Die Schlacht von Adrianopel und ihre Darstellung in der Forschung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

30 Seiten, Note: 1.3


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Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die Schlachtschilderung des Ammianus Marcellinus
2.1. Quellenkritik zu Ammianus Marcellinus
2.2. Der Verlauf der Schlacht

3. Die Schlacht in der Forschung

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Die Schlacht von Adrianopel zählt meines Erachtens nach zu den wichtigsten Schlachten der Geschichte des Römischen Reiches. Diese Bedeutung resultiert zum einen aus den Ursachen, die zur Schlacht führten, zum anderen aus dem Ergebnis der Schlacht und der Tatsache, daß ein Kaiser während dieser Schlacht fällt, aber auch aus den Auswirkungen, die diese Schlacht nach sich zog. Des weiteren gibt es einige Punkte, die auch wenn sie auf den ersten Anblick nur nebensächlich wirken, so doch im nachhinein, nicht so unbedeutend sind, wie sie zuerst schienen.

So bedeutsam diese Schlacht ist, so unterschiedlich ist jedoch auch die Literaturlage. Und so soll die Hauptaufgabe, der sich diese Arbeit stellt, weniger die Beschäftigung mit der Schlacht an sich sein, als vielmehr mit der Literatur zu ihr. Die Arbeit soll aufzeigen, daß der Großteil der Rekonstruktionen häufig nur Nacherzählungen sind. Ferner wird sich diese Arbeit damit beschäftigen, welche Auswirkungen diese Schlacht laut Literatur nach sich zieht. Gerade die Auswirkungen sind es, die dem Thema: „Schlacht von Adrianopel“ seine Vielgestaltigkeit verleiht. Etliche Arbeiten zum Thema sehen nur eine Auswirkung, und zwar die, die in das Gesamtkonzept ihrer Arbeit passt und lassen andere, nicht minder bedeutsame Auswirkungen außen vor. Auch sind einige Auswirkungen unscheinbar, jedoch von längerer Nachwirkung als die vermutlich wichtigeren. Und so ergibt sich die zweite Aufgabe dieser Arbeit und zwar der Versuch der Ordnung dieser verschiedenen Auswirkungen und einer eventuellen Gewichtung der verschiedenen Auswirkungen.

Und als letztes soll der Vergleich gewagt werden, in wieweit die jeweiligen Abhandlungen wirklich den Schilderungen des Ammianus folgen oder ob sie bei dem Versuch der Rekonstruktion sich zu weit von Ammianus lösen. Jedoch muß Berücksichtigung finden, wieweit man sich überhaupt von Ammianus lösen kann. Denn seine Niederschrift der Ereignisse ist die einzige ausführliche Schilderung der Schlacht. Etliche andere Quellen erwähnen die Schlacht nur am Rand, der Tod des Valens findet mehr Beachtung. Am Beispiel des Todes des Kaisers Valens wird beispielsweise die Tragik der Geschichtsschreibung der Spätantike sichtbar. An ihm, wie auch an der ganzen Schlacht wird der Unterschied zwischen christlichen und heidnischen Schriftstellern deutlich. Die christlichen Schriftsteller interessiert die Schlacht als solche recht wenig. Vielmehr findet Tod des Valens bei christlichen Autoren Beachtung. Sehen sie in ihm doch eine Art Gottesgericht, ein Höllenfeuer, welches den arianischen Kaiser verbrannt hätte1. Die Aufsätze und Schriften seit 1950 nehmen den größeren Teil der hier behandelten Sekundärliteratur ein, da es ja hauptsächlich um den Vergleich der neuzeitlichen Literatur mit der Schilderung des Ammianus Marcellinus geht. Wichtigste Quelle für die gesamte Hausarbeit bleibt zweifelsohne Ammianus Marcellinus, alle anderen Quellen haben meiner Ansicht nach beiordnenden Charakter.

2. Die Schlachtschilderung des Ammianus Marcellinus

2. 1. Quellenkritik zu Ammianus Marcellinus

Die Ausführungen des Ammianus Marcellinus sind die weitaus ausführlichsten zur Schlacht von Adrianopel. Die Res Gestae des Ammianus Marcellinus ist die umfangreichste, zusammenhängende historiographische Schrift der Spätantike. Sie ist vergleichbar mit den Annales und den Historiae des Tacitus. Und wie auch Tacitus schreibt Ammianus sowohl über einen Abschnitt Geschichte, der vor seiner Zeit lag, als auch über einen Abschnitt seiner Zeitgeschichte. Das erhaltene Werk des Ammianus Marcellinus bezieht sich auf die Jahre 353 bis 378, es war wohl ursprünglich umfangreicher und bezog sich auf die Zeit vom Tode Nervas bis zum Tod des Valens2. Er setzte damit dort ein, wo Tacitus aufhörte. Ammianus Marcellinus wurde um 330 n. Chr. in Antiochia geboren3. Er kam aus einer wohlsituierten Familie. Ammianus diente in der Truppe der protectores domestici. Es besteht die Möglichkeit, daß Ammianus zum Militär gegangen ist, um von allen Abgaben befreit zu werden, da dies nur durch Eintritt ins Militär oder in den Klerus der Kirche möglich war, da Ammianus jedoch Heide war, dürfte diese Möglichkeit für ihn nicht in Frage gekommen sein4. 353 n. Chr. kommt Ammianus als protector domesticus in den Stab des Ursicinus5. Mit diesem Jahr beginnen auch die erhaltenen Bücher aus dem Geschichtswerk. Ammianus schreibt also sowohl aus dem Blickwinkel eines Soldaten, als auch eines Zivilisten6. Seine Kriegserfahrung7 schlägt sich in einzelnen Beschreibungen von Schlachten nieder. Unter anderem läßt sich das aus den Schlachten von Adrianopel und Straßburg ersehen8. Für die Schlacht von Straßburg gibt Ammianus überaus genaue Angaben, was die Taktik der Infanterie und der Kavallerie angeht9. So hat auch die Schlacht von Adrianopel einen hervorragenden Berichterstatter in Ammianus Marcellinus gefunden10. Ammianus Marcellinus war kein Augenzeuge der Schlacht, jedoch war er ohne weiteres gut über die Schlacht informiert. Er hatte bestimmt Augenzeugen gehört und selbst das Schlachtfeld besucht11. Dennoch dürfte es für Ammianus schwierig gewesen sein, einen folgerichtigen Verlauf zu rekonstruieren. Immerhin waren zwei Drittel des Heeres gefallen, alles dürfte sich in ungeordnetem Rückzug befunden haben, und die Reste waren in völliger Auflösung begriffen. Die wenigen, und sicherlich diffusen, Aussagen zu einem logischen, dem wahren Verlauf annähernd entsprechenden Schlacht- bzw. Ereignisverlauf zusammenzufügen, muß sich als sehr problematisch dargestellt haben12. Dennoch gelingt es ihm, einen logischen Schlachtverlauf zu rekonstruieren. Im Jahr 380, zwei Jahre nach der großen Niederlage bei Adrianopel, ging Ammianus nach Rom13. Warum Ammianus begann, Geschichte zu schreiben, ist unklar. So besteht einerseits die Möglichkeit, daß er sich mit verbreiteten Irrtümern und Vorurteilen auseinandersetzen wollte14. Er wendet sich wohl gegen Heiden und Christen gleichermaßen15. Auch mag er sich gegen den Pessimismus gewandt haben, der nach der Schlacht von Adrianopel weitverbreitet war. So erwarteten die Christen einen Sieg vom orthodox-gläubigen Gratian, Libanius erwartete, daß Theodosius die Schande von Adrianopel auslöschen möge16. Auch war Ammianus optimistisch genug, Front zu machen gegen die allgemeine Untergangsstimmung. Er hielt seinen Zeitgenossen Beispiele aus der römischen Geschichte vor, Beispiele in denen man große militärische Katastrophen meisterte17. Ammianus nennt die Einfälle der Kimbern und Teutonen, die Markomannenkriege des Marcus Aurelius und die Zeit der Abwehrkämpfe des 3. Jahrhunderts n. Chr.18. Die Siege der „Barbaren“ waren Siege auf Zeit, letzten Endes blieben immer die römischen Waffen siegreich19. Ammianus scheint davon ausgegangen zu sein, daß es auch diesmal wieder so wäre.

Es gibt noch eine andere Möglichkeit, warum Ammianus angefangen haben mag, sein Werk zu schreiben. So nimmt Rosen20 ein „Valenserlebnis“ an, ich möchte mich dabei jedoch Neumann21 anschließen, der dies als simplifizierend ansieht und der Ansicht ist, daß Ammianus durch dialektische Spannungen zwischen seiner geistigen Intention und der erstarrten sozialen Ordnung der Spätantike zum Historiker geworden sei22. Allerdings ist ein „Valenserlebnis“ nicht vollständig auszuschließen. Immerhin ist der Epilog, den Ammianus dem Kaiser Valens zukommen läßt23, der kürzeste Epilog auf einen Kaiser überhaupt, abgesehen von Jovian, darüber hinaus bescheinigt er ihm mangelnde Bildung, etwas, das für Ammianus um so schwerer wiegt, als er Bildung überaus wichtig auffaßt und diese auch Julian bescheinigt hat24. Des weiteren spricht Ammianus von Habgier und Gewinnsucht25, Valens ist voller Neid auf seinen Mitkaiser Gratian und war nicht in der Lage, einen consensum universorum vor der Schlacht von Adrianopel zu erzielen26. Selbst hinter den positiven Äußerungen gegenüber Valens ließe sich Ironie vermuten27.

