Schneider, Robert - Schlafes Bruder


Referat / Aufsatz (Schule), 2002

17 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Autor
1.2. Inhalt und Biographie
1.3. Beschränkung

2. Hauptteil
2.1. Beziehungen
2.1.1. Familie
2.1.2. Peter
2.1.3. Elsbeth
2.2. Charakter
2.3. Talent

3. Schlussteil

4. Anmerkungsverzeichnis

5. Literaturverzeichnis

6. Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung

1.1. Autor

Robert Schneider wurde am 16. Juni 1961 in Bregenz geboren. Mit 2 Jahren wurde er von einem Landwirt adoptiert und wuchs in Meschach/Vorarlberg auf. Meschach ist ein kleines Bergdorf mit 57 Einwohnern. In Meschach gab es weder Bücher noch Musik. Die einzige Musik, die es gab, war die Orgelmusik in der Kirche.

Robert Schneider machte 1981 Matura am Bundesgymnasium Feldkirch und ging 1981-1986 nach Wien, um Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft und Komposition zu studieren. 1984 entschloss er sich Schriftsteller zu werden und darum brach er 1986 das Studium ab und kehrte wieder nach Meschach zurück. Dort lebt er noch heute im Haus seiner verstorbenen Zieheltern.

Den grössten Erfolg feierte Robert Schneider mit seinem Buch „Schlafes Bruder“, das 1992 vom Reclam Verlag veröffentlicht wurde. Es wurde in mehr als 25 Sprachen übersetzt, über 250'000 mal verkauft und enthält biographische Elemente. 1995 wurde „Schlafes Bruder“ von Joseph Vilsmaier verfilmt. „Schlafes Bruder“ wurde auch schon als Ballett vom Pfalztheater Kaiserslautern aufgeführt und als Oper von Herbert Willi vertont.

Robert Schneider erhielt für seine Werke unzählige Preise aus den unterschiedlichsten Ländern.

Andere Werke von Robert Schneider:

1983: „Der falsche Prinz“

1989: „Die Schaukinder“ „Hitler mein“

1993: „Dreck“

„Traum und Trauer des jungen H.“

1994: „Alte Tage“

1996: „Die Luftgängerin“

1999: „Die Unberührten“

2000: „Komödie vom deutschen Heimweh“

1.2. Inhalt und Biographie

In „Schlafes Bruder“ wird das Lebens von Johanns Elias Alder, der im Buch nur Elias genannt wird, beschrieben. Deshalb ist der Inhalt des Buches sogleich auch die Biographie von Elias.

Er kommt am 24. Juni 1803 in Eschberg zur Welt. Als Elias auf die Welt kommt, schreit er nicht. Erst als die Hebamme ihm das Tedeum vorsingt, fängt er an zu atmen. Sie rettet ihm sozusagen das Leben. Elias wird wenige Tage später mit seinem Cousin Peter getauft. Bei der Taufe entdeckt Elias die Musik. Er jubelt, als er das erste Mal Orgelmusik hört.

Elias hat eine gläserne Stimme. Seine Eltern schämen sich dafür und deshalb wird er eingesperrt. Elias fühlt sich von einem Bach, der nahe am Dorf liegt, der Emmer, angezogen. Eines Tages reisst er aus dem Zimmer aus und geht zur Emmer. An der Emmer liegt ein Stein und genau dieser Stein zieht Elias an. Als Elias fünf Jahre alt ist, geschieht etwas Sonderbares an diesem Stein. Sein Körper fängt an, sich zu verändern. Er bekommt gelbe Augen, eine Bassstimme und seine zweiten Zähne. Es verändert sich jedoch nicht nur sein Körper, es vervielfältigt sich auch sein Gehör. Er hört das Universum tönen und hört den Herzschlag der noch ungeborenen Elsbeth. Nach diesen körperlichen Veränderungen wird er wieder eingesperrt. Alle Dorfbewohner wollen ihn sehen, denn die Andersartigkeit macht die Menschen neugierig, doch niemand bekommt ihn zu Gesicht. Viele Kinder des Dorfes stehen am Fenster seines Zimmers und verspotten ihn. Nur Peter sagt nie etwas. Wenn er ihn besucht, schweigt er. Er ist fasziniert von der Andersartigkeit und versucht, die Freundschaft von Elias zu gewinnen. Seine Mutter weiss nicht, wie sie mit der Andersartigkeit ihres Kindes umgehen soll. Sie kümmert sich nicht mehr um ihn und ekelt sich vor ihrem eigenen Kind. Sie will das besessene Kind sogar töten. Durch die 1. hl. Kommunion gewinnt Elias seine Freiheit wieder und im Frühjahr 1808 wird Elsbeth geboren. Er hört ihren Herzschlag nochmals.

