Schrift ist eine der wichtigsten Errungenschaften in der Entwicklung der Menschheitsgeschichte. Durch sie ist es möglich, dass das Gesprochene nicht nur für den Moment besteht und nur mündlich überliefert, sondern für lange Zeit unverändert festgehalten werden kann. Unterschiedliche Kulturen verwenden dabei verschiedene Techniken beziehungsweise Schriften. Oftmals kommt es innerhalb von Kulturkreisen zu Eigenheiten bei der Verschriftlichung. Auch innerhalb Deutschlands hat es immer wieder Veränderungen bei den Schriften gegeben. Deutlich lässt sich dies bei Büchern und Dokumenten früherer Epochen erkennen. Die jeweiligen Schrifttypen lernten die Autoren oder Verfasser zu Beginn ihrer Schulzeit. Eine dieser Schriftreformen, die den Schulbetrieb stark prägten, fand während der Zeit der Weimarer Republik bis hin zum Dritten Reich, statt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Sütterlinschrift
2.1 Geschichte und Entstehung
2.2 Alphabet und Zahlen nach Sütterlin
2.3 Merkmale
2.3.1 Kleinbuchstaben
2.3.2 Großbuchstaben
3 Der Normalschrifterlass
3.1 Vorgeschichte
3.2 Das Ende der Sütterlinschrift
4 Die lateinische Schreibschrift
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die spezifischen grafischen Merkmale sowie das Ende der Sütterlinschrift im Kontext des Nationalsozialismus und des Übergangs zur lateinischen Schreibschrift. Ziel ist es, die didaktische Intention Ludwig Sütterlins nachzuvollziehen und die Hintergründe der Ablösung dieser Schulausgangsschrift aufzuzeigen.
- Historischer Kontext der Sütterlinschrift um 1900
- Strukturelle Merkmale und Schreibregeln der Buchstaben
- Pädagogische Anforderungen an den Schreibunterricht
- Politisierte Hintergründe des Normalschrifterlasses von 1941
- Vergleich und Übergang zur lateinischen Schreibschrift
Auszug aus dem Buch
2.3 Merkmale
Sütterlins Handschrift gehört zu der Gruppe der gebrochenen Schriften, welche sich durch wiederholte abrupte Richtungswechsel beim Schreiben auszeichnen. Sie ist eine spezielle Form der Kurrentschrift und grenzt sich hauptsächlich durch die Änderung in der Lineatur von dieser ab. Während Kurrent in einer Fünfteilung im Verhältnis 2:1:2 geschrieben wird, liegt bei Sütterlin eine Dreiteilung im Verhältnis 1:1:1 vor. Der Grafiker empfand die früheren Maßverhältnisse „unnötig groß“. Somit werden Ober- und Unterlängen verringert, wodurch es Schülern leichter fällt, ordentlicher und schneller zu schreiben. Die Grundformen der Kurrentschrift bleiben jedoch bestehen. Sütterlin vereinfachte die Buchstabenformen und führte den vollrunden Bogen ein. „Überflüssige Schnörkel und Verzierungen“ der alten Buchstaben wurden vermieden.
Die Sütterlinschrift zeichnet sich vor allem durch die Geradestellung der Buchstaben und die Gleichmäßigkeit der Schriftstärke aus. Im Gegensatz zur alten Schrägstellung der Schrift stimmt die Sütterlinschrift mit den Linienführungen der Druckschrift überein. Aufgrund der aufrechten Stellung der Schriftzeichen entsteht zudem eine größere Weite und Offenheit des Geschriebenen. Zum Schreiben von Sütterlins Handschrift wurde für die Schüler der Gebrauch der damals noch üblichen Spitzfeder abgeschafft. Ludwig Sütterlin ließ sie von nun an mit einer Kugelspitz- bzw. Gleichzugfeder schreiben, die alle Linien gleich stark ausführt. Ein weiterer Grund für den Federwechsel war die unnatürliche Schreibhaltung der Hand. Denn mit der damaligen Stahlfeder als Schreibwerkzeug war der Wechsel zwischen feinen und breiten Haar und Grundstrichen für Schüler nicht ohne die Gefahr des Verwischens des bisher Geschrieben möglich. Des Weiteren wird durch die Geradestellung der Buchstaben das Schrägsitzen der Schüler vermieden und die dadurch resultierenden Schäden der Wirbelsäule reduziert.
Die Aufstriche der einzelnen Buchstaben beginnen und enden in der Mittelhöhe der Mittellänge. Deshalb können Ober- und Unterlängen besser unterschieden werden. Ferner werden durch den daraus entstandenen Zwischenraum einzelne Wörter klarer voneinander unterschieden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Schrift für die Kulturgeschichte dar und führt in das Thema der Sütterlinschrift als ehemalige deutsche Schulausgangsschrift ein.
2 Die Sütterlinschrift: In diesem Kapitel werden die Entstehung, das Alphabet sowie die spezifischen konstruktiven Merkmale der Buchstaben erläutert.
3 Der Normalschrifterlass: Dieses Kapitel thematisiert die politische Instrumentalisierung und das abrupte Verbot der Sütterlinschrift im Jahr 1941 durch das NS-Regime.
4 Die lateinische Schreibschrift: Hier wird die Einführung der lateinischen Schreibschrift als Nachfolgemodell und deren gestalterische Anlehnung an Sütterlin beschrieben.
5 Fazit: Das Fazit reflektiert den aktuellen Stellenwert der Schreibschrift in der modernen, digitalisierten Gesellschaft und diskutiert die Folgen ihres potenziellen Wegfalls.
Schlüsselwörter
Sütterlinschrift, Kurrentschrift, Schulausgangsschrift, Ludwig Sütterlin, Schreibunterricht, Normalschrifterlass, Nationalsozialismus, gebrochene Schriften, lateinische Schreibschrift, Handschrift, Schriftreform, Pädagogik, Schriftdesign, Kulturgeschichte, Alphabet.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung, die Gestaltungsregeln sowie den gesellschaftlichen und politischen Kontext der Sütterlinschrift im 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die typografischen Merkmale von Sütterlins Entwürfen, die pädagogische Umsetzung im Schulunterricht und die politische Motivlage hinter ihrem Verbot.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Ziel ist es, die methodischen Ansätze von Ludwig Sütterlin aufzuzeigen und zu erklären, warum seine Schrift als offizielle Schulausgangsschrift sowohl eingeführt als auch später verboten wurde.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Untersuchung der schriftgrafischen Merkmale basierend auf historischen Quellen und Schriftdokumenten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte technische Analyse der Buchstabenformen (Klein- und Großbuchstaben) und eine historische Abhandlung über den Normalschrifterlass.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Wichtige Begriffe sind Sütterlinschrift, Kurrentschrift, Schulausgangsschrift, Normalschrifterlass und lateinische Schreibschrift.
Warum wurde die Stahlfeder für die Sütterlinschrift abgeschafft?
Die klassische Stahlfeder erzwang einen Wechsel zwischen feinen Haarstrichen und breiten Grundstrichen, was die Gefahr des Verwischens barg; die neue Kugelspitzfeder ermöglichte hingegen gleichmäßigere Linien.
Welche antisemitische Begründung wurde für das Verbot der Sütterlinschrift durch die Nationalsozialisten genutzt?
Das Regime bezeichnete die zugrundeliegende Schwabacher Schrift fälschlicherweise als "Schwabacher Judenlettern", um das Verbot gebrochener Schriften propagandistisch zu legitimieren.
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- Anonym (Author), 2019, Die Geschichte und Regeln der Sütterlinschrift, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1064639