Sprachstörungen bei Kindern - Erscheinung und Therapie -


Hausarbeit, 2002

15 Seiten, Note: 14 Punkte


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A. Einleitung

Die Sprache ist das wichtigste Ausdrucksmittel des Menschen. Sie dient dazu, Gefühle, Be- dürfnisse und Absichten auszudrücken, andere zu beeinflussen und gesetzte Ziele zu errei- chen.

Die Sprache ist zugleich sehr komplex und daher besonders in der Entwicklungsphase leicht störbar. Es gibt eine große Anzahl verschiedener Störungen, die sowohl auf die Kommunika- tion, als auch auf die Entwicklung an sich, die Persönlichkeitsbildung und auf die Beziehun- gen zu anderen Kindern und in der Familie negative Auswirkungen haben können. Um auftretenden Begleitstörungen vorzubeugen, sollte eine Therapie schon im Vorschulalter begonnen werden. Hierbei ist besonders Rücksicht auf die Rahmenbedingungen der jeweili- gen Sprachstörung zu nehmen, da hier bereits Ursachen für die Störung liegen können. Dabei stellt sich wiederum die Frage, wie wichtig es wäre, eine entsprechende Therapie schon in einem speziellen Kindergarten anzusetzen. Diese und andere Fragestellungen sind Gegens- tand der vorliegenden Facharbeit.

Im ersten Teil wird die Anlage- Umwelt- Problematik geschildert. Dabei wird die Frage geklärt, ob die Ursachen der Störung genetisch bedingt sind oder ob sie sich aus der Beeinflussung der Umwelt entwickelt haben. Darüber hinaus werden die jeweiligen Therapiemöglichkeiten einiger Sprachstörungen, die an der Städtischen Schule für Sprachbehinderte in Wuppertal am häufigsten auftreten, erläutert.

Im zweiten Teil wird anhand der Therapiemöglichkeiten und der Richtlinien für derartige Sonderschulen gezeigt, inwieweit die Möglichkeiten der Therapie an dieser Schule in den Unterricht integriert werden. Insbesondere wird dabei der Lehrer in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt, aber auch die Eltern und der Aspekt der Einrichtung und Organisation der Schule, wie Ausstattung, Größe der Klassen, Sonderveranstaltungen etc. stellen in diesem Zusammenhang wichtige Gesichtspunkte dieser Untersuchung dar.

B. Hauptteil

1. Problemerläuterung:

Sprachstörungen und die damit verbundenen Probleme

Die Anzahl der Kinder mit Sprachstörungen steigt von Jahr zu Jahr. Damit eine Therapie möglichst erfolgreich verlaufen kann, ist es wichtig, die Störungen bei den Kindern frühzeitig festzustellen, um unmittelbar mit einer entsprechenden Therapie zu beginnen. Denn je früher man das Kind zu therapieren beginnt, desto erfolgreicher kann die Therapie sein. Fachleute, die sich mit diesem Problem auseinandergesetzt haben, können mittlerweile Störungen der Sprache und des Sprechens bereits im Vorschulalter feststellen, was keine einfache Aufgabe ist, und eine gezielte Therapie ansetzen. Jedoch stellt sich hier die Frage, inwieweit das Um- feld des Kindes (z.B. Familie oder Kindergarten) in die Therapie involviert werden muss, damit eine frühe Besserung möglich ist.

Immerhin sind die Eltern im Regelfall die ersten, die Auffälligkeiten an ihrem Kind feststellen, beziehungsweise feststellen sollten. Doch die meisten Eltern registrieren Störungen meist gar nicht oder zu spät, denn oft werden Symptome nicht ernst genug genommen. Dies kann auch Fachleuten wie Kinderärzten oder Erzieherinnen passieren.

Die Therapie soll also nicht nur mit dem behandelnden Arzt durchgeführt werden, sondern mit Hilfe des ganzen Umfeldes des Kindes. Einen wichtigen Beitrag dazu sollte die Grund- schule leisten. Denn hier lernt das Kind die gesamte Sprache und sollte daher besonders ge- fördert werden da es ansonsten zu spät sein kann. Hierbei stellt sich allerdings die Frage, wie sinnvoll es ist, mit der entsprechenden Frühförderung schon in einem speziellen Kindergarten zu beginnen, wenn die Störung frühzeitig festgestellt wird. Solche Kindergärten gibt es, je- doch sehr vereinzelt. Meist gibt es für sprachbehinderte Kinder spezielle Sprachsonderschu- len, auch Sprachheilschulen genannt, in denen Kinder mit den unterschiedlichsten Arten von Störungen unterrichtet werden. Hier wiederum stellt sich das Problem, inwieweit die dort un- terrichtenden, speziell ausgebildeten Fachkräfte in der Lage sind, die Richtlinien einer solchen Schule und die Therapiemöglichkeiten der verschiedenen Störungen in den Unterricht kombi- niert zu integrieren. Durch diese Art von Verbindung ergibt sich die sogenannte „Dualismus- problematik“ (ORTHMANN 1969b), die eine ständige Herausforderung für Sprachheilpäda- gogen darbietet. Aufgrund der Überschneidung von Unterricht und Therapie ist es erforder- lich, „die kognitiven und sprachlichen Anforderungen noch mehr als bisher zu differenzie- ren.“1 Gleichzeitig geht aus den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz ein Wandel des Menschenbildes hervor. 1972 wurde zu einem Ausbau der Sprachheilschulen geraten, 1994 hingegen wurde empfohlen, die Sichtweise auf die Person zu beziehen, und sich mehr auf die Individualität ihrer Bedürfnisse zu konzentrieren. Da es auch darum geht, das Kind in die Gemeinschaft einzugliedern, muss der Sozialisierungsprozess gleich dem Individualisierungsprozess sein. Es muss also gelingen, Anlässe zum Lernen der Sprache herzustellen, die entwicklungsstimulierend und sprachspezifisch sind, als lebenswichtig gesehen werden und herausfordernd wirken (GROHNFELDT 1999b).