Wie für Tacitus Germanicus und Agricola die Helden waren, so ist Julian der Held für Ammianus Marcellinus. Allein der Epilog für Julian28 ist die umfangreichste laudatio in den Res Gestae. Man kann sie ohne weiteres als Panegyrikus bezeichnen29. Alles in allem überwiegen die positiven Eigenschaften bei weitem, und selbst wenn negative Eigenschaften eingestreut sind, so verblassen sie doch bzw. betonen die positive Eigenschaften geradezu30. Ammian scheint bewußt die siegreiche Schlacht Julians bei Straßburg der verheerenden Niederlage des Valens gegenübergestellt haben, jedenfalls lassen das Kolorit der Kampfschilderungen und Gleichnisse bis in den Wortgebrauch hinein dies vermuten31. Es darf aber nicht vergessen werden, daß Ammianus, als Soldat und Historiker, für den militärisch zweifelsohne sehr talentierten Julian sehr viel Bewunderung aufbringt und sein militärisches Können respektiert32. Zudem sollte man nicht vergessen, daß dem Julian, als heidnischem Kaiser, Ammianus Marcellinus, ein heidnischer Geschichtsschreiber ohnehin mehr Sympathie entgegengebracht haben dürfte als einem orthodoxen oder arianischen Kaiser. Letzen Endes glaube ich, daß kein „Valenserlebnis“ ausschlaggebend war, damit Ammianus begann, die Res Gestae zu schreiben. Wenn also bei Ammianus Marcellinus auch Valens im Vergleich zu Julian schlecht abschneidet, so scheint es unwahrscheinlich, daß die Schlacht vorsätzlich verzerrt wiedergegeben wurde nur um Valens „blasser“ erscheinen zu lassen. Die Schilderung, die Ammianus uns zur Schlacht gegeben hat, gibt alles so wieder, wie er es vernommen33 und später erblickt hat, und Abweichungen vom tatsächlichen Verlauf, die es zweifelsohne geben dürfte, sind leider nicht mehr eindeutig herauszufiltern. Eventuelle Zeugen der Schlacht waren zudem sicherlich geneigt, eigene Anteile am Schlachtgeschehen, ihre Tapferkeit und die Fehler der anderen hervorzuheben. Viel nachteiliger auf die Rekonstruktion der Schlacht wirkt sich wohl die Eigenheit von Ammianus aus, die historiographischen Beschreibungen durch kleine farbenfrohe Erzählungen aufzulockern34. Für die Nachvollziehung der Schlacht wäre es aber zum hilfreicher gewesen, hätte Ammianus eine genauere Ortsangabe gegeben35.

Immerhin lasen sich trotz dieser umfangreichen Schilderung taktische Einzelheiten kaum ausmachen36. Nun muß jedoch bezweifelt werden, ob es überhaupt in der Absicht von Ammianus lag, die Entwicklung der Schlacht in allen ihren Einzelheiten sichtbar zu machen37. Ammianus war sich wohl in den Res Gestae des literarischen Erbes bewußt, welches zwar eine sachliche Darstellung des Kampfes, aber auch ein kunstvolle und dramatische Kampfschilderung erforderte. Eventuell war es ihm darum gegangen das Schreckliche der Niederlage, „das Licht am Horizont“, aber auch das plötzlich Hereinbrechende, unter Verwendung der wahren Begebenheiten, dem Leser zu verdeutlichen38. Somit ergeben sich drei Phasen für das Verhängnis: a) der unvermutete Ansturm der Feinde; b) die vergebliche Gegenwehr und der heldenhafte Tod der römischen Soldaten; c) der letzte Kampf der Römer. Durch eine Reihe von Stilmitteln verleiht Ammianus seiner Schilderung eine „tragisch-pathetische“ Schwere39. Zudem ist die Niederlage auch nur eine Folge der moralischen Mängel der Führung und der gestörten Sozialordnung seiner Zeit40.

2. 2. Der Verlauf der Schlacht

Somit möchte ich zur Schlacht an sich kommen, wie sie von Ammianus wiedergegeben wird41. Der Kriegsrat der Römer, die Abfolge der Gesandtschaften und der ganze Verlauf der Schlacht werden in den Kapiteln 12, 5-13, 19 abgehandelt. Wenige Tage sind umfangreicher und detaillierter wiedergegeben als der ganze erste Gotenkrieg. Eingeleitet wird der Kriegsrat damit, daß der comes domesticorum Richomeres einen Brief überbrachte. Der Brief kam vom Augustus Gratian und war an Valens gerichtet, er möge noch etwas mit der Schlacht warten42. Mit diesem Brief wird die Entscheidung des Valens eingeleitet, einen Kriegsrat abzuhalten, indem es darum gehen sollte, ob die Goten sofort angegriffen werden würden, oder ob man doch auf Gratian warten sollte43. Sebastianus, der zu diesem Zeitpunkt der magister peditum war44, riet, den Kampf zu beginnen45. Dagegen sprach der magister equitum praesentalis Victor. Victor war ein überaus fähiger Truppenführer46. Auch hatte er unter dem, von Ammianus so glorifizierten, Julian zahlreiche Feldzüge mitgemacht und sich dort ausgezeichnet47. Laut Ammianus fand Victor auch Zustimmung. Jedoch siegte der Drang die Schlacht zu schlagen48. Ammianus führt hier den Neid des Valens gegenüber Gratian und den offensichtlichen Drang sich zu profilieren als Entscheidungsgründe an49. Im Anschluß berichtet Ammianus von einem Presbyter, den Fritigern geschickt haben sollte. Diese Gesandtschaft brachte die Bitte um Überlassung Thrakiens vor, dafür würde man Frieden geben; in einem ebenfalls mitgebrachten, geheimen Schreiben des Fritigern hieß es, daß der Kampfeseifer der Goten besänftigt werden würde, würde Valens vor ihnen mit einem starken Heer erscheinen50. Die Gesandtschaft wird heute häufig als ernsthaftes Bemühen der Goten um Frieden betrachtet und das geheime Schreiben des Fritigern als Zeichen für seine schwache Stellung51. Diese Gesandtschaft wurde zurückgeschickte, angeblich hätte sie keinen vertrauenerweckenden Eindruck gemacht52. Am 9. August marschierte das römische Heer los, Staatsschatz, Insignien, Troß und Gepäck waren zurückgelassen worden. Nach acht Stunden Marsch kam die gotische Wagenburg in Sicht. Diese Burg war in Form eines Kreises aufgestellt. Ammianus erwähnt hierauf, daß ein wildes und dumpfes Geheul erhoben wurde53. Sodann kommt Ammianus zur Schlachtordnung. Die Ausführung die Ammianus hier macht sind recht dürftig. Zuerst heißt es: „[...] et anteposito dextro cornu equitum primo peditatus pars maxima subsidebat. [...]“54. Daraus ergibt sich lediglich, daß auf dem linken Flügel die Reiterei vor dem Fußvolk im ersten Treffen stand. Die Form der Aufstellung ist alles andere als ersichtlich. Über die Breite der Aufstellung, die Tiefe, über Strukturen innerhalb der Aufstellung wird der Leser im Unklaren gelassen. Mit dem anderen Teil ist es noch etwas verworrener. Ammianus spricht vom linken Flügel der Reiterei, was heißen könnte, der linke Teil der Reiterei auf dem rechten Flügel oder die Reiterei auf dem linken Flügel der Schlachtordnung. Zumindest erfahren wir, daß dieser Teil der Reiterei sich in Gruppen noch auf dem Marsch befand, aber schnell nach vorne eilte. Ammianus spricht dann davon, daß sich dieser Flügel, er meint wohl den linken, da der rechte Flügel schon stand, auseinanderzog55. Daher glaube ich, daß Valens seine Truppen wohl eher in die Breite zog, als sie tief zu staffeln56. Sodann wird darauf verwiesen, daß zwei germanische Heerführer Alatheus und Safrax abseits operierten und erst von Fritigern gerufen werden mußten, weshalb er auch eine neue Gesandtschaft zu Valens schickte57. Valens entließ diese nun jedoch, ohne ihr Beachtung geschenkt zu haben, wegen ihres zu niedrigen Ranges58. Somit liegt der Gedanke nahe, daß Fritigern die Gesandtschaft diesmal nur geschickt habe, damit er Zeit bis zur Ankunft von Alatheus und Safrax habe59. Unterdessen wurde das trockene Gelände von den Goten in Brand gesteckt, damit die ohnehin schon dürstenden, römischen Soldaten noch mehr Durst verspüren sollten. Ammianus erwähnt hier noch den Umstand, daß Mensch und Tier ein furchtbarer Hunger quälte60. Darauf schickte Fritigern noch einmal unum e plebe mit der Bitte, daß Valens ihm einige auserwählte Männer als Geiseln schicke. Der comes domesticorum Richomeres erklärte sich bereit zu gehen, nachdem der Tribun, der eigentlich gehen sollte, sich geweigert hatte61. Während jedoch Richomeres auf die gotischen Linien zuging, rückten die sagitarii und scutarii unter Bacurius und Cassio eigenmächtig gegen den Feind vor und verwickelten diesen in den Kampf62. Warum dieses eigenmächtige Vorgehen erfolgte, ist unklar. Zumindest bei Bacurius handelt es sich nicht um einen militärischen Dilettanten, wie sein späterer Werdegang erahnen läßt. Der Gedanke, daß Cassio und Bacurius die Friedensverhandlungen vorsätzlich „sabotieren“ wollten liegt nahe, kann jedoch nicht bewiesen werden. Mit diesem übereilten Vormarsch und ihrem, laut Ammianus, feigen Rückzug63 lösten sie die Katastrophe aus. Offensichtlich versuchte Richomeres erneut, zu den gotischen Linien zu gelangen, um seinen Auftrag auszuführen, doch wurde ihm der Zugang verweigert64. Gleichzeitig mit dem erneuten Versuch des Richomeres treffen nun die Reiter des Safrax und Alatheus zusammen mit den Alanen ein, die sich sofort auf die Römer stürzten. Hier ist Ammianus wiederum ungenau. Stürzten sich die Reiter auf die scutarii und sagitarii, die sich theoretisch noch in exponierter Stellung vor den restlichen, römischen Truppen befanden, oder stürzten sie sich sofort auf die ersten Treffen der Römer? Da Ammianus aber keinen Reiterkampf, die römische Reiterei befand sich ja im ersten Treffen, erwähnt, gehe ich davon aus, daß es zu einem Gefecht zwischen den Plänklern und den gotisch-alanischen Reitern kam65. Dennoch muß es zu einer Überflügelung der römischen Flanken gekommen sein, da Ammianus davon spricht, daß von allen Seiten Waffen und Wurfspeere geschwungen wurden, des weiteren wird es zu einem Einbruch in die römischen Reihen gekommen sein66. Danach heißt es bei Ammianus Marcellinus, daß die Schlachtreihen vor und zurück drängten. Kurz zuvor wird jedoch von einem Weichen der Römer gesprochen. Der linke Flügel drang sogar bis zur Wagenburg der Goten vor67. Da Ammianus hier extra vom linken Flügel spricht, scheint die Schilderung des Zurückweichens sich vorher auf den rechten Flügel bezogen zu haben. Andererseits war auch die vorhergehende Schilderung des ständigen Vorrückens und anschließenden Rückzuges recht unspezifisch (es hätte sich also auch auf beide Flügel beziehen können, von denen sich der linke aus der Umklammerung befreite). Immerhin waren die Truppen vorher schon von allen Seiten mit Wurfgeschossen beworfen worden, waren danach im Zurückweichen begriffen und urplötzlich drängen sie wieder vor. Die ganze Erzählung macht einen überaus ungeordneten Eindruck. Ich glaube, daß in den Schilderungen zwei bis drei oder mehr verschiedene Gewährsmänner herangezogen wurden. Zumindest einer für den rechten und einer für den linken Flügel, da beide Schilderungen sehr stark voneinander differieren, auch nehme ich für die Schilderung, den rechten Flügel betreffend, zwei verschiedene oder mehr Gewährsmänner an, da die Schilderung in sich alles andere als schlüssig scheint, so als hätte er mehrere verschiedene Versionen gehört und diese verarbeitet. Bei der „Berichterstattung“ über den linken Flügel gibt es wenigstens ein kurze Verlautbarung über den Verbleib der Reiterei. Diese hätte den linken Flügel im Stich gelassen, was dazu führte, daß er nicht weiter vordringen konnte68. Der linke Flügel mußte jedoch auch bald weichen. Die römischen Truppen wurden immer enger gedrängt, so daß an eine geordnete Verteidigung nicht mehr zu denken war. Darauf gibt Ammianus eine äußerst bildhafte Beschreibung der Kämpfe69. Er erwähnt alle Topoi, welche Farbe in eine Schlachtschilderung bringen. Schreie der Verwundeten, Blutvergießen, Gemetzel, das Klirren der Schwerter, also alles, was zu einer Schlacht gehört70. Auch der Hinweis auf die drückende Waffenlast scheint mehr Klimax und verstärkender Topos zu sein als eine Wiedergabe der Realität71. Mit zunehmender Verschlechterung der Lage wird sogar der Himmel und das umliegende Gelände mit in die Schilderung einbezogen72. Zum Ende der Schlacht kommt Ammianus noch einmal auf die „Hauptperson“ der Römer, den Kaiser Valens. Dieser ritt inmitten der Flüchtenden zu den Lanceariern und Mattiariern, einer mit leichten Lanzen ausgerüsteten Truppe, die als eine der wenigen nicht gewichen waren. Die Leibwache des Kaisers war bereits geflohen, und der comes Victor versuchte, die Bataver zum Schutze des Kaisers heranzuholen, diese waren jedoch bereits geflohen73. Nachdem Victor die Bataver nicht mehr vorgefunden hatte, setzte er sich ab und floh wie Richomeres und Saturnius vom Schlachtfeld74. Zurück blieb der Kaiser vom Großteil des Heeres verlassen. Der Tod des Valens ist ungeklärt, es gibt verschiedene Versionen darüber. Ammianus erwähnt beide Möglichkeiten. Nach der ersten Version starb Valens unter seinen Soldaten, als er tödlich von einem Pfeil getroffen wurde, seine Leiche wurde nicht gefunden, da die Goten lange auf dem Schlachtfeld verblieben75. Nach der anderen Version war Valens nur verwundet und wurde in eine Scheune geschafft, diese wurde angeblich von den Goten verbrannt76. Als Ergebnis blieben Trajan und Sebastianus, 35 Tribunen sowie ca. zwei Drittel des gesamten Heeres auf dem Schlachtfeld zurück77. Ammianus vergleicht die Schlacht noch abschließend mit Cannae, er bezeichnet die Niederlage als die schwerwiegendste Niederlage seit Cannae78, andererseits kam nach Cannae der Sieg bei Zama, und so wollte Ammianus seinen Lesern wohl auch nicht die Hoffnung auf eine Wiedergutmachung nehmen. Hiernach endet die Schilderung der Schlacht, Ammianus schließt noch einen Epilog auf den Kaiser Valens an.

