ 9

Ein Jugendlicher von heute würde einfach, sogar vulgär doch sinngemäß sagen: „Siddhartha (oder eher Kevin), ich glaube du willst mich verarschen?“.

Die Sprache, ob gesprochen oder geschrieben, erlitt seit Erfindung der schnellen Kommunikationsmedien, wie Fax und Email, eine starke Vereinfachung. Der in Hesses Roman verwendete klassischer Sprachstil klingt heute altertümlich, geschwollen und überflüssig kompliziert. In den letzten Jahren, durch die mächtige Konkurrenz von Film, Fernsehen und Videospielen, musste das Buch als Zeitvertrieb viel Boden verlieren. Besonders Bücher die, inhaltlich oder sprachlich, ein wenig schwieriger zu lesen sind haben bei jungen Menschen nur noch selten Erfolg.

2.2.7 D.J. Siddharta 3000

Trotz allem findet die fernöstliche Magie in manchen jungen Szenen noch heute Absatz. Insbesondere Teile der „Technokunst“ verwenden gerne Elemente aus dem Hinduismus.

Natürlich werden die Bilder „modernisiert“, doch bleib die Faszination. Auch religiöse Ideen werden gerne übernommen.10

Doch bleibt der Zweifel ob das Interesse wirklich auf die Lehren beruht, und nicht nur verwendet werden, um aufzufallen; oder sich zu verkaufen...

2.3 Schlussfolgerung und möglicher Blick in die Zukunft

Obwohl ich mich nicht wirklich mit dem Thema anfreunden konnte, glaube ich das Siddhartha nicht „sterben“ wird. Besonders jetzt wo immer mehr Menschen anfangen an unsere westliche Welt zu zweifeln, und nach neuen ethischen Ideen und Regeln zu suchen11, wird der Weg Siddharthas vielleicht wieder mehr an Bedeutung gewinnen.

Die Sprache ist zwar teilweise anstrengend, doch fand ich nach einiger Zeit sogar Gefallen an ihr. Auch das wird meiner Meinung nach wiederkommen: die Menschen werden, nach dem Untergang der Sprachkultur, sich wieder mehr um ihre Ausdrucksweise bemühen.

Doch bleibt die Frage wann. Schon in den kommenden Jahren oder erst in der nächsten Generation, welche sich wiedereinmal von den Eltern ab- grenzen will...

3 Quellen

3.1 Literatur

Hermann Hesse: Siddhartha - Eine Indische Dichtung

Suhrkamp-Verlag in Frankfurt am Main 2001

Weltgeschichte Band 11 Diktatoren und Ideologien - herausgegeben von

Heinrich Pleticha

Bertelsmann Lexikon Verlag Gütersloh 1996

Stern Suche

http://suche.stern.de/?branch=art&art_action=show&q=zehn%20gebote&ar t_id=69845&cobrand=

Aufgerufen am 22.03.2002

HERMANN HESSE -"SIDDHARTHA - Eine indische Dichtung" -

Ein Referat von Kathrin Rosi Würtz - DEUTSCH LK13 des Sankt Adelheid

Gymnasiums Bonn-Beuel

November 1999

http://www.mangosaft.de/deutsch/autoren/wuertz/referat-siddhartha- krwuertz.htm

Aufgerufen am 21.03.2002

[...]


1 Herman Hesse über den Erfolg der „Indiensehnsucht“

2 Z.B. Karl May

3 Siehe z.B. O. Sprenger - Untergang des Abendlandes; H. Hesse - Der Steppenwolf

4 H. Hesse - Siddhartha, eine indische Dichtung. / Seite 10

5 H. Hesse - Siddhartha, eine indische Dichtung. / Seite 17

6 H. Hesse - Siddhartha, eine indische Dichtung. / Seite 99

7 H. Hesse - Siddhartha, eine indische Dichtung. / Seite 104

8 H. Hesse - Siddhartha, eine indische Dichtung. / Seite 78

9 H. Hesse - Siddhartha, eine indische Dichtung. / Seite 113

10 siehe Titelblatt „Reincarnation 2001“

11 siehe „Stern“ 19.12.2001

8 von 8 Seiten

Details

Titel
Hesse, Herrman - Siddhartha - Bedeutung Siddharthas in der heutigen Welt
Note
1-
Autor
Jahr
2002
Seiten
8
Katalognummer
V106297
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Siddhartha Hesse Herrman Indien Buddha
Arbeit zitieren
Ford Prefect (Autor), 2002, Hesse, Herrman - Siddhartha - Bedeutung Siddharthas in der heutigen Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106297

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