Die Aufwertung der Hexen in der feministischen Kinder- und Jugendliteratur


Term Paper (Advanced seminar), 2001
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Gliederung

1 Einleitung

2 Das Phantastische in der Kinder- und Jugendliteratur

3 Das feministische Kinder- und Jugendbuch

4 Hexen
4.1 Hexen in Volksglauben und -literatur
4.2 Hexen in der Kinder- und Jugendliteratur
4.2.1 Überblick über die geschichtliche Entwicklung
4.2.2 Hexen in der modernen Kinder- und Jugendliteratur
4.2.2.1 Böse Hexen
4.2.2.2 Hexen in nicht-phantastischen Büchern
4.2.2.3 Einzelne Hexen und Hexenkinder in der realen Welt
4.2.2.4 Hexenfamilien und -gemeinschaften in der realen Welt
4.2.2.5 Die Welt der Hexen und Zauberer

5 Die Macht der Hexe in der Kinder- und Jugendliteratur - ein Ausblick

6 Bibliographie

Die Aufwertung der Hexengestalt in der feministischen Kinder- und Jugendliteratur

1 Einleitung

Seit den Anfängen der Kinder- und Jugendliteratur waren Kinder- und Jugendbücher darauf ausgerichtet, ihre Leser zu erziehen und ihnen bestimmte Moralvorstellungen zu vermitteln. Mit der Zeit änderten sich die Kindheitsvorstellungen und damit auch die pädagogischen Inhalte, die den Kindern beigebracht werden sollten. Gleichbleibend war aber bis in das letzte Jahrhundert hinein die starke Rollenfestlegung der Geschlechter in der Gesellschaft und somit auch die Fixierung in der pädagogischen Literatur. Diese sollte die Kinder auf ihr Erwachsenenleben vorbereiten und sie spielerisch mit ihren Rollen vertraut machen. Mit leichten Abweichungen oder Abschwächungen je nach Epoche und Jahrhundert, bedeutete dies auf die Geschlechterrollen bezogen folgendes: Die Jungen sollten forsch, abenteuerlustig, mutig und verantwortungsvoll auftreten und auf den aktiven Part des Lebens vorbereitet werden. Die Mädchen auf der anderen Seite sollten tugendhaft und sittsam im Hinblick auf die passive Rolle, die sie spielen würden, erzogen werden. Im Mittelpunkt stand die Vorbereitung auf das häusliche Leben und auf die Führung des Haushalts. Im 19. Jahrhundert kam diese Unterscheidung in den Kinder- und Jugendbüchern besonders stark zum Ausdruck. Auf der einen Seite stand die Abenteuerliteratur für Jungen (James Cooper, Karl May...) und auf der anderen die Backfischliteratur für Mädchen (Emmy von Rhoden, Clementine Helm: Backfischchens Leiden und Freuden...).

Nach einem kurzen Aufflackern von Ausbruchsversuchen aus diesem Schema Anfang des 20. Jahrhunderts (z.B. Pünktchen und Anton von Erich Kästner) fiel die Kinder- und Jugendliteratur bald in die gewohnten Schemata zurück. Der Nationalsozialismus verhärtete die Fronten wieder, und nach dem zweiten Weltkrieg vereitelte das Bedürfnis nach Ruhe und Harmonie zunächst eine Beschäftigung mit dem Thema Geschlechterrollen. Erst mit der Studentenrevolte und der feministischen Bewegung änderte sich die Konzeption vom Rollenverhalten der Geschlechter auch in den Kinder- und Jugendbüchern. Auffällig ist, dass sich die Änderungen besonders auf die Mädchen beziehen. Ob dies daran liegt, dass Mädchen mehr lesen als Jungen und die meisten Bücher an Mädchen gerichtet sind, oder dass die feministische Bewegung von Frauen ausging, die auf ihre Rechte pochten und diese v.a. an Mädchen weiter geben wollten, sei dahingestellt. Zu Beginn, also in den 60er/70er Jahren wurden einfach die Rollen getauscht, nach dem Motto „starke Mädchen, schwache Jungen“, wobei die schwachen Jungen meistens stärkere Probleme mit ihrem sozialen Umfeld hatten und ihnen genauso wenig Respekt entgegen gebracht wurde wie den schwachen Mädchen (vgl. Das war Harry von Klaus Kordon). Der Trend geht insbesondere seit den 90er Jahren hin zu einer Individualisierung der Kinder in der Kinder- und Jugendliteratur. Den Kindern wird das Recht auf ihren eigenen Geschmack zugeschrieben, egal, ob sie Mädchen oder Junge sind, und meist lassen ihre Handlungsweisen nicht mal mehr erkennen, welchem Geschlecht sie angehören. Andere Kinderbücher gestehen den Kindern dann doch wieder ein geschlechtsspezifisches Verhalten zu. Dabei gilt oft, dass Mädchen sich eher mit den „typisch männlichen“ Attributen ausstatten, als Jungs mit den „typisch weiblichen“. Mädchen sind in Kinderbüchern auch Räuber oder Indianer, wohingegen Jungen fast nie die Spielzeuge der Mädchen übernehmen.1 Dennoch scheint es den AutorInnen der Kinder- und Jugendbücher wichtig zu sein, besonders die Mädchen zu stärken und ihnen zu ihrem Recht zu verhelfen.

Vielen Mädchen wird in den Büchern eine Person zur Seite gestellt, die sie in ihrer Eigenheit und ihrem Durchsetzungsvermögen unterstützt. Diese Person kann ein/e Freund/in sein, ein Tier oder ein magisches Wesen. Es ist auffallend, wie sehr die Hexe in diesem Zusammenhang aufgewertet worden ist und ein großes Machtpotential für Mädchen darstellt. Die beiden Italienerinnen Adela Turin und Nella Bosnia2 haben z.B. eine programmatische Reihe von Märchen veröffentlicht, die sich „Hexen und Feen auf Seiten der kleinen Mädchen“ nennt.

In der Sekundärliteratur wurde bisher das Thema Hexen in der Kinder- und Jugendliteratur noch nicht ausführlich behandelt. Meist wird nur oberflächlich bemerkt, dass den Hexen in den letzten Jahren mehr Bedeutung zugekommen sei und dass sie eine Wendung zum Positiven gemacht hätten.3 So gibt Sprater einen Überblick über einige im Jahre 1994 erschienene Hexenbücher4 im deutschsprachigen Raum. Vanneste leistet eine vergleichbare Zusammenstellung für den französischsprachigen Raum, wobei sie die Wendung der Hexe zum Guten außer Acht läßt und oberflächlich einige Bücher vorstellt5. In beiden Texten werden Übersetzungen nicht getrennt sondern als Teil der im jeweiligen Sprachraum zugänglichen Kinder- und Jugendliteratur behandelt. Neben diesen allgemein gehaltenen Bücherrezensionen gibt es Einzelanalysen von Kinder- und Jugendliteratur, in der Hexen als Handlungsträgerinnen vorkommen. Allen voran bot Die kleine Hexe von Ottfried Preußler Material zur Untersuchung, wurde aber insbesondere auf ihr aufmüpfiges Potential gegen das Bürgertum hin untersucht.6 Eine Analyse der möglichen feministischen Aspekte des Buches fehlt dabei. Die Hexe als Märchenfigur findet Beachtung in Lexika oder anderen Texten zum Märchen7, steht aber selten im Vordergrund der Betrachtung, wie z.B. bei Catherine Marin, die die Märchen der Madame d’Aulnoy untersucht hat.8 Eine nähere Analyse des Phänomens Hexe in der Kinder- und Jugendliteratur mit einem Eingehen auf den Hintergrund des Hexenglaubens, die Geschichte und den Bezug zum Märchen oder der phantastischen Literatur liegt noch nicht vor. Aus diesem Grund möchte ich Vorüberlegungen zu diesen Themenbereichen machen, kann sie aber im Rahmen dieser Arbeit nur anreißen. Auch den internationalen Charakter der Aufwertung der Hexe werde ich nicht in vollem Maße behandeln. Ich begnüge mich damit, Beispiele aus den verschiedenen Literaturen zu geben.9

Zunächst ist der Begriff des Phantastischen in der Kinderliteratur zu klären, da die Hexe mit ihren übernatürlichen Kräften ein Element ist, das nicht in die realistische Kinder- und Jugendliteratur einzuordnen ist. Im Zusammenhang mit der Fragestellung nach dem feministischen Potential der Hexe werde ich den Begriff des feministischen Kinder- und Jugendbuchs eingrenzen und dann auf die Bedeutung der Hexe im Volksglauben und der Literatur eingehen. Im Anschluss gebe ich einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Hexe in der Kinder- und Jugendliteratur, um dann aktuellere Kinderbücher auf die Hexen als Vertreterinnen des „guten Prinzips“ hin zu untersuchen. Dabei wird das feministische Potential der Hexen im Vordergrund stehen.

2 Das Phantastische in der Kinder- und Jugendliteratur

10 Das Phantastische in der Literatur entsteht vor allem durch inhaltliche Besonderheiten, weniger durch die Sprache oder andere formale Aspekte. Die Forschung geht meist von der theoretischen Grundlage Tzvetan Todorovs aus, der in seiner Einführung in die fantastische Literatur den „Begriff des Fantastischen [...] aus seinem Verhältnis zu den Begriffen des Realen und des Imaginären“11 definiert: „Das Fantastische ist die Unschlüssigkeit, die der Mensch empfindet, der nur die natürlichen Gesetze kennt und sich einem Ereignis gegenübersieht, das den Anschein des Übernatürlichen hat“12. Der Begriff muss jedoch erweitert werden, da in der Literatur - insbesondere in der Kinder- und Jugendliteratur - oft verschiedene Realitäten oder imaginäre Welten gegeneinander gesetzt werden, ohne dass vom Leser Unschlüssigkeit oder Befremden vorausgesetzt wird. Ein Ansatz ist die „Zwei-Welten- Theorie“: In der phantastischen Literatur stößt die alltäglich-realistische Welt auf eine nicht- realistische Welt. Es handelt sich dabei um zwei Wirklichkeiten, die nebeneinander existieren und sich eventuell überschneiden und beeinflussen. Literatur, in der nur eine phantastische Welt existiert, wie in Tolkiens Der kleine Hobbit, findet ihre Gegenwelt in der Instanz des Erzählers und des Autors, welcher der realistischen Welt entstammt und diese durch seine Kommentare, Stellungnahmen oder einfach nur die Perspektive mit einbringt. Gerhard Haas orientiert sich an der Idee des „wilden Denkens“ oder auch „phantastisch, mythisch- vorrationale[n] Denken[s]“13 von Lévi-Strauss. Daraus ergeben sich drei Elemente, welche das Phantastische bestimmen: die innere Logik, sinnlich-komplexe Bilder, sowie Heterogenität der Figuren, Handlungsmuster, Stoffe und Bilder. Besonders auf inhaltlicher Ebene und was die Figuren betrifft, wiederholen sich Muster in der phantastischen Literatur, die von Märchen, Mythen und kanonisch gewordener Phantastik bezogen werden. Beliebte Themen sind die phantastische Reise, Einbruch der Vergangenheit in die Gegenwart, der Mythos von Licht und Dunkelheit, Gut und Böse, andere Welten, Gäste aus dem Unbekannten und Miniaturgesellschaften. Oft steht dabei die Magie im Vordergrund, die zwischen den Welten vermittelt, Gut und Böse ordnet oder die Reisen ermöglicht. Die Magie selbst ist aber nicht ungebunden und muss immer bestimmten Gesetzen gehorchen. Tabbert weist darauf hin, dass die Komik in der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur eine große Rolle spielt. Entweder wird das Phantastische dadurch ins Lächerliche und Infantile gezogen, oder aber als „vital und ungebrochen“14 gewertet. Das Lachen kann befreiende Wirkung haben und helfen, Probleme zu überwinden. Das Komische im phantastischen Kinderbuch wurde „mit Blick auf seine Wirkung als ein In-Frage-Stellen von Normen charakterisiert“, wobei „bei der Komik im engeren Sinne dieses In-Frage-Stellen aus einer grundsätzlichen Überzeugung von der Ordnung der Welt heraus harmlos und vorübergehend“ sei und „damit eine Tendenz zu gesellschaftlicher Integration“15 fördere.