Im folgenden werden die Störungen, die an der Städtischen Schule für Sprachbehinderte in Wuppertal am häufigsten auftreten, in Bezug auf die Erscheinung, die Ursachen und die Therapie geschildert.

2. Schilderung der vier Sprachstörungen

2.1 Dysgrammatismus

Der Dysgrammatismus ist eine sehr häufig vorkommende Sprachstörung und bedeutet, dass das Kind nicht in der Lage ist, seine Sprache hinsichtlich der Grammatik und der Syntax kor- rekt zu gebrauchen, das heißt, Sätze in ihrer Wortstellung und Wortbedeutung richtig zu bil- den. Becker und Sovák weisen darauf hin, dass Liebmann die Störung in 3 Grade unterteilt wohingegen Remmler 6 Unterteilungen macht. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass Remmler noch die altersbedingten (vor dem 4. Lebensjahr) Fehler und den vorbildlichen Gebrauch der Sprache mit einschließt. Diesbezüglich sollen jedoch keine näheren Erläuterun- gen gemacht werden.

2.1.1 Ursachen:

Ähnlich wie bei der altersgemäßen Sprechunflüssigkeit beim Stottern, besitzt das Kind auch hier nicht von Beginn an die Befähigung, die Sprache bezüglich der Grammatik tadellos zu verwenden. Doch diese Befähigung erlangt das Kind nach weiterer Entwicklung. Doch wenn dies nicht bis Ende des 4. Lebensjahres geschieht, kann man von einer beginnenden Sprach- störung ausgehen. Ursachen dafür sind Sprachentwicklungsverzögerungen, Vernachlässigung des Kindes, und besonders bei schwerhörigen Kindern, denn diese hören die im Deutschen unbetonten Endungen der Wörter nicht und können dadurch weder die Wortstellung noch die Wortbedeutung richtig erlernen.

2.1.2 Therapie:

Falls organische Schäden vorhanden sind, werden diese zunächst von ärztlicher Seite weitest- gehend behoben. Während der logopädischen Therapie steht die Gesamtpersönlichkeit des Kindes im Mittelgrund, das heißt, dass diese erfasst und beeinflusst werden muss. Für die normale Schullaufbahn stehen je nach Ursache verschiedene Sonderschulen zur Verfügung. Falls dies jedoch nicht der Fall sein sollte, ist besonders auf das Umfeld des Kindes zu achten. Auch hier muss eine lustbetonte Spieltherapie angewendet werden, die viel Mühe und Ge- duld verlangt. Vorgesagte Wörter müssen übertrieben gesprochen werden. Das Kind muss viel Sprechen üben, aber es darf ihm nicht wie eine Grammatikstunde vorkommen, denn das ist langweilig und kann erfolgshemmend wirken. In der Regel zeigen Kinder nach einer The- rapie zwischen 3 und 12 Monaten eine deutliche Besserung oder sie sind sogar geheilt.

2.2 Stottern

Das Stottern zählt zu den schwersten Sprachstörungen, welches in der Regel im Vorschulalter entsteht. Die Relation zwischen Jungen und Mädchen liegt bei 4:1. Von allen stotternden Kindern sind etwa 75% Jungen.

Zunächst wird der Oberbegriff in drei Teile unterteilt: „altersgemäße Sprechunflüssigkeit“, „beginnendes Stottern“ und „chronisches Stottern“. Bei diesen Unterteilungen handelt es sich um unterschiedliche Schweregrade des Stotterns, angefangen bei der altersgemäßen Spre- chunflüssigkeit, die bei Kindern zwischen 3 und 5 Jahren normal ist. Das heißt, diese Spre- chunflüssigkeit deutet auf keinerlei Langzeitstörung hin, da es sich nach etwa einem halben Jahr normalerweise wieder einstellt. Jedoch könnte sich daraus ein neurotisches Stottern ent- wickeln. Das beginnende Stottern unterscheidet sich von der altersgemäßen Sprechunflüssig- keit nur dadurch, dass hier die Pausen und Ausdehnungen, die später noch erläutert werden, ausgeprägter sind. Beim chronischen Stottern kommt dazu noch ein psychisches und soziales Leiden, die sogenannten Begleitsymptome, oder Sekundärsymptome Stottern ist eine Störung des Redeflusses, welche sich durch folgende Kennzeichen äußert:

Zum einen gibt es das klonische Stottern, bei dem Kinder Laute, Silben und/oder sogar ganze Wörter wiederholen.

