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Das Ende Tassilos III. von Bayern. Ein gerechtfertigter Sturz?

Title: Das Ende Tassilos III. von Bayern. Ein gerechtfertigter Sturz?

Seminar Paper , 2019 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Clara Kassing (Author)

History - Miscellaneous
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788 nahm Karl der Große Herzog Tassilo III. von Bayern auf dem Hoftag in Ingelheim in einem Aufsehen erregenden Prozess die Herzogswürde, welche er von 748 bis dahin besessen hatte, und verbannte ihn ins Kloster; Bayern fiel an Karl. Der Erwerb dieses Landes „war einer der unblutigsten in der Regierungszeit Karls“, wie Matthias Becher feststellt – „und doch wirft er spezifische Probleme auf, vor allem die Frage nach Macht und Recht und nach der Art und Weise, in der die karolingische Geschichtsschreibung dies thematisierte.“ Der Prozess von Ingelheim gegen Tassilo III. zählt wohl, genau weil er die problematische Vermischung dieser antithetischen Felder, Macht und Recht, auf einem Höhepunkt darstellt, „zu den bekanntesten des Mittelalters“. Zugleich ist über diesen hochberühmten Prozess fast nichts Sicheres bekannt: die offizielle Quelle dazu, die Reichsannalen (Annales regni Francorum), die am Hof Karls des Großen erstellt wurden, vertreten eine hochparteiische königsfreundliche Sicht. Überhaupt „erweist sich“ die „Geschichte Tassilos [...] in großen Teilen als eine Art Palimpsest, wie die historischen Arbeiten der letzten Jahre herausgehoben haben.“ Becher hat nach einer eingehenden Prüfung der Parallel-Überlieferung dieser Zeit, eine Trennung in „eine vom Hof abhängige und eine unabhängige Überlieferung“ vorgenommen“, und dabei festgestellt, dass der Bericht der Reichsannalen zu Tassilo „bis 787 teils gefälscht und teils aus offizieller Sicht geschrieben“ ist, und auch seine Absetzung 788 sicherlich „anders“ als dort geschildert „vor sich gegangen“ sein muss. „Sichtlich wurden“ nach Kolmer „in der Kanzlei Karls des Großen“ „‘Daten gelöscht‘, neue ‚darüber‘ geschrieben.“ Wie so oft hatte sich hier die „Geschichte des Siegers [...] durchgesetzt“. Dass keine „Tassilo-freundliche Überlieferung als Korrektiv“ existiert, führt Kolmer nach Becher ebenfalls auf „karolingische „Auslöschungen“ zurück. Die Forschung hat die Reichsannalen, vor allem in Bezug auf das Schicksal Tassilos, einer gründlichen Interpretation und Kritik unterzogen; dem gegenüber die Parallelüberlieferung jedoch erst seit Neuestem miteinbezogen. Indem sie sich in die neueste Forschung zu Parallel-Überlieferung eingliedert, möchte sich diese Arbeit dem vieldiskutierten Thema widmen, ob Tassilos Sturz durch den fränkischen König „gerechtfertigt“ war, d.h. ob ihr Anlass eine wirkliche machtpolitische Notwendigkeit oder allein Machthunger war.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Forschungsstand

2.2 Quellenlage

2.3 Biographie Tassilos bis 772

2.4 Imitatio regis – eine königsähnliche Herrschaft?

2.5 Der Sturz Tassilos

2.5.1 Vorgeschichte bis 788

2.5.2 Der Prozess in Ingelheim – Quellenkritik

2.6 Nach dem Prozess

3. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht den Prozess von Ingelheim im Jahr 788 gegen Herzog Tassilo III. von Bayern, um die Frage zu klären, ob der Sturz des Herzogs eine machtpolitische Notwendigkeit oder ein unrechtmäßiger Akt des fränkischen Königs Karl des Großen darstellte. Im Zentrum steht dabei die kritische Analyse der karolingischen Geschichtsschreibung im Vergleich zur Parallelüberlieferung.

  • Die Rolle der Reichsannalen als offizielle Legitimationsquelle Karls des Großen.
  • Das Spannungsfeld zwischen Macht, Recht und karolingischem Herrschaftsethos.
  • Die Analyse der Agilolfinger-Karolinger-Rivalität im 8. Jahrhundert.
  • Der Vergleich verschiedener Quellenberichte zur Rekonstruktion des Prozessverlaufs.
  • Die Auswirkungen des Sturzes auf die bayerische Verfassungsstruktur und die damnatio memoriae.

Auszug aus dem Buch

2.5.2 Der Prozess in Ingelheim – Quellenkritik

Von den Geschehnissen in Ingelheim berichtet die offizielle Version der Reichsannalen: die Parteilichkeit und Unstimmigkeit dieses Berichts ergibt sich sowohl aus ihrer separierten Untersuchung auf innere Konsistenz als auch durch den Vergleich mit den Parallelquellen. Zunächst soll eine farbliche Kennzeichnung der Akteure (rot = Karl, grün = Reichstagsteilnehmer, blau = Tassilo) ein Bild der Aktivitäts-Passivitäts-Verteilung entwerfen:

