Storm, Theodor - Der Schimmelreiter


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

16 Seiten, Note: 12 Punkte


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Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Über den Autor
1. Familie und Lebenslauf
2. Seine Werke
3. Epoche und Strömungen

III. Über das Buch
1. Inhaltsangabe
- Äußere Handlung
- Mittlere Handlung
- Innere Handlung
2. Interpretation und Analyse
- Zeit und Ort
- Personen
- Perspektive
- Sprache
- Aussage und Absicht
3. Leserwirkung/Eigene Meinung:

IV. Quellen

V. Anhang
1. Folie

I. Einleitung:

Dieses Referat behandelt die Novelle von Theodor Storm „Der Schimmelreiter“. In seinem letzen Buch, dass er 1888 schrieb, erzählt Storm von einem mysteriösen Geisterreiter, der Küstenlandschaft Frieslands und dem Aberglauben. Er versucht den Leser selbst über Fiktion und Realität entscheiden zu lassen.

II. Über den Autor:

1. Familie und Lebenslauf:

Theodor Storm (sein voller Name lautet: Hans Theodor Woldsen Storm) wurde am 14.07.1817 in Husum geboren. Er wuchs in guten Verhältnissen auf und genoss ein liberale Erziehung. Durch die Geschichten seiner Großmutter entwickelte er früh eine Begeisterung für die Fantasiewelt der Sagen und Märchen. Er liebte die Landschaft Husums, bzw. die Küste und fühlte sich auch später immer wieder in die Heimat gezogen.

Während Schule, Studium und Ausbildung blieb er überwiegend im norddeutschen Raum. Nach erfolgreicher Ausbildung war er Jurist. In seinem Leben heiratete Storm insgesamt zweimal.

Theodor Storm war nie gehemmt seine Meinung zu Vertreten, so übte er mit seinem Zeitgenossen Fontane ständigen Kritikwechsel.

Außerdem interessierte sich Storm für die politischen Ereignisse seiner Zeit. Er lebte zu Zeiten Bismarcks, die Zeit der Großmächte Preußen und Österreich. „Sein“ Husum befand sich jedoch -bei seiner Geburt- im dänischen Besitz. Doch fühlte sich Storm nie als Däne, er wollte ein unabhängiges und freies Land und wehrte sich gegen die dänische Herrschaft. Dieses ging soweit, dass ihm 1852 sogar das Recht entzogen wurde seinen Beruf auszuüben. Also ging er ein Jahr später als Kreisrichter nach Potsdam (...in Preußen). 1856 wurde er -auch als Kreisrichter- in Heilligenstadt angestellt. Nach dem Einmarsch der beiden deutschen Mächte in Schleswig, 1864, bei dem Husum einer gemeinsamen Verwaltung von Preußen und Österreich unterstellt wurde, wurde Storm von der Bevölkerung spontan zum Landvogt gewählt. Diese Amt nahm er an und kehrte nach Husum zurück. Doch auch mit jener Situation war er nicht zufrieden.

Schleswig war nicht frei, sondern wurde von den Preußen regiert. Storm war der Meinung, dass die Preußen für Schleswig auch nicht besser als die Dänen waren. Als er um die 63 Jahre alt war, zog Storm nach Hademarschen in Holstein. Von da an äußerte er sich nur noch selten zu politischen Ereignissen, was nicht heißen soll, dass er sie nicht mehr wahrnahm, in vielen seiner späteren Novellen sind die Probleme der Zeit eingeflossen. 1886 erkrankte Storm schwer an einer Rippen- und Nierenentzündung.

Zwischen 1885 bis kurz vor seinem Tod war Storm mit dem „Schimmelreiter“ beschäftigt (Æseine Werke). Am 4.7.1888 starb Storm im Alter von 71 Jahren und wurde ein paar Tage später auf einem Friedhof in Husum beigesetzt. Allerdings ohne Priester, denn da er nie sonderlich religiös war, hatte er dies festgelegt.

2. Seine Werke:

Nicht nur die politische Situation war Thema seiner Werke, oft befasste er sich auch mit der Liebe oder einfach nur mit seiner geliebten Heimat und Natur. Natürlich verband er auch einiges untereinander. Der Inhalt und Stil seiner Werke ist immer auf Storms jeweiligen Gemütszustand (Storm sah sich als Vertreter der Stimmungslyrik) zurückzuführen.