Beispiel: Wiederholen von Lauten: d- d- d- d- der

Wiederholen von Silben : ei- ei- ei- eine

Wiederholen von ganzen Wörtern: da war, da war, da war, da war, ...

Bei Wiederholungen von Lauten, Silben oder Wörtern kann zusätzlich noch eine Tempoerhöhung auftreten. Und es gibt den sogenannten „Schwa-Laut“. Hier sagt das Kind nicht beispielsweise Ba- ba- ba- banane, sondern B e - b e - b e - banane. Das „a“ wird hier durch das „e“ ersetzt, das sich so anhört wie das letzte „e“ bei „ein e “ oder „beinah e

Zum anderen gibt es das tonische Stottern, bei dem Kinder Laute dehnen und/oder ein Blockieren oder Pressen mit deutlicher Muskelanspannung bei einem Laut zeigen, bei welchen man ebenfalls Verzerrungen der Gesichtszüge wahrnehmen kann

Beispiel: Aaaber; aaaaaber; kkkkkann

Wie lang die Ausdehnungen sind und wie lang und mit welcher Anstrengung das Kind die Pausen einsetzt hängt von der Schwere des Stotterns ab (siehe oben). Zusätzlich kann eine Veränderung der Lautstärke oder der Tonhöhe auftreten. Manche Kinder zeigen auch eine Sprechunlust, indem sie aufhören zu reden obwohl sie den bereits begonnenen Satz noch nicht beendet haben, sie resignieren und schämen sich Oder vermeiden das Sprechen so gut es ihnen gelingt. Beim chronischen Stottern allerdings zeigen sich dazu noch einige Begleitsymptome, die nicht nur Einfluss auf das Sprechverhalten des Kindes haben, sondern auch auf seine Psyche, soziale Entwicklung und damit die ganze Lebenssituation.

2.2.1 Ursachen:

In Hinblick auf die Ursachen des Stotterns muss man sagen, dass man bisher noch nicht in der Lage ist, die genauen Ursachen für diese Störung festzustellen. Allerdings gibt es eine grobe Unterteilung:

a) körperliche Ursachen

- alle Erkrankungen mit hohem und langanhaltendem Fieber, Ernährungsstörungen bei Kleinkindern
- Fiebererkrankungen, Krampfanfälle, Entzündungen des Gehirns, Kopfverletzungen, Ope- rationen, sowie schwere lange Krankheiten, die den Körper geschwächt haben
- Vererbung der Anlage (oft väterlicherseits)
- „angeborene Sprachschwäche“
- Schwäche des zentralen Nervensystems

b) seelische Ursachen

- akute Schreck- Angst- Erlebnisse
- chronische Konflikte in der näheren Umgebung des Kindes
- emotionale Störungen der Kontaktaufnahme

c) Stottern als erlerntes Verhalten

- Das Kind lernt durch Kritik, dass flüssiges Sprechen erwünscht ist. Diese Anspannung, mit der versucht wird diese Anforderung zu erfüllen, führt oft zu stärkerem Stottern.
- Das Kind lernt unbewusst, dass es, wenn es stottert, mehr Aufmerksamkeit bekommt oder bestimmte Dinge erreichen kann, und es lernt, dies immer wieder zu tun.

2.2.2 Therapie:

Da man die Ursache für das Stottern nie exakt bestimmen kann, ist es demnach ebenfalls schwer, eine geeignete Therapie anzusetzen. Nach Gerhard Böhme müssen daher teilweise mehrere Therapieformen gleichzeitig ablaufen, um Erfolg zu haben. Aufgrund dessen ist eine Therapie natürlich sehr langwierig und bedarf eines erfahrenen Teams an Ärzten, Logopäden und Psychologen. Die Therapie- siehe auch in der Einleitung- besteht nicht nur aus einem Faktor, sondern aus zwei eng Aneinanderliegenden: Zum einen gehört die Familie des Kindes dazu, der bestimmte Verhaltensweisen in Form von Ratschlägen nahegelegt werden. Die El- tern des sprachbehinderten Kindes sollten das Stottern nicht beachten; die Bedingungen, die zum Stottern führen können, nach Möglichkeit beseitigen; richtiges Sprechen soll gelobt wer- den und die Eltern sollten gute Zuhörer sein und eine sehr persönliche Beziehung zum Kind aufbauen. Weiterhin wäre es ratsam, das Kind an einer Sprachheilschule anzumelden, da es dort unter Kindern mit ähnlichen Problemen ist und bessere Lernerfolge erzielen kann.

Die Behandlung an sich wird in vier Gesichtspunkte unterteilt- Psychotherapie, Verhaltens- therapie, Sprechübungstherapie und medikamentöse Zusatzbehandlung-, von denen hier aber nur die wichtigsten kurz erläutert werden. Bei der Psychotherapie wird durch eine Spielthera- pie ( Szenospiel, Maltherapie usw.) versucht, die Symptome des Stotterns zu beseitigen. Bei der Verhaltenstherapie soll das Kind nicht gegen das Stottern ankämpfen, und dabei andere Verhaltensweisen lernen. Hierbei verwendet man das operante Konditionieren in Verbindung mit Bestrafung. Operantes Konditionieren bedeutet Beibringen einer bestimmten Verhaltens- weise mit Belohnungen, die individuell auf den Patienten abgestimmt sind. Bestrafung- in diesem Fall die negative Bestrafung- bedeutet Hinzufügung eines negativen Verstärkers.