Mit 10 Jahren hat er das Aussehen und die Stimme eines Mannes, ihm wächst ein Bart und es bildet sich langsam eine Glatze. Die Dorfbewohner gewöhnen sich langsam an den Anblick des Mannkindes. Elias geht sogar zur Schule. Er hasst seine Bassstimme und darum redet er mit der Kopfstimme. Während er übt mit der Kopfstimme zu reden, kommt er in die Hörfrequenz der Tiere, d. h er kann mit den Tieren sprechen. Elias wandert jeden Tag zum Stein und übt am Klang seiner Kopfstimme. Da entdeckt er seine Begabung zur Imitation von Stimmen.

1815 wird Elias durch tragische Umstände zum Blasebalgtreter. Sein Vorgänger stürzt von der Kirchenempore. Als Elias Blasebalgtreter ist, kann er die Orgel aus der Nähe anschauen und daher kennt er sie besser als jeder andere. Elias hört dem Spiel des Organisten ganz genau zu, bessert seine Fehler aus und komponiert neue Stimmen. Dem Organisten bleibt das Talent von Elias natürlich nicht unentdeckt. Er ist sehr neidisch und erlernt Elias deshalb das Orgelspiel nicht. Elias muss sich das Orgelspiel selbst erlernen und da er keine Noten lesen kann, fängt er an, zu komponieren.

An Weihnachten 1815 legt Peter ein Feuer aus Rache an seinem Vater, der ihm den Arm gebrochen hat. Elias weiss, dass Peter das Feuer gelegt hat und er muss ihm versprechen, dass er ihn nicht verrät. Peter weiss genau, dass er ihn nie verraten wird. Das ganze Dorf ist in der Kirche versammelt bis auf Elsbeth. Sie liegt krank im Bett. Elias weiss, dass sie krank ist und versucht, ihr das Leben zu retten. Es gelingt ihm auch. Während der Rettung drückt Elias den Körper von Elsbeth an sich. Während Elias‘ Herz auf Elsbeths Herz liegt verliebt sich Elias in Elsbeth. Dem ersten Feuer fallen 15 Höfe, zwei alte Männer, vier Kleinkinder und an die hundert Stück Vieh zum Opfer. Acht Familien verlassen nach dem ersten Feuer das Dorf.

Im Winter 1815 bekommt die Seffin ihr drittes Kind, Philipp.

Mit 15 Jahren wächst Elias schnell und mit 19 Jahren hat er die Gestalt eines reifen Mannes von 40 Jahren. Wenn Elias nachts in der Kirche übt, assistiert Peter ihm. Er ist sein Blasebalgtreter. Die Orgel ist so verstimmt, dass Elias beschliesst, sie zu restaurieren. Er putzt und stimmt sie, sodass man nachher jeden Patzer des Organisten hören kann. Der Organist ist so geschockt, dass er sich ohnmächtig säuft und sich ein paar Wochen später erhängt. Da ist die Orgel frei für Elias. Als die Dorfbewohner Elias das erste Mal spielen hören, sind alle erstaunt über die Kunst seines Spiels.