Die Beliebtheit mythischer Figuren in der phantastischen Literatur in Verbindung mit der Magie lässt die Verwendung der Hexen als geeignet erscheinen. Schon in Märchen, die Haas durch seinen weit gefassten Begriff, der die Phantastik nicht als eine (historische) Gattung betrachtet, zur phantastischen Literatur zählt, nimmt die Hexe eine wichtige Position ein. Allein in der Grimmschen Sammlung tritt die Hexe in 50 Texten explizit auf, in 20 weiteren als böse alte Frau und in anderen Erscheinungsformen.16 Besonders in den letzten drei Jahrzehnten häufen sich Kinder- und Jugendbücher, in denen Hexen Handlungsträgerinnen sind oder in denen Kinder und Jugendliche mit Fähigkeiten der Hexen oder mit Hexenattributen ausgestattet werden. Der allgemeine „Phantastik-Boom“17 dieser Zeit könnte seine Wirkung auf die Wahl der Hexe als phantastisches Wesen im Kinder- und Jugendbuch haben. Aber ich denke, dass das Potential der Hexe als Figur der modernen Literatur nicht nur in der Zauberei und anderen phantastischen Elementen begründet liegt, sondern eher mit ihrer speziell weiblichen Macht und dem neuen Bild, das verschiedene Strömungen des Feminismus und der Esoterik von der Hexe entworfen haben, zusammen hängt.

3 Das feministische Kinder- und Jugendbuch

Roberta Seelinger definiert feministische Kinderliteratur über die Macht, die das Kind hat, sich selbst zu definieren und durchzusetzen:

What is a feminist children’s novel? Defined simply, it is a novel in which the main character is empowered regardless from gender. A key concept here is „regardless“: in a feminist children’s novel, the child’s sex does not provide a permanent obstacle to her development. Although s/he will likely experience some gender-related conflicts, s/he ultimately triumphs over them.18

Das Geschlecht des Kindes ist dabei nicht von Bedeutung. Wichtig ist, dass die kindliche Hauptperson des Buches sich durchsetzen kann, oder lernt, sich durchzusetzen. Dabei spielt nach Seelinger die Sprache eine große Rolle: Während in nicht-feministischen Kinder- und Jugendbüchern insbesondere die Mädchen stumm waren und ihnen kaum Gehör geschenkt wurde, geben ihnen die AutorInnen feministischer Büchern den Raum und lassen sie sich Gehör verschaffen. In der Backfischliteratur, welche die jungen Mädchen auf ihre Rolle als Frau in der Gesellschaft vorbereiten sollte, findet sich als häufiges Muster ein langsames Verstummen der Mädchen. Anfangs noch vorlaut und trotzig, werden sie immer mehr zu geduldigen Zuhörerinnen. Damit verlieren sie an Macht und Selbstbewußtsein, da das eigene Verstummen zuläßt, in den Hintergrund und aus der Verantwortung gedrängt zu werden.

Die einfache Umkehrung der Geschlechterrollen in Kinderbüchern ist daher auch für Seelinger nicht im eigentlichen Sinne „feministisch“, da es nur die Machtverhältnisse umkehrt und nicht auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingeht. Vielmehr könnten weibliche Protagonistinnen auch Stärke aus typisch weiblichen Handlungsmustern ziehen. Die Tendenz in den Kinder- und Jugendbüchern geht dementsprechend seit den letzten zehn Jahren wieder dahin, die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen zu akzeptieren (egal ob sie biologischen oder sozialen Ursprungs sind) und das individuelle Potential eines Kindes zu fördern. Aber es brauchte zumindest in der Kinder- und Jugendliteratur erst den Rollentausch und eine formale Gleichstellung, um auf eine lockerere Art mit den Geschlechterrollen umgehen zu können. In den 60er und 70er Jahren überwiegen solche Bücher (vgl.: Das war Harry, Klaus Kordon). Danach „dürfen“ Mädchen auch wieder Prinzessinnen sein wollen, und es sind eher die Mütter, die den Mädchen nahelegen, doch Pirat oder Cowboy zu spielen. Diese Mütter (und auch Väter) gehören noch der Generation an, die in der Übernahme von männlichen Verhaltensmustern ein probates Mittel sahen, um die Mädchen und ihr Durchsetzungsvermögen bzw. ihre Widerstandskraft zu stärken. Beispiele für die neuere Art der feministischen Kinderbücher sind Du wirst schon sehen, es wird ganz toll 19 und Nella Propella20 von Kirsten Boie. In Jugendbüchern ist die Situation von vornherein anders, da sie sich mit der Pubertät der Kinder beschäftigen, in der die Geschlechtsmerkmale sich ausbilden und in der sich die Jugendlichen auf eine ganz andere Art mit ihrem Geschlecht auseinander setzen. Die erste Liebe ist da ein großes Thema. Aber auch hier werden die Rollen hinterfragt und die Tendenz geht weg davon, dass Mädchen entweder wie Jungs sein wollen oder den ganzen Tag nur vor dem Spiegel stehen. Ein Beispiel für den Übergang vom burschikosen Mädchen, das sich sogar als Junge ausgibt, zum Mädchen, das für sein Geschlecht einsteht und daraus auch Kraft ziehen kann ist Paul und Paula von Ulf Stark21.

Wie im phantastischen Kinder- und Jugendbuch ist das Gelächter ein Moment der Befreiung auch für Mädchen:

Cixous’s metaphor of the laughing Medusa symbolizes the triumph of a woman (or a girl) who can laugh at and thus subvert the existing order. Laughter emblemizes the girl’s transcendence, and her transcendence is the key to her feminism and is the greatest factor that separates her from prefeminist protagonists. She does not simply grow, she grows in power. No longer the passive „good girl“ who grows into a prescribed and cicumscribed social role, the feminist protagonist learns to recognize and appreciate the power of her own voice. Her awakening is not bestowed on her by a male awakener; instead, she wakes herself and discovers herself to be a strong, independant, and articulate person.22

Das Lachen hat also eine befreiende Wirkung, die den Umgang mit der bestehenden Ordnung beziehungsweise deren Überschreiten erleichtert. Es macht Mut, magische Kräfte zu besitzen, und das Gelächter bedeutet den Übergang von Angst zu Mut. Es ist eine größere Lockerheit im Umgang mit Sprache in den Hexen-Kinder- und Jugendbüchern auszumachen. Und wieder muss betont werden, dass es kaum Bücher gibt, in denen männliche Protagonisten in dieser Hinsicht gewinnen. Weibliche Beispiele sind häufiger und hängen mit der Fokussierung der feministischen Kinder- und Jugendliteratur auf weibliche Themen und die Stärkung der Mädchen zusammen.

4 Hexen

4.1 Hexen in Volksglaubenund -literatur

23 Das Wort „Hexe“ kommt von dem althochdeutschen Begriff „hagazussa“, Zaunweib, Zaunreiterin. Es handelt sich also entweder um eine Frau, die in einem Zaun oder einer Hecke lebt, oder eine, die auf einem Zaunpfahl reiten oder fliegen kann. In anderen Sprachen ist dieser Ursprung nicht gegeben: Das englische „witch“ zum Beispiel lässt sich aus dem altenglischen „wicca“, alte weise Frau, ableiten. Trotz des verschiedenartigen Ursprungs hat sich in Europa ein relativ einheitlicher Hexenglaube entwickelt, der Ende des 15. Jahrhunderts in einem regelrechten Hexenwahn gipfelte und zu zahlreichen Hexenverfolgungen führte.

Entgegen des heutigen Glaubens waren nicht alle Hexen Frauen, es gab auch männliche Hexen. Besonders in Nordeuropa wurde während der Hochzeit der Hexenverfolgung (15./16. Jahrhundert) ein hoher Prozentsatz von männlichen Hexen verbrannt. Diese sind aber nicht mit den „Hexern“ zu verwechseln, die Gegenmittel gegen die Hexen suchten und zu den Verfolgern gehörten.

Der Hexenglaube setzt sich zusammen aus dem Volksglauben verschiedener Völker, der auf der ganzen Erde, quer durch alle Religionen, Parallelen aufweist. Elemente davon sind besonders der Schadenszauber, der Flug durch die Luft und die Tierverwandlung. Spezifisch christliches Beiwerk sind der Pakt mit dem Teufel und die Ketzerei, d.h. der Kult mit fremden Gottheiten. Bezeichnend sind in diesem Zusammenhang auch die Parallelen, die der Hexenglaube zum Judenhass aufweist: Die Zusammenkünfte der Hexen wurden „Hexensabbat“ oder seltener auch „Synagoge“ genannt. In Europa sind die Hauptbestandteile des Hexenbegriffes also folgende: Der Teufelspakt, der durch verschiedene Male (z.B. Drudenfuß) besiegelt wird und im Beischlaf mit dem Teufel gipfelt. Meist wurde geglaubt, dass Hexen in Sekten auftreten und nicht alleine arbeiten. Ein weiterer Bestandteil ist der Schadenszauber der Hexen, der sehr vielfältiger Art sein kann, meist jedoch auf das Wetter und damit auf die Ernte bezogen ist. Im Volksglauben des stehen der Milch- sowie der Wahnsinnszauber der Hexen im Vordergrund. Der Hexenritt kann unterschiedlicher Art sein: in Tiergestalt, auf Gegenständen wie Besen oder Stecken, Ausfahren der Seele oder Transport durch Dämonen oder den Teufel. Die Hexensalbe, die Samstags auf dem Hexensabbat gemeinsam mit dem Teufel zubereitet wird, kann die Hexe in ein Tier verwandeln. Besonders wichtig ist der Glaube, Hexen würden Kinder rauben, morden und fressen. Obwohl schon im Volksglauben die Vorstellung von kindlichen Hexen weit verbreitet ist, und damit nahe läge, dass die Hexen auf Seiten der Kinder stünden, sind die Zauberkräfte der Hexen immer gegen die Kinder gerichtet.

