Die Geschichte und Regeln der Sütterlinschrift


Seminararbeit, 2019

19 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Sütterlinschrift
2.1 Geschichte und Entstehung
2.2 Alphabet und Zahlen nach Sütterlin
2.3 Merkmale
2.3.1 Kleinbuchstaben
2.3.2 Großbuchstaben

3 Der Normalschrifterlass
3.1 Vorgeschichte
3.2 Das Ende der Sütterlinschrift

4 Die lateinische Schreibschrift

5 Fazit

6 Quellenverzeichnis
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Tabellenverzeichnis
6.3 Fonts

1 Einleitung

Schrift ist eine der wichtigsten Errungenschaften in der Entwicklung der Menschheitsgeschichte. Durch sie ist es möglich, dass das Gesprochene nicht nur für den Moment besteht und nur mündlich überliefert, sondern für lange Zeit unverändert festgehalten werden kann. Unterschiedliche Kulturen verwenden dabei verschiedene Techniken beziehungsweise Schriften. Oftmals kommt es innerhalb von Kulturkreisen zu Eigenheiten bei der Verschriftlichung. Auch innerhalb Deutschlands hat es immer wieder Veränderungen bei den Schriften gegeben. Deutlich lässt sich dies bei Büchern und Dokumenten früherer Epochen erkennen. Die jeweiligen Schrifttypen lernten die Autoren oder Verfasser zu Beginn ihrer Schulzeit. Eine dieser Schriftreformen, die den Schulbetrieb stark prägten, fand während der Zeit der Weimarer Republik bis hin zum Dritten Reich, statt.

Im Folgenden wird eine Schreibschrift vorgestellt, die in ihren Anfängen stark diskutiert und erprobt wurde. In der Weimarer Republik wurden Versuche in der pädagogischen Praxis in Schulen und Lehrerseminaren durchgeführt. Als Ergebnis wurde die neue Schrift schließlich 1934 als offizielle Schulausgangsschrift an deutschen Schulen eingeführt.1 Die Rede ist von der deutschen Schreibschrift Sütterlin.

Zu Beginn werden die Geschichte und der Ursprung der Schrift erklärt und das Alphabet dargestellt. Im weiteren Verlauf sind die genauen Merkmale und Schwierigkeiten bei den Klein- sowie Großbuchstaben erläutert. Ferner ist der Wendepunkt der Sütterlinschrift unter dem nationalsozialistischen Regime beschrieben, um im Anschluss die nach dem Normalschrifterlass geltende lateinische Schreibschrift darzustellen.

2 Die Sütterlinschrift

2.1 Geschichte und Entstehung

Um ca. 1900 gab es in den Schulen bislang keine einheitliche Regelung, welche Schreibstile im Unterricht verwendet werden sollten. Dadurch ergab sich, dass verschiedene Länder und Städte unterschiedliche Ausprägungen der Kurrentschrift lehrten.

Höhere Schulen verwendeten andere Alphabete als die, die Schüler bislang in der Unterstufe im Unterricht erworben hatten.2 Es folgten Forderungen für ein einheitliches Alphabet, das in Volksschulen zu verwenden ist. Inhalt der Anforderungen waren, dass „die Buchstaben eine einfache und ungekünstelte Form haben, welche in ihrer charakteristischen Gestaltung die Erkennbarkeit […] und […] Unterscheidung voneinander gewährleistet; überdies sollten sie einzeln und in ihrer Verbindung untereinander flüssig darstellbar sein“. 3

Medizinische Bedenken, bezüglich der ungesunden Schreibhaltung und der starken Belastung der Augen von Schülern, ergaben eine Diskussion, an der sich das preußische Kultusministerium beteiligte.

Zeitgleich legte Ludwig Sütterlin (1865-1917) anlässlich der Hauptversammlung deutscher Zeichenlehrer im Jahre 1907 in Hamburg einen Schriftentwurf für die deutsche sowie lateinische Schrift vor.

Der aus Berlin stammende Maler, Grafiker und Pädagoge wollte mit seinem Entwurf die geforderten Eigenschaften an die neue Schreibschrift erfüllen.