Im Frühjahr 1820 kommt ein Schauprediger nach Eschberg. Ein Satz prägt Elias‘ Leben und führt schliesslich auch zu seinem Selbstmord. Dieser lautet:

„Wer schläft, liebt nicht!“1

Eines Tages machen Elsbeth, Elias und Philipp, Elias’ kleiner Bruder, eine Wanderung zur Emmer. Peter folgt ihnen. Elias zeigt Elsbeth den Stein und er erzählt, dass er glaube, dass man von diesem Stein in den Himmel komme. Peter und Elias sind die besten Freunde, ihre Charaktere und ihr Aussehen sind aber grundverschieden. Eines Tages küsst Peter Elias. Er ist schon lange in ihn verliebt. Elias erfährt von Peter, dass Elsbeth von Lukas, ihrem zukünftigen Ehemann, schwanger sei und dass sie wolle, dass Elias an ihrer Hochzeit die Orgel spiele. Elias fühlt sich von Gott getäuscht und geht deshalb in der Nacht in die Kirche und schreit Gott in sich zu Tode. Er will von Gott wissen, warum er ihn geschaffen habe. Er fühlt sich von Gott gedemütigt und macht Gott für die Liebe zu Elsbeth verantwortlich. Er verflucht Gott. Ihm erscheint ein Kind, das keinen Nabel hat und von dem eine geheimnisvolle Wärme ausgeht. Das Kind ist Gott. Elias schläft in der Kirche ein und als er am Morgen aufwacht, hat er seine alte Augenfarbe wieder und er ist von der Liebe zu Elsbeth befreit. Elias spielt wie versprochen an der Hochzeit von Elsbeth und Lukas.

Am zweiten Sonntag im August kommt der Domorganist von Feldberg, Bruno Goller, nach Eschberg um die Orgel zu besichtigen. Als Goller Elias spielen hört, ist er sprachlos. So etwas Kunstvolles hat er noch nie gehört. Er hält es schlicht für unmöglich, so zu spielen. Darauf lädt Goller Elias nach Feldberg ein, wo wenige Tage später ein Orgelwettbewerb stattfinden wird. Peter überredet Elias schliesslich, nach Feldberg zu reisen und Goller bereut inzwischen, dass er Elias eingeladen hat. Er hat Angst, dass Elias der neue Domorganist von Feldberg werden könnte. Elias muss „Kömm, o Tod, du Schlafes Bruder“ vorspielen. Als Elias anfängt zu spielen, verzaubert er die Menschen in Feldberg. Er erzählt sein ganzes Leben in Form der Musik. Während des Vorspiels fängt er wieder an Elsbeth zu lieben. Elias gewinnt den Wettbewerb. Für ihn ist das jetzt jedoch nur noch nebensächlich, denn während des Vorspiels fasste er einen Entschluss. Er will Elsbeth diesmal von ganzem Herzen lieben und deshalb nicht mehr schlafen. Er erhofft sich dadurch, dass er die Liebe von Elsbeth gewinnen kann. Nach dem Wettbewerb treten Peter und Elias sofort den Heimweg an. Elias will jedoch nicht nach Hause, sondern zum Stein. Peter muss allen erzählen, dass Elias in Feldberg geblieben ist.

Am 9. September 1825, nach sieben Tagen und Nächten ohne Schlaf, stirbt Elias an einer Atemlähmung aufgrund einer Überdosis Tollkirschen. Peter begräbt Elias schliesslich in der Nähe des Steins, weil Elias bei der Wanderung zu Elsbeth sagte, dass sich hier das Tor zum Himmel öffne.

Dadurch, dass Peter den qualvollen Selbstmord seines Freundes miterlebte, verändert sich sein Charakter positiv.

14 Tage nach dem Verschwinden von Elias erhält Elias’ Mutter einen Brief, in dem steht, dass ein angesehener Bürger aus Feldberg Elias ein Studium finanzieren würde.

Neun Jahre nach Elias‘ Tod wandert Elsbeth mit ihren sechs Kindern zur Emmer, doch der Stein ist weg. Sie erzählt ihren Kindern das Märchen von Elias. Wenige Jahre später zerstört das zweite Feuer das ganze Dorf. Daraufhin ziehen, bis auf 13 sture Eschberger, alle weg.

Mit 38 Jahren, 16 Jahre nach dem Tod von Elias, stirbt Peter am Sankt-Antonius- Feuer, einer Krankheit.

Am 5. September 1892 sterben zwölf der 13 Eschberger beim dritten Feuer. Der einzige Überlebende ist Cosmas Alder, der älteste Sohn von Elsbeth. Er verhungert schliesslich im Jahre 1912.