An diesem Punkt, möchte ich anführen, wo meines Erachtens die Gründe für die Niederlage lagen.

Ammianus gibt etliche Anhaltspunkte dazu, er läßt eine eigene Meinung einfließen. Die Entscheidung, sich einer Schlacht zu stellen, kann nicht als falsch bezeichnet werden. Im Nachhinein, in Anbetracht der Niederlage, läßt es sich einfach sagen. Betrachtet man jedoch rein militärische Motive und läßt man religionspolitische Motive, die heute schwer nachzuvollziehen sind, so ergeben sich klar einige Punkte, die den Entschluß zur Schlacht rechtfertigten. Zudem bleibt die Frage offen, wann Gratian zu Valens gestoßen wäre, Gratian hatte zwar zugesagt, zu Valens zu stoßen, jedoch war der Zeitpunkt der Ankunft ungewiß79. Zudem wurde Valens die Meldung überbracht, die gotischen Truppen hätten eine Stärke von ca. 10.000 Mann. Fahrlässig war es jedoch vom Kaiser, die Stärke nicht überprüft zu haben. Auch hielt Valens die Goten wohl für schwach, da sie in einer Gesandtschaft um Frieden baten. Dennoch bleiben immer noch die Motive, die Valens zur Schlacht verleitet haben, ungewiß. „Wer, selbst angenommen, wir hätten im Ammian einen Bericht aus der intimsten Umgebung des Kaisers, will die Motive bis ins Individuellste erkennen?“80. Der gröbste und wohl folgenschwerste Fehler des Valens war der, daß er das Gepäck und den Troß in Adrianopel zurückgelassen hatte. Somit fehlte den Soldaten offensichtlich Wasser, um bei der Hitze bestehen zu können, der Durst wurde zusätzlich durch Feuer noch angefacht81. Dieser Durst muß zweifelsohne die Disziplin untergraben haben. Die Disziplin ist wahrscheinlich generell schlecht gewesen82. Vielleicht hat sich der Aufenthalt in Syrien negativ auf die Disziplin der Truppe ausgewirkt, sie sozusagen durch Luxus verweichlicht83. Selbst die Leibwache des Königs war offenbar bereits in der Schlacht geflohen84. Wäre die Truppe auch ausreichend diszipliniert und ausgebildet gewesen, wäre die Verteidigung gegen einen berittenen und plötzlich hervorbrechenden Gegner erfolgversprechender gewesen. Vernachlässigung der Ausbildung bewirkt, daß Soldaten schneller und in größeren Mengen desertieren sowie auf dem Schlachtfeld das Überleben im Ausscheren aus der Schlachtordnung zu erreichen glauben85. Die ersten Augenblicke der Flucht waren die gefährlichsten. Hatte es der Soldat jedoch geschafft aus der „Todeszone“ zu entkommen, hatte er zu dieser Zeit hervorragende Chancen ungeschoren davon zu kommen86 Zu dem konnte er durch Desertion Unfällen auf dem Schlachtfeld ausweichen, auf deren Konto eine nicht unansehnliche Zahl von Toten ging87. Ein wichtiger Punkt, der sich daraus ergibt, sind Fehler auf der Stufe der Unterführer88. Es wird sogar die Ansicht vertreten, daß die Niederlage von Adrianopel nicht Resultat der schlechten Moral und Ausbildung der Truppe, sondern auf Fehler in der Führerschaft zurückzuführen ist89. Beim flankierenden Angriff durch Safrax und Alatheus lassen sich in der Schilderung des Ammianus Koordinationsschwierigkeiten in der Umgliederung der Truppen erkennen, auch daß die Truppen des linken Flügels von der Reiterei entblößt waren ist auf Fehler in der Befehlsgebung zurückzuführen. Daß die Männer sich bei der Abwehr der Goten gegenseitig behinderten, resultiert meines Erachtens aus Unstimmigkeiten unter den Teileinheitsführern. Abschließend komme ich zu dem Ergebnis, daß die Niederlage nur zu Teilen durch Valens verschuldet wurde, auch wenn sich anderes aus der Schilderung des Ammianus Marcellinus entnehmen ließe. Die Fehler wurden eindeutig von im militärischen Handwerk geschulten Generälen wie Sebastianus, Victor und Traianus begangen90. Zusätzlich waren die Truppen nicht diszipliniert und ausgebildet genug, um den Goten widerstehen zu können; durch den Durst war ihre Moral untergraben. Dazu kamen noch Fehler bei den Teileinheitsführern. Die Schlacht hätte nicht notwendigerweise verlorengehen müssen, aber die Chancen sie zu gewinnen, standen, meiner Ansicht nach, von vornherein schlecht.

3. Die Schlacht in der Forschung

Die erste Arbeit, der ich mich widmen möchte ist der Aufsatz von Judeich. Gleich zu Beginn seiner Schilderung macht Judeich auf das Problem der Schlacht von Adrianopel aufmerksam, die Quellenlage. So weist er auf die Parteilichkeit des Großteils der Quellen hin und auf ihre Widersprüchlichkeit91. Danach widmet er sich den Persönlichkeiten von Valentinian und Valens. Ohne jede Kritik oder Bemerkung werden Ansichten der Quellen übernommen. Besondere Betonung liegt auf Herkunft und Abstammung der Kaiser, da aus diesen Punkten bei Judeich auf die Charaktereigenschaften geschlossen wird. Dann gibt er einen kleinen Überblick über die Vorgeschichte. Valens wird für seine Entscheidung, in Bezug auf die Ansiedlung von Germanen, in Schutz genommen92. Darauf gibt er eine Kurzcharakteristik des römischen Heeres, indem er es als zucht- und mutlos bezeichnet93. Interessant ist Judeichs Vorliebe für kleine Anekdoten, so läßt er es sich nicht entgehen, die Geschichte zu erzählen, in welcher Traianus Valens vorwirft, daß dieser (Valens) nicht den rechten Glauben besäße94. Sodann erzählt er den Ablauf weiter, er bringt die Unruhen im Volk zur Sprache und die Ausbildung der kleinen Kerntruppe durch Sebastianus. Leider vernachlässigt Judeich teilweise seine Quellenkritik. Der Leser wird nur unzureichend mit den Problemen der Quellenlage vertraut gemacht, von denen Judeich zu Beginn sprach. Besonders negativ äußert sich Judeich über das Volk von Konstantinopel, welches den Kaiser schalt und ihn beschimpfte95. Nach einigen Ausführungen zu den Vorgeplänkeln zwischen Sebastianus und den Goten kommt Judeich zur Entscheidung für ein offensives Vorgehen gegen die Goten96. Drei persönliche Ansichten sind es, die hier hervorstechen, eine völlige Parteinahme für Sebastianus, das sehr milde und verständnisvolle Urteil über die Entscheidung die Schlacht zu wagen und eine wiederholte „scheltende“ Äußerung gegen die Christen. Sodann fallen Äußerungen über die Bewegungen der Goten. Die Bezeichnung „schlicht“, die Judeich für Fritigern wählt, scheint sehr wohlwollend gemeint zu sein, Judeich bezeichnet ihn als Feldherr ersten Ranges97. Als einem Germanen fliegt Fritigern natürlich die Zuneigung eines deutschen Historikers zu. Nach der Betrachtung des Kriegsrates des Valens und der Gesandtschaften kommt Judeich zur Schlacht98. Judeich zu Folge war das Heer nur vier Stunden unterwegs99. Dies ist jedoch schwer zu glauben, Ammianus bezieht sich wohl auf die achte Stunde nach Sonnenaufgang100. Es bestünde noch die Möglichkeit, daß Judeich die achte Stunde als 0800 Uhr aufgefaßt hat, und, da der Tag um Mitternacht begann101 würde das bei Judeichs vier Marschstunden bedeuten, daß das Heer um 0400 losmarschiert wären, am 09. August geht die Sonne jedoch nicht schon um 0400 Uhr auf, eher gegen 0530 Uhr; Ammianus betont aber den Abmarsch beim ersten Morgengrauen102. Judeichs Annahme, daß keine Lebensmittel zur Stelle waren, weil man keine gehabt habe103, erscheint mir irrig. Weiterhin scheint mir die Bezeichnung „Vorposten“ für die Scutarier und