Die Hexe ist meist eine alte häßliche Frau mit roten leuchtenden Augen, zusammengewachsenen Brauen und insgesamt ungepflegtem Äußerem. Sie wohnt in einem Hexenhaus, allein oder in Hexendörfern, oder im Freien, also in Wolken, Gebirgen, Bäumen etc. Zahlreiche Gegenzauber und -mittel sollen den Hexenzauber bannen. Bis zum 14. Jahrhundert lebten die als Hexen angesehenen Frauen in Europa relativ unbehelligt am Rande der Gesellschaft. Die Frage, weshalb gerade dann eine Welle der Hexenverfolgungen ausbrach, ist noch nicht geklärt. Ein Erklärungsversuch, der einleuchtend erscheint, hängt mit der Klimaveränderung zusammen. Die „kleine Eiszeit“ brachte eine lange Zeit der Missernten mit sich, die den Hexen als Wettermacherinnen zugeschrieben wurden24.

Obwohl es auch männliche Hexen gab, wurden magische Delikte doch immer bevorzugt mit Frauen in Verbindung gebracht.25 Im christlichen Glauben ist die Verbindung zwischen Frau und Teufel Topos, aber auch in anderen Glaubensgemeinschaften ist die Hexe meist weiblich. Die Annahme, Ängste vor Verhexung seien eine Folge des Geschlechterkonflikts wird dadurch in Frage gestellt, dass keine gravierenden Unterschiede im Hexenglauben zwischen matrilinearen und patrilinearen Gesellschaften festgestellt werden konnten. Weitere Erklärungsversuche setzen bei der Körperbezogenheit des Hexereivorwurfs und der Verbindung von „wichtigen Themen wie Menarche, Menstruation, Schwangerschaft, die Fähigkeit des Stillens oder die Menopause“26 mit der Zauberei an. Da die Bezüge aber noch nicht ausreichend erforscht sind, hat sich die „Hexenforschung [...] einstweilen auf die Formel Christina Larners geeinigt, Hexerei sei „geschlechtsbezogen, aber nicht geschlechtsspezifisch“ (sex-related, not sex-specific)“27.

Trotz der insgesamt negativen Bewertung der Hexen und den Ängsten, die geschürt wurden, sei dennoch nicht vergessen, dass die als Hexen beschimpften Frauen immer auch aufgesucht wurden, um Krankheiten zu heilen oder um die Zukunft vorherzusagen. Die Menschen vertrauten in vielen Dingen den Hexen und ihren Künsten.

In der Literatur gehören „Beschwörungen und Texte zur Hexenabwehr zu den ältesten überlieferten Texten der Menschheit“28. Hexen tauchen in den Märchen aus aller Welt als beliebte Figuren auf. In literarischen Texten - soweit ich sie überblicken kann - sind jedoch alle Hexen weiblich. Es gibt auch männliche Figuren, die über magische Kräfte verfügen, diese werden dann aber als Zauberer, Riesen, Götter oder andere Wesen bezeichnet, nicht als Hexen. Weibliche Figuren, die magische Kräfte besitzen, sind neben den Hexen Feen, Göttinnen, Riesinnen. Es gibt demnach nicht wirklich „gute Hexen“, denn hat eine weibliche Figur positive magische Kräfte, dann sind das Feen, Göttinnen oder andere Wesen. Diederichs fasst meiner Meinung nach den Begriff der Hexe zu weit, wenn er Feen zu den Hexen zählt29, denn ich denke, dass es möglich ist, klar zwischen diesen Märchenfiguren zu unterscheiden.30 Mehr noch als im Volksglauben, ist auch im Märchen der Hexe eindeutig die schwarze Magie zugeordnet und die Hexen sind immer die Gegenspieler des Helden oder der Heldin. Entweder werden sie direkt als Hexen bezeichnet oder als böse alte Frauen, Schwieger- und Stiefmütter. In der Sage haben Hexen auch den Körper von Kindern, schönen jungen Mädchen, Ehefrauen, alten Weibern, Bäuerinnen, Mägden oder Nachbarinnen.31 Allerdings sind die Vorstellungen der Sage immer auch vom allgemeinen Hexenglauben beeinflusst und somit richtet sich die Magie der Hexen auch in der Sage gegen die Helden und soll Schaden anrichten. Interessanterweise sind männliche Figuren mit Zauberkräften meist positiv besetzt. Seien es Zauberer oder kleine Wichte - oft sind sie es, die für ausgleichende Gerechtigkeit32 sorgen. Frau Holle ist eine Ausnahme, die aber auch nicht ganz den Hexen zu geordnet werden kann, weil ihre Figur einen feenähnlichen Charakter hat.

Schon in der Romantik erfuhren die Hexen eine Aufwertung. „Jacob Grimm betrachtete die Hexen als ‚weise Frauen‘, Hüterinnen alter Überlieferungen bzw. konkret der germanischen Kultur“33. Im 19. Jahrhundert erlangte die Hexe durch okkultische Interessen der Schauerromantik höhere Sympatiewerte.

Erst der Feminismus veränderte das Bild der Hexen grundlegend und nahm sie für sich in Anspruch. Leider wurde im Zuge des Rufes nach einer eigenen Geschichte der Frauen die Geschichte der Hexenverfolgungen einseitig ausgelegt und nicht differenziert betrachtet. Die Hexen galten als Symbol der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts und werden jetzt als Quelle der Macht und Kraft interpretiert. Besonders in den USA erfreuen sich Gruppierungen der „neuen Hexen“ einer breiten Anhängerschaft, die in der Zauberei ernsthafte Alternativen zu traditionellen Heilmethoden sieht.

4.2 Hexen in der Kinder- und Jugendliteratur

Die Aufwertung der Hexe in der Kinder- und Jugendliteratur muss in den Zusammenhang mit der feministischen Bewegung gestellt werden. Jedoch erhalten die Kinder- und Jugendbücher nicht den esoterischen Charakter wie manche Hexenbewegungen der heutigen Zeit. Auch muss die literaturgeschichtliche Entwicklung der Hexe in Betracht gezogen werden, denn nicht umsonst hat Preussler seine Kleine Hexe vor allem deshalb geschrieben, um den Kindern die Angst vor Hexen zu nehmen.

4.2.1 Überblick über die geschichtliche Entwicklung

Hexen und andere Gestalten des Aberglaubens sind in der frühen Kinder- und Jugendliteratur kaum zu finden. Da die Bücher vor allem der Erziehung der Kinder dienen sollten, fanden Fabelwesen und übernatürliche Kräfte keinen Eingang in die Kinder- und Jugendliteratur. Märchen, obwohl immer schon auch Kindern erzählt, wurden hauptsächlich als Literatur für Erwachsene betrachtet. Erst mit der Aufwertung der Volksliteratur in der Romantik und der Festschreibung der Märchen durch die Brüder Grimm, die die Märchen „begradigt“ und ihnen alles Anzügliche entnommen hatten, hatten auch Kinder vermehrt Zugang zu Märchen, bzw. wurden zu den Hauptrezipienten der Kinder- und Hausmärchen. Viele Kunstmärchen, die seit dieser Zeit entstanden sind, wurden für Kinder geschrieben. Die Hexe aber, die in der Romantik in der Theorie eine Aufwertung erfuhr, blieb im Märchen dem Mythos der bösen alten Frau verhaftet. Über Funktion und Aussage des Märchens wurde viel gestritten34, auch in wie weit es Ideologien widerspiegelt oder von ihnen gebraucht werden kann. Die Eindimensionalität des Märchens macht es schwer, die Stereotype, derer es sich bedient, zu verändern. Somit bleibt die Hexe im Märchen die Gegenspielerin von Held oder Heldin. Zu beachten ist die Mythisierung der Figur, denn:

Mythisierendes Denken missachtet bewusst empirische Kenntnisse. Mythisierung bedeutet Negation des Faktischen, Historischen und Individuellen. [Der Mythos] schließt Entstehungsursachen, Ideen und Begriffe zu einem (umfassenden) Weltbild zusammen und macht es begreifbar.35

Das Prinzip von Gut und Böse muss erklärt werden und durch Personen dargestellt werden. Die Verbindung mit äußeren ästhetischen Merkmalen liegt dabei nur nahe. Jedoch sind die Figuren (wie Hexen) im Märchen auch „Funktionen eines seelischen Reifeprozesses“36, die den kindlichen Helden von seiner behüteten Heimstatt weg locken und damit seiner Entwicklung zum erwachsenen Menschen zuträglich sind. Die Entmythisierung der Hexe fand erst Mitte des 20. Jahrhunderts statt. Bis dahin war sie in Kinder- und Jugendbüchern fast ausschließlich im Märchen zu finden. In einigen Kinderversen findet man noch abergläubische Reminiszenzen (z.B. BiBaButzemann etc.) und Zaubersprüche von Hexen. In den Gedichten für Kinder von August Kopisch, bekannt geworden durch das Heinzelmännchen-Gedicht, treten oft magische Wesen und auch Hexen auf. In Hexenritt überwiegt das schauerliche Element, das die Kinder durch Lautmalerei („Bautz! prallt er ab / der Kopf fliegt ab“; „Piff paff, ho heh!“; „Hah hih, hoh heh! / Hih hoh, heh heh!“) zum Gruseln bringen soll, die Hexe wird aber in den Traum verbannt.37 Somit ist nicht die Hexe an sich oder ihre Zauberkraft das Movens für das Gedicht, sondern die Angst, die das Kind beim Lesen oder Hören verspürt. Klaus Doderer weist darauf hin, dass es schon früh szenische Spiele für Kinder gab, in denen Teufelsaustreibungen nachgespielt wurden. Auch im Kasperletheater hatten die Hexen ihren Platz als Gegenspielerin des Kasperle.38

Eine erste Aufwertung der Hexe ging mit der Debatte der Pädagogen um die vermeintliche Schädigung der Kinder durch die Grausamkeit der Grimm‘schen Märchen einher. Ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts sollte das Böse in der Kinderliteratur ausgemerzt werden. Vorreiter der Verniedlichung der Hexen war Ottfried Preußler mit der Kleinen Hexe, die als völlig harmloses Wesen Gutes tut. Die bösen Hexen existieren zwar noch, aber sie werden von der kleinen Hexe ihrer Zauberkraft beraubt und aus den Kinderbüchern vertrieben. Denn nach der Kleinen Hexe treten kaum mehr böse Hexen im Kinder- oder Jugendbuch auf.