Theodor Storms erste Werke waren fast ausschließlich Gedichte, er war ein berühmter Lyriker. Sein wohl berühmtestes Gedicht ist „Die Stadt“ über seine Heimatstadt Husum. Doch mit der Zeit begann er Novellen zu schreiben und um 1870 herum schrieb er kaum noch Gedichte, sondern widmete sich fast vollständig der Novellistik. Hier ist zwar der Schimmelreiter wohl sein Werk, doch nennerwert sind auch andere Novellen z.B. „Immensee“. Storms Definition einer Novelle deckte sich nicht immer mit denen der einiger anderer Zeitgenossen. Storm blieb fast immer dabei ein Menschenschicksal und Alltagssituationen zu beschreiben. Oft baute Storm, so auch im Schimmelreiter, seine Novellen finster auf. Dies ist wahrscheinlich auch auf Storms Gemütszustand zurückzuführen. Bereits 1885 hatte Storm den Entschluss gefasst eine Novelle zu schreiben, die sich mit einer Deichsage beschäftigt. Gegen Februar/März 1888 schaffte er es dann doch sein Werk zu beenden.

[ genaues Datum ist nicht nennbar, da er zu viele Korrekturen und Verzögerungen hatte. ]

3. Epoche und Strömungen:

Theodor Storm schrieb sein letztes Werk, den „Schimmelreiter“ eindeutig in der Epoche und unter den Einflüssen des Realismus. Auch wenn er sich in der Haupthandlung (ÆTextinterpretation) mit der Aufklärung befasst. Die Zeit des literarischen Realismus kann man grob auf 1830 bis 1880 festlegen. In Deutschland kam er allerdings erst ab ca. 1848 zur Entfaltung. Die realistische Anschauung wirkte natürlich bei einigen Autoren über dieses Zeit hinaus (Storm z.B. beendete sein -realistisches- Werk erst 1888). Der Realismus war in Frankreich und Deutschland besonders ausgeprägt. Es war die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland, der durch die Zahlungen Frankreichs ausgelöst wurde und durch die Gründung de Deutschen Reiches.

Die Realisten hatten das Anliegen, etwas möglichst nüchtern, objektiv und „realitätsnahe“ zu vermitteln. Sie waren gegen die Romantik und Klassik und die damit verbundene Phantasie. Der Autor wollte jeglichen Einfluss seiner persönlichen Gefühle und Meinung in das Werk vermeiden. Um dem Leser so selbst zu überlassen sich ein Urteil zu bilden. So kommt es auch, dass viele ihrer Geschichten auf dem Land spielen und von der Mittel-, wenn nicht sogar Unterschicht handeln. Vom Kaufmann bis zum Bauern. Jedoch fast nie von einem König oder ähnlichen. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass die meisten Autoren im adeligen Leben keine Erfahrung hatte und sich nicht imstande sahen, dieses realistisch zu vermitteln. So kam eben jene „Heimatliteratur“ auf, welche auch Storm kreierte.

Typisch für den Realismus ist auch die Rahmentechnik, welcher sich auch Storm im „Schimmelreiter“ bedient (Æsiehe Textinterpretation). Auch Storms verwendete Prosa, die Novelle, hat im Realismus ihren Höhepunkt. Häufig sind auch noch Romane, wenige Dramen sind im Realismus geschrieben. Wie später noch hervorgehoben wird, hat Storm sein Buch absolut im realistischen Stil geschrieben. „Der Schimmelreiter“ zählt sogar zu den großen Werken der Epoche.

Durch die verschiedenen Handlungsebenen (Æsiehe Textinterpretation) kommt es zu aufklärerischen Ansätzen.

Also wird jetzt hier noch einmal kurz die Epoche der Aufklärung erläutert: Die Zeit der Aufklärung war das 17te und 18te Jahrhundert, genau die Zeit in der Storms Novelle spielen soll. Es war die Zeit , zu der der Feudalismus und der Absolutismus überwunden wurden. Obwohl sie in Deutschland nicht so ausgeprägt war wie in England und Frankreich, werden im Buch doch verhältnismäßig viele „Aufgeklärte“ erwähnt. Die Aufklärung verlangte, dass die Leute alle ihre alten Ansichten ablegten und ihre Einstellung neu -mit ihrem eigenen Geist- überdenken sollen und nur das glauben und finden, was sie selbst für richtig halten. Auch in der Form stellte die Aufklärung auch Forderungen an die Kreativen, alles sollte vernünftig (logisch?) und verständlich sein. Auf gar keinen Fall so überladen und geschwollen wie z.B. in der späteren Romantik.