„Unsere neuen Buchstaben sollen dagegen weiter nichts sein als schlichte Vorbilder für den Anfangsunterrichts, die an die kindliche Auffassungs- und Darstellungsfähigkeit nur geringe Anforderungen stellen. Sie wollen die Grundlage sein, auf der im Verlaufe der Unterrichtsjahre die weitere Entwicklung zu flüssigen, schönen und deutlichen Handschriften sich vollziehen kann.“4

Nachdem Sütterlin 1910 die Möglichkeit erhielt, seine Schrift-Entwürfe dem preußischen Kultusministerium vorzustellen, erhielt er daraufhin den Auftrag, die neue Schrift auf ihre Alltags- und Schultauglichkeit erstmals praktisch zu erproben.5

Er kam zu der Erkenntnis, „dass die bereits ausgeprägte Handschrift der Erlernung neuer Schriftformen im Sinne einer Reform als fast unüberwindbares Hindernis entgegenstanden“.6

Bei einer zweiten Erprobung wurden Schulanfänger als Zielgruppe festgelegt, damit ausschließlich die deutsche Schrift als Schreibweise gelehrt wurde. Zudem entwickelte Sütterlin mehrere Angebote zur Lehrerfortbildung, bei dem die Anforderungen an einen zeitgemäßen Schreibunterricht übermittelt wurden.7

Nach drei Jahren, in denen die Umsetzbarkeit im Schulalltag fortlaufend durch mehrere Lehrkräfte positiv erprobt wurde, beschloss Sütterlin die Fortsetzung seiner Lehrer-Arbeitsgemeinschaft nicht mehr weiterzuführen. Es folgte die Erprobung seiner Schreibschrift im ganzen Reich. Hierfür erstellte er Einführungskurse mit einer Dauer von drei Tagen mit insgesamt 21 Stunden Unterricht. Im Sommer des Jahres 1914 veranlasste Sütterlin den Druck von Musteralphabeten, nachdem diese von der zuständigen Kommission geprüft wurden. Diese Musterblätter dienten als Grundlage für den Unterricht der Lehrer wie auch der Versuchsklassen.

Die offizielle Einführung der Schrift in den Schulen wurde 1915 durch das preußische Kultusministerium veranlasst. In den Jahren 1914 und 1915 erlernten bereits ca. 520 Grundschüler die neue Schreibweise.8 Allmählich wurde die bis dahin übliche Form der deutschen Kurrentschrift durch die Sütterlinschrift ersetzt. Nach einigen Änderungen wurde der von Sütterlin entwickelte ursprüngliche Schrifttyp ab dem Jahr 1935 zur neuen deutschen Volksschrift ernannt und dadurch grundlegender Bestandteil des offiziellen Lehrplans.9 Zwei Jahre nachdem seine Schreibschrift in Preußen eingeführt wurde verstarb Ludwig Sütterlin am 20. November 1917 in Berlin. Somit erlebte er den Erfolg seines Entwurfs in der Weimarer Republik sowie das überraschende Verbot seiner Handschrift im dritten Reich nicht mehr.10

2.2 Alphabet und Zahlen nach Sütterlin

Die folgende Tabelle zeigt Sütterlins Entwürfe seiner neu gestalteten Groß- und Kleinbuchstaben für die Verwendung im Schulunterricht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 - Alphabet nach Sütterlin

Auch die Zahlen von 0 bis 9 wurden von Sütterlin umgestaltet. Ebenso wie die Großbuchstaben zeichnen sich die Ziffern durch breite und offene Formen aus. Alle Rundungen werden von nun an als voll geschwungene Kreisbogen geschrieben.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 - Zahlen nach Sütterlin

Zur Erstellung beider Tabellen wurde der Font „Sütterlin“, erstellt von R.G. Arens der Universität Saarbrücken, verwendet.12

2.3 Merkmale

Sütterlins Handschrift gehört zu der Gruppe der gebrochenen Schriften, welche sich durch wiederholte abrupte Richtungswechsel beim Schreiben auszeichnen. Sie ist eine spezielle Form der Kurrentschrift und grenzt sich hauptsächlich durch die Änderung in der Lineatur von dieser ab. Während Kurrent in einer Fünfteilung im Verhältnis 2:1:2 geschrieben wird, liegt bei Sütterlin eine Dreiteilung im Verhältnis 1:1:1 vor.13 Der Grafiker empfand die früheren Maßverhältnisse „unnötig groß“14. Somit werden Ober- und Unterlängen verringert, wodurch es Schülern leichter fällt, ordentlicher und schneller zu schreiben. Die Grundformen der Kurrentschrift bleiben jedoch bestehen. Sütterlin vereinfachte die Buchstabenformen und führte den vollrunden Bogen ein. „Überflüssige Schnörkel und Verzierungen“15 der alten Buchstaben wurden vermieden.