Auf die Kritik an Grimms Märchen folgten Märchenparodien, die das Verhältnis Gut-Böse umdrehten und die Hexen zu guten lieben Frauen machten, die von bösen Kindern schamlos ausgenutzt werden.39 Die Märchenparodien zielen einerseits auf die Kritik an der Grausamkeit in den Märchen und andererseits auf das Verharren in überlieferten Denkschemata ab. Andere Nacherzählungen wie die von Gmelin40 gehen auf die Kritik an der Grausamkeit ein und glätten das Märchen und/oder vermischen es mit anderen Erzählungen. Schon deshalb musste die Hexe in einem ersten Zuge aufgewertet werden, damit die Grausamkeit verschwinden konnte und die Kinder nicht dem vermeintlich schlechten Einfluss der Märchen ausgesetzt waren.41 Eine Aufwertung der Märchenhexe im feministischen Sinne fand erst später mit neuen Märchen und speziellen Märchensammlungen für Mädchen statt.42

Jedoch verlagern sich die Gründe für das vermehrte Auftreten guter Hexen meines Erachtens nach von der bloßen Ausmerzung des Bösen auf andere Themen. In den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts erschienen mehre Kinder- und Jugendbücher zu historischen Problemen. Unter anderem waren die Hexenverfolgungen ein beliebtes Thema und es wurde versucht, den Kindern nahezubringen, dass die als Hexen verschrienen Frauen in Wirklichkeit nur Außenseiterinnen der Gesellschaft waren, die vielleicht sogar viele positive Fähigkeiten hatten.43 In manchen Kinder- und Jugendbüchern, die sich nicht spezifisch mit der Geschichte der Hexen beschäftigen, wird das Thema der Außenseiterinnen, die in Dörfern z.B. als Hexen gelten wieder aufgegriffen. Die Frauen werden dargestellt, wie sie wirklich sind und der Hexenglaube wird somit widerlegt.44 Im Zuge der Inanspruchnahme der Hexen durch den Feminismus treten andere Eigenschaften der Hexen in den Vordergrund, die sie als Figuren der Kinder- und Jugendliteratur interessant machen. Zum einen ist die Zauberkraft etwas, was sich jedes Kind wünscht. Mit den Tieren sprechen und fliegen zu können sind weitere Fähigkeiten der Hexe, die als wünschenswert betrachtet werden. All diese Fähigkeiten bergen ein Machtpotential der Kinder, das sie den Erwachsenen überlegen machen läßt und die ihnen mehr Selbstvertrauen schenkt. Die neuen Hexen sind Mutmacherinnen und Gehilfinnen bei der Selbstfindung des Kindes.

4.2.2 Hexen in der modernen Kinder- und Jugendliteratur

Phantastische Kinder- und Jugendbücher arbeiten mit einer zweifachen Auffassung von Wirklichkeit. Die irrationale Welt, die sie entwerfen, wird als eine natürliche dargestellt, die großen Einfluss auf „unsere“ rationale Welt nimmt. Dennoch bleiben es immer zwei verschiedene Welten. Entweder spielt das Buch hauptsächlich in der anderen Welt. Das würde in Bezug auf die Hexen bedeuten, dass alle Figuren magische Wesen sind und sich in einer Welt bewegen, in der Hexerei an der Tagesordnung ist. Oder aber das Geschehen findet in der realen Welt statt, in die eine magische Figur eintritt (z.B. eine Hexe) oder in der die/der junge ProtagonistIn herausfindet, dass sie/er magische Kräfte hat. Eine Sonderform davon wäre, dass sich das Kind oder der Jugendliche die Hexenkräfte nur erträumt oder erwünscht. Bei Mischformen existieren die zwei Welten miteinander (z.B.: Hecky Hexe45 ) oder nebeneinander (Harry Potter46 ).

Bei der folgenden Untersuchung der modernen Kinder- und Jugendliteratur werde ich die Bücher nach dem jeweiligen Zusammenspiel der beiden Welten gliedern und damit nach der Rolle, welche die Hexe im Buch spielt. Auch hier kommt es mir auf einen Überblick an und ich verzichte auf genauere Einzelanalysen. Obwohl Märchen auch heute noch gelesen werden, lasse ich diese außer Acht und betrachte die Märchenhexe als Folie, vor der sich die heutige Situation abspielt. Es sei noch angemerkt, dass in der heutigen Kinder- und Jugendliteratur die Hexe kaum mehr das Aussehen hat, wie sie in den Märchen dargestellt wird. Die heutige Hexe orientiert sich an der englischen, die sich durch den hohen Hexenhut, einen Umhang und die hagere Gestalt auszeichnet. Meines Erachtens liegt das einerseits an dem großen Einfluss, den die amerikanische Kinder- und Jugendliteratur auf die europäische hat. Andererseits könnte hier eine Annäherung an den männlichen Magier, nämlich den Zauberer, stattfinden, dem die Attribute Hut und Umhang auch früher schon zugeordnet wurden.

4.2.2.1 Böse Hexen

Einige wenige böse Hexen gibt es doch noch in der Kinder- und Jugendliteratur. In Roald Dahls Hexen hexen sehen sie so aus:

ECHTE HEXEN tragen ganz normale Kleider und sehen auch wie ganz normale Frauen aus. Sie wohnen in normalen Häusern, und sieüben ganz NORMALE BERUFE aus.

Deshalb ist es so schwer, sie zu erwischen.

Eine ECHTE HEXE haßt Kinder so glühend, daß es zischt, und dieser Haß ist verzehrender und verheerender als alle anderen Gefühle, die ihr euch selbst in euren ärgsten Träumen vorstellen könntet.

Eine ECHTE HEXE schmiedet Tag und Nacht die schlimmsten Pläne, um alle Kinder aus ihrer Umgebung zu vertreiben. Eins nach dem anderen zu erledigen, ist ihr die innigste Genugtuung. [...] «Welches Kind», so fragt sie sich unablässig tagaus und tagein , «welches Kind genau soll ich mir als nächstes auswählen, um es zu zermalmen?»

Sie erledigt im Schnitt ein Kind pro Woche.[...] Zuerst einmal wird das Opfer ausgewählt. Dann schleicht sich die Hexe an das Unglückskind wie ein Jäger heran [...]. Näher kommt sie, immer näher. Und dann zum Schluß, wenn alles bereit ist, schwups! packt sie zu. Funken sprühen. Flammen tanzen. Öl zischelt. Ratten quieken. Haut schrumpelt. Und das Kind ist verschwunden.

Ihr müßt nämlich wissen: eine Hexe schlägt Kindern nicht den Schädel ein. Sie bohrt ihnen auch kein Messer in den Leib und erschießt sie nicht mit Pistolen. Leute, die so etwas machen, werden von der Polizei verhaftet.

Eine Hexe wird niemals erwischt.47

Roald Dahl bewegt sich hier im Umfeld der Grusel- und Schauerliteratur, deren beängstigende Wirkung die Märchenkritiker für gefährlich für Kinder hielten. Jedoch wird auch bei Dahl den bösen Hexen der Kampf angesagt: Der Ich-Erzähler und seine Großmutter verwandeln alle Hexen Englands in Mäuse und wollen auch die restlichen Hexen der Welt ausrotten. Die positive Figur die dem Jungen bei Dahl zur Seite steht ist also die rüstige Großmutter, die früher den Beruf der Hexologin ausübte und die es nicht scheut, auf Bäume zu klettern.

In dem aktuelleren Hexengewitter von Martina Dierks48 erscheinen auch noch böse Hexen. Sie werden allerdings in ihrer Dummheit der Lächerlichkeit preisgegeben. Wie im Märchen spielen sie den Gegenpart der Heldin Winnie und sie kann ihnen gegenüber ihren Mut beweisen. Neu ist jedoch, dass es eine weibliche Protagonistin ist, die sich den Hexen widersetzt, während sonst junge Mädchen nur von Hexen gefangengenommen wurden um dann von den männlichen Helden befreit zu werden. Bezeichnend ist, dass der Leser erst am Ende der zweiten Seite erfährt, dass Winnie ein Mädchen ist. Ihr Name ist in der Kinder- und Jugendliteratur durch Winnnie the Pooh als männlicher Name bekannt. Winnie übernimmt in gewisser Weise auch den männlichen Part, wenn sie die Prinzessin des Larifari-Landes von den Gewitterhexen befreit. Nur der übliche Lohn ist abgewandelt: Winnie bekommt weder wie ein männlicher Held die Prinzessin zur Frau noch wie eine weibliche Heldin einen Prinzen zum Mann, sondern wunderschöne Pantoffeln von der Prinzessin geschenkt, die auch an ihre großen Füße passen. Winnie ist ein modernes Mädchen, das vom Fernseher verwöhnt ist und sich von nichts schrecken läßt. Die große Langeweile, unter der das Mädchen leidet ist eher der Grund für den mangelnden Schrecken, als besonders großer Mut. Das nächtliche Abenteuer stellt eine willkommene Abwechslung zur sonstigen Routine dar. Winnies mangelndes Interesse am äußeren Erscheinungsbild spiegelt sich darin wieder, dass ihr Arnaud in seiner Angst um den guten Anzug lächerlich erscheint. Nur die Schuhe der Prinzessin sind für sie als Schmuckstücke begehrenswert. Winnie nimmt kein Blatt vor den Mund und kann sich leicht in Gespräche von Erwachsenen wie z.B. den Larifarimenschen einmischen. Sie beweist nicht nur Mut sondern auch Geduld und Bedachtsamkeit im Umgang mit den Nebelkrähen und dem Gespenst. Die Bewältigung der Gefahren wird nicht durch Gewalt erreicht sondern im Gespräch. Winnie nutzt neues Potential, das den männlichen Helden auf diese Art noch nicht bekannt war. In Hexengewitter sind die Hexen also nicht diejenigen, die dem Mädchen in seiner Entwicklung zum mündigen Menschen zur Seite stehen, aber durch ihre Anwesenheit wird das Kind dazu gebracht Abenteuer zu bestehen und seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

In beiden Büchern können die Kinder ihre Fähigkeit zum eigenen Denken ausbilden und beweisen. Klugheit gehört zu den wichtigsten Eigenschaften, die Junge und das Mädchen besitzen, um gegen die Hexen vorzugehen. Obwohl beide Kinder erwachsene Personen zur Seite stehen haben, sind sie selbst die eigentlichen Helden der Geschichte. Es ist bezeichnend, dass die erwachsenen Vertrauenspersonen Frauen sind: Sowohl die Großmutter in Hexen hexen als auch Roberta im Hexengewitter übernehmen äußerst aktive Rollen im Kampf gegen die Hexen. Die Rollenzuweisung von aktiv zu männlich und passiv zu weiblich wird aufgelöst und im Hexengewitter teilweise sogar umgedreht (da Arnaud sich sehr passiv verhält).