III. Über das Buch

1. Inhaltsangabe:

Storm hat seiner Novelle drei Handlungseben verliehen, man spricht von einer Rahmenhandlung und einer Binnenhandlung. Da es aber drei Ebenen sind und um nicht den Überblick zu verlieren, werde ich sie fortan äußere, mittlere und innere Handlung nennen. In der Fachsprache würde man von erster und zweiter Rahmenhandlung sprechen und von der Binnenhandlung. Der Einfachheit halber werde ich alle drei Ebenen hintereinander wiedergeben.

-Äußere Handlung

Ein unbekannter Erzähler erinnert sich an einen Text, den er vor „...rund einem halben Jahrhundert“ bei seiner Großmutter gelesen haben will. Er gibt den Text des Artikels wörtlich wieder. Dieser ist auch gleichzeitig die mittlere Handlung.

-Mittlere Handlung

Diese wird ebenfalls von einem unbekannten Erzähler wiedergegeben, es handelt sich um jemanden, der, „...im dritten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts“, in einer stürmischen Nacht auf einem Deich unterwegs in die Stadt ist, um Geschäfte zu tätigen. In der Nach begegnet er einer Gestalt auf einem weißen Pferd und reitet an ihm vorbei. Weder Pferd noch Reiter erzeugen ein Geräusch. Kurze Zeit später überholt ihn der mysteriöse Reiter von hinten, wieder geräuschlos. Etwas weiter gelangt er an ein Gasthaus, in dem er ein Nachtlager und Zuflucht vor dem Sturm sucht. In der Wirtsstube sitzen die Deichgevollmächtigten des Abschnitts, um bei einem eventuellen Deichbruch bereit zu sein. Er erzählt von seiner Begegnung und man schickt ihn zum „aufgeklärten“ Schulmeister, welcher auch unter den Anwesenden ist. Dieser beginnt eine Geschichte von einem großen Deichgrafen zu erzählen, der „...in der Mitte des vorigen Jahrhunderts“ gelebt haben soll. Diese Geschichte ist die innere Handlung. Mehrere Male unterbricht er seine Erzählung um ein paar Zusatzinformationen zu liefern. Während des Erzählens, machen Zuhörer und Erzähler eine kurze Pause und wechselnd den Raum, sie gehen ins Zimmer des Schulmeisters.

Nach der Geschichte, auf dem Weg in sein Zimmer, trifft der Erzähler der mittleren Handlung den Deichgrafen auf dem Flur, er berichtet ihm, dass es auf der anderen Seite einen Deichbruch gegeben haben soll. Beide nehmen dies ziemlich gelassen.

-Innere Handlung:

Hier werde ich nun die Geschichte des Protagonisten Hauke Haiens wiedergeben, wie sie der Schulmeister erzählt hat, ohne seine Einschnitte:

Hauke lebt allein mit seinem Vater Tede Haien. Dem Vater gehört ein bisschen Land und Hauke lebt eine normale Jugend. Früh sondert er sich selber von seinen Altergenossen ab und zieht es vor, stundenlang am Deich zu sitzen, er ist eine rechte Leseratte und somit schon früh wesentlich gebildeter als seine Klassenkameraden. Eine besondere Begabung entwickelt er in der Mathematik. Das ist auch der Grund für die -frühe- Idee von einem neuen Deichprofil. Nachdem er aus Wut den Kater der alten Trin Jans (das letzte Erinnerungsstück an ihren ertrunken Sohn) umgebracht hat, ist sein Vater der Meinung, es wäre der Zeit, eigenes Geld zu verdienen. Mit 19 Jahren beginnt Hauke als Kleinknecht beim Deichgrafen Tede Volkerts. Das Leben auf dem Hof des Grafen verändert einiges in Haukes Leben:

Der Graf wird schon bald auf Haukes mathematische Fähigkeiten aufmerksam und zieht ihn immer öfter von der Knochenarbeit ab um ihn als Unterstützung für seine Rechenarbeiten zu haben. Das Verhältnis zwischen Graf und Knecht wird besser und besser und schon bald ist Hauke in der Lage, den Grafen auf die eine oder andere Änderung oder Verbesserung hinzuweisen. Der etwas unqualifizierte Deichgraf befolgt Haukes Ratschläge gerne, zumal er nach außen hin immer noch das Lob der höher Gestellten bekommt. Doch im Dorf ist schon längst klar, dass Hauke der Fadenzieher auf dem Hof ist. Doch bis auf die Leute, die dank Hauke auf das Erfüllen ihrer Pflichten aufmerksam gemacht werden, stört das niemanden. Teilweise ist die Reaktion sogar gegenteilig. Beim Großknecht Ole Peters gerät Hauke an einen Widersacher. Zuerst missfällt es Ole „nur“, dass er eine Arbeitskraft verliert, wenn Hauke sich beim Deichgrafen aufhält. Später, als Hauke einflussreicher wird, ist es Zorn über seine Aktivitäten und Neid. Hinzu kommt noch etwas, beide begehren die selbe Frau, Elke Volkerts die Tochter des Deichgrafen. Doch haben Hauke und Elke durch Elkes Vater viel mehr Kontakt.

Später gelingt es Hauke, Ole auszustechen und Elke endgültig für sich zu gewinnen. Kurz nach dem Tod seines Vaters, verloben sich Hauke und Elke.

Nach dem Tod von Elkes Vater, so versprechen sie es sich, wollen sie heiraten. Dieser Fall tritt nur allzu schnell ein. Der Deichgraf ist tot und ein Neuer muss bestimmt werden, normalerweise ist es der Mann im Dorf mit dem meisten Grundbesitz. Doch diesmal soll es Hauke sein. Sein Vater hat ihm zwar etwas Land vererbt, doch das allein reicht nicht. Also gibt Elke die Hochzeitspläne bekannt und mit dem Besitz des toten Deichgrafen ist Hauke unumstritten Deichgraf. Er nimmt sein Amt ernst und verändert viel, vor allen Dingen sorgt er dafür, dass jeder seinen Teil leistet.

Lange hat er über einen neuen Deich -nach seinem Entwurf- nachgedacht, nun ist die Entscheidung gefallen. Jeder in der Gemeinde muss einen Teil der Kosten tragen, doch dank eines alten Freundes und überzeugenden Argumenten kann Hauke seinen Plan durchsetzen. Jedoch steht ihm die sowieso skeptische Dorfbevölkerung nicht positiver gegenüber als vorher.

Kurz nach Beginn der Deichbauarbeiten, wird ein Pferd auf einer im Watt liegenden Insel gesehen, wo sonst nur ein Pferdegerippe gelegen hat. Als ein paar Tage darauf Hauke einen Schimmel von einem Zigeuner kauft, schließt man im Dorf sofort auf einen Pakt mit dem Teufel(spferd). Zumal es nach kurzer Zeit auch noch richtig zugeritten ist und bemerkenswert hohe Geschwindigkeiten erreicht. Einige Zeit später wird Haukes einige Tochter Wienke geboren. Das Kind schwachsinnig ist. Hauke bemerkt dieses zuerst nicht, doch selbst nachdem er sich dessen bewusst ist, ist er ein liebevoller Vater und akzeptiert seine Tochter voll und ganz.

Kurz nach Wienkes Geburt ist Elke schwer krank, in einer verzweifelten Stunde, in der Elke dem Tod sehr Nahe ist, betet Hauke ein folgenschweres Gebet, in dem er -mehr unbewusst als gewollt- die Allmächtigkeit Gottes anzweifelt. Doch das macht im Dorf schnell die Runde und so sind noch mehr Menschen davon überzeugt, dass Hauke mit dem Teufel paktiert.