[788] DCCLXXXVIII. Tunc domnus rex Carolus congregans synodum ad iamdictam villam Ingilenhaim, ibique veniens Tassilo ex iussione domni regis, sicut et ceteri eius vassi; et coeperunt fideles Baioarii dicere, quod Tassilo fidem suam salvam non haberet, nisi postea fraudulens apparuit, postquam filium suum dedit cum aliis obsidibus et sacramenta, suadente uxore sua Liutbergane. Quod et Tassilo denegare non potuit, sed confessus est postea ad Avaros transmisisse, vassos supradicti domni regis ad se adortasse et in vitam eorum consiliasse; et homines suos, quando iurabant, iubebat, ut aliter in mente retinerent et sub dolo iurarent; et quid magis, confessus est se dixisse, etiamsi decem filios haberet, omnes voluisset perdere, antequam placita sic manerent vel stabile permitteret, sicut iuratum habuit; et etiam dixit, melius se mortuum esse quam ita vivere.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik des Prozesses gegen Tassilo III. und Vorstellung der Forschungsdebatte um Macht und Recht.

2. Hauptteil: Analyse des Forschungsstandes, der Quellenlage und der historischen Entwicklung bis zum Prozess, gefolgt von einer tiefgehenden Quellenkritik des Ereignisses.

2.1 Forschungsstand: Überblick über die Bewertung der Reichsannalen und die Entwicklung der modernen kritischen Forschung.

2.2 Quellenlage: Vorstellung der vier zentralen Quellen, darunter Reichsannalen, Lorscher Annalen und Annales Nazariani.

2.3 Biographie Tassilos bis 772: Darstellung des Aufstiegs Tassilos und seines Verhältnisses zu den Karolingern bis zum Bruch mit Pippin.

2.4 Imitatio regis – eine königsähnliche Herrschaft?: Untersuchung der königsähnlichen Herrschaftspraxis Tassilos und der resultierenden Rivalität zu Karl.

2.5 Der Sturz Tassilos: Zusammenfassendes Kapitel zum politischen Ende der Agilolfinger.

2.5.1 Vorgeschichte bis 788: Aufarbeitung der politischen Ereignisse, die den Druck auf Tassilo verstärkten.

2.5.2 Der Prozess in Ingelheim – Quellenkritik: Detaillierter Vergleich der Berichte von RA, LA und AN sowie Analyse der Akteurverteilung.

2.6 Nach dem Prozess: Analyse der politischen Folgen für Bayern und der damnatio memoriae.

3. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Gerechtigkeitsfrage des Sturzes und der Bedeutung des Prozesses für das historische Gedächtnis.

Schlüsselwörter

Tassilo III., Karl der Große, Ingelheim, Reichsannalen, Agilolfinger, Karolinger, Bayern, Prozess, Quellenkritik, Machtpolitik, Recht, damnatio memoriae, Mittelalter, Herrschaft, Verrat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert den Sturz des bayerischen Herzogs Tassilo III. durch Karl den Großen im Jahr 788 und hinterfragt, inwiefern dieses Ereignis rechtlich begründet oder politisch inszeniert war.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Machtverhältnisse zwischen der Agilolfinger-Dynastie und den Karolingern, die Instrumentalisierung von Geschichte in den Reichsannalen sowie die mittelalterliche Rechts- und Herrschaftspraxis.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, mittels einer quellenkritischen Analyse zu prüfen, ob Tassilos Absetzung eine legitime Reaktion auf Hochverrat war oder lediglich dem Machthunger Karls des Großen entsprang.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der historischen Quellenkritik. Dabei werden die Reichsannalen mit der Parallelüberlieferung (u.a. Lorscher Annalen, Annales Nazariani) verglichen, um Verzerrungen und parteiische Darstellungen aufzudecken.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Forschungsstandes, eine Analyse der Herrschaftsqualität Tassilos und eine detaillierte quellenkritische Aufarbeitung des Prozesses von Ingelheim sowie der anschließenden Ereignisse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind unter anderem Tassilo III., Karl der Große, Ingelheim, Quellenkritik, Reichsannalen, Agilolfinger und Machtpolitik.

Welche Rolle spielt die "damnatio memoriae" nach 788?

Die Arbeit erläutert, wie Karl der Große versuchte, die Herrschaft der Agilolfinger aus dem Gedächtnis zu tilgen, indem er Urkunden und Schriftzeugnisse vernichten ließ.

Wie bewertet die Autorin die Glaubwürdigkeit der Reichsannalen?

Die Autorin stuft die Reichsannalen als hochparteiische Quelle ein, die das Ziel hatte, Karl den Großen als idealen christlichen Herrscher zu stilisieren, während Tassilo als eidbrüchiger Verräter dargestellt wird.

Welche Bedeutung kommt dem Fund des "Cotani-Briefs" zu?

Der Brief verifizierte den in anderen Quellen berichteten Raub der Herzogsfamilie und deren Schätze, was die Sichtweise auf die Skrupellosigkeit der fränkischen Vorgehensweise stützt.

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Details

Title
Das Ende Tassilos III. von Bayern. Ein gerechtfertigter Sturz?
College
LMU Munich
Course
Bayerische Geschichte
Grade
1,0
Author
Clara Kassing (Author)
Publication Year
2019
Pages
26
Catalog Number
V1064829
ISBN (eBook)
9783346475589
ISBN (Book)
9783346475596
Language
German
Tags
Tassilo Karl der Große Baiuwaren Ingelheim Prozess
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Clara Kassing (Author), 2019, Das Ende Tassilos III. von Bayern. Ein gerechtfertigter Sturz?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1064829
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