4.2.2.2 Hexen in nicht-phantastischen Büchern

In vielen Kinder- und Jugendbüchern tritt die Hexe nicht als solche auf, aber die Kinder bzw. Jugendlichen wünschen sich, Hexenkräfte zu haben. Zu Beginn steht der Wunsch nach der Alltagsbewältigung und einer besseren Position innerhalb der Gesellschaft oder der Familie. Schon im Bilderbuch wird die Hexe und vor allem ihre Zauberkraft als Machtpotential angeboten. In Wenn ich eine Hexe wär... von Nina Schindler träumt ein kleines Mädchen davon, eine Hexe zu sein, um mit Problemen wie dem störenden kleinen Bruder besser fertig zu werden. Bezeichnenderweise möchte das selbe Mädchen an Fasching aber doch lieber Prinzessin sein. Hier treffen zwei verschiedene Wünsche aufeinander, die unterschiedliche Situationen betreffen: Im Alltag wünscht sich das Kind die Magie, um seine Persönlichkeit zu stärken und um sich wehren zu können. Fasching ist kein Alltag sondern eine Ausnahmesituation, in der Schwachsein keine Rolle spielt. Außerdem kommt hier der Wunsch vieler kleiner Mädchen zum Ausdruck, Prinzessin oder „feine Dame“ zu spielen. In Kirsten Boies Du wirst schon sehen, es wird ganz toll tritt eine ganz ähnliche Situation auf: Das kleine Mädchen möchte unbedingt als Prinzessin oder wenigstens als Pippi Langstrumpf, Marienkäfer oder orientalische Dame zum Faschingsball gehen. Ein Kostüm ist zu teuer, also fragt die Mutter ihre Freundinnen, ob sie ihr etwas leihen könnten. Während sie telefoniert, sitzt die Kleine als Hexe verkleidet in ihrem Zimmer und versucht mittels „Hexerei“ die Antworten zu beeinflussen. Auch hier sieht das Mädchen in der Hexe Potential um seine Wünsche zu erfüllen, auch wenn der Zauber dann nicht wirkt. Aber als Verkleidung für den Fasching wird die Hexe gar nicht in Betracht gezogen. Vielleicht ist das Identifikationspotential der Hexe auch zu groß, als dass sie für Fasching geeignet wäre. Die Zauberkraft der Hexe wird im Alltag benötigt, während die Prinzessin, die nichts selbst machen muss und immer bedient wird, eine Ausnahmesituation darstellt, die zu anderen Gelegenheiten als wünschenswert erscheint.

In dem Kinderbuch Paul und Paula von Ulf Stark bekommt Paula von ihrer Mutter eine Kristallkugel zum Geburtstag geschenkt, die ihrer Großmutter gehört hatte. In diesem Buch ist der Wunsch nach Zauberkraft kaum ausgebildet und die Hexe wird als solche nicht genannt. Aber die Kristallkugel ist ein Hexenattribut, das dazu dient, in andere Zeiten oder an andere Orte zu blicken. Paula glaubt nicht wirklich an die Macht der Kugel, blickt aber dennoch hinein und sieht unerwartete Bilder. Es könnte sein, dass sie die verzerrte Umgebung der Kugel sieht, aber sie interpretiert es als das Haus, in dem sie früher gewohnt hat, und ihren Hund. In der Kristallkugel sieht sie also ihre Wünsche und auch ihre Gefühle. Paula ist nach dem Experiment sehr bewegt. Gerade in einem Moment, in dem Paula für den Jungen Paul gehalten wird, greift sie auf das Mittel der Kristallkugel zurück, das eindeutig mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht werden muss. Trotz ihrer Verstellung und Verkleidung schöpft Paula Mut und Handlungswillen aus einem Zurückgreifen auf weibliche Handlungsformen.

Ein Jugendbuch, das die Hexerei in besonders witziger Weise für die Protagonistin in Anspruch nimmt ist Hexen küsst man nicht von Hortense Ullrich49. In Jojos Leben hat sich alles geändert seit Serafina in ihrer Klasse ist und das Sagen hat. Jojo wurde von ihr nämlich den uncoolen Mädchen zugeteilt und ist damit von allen Aktionen ihrer früheren Clique ausgeschlossen. Aber sie findet eines Tages einen Stoffbären und seitdem läuft alles viel besser, da er ihr Zauberkräfte verleiht. Das behauptet zumindest Klarafina, eine alte Dame, die Jojo im Park kennen lernt. Jojo glaubt es ihr auch und verhext immer wieder verschiedene Leute in ihrem Umfeld, aber sie sieht nie das Resultat, da der Zauber zu kurz anhält. Der Leser weiß, dass der Zauber keine Wirkung tut und dass sich Jojo nur ihren Wunschträumen hingibt. Aber immerhin wagt Jojo mit dem Bären in der Tasche, Serafina die Meinung zu sagen und in der Schulband zu singen. Somit helfen ihr die vermeintlichen Hexenkräfte, sich durchzusetzen und die schwierige Zeit zu überwinden. Ob die alte Dame im Park nur etwas schrullig oder tatsächlich eine Hexe ist, erfährt der Leser nicht. Anzunehmen ist aber ersteres, da sie nie Beweise von ihrer Zauberkraft liefert.

Diese Beispiele zeigen, dass allein die Vorstellung, Hexenkräfte zu haben, genügt, den Kindern und Jugendlichen tatsächliche Kräfte zu verleihen. Sie werden mutiger, stehen zu ihren Gefühlen und versuchen, ihre Wünsche aus eigener Kraft in Erfüllung zu bringen. Obwohl die Träumerei auch sehr privat sein und einen Rückzug ins Innere zur Folge haben kann, ist die Aktion immer nach außen gerichtet. Das aktive Handeln zu dem die Kinder (insbesondere die Mädchen) durch den Glauben an ihre Hexenkräfte finden, unterstützt ihre Entwicklung zu eigenständigen Menschen.

4.2.2.3 Einzelne Hexen und Hexenkinder in der realen Welt

In den bisher beschriebenen Büchern bot allein die Phantasie den Kindern das Potential, die Kraft der Hexen auszuschöpfen. In anderen Kinder- und Jugendbüchern erscheint eine „richtige“ Hexe und stellt sich den Kindern zur Seite oder die Kinder finden heraus, dass sie selbst hexen können. Eine besonders erfolgreiche „Kinderhexe“ ist die Hexe Lilli von Knister50. Ursprünglich ein deutsches Buch, gehört die Reihe vor allem in Spanien zu den am besten verkauften Kinderbüchern. Vielleicht liegt der Erfolg in Spanien mit daran, dass das Mädchen Lilli noch zu den Mädchen gehört, die ganz extrem burschikos sind und sich in ihrem Handeln an eher männlichen Mustern orientieren, was in Deutschland schon fast überholt ist, da sich die Mädchen wieder auf ihre eigenen Fähigkeiten besinnen. Lilli interessiert sich für Fußball: Sie ist in den Fußballfan Andreas verliebt und möchte mitreden bei den Jungen, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Und tatsächlich schafft sie es so weit, dass sie als Fußballexpertin gilt. Zwei weitere ursprünglich männliche Domänen betritt Lilli: Sie besteht ein Abenteuer mit Piraten und stellt als Detektivin einen Fahrraddieb. Auf der anderen Seite ist Lilli aber doch immer das brave und verständige Mädchen, das der Mutter gehorcht, auf den Bruder acht gibt und sich um ihn kümmert. Als älteste Tochter einer alleinerziehenden Mutter übernimmt sie viel Verantwortung in der Familie und wird von der Mutter als relativ gleichwertiger Gesprächspartner angesehen, auch wenn Lilli immer wieder unerklärliche Sachen vollbringt. Kinder, die in getrennten Haushalten aufwachsen, sind in modernen Kinderbüchern ein beliebtes Motiv, weil diese Situation sicher auf den Alltag vieler Leser zutrifft. In feministischen Kinderbüchern bietet sie außerdem den idealen Hintergrund für die freie Entfaltung der Protagonistinnen. Wie in Lillis Familie sind die Frauen auf sich gestellt und nehmen ihr Leben selber in die Hand. Das Mädchen wächst also in einem Umfeld auf, in dem es lernt, relativ unabhängig zu sein.

Meist setzt Lilli ihren klaren Verstand ein und benützt ihre Hexenkräfte nur im Notfall. Dies ist ein beliebtes Schema in der Hexenwelt der Kinder- und Jugendliteratur: Die Zauberkraft wird nach bestimmten Regeln angewendet, es herrscht eine gewisse Ordnung, manche Zauber können nicht zurück genommen werden und Liebeszauber gibt es entweder nicht oder gelten als verwerflich, da die Gegenliebe auf natürliche Art und Weise erlangt werden muss.

So wie Lilli zu Hause Verantwortung übernehmen muss, so tut sie das auch für sich selbst: Die Zauberkraft, die sie durch ein gefundenes Hexenbuch erhalten hat, bleibt ein Geheimnis, das Lilli mit keinem teilt. Ihre Eigenständigkeit verstärkt sich, da sie mit ihrem Wissen allein ist und damit allein zurecht kommen muss. Für alle Aktionen übernimmt Lilli die Verantwortung und teilt diese nicht einmal durch das Erzählen ihrer Abenteuer (als Ansprechpartner gäbe es z.B. die beste Freundin oder die Mutter). Lilli legt damit ein großes Selbstvertrauen an den Tag, das den kindlichen LeserInnen gefallen muss. Sie hat den Mut, zu Piraten zu reisen, Diebe zu stellen oder mit Polizeibeamten zu diskutieren. Der Erwachsenenwelt fühlt sie sich völlig ebenbürtig, auch wenn sie für vieles noch der Erlaubnis ihrer Mutter bedarf. Das Mädchen steht aber zu seinen Besonderheiten und läßt sich nicht davon abbringen, großen Anteil an ihrem Umfeld zu nehmen und Einfluss auszuüben.

Eine Geschichte, die nur am Rande erwähnt sei, weil ein magisches Wesen als „Helferin“ der Protagonistin fungiert, ist Luzie Luzifer von Bianka Minte-König51. Die Teufelin Luzie möchte dem Geburtstagskind Pauline zu mehr Frechheit und Selbstvertrauen verhelfen, obwohl Pauline doch eigentlich ein braves Mädchen ist und niemals Streiche aushecken würde. Luzie hilft dem Mädchen, sich gegen den älteren Bruder zu behaupten und unterstützt Pauline in ihrem Durchsetzungsvermögen. Pauline ist das nicht so geheuer und das Buch läßt offen, ob sie sich doch noch mit der neuen Rolle anfreundet oder in das alte Schema der braven Tochter, die dem großen Bruder das Sagen läßt, zurück fällt.

Auch in diesen Büchern erkennen die Protagonistinnen die Macht der Zauberei und nützen sie zu ihren Zwecken. Die Erfolge sind direkt sichtbar und deshalb wächst das Selbstvertrauen der Kinder bzw. Jugendlichen. Bücher, in denen einzelne Personen über Hexenkräfte verfügen, machen den Kindern Mut, ihre Fähigkeiten auszuprobieren und zu nutzen. In Büchern wie Irma hat so große F üß e von Ingrid und Dieter Schubert helfen die Hexen den Kindern außerdem, sich selbst so zu akzeptieren wie sie sind und etwaige Lücken im Selbstvertrauen zu schließen. AußenseiterInnen wie Lore in Irma hat so große F üß e, die erst der Hexe hilft und dann von ihr verzaubert wird, so dass sie mit ihren Segelohren fliegen kann, werden ermutigt, zu ihrer Andersartigkeit zu stehen.