Dann verhindert er auch noch den, von allen anerkannten Brauch, etwas Lebendiges im Deich zu begraben, nämlich einen kleinen Hund. Er rettet das Tier und gibt es seiner Tochter. Danach beginnt die Front unter der Führung von Ole Peters gegen den Deichgrafen immer härter zu werden. Nach Beendigung der Deicharbeiten steht Hauke ein großer Teil der neu eingedeichten Fläche zu, viele nehmen ihm auch das übel, denn man könnte meinen, der neue Deich ist nicht zur Sicherheit aller, sonder zu Haukes Eigennutz gebaut worden. Doch gibt es auch Annerkennung unter den Dorfbewohnern und so wird der neue Deich im Volksmund, mit Bewunderung, „Hauke-Haien Deich“ genannt. Zu der Alten, deren Kater er vor Jahren getötet hatte, hat Hauke die meiste Zeit eine gute, teilweise sogar warme Beziehung. In ihren letzten Jahren lebt sie sogar auf seinem Hof und ist für Wienke so etwas wie eine Großmutter. Einmal stellt Hauke eine Beschädigung am Deich fest, dort wo der neue und der alte Deich aufeinander treffen. Doch sieht es am nächsten Morgen für ihn nicht mehr so schlimm aus, nach einer schweren Krankheit ist er auch noch geschwächt und nicht stark genug wieder mit den Gevollmächtigten zu diskutieren, deshalb nimmt er es nicht so ernst und lässt den Deich nur notdürftig reparieren.

Vor längerer Zeit, hat sich Wienke bei einem Ausritt vor dem Wasser gefürchtet. Nun stirbt die Alte und hinterlässt mit ihren letzten Worten ein Rätsel. Sie sagt, dass Gott „den anderen“ gnaden möge.

Es gibt noch mehr abergläubische Ankündigungen und tatsächlich im Oktober kommt die große Sturmflut. Hauke reitet auf seinem Schimmel zum Deich, um alles zu begutachten. Auf seinem Weg dorthin trampelt er eines von Wienkes Haustieren tot, die Möwe Claus, welche früher der Alten gehört hat. Das der Deich an der schon früher beschädigten Stelle zu brechen droht, hat Ole Peters kurzerhand befohlen, den neuen Deich einzustechen, um das Wasser in unbewohntes Land fließen zu lassen. Als Hauke davon erfährt, fühlt er sich in seiner Autorität untergraben und befiehlt die Arbeiten zu stoppen. Dann reitet er zur gefährdeten Stelle, dort findet er bereits einen Bruch vor. In der Ferne sieht er Elke , Wienke und ihr zweites Haustier, den geretteten Hund, in einer Art Kutsche auf sich zukommen, sie haben sich offensichtlich Sorgen gemacht. Hauke muss hilflos mit ansehen wie seine gesamte Familie stirbt. Mit der Bitte an Gott, er möge ihn nehmen und „die anderen“ verschonen reitet er mit dem Schimmel in den Deichbruch.

2. Interpretation und Analyse

- Zeit und Ort:

In keiner Handlungsebene wird eine genaue Jahreszahl erwähnt, aber es werden genug Zeitangaben gemacht, um einen relativ genauen Zeitpunkt für die Geschichte Hauke Haiens zu bestimmen. So behauptet der Erzähler der äußeren Handlung, seine Geschichte „...vor einem halben Jahrhundert“ (Seite 379) gelesen zu haben. Der in der Geschichte beschriebene zweite Erzähler, der Erzähler der mittleren Handlung, behauptet „...im dritten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts“ (Seite 380) geritten zu sein. Der in seiner Erzählung auftauchende Schulmeister erzählt das Schicksal des Hauke Haiens der „...in der Mitte des letzten Jahrhunderts“ (Seite 383) Deichgraf gewesen sein soll. Wenn man jetzt davon ausgeht, dass der erste Erzähler ungefähr zu der Zeit gelebt hat, in der die Novelle entstanden ist, so kommt man für die innere Handlung auf einen ungefähren Zeitraum zwischen 1720 bis 1760.

Auch zum Ort der Handlung gibt Storm keine genauen Angaben, einem Freund schrieb er einmal, die Novelle spiele irgendwo hinter den Deichen der nordfriesischen Marsch. (Sekundär Literatur: Gerd Winreich). Aber auch ohne Storms Äußerungen ist klar, dass es sich auf jeden Fall um die Nordseeküste handelt, denn in der Novelle wird vom holländischen Einfluss gesprochen, von Ebbe und Flut und von typischen friesischen Bräuchen. Trotzdem kann man sich aus den Angaben der Novelle eine grobe Situation formen, wie sie auf der Karte zu sehen ist (siehe Anlage).