Zur angewandten Sprechübungstherapie gehören Atemübungen, logopädische Sprechübungsbehandlungen, logopädische Rhythmik und die verzögerte Sprachrückkopplung. Die Atemübungen dienen dazu, die Phonationsdauer zu verlängern, indem Vokale nach Einatmung gebildet und möglichst lange ausgehalten werden.

Die Redeübungen werden angewendet um die Artikulationsbewegungen zu beeinflussen. Hierbei gibt es sehr unterschiedliche Methoden, die aber nicht weiter ausgeführt werden sol- len. Die logopädische Rhythmik -eine enge Verbindung zwischen Musik, Bewegung, Spre- chen und Sprache- soll die Koordination der Sprechbewegungen verbessern ( siehe dazu auch die Pawlow’sche Theorie). Bei der verzögerten Sprachrückkopplung wird darauf geachtet, dass das Kind langsam spricht, wobei die Symptome des Stotterns in der Regel nach und nach verschwinden. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

2.3 Mutismus

Mutismus ist eine Störung der Kommunikation. Kinder, die nur teilweise oder gar nicht sprechen (wollen). Hier unterscheidet man zwischen dem totalen Mutismus und dem partiellen (elektiven) Mutismus. Kinder haben Angst, mit anderen zu sprechen und weigern sich somit. Beim totalen Mutismus ist diese Verweigerung absolut, das heißt, sie sprechen gar nicht. Beim partiellen Mutismus gilt diese Verweigerung nur gegenüber bestimmter Personen (z.B. Fremden) oder in bestimmten Situationen (z.B. Kindergarten).

Bei dieser Störung können weitere Nebensymptome wie Nägelknabbern oder Daumenlutschen auftreten. Allerdings muss betont werden, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen geistiger Entwicklungsstörung und Mutismus gibt. Lediglich sinken die Leistungen des Kindes, was voraussehbar ist angesichts der Nichtbenutzung der eigenen Sprache. Ein weiteres Symptom ist, dass die Mehrzahl der Kinder, die unter dem Mutismus leiden, bezüglich der Körpergröße und des Körpergewichts unter dem Durchschnitt liegen.

2.3.1 Ursachen:

Die Ursachen sind auch hier nicht eindeutig festzustellen. Jedoch geht man davon aus, dass es sich um eine Kinderneurose handelt, das heißt, eine Störung der Gesamtpersönlichkeit. Kin- der verschließen sich vor ihrem Umfeld, weil sie mit einer Situation nicht fertig werden. Die am häufigsten auftretenden Ursachen dafür sind Erziehungsfehler oder Milieustörungen. Man hat festgestellt, dass der Mutismus häufig bei Kindern vorkommt, die sehr empfindlich, ängst- lich, scheu, verschlossen und schwermütig veranlagt sind. Daher besteht die Gefahr, dass der Mutismus gleichzeitig Ausdruck für den Autismus ist. Autismus ist eine krankhafte Selbstbe- zogenheit und Kontaktunfähigkeit. Das heißt, die Kinder leben in ihrer eigenen Welt und las- sen niemanden an sich heran, mit Ausnahme einer bestimmten Bezugsperson.

2.3.2. Therapie:

Da man beim Mutismus keine eindeutige Ursache festlegen kann, sollte die Therapie vor al- lem auf Behandlungen von Psychologen basieren. Neben ärztlicher Therapierung empfiehlt es sich, dem Kind ein anderes Umfeld zu geben, sprich umzuziehen und das Kind in einem Kin- dergarten anzumelden, denn hier hat es Kontakt zu Gleichaltrigen. In einigen Fällen ist es ebenfalls effektiv, der Störung des Kindes keinerlei Beachtung zu schenken. Ein wichtiger Teil einer Therapie sind Beratungsgespräche mit den Eltern und mit den entsprechenden Lehrern bei Schulbeginn sowie vollständiges Vertrauen des Kindes gegenüber dem Therapeuten. Eine solche Therapie kann unterschiedlich lang sein. Oft kann sie sich sogar über Monate strecken, und es ist nicht selten, dass die Krankheit über Jahre hinweg andauert.

2.4 Aphasie

Die Störung Aphasie ist der totale oder partielle Verlust, die ausgebildete Sprache zu verstehen oder zu benutzen. Dieser Verlust resultiert aus zentralorganischen Schäden, meist Hirnschäden, z. B. nach Unfällen oder Tumoren.

Es gibt nicht nur eine Komponente, die davon betroffen ist. Sowohl die Lautsprache als auch das Lesen und Schreiben, die musikalische Eignung und die Ausdruckskraft tragen Schäden davon, die zu einer nahezu vollständigen Isolation des Kindes führen beziehungsweise führen können. Generell liegt die Störung in den Wörtern und in den Sätzen. Nach Sovák und Becker lässt sich die Aphasie in zwei Formen unterscheiden, die transmissive Aphasie- wiederum in zwei Unterpunkte unterteilt, und die totale Aphasie.