Sagittarier nicht zutreffend, Plänkler wäre wohl die treffendere Bezeichnung. Meiner Ansicht nach waren die Scutarier und Sagittarier fest in die Schlachtordnung eingebunden104. In seiner Rekonstruktion der Schlacht erwähnt Judeich, daß die Reiter auf dem linken Flügel bis zur Wagenburg gekommen waren. Und daß ihr (der Reiterei) die Unterstützung der Reiterei des rechten Flügels fehlte105. Judeich geht also nicht davon aus, daß das Fußvolk bis zur Wagenburg vordrang und ohne Hilfe der Reiterei auskommen mußte. Für Judeich verharrte das Fußvolk zu diesem Zeitpunkt immer noch auf seinen Plätzen und fing erst später an zu weichen. Diese Ansicht teile ich nicht, meiner Meinung nach war auch das Fußvolk bereits in die Schlacht verwickelt beim Angriff auf die Wagenburg. Die Auflösungserscheinungen, die das Fußvolk aufwies, können nur daher rühren, daß es in der Bewegung von der Kavallerie übermannt wurde, in fester Ordnung hätte es jedwede Attacke der gotischen Reiterei aber auch des gotischen Fußvolkes abgewiesen. In der ersten Anmerkung auf der Seite 18106 vertritt Judeich die Ansicht, daß die schmähliche Flucht der Reiterei feststehe, auch hier vertritt er eine meiner Meinung nach irrige Ansicht. Die Reiterei unterstützt nicht den linken Flügel, kann jedoch immer noch selbst in Kampfhandlungen stehen. Als besonders beachtenswert scheint mir die Betrachtung über den Tod des Valens, mit diesem beschäftigt sich Judeich sehr detailliert, insbesondere mit der Überlieferung durch die christlichen Autoren107. Für ihn ist deren Überlieferung ein Märchen, seine, schon vorher zum Ausdruck gebrachte, Aversion gegen Kirchenhistoriker und christlich- orthodoxe Priester und Feldherren kommt auch hier noch einmal zur Geltung, wenn Judeich diese Geschichten auch als Märchen abtut, so waren seine Ausführungen doch sehr tief gehend gewesen. Judeich nimmt wieder einmal Ammian als wahrheitsgemäße Quelle. Über die Bedeutung der Schlacht verliert Judeich dagegen nur einige Worte108. Judeich ist der Ansicht, daß wegen dieser Schlacht die Goten angesiedelt wurden, aus welchen ein Alarich und ein Athaulf hervorging, die den Goten den Weg geebnet hätten, das römische Weltreich zu stürzen.

Außerdem siegten arianische Christen über den arianischen Kaiser und hätten damit dem Arrianismus den Todesstoß versetzt109. Daß mit der Schlacht von Adrianopel der Zusammenbruch des Reiches entschieden gewesen sei, klingt mir zu absolut. Meines Erachtens wurde das langsame Sterben des Reiches eingeleitet110, jedoch existierte das oströmische Reich theoretisch immerhin noch bis 1453. Es spielten noch vielmehr Faktoren für den endgültigen Zusammenbruch des Reiches eine Rolle. Adrianopel war sicherlich von immenser Bedeutung für den Niedergang. Ich glaube, Judeich setzt die Bedeutung der Schlacht von Adrianopel so hoch an, weil es, wie er sagt, ein germanisches Volk war, das zum ersten Mal eingedrungen sei und sich in den Grenzen behauptet habe111. Die zwei gröbsten Mängel, die wohl in dem Aufsatz von Judeich zu sehen sind, sind folgende: a) Judeich betont die Schwierigkeit der Quellenlage, geht aber in keinem einzigen Fall, außer dem Tod des Valens, näher auf die Schwierigkeiten ein. b) Judeich stellt nur eine einzige Möglichkeit des Schlachtverlaufs dar, er gibt seine Sichtweise auf die Schlacht wieder, ohne andere Möglichkeiten zu beachten. Daß seine Rekonstruktion nicht zweifelsfrei ist, bzw. sein kann, scheint Judeich nicht in Betracht zu ziehen.

Die nächste Arbeit, die sich diesem Thema widmet und hier betrachtet werden soll, ist die Dissertation von Runkel. Bei der Betrachtung der Arbeit fällt auf, daß die Schlacht als solche eine völlig untergeordnete Rolle spielt112. Er selbst sagt, daß die Schlacht taktisch nicht zu rekonstruieren sei. Im Gegensatz zu Judeich macht er daher nicht einmal den Versuch113. Die Vorgeschichte nimmt wesentlich mehr Platz ein. Runkel ist der erste einer langen Reihe von Historikern, die sich intensiv mit der Örtlichkeit der Schlacht auseinandersetzen114. Dabei kommt er zur gleichen Lokalisierung wie Judeich, doch auf Grund wesentlich intensiverer Betrachtungen als dieser115. Wenn auch Runkel den Verlauf der Vorgeschichte häufig nur nacherzählt, ohne jede Anmerkung, so unterscheidet ihn von Judeich, daß Runkel auf Unklarheiten im Text aufmerksam macht, so z. B. auf den Angriff der Scutarier und

Sagittarier und die Zusage des Valens zu Verhandlungen116. Besonders kritisch steht Runkel allen Stärkezahlen gegenüber. Im Text setzt er sich bereits verschiedentlich mit diesem Problem auseinander117. Zum Abschluß seiner Dissertation widmet sich Runkel noch einmal den Heeresstärken in der Schlacht. Es ist ganz die Delbrück’sche Schule, die sich hierin widerspiegelt, die Kritik der Heereszahlen, die unbestreitbar eine Daseinsberechtigung besitzt. Denn: „Es ist nicht etwa bloß die allgemeine Lust an hyperbolischen Vorstellungen, Mangel an Zahlensinn, Prahlsucht, Furcht, Entschuldigung oder dergleichen menschliche Schwächen, aus denen die ungeheuerlichen Übertreibungen entspringen, sondern es ist auch wohl zu beachten, daß es selbst für ein geübtes Auge sehr schwer ist, größere Massen richtig abzuschätzen, auch die eigenen, die man ganz frei ins Auge fassen kann; so gut wie unmöglich aber beim Gegner“118. Am Ende kommt Runkel sogar zu der Erkenntnis, daß das römische Heer zahlenmäßig unterlegen war119. Jedoch muß man auch hier Vorsicht walten lassen, da der meines Erachtens die Zahlen schon wieder zu niedrig ansetzt. Eine letzte Besonderheit zum Ende. Runkel, im Gegensatz zu Judeich, verurteilt nicht die Entscheidung des Valens, den Goten aus Nike entgegenzuziehen. Er sieht den Vorstoß als einzige Möglichkeit für Valens und als Hinweis auf seine militärische Begabung120. Aber wenn es um die Entscheidung zur Schlacht geht, tadelt er Valens und Sebastianus121. Alles in allem stellt die Arbeit von Runkel eher eine Beschäftigung mit der Vorgeschichte, den Heereszahlen und eventuellen Unklarheiten in der Überlieferung dar, als eine Beschäftigung mit der Schlacht selbst. Eine kritische Herangehensweise an die Quellenüberlieferung fehlt zum größten Teil122. Insbesondere bei der Beurteilung der Positionen im Kriegsrat, für die Betrachtung des Todes des Valens und der Auswirkungen (Beide Punkte fehlen gänzlich in der Arbeit von Runkel.), hätte Runkel die verschiedenen Quellen heranziehen können.

Als nächstes werde ich versuchen, den Aufsatz von Burns zu untersuchen. Dieser Aufsatz beschäftigt sich im Gegensatz zu Runkel und Judeich fast ausschließlich mit der Schlacht123. Ich will auch sofort zu seiner Schlachtrekonstruktion kommen. Burns nimmt an, daß die römischen Truppen in Kolonnenform marschierten124. Er schließt aus der Tatsache, daß die Reiterei auf dem linken Flügel als letzte ihre Stellungen bezog, daß sie sich noch auf dem Marsch befand125 und dort die Nachhut gebildet habe126. Interessanterweise glaubt Burns, daß das Mittagsmahl noch nicht gegessen wurde, aber kommt nicht drauf, daß dies der Fall war, weil sie ihr Gepäck nicht mitgenommen hatten127. Ferner nimmt er an, daß die Vorbereitungen für die Schlacht nicht alle abgeschlossen waren, als die Kampfhandlungen durch die Scutarier und Sagittarier eröffnet wurden128. Ebenso vermutet er, daß die Römer das gotische Lager angegriffen hätten. Ammianus sprach aber davon, daß sich die Angreifer (die Römer) zurückzogen, später, jedoch noch gesondert, erwähnt er, daß der eine Flügel bis zur Wagenburg vordrang129. Durch den Angriff auf die Wagenburg konnten jedoch Lücken in der Ordnung entstehen, in die die Goten stoßen konnten. Durch diese Möglichkeit, die Burns darstellt, lassen sich jedoch die Unordnung in den Schlachtreihen, die plötzliche Flucht von Einheiten und die vernichtende Wirkung der gotischen Reiterei erklären. Somit ist diese Variante nicht eindeutig zu belegen, aber die wahrscheinlichste130. Der Verfasser des Aufsatzes beachtet bei seiner Schilderung einen Aspekt, der Judeich und Runkel gänzlich entgangen zu sein scheint. In antiken Schlacht neigten die Soldaten dazu, ihren rechten Schwertarm unter dem Schild des Nachbarn zu verstecken, damit verschiebt sich jedoch die ganze Formation nach rechts. Burns nimmt dies auch für Adrianopel an, und in dieses Loch stießen die Reiterei des Safrax und Alatheus131. Daraufhin stieß das gotische Fußvolk aus dem Lager heraus vor132. Die Römer, eingekesselt zwischen gotischen Reitern und gotischem Fußvolk, seien niedergemetzelt worden. Daß Valens bei den Batavern Schutz suchen sollte, wie Traianus es empfahl, interpretiert Burns damit, daß sie als Reserve in die Schlacht geführt werden sollten. Dies ist fraglich, ich glaube, daß Traianus die Aussichtslosigkeit erkannte und den Kaiser bewegen wollte, sein Leben zu retten133. Die Bedeutung der Schlacht von Adrianopel sieht Burns nicht in einer taktischen Innovation, keiner besonderen Bewaffnung134 oder besonderen Ausrüstung. Vor allem sieht Burns hier keinen Sieg Kavallerie über Infanterie135. Er sieht die Bedeutung der Schlacht in der Tatsache, daß die Goten als Föderaten angesiedelt wurden, daß sie von eigenen Führern geführt und die Verluste hauptsächlich durch Germanen ausgeglichen wurden und damit die Menge der Barbaren im römischen Heer noch weiter zunahm136. Burns ist der erste, der behandelten Historiker, der wirklich den Versuch der Rekonstruktion wagt. Er erzählt nicht einfach nach, sondern versucht eigene Wege aus der lückenhaften Überlieferung zu finden. Die Rekonstruktion kann als gelungen bezeichnet werden. Burns Interpretationen bauen auf typischen militärischen Verhaltensweisen und taktischen Abläufen auf. Einzelne Unklarheiten werden meines Erachtens logisch und einleuchtend gelöst und die Lücken, die Ammian hinterläßt, werden ausgefüllt. Man kann sich gut vorstellen, daß die Schlacht von Adrianopel so abgelaufen ist, wie sie bei Burns rekonstruiert wurde.