Die Sütterlinschrift zeichnet sich vor allem durch die Geradestellung der Buchstaben und die Gleichmäßigkeit der Schriftstärke aus. Im Gegensatz zur alten Schrägstellung der Schrift stimmt die Sütterlinschrift mit den Linienführungen der Druckschrift überein. Aufgrund der aufrechten Stellung der Schriftzeichen entsteht zudem eine größere Weite und Offenheit des Geschriebenen. Zum Schreiben von Sütterlins Handschrift wurde für die Schüler der Gebrauch der damals noch üblichen Spitzfeder abgeschafft. Ludwig Sütterlin ließ sie von nun an mit einer Kugelspitz- bzw. Gleichzugfeder schreiben, die alle Linien gleich stark ausführt.16 Ein weiterer Grund für den Federwechsel war die unnatürliche Schreibhaltung der Hand. Denn mit der damaligen Stahlfeder als Schreibwerkzeug war der Wechsel zwischen feinen und breiten Haar- und Grundstrichen für Schüler nicht ohne die Gefahr des Verwischens des bisher Geschrieben möglich.17 Des Weiteren wird durch die Geradestellung der Buchstaben das Schrägsitzen der Schüler vermieden und die dadurch resultierenden Schäden der Wirbelsäule reduziert.18

Die Aufstriche der einzelnen Buchstaben beginnen und enden in der Mittelhöhe der Mittellänge. Deshalb können Ober- und Unterlängen besser unterschieden werden. Ferner werden durch den daraus entstandenen Zwischenraum einzelne Wörter klarer voneinander unterschieden.

[...]


1 Vgl.: Bettina Irina Reimers: Ludwig Sütterlins Konzept einer Schrift – Methode und Praxis des Schreibenlernens. S. 251.

2 Vgl.: Bettina Irina Reimers: Ludwig Sütterlins Konzept einer Schrift – Methode und Praxis des Schreibenlernens. S. 231.

3 Ebd.: S. 234.

4 Sütterlin, Ludwig: Neuer Leitfaden für den Schreibunterricht. S. 21.

5 Vgl. ebd.: S. 235ff.

6 Reimers, Bettina Irina: Ludwig Sütterlins Konzept einer Schrift – Methode und Praxis des Schreibenlernens. S. 238.

7 Vgl. ebd.: S. 239.

8 Vgl. ebd.: S. 243ff.

9 Vgl.: Konersmann, Paula: Warum alle Schüler seine Schrift lernen mussten.

10 Vgl.: Becker, Claudia: Sütterlin, so korrekt wie eine preußische Armee.

11 Vgl.: Melchior, Friedrich: Neugestaltung des Schreibunterrichts nach Sütterlin. S. 36.

12 Arens, R.G.: „Sütterlin”.

13 Vgl.: Geschier, Karl: Die neue Schrift (Sütterlin). S. 18.

14 Sütterlin, Ludwig: Neuer Leitfaden für den Schreibunterricht. S.21.

15 Geschier, Karl: Die neue Schrift (Sütterlin). S. 19.

16 Vgl.: Schultz, Björn: Ludwig Sütterlin und andere Erneuerer der altdeutschen Schrift im 20. Jahrhundert.

17 Vgl.: Konersmann, Paula: Warum alle Schüler seine Schrift lernen mussten.

18 Vgl.: Sütterlin, Ludwig: Neuer Leitfaden für den Schreibunterricht. S.33.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte und Regeln der Sütterlinschrift
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Handschriften
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V1064639
ISBN (eBook)
9783346477217
ISBN (Buch)
9783346477224
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sütterlin, Handschrift, Sprachwissenschaft, Sprachgeschichte, Deutsche Sprachwissenschaft, Geschichte
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Anonym, 2019, Die Geschichte und Regeln der Sütterlinschrift, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1064639

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