2.4.1.Die transmissive Aphasie:
2.4.1.1. Die sensorische Aphasie (nach Wernicke)

Kinder können früher gelernte Wörter nicht wieder erkennen und daher auch nicht verste- hen.

Die Ursache liegt darin, dass bestimmte Bereiche des Gehirns auf der dominanten Hemi- sphäre ( Gehirnhälfte) zerstört sind. Bei der transmissiven Aphasie handelt es sich um die hintere obere Schläfenwindung, die sich verändert und somit die Störung hervorgerufen hat.

Symptome:

Der Betroffene verhält sich, als hörte er eine ihm unbekannte Fremdsprache. Er hört alles, kann aber die einzelnen Wörter und Sätze nicht erkennen. Jedoch ist er in der Lage, selbst zu sprechen, wobei meist die Wörter unverständlich sind. Diese Form der Aphasie steht oft in Verbindung mit der Alexie. Dies ist der Verlust der Lesefähigkeit. Das Kind kann zwar schreiben, jedoch ist er unfähig, das von ihm geschriebene Wort zu erkennen. Die Ursache hierfür ist eine Störung der Hirnrinde. Angesichts dieser (beiden) Störung (en) werden sozi- ale Beziehungen und die eigene Persönlichkeit stark in Mitleidenschaft gezogen.

2.4.1.2. Die motorische Aphasie (nach Broca)

Ein Defekt der Hirnrinde ist die Grundlage dafür, dass das Kind nicht mehr in der Lage ist, die Spontansprache zu gebrauchen, vorgesagte Wörter zu wiederholen und gezeigte Gegenstände zu benennen.

Symptome:

Das Kind hört und versteht die Sprache, ist jedoch nicht fähig, die Bewegungen, die das selbständige Sprechen erfordert, anzuwenden. Der Wortschatz des Kindes verringert sich je nach Schweregrad der Störung erheblich, so dass in schlimmen Fällen nur noch ein bis zwei Wörter übrig bleiben, die dann aber betont verwendet werden.

Aus einem Affekt heraus kann es sogar passieren, dass das Kind ganze Sätze formulieren kann (z.B. Zahlenreihen, Gedichte).

Hinzu kommt die Agraphie. Bei dieser Störung ist das Kind nicht imstande, die Bewegungen, die die schriftliche Sprache erfordert, zu beherrschen. Meist tritt die Agraphie in Kombination mit der Alexie auf.

2.4.2 Die totale Aphasie:

Bei der totalen Aphasie verliert das Kind sämtliche Sprachfunktionen. Schuld daran ist eine umfangreiche Störung auf der dominanten Hemisphäre, die die Bereiche der Stirn, des Scheitels, des Hinterhauptes und der Schläfenlappen befällt.

2.4.2.1. Symptome:

Das Kind ist außerstande die Sprache zu verstehen und demnach auch nicht fähig, selbständig zu sprechen. Dies bedeutet, dass das Kind völlig isoliert ist und sich nicht intellektuell äußern kann. In seltenen Fällen kann es Sätze wiederholen oder laut lesen, jedoch versteht es nicht, was es sagt, liest und hört.

Allerdings sind die Erscheinungen der beschriebenen Formen von Aphasie selten in reiner Form zu finden, denn meistens herrscht eine „wechselseitige Kombination der verschiedenen Typen in verschiedenem Ausmaß“2

Die Folgen, die die Aphasie mit sich bringt, sind besonders für (Vor-) Schulkinder verheerend bezüglich der weiteren Sprachentwicklung. Kinder, die von der sensorischen Aphasie betroffen sind, kommunizieren viel durch Gesten. Wenn dies allerdings nicht erfolgreich ist; sprich, wenn sie nicht ausdrücken können, was sie eigentlich sagen wollen, reagieren sie depressiv oder auch aggressiv. Das Problem, Beziehungen zu anderen aufzubauen, lösen einige, indem sie Freundschaften mit jüngeren Kindern schließen.

2.4.2.2. Therapie:

Auch bei dieser Sprachstörung empfiehlt sich- nach Becker und Sovák- ein möglichst früher Beginn der Behandlung. Man muss auf eine längere Dauer der Therapie eingestellt sein, auch psychologisch, denn Misserfolge muss man vermeiden können, da diese traumatisierend wir- ken könnten. Es geht also primär um die Wiederherstellung des Wortschatzes, indem man an das noch existierende anschließt. Generell gilt auch hier, dass man die Therapie individuell auf den Patienten abstimmt, das heißt, die Erscheinung der Störung und die Persönlichkeit des zu behandelnden Kindes sind in jedem Fall zu berücksichtigen. Ein weiterer sehr wichtiger Teil der Therapie ist das nähere Umfeld des Kindes, denn dieses kann unterstützend für das Kind und natürlich der Therapie und ihre Erfolge beziehungsweise Heilungschancen wirken.