1.3. Beschränkung

Bei meiner Facharbeit beschränke ich mich auf die Hauptperson Elias. Ich analysiere seinen Charakter, die Beziehungen zu den verschiedenen Personen und sein Talent.

2. Hauptteil

2.1. Beziehungen

2.1.1. Familie

Zu jeder Person der Familie hat Elias eine andere Beziehung. Zur Familie gehören die Mutter und der Vater, Fritz, der grosse Bruder und Philipp, der kleine Bruder. Elias und seine Mutter haben keine gute Beziehung. Sie sperrt ihn ein, als er die gläserne Stimme hat und auch als er pubertiert wird die Beziehung zwischen Mutter und Sohn nicht besser, ganz im Gegenteil. Als sie ihn mit den gelben Augen sieht, denkt sie, er sei besessen. Sie will ihn sogar töten. Sie meidet ihn und stellt ihm das Essen vor die Zimmertür. Sie unternimmt nichts, was seiner Entwicklung hilfreich sein könnte. Sie redet nicht mit ihm, sie ekelt sich vor ihm, sie hat sogar Angst vor ihm. Für die Mutter ist es schlimm, einen solchen Sohn zu haben. Sie ist so verzweifelt, dass sie lieber ein mongoloides Kind hätte als Elias. Sie verliert sogar ihren Lebensmut. Der vorübergehende Irrsinn der Mutter bedeutet für Elias der Beginn eines neuen Lebens, denn er wird nicht mehr eingesperrt und darf sogar zur Schule und in die Kirche.

Aber auch Elias ist die Mutter nicht besonders nahe.

„...das Elend der Mutter war ihm nie wirklich zu Herzen gegangen, ja er hätte nicht einmal geschnupft, wäre sie eines Tages kalt in der Bettstatt gelegen.“2

Zu seinem Vater hat er anfangs auch keine gute Beziehung. Der Vater vertritt die gleiche Meinung wie die Mutter: Elias darf nicht an die Öffentlichkeit. Er muss versteckt werden. Doch töten will er seinen Sohn nicht, denn Vater und Sohn lieb haben sich lieb. Der Vater spürt auch, dass Elias unglücklich in Elsbeth verliebt ist und er lügt ihm vor, dass sich Elsbeth nach ihm erkundigt habe. Als Kind hat Elias sogar den Stallhut seines Vaters genommen um an ihm zu riechen und die Nähe des Vaters zu spüren.

Elias und Fritz interessieren sich nicht füreinander. Fritz hat ihm nie etwas bedeutet.

Fritz wird im Buch auch nicht beschrieben, weil er unwichtig ist.

Philipp und Elias sind die besten Freunde. Sie haben eine eigene Sprache, nur sie zwei. Philipp hat auch eine besondere Begabung für Musik und das verbindet sie besonders stark. Bevor Elias nach Feldberg geht, um am Orgelfest mitzumachen, zürnt Philipp. Er will nicht, dass Elias weggeht. Wahrscheinlich merkt er, dass Elias nicht wieder zurückkehren wird.

2.1.2. Peter

Peter und Elias sind fast gleich alt, sie werden sogar zusammen getauft. Elias und Peter werden Freunde, obwohl ihre Väter Feinde sind. Peter ist der einzige Mensch, der Elias in den schweren Zeiten beisteht und Elias belohnt Peter mit seiner Freundschaft. Anfangs ist Peter nur von der Andersartigkeit von Elias fasziniert. Doch da Peter jeden Abend zu Elias‘ Fenster kommt, findet Elias langsam Zutrauen zu ihm. Es ist eine naive, dankbare und gutmütige Freundschaft von Elias‘ Seite. Peter jedoch möchte mehr, denn auch er ist anders. Er ist homosexuell und in Elias verliebt. Peter fängt an, Elias zu lieben, weil Elias ihm willenlos gehorcht. Peter ist der Einzige, der weiss, dass Elias Elsbeth liebt. Weil er aber Elias für sich beanspruchen will, unternimmt er alles, dass sich Elsbeth nicht in Elias verliebt. Er versucht einmal sogar Elias zu küssen, doch der wehrt sich, wahrscheinlich das einzige Mal.