Wenn man davon ausgeht, dass der zweite Erzähler in das eingezeichnete Wirtshaus geht. Somit ist die auf der Karte eingezeichnete Landschaft Schauplatz der mittleren und inneren Handlung. Die äußere Handlung hat übrigens überhaupt keine Ortsangaben, man erfährt nicht einmal ob der Erzähler sitzt oder steht, reist oder daheim ist. Laut meiner Sekundärliteratur gibt es genug Anspielungen, die beweisen, dass es sich bei der vom zweiter Erzähler aufzusuchenden Stadt um Husum handelt. Für einen Laien ist dieser Fakt jedoch auf keinen Fall erkennbar.

-Personen:

Zu Personen in der äußeren Handlung gibt es nicht viel zu sagen schließlich gibt es ja nur eine und auch die wird nicht weiter beschrieben, es liegt nu eine Vermutung nahe, spiegelt sich in der Einleitung wirklich Storms Kindheit wieder, er liebte es, bei seiner Großmutter zu sein.

In der mittleren Handlung sind die beiden Hauptpersonen, der („...Geschäfte tätigen wollende..:“) Mann (der zweite Erzähler) und der Schulmeister. Der Schulmeister ist der dritte Erzähler und somit Erzähler der inneren Handlung. Der „Zuhörer“, gibt nicht seine Meinung zu der -unglaublichen- Geschichte ab, er scheint sie dennoch rational zu bewerten, denn als er vom Deichbruch erfährt bleibt er ruhig, weder Angst noch Bestätigung sind zu bemerken. Der Schulmeister wird von den Anwesenden als „aufgeklärt“ bezeichnet. Er ist ein alter weiser Mann und versucht die Geschichte so „aufklärerisch“ wie möglich zu erzählen. Jedoch muss er vorher einräumen, dass er sie nicht ganz ohne Aberglauben erzählen kann. Dieses zeigt, dass er selbigen nicht unbedingt unterstützt. In diesem Zusammenhang erachtet er den Aberglauben aber als notwenig. Selten kommentiert er Hauke, seine Taten oder die Vorkommnisse. Er möchte seinen Hörer selbst entscheiden lassen was fiktiv oder real ist, was richtig oder falsch, gut oder schlecht Eine richtige Charakterisierung Storms Personen kann man eigentlich nur an denen der inneren Handlung vornehmen, denn nur sie sind intensiver beschrieben.

Der Protagonist der Geschichte ist natürlich Hauke Haien. Äußerlich wird er als „...lange Friesengestalt mit klugen grauen Augen neben der hageren Nase und zwei Schädelwölbungen drüber“ beschrieben.

Schon früh sondert er sich von den anderen ab, es ist seine freie Entscheidung. Er wird zum Außenseiter, dadurch, dass die Interessen und Einstellungen der anderen nicht teilt. Zum Beispiel spielt er als Kind nicht mir den anderen. Auch als Erwachsener beteiligt er sich nicht richtig am Leben im Dorf, er besucht z.B. so gut wie nie den Stammtisch und teilt auch nicht die abergläubischen Einstellungen seiner Mitmenschen. Er ist zwar fasziniert vom Meer, glaubt jedoch nicht an irgendwelche Spukgeschichten. Die Isolation macht ihn zwar hart und etwas unnahbar doch bewusst und offen trauert er der Einsamkeit wegen eigentlich kaum. Elke gibt ihm genug, bzw. alle, Kraft die er braucht. Nur sie ist ihm lebenswichtig: „...bleib bei mir treue Elke“. Haukes typische Charakterzüge sind Ruhe, Rationalität und Hartnäckigkeit, Ehrgeiz, aber auch Stolz und das Bedürfnis bestätigt und anerkannt zu werden. Die Äußerung Wienkes, er (Hauke) könne doch alles und auch die Bezeichnung „Hauke-Haien Deich“ machen ihn sicherlich manchmal überheblich, mit Sicherheit jedoch nicht am Schluss.

Als sein Gegner Ole Peters „seinen“ Deich durchstechen lassen will, trifft ihn das zunächst tief und er reagiert sofort ...und zwar falsch.

Eigentlich untypisch für ihn, denn er ist intelligent genug um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Hier zeigt sich aber, dass -auch- er von Emotionen stark beeinflusst werden kann. Sein Selbstmord ist wiederum vorhersehbar und auf gewisse Art und Weise logisch, er ist verzweifelt, weil er ohne seine Familie nicht leben kann. Hinzu kommt, dass selbst die Arbeiter am Deich gesagt, dass er Schuld am Bruch sei. Somit denke ich dass er werden den Verlust der Familie noch die Schuldgefühle überstehen hätte können.