3. Beschreibung des Besuchs an der Städtische Schule für Sprachbehinderte

Um nun die Frage beantworten zu können, die Thema der vorliegenden Facharbeit ist, war ich einen Vormittag lang im Unterricht einer Klasse der Jahrgangsstufe 2 und konnte in der Zeit viele Beobachtungen machen, die durch das Gespräch mit Frau Wiegand, der Klassenlehrerin, ergänzt wurden. Beginnen möchte ich mit dem Aufbau der Klasse.

Der Klassenraum besteht aus zwei Teilen. Im vorderen Bereich ist es eine ganz normale Klas- se, in der die Kinder in einer U- Form sitzen. Im hinteren Bereich der Klasse befindet sich eine kleine Spielecke und ein Computer, der für die Schüler mit speziellen Spielen bereitge- stellt wird. Die Klasse an sich besteht aus 12 Kindern, vier Mädchen und 8 Jungs, die zwi- schen 8 und 10 Jahren alt sind und die verschiedensten Sprachstörungen haben. Folglich wer- den sie weder nach Alter noch nach Störung in die Klassen aufgeteilt. Hier spielt der Aspekt des Wohnorts eine wichtige Rolle. Man versucht drei bis vier Kinder, die in der Nähe woh- nen, einer Klasse zuzuteilen, damit sich diese Kinder auch außerhalb der Schule helfen kön- nen. Da die Kinder mit den Schulbussen zur Schule kommen, wohnen sie oft weit auseinan- der. Kleine Klassen (circa 12 Kinder) spielen eine sehr wichtige Rolle in solch einer Schule, da individuelle Hilfe sonst nicht möglich wäre.

Der Unterricht zeigt viele Unterschiede zu „normalen“ Grundschulen, jedoch auch einige Gemeinsamkeiten. Im folgenden sollen nun folgende Punkte bearbeitet werden:

3.1 Der Unterricht allgemein bezüglich der vorgegebenen Richtlinien

3.2 Die Therapie

3.3 Die Rolle des Lehrers

3.4 Die Rolle der Eltern

3.1 Der Unterricht allgemein bezüglich der vorgegebenen Richtlinien

Diese Sprachheilschule in Wuppertal, auch „Durchlaufschule“ genannt, beinhaltet fünf Jahr- gangstufen, von Klasse E bis Klasse 4. Die Lerninhalte, die für Klasse 1 vorgesehen sind, werden auf Klasse E und Klasse 1 aufgeteilt. Somit kann sich der Lehrer -besonders im ersten Jahr- auf die Störungen der Kinder konzentrieren und ein intensiveres Lernen erzielen, wobei die geltenden Richtlinien, die den einer Grundschule gleich sind, berücksichtigt werden. In den folgenden Jahren werden die Richtlinien zwar den Kindern angepasst, aber nicht verän- dert. Allerdings gibt es noch zusätzliche Stunden, die für die gezielte Sprachtherapie vorgese- hen sind. Der Name „Durchlaufschule“ bedeutet, dass die Kinder jederzeit auf eine „normale“ Grundschule wechseln können, sobald ihre Sprachkenntnisse dies zulassen. In der Regel blei- ben die meisten Kinder nicht länger als zwei bis drei Jahre, und Kinder, die das Schuljahr wiederholen müssen, gibt es nur, wenn der Abstand zu den anderen Mitschülern zu groß ge- worden ist. Diese Schüler liegen allerdings in der Minderheit. Auch die Dauer der Unter- richtsstunden und der Schultage sind gleich denen einer normalen Grundschule und selbst die Schulfächer sind die gleichen. Allgemein gibt es gemeinsamen Unterricht, jedoch war es in dieser Klasse so, dass die Kinder einen Wochenplan bearbeiten mussten, um zu lernen, wie- viel man in einer bestimmten Zeit schaffen muss, um am Ende der Woche fertig zu sein. Hierbei machen sie einen Teil in der Schule als Stillarbeit und den Rest als Hausaufgabe.

3.2 Die Therapie

3.3 Die Rolle des Lehrers

Da die Therapie ganz nah an der Rolle des Lehrers liegt, wird dies hier in einem Punkt be- schrieben.

Die Therapie generell verläuft eigentlich während des ganzen Schultages. Grundregel einer jeden Therapie ist, diese ganz individuell auf das Kind abzustimmen. Dies erfordert, dass der Lehrer das Kind ganz genau kennt. Um dies zu können, spielt auch das nächste Umfeld- also das Elternhaus- eine große Rolle. Deswegen besuchen die Lehrer in Klasse E nach Möglich- keit alle Eltern, um sich ein Bild von der Lebenssituation und dem sozialen Umfeld des Kin- des zu machen. Für die Behandlung an sich ist es sehr wichtig, dass man sie fast ausschließ- lich Spiele als Hilfsmittel verwendet, denn am Spielen hat das Kind Spaß. Es erinnert sich gern daran und lernt somit unbewusst. Allerdings muss dem Kind immer das Gefühl gegeben werden, dass es jenen Erfolg selbst erreicht hat. Dies fördert die Motivation und Lernbereit- schaft des Kindes. Weiterhin muss der Lehrer das Kind Verbessern, wenn es etwas falsch gesagt hat und es richtig wiederholen. Hierdurch hört das Kind erneut, was es zuvor gesagt hat, aber sprachlich richtig, damit es sich dies einprägen kann. Eine weitere wichtige Methode für eine Therapie ist Bewegung. Man soll dem Kind Lerninhalte mit viel Bewegungsmöglich- keiten geben. Ziel ist, dass durch die Bewegungsimpulse das Gehirn angeregt wird und sich dies günstig auf die Sprachentwicklung auswirkt.