Peter ist der Einzige, der das Genie in Elias entdeckt. Darum überredet er ihn auch, nach Feldberg zum Orgelfest zu gehen. Peter und Elias verbindet die Freundschaft bis zum Tod. Denn als sie vom Orgelfest wieder zurückkommen, muss Peter Elias beim Selbstmord helfen. Peter muss allen vorlügen, dass Elias noch in Feldberg sei. Er wird Zeuge eines schrecklichen und qualvollen Selbstmordes. Er muss Elias sogar helfen, zu sterben. Peter muss dafür sorgen, dass Elias nicht einschläft und wenn er einschläft, muss er ihn wieder wecken. Peter macht geduldig, was Elias von ihm verlangt. Es ist sozusagen Elias‘ letzter Wille. Dieser Selbstmord verändert Peter. War er vorher ein Sadist und quälte Tiere, so wird er nach dem Selbstmord ein angesehener Bürger. Elias weiss, dass Peter ein Tierquäler ist, er kündet ihm die Freundschaft jedoch nicht, weil Peter sein einziger Freund ist. Sie können sich auch absolut vertrauen. Elias weiss, dass Peter der Brandstifter des ersten Feuers war, er verrät ihn nie. Auch Peter verrät nie, dass Elias nicht in Feldberg blieb, sondern Selbstmord beging. Manchmal ist Peter jedoch so am Ende, dass er nicht mehr zusehen will, wie sich Elias zerstört. Er will Elsbeth alles erzählen und sie um Hilfe bitten. Doch er macht es schliesslich doch nicht, weil er es ihm ja versprochen hat. Nach dem Tod von Elias begräbt ihn Peter.

2.1.3. Elsbeth

Elias und Elsbeth sind Cousin und Cousine. Elias liebt Elsbeth und darum stirbt er. Er stirbt für sie, im Glauben, dass er ihre Liebe gewinnen könnte, wenn er nicht mehr schlafen würde.

„Denn er war in eine unsägliche und darum unglückliche Liebe zu seiner Cousine Elsbeth entbrannt und seit jener Zeit nicht länger willens, auch nur einen Augenblick lang zu ruhen, bis dass er das Geheimnis der Unmöglichkeit seines Liebens zugrunde geforscht hätte.

[...]

So dachte Johannes Elias Alder, und sein spektakulärer Tod war der letzte Tribut dieser Liebe.“3

Er hört ihren Herzschlag schon bevor sie geboren ist. Als er ihren Herzschlag hört, jubiliert er, denn er vernimmt ein wundersames Pochen. Vom Klang des Pochens wird ihm zumute, als schaue er ins Paradies. Denn Elsbeths Herzschlag ist der Klang der Liebe.

Elias ist der Erste, der das Feuer an Weihnachten 1815 entdeckt. Er weiss, dass Elsbeth alleine zuhause ist, denn sie liegt krank im Bett. Er will sie retten und es gelingt ihm auch. Als sein Herz auf ihrem liegt, durchfährt ihn ein sonderbares Gefühl, denn ihre Herzen schlagen im gleichen Rhythmus. Während ihre Herzen aufeinander liegen, verliebt er sich in sie und er liebt sie von Tag zu Tag mehr. Seine Nächte gehören Elsbeth, er lauscht ihrem Atem.

„Seit der Nacht, in welcher er das Mädchen gerettet, liebte er Elsbeth mit einer Kraft und Leidenschaft, die ans Unmenschliche grenzt.“4

Er entscheidet sich für Elsbeth und damit gegen die Musik. Er hört aber trotzdem nicht auf zu musizieren, denn von nun an spielt er nur noch für Elsbeth. Wenn er komponiert, komponiert er nach dem Metrum von Elsbeths Herzschlag. Er geht jeden Tag zu Peter, um Elsbeth zu sehen. Er beginnt sie jeden Tag leidenschaftlicher zu lieben, ohne ihr diese Liebe jemals zu eröffnen. Einmal führt er Elsbeth sogar zu seinem Lieblingsplatz, dem Stein.

Sie hingegen liebt ihn nicht. Sie bewundert ihn nur, vor allem seine Musik. Sie empfindet Respekt und Ehrfurcht gegenüber Elias. Er glaubt jedoch, sie habe sich in ihn verliebt. Er verwechselt ihre Bewunderung mit Liebe.

