Die Gewalt der Jeunes des Cités rückte spätestens in den 80er Jahren seit den Unruhen in den Vororten von Lyon in den Mittelpunkt des medialen Interesses. Doch auch die aktuelle Pandemie macht die sozialen Benachteiligungen wieder sichtbar. Alltagskriminalität wie Drogenkonsum und Vandalismus sind allgegenwärtig. Jugendsprache in den Pariser banlieues: Am Rande der Gesellschaft?
Dieser Essay befasst sich mit der Jugendsprache in den banlieues, wobei zunächst auf den soziologischen Hintergrund eingegangen werden soll, bevor es um die Jugendsprache in ebenjenen gehen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. HAUPTTEIL
2.1. Soziologischer Hintergrund
2.2. Jugendsprache
3. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Dieser Essay verfolgt das Ziel, die Besonderheiten der Jugendsprache in den französischen Vorstädten, den sogenannten Banlieues, zu untersuchen und deren Entstehung im Kontext soziokultureller Rahmenbedingungen zu beleuchten.
- Soziologische Analyse der Lebensbedingungen in den französischen Banlieues
- Definition und Charakteristika der Jugendsprache als Identitätsmerkmal
- Einfluss von Mehrsprachigkeit und Herkunftskulturen auf den Sprachgebrauch
- Morphologische und pragmatische Besonderheiten (z.B. Verlan)
Auszug aus dem Buch
2.2. Jugendsprache
Jugendsprache ist nach Neuland ein „mündlich konstruiertes, von Jugendlichen in bestimmten Situationen verwendetes Medium der Gruppenkommunikation“ (Neuland 2009: 45). Eine eindeutige Definition ist jedoch nicht möglich, da Jugendsprache bereits von SprecherIn zu SprecherIn variieren kann. Aussagen werden „meist aus dem Einfühlungsvermögen heraus getätigt“ (Zimmermann 2008: 205), um sich vor allem von der Erwachsenenwelt abzugrenzen. Durch das Abgrenzen entsteht ein Gruppenzugehörigkeitsgefühl, welches wesentlich zur Förderung der Individualität und des Selbstbewusstsein beiträgt. Die Jugendsprache hat im Französischen ein niedriges Prestige und wird deshalb auch dem français vulgaire zugeordnet. Goudailler bezeichnet ebenjene deshalb als „français contemporain des cités“ (Goudailler 2002: 10).
Durch die Heterogenität an Kulturen in den banlieues kommt es in der Jugendsprache zu einer Mischung der verschiedenen Herkunftssprachen. Das Wort kiffer kommt beispielsweise aus dem Arabischen kif ‚Mischung aus Tabak und Cannabis‘ und wird synonym mit aimer verwendet. Das Beispiel zeigt auch, wie sich ehemalige Entlehnungen in die französische Sprache integrieren, denn kiffer ist bereits im Grand Robert als französische Umgangssprache eingegangen. Dem Verb wurde – der französischen Grammatik gemäß – die Endung /-er/ versehen und wird auch wie ein französisches Verb konjugiert. Generell sind viele Entlehnungen eine großes Feld und nicht nur Arabismen sondern vor allem auch Anglizismen integrieren sich in die Sprache.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Der Einleitungsteil führt in die Problematik der sozialen Brennpunkte in Frankreich ein und skizziert das Forschungsinteresse an der spezifischen Jugendsprache dieser Gebiete.
2. HAUPTTEIL: Dieser Abschnitt analysiert zunächst die soziologischen Hintergründe der Marginalisierung in den Banlieues und untersucht anschließend die linguistischen Merkmale der dortigen Jugendsprache.
3. SCHLUSS: Im Fazit werden die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst und die Bedeutung der Jugendsprache als Identitätsmerkmal sowie als dynamisches Forschungsfeld hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Banlieues, Frankreich, Soziologie, Marginalisierung, Integration, Verlan, Sprachkontakt, Gruppenkommunikation, Identität, Mehrsprachigkeit, französische Vororte, Sprachwandel, Ethnografie, Jugendsprachforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen und linguistischen Untersuchung der Jugendsprache in den französischen Banlieues.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der sozialen Exklusion in Vororten, den Auswirkungen der Integrationspolitik und den sprachlichen Besonderheiten jugendlicher Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der schwierigen sozialen Lebensrealität der Jugendlichen und der Entstehung sowie Verwendung ihrer spezifischen Sprache aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die soziologische Studien und linguistische Theorien zur Jugendsprache zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine soziologische Einordnung der Lebensverhältnisse in den Hochhaussiedlungen und eine linguistische Analyse sprachlicher Phänomene wie Entlehnungen und Neologismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Banlieues, Jugendsprache, Marginalisierung, Identität, Sprachwandel und Soziolekt.
Was genau ist "Verlan" und warum spielt es eine Rolle?
Verlan ist ein Verfahren der Silbenvertauschung, das in den Banlieues als sprachliches Mittel zur Identitätsbildung und Abgrenzung gegenüber der Außenwelt dient.
Welche Rolle spielen Herkunftssprachen für die Jugendsprache?
Aufgrund der multikulturellen Zusammensetzung in den Vororten fließen Begriffe aus Sprachen wie dem Arabischen in das Französische ein und werden grammatikalisch an die Zielsprache angepasst.
Wie unterscheidet sich die Jugendsprache von der Standardsprache?
Sie weist ein geringeres Prestige auf, zeichnet sich durch Expressivität, Emotionalität und die Verwendung von Vulgärsprache aus, um Gruppenzugehörigkeit zu signalisieren.
Warum wird die Sprache als Instrument der Abgrenzung bezeichnet?
Die Jugendlichen nutzen eine exklusive Sprache, um sich sowohl von der Erwachsenenwelt als auch von nicht zur eigenen Gruppe gehörenden Personen innerhalb der Vororte zu distanzieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Jugendsprache in den Pariser banlieues: Am Rande der Gesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1064585