Der Lehrer muss jedes Kind individuell betrachten. Er muss wissen, welche Ansprache das Kind braucht (darf das Kind ausgeschimpft oder bestraft werden?,...), welche Hilfestellungen ihm gegeben werden müssen (z.B. Zeichen, die der Lehrer macht, damit sich das Kind merkt, was es gerade falsch gesagt hat und es dann versucht zu verbessern,), er muss sich für jedes Kind eine Art Strategie entwickeln, um zu erreichen, dass das Kind eine gewisse Arbeitshal- tung annimmt- was aufgrund der Verhaltensauffälligkeiten schwierig ist- um auch gleichzeitig an die Gesellschaft angepasst zu werden. Weiterhin redet der Lehrer die ganze Klasse mit „DU“ an. Dies soll bewirken, dass sich jedes Kind persönlich angesprochen fühlt. Dazu sagt der Lehrer jedem Kind separat, was er zu tun hat und gibt ihnen auch individuelle Hausaufga- ben. Der Lehrer muss außerdem eine gewisse Beziehung zum Kind herstellen. Er muss wis- sen, was das Kind braucht und es muss hinsichtlich der Erfolgschancen eine bestimmte Ver- trauensbasis aufgebaut werden. Dennoch muss der Lehrer Distanz halten und dem Kind seine Grenzen zeigen, was angesichts der Verhalten der Kinder nicht immer einfach ist.

3.4 Die Rolle der Eltern

Nicht nur die Rolle der Eltern, sondern das gesamte Umfeld des Kindes spielt eine Rolle in der Therapie. In der Schule bekommt jedes Kind ein sogenanntes „Therapieheft“, in welches der Leistungsstand und entsprechende Übungen eingetragen werden. Die Aufgabe der Eltern ist es nun, diese Übungen mit ihrem Kind auch tatsächlich durchzuführen. Denn die Behand- lung soll sich eben nicht nur in der Praxis beziehungsweise in der Schule abspielen, sondern auch im Elternhaus und wo immer es möglich ist. Die Eltern sollten auch versuchen, das Um- feld des Kindes so erfolgsfördernd wie möglich zu gestalten. Auch, wenn dafür beispielsweise ein Umzug nötig wäre. Außerdem sollten sie die Einladungen der Schule wahrnehmen und zum Elternsprechtag gehen, um sich nach dem Leistungsstand ihres Kindes zu erkundigen. Empfehlungswert wäre auch, dass sie mit dem Kind zu Sonderveranstaltungen gehen, die in der Schule statt finden, denn oft sind Kinder ganz stolz, ihren Eltern „IHRE“ Schule zu präsentieren. Dies kann ebenfalls zu einer Besserung der Sprache führen.

4. Lösung der Frage: Inwieweit gelingt es, die Therapiemöglichkeiten in Verbin- dung mit den Richtlinien erfolgreich in die Schule in Wuppertal zu integrieren?

Nach einem Vormittag gründlichster Beobachtung der Kinder und einem intensiven Gespräch mit der Klassenlehrerin gelang es sehr gut, sich ein Gesamtbild der Schule zu erstellen, wenn man die Klasse, die ich besuchte, als Durchschnitt bewertet.

Angefangen bei der Ausstattung des Klassenraumes. Er besteht aus einem Raum, den man für drei eng aneinanderliegende Zwecke nutzen kann. Primär dient er als schlichter Klassenraum, indem den Kindern die Lerninhalte der jeweiligen Jahrgangsstufe beigebracht werden. Ebenso wichtig ist das Ziel, die Kinder mit Hilfe der Ausstattung ( Raumausstattung, Lehrmaterial, Spiele,...) zu therapieren. Was als dritter Zweck wichtig ist, ist die Möglichkeit des Spielens und Erholens in den dafür eingeräumten sogenannten „Spielpausen“. Ich habe beobachtet- und mir von der Klassenlehrerin( Frau Wiegand) bestätigen lassen-, dass die Kinder nach ei- ner solchen Spielpause ruhiger waren und sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren konnten. Ebenfalls effektiv ist die kleine Anzahl der Schüler pro Klasse. Im Vergleich zu sonst eher großen Grundschulklassen konnte sich Frau Wiegand hier um jedes Kind sehr in- dividuell kümmern, während die anderen zwischenzeitlich alleine arbeiteten, was bezüglich der Lernerfolge sehr von Vorteil ist. Weiterhin fiel mir auf, dass Frau Wiegand eine sehr gro- ße Geduld besaß und die Kinder sehr unter Kontrolle hatte. Sie wurde nie laut, aber dennoch wies sie die Kinder auf ihre Grenzen hin, denn schließlich müssen auch sie Regeln lernen und befolgen, wie es nun mal in unserer Gesellschaft üblich ist.