Wolfram, welcher jetzt im Zentrum der Betrachtung steht, widmet sich ebenso ausführlich wie seine Vorgänger, vielleicht sogar am ausführlichsten der Vorgeschichte. Wolfram beginnt damit, daß er Adrianopel als Sieg von Germanen über Elitetruppen bezeichnet137 (Er geht also von römischen Elitetruppen aus, die in die Schlacht geführt wurden). Sodann erklärt er die Berichterstattung des Ammianus Marcellinus für herausragend, herausragend sicherlich vom Umfang, dennoch beinhaltet die Schilderung viele Probleme. Innerhalb seiner Ausführungen zur Vorgeschichte, macht Wolfram einen Exkurs über die, wie er sie nennt, „Drei- Völker- Konföderation“138, in dem er u.a. militärische Eigenheiten dieser „Drei- Völker- Konföderation“ erwähnt, so z.B. den hunnischen Pfeilhagel in Verbindung mit Lanzenreitern, die er als gentile Wunderwaffen bezeichnet. Ausführlicher soll jedoch nicht auf die Schilderung der Vorgeschichte eingegangen werden, alles in allem wird in ihr viel Wert auf ethnische Betrachtungen gelegt.

Bei der Schlacht geht Wolfram von einer Einkesselung der Römer aus. Er vertritt die Position, daß die Flügel nacheinander von ein und derselben Abteilung gotischer Krieger angegriffen wurden139. Zudem ist er der Ansicht, daß die Reiterei der Goten gleich die Flanke aufrollte. Ich selbst teile diese Meinung jedoch nicht, und neige eher Burns zu, der annimmt, daß die Reiterei sich in die entstandene Lücke stürzte, nachdem sie die römische Kavallerie vertrieben hatte. Der Wechsel, durch die Goten, vom rechten römischen Flügel auf den linken römischen Flügel hätte einen Rückzug aus dem Gefecht und eine Neuordnung der, vorher im Kampf stehenden, gotischen Reiter erfordert. Diese Neuordnung hätte ohne weiteres den Schockeffekt, den sie vorher erzielt hatte, zunichte gemacht. Ein Erfolg auch auf dem linken Flügel wäre fraglich geworden, zudem wäre sie auf bereits kämpfende, sich immer noch in Ordnung befindliche Truppen gestoßen. Der volle Erfolg der Reiterei kann viel eher mit dem Angriff in die Lücke zwischen den Formationen erklärt werden. Nach diesem kurzen Schlachtexkurs kommt Wolfram auf die Auswirkungen zu sprechen140. Dabei wendet er sich vehement gegen die These, daß Adrianopel die große Wende der abendländischen Kriegführung gewesen sei141. Er meint dies mit Niederlagen der gotischen Reiterei begründen zu können, der Vergleichswert der Schlachten, die er erwähnt, ist jedoch fraglich142. Selbst die späteren Ritterheere haben auch vor Crecy, Grandson und Morgarten Schlachten verloren, waren jedoch unbestreitbar die „Königin der Waffen“143 ihrer Zeit. Die besondere Neuerung liegt weniger in dem Sieg einer auf Reiterkriegführung ausgerichteten Truppe über eine mehr auf Infanteriekrieg ausgerichtete Truppe, als in der Art der Reiterkriegführung. Der Gebrauch der Lanze als Stoßwaffe vom Pferd aus und Lanzenreiter als größtes Kontingent eines Heeres war meines Erachtens die Neuerung. Vorher waren Schwert, Wurfspeer und Bogen die wichtigsten Waffen für die Reiterei, bei den Goten war es die Stoßlanze des Reiters, und sie sollte aus der europäischen Kriegführung bis zum Verschwinden der Reiterei aus dem Krieg selbst nicht verschwinden144. Auch wenn die Stellung der Reiterei als schlachtentscheidend noch nicht gefestigt war, so zeichnete sich ihr Weg zur Krone der Waffengattungen des Mittelalters doch ab.

Die Ansicht der Forschung, daß die Auswirkung von Adrianopel auf die spätrömische Geschichte eine einschneidende und tiefgreifende gewesen sei, scheint Wolfram leicht übertrieben, seiner Meinung nach hatte Ammianus mit seinem Vergleich mit Cannae insofern recht, als daß die Goten ihren Sieg militärisch auch nicht voll nutzen konnten145. Da die Goten keine der wichtigen Städte erobern konnten, Fritigern lernte: [...] mit Mauern Frieden zu halten [...]“146. Somit mußten die Goten wiederum hungern147. Die wichtigste große Entwicklung nach der Schlacht sieht Wolfram in der weiteren Entwicklung der Goten, in ihrer neuen „Ethnogenese“148. Der Erfolg der Reitergruppen der Ostgoten, Alanen und Hunnen hätte die dakischen Goten auf römischem Boden zurück zur skythisch-sarmatischen Lebensweise geführt149. Danach schildert Wolfram ein wenig die Folgeentwicklung. Bemerkenswert erscheint ihm die römische Barbarenpolitik der „doppelten Buchführung“150. Äußere Barbaren waren „schmutzige Hunnen, verräterische Alanen und wilde Goten“ und blieben Feinde des Reiches, die anderen, im Reich lebenden Barbaren halfen sogar, sie zu besiegen und waren bald Teil jener römischen Welt geworden151. Laut Wolfram gab es nach der Schlacht von Adrianopel alle Handlungsfreiheit zum Guten wie zum Bösen152.

An sich bringt der Aufsatz von Wolfram über die Schlacht nichts Neues, bemerkenswert ist aber ihr ethnologischer Ansatz, sowohl die Auswirkungen, als auch die Vorgeschichte betreffend. Die Schilderung der Schlacht wie er sie darlegt, ist sehr einfach, zwar fügt sich seine Rekonstruktion fließend zusammen, ist jedoch in Bezug auf den Reiterangriff fragwürdig.

Nun sollen noch einige verschiedene Forschungsansichten zur Schlacht zusammengetragen werden, die jedoch keiner tieferen Betrachtung unterzogen werden sollen. Die Schilderung die Burns in seinem Werk „Barbarians within the Gates of Rome153 “ gibt, ist zweifelsfrei aus seinem Aufsatz „The Battle of Adrianople“ übernommen. Die Wirkung der Schlacht setzt er jedoch wesentlich schwächer an als im Aufsatz. Cannae und Teutoburger Wald seien viel schwerere Niederlagen gewesen154. Dies begründet er mit der geringeren Zahl an Verlusten, zwar waren zwei Drittel der Römer gefallen, Burns kommt auf eine Verlustziffer von ca. 10.000 Mann, die Zahl der Verluste waren jedoch bei Cannae und im Teutoburger Wald wesentlich höher. Das Problem dieser Niederlage sieht Burns in der Tatsache, daß sich nun ca. 60.000 Germanen innerhalb des römischen Reiches befanden, die kurzfristig nicht von den Römern kontrolliert werden konnten155. Straub setzt die Wirkung der Niederlage völlig anders an, er widmet sich dem „Germanenproblem“ in der Literatur156. Als einen wichtigen Punkt, unter anderen, sieht Straub eine Abwendung von der bisherigen Germanenpolitik. Ziel der Germanenpolitik war es, Germanen dem Herrschaftsbereich einzufügen und nicht sie auszurotten157. So wird Theodosius gelobt, weil er durch Ansiedlung ihnen die Möglichkeit zu räuberischen Überfällen nimmt; dies wird als rettende Fürsorge bezeichnet158.

Für Demandt endet mit der Niederlage die stabile Phase und es beginnt der Verfallsprozeß des spätrömischen Reiches159. Demandt führt an, daß die Donaugrenze seitdem nie mehr wirklich unter römische Kontrolle geriet160. Mit diesem Urteil schließt auch er sich dem Kirchenhistoriker Rufinus an. Somit gehört Demandt zu den Historikern, die eher dem pessimistischen Urteil des Rufinus folgen161 als dem optimistischen Urteil des Ammianus, so wie Wolfram dies tut.

4. Zusammenfassung

Nach Abschluß der Betrachtungen komme ich zu folgendem Ergebnis. Ein alles berücksichtigende Werk zur Schlacht von Adrianopel fehlt. Es wird jeweils immer nur eine Rekonstruktionsmöglichkeit vorgestellt. Dennoch gibt es an jeder Variante der Schlacht einzelne Kritikansätze, Fehler oder Zweifel an der Rekonstruktion ergeben sich zwangsläufig aus der Schilderung des Ammianus Marcellinus. Somit gibt es einige Rekonstruktionsversuche, etliche Nacherzählungen und somit muß gesagt werden, daß der Verlauf der Schlacht immer noch in etlichen Punkten genauso unklar ist wie zur Zeit Judeichs, der am Beginn unserer Forschungsbetrachtung stand. Bei der Suche nach den Ursachen für die Niederlage geht die Forschung dagegen fast immer den gleichen Weg. Hauptsächlich wird allein die Entscheidung, sich zur Schlacht zu stellen als Fehler und Ursache gesehen, da Valens noch hätte warten sollen. Das Eingehen auf die letzten zwei Gesandtschaften wird als Fehler und Ursache gesehen, da Fritigern Zeit gewinnen konnte. Dies führte zum rechtzeitigen Eintreffen der Reiterei des Alatheus und Safrax. Viele Ursachen wurden gefunden und an fast allen Entscheidungen des Valens und seiner Generäle kritisiert. Die meines Erachtens wichtigeren Ursachen wurden dagegen immer außer Acht gelassen, die Entscheidung, das Gepäck und damit Wasser bzw. Verpflegung zurückzulassen, Fehler und Mängel im Unterführerkorps und vor allem die schlechte Ausbildung, Disziplin und Moral der Truppe162. Was die Auswirkungen der Schlacht anbetrifft, ist sich die Forschung alles andere als einig.