„ ,So sieht nur ein liebender Mensch aus‘, wähnte er frohlockend. Elsbeth aber sah ihn mit Augen der Bewunderung und grossen Erstaunens. Er hatte sie in seinen Bahn gezogen, denn so ein Reden, geschickt und worin jede Silbe wie Musik klang, hatte sie noch von keinem Mann gehört. Elsbeth staunte, und Elias meinte, sie habe sich in dieser Stunde in ihn verliebt. Nur ein wirklich Liebender Kann sich so grausam irren.“5

Obwohl Elsbeth und Elias einander in inniger Freundschaft zugetan sind, verheimlichen sie sich ihre bedeutsamen Gefühle. Er hat die Hoffnungen aufgegeben, von Elsbeth geliebt zu werden, denn sie soll einen anderen heiraten. Am Tag der Anklage wider Gott ist Elias von der Liebe zu Elsbeth befreit. Deshalb spielt er an der Hochzeit von Elsbeth. Er will sogar Pate für Elsbeths Kind werden. Am Orgelfest in Feldberg beginnt er sie wieder zu lieben. Elias stirbt für Elsbeth, denn er schläft nicht mehr, damit er sie von ganzem Herzen lieben kann. Er denkt, dass er Elsbeth nur mit halbem Herzen geliebt habe und darum habe Gott ihm Elsbeth verweigert. Darum will er nicht mehr schlafen.

„Wer schläft, liebt nicht.“6

Elsbeth besucht Jahre später mit ihren Kindern den Stein, doch er ist weg. Da erzählt sie ihren Kindern das Märchen von Elias. Das zeigt, dass auch sie ihn nicht vergessen kann.

2.2. Charakter

Elias ist ein Aussenseiter in seinem Dorf. Nicht nur durch sein Aussehen, sondern auch charakterlich. Er will nie so werden, wie die Bauern des Dorfes. Er spricht anders, er kleidet sich anders und er geht auch anders. Seine Sprache ist edel, er benutzt keine Schimpfworte, am liebsten kleidet er sich schwarz und er bringt sich einen kurzschrittigen Gang bei. Dies sind Zeichen des Aufbegehrens gegen die Bauernwelt, in die er niemals treten will.

Im aussergewöhnlichen Talent von Elias zeigt sich auch, dass er ehrgeizig ist. Er will Orgel spielen können und deshalb schleicht er nachts in die Kirche um sich das Orgel spielen selbst zu lernen. Sein Ehrgeiz zeigt sich auch, als er unermüdlich am Klang seiner Kopfstimme schleift, um sie perfekt zu machen.

Elias ist sehr schüchtern, denn er sagt Elsbeth nie, was er für sie empfindet.

„Wie er mit Elsbeth eine Lebensfreundschaft einging, wie er sie Tag um Tag leidenschaftlicher zu lieben begann, ohne diese Leidenschaft je zu eröffnen.“7

Das liegt jedoch nicht nur an Elias selbst, denn kein Eschberger kann einem andern sagen, wie lieb er ihn hat. Seine Liebe zu Elsbeth fällt sozusagen einem Kommunikationsproblem zum Opfer.

Dass Elias sehr schlau ist, zeigt sich an einigen Stellen. Zum Beispiel findet er jeden Abend den versteckten Schlüssel, um auf der Orgel üben zu können. Er verwischt auch Abend für Abend die Spuren, sodass niemand merkt, dass er jeden Abend mehrere Stunden übt. Er wird nur aus einem Grund Blasebalgtreter. Er will die Orgel aus der Nähe betrachten können. Keiner kennt die Orgel so gut wie Elias. Er ist auch der Einzige der hört, wie verstimmt die Orgel ist. Darum putzt und stimmt er sie. Er macht einen Arbeitsplan und schreibt jeden Schritt auf, den er schon gemacht hat und den er noch machen muss.

Elias ist ein ruhiger und sehr nachdenklicher Mensch.