4.2.2.4 Hexenfamilien und -gemeinschaften in der realen Welt

Eine beliebte Verknüpfung der zwei Wirklichkeiten reale Welt und Zauberwelt ist die Existenz von Hexenfamilien oder Hexengemeinschaften in der modernen Alltagsgesellschaft. Manchmal weiß das Umfeld vom Zusammenleben mit den Hexen oder erfährt zumindest davon. Die Reaktionen reichen von Ungläubigkeit und Erstaunen bis hin zur Akzeptanz der Hexe als „normalen“ Beruf so wie Verkäuferin oder Ärztin. Das englische Kinderbuch Hecky Hexe ist ein schönes Beispiel für solch ein Zusammentreffen: Daniel findet durch detektivische Arbeit heraus, dass in seiner Stadt eine Hexe lebt. Er tritt ihr wie jeder anderen erwachsenen Frau entgegen, seine kindliche Neugier überwiegt vor einem möglichen Erstaunen. Das Kind zeigt die Bereitschaft, alles Außergewöhnliche und neue als „normal“ und der Realität zugehörig anzuerkennen. Hecky ist eine gute Hexe, genauer eine Tierhexe, die alles in Tiere und zurück verwandeln kann. Ihr Aussehen erinnert an die aus dem Volksglauben überlieferten Hexen, obwohl die Häßlichkeit zum Schönheitsideal verkehrt wird: Zwar ist sie keine alte Frau, aber in ihrem Schminkkasten befinden sich verschiedene Schnurrbärte und Warzen zum Ankleben, ihr Hut besteht aus Schlangen und auch sonst gleicht ihr Geschmack nicht dem der Damen der realen Gesellschaft. Hier wird das ursprünglich Abstoßende der Hexen in das Spiel der „verkehrten Welt“ integriert, mit dem sich Kinder oft und gerne die Zeit vertreiben und das in vielen Kinderbüchern ein beliebtes Motiv ist. Hecky hat sich außerdem auch andere Eigenschaften der herkömmlichen Hexen bewahrt: Sie muß mit ihrem Fuß die Erde berühren, um ihre Zauberkraft zu erhöhen. Auch ihrer Hexerei sind Grenzen gesetzt und sie erkennt Mr. Knacksap nicht als den Betrüger, der er ist. Typisch ist auch, dass sie die Gabe hat, Menschen in Tiere zu verhexen. Der Steinzauber ihrer Freundin Dora wurzelt ebenso im Volksglauben. In dem Städtchen, in dem sich Hecky niedergelassen hat, gibt es noch ein paar andere Hexen und Zauberer, die aber nur für sich hexen, oder später dann für Hecky, die mit ihrem einnehmenden Wesen alle auf ihre Seite bringt. Sie sind alle etwas verschrobene Figuren, die mit ihren Spleens äußerst komisch wirken.

Das Außergewöhnliche an diesem Hexenbuch ist, dass das Kind, das sich mit der Hexe anfreundet und dem sie zur Seite steht, ein Junge ist. Daniel ist eigentlich sehr schüchtern und sehr viel allein, da seine Eltern keine Zeit für ihn haben. Hecky wird zu einer Art Mutterersatz, und er fühlt sich bei ihr immer mehr zu Hause als bei seinen Eltern. Schon in (Volks-) Märchen ist die Erziehung von Kindern durch Hexen ein beliebter Topos. Rapunzel z.B. wird von der Hexe gut aufgezogen bis sie ins heiratsfähige Alter kommt, das Lilienmädchen52 wird von einer Hexe entführt, aber mit großer Sorge aufgezogen etc. Aber immer sind es Mädchen. Dass bei Hecky Hexe ein Junge Bezugsperson einer Hexe ist, ist nicht einfach Rollentausch. Vielmehr interessiert sich hier ein Junge für „Mädchenthemen“ und zeichnet sich durch Kommunikationsbereitschaft und hohe soziale Kompetenz aus (vgl. die Freundschaft mit dem indischen Mädchen Sumi). Ebenso wie die weiblichen Protagonisten in anderen Hexenbüchern, gewinnt auch der Junge Daniel an Selbstvertrauen durch die Hexe und vor allem an Ausgelassenheit. Die Einsamkeit unter der er zu leiden hatte ist verschwunden, und auch nachdem Hecky wieder aus der Stadt fort zieht, kommt er besser allein zurecht als vorher. Daniel ist nicht der typische männliche Held, der seine Freundin vor dem Unglück rettet. Er ist eigentlich sogar eher schüchtern. Aber durch seine große Zuneigung zu Hecky überwindet der Junge seine Angst und versucht, den Betrug des Mr. Knacksap aufzudecken. Leider scheitert er und wird von Mr. Knacksap brutal zusammen geschlagen. Aber für Daniel bedeutet es trotzdem, sich für „das Gute“ eingesetzt zu haben und es bewirkt auch die Änderung seiner Eltern, die sich nun vermehrt um ihn kümmern. Hecky war der Anstoß zur Veränderung aber Daniel hat durch sie sein eigenes Potential zur Veränderung kennengelernt. Denn durch ihre unkonventionelle Art zeigte die Hexe dem Kind neue Möglichkeiten, mit Problemen umzugehen und sie zu konfrontieren. Der Junge lernt seinen eigenen Mut kennen und eigenständig zu handeln.

Zwei weitere Beispiele für Hexengesellschaften in der realen Welt sind Bibi Blocksberg und die Fernsehserie Sabrina, die Hexe. Sabrina möchte ich anführen, obwohl sie nicht direkt zur Kinder- und Jugendliteratur gehört, da sie sich doch einiger Beliebtheit erfreut und ein Beispiel für Hexengemeinschaften ist, die ihre Zauberkräfte vor ihrem amerikanischen Durchschnittsumfeld verheimlichen. Das Phantastische ist also nur dem Zuschauer und nicht den Personen, die mit Sabrina zu tun haben, bewusst. Die Serie richtet sich an Jugendliche, die sich mit der ersten Liebe und Schulproblemen auseinandersetzen und nicht mehr an kindliche Zuschauer53.

Sabrina lebt mit ihren beiden Tanten Thelma und Hilda und ihrem in einen Kater verwandelten (weil er die Weltherrschaft angestrebt hatte) Onkel in einer verschlafenen amerikanischen Kleinstadt. Durch die Tür zur Abstellkammer können sie ins „andere Reich“ reisen und aus dem Toaster erhalten sie Post von dort. Es existieren also auch hier zwei Welten nebeneinander, die miteinander in Verbindung stehen. Allerdings nimmt die Zauberwelt kaum auf die reale Welt Einfluß. Nur Sabrina und ihre beiden Tanten scheinen in direktem Kontakt zu stehen. Alle anderen Zauberer und Hexen bleiben im anderen Reich und sind nicht wirklich von Bedeutung für das Leben der drei Frauen. Sabrina geht auf eine ganz normale Schule mit Menschen, die von ihren Zauberkräften nichts wissen und nichts wissen dürfen. Die Idee der Spezialschule für Hexen und Zauberer, wie sie es schon bei Hecky Hexe oder dann bei Harry Potter gibt, existiert nicht. Sabrina lernt das Hexen mit Hilfe ihres Zauberbuchs und ihrer Tanten. Sie wird als Mädchen behandelt, das sich wie jedes andere durch die harte Phase der Pubertät kämpfen muss. Aber sie kann gut kämpfen, ist sehr mutig und gleichzeitig auch „typisch“ Mädchen: Sie bekommt „Kaufitis“, will gut aussehen und kämpft um die Gunst ihres Freundes Harvey. Sabrina ist eine der Figuren, die durch Hexerei sehr unabhängig werden. Auf ihre Tanten ist sie zwar angewiesen, weil diese besser hexen können, aber sie braucht keine Bestätigung z.B. von seiten ihrer Schulkameraden. Ihr Selbstbewußtsein schöpft Sabrina aus sich selbst und der Zuneigung ihrer Tanten. Selbst Harvey hat keinen großen Einfluss auf Sabrinas Selbstwertgefühl. Ich betone dass deshalb, weil Mädchen in der Pubertät sich oft die Bestätigung ihrer männlichen Altersgenossen suchen und nicht wie diese bei Freunden des eigenen Geschlechts. Sabrina bewegt sich in einem für die USA erstaunlich wenig sexistischen Umfeld. Vielmehr kritisiert die Serie Mädchen wie Liddy, die übertriebenen Wert auf Äußerlichkeiten legen, und belächelt auf der anderen Seite auch Frauen wie Tante Thelma, die durch ihre Intelligenz brilliert und ständig arbeitet. Sabrina steht in ihrer Art zwischen Thelma und Hilda (welche ein wenig dümmlich scheint und sich immer einen Mann zum Anlehnen sucht) und findet zu einer natürlichen Umgehensweise mit ihrer Weiblichkeit.

Während bei Sabrina schon Themen wie Liebe und Freundschaften in der Schule vorherrschen, ist Bibi noch auf der Schwelle zur Jugendlichen. Sie zeichnet sich durch besondere Frechheit und durch ihr vorlautes Mundwerk aus. Bei Blocksbergs sind nur die Frauen Hexen und Vater Blocksberg muss das Sagen im Haus den beiden Frauen überlassen. Außer Frau Blocksberg und Bibi gibt es keine weiteren Hexen, die auftreten, aber durch die Betonung des „bei Blocksbergs können nur die Frauen hexen“ ist anzunehmen, dass es in der Verwandtschaft noch weitere Hexen gibt. Bibis Freunde wissen alle um ihre Zauberkraft, integrieren sie aber doch wie jedes andere Mädchen in ihre Klasse (auch Bibi geht in eine normale Schule und muss Mathematik etc. büffeln). Wahrscheinlich wäre Bibi auch ohne ihre Hexerei ein Mädchen, das immer im Mittelpunkt steht, da sie ein vorlautes Mundwerk hat und sich immer so benimmt, wie es ihr gerade passt. Ihre Zaubersprüche haben alle das gleiche Schema: Sie reimen sich und enden mit einem „hex hex!“. Sie folgen in ihrem Nonsens und der Lautmalerei den Kinderversen und überlieferten Zaubersprüchen. Nonsens deshalb, weil in den Versen oft völlig sinnlose Dinge aneinandergereiht werden, die ihre Zusammengehörigkeit allein durch den Reim erhalten. Wie die verkehrte Welt so finden auch sinnlose Sprüche und die Erfindung von kausalen Zusammenhängen, die eigentlich nicht existieren, großen Anklang bei den Kindern.54 Bibi kümmert sich außerdem um Gerechtigkeit in der Stadt, fängt Diebe, rettet den Stadtschatz und ist als Detektivin tätig. Das alles macht sie mit einer Nonchalance, und einer Gemütsruhe, die die Kinder beeindrucken muss. Angst kennt Bibi natürlich nicht - höchstens wird ihr einmal mulmig zumute.