Insgesamt beurteile ich die Integration von Richtlinien kombiniert mit den Therapiemöglichkeiten in diesen Unterricht als sehr gelungen auf Grund meines Vorwissens, welches ich mir angesichts der Facharbeit angeeignet habe.

5. Begründung der eigenen Lösung:

Von der Art und Weise des Unterrichts war ich teilweise überrascht. Die Gründe dafür sind folgende:

Auf Grund meiner Recherchen in der Fachliteratur bezüglich der verschiedenen Sprachstö- rungen lernte ich bereits die Möglichkeiten der Therapie kennen. Ich stellte ebenfalls fest, dass es einige Parallelen hinsichtlich der Therapiemöglichkeiten zwischen den verschiedenen Störungen gibt. Daher war ich nicht überrascht, dies in dem Unterricht wahrnehmen zu kön- nen. Allerdings wagte ich nicht zu glauben, dort diese Integration derart präzise ausgearbeitet vorzufinden, denn oft ist Theorie nicht leicht in die Praxis umsetzbar. Doch an dieser Schule wird sie umgesetzt. Die Schule ist sehr angesehen. Ein Grund dafür ist, dass sie in der Umge- bung Solingen- Wuppertal- Remscheid die einzige Schule ist, die ganz speziell für Sprachbe- hinderte geeignet ist. Aber auch ihre Bemühung und ihre Ergebnisse zeichnet sie aus, denn die Mehrheit der Kinder verlässt die Schule bereits nach zwei bis drei Jahren. Dies ist der Beweis dafür, dass die Chancen für das Kind, möglichst schnell auf eine normale Grundschu- le zu wechseln, angesichts der effektiven Kombination von Richtlinien und Therapiemöglich- keiten sehr hoch sind.

C. Schluss

„Die Sprache ist das wichtigste Ausdrucksmittel des Menschen.“3 Dies weiß jeder zu schätzen, der schon aufgrund einer Krankheit in seiner Sprache eingeschränkt war und nicht richtig sprechen konnte. Wie geht es da Kindern, bei denen dies über mehrere Jahre hinweg besteht? Und vielleicht nur, weil Eltern klare Symptome für harmlos halten und nichts unternehmen. In der hier vorliegenden Facharbeit wurde veranschaulicht, wie leicht sich aus einer altersbedingten Sprechungenauigkeit eine echte Sprachstörung entwickeln kann. Eltern sollten diese Gefahr nicht unterschätzen. Immerhin hängt oft die Zukunft des Kindes davon ab, wie schnell eine Störung festgestellt und eine entsprechende Therapie angesetzt wird.

Da ich selbst eine sprachbehinderte Schwester habe, weiß ich, wie viel Arbeit hinter einer solchen Therapie steckt und vor allem, wie viel Anstrengung dies für das Kind bedeutet. Es hat nicht nur Probleme mit seiner eigenen Sprache. Es muss auf eine spezielle Schule gehen, auch wenn diese weit vom Wohnort entfernt ist; es wird gesellschaftlich abgestuft und muss die Therapie auf sich nehmen, die oft einen recht mühseligen Gang bis zur Heilung bedeutet. Während der Facharbeit wurde herauskristallisiert, wie wichtig es ist, dem Kind eine Frühför- derung zukommen zu lassen. Dies erfordert aber auch, dass die Störung rechtzeitig erkannt wird. Dabei ist auch auf die Berücksichtigung des Umfeldes des Kindes zu achten, denn oft liegen dort Ursachen, die beseitigt werden können. Weiterhin ist die Individualität der Thera- pie sehr wichtig, die nicht nur vom Arzt, sondern mit Hilfe des gesamten Umfeldes des Kin- des durchgeführt werden sollte, um eine möglichst große Heilungschance zu erzielen. Daher lag der Schwerpunkt in dieser Arbeit in der Städtischen Schule für Sprachbehinderte in Wup- pertal. Es wurde analysiert, inwieweit die Integration von Unterricht und Therapiemöglichkei- ten in eine Klasse mit Kindern mit unterschiedlichen Störungen gelingt. Als Ergebnis kann man sagen, dass es sehr wohl möglich ist, diese Kombination erfolgreich in eine Schule einzugliedern. Doch muss man hinzufügen, dass es vorteilhaft wäre, eine Therapie bereits in einem speziellen Kindergarten anzufangen, denn hier gelten noch keine strengen Vorschriften bezüglich der Lernziele. Doch solche Einrichtungen gibt es viel zu selten.

[...]


1 Grohnfeldt, Manfred: Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie- Stuttgart:W.Kohlhammer. Seite43

2 Becker, Klaus; Sovák, Miloš; Lehrbuch der Logopädie Athenäum, Hain, Scriptor, Hanstein, Verlag Anton Hain Meisenheim GmbH, 1979, Seite171

3 Einleitung, erster Satz

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Sprachstörungen bei Kindern - Erscheinung und Therapie -
Note
14 Punkte
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V106372
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachstörungen, Kindern, Erscheinung, Therapie
Arbeit zitieren
Stefanie Mierzwa (Autor), 2002, Sprachstörungen bei Kindern - Erscheinung und Therapie -, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106372

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