„Denn er war in unsäglicher und darum unglücklicher Liebe zu seiner Cousine Elsbeth entbrannt und seit jener Zeit nicht länger willens, auch nur einen Augenblick lang zu ruhen, bis dass er das Geheimnis der Unmöglichkeit seines Liebens zugrunde geforscht hätte.“8

Er will die Ursache seiner Liebe finden. Das zeigt nicht nur die Nachdenklichkeit von Elias, sondern auch die Neugierde. Er will allem auf den Grund gehen. Er wird von einem Stein an der Emmer angezogen. Dieser Ort ist abseits des Dorfes, also ein ruhiger Ort, wo er gut nachdenken kann. Er geht oft zum Stein, fast jeden Tag.

Er behält auch die Fassung, als er das Feuer bemerkt und deshalb kann er Elsbeth das Leben retten.

Elias ist leicht beeinflussbar, denn er ist von der Predigt des Schaupredigers so beeindruckt, dass er sein Leben danach richtet. Ein Satz hat es ihm besonders angetan.

„Wer schläft, liebt nicht.“9

Er schläft nicht mehr, um Elsbeths Liebe zu gewinnen. Er ist sozusagen gefangen von diesem Satz. Er lässt sich nicht davon abhalten, nicht mehr zu schlafen. Das zeigt auch seine Sturheit. Diese Charaktereigenschaft ist wohl die einzige Gemeinsamkeit mit den Dorfbewohnern.

2.3. Talent

Elias besitzt ein besonderes Talent für Musik, wird es aber niemals ausüben dürfen. Er komponiert Stücke, obwohl er weder Noten lesen noch schreiben kann. Er spielt polyphone Musik, ohne jemals polyphone Musik gehört zu haben. Als er 5 Jahre alt ist, vervielfacht sich sein Gehör. Durch die Vervielfachung seines Gehörs sieht er die Töne. Er erhält den 6. Sinn. Die Vervielfachung seines Gehörs wird durch einen Knall in den Ohren verursacht. Das Wunder kam jedoch nicht plötzlich. Der Stein, an dem das Wunder geschieht, ruft ihn. Von diesem Stein geht eine besondere Kraft aus, die ihn anzieht.

Elias kennt die Orgel wie kein anderer. Er putzt die Orgel in der Nacht und stimmt sie, ohne technische Hilfe, nur dank seiner Ohren. Als der Organist stirbt, ist die Orgel frei für Elias. Es ist die schönste Zeit seines Lebens. Alle bestaunen sein Talent. Durch die Musik kann Elias die Menschen verzaubern. Er kann sie sogar vorübergehend zu Verhaltensveränderungen bewegen. Musik ist die Sprache, in der sich Elias ausdrücken kann. Elias liebt es, Dissonanzen zu spielen, denn sie bedeuten Sünde oder etwas Verbotenes. Elias wird bloss zufällig entdeckt. Goller, sein Entdecker, kann es nicht glauben, dass er keine Noten lesen und schreiben kann. Er lädt ihn trotzdem nach Feldberg ein. Da muss Elias einen Choral vortragen, dessen Melodie er nicht kennt. Goller muss sie ihm zuerst vorspielen. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten ist Elias anschliessend in seinem Element. Er hörte die Melodie nur einmal und er improvisiert über zwei Stunden. Er spielt nicht nur, er predigt. Er predigt Wahres über den Tod. Die Menschen sind hypnotisiert von seiner Musik. Er fügt auch die Melodien mit ein, die er für Elsbeth komponiert hat. Er erzählt sein ganzes Leben in Form der Musik. Er spielt mit Herz und Emotionen und seine Musik geht bis ins Innerste der Seele. Alles, was er spielt, verbindet er mit Erinnerungen, Wünschen und Gefühlen. Die Menschen sind begeistert von ihm und seiner Musik.

Elias ist nicht nur ein Künstler im Orgelspielen, er hat noch andere aussergewöhnliche Fähigkeiten. Er kann auch Stimmen imitieren und mit den Tieren reden.

3. Schlussteil

Robert Schneider behandelt in Schlafes Bruder verschiedene Themen. Das zentrale Thema ist das geniale Talent von Elias. Es wird im ganzen Buch behandelt, denn durch seine ausserordentliche Begabung wird Elias zum Aussenseiter. Im Buch wird Elias ein Genie genannt. Es gibt auch eine Definition von Genie im Buch.