Es kommen viele Personen in der Novelle vor, jede von ihnen erfüllt eine entscheidende Rolle, was auch auf die Kompaktheit der Geschichte hinweist. Genauer betrachten werde ich allerdings „nur“ noch Haukes Frau, Elke und seinen Widersacher Ole Peters:

Elke erfüllt in der Novelle viel mehr als den typischen Frauen-Teil, sie ist intelligenter und selbständiger als die meisten Frauen im Dorf . Sie versucht ihren Mann vor Attacken zu schützen und sein Umfeld für ihn zu beruhigen.

Zum Bespiel, als sie die Dirnen anherrscht nicht über Aberglaube in der Gegenwart ihres Mannes zu sprechen. Sie ist eine starke Frau und belastet Hauke weniger mit Problemen, als er sie mit seinen. So spricht sie es zum Beispiel nicht aus, dass ihr Kind schwachsinnig ist, sondern lässt es Hauke selber merken.

Ole Peters wird von Storm eindeutig als direkter Gegner Haukes gestaltet.

Zuerst ist er ein wenig sauer und neidisch auf Hauke, wegen Haukes schnellen Aufstiegs auf dem Hof des Deichgrafen. Später zieht Ole Peters mit seiner „neuen“ Frau auf ein eigenes Gut. Als Hauke Deichgraf wird, ist der materiellen Unterschied zwischen den beiden enorm, obwohl Ole anscheinend genug Land hat um Gevollmächtigter zu sein. Die geistige Differenz definiert Storm ganz klar, von einigen Leute im Dorf wird Ole sogar als dumm bezeichnet. Dies ist er sicherlich nicht, denn er schafft es immer wieder breite Zustimmung für seine Argumente gegen Hauke zu finden. Doch macht Storm klar, dass Ole immer der Unterlegene ist. Viel ausgeprägter lässt er sich von seinen Gefühlen leiten. Er ist ein „schlechter Verlierer“, ob nun beim Eisbosseln oder auch im Streit ums Recht. Diese ständige Niederlagen regen ihn natürlich immer mehr auf. Also versucht er Hauke immer wieder zu „bekämpfen“. Wäre die Feindschaft der beiden nicht so groß und hätte ein bisschen Vertrauen geherrscht, hätte Hauke vielleicht nicht den Deichdurchstich verhindert und die Katastrophe wäre vielleicht so nicht passiert.

-Perspektive:

Die beiden ersten Erzähler, erzählen ihre Geschichte als Ich-Erzähler. Nur der Schulmeister, der die innere Handlung erzählt, betätigt sich als Er-Erzähler. Er erzählt ja auch nicht, wie die anderen beiden, von sich. Alle Erzählungen sind in der Vergangenheit geschrieben, denn jeder Erzähler erinnert sich an etwas „Früheres/Vergangenes“.

-Sprache:

Das Lesen des „Schimmelreiter“ bereitete mir eigentlich keine großen Probleme, so gut wie nie musste ich eine Stelle aufgrund unklarer Formulierung noch einmal lesen. Die von Storm verwendet ist zeitgemäß. Außerdem schreibt er auch nicht in Reimen oder Ähnlichem.

Die wörtliche Rede wird deutlich gekennzeichnet. Storm bedient sich zwar einiger Metaphern, aber auch die machen den Text nicht schwerer verständlich. Das einzig Auffallende sind die relativ vielen Dialektwörter, fremd für Leser aus einer anderen Zeit und Region. Storm versuchte nach der Erstausgabe dem entgegen zu wirken, indem er eine Wörtererklärung für „Binnenländische Leser“ vorwegnahm. Doch bleiben immer noch einige Begriffe, die mir nicht geläufig sind. In meiner Sekundärliteratur wurde betont, dass Storm sehr oft die Fügungen: „als wie“ und „als ob“ benutzt, bewusst wäre mir das allerdings nicht aufgefallen, da das Verständnis des Textes dadurch auch nicht beeinträchtigt wird.

-Aussageabsicht:

Storm behandelt ausführlich den Aberglauben der Menschen und beschreibt auch einige unglaubwürdige Ereignisse.