Zum einen gibt es den militärtheoretischen Ansatz. Dieser geht davon aus, daß der Sieg der Goten den Siegeszug der Kavallerie auf Europas Schlachtfeldern einleitete163. Des weiteren besteht der Ansatz, daß die Niederlage von Adrianopel der Anfang vom Ende des römischen Reiches gewesen sei164. Wolfram vertritt einen völlig eigenen Standpunkt, seiner Meinung nach ist sowohl die militärische als auch die politische Bedeutung gering. Wolfram sieht die Bedeutung der Schlacht hauptsächlich in der ethnologischen Veränderung der terwingischen Goten. Dazu kommen noch verschiedene andere Forschungsmeinungen. Die Einen sehen die Auswirkung der Adrianopel- Schlacht in einer Abkehr von der bisherigen Germanenpolitik und zu einer Ansiedlung von Goten in einem Föderatenverhältnis. Wiederum andere sehen Auswirkungen auf die Kirche und ihre Historiker, die den Tod des Valens für ihre Lehre freudig in Anspruch nahm. Andere sehen im Tod des Valens den Niedergang des Arrianismus und im Sieg der Goten den Schlüssel zum Niedergang ihrer eigenen Kultur und Religion. Zudem gibt es noch die Richtung, die von der marxistisch- leninistischen Geschichtsschreibung teilweise vertreten wurde. Diese sieht die Bedeutung der Schlacht aus einem anderen Blickwinkel. Sie sieht in dem Aufstand der Goten und dem Sieg über die Römer das bedeutungsvollste Zeugnis des sozialen Protestes und des Klassenkampfes: Jedoch spricht auch sie von einem begrenzten taktischen und strategischen Erfolg165. Sie vertritt die Ansicht, daß die langfristigste Veränderung und Auswirkung in der stärkeren Barbarisierung des römischen Heeres zu sehen sei. Nach dem Verlust von 10.000 Mann mußten die Lücken gefüllt werden. Es gab ohnehin schon vorher Rekrutierungsschwierigkeiten, die durch Germanen gelöst wurden. Barbaren füllten, oft sogar in größeren Gruppen, das Heer auf, sie galten sogar als Elitetruppen166. Durch die noch stärkere Barbarisierung des Heeres wurde es Männern wie Stilicho, Aspar, Richimer und Merobaudes, erst ermöglicht in die höchsten Ämter und Machtpositionen aufzusteigen. Zudem war mit der Ansiedlung der Goten auf der Balkaninsel der Friede noch nicht endgültig wieder hergestellt. Es gingen von dort immer wieder Kriegs- und Raubzüge aus. Sollte die Schlacht von Adrianopel wirklich die Einleitung zum Sterbeprozeß des Reiches sein, so wurde es ein lange währendes Sterben. Dementsprechend komme ich zu der Erkenntnis, daß es durchaus möglich wäre, einen umfassenden Rekonstruktionsversuch durchzuführen, würde man allen vorherigen Versuchen Platz einräumen und stärker versuchen, über Vergleichsschlachten, typische militärische Verhaltensmuster, Taktiken usw. ein Bild zu gewinnen, das verschiedene Kritikpunkte berücksichtigt.

5. Literaturverzeichnis

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[...]


1 vgl. JUDEICH, W., Die Schlacht bei Adrianopel, in: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 6.1, 1891, S. 19; WOLFRAM, H., Das Reich und die Germanen. Zwischen Antike und Mittelalter, Berlin 1990, S. 140f.

2 CRUMP, G. A., Ammianus Marcellinus as a Military Historian, in: Historia-Einzelschriften 27, Wiesbaden 1975, S. 1

3 FUHRMANN, M., s.v. Ammianus Marcellinus, in: KP 1, 1979, Sp. 302-304

4 vgl. NEUMANN, K-G., Taciteisches im Werk des Ammianus Marcellinus, Phil. Diss., München 1987, S. 15-16. Daß Ammianus aus Berechnung diesen Weg gewählt hat, vermutete zuerst ENßLIN (ENßLIN, W., Zur Geschichtsschreibung und Weltanschauung des Ammianus Marcellinus, in: Klio Beiheft 16, 1923, S. 6). Im Codex Theodosianus 12, 1, 38 (CODEX THEODOSIANUS, hrsg. u. übers. v. Pharr, C., Princeton 1952 ) werden in diesem Zusammenhang auch die protectores domestici genannt.

5 CRUMP, G. A., Military Historian, S. 6

6 CRUMP, G. A., Military Historian, S. 23

7 Ammianus Marcellinus diente unter Ursicinus in Mesopotamien und Gallien.

8 AMMIANUS MARCELLINUS, Res Gestae, , XVI, 12, 7-70; XXXI, 12, 10-13, 19; vgl. NAUDÉ, C. P. T., Battles and Sieges in Ammianus Marcellinus, in: ACLASS 1, 1958, S. 97

9 AMM. XVI, 12, 27

10 WOLFRAM, H., Die Schlacht von Adrianopel, in: AAWW 114, 1977, S. 228

11 zu seinen Augenzeugen und Gewährsmännern AMM. XV, 1, 1; WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 228

12 CRUMP, G. A., Military Historian, S. 95

13 zum Romaufenthalt der Brief von Libanius; Libanius, Opera, hrsg. v. Förster, R., Leipziog 1903- 1927, ep. 1063

14 vgl. AMM. XXVI, 6, 19; XIV, 6, 10; XVI, 10, 3 u. a.

15 vgl. NEUMANN, K-G., Taciteisches, S. 20-21

16 LIB. OR. XXIV; vgl. STRAUB, J., Die Wirkung der Niederlage bei Adrianopel auf die Diskussion über das Germanenproblem in der spätrömischen Literatur, in: Philologus 49 N.F., 1942, S. 257-258

17 AMM. XXXI, 5, 11; vgl. STRAUB, J., Wirkung S. 258; NEUMANN, K-G., Taciteisches, S. 21

18 AMM. XXXI, 5, 11-17

19 NEUMANN, K-G., Taciteisches, S. 22

20 ROSEN, K., Studien zur Darstellungskunst und Glaubwürdigkeit des Ammianus Marcellinus, in: Habelts Dissertationsdrucke, Reihe Alte Geschichte, Bd. 8, Bonn 1970, S. 244

21 NEUMANN, K-G., Taciteisches, S. 26

22 NEUMANN, K-G., Taciteisches, S. 26

23 Amm. XXXI, 14

24 KAUTT-BENDER, M., Vielfalt und Funktion der Darstellungselemente in den „Res Gestae“ des Ammianus Marcellinus, Phil. Diss., Karlsruhe 1991, S. 118

25 AMM. XXXI, 14, 5

26 AMM. XXXI, 12, 6

27 dazu äußert sich insbesondere Pauw, D.A., Karaktertekening..., in: KAUTT-BENDER, M., Vielfalt und Funktion, S. 116, Anmerkung 78

28 AMM. XXV, 4

29 Der erste Panegyrikus auf Julian findet sich bereits unter AMM. XVI, Darstellungskunst, S. 69-77.

30 KAUTT-BENDER, M., Vielfalt und Funktion, S. 116, Anmerkung 90

31 Adrianopel AMM. XXXI, 12, 10-13,19; Straßburg AMM. XVI, 12, 7-70

32 CRUMP, G. A., Military Historian, S. 17 1-5. Dazu ROSEN, K.,

33 NAUDÉ verweist auf Victor, Richomeres und Saturnius als mögliche Zeugen der Schlacht, da sie laut Ammianus ja entkommen konnten. Wenn dies so wäre, würde damit erklärt werden, weshalb die Ansicht Victors in Bezug auf die Taktik gegenüber den Goten so positiv hervorgehoben wurde (AMM. XXXI, 12, 6).

34 Als Beispiel sei die Stelle angeführt, an der Ammianus auf die Trockenheit, den Durst der Römer und die Flächenbrände eingeht (AMM. XXXI, 12, 13), vgl. CRUMP, G. A., Military Historian, S. 95

35 Die genaue Örtlichkeit der Schlacht wird in der Forschung immer wieder diskutiert, so RUNKEL, F., Die Schlacht bei Adrianopel, Phil. Diss., Berlin 1903, S. 33-36; CRUMP, G. A., Military Historian, S.93; WANKE, U., Die Gotenkriege des Valens . Studien zu Topographie und Chronologie im unteren Donauraum, in: Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Bd.412, Frankfurt/M 1990, S. 214-217

36 WANKE, U., Gotenkriege S. 198

37 vgl. BITTER, N., Kampfschilderungen bei Ammianus Marcellinus, in: Habelts Dissertationsdrucke, Reihe Klass. Philologie, Band 23, Bonn 1976, S. 3-4; 102-118

38 vgl. BITTER, N., Kampfschilderungen , S. 3-4; 102-118; WANKE, U., Gotenkriege S. 198

39 BITTER, N., Kampfschilderungen , S. 3-4; 102-118; aber vgl. auch WANKE, U., Gotenkriege S. 198-199 8

40 vgl. NEUMANN, K-G., Taciteisches, S. 25; WANKE, U., Gotenkriege S. 199

41 Die ganze Vorgeschichte muß hier in Anbetracht ihres Umfanges außer Acht gelassen werden, weshalb ich direkt mit dem Kriegsrat des Kaisers Valens beginne.

42 AMM. XXXI, 12, 4.5

43 AMM. XXXI, 12, 5-7

44 Sebastianus (2), in: JONES, A.H.M. u.a.(Hgg.), The Prosopography of the later Roman Empire, Bd.I, Cambridge 1971, S. 812

45 AMM. XXXI, 12, 6. Zosimus [ZOS. IV, 23, 6; 24,1; vgl. auch EUNAP. FR. 47 ] berichtet jedoch davon, daß Sebastianus vom Kampf abgeraten hätten. JUDEICH (JUDEICH, W., Adrianopel, S. 12) war der Ansicht, daß Ammianus seinen Gewährsmännern aufgesessen sei, weil diese die Verantwortung für die Niederlage auf Sebastianus abwälzen wollten und somit Zosimus der Vorrang zu geben sei. Ein unmittelbarer Beweis für eine Antipathie gegenüber Sebastianus im östlichen Heer fehlt jedoch. Andererseits sind gerade die Erwähnungen und Mitteilungen über Sebastianus bei Zosimus und Eunapius tendenziös gefärbt (WANKE, U., Gotenkriege S. 181, Anm. 30).