„Es ist das Wesen eines jeden Genies, dass es Dinge mit grosser Vollendung zuwege bringt, die es weder geschaut noch gehört hat.“10

Zuerst wird sein Talent jedoch nicht erkannt und gefördert. Dem Thema die unentdeckten Genies ist ein ganzes Kapitel im Buch gewidmet. Es heisst „Die Ungeborenen“. In diesem Kapitel bedauert der Erzähler, dass viele Menschen ihre Talente nicht entfalten können, weil es ihre Umwelt nicht zulässt. Als man Elias‘ Talent entdeckt und auch fördern will, ist es schon zu spät, denn er ist tot. Einige Menschen, so zum Beispiel der Dorforganist und auch Goller, haben das Talent zwar erkannt, haben es aber nicht gefördert, weil sie vom Neid geprägt sind. Die Musik ist, ausser der Liebe zu Elsbeth, die Treibfeder für Elias. Wenn er die Orgel spielen kann, ist er überglücklich, denn er spielt nur für Elsbeth. Die Musik ist die Sprache, in der sich Elias ausdrücken kann. Von seiner Musik geht eine beeindruckende und bewegende Kraft aus, die die Menschen fesselt.

Ein weiterer Aspekt ist die Eifersucht, mit der der homosexuell veranlagte Peter die Liebe seines Freundes Elias zu Elsbeth zu verhindern versucht. Es gelingt ihm auch und Elias sieht darum keinen Sinn mehr im Leben. Dadurch wird auch der Tod ein wichtiges Thema im Buch. Der Tod ist auch im Titel indirekt angesprochen.

„Nicht von ungefähr vergliche ein altes Wort Schlaf und Tod mit Brüdern.“11

Das bedeutet also, dass der Buchtitel Tod heisst. Man erfährt daher schon ganz am Anfang, dass der Tod ein zentrales Thema ist und dass die Hauptperson wahrscheinlich sterben wird. Das Lied, das Elias in Feldberg spielen muss, heisst „Kömm, o Tod, du Schlafes Bruder“. Dieser Choral regt ihn zum Selbstmord an, indem er nicht mehr schlafen will. Er ist begeistert von der Melodie und vom Text dieses Chorals.

Das Buch ist die Biographie von Elias. Die Handlung des Buches ist schon im ersten Satz zusammengefasst.

„Das ist die Geschichte des Musikers Johannes Elias Alder, der zweiundzwanzigjährig sein Leben zu Tode brachte, nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr zu leben.“12

Am Anfang steht, dass uns der Erzähler den Lauf seines elenden Lebens beschreiben will. Am Schluss , als Elias schon tot ist, steht jedoch:

„Nein, wir trauern nicht um diesen Menschen. Wir trauern um sein Genie und um die Unmöglichkeit seines Liebens. Welch prachtvolle Menschen - kommt uns der Gedanke wieder - muss die Welt verloren haben, nur weil es ihnen nicht gegönnt war, ihr Leben im Gleichmass von Glück und Unglück zu leben.“13

4. Anmerkungsverzeichnis

5. Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

Schneider, Robert: Schlafes Bruder Leipzig (Reclam) 1992, 1995

Sekundärliteratur:

Möckel, Magret Erläuterungen zu Robert Schneider Schlafes Bruder (Bange) 1998

6. Eidesstattliche Erklärung

Hiermit bestätige ich, die Facharbeit selbst geschrieben und nur die aufgeführten Materialien benutzt zu haben.

[...]


(1) Schneider 1995, S. 104

(2) a. a. O. S. 94

(3) a. a. O. S. 7

(4) a. a. O. S. 96

(5) a. a. O. S. 110

(6) a. a. O. S. 104

(7) a. a. O. S. 118

(8) a. a. O. S. 7

(9) a. a. O. S. 104

(10) a. a. O. S. 95

(11) a. a. O. S. 7

(12) a. a. O. S. 7

(13) a. a. O. S. 200

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Schneider, Robert - Schlafes Bruder
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V106367
ISBN (eBook)
9783640046461
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schneider, Robert, Schlafes, Bruder
Arbeit zitieren
Martina Gerner (Autor:in), 2002, Schneider, Robert - Schlafes Bruder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106367

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