Der beschriebene Aberglaube wird zum Beispiel dadurch deutlich gemacht, dass nach dem Erscheinen des „Geisterpferdes“ im Watt und Haukes neuem Schimmel, von den Menschen sofort eine Verbindung zwischen den beiden Vorfällen und eine Verbindung mit dem Teufel vermutet wird. Die Menschen glauben außerdem, dass der neue Deich nur optimal hält, wenn etwas lebendiges in ihm ist, früher hat man -angeblich- Kinder von Zigeunern vergraben, zu Haukes Zeiten wollen sich die Arbeiter „nur“ mit einem Hund zufrieden geben. Dies alles wird von Storm auch als Aberglaube bezeichnet und durch das Handeln von Hauke -mehr als- untergraben, doch die späteren Erscheinungen Haukes, als warnender Schimmelreiter, werden mit kaum einem Wort bezweifelt, obwohl sie um so unglaubwürdiger sind. Hier wird ganz deutlich, dass Storm zwei krasse Gegensätze erschaffen hat und den Leser dazu „zwingt“ über Fiktion und Realität selbst zu entscheiden. Und genau das ist wahrscheinlich sein Ziel.

Das „...Erzählen einer Deichsaga“ war sein Wunsch und ist Storm auch wunderbar gelungen, die Natur trägt einen großen Teil zur Handlung bei, denn schließlich ist das Meer als ständige Bedrohung ein zentrales Thema der Novelle. Obwohl der „neue“ Deich ja noch über 100 Jahre (...Schulmeister) gehalten haben soll, hat Hauke die schweren Beschädigungen am alten Deich nicht richtig erkannt. Vielleicht möchte Storm damit ausdrücken, dass der Mensch immer Fehler macht und nie ganz Herr über die Natur sein wird.

3. Leserwirkung/Eigene Meinung:

Nach dem Lesen hatte ich, ehrlich gesagt, nicht den Eindruck einen „Klassiker“ gelesen zu haben. Ich würde es eigentlich als einfache, zeitgenössische Unterhaltung einordnen. Nachdem ich mich allerdings intensiver mit dem Buch befasst habe und auch diverse Aspekte interpretieren kann, muss ich meiner Analyse zustimmen, dass es dem Leser wirklich nicht auffällt, dass Realität und Fiktion ineinander übergehen. Da ich aber auch weiß, dass Storm sehr gheimat- und naturverbunden war und es bereits vor dem Erscheinen des Buches eine ähnliche Sage gab, möchte ich ausschließen, dass in dem Buch andere, zum Beispiel politische Motivationen stecken. Somit glaube ich, dass dieses Buch hauptsächlich zur Unterhaltung geschrieben wurde.

Bücher wie dieser „Klassiker“ sprechen den normalen Jugendlichen kaum an, ich persönlich würde ein solches Buch nicht freiwillig, bzw. ohne besondere Empfehlung, lesen.

IV. Quellen:

Original:

Theodor Storm

Von Meer und Heide Sammlung ISBN: steht nicht drauf/drin

Sekundär:

Gerd Winreich

Theodor Strom - Der Schimmelreiter Grundlagen und Gedanken zum Verständnis erzählender Literatur ISBN: 3-425-06045-7

Regina Fasold

Theodor Storm Sammlung Metzler ISBN: 3-476-10304-8

Regina Fsaold

Theodor Storm Bibliographie ISBN: 3-323-00196-6

Martin Swales

Epochenbuch Realismus Romane und Erzählungen ISBN: 3-503-03754-3

Klaus Hildebrandt

Oldenbourg Interpretationen Theodor Storm : Der Schimmelreiter ISBN: 3-486-88641-X

Paul Barz

Der wahre Schimmelreiter Geschichte einer Landschaft und ihres Dichters Theodor Storm ISBN: 3-921909-56-2

Internet:

http://www.xlibris.de

http://www.gutenberg.aol.de

http://www.bboxbbs.ch/home/gymer/daten/deutsch/sto-schi.htm

http://www.flensburg-online.com/shwww/sh-theodor-storm.html

http://www.bernhardkeller.de/Projekte/projekte.html

16 von 16 Seiten

Details

Titel
Storm, Theodor - Der Schimmelreiter
Note
12 Punkte
Autor
Jahr
2000
Seiten
16
Katalognummer
V106306
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein Referat über die Novelle von Theodor Storms Schimmelreiter
Schlagworte
Theodor Storm Der Schimmelreiter
Arbeit zitieren
Björn Franke (Autor), 2000, Storm, Theodor - Der Schimmelreiter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106306

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