46 vgl. WAAS, M., Germanen im Römischen Dienst im 4. Jh. n. Chr., in: Habelts Dissertationsdrucke, Reihe Alte Geschichte, Bd. 3, Bonn 1965, S. 130-133; Victor (4), in: JONES, A.H.M. u.a. (Hgg.), Prosopography, S. 957-959. Ammianus bezeichnet ihn sogar als: „[...] cunctator et cautus [...] ( AMM. XXXI, 12, 6)

47 AMM. XIV, 6, 13; XXIV, 1, 2; 4, 13; ZOS. III, 21, 5; 25, 7; vgl. WAAS, M., Germanen , S. 131

48 AMM. XXXI, 12, 7; ZOS. IV, 24, 1; Ammianus benutzt, meiner Ansicht nach, extra den Ausdruck funesta destinatio, um das Unglück anzukündigen die Spannung zur Schlacht hin zu steigern.

49 Amm. XXXI, 12, 7; Aus THEODORET hist. eccl. IV, 33; SOCRATES IV, 38; SOZOMENUS VI, 39; HIERONYMUS a. 378 und OROSIUS hist. VII, 33, 12 lassen sich weiterhin religionspolitische Gründe schließen.

50 AMM. XXXI, 8.9

51 vgl. WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 242; DELBRÜCK, H., Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte, Bd. II, Berlin 52000, S. 318; WANKE, U., Gotenkriege S. 208, sowie Anm. 40.41

52 In Anbetracht der Tatsache, daß AMMIANUS Recht hat und Valens unter allen Umständen die Schlacht schlagen wollte, hätten die Gesandtschaften ohnehin keinen Erfolg gehabt. Ich gehe davon aus, daß die Argumente zur Ablehnung nur vorgeschoben waren.

53 AMM. XXXI, 12, 11; Das Geheul, das AMMIANUS erwähnt, muß sich nicht zwingend ereignet haben, hiebei kann es sich lediglich um einen Topos handeln. AMMIANUS kannte dieses Geschrei eventuell aus seinen miterlebten Schlachten und nahm ein solches auch für diese Schlacht an.

54 AMM. XXXI, 12, 11

55 AMM. XXXI, 12, 12

56 Meines Erachtens wäre dies ein Fehler gewesen, da es für Valens sowieso schwierig geworden wäre, die Goten zu überflügeln, eine Staffelung in die Tiefe hätte jedem eventuellen Reiterangriff Schwung genommen und ihn in ein unvorteilhaften Nahkampf verwickelt.

57 AMM. XXXI, 12, 12.13

58 AMM. XXXI, 12, 13; Die Angabe des AMMIANUS zur Ablehnung des Valens ist widersprüchlich zur ersten Gesandtschaft von XXXI, 12, 8. Dort hatte Valens der niedere Rang der Abgesandten nicht gestört. Auch sei der Presbyter in der ersten Gesandtschaft, ein Vertrauter des Fritigern gewesen, dürfte aber keine Beschlüsse fassen. Es liegt der Gedanke nahe, daß AMMIANUS den Blick auf die Gesandtschaften, vor allem auf die ersten, gefärbt hat, um den Versuch Fritigerns herauszustellen durch die Gesandtschaften Zeit zu gewinnen (WANKE, U., Gotenkriege S. 208-209).

59 vgl. WANKE, U., Gotenkriege S. 209; WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 242; JUDEICH, W., Adrianopel, S. 15; DELBRÜCK, H., Kriegskunst; Bd. II, S. 318-319

60 AMM. XXXI, 12, 13; Der Hunger und der Durst resultierte wohl aus der fahrlässigen Entscheidung nicht nur den Troß, sondern auch das Gepäck zurückzulassen. Zwar wird heutzutage generell bei Angriffen das Gepäck nachgeführt. Wasserflasche und Teile der Verpflegung haben aber trotzdem am Mann zu bleiben (SCHNELL, K. H., SCHREINER, K. H., Taschenbuch Wehrausbildung Heer, 74. Aufl., Regensburg/ Bonn 2000, Abschnitt F 46, S. 1-5; BELLMANN, M., SCHRADER, U., Handbuch für Übung und Einsatz. Grundlagen, Fakten und Hilfsmittel im Bereich der Taktik, 6. Aufl., Regensburg 1998, S. 22-26). Den Hunger und den Durst mag AMMIANUS hier als kleine Entschuldigung für die Soldaten eingepaßt haben, um die spätere Niederlage damit zu erklären und die Soldaten von einer Mitschuld freizusprechen.

61 AMM. XXXI, 12, 15; Offensichtlich hatte Valens sich doch zu Verhandlungen entschlossen. Warum er das tat, erscheint jedoch unklar. Eventuell wollte er vorher Macht demonstrieren und die Goten zum Einlenken bewegen, bevor er sich auf Friedensverhandlungen einließ (WANKE, U., Gotenkriege S. 213).

62 AMM. XXXI, 12, 16, Bacurius war König von Hiberien und Tribun der Bogenschützen bei Adrianopel. Er zeichnete sich später in der Schlacht am Frigidus gegen Eugenius aus (ZOS. IV, 57, 3; 58, 3).

63 AMM. XXXI, 12, 16

64 AMM. XXXI, 12, 17

65 AMM. XXXI, 12, 17; Andererseits kann man nicht erwarten, daß AMMIANUS einen Reiterkampf als solchen explizit geschildert hätte. Somit ist natürlich ein Kampf zwischen den Reitereien denkbar. Auf ein Gefecht zwischen Plänklern und Reiterei läßt die Tatsache schließen, daß es zu einer sofortigen Verwirrung und einem schnell angerichteten Blutbad kam: „[...] quoscumque accursu ueloci inuenire comminus potuit, incitata caede turbauit. (AMM. XXXI, 12, 17)“. Die römische Reiterei oder das schwere Fußvolk hätte wohl entschieden mehr Widerstand geleistet und dem schnellen Angriff der Goten den Schwung genommen.

66 AMM. XXXI, 13, 1; AMMIANUS wählt nicht den Ausdruck, daß auf beiden Seiten die Waffen geschwungen worden seien. Dies ließe den Verdacht auf einen Einbruch und eine teilweise Umschließung der Römer nicht zu. Interessanterweise scheint die Reiterei der Römer gleichzeitig mit dem Fußvolk in den Kampf verwickelt oder völlig von der „Bildfläche“ verschwunden. Da keine extra Äußerung von AMMIANUS auf sie verweist. Sie stand jedoch im ersten Treffen, mußte also als erste mit dem Gegner in Kontakt gekommen sein.

67 AMM. XXXI, 13, 2

68 AMM. XXXI, 13, 2; Es bleibt offen, ob die Reiterei das Fußvolk, Teile der Reiterei oder beide zusammen im Stich ließ und ob sich das „im Stich lassen“ auf die gesamte Reiterei bezog oder nur auf die des linken Flügels.

69 AMM. XXXI, 13, 2-7

70 Bei der Schilderung des Kampfes verwendete AMMIANUS wahrscheinlich Eigenerlebtes. Das, was er beschreibt, hat sich wahrscheinlich so schon tausendmal vorher in vielen Schlachten zugetragen, und er hat das wahrscheinlich selbst erlebt.

71 BITTER, N., Kampfschilderungen , S. 115

72 vgl. BITTER, N., Kampfschilderungen , S. 111

73 AMM. XXXI, 13, 8

74 AMM. XXXI, 13, 9

75 Amm. XXXI, 13, 11

76 Amm. XXXI, 13, 14; Mit der ersten Version stimmt LIBANIUS (or. 24, 4) überein, dieser ist jedoch vielmehr der Ansicht, daß Valens geflüchtet sei und auf der Flucht kämpfend gefallen sei. Auch der Kirchenhistoriker SOCRATES (SOCR. IV, 38) läßt Valens in der Schlacht fallen. Der Großteil der Kirchenhistoriker jedoch läßt Valens verbrennen, so HIERON. a. 378, RUFINUS hist. eccl. XI, 13; OROS. VII, 33, 15. Durch diese wurde die Geschichte immer weiter ausgeschmückt, so daß am Ende den Arrianer und Ketzer Valens zu Lebzeiten schon die Höllenstrafe ereilte (JUDEICH, W., Adrianopel, S. 18). Judeich führte auch noch die restliche Entwicklung des “Verbrennungsmythos“ an. (JUDEICH, W., Adrianopel, S. 18)

77 AMM. XXXI, 13, 18

78 AMM. XXXI, 13, 19

79 vgl. auch JUDEICH, W., Adrianopel, S. 14; WANKE, U., Gotenkriege S. 204

80 DELBRÜCK, H., Kriegskunst; Bd. II, S. 317

81 AMM. XXXI, 12, 13

82 Sebastianus entschloß sich, 2000 Soldaten zu trainieren (ZOS. IV, 23, 2-4). Andererseits spricht für eine schlechte Moral, daß die Truppe nicht fähig war, die Stellung zu halten, und insbesondere die Scutarier und Sagittarier unverzüglich nach ihrem Vorpreschen flohen (AMM. XXXI, 12, 16). SOUTHERN, P./ DIXON, K. R., The Late Roman Army, London 1996, S. 170. Auch Speidel erklärt die Undiszipliniertheit und Untrainiertheit zum Hauptgrund für die Niederlage (SPEIDEL, M. P., Sebastian’s Strike Force at Adrianopel, in: Klio 78. 2, 1996, S. 437)

83 SPEIDEL, M. P., Sebastian’s Strike Force, S. 437

84 Die Tatsache, daß eine Garde in der Schlacht flieht, ist überaus selten und weist entweder auf ein generell gestörtes Verhältnis des Kaisers zum Heer oder auf eine schlechte Moral der Truppe.

85 SOUTHERN, P./ DIXON, K. R., Roman Army, S. 171; JOHN KEEGAN ( KEEGAN, J., das Antlitz des Krieges, Frankfurt- New York 1991, S. 367-370) hat den Beweis getroffen, daß in Schlachten die von Hieb- und Stichwaffen dominiert wurden, sowie in den Zeiten der frühen Feuerwaffen, die Chancen für das Überleben von Soldaten inmitten der Schlachtordnung, zwischen den Kameraden am größten sind, und die größten Verluste erst dann entstehen, wenn die Treffen zu weichen beginnen. Die meisten Soldaten starben erst, wenn sie die Schlachtordnung verließen. Diese Erscheinung trat das letzte Mal in der Schlacht von Waterloo auf. Nur sehr gut ausgebildete oder hochmotivierte Soldaten sind in der Lage, dem „Drang zur Flucht“ zu widerstehen. Das subjektive Gefühl „Sicherheit durch Flucht“ kann nur durch Ausbildung und lange Erfahrung in ein objektives Gefühl „Sicherheit durch Ausharren“ geändert werden. Der Punkt, daß dies den römischen Soldaten nicht gelang, spricht für die schlechte Ausbildung und Moral.

86 KEEGAN, J., das Antlitz, S. 367

87 KEEGAN, J., das Antlitz, S. 371

88 Unter Unterführer verstehe ich die Gruppe der Kommandeure vom Unteroffizier zum Hauptmann (nach heutigen Dienstgraden).