Bibi und Sabrina gestalten die Welt, in der sie leben, aktiv mit. Ihre Aktivitäten reichen über den privaten Bereich hinaus und sie greifen in das Leben vieler Menschen ein. Die Hexengemeinschaft in Kinderbüchern gibt den Hexen (egal ob erwachsene Hexe wie Hecky oder jugendliche Hexen wie Bibi und Sabrina) besonderen Rückhalt, der häufig durch die familiären Bindungen zwischen den Hexen verstärkt wird. Dadurch wenden sich diese Hexen vermehrt nach außen. Selbstvertrauen und Mut sind Eigenschaften, welche die Hexen schon allein durch ihre Herkunft auf sich vereinigen. Auch hier ist zu beobachten, dass die ProtagonistInnen einen hohen Anteil an der Kommunikation haben und ihre Stimmen erheben, um zum Ziel zu gelangen.

4.2.2.5 Die Welt der Hexen und Zauberer

In Kinderbüchern, die eine eigene Welt der Hexen und Zauberer entwerfen, die neben der realen Welt existiert, müßte man die Geschlechtsverhältnisse gesondert und in dieser zweiten Welt untersuchen, da die Hexenkräfte dort nicht etwas sind, was einzelne Personen auszeichnet und ihnen einen Vorteil vor den anderen verschafft. Das Potential, die Geschlechterrollen aufzubrechen und neu zu definieren ist im Falle der Hexen an ihre Magie gekoppelt. Wenn die Magie anderer Zauberer und Hexen dagegen steht, entsteht eine neue Gesellschaft, die entweder auch in betreff der Geschlechterrollen eine Utopie entwirft, oder in den alten Schemata verhaften bleibt.

Harry Potter ist ein Beispiel für den zweiten Fall und ich möchte einen kurzen Überblick über die Geschlechterrollen geben: Die einzigen Charaktere, die feministisches Potential haben, sind Hermione und Mrs. McGonnagall, die stellvertretende Direktorin und Quidditchlehrerin. Alle anderen weiblichen Personen sind den typischen Rollen verhaftet: Die Mütter der SchülerInnen sind Hausfrauen, die sich um das Wohl ihrer Familie kümmern, während die Väter arbeiten (z.B. Mrs. Weasley). Die restlichen Lehrerinnen an der Schule beschäftigen sich auch eher mit Themen, die als typisch weiblich gelten: Pflanzenkunde, Wahrsagerei und Medizin. Die Lehrer dagegen dominieren in den gefährlicheren Fächern (Zaubertrank, Pflege und Aufzucht von Magischen Wesen, Verteidigung gegen die dunklen Künste...). Der Rektor der Schule, sowie alle ernstzunehmenden Minister der Zauberwelt sind natürlich Männer. Neben Hermione fällt unter den Schülern nur Neville aus der Rolle, wird darin aber nicht unterstützt, sondern an den Rand des Gemeinwesens gedrängt und hat unter seiner Schüchternheit zu leiden. Man muss Harry zu Gute halten, dass er immerhin Verständnis für Neville aufbringt. Besonders deutlich ist die traditionelle Geschlechterfestschreibung im vierten Band, in dem das Triwizard Tournament ausgetragen wird. Zwar nimmt neben drei Jungen auch ein Mädchen teil, aber dieses zeichnet sich besonders durch seine umwerfende Schönheit aus, bleibt punktemäßig weit hinter den männlichen Kollegen zurück und ist die erste, die aus dem Rennen fällt.

Diese oberflächliche Betrachtung soll genügen, die Übernahme der traditionellen Geschlechterrollen bei Harry Potter zu belegen.55 Dass der Held ein Junge ist, kann angesichts der Masse von weiblichen Heldinnen in der heutigen Kinder- und Jugendliteratur bei der Bewertung allerdings nicht ins Gewicht fallen.

5 Die Macht der Hexe in der Kinder- und Jugendliteratur - ein Ausblick

„Jede Gesellschaft zeigt in ihren Kinderbüchern, wie sie ihre Kinder haben will.“56 Mit der Annahme verbunden, dass Kinderbücher immer didaktisch wertvoll sein und pädagogische Inhalte vermitteln sollen, birgt dieser Ausspruch den Wunsch der Gesellschaft nach Veränderung. Die Mädchen im modernen Kinderbuch sind stark und eigenständig - so wünscht sich auch die heutige Gesellschaft die realen Mädchen. Kinder sollen lernen, sich durchzusetzen und auf ihre eigenen Gefühle zu vertrauen. In den zitierten Büchern bekommen sie von den Autoren Zauberkräfte verliehen oder eine Person zur Seite gestellt, die über solche verfügt. Doch die übernatürlichen Kräfte stehen jeweils nur am Beginn einer Veränderung des Kindes bzw. Jugendlichen hin zu einer verantwortungsbewussten und selbständigen Persönlichkeit. Auch die Hexerei muss nämlich beherrscht und zu den richtigen Zeitpunkten eingesetzt werden können. Neben der natürlichen Anziehungskraft, die das phantastische Element in den Hexenbüchern ausübt, sind die Motive der Entwicklung und der Macht der Kinder nicht zu unterschätzen. Die jugendlichen Leser sehen ihre Wünsche widergespiegelt und bekommen neue Handlungsmuster angeboten. Insbesondere Mädchen werden bestärkt, ihre Rollen anders zu leben als bisher. Die modernen Mädchen verstummen nicht im Laufe der Bücher, wie dies noch in der vor-feministischen Kinder- und Jugendliteratur der Fall war. Aber auch männliche Leser bekommen Beispiele vorgeführt, wie neue Verhaltensweisen ausprobiert werden können, ohne an Ansehen und Zuneigung zu verlieren.

Es stellt sich immer wieder die Frage, wie viel Einfluss Kinder- und Jugendbücher im Zeitalter der neuen Medien tatsächlich noch haben und ob sie eine gleichberechtigte Erziehung von Mädchen und Jungen unterstützen kann. Die Bibliotheken sind immer noch voll und die Verkaufszahlen von Kinder- und Jugendliteratur sind sehr hoch.57 Aber auf der anderen Seite werden die Kinder bereits in sehr jungem Alter von den Bildern der Medienwelt überflutet, welche die herkömmlichen Geschlechterrollen tradieren und keine Mädchen- und Frauenfiguren, so der völlig berechtigte Einwand, würden als Bücherwürmer, hysterische Kühe und jedenfalls langweiliger als die männlichen Figuren vorgeführt.“ Beyer, von Festenberg 2000.

Identifikationsmuster für selbständige Kinder, die sich jenseits der vorgegebenen Rollen für Mädchen oder Jungen definieren wollen, bieten können. Aber:

Kinder und Jugendliche wählen heute aus dem gesamten Medienangebot das für sich aus, was in der jeweils konkreten Situation die jeweils spezifischen Bedürfnisse befriedigen kann, auch aus den Printmedien. Sie haben - neuere Umfragen belegen dies - durchaus vielfältige, keineswegs uniformierte, aber auch widersprüchliche Interessen. Und allen Unkenrufen zum Trotz lesen Kinder und Jugendliche »auch Ende der 80er Jahre häufiger als die übrigen Altersgruppen der bundesdeutschen Bevölkerung«.58

Maccoby hat gezeigt, dass sich durch das Geschlecht abweichende Verhaltensmuster von Kleinkindern ändern lassen, wenn man intensiv mit ihnen arbeitet und das Zusammenspiel von Jungen und Mädchen fördert59. Wenn Kinder nun das Bedürfnis haben, Hexen zu spielen und mit Hilfe der (Phantasie-) Zauberkraft die Geschlechterrollen zu sprengen, finden sie in den Kinder- und Jugendbüchern vielleicht doch den Anreiz, mutiger zu werden und sich selbst zu bestärken in dem was sie tun.

6 Bibliographie

Kinder- und Jugendbücher:

Arndt, Ernst Moritz: Märchen und Jugenderinnerungen. München, Leipzig 1842.

Boie, Kirsten, Knorr, Peter (Illu.): Du wirst schon sehen, es wird ganz toll, Hamburg 1999. Boie, Kirsten: Nella Propella. Hamburg 1994.

Dahl, Roald: Hexen hexen. Deutsch v. Sybil Gräfin Schönfeldt, Hamburg1992 (1986).

Dierks, Monika, Kehr, Karoline (Illu.): Hexengewitter. Berlin, München 2000.

Donnelly, Elfie; Herzog, Ulli (Regie); Hahn, Gerhard (Illu.): Bibi Blocksberg hat Geburtstag, hör + lies, Berlin 1983.

Donnelly, Elfie; Herzog, Ulli (Regie); Hahn, Gerhard (Illu.): Bibi Blocksberg wird entführt, hör + lies, Berlin 1991.

Fetscher, Iring: Wer hat Dornröschen wachgeküßt? Das Märchen-Verwirrbuch. Hamburg, Düsseldorf 1974.

Hasler, Eveline; Sis, Peter (Illu.): Hexe Lakritze. Würzburg 1987.

Gmelin, Otto F.; Lerche, Doris: Märchen für tapfere Mädchen. Gießen 1978.

Ibbotson, Eva; Baier, Ulrike (Illu.): Hecky Hexe. (Deutsch von Regine Adolphsen). Berlin, München 1992.

Janosch: Janosch erzählt Grimm’s Märchen und zeichnet für Kinder von heute. Fünfzig ausgewählte Märchen. Weinheim, Basel 1972.

- Kinder- und Hausmärchen. Gesammelt durch die Brüder Grimm. Berlin, Weimar 1989. Band 1 und 2.

Knister; Rieger, Birgit (Illu.): Abenteuer mit Hexe Lilli. Würzburg 2000.

Maar, Paul: Die Geschichte vom bösen Hänsel, der bösen Gretel und der Hexe. In: Der tätowierte Hund. Hamburg 1968, S. 27-33.

Minte-König, Bianka; Probst, Petra (Illu.): Luzie Luzifer und die verteufelte Geburtstagsparty. Freiburg, Wien, Basel 2000.

Pleschkowa, Ursula; Lorraine, Hélène (Illu.): Die Hexe weiß das Zauberwort und neue Geschichten von schlauen Mädchen. Berlin1989.

Rowling, Joan K.: Harry Potterrr and the Goblet of Fire. London 2000.

Schindler, Nina; Kehlenbeck, Angela (Illu.): Wenn ich eine Hexe wär... Gossau 1998. Schubert, Ingrid und Dieter: Irma hat so große Füße. Frankfurt 1987.

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Ullrich, Hortense: Hexen küsst man nicht. Stuttgart, Wien 1999.