89 vgl. SOUTHERN, P./ DIXON, K. R., Roman Army, S. 174

90 Es liegt nicht im Sinn dieser Arbeit, den einzelnen Befehlshabern Anteile an der Schuld zuzuweisen. Aber sie hätten den Kaiser davon abbringen können, das Gepäck zurückzulassen.

91 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 1

92 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 3

93 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 6

94 THEODORET hist. eccl. IV, 33; vgl. Amm. XXXI, 11, 1; Die Charakteristik von Traianus, die Ammianus überliefert, paßt ganz gut zu dieser „Anekdote“. Dennoch bringt dieser Anekdote recht wenig für die Betrachtung der Schlacht, sondern trägt eher zur Auflockerung des Aufsatzes und zur Betrachtung des religiösen Umfeldes der Schlacht bei. JUDEICH, W., Adrianopel, S. 7

95 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 8. Für Judeich, einen Bürger im Deutschen Kaiserreich, ist offensichtlich die Meinungsäußerung des Volkes gleichzusetzen mit Anmaßung des Pöbels, sicher ging das Volk über bloße Kritik hinaus, dies würde ich jedoch nicht als Anmaßung bezeichnen. Judeich sagt selbst, daß sich der Pöbel im Laufe der Zeit angemaßt hatte, seine politische und religiöse Meinung kundzutun. Die Priesterschaft stellt Judeich hier als Aufrührer, Demagogen und Volksaufhetzer dar.

96 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 11

97 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 13

98 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 16- 18

99 Ich jedoch übersetze, daß das Heer nach acht Marschstunden ankam, zur achten Stunde des Marsches meines Erachtens. Zur gleichen Schlußfolgerung kommt auch SEYFARTH in der Anmerkung 131 zum 31. Buch und setzt die Ankunft auf ungefähr 13-14.00 Uhr an.

100 AMM. XXXI, 12, 10.11

101 JOHNE(-FIEDLER), R., s.v. Tag, in: Lexikon der Antike, 10. Aufl., 1990, S. 576

102 AMM. XXXI, 12, 10

103 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 16

104 ELTON, H., Warfare in Roman Europe, AD 350-425, Oxford 1996, S. 250-257; NICASIE, M. J., Twilight of Empire. The Roman Army from the reign of Diocletian until the Battle of Adrianople, in: Dutch Monographs on Ancient History and Archaeology 19, Amsterdam 1998, S. 199- 219. Das Plänkeln diente dazu Unordnung in die feindliche Schlachtordnung zu bringen. Hier jedoch war es außer Kontrolle geraten und in die Schlacht eskaliert. Vorposten dienen als Wache im Feld, in diesem Fall waren die römischen Truppen aber schon fertig positioniert und standen dem Feind auf Blickweite gegenüber, weshalb Vorposten nicht notwendig gewesen wären. Damit scheint mir der Begriff „Vorposten“ unzutreffend verwendet

105 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 17

106 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 18

107 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 18-20

108 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 20-21

109 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 21

110 Judeich folgt hier wohl RUFINUS: „[...] initium mali Romano imperio [...]“ (RUFINUS hist. eccl. XI, 13), daß die Niederlage der Anfang vom Ende war.

111 JUDEICH, W., Adrianopel, S. 20

112 Der eigentliche Schlachtverlauf nimmt nur einen Raum von einer halben Seite ein (RUNKEL, F., Adrianopel, S. 41).

113 Andererseits ist die Rekonstruktion von Judeich nicht unbedingt als solche zu bezeichnen, da sie zu viel offen läßt.

114 Die Örtlichkeit wurde von Judeich recht schnell bestimmt. Dieser versuchte die Zugstrecken der Goten gleichzusetzen mit Marschrouten des Generals Diebitsch im russisch- türkischen Krieg 1877/78. Dennoch ist seine Bestimmung eher ungenau.

115 RUNKEL, F., Adrianopel, S. 38

116 AMM. XXXI, 12, 12-16; RUNKEL, F., Adrianopel, S.40-41

117 Als Beispiel sei die Betrachtung über die Stärke der Westgoten genannt (RUNKEL, F., Adrianopel, S. 4-8).

118 DELBRÜCK, H., Kriegskunst; Bd. I, S. 9

119 RUNKEL, F., Adrianopel, S. 44-46

120 RUNKEL, F., Adrianopel, S. 24

121 RUNKEL, F., Adrianopel, S. 30. Runkel schließt sich der Kritik von Ammianus an (AMM. XXXI, 12, 6.7). Er meint, man hätte die Schlacht in völliger Verkennung der Lage beschlossen. Andererseits geht Runkel davon aus, daß beide den Sieg für sicher hielten. Zumal Runkel die teilweise, so glaube ich es, irrige Ansicht vertritt, daß das Heer des Valens völlig aus kriegserfahrenen und vertrauenswürdigen Soldaten bestand.

122 Dies ist vermutlich der Zeit geschuldet, obwohl Delbrück der Ansicht ist, daß die philologische und die Sachkritik Hand in Hand gehen müssen (DELBRÜCK, H., Kriegskunst; Bd. I, S. LII)

123 BURNS, T. S., The Battle of Adrianople. A Reconsideration, in: Historia 22, 1973, S. 336-345, davon beschäftigen sich die Seiten 342-345 ausschließlich mit der Schlacht, das ist mehr Raum als Runkel und Judeich zusammen.

124 BURNS, T. S., Adrianople., S. 342

125 AMM. XXXI, 12, 12

126 vgl. BURNS, T. S., Adrianople., S. 342; NICASIE, M. J., Twilight of Empire, S. 247

127 Amm. XXXI, 12, 10

128 BURNS, T. S., Adrianople., S. 342

129 Amm. XXXI, 13, 1.2

130 Von dieser Variante scheint auch NICASIE (NICASIE, M. J., Twilight of Empire., S. 248-251) auszugehen.

131 BURNS, T. S., Adrianople., S. 343; NICASIE (NICASIE, M. J., Twilight of Empire., S. 251) glaubt, daß dieses Loch schon bei dem Übergang von einer Marsch- zur Schlachtordnung entstanden sei.

132 BURNS ist der erste, der sich über die Rolle des gotischen Fußvolks, Gedanken zu machen scheint. Wieso dies jedoch im Lager blieb und nicht bereits den Römern gegenübergestellt war, ist zu erfragen. Auch NICASIE positioniert die gotischen Fuß-Truppen im Lager und nur die leichte Infanterie außerhalb der Wagenburg (NICASIE, M. J., Twilight of Empire., S. 249-250). Ammianus selbst macht keine Angabe über den Verbleib der gotischen Infanterie.

133 vgl. AMM. XXXI, 13, 8; BURNS, T. S., Adrianople., S. 344

134 Seines Erachtens kämpften die Goten mit römischen Waffen.

135 BURNS (BURNS, T. S., Adrianople., S. 344-345) wendet sich hier eindeutig gegen die Ansicht von MONTGOMERY (MONTGOMERY, B. L., Kriegsgeschichte. Weltgeschichte der Schlachten und Kriegszüge, Koblenz o.J., S. 126), der die Schlacht von Adrianopel als Sieg schwerer Kavallerie über Infanterie sieht und die Kavallerie, von da an bis zur Schlacht von Crecy, zur Beherrscherin der Schlachtfelder stilisiert.

136 BURNS, T. S., Adrianople., S. 345

137 WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 227-228. Inwieweit es sich um Elitetruppen handelte war bereits erläutert worden. Es befanden sich zweifelsohne „Elitetruppen“ unter den Römern, jedoch gab es sicherlich Truppen mit fragwürdigem Kampfwert.

138 WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 229- 230

139 WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 243

140 WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 243-250

141 WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 243-244

142 WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 244-245; Wolfram nennt die Schlachten bei Pollentia, Vouille und Busta Gallorum.

143 Um die einzelnen Schlachten vergleichen zu können, müssen die Qualität der Truppen, das geographische Umfeld und viele andere Bestandteile betrachtet werden.

144 Die von der polnischen Armee im 2. Weltkrieg eingesetzten Ulanen verwendeten immer noch die Stoßlanze.

145 WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 246

146 AMM. XXXI, 6, 4; 15, 15; 16, 3

147 AMM. XXXI, 16, 1; vgl. WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 247

148 WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 247

149 WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 247

150 WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 250

151 WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 250

152 WOLFRAM, H., Adrianopel, S. 250; Wolfram läßt jedoch offen, was er unter Gut und Böse versteht.

153 BURNS, T. S., Barbarians within the Gates of Rome. a Study of Roman Military Policy and the Barbarians, ca. 375-425 A.D., Bloomington & Indianapolis 1994, S. 33

154 BURNS, T. S., Barbarians, S. 33

155 vgl. BURNS, T. S., Barbarians, S. 33

156 STRAUB, J., Wirkung, S. 255-286

157 STRAUB, J., Wirkung, S. 265-268

158 STRAUB, J., Wirkung, S. 267; Die Ausrottungstheorie war aber eigentlich ohnehin schon zugunsten der Rekrutierungs- und Stellungsnöte aufgegeben worden

159 DEMANDT, A., Geschichte der Spätantike. Das Römische Reich von Diokletian bis Justinian 284-565 n. Chr., München 1998, S. 98

160 DEMANDT, A., Spätantike, S. 98

161 Zu diesen gehören unter anderen JUDEICH und RUNKEL.

162 Die schlechte Disziplin und Ausbildung wurde verschiedentlich angesprochen, aber nie zu Ende geführt.

163 Der bekannteste Vertreter dieser Richtung dürfte MONTGOMERY sein (MONTGOMERY, B. L., Kriegsgeschichte, S. 126).

164 Vertreter dieser Ansicht sind BURNS, DEMANDT und JUDEICH.

165 DIESNER, H.-J., Kriege des Altertums, in: Kleine Militärgeschichte, Berlin 51990, S. 196- 198

166 DIESNER, H.-J., Kriege, S. 199

30 von 30 Seiten

Details

Titel
Die Schlacht von Adrianopel und ihre Darstellung in der Forschung
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstaltung
HS- Reichsgermanen der Spätantike
Note
1.3
Autor
Jahr
2001
Seiten
30
Katalognummer
V106327
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Schlacht von Adrianopel, den Gründen für die Niederlage und ihrer Bedeutung für das Römische Reich der Spätantike. Zudem wird sich mit der Darstellung in der Forschung und den verschiedenen Rekonstruktionsmöglichkeiten befasst.
Schlagworte
Schlacht, Adrianopel, Darstellung, Forschung, Reichsgermanen, Spätantike
Arbeit zitieren
Daniel Schlaak (Autor), 2001, Die Schlacht von Adrianopel und ihre Darstellung in der Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106327

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