Turin, Adela; Bosnia, Nella (Illu): Asolina und die gläsernen Schatullen, München 1980. Turin, Adela; Bosnia, Nella (Illu): Asolina im Land der Riesen, München 1980. (Verlag Frauenoffensive: Hexen und Feen auf Seiten der kleinen Mädchen).

Sekundärliteratur:

Albu, Rodica: The Lion, the Witch, and the Wardrobe. In: Inklings: Jahrbuch für Literatur und Ästhetik, Düsseldorf 1993, 11, 39-48.

Beyer, Susanne; von Festenberg, Nikolaus: Ein Volk von Zauberlehrlingen. In: Der Spiegel 47/2000. URL: http//www.spiegel.de/spiegel/o,1518,104665,00.html. Brednich, Rolf Wilhelm u.a. (Hrsg.): Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Berlin, New York 1990. Diederichs, Ulf: Who’s who im Märchen. München 1995.

Doderer, Klaus: Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur. Weinheim, Basel, 1975.

Haas, Gerhard; Klingberg, Göte; Tabbert, Reinbert: Phantastische Kinder- und Jugendliteratur. In: Haas, G.: Kinder- und Jugendliteratur. Ein Handbuch. Stuttgart 1984.

Kuhn, H.: Hexen (f)liegen in der Luft. Reflexionen über Hexen in modernen Kinderbüchern. In: Das gute Jugendbuch, 1969, 19, S. 1-9.

Maccoby, Eleanor: Psychologie der Geschlechter. Sexuelle Identität in den verschiedenen Lebensphasen. Stuttgart 2000.

Marin, Catherine: Féerie ou sorcellerie? Les Contes de Fées de Madame d’Aulnoy. In: Merveilles & Contes. 1992, 6, 1, S. 45-58.

Petzold, Leander: Märchen, Mythen und Sagen. In: : Lange, G.: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur, Baltmannsweiler 2000, Bd. 1, S. 246-266.

Seelinger Trites, Roberta: Waking Sleeping Beauty. Feminist Voices in Children’s Novels. Iowa 1997.

Sprater, Anja: Verhext und gespenstisch: Grusel-Überblick 1994 - Hexen, Monster und Vampire. In: Eselsohr. Mainz 1994, 11, S. 30-32.

Stark, S.; Stier, K.: Ich Tarzan - Du Jane? München 1995.

Stewig, John Warren: The Witch Woman: A Recurring Motif in Recent Fantasy Writing for Young Readers. In: Mythlore: A Journal of J.R.R. Tolkien, C.S. Lewis, Charles Williams, and the Genres of Myth and Fantasy. Altadena 1994. Winter, 20, 1 (75), S. 48-53.

Tabbert, Reinbert: Phantastische Kinder- und Jugendliteratur. In: Lange, G.: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur, Baltmannsweiler 2000, Bd. 1, 187-200.

Todorov, Tzvetan: Einführung in die fantastische Literatur. Frankfurt am Main 1992.

Vanneste, Martine: Attention! Sorcières... In: Livres leune aujourd’hui. 1992, 7, S. 367-375. Wild, Reiner (Hrsg.): Geschichte der deutschen Kinder- und Jugendliteratur. Stuttgart1990.

[...]


1 Eleanor Maccoby hat allerdings gezeigt, dass dies auch in der Realität so aussieht: Mädchen sind offener gegenüber den Verhaltensweisen anderer Kinder, somit auch von Jungen, während Jungen dazu neigen, anderen Kindern nahezulegen, ihr eigenes Verhalten zu übernehmen. Vgl.: Maccoby 2000, S. 62.

2 Turin/Bosnia, München 1980.

3 Der erste Text in dieser Richtung trägt zum Thema nichts bei, was von Bedeutung wäre: Kuhn, H. 1969: Hexen (f)liegen in der Luft. Immerhin ist es ein Beitrag der sich schon sehr früh mit dem Thema Hexen beschäftigt.

4 Sprater 1994. Eine weitere Zusammenstellung des Materials bietet die Diplomarbeit Die Hexe in der Kinderund Jugendliteratur von Inge Schatz, München (ohne Jahresangabe), die aber ansonsten keine interessanten Erkenntnisse vorstellt.

5 Vanneste 1992.

6 z.B.: Barth 1995.

7 Diederichs 1995; Brednich 1990. Brednich weist immerhin auf die Bedeutung der Hexe in der modernen Kinder- und Jugendliteratur hin: „Während Jugendbücher die Gefahren abergläubischer Vorurteile bewußt und anhand einzelner Fälle - gestützt auf oft umfangreiche kulturhist. Qu.nstudien - die vielschichtigen Hintergründe dieses hist. Massenwahns verständlich zu machen suchen, erscheint die H. im phantastischen Kinderbuch - obwohl in vielem der Grimmschen Märchenhexe nachgebildet - nicht mehr als dämonischer Unhold mit kannibalischen Gelüsten, sondern in neuem Gewand als eher harmloses, eigenwilliges, aber liebenswertes Wesen bei allerlei Nonsens-Späßen.“ S. 980.

8 Marin 1992.

9 Auf die genauen Bedeutungsunterschiede von „Hexe“, „strega“, „witch“, „bruja“, „sorcière“ etc. sei hier nur aufmerksam gemacht. Ich gehe bei meiner Untersuchung vom Begriff der „Hexe“ aus und beschäftige mich mit der Literatur in der deutschen Übersetzung. Eine direkt vergleichende Untersuchung steht noch aus.

10 In meinen Ausführungen halte ich mich an Tabbert 2000, da er eine gute und knappe Zusammenfassung des Themas liefert und den neuesten Stand darstellt.

11 Todorov 1992, S. 26.

12 Todorov 1992, S. 26.

13 Haas, Klingberg, Tabbert 1984, S. 273.

14 Tabbert 2000, S. 191.

15 Haas, Klingbert, Tabbert 1984, S. 285.

16 vgl.: Diederichs 1995, S. 159 ff.

17 Haas, Klingberg, Tabbert 1984, S. 267.

18 Seelinger Trites 1997, S. 4.

19 Boie 1999.

20 Boie 1994.

21 Stark 2000.

22 Seelinger Trites 1997, S. 7-8.

23 vgl.: Hoffmann-Kayser 1930/31, Behringer 1998.

24 Vgl.: Behringer 1998.

25 Zur Geschlechterfrage der Hexen: Behringer 1998, S.27 ff.

26 Behringer 1998, S. 29.

27 Behringer 1998, S. 29.

28 Behringer 1998, S. 13.

29 Diederichs 1995, S.159ff.

30 An eventuell positive Konnotationen in anderen Sprachen sei an dieser Stelle erinnert.

31 Brednich 1990, S.978f.

32 Vgl.: Grimms Märchen: Die drei Männlein im Walde. S. 65- 70, Die Wichtelmänner. S. 171-174. Im modernen Märchen: Disneys Film Die Hexe und der Zauberer.

33 Behringer 1998, S. 92.

34 vgl.: Petzold 2000; Haas 1984.

35 Petzoldt 2000, S. 255.

36 Haas, Klingberg, Tabbert 1984, S. 315.

37 Kopisch 1923, S. 42 ff.

38 Doderer 1975, S. 10 ff.

39 Maar 1968, Janosch 1972, Fetscher 1874.

40 Gmelin, Lerche 1978.

41 Neben dem Vorwurf der Ahistorizität und der ideologischen Fragwürdigkeit steht schließlich der Vorwurf, Märchen entwickelten und beförderten grausame Züge im Kind. Schon 1885 setzten sich die Amerikanischen Erziehungsblätter kritisch mit diesem Problem auseinander; nach 1945 dachte die britische Militärregierung an ein Verbot bestimmter Märchen, da die Grausamkeiten der Märchen in unmittelbare Verbindung zu den Grausamkeiten in den nationalsozialistischen KZ gebracht wurden. Vgl.: Haas, Klingberg, Tabbert 1984, S. 314.

42 z.B.: Turin, Bosnia 1980, Pleschkowa 1989 und Gmelin, Lerche 1978 mit dem programmatischen Titel Märchen für tapfere Mädchen.

43 z.B.: Engelhardt, Ingeborg: Hexen in der Stadt. Stuttgart 1971; Reidel, Marlene: Anna und die Weiherhex: Eine Feriengeschichte. Stuttgart1979; Speare, Elisabeth: Die Hexe vom Amselteich. Güthersloh 1961; ein moderneres: Rees, Celia: Hexenkind. Aus dem engl. v. Angelika Eisold-Viebig Würzburg 2001 [2].

44 Ein frühes Beispiel ist Die rote Zora von Kurt Held: Die Großmutter von Branko ist zwar sehr unwirsch („bös“ im Sinne einer Hexe) und wird von den Dorfbewohnern auch für Hexendienste in Anspruch genommen. Die rote Zora und Branko entlarven sie jedoch als alte Frau ohne Hexenkünste, da sie sie dabei beobachten, wie sie ein und die selbe Heilsalbe an alle verkauft. Ein moderneres Beispiel: Albó, Nuria; Bordoy, Irene (Illu.): Tanit. Madrid 1987.

45 Ibbotson1992.

46 Rowling 2000.

47 Dahl 1992, S. 7-8.

48 Dierks 2000.

49 Ullrich 1999.

50 Knister 2000.

51 Minte-König 2000.

52 Arndt 1842, S. 201-245.

53 Ich weiß nicht, ab welchem Alter Kinder die Serie ansehen, wahrscheinlich schon ab sechs Jahren oder früher, aber die Probleme, die gezeigt werden, sind die einer pubertierenden Jugendlichen - also genau die der Backfischzeit. Sendezeit: Montags bis Freitags 18.30 auf Pro7.

54 Ich erinnere mich an das Spiel: -„Sag mal Mütze“ -„Mütze“ - „Zehn Minuten Stütze!“. Dann darf sich das Kind auf das andere stützen, einfach weil es das erste war, das das Spiel kennt und weil das andere ein Wort gesagt hat, auf das sich „Stütze“ reimt.

55 Ein wenig polemischer drücken das Beyer und von Festenberg aus: „Zwar passiert es, dass es etwa eine Rezensentin der „taz“ doch mal wagt, in dem Potter-Epos „unterschwellige Frauenverachtung“ zu erkennen - die

56 Pressler in Stark, Stier 1995, S.8.

57 In Dänemark zum Beispiel wird fast die Hälfte der publizierten Belletristik für Kinder und Jugendliche geschrieben. vgl.: http://www.ifla.org/IV/ifla63/63glieg.htm.

58 Wild 1990, S. 454.

59 Maccoby 2000, S. 44.

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Details

Title
Die Aufwertung der Hexen in der feministischen Kinder- und Jugendliteratur
College
LMU Munich
Course
Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur
Author
Year
2001
Pages
31
Catalog Number
V106319
File size
502 KB
Language
German
Tags
Aufwertung, Hexen, Kinder-, Jugendliteratur, Klassiker
Quote paper
Bettina Lang (Author), 2001, Die Aufwertung der Hexen in der feministischen Kinder- und Jugendliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106319

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