Probleme beim Schreibenlernen sehbehinderter Menschen


Hausarbeit, 2001

18 Seiten, Note: gut


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Gliederung

1. Einleitung

2. Der Schriftspracherwerb im Allgemeinen
2.1. Die Teilbereiche des Spracherwerbs
2.2. Die Situation des Kindes vor dem Schriftspracherwerb
2.3. Methoden des Schriftspracherwerbs (nach BRÜGELMANN)
2.3.1. Die ganzheitliche (analytische) Methode
2.3.2. Die einzelheitliche (synthetische) Methode
2.3.3. Der Spracherfahrungssatz

3. Sehbehinderungen
3.1. Definition der Grade
3.2. Visus und Sehvermögen
3.3. Die häufigsten Sehbehinderungen
3.3.1. Asthenopische Beschwerden
3.3.2. Augenzittern
3.3.3. Blendempfindlichkeit und Lichtscheu
3.3.4. Farbsinnstörung
3.3.5. Gesichtsfeldausfälle
3.3.6. Grauer Star
3.3.7. Gründer Star
3.3.8. Hornhauttrübungen oder -narben
3.3.9. Kurzsichtigkeit
3.3.10. Makulaerkrankungen
3.3.11. Netzhautablösung
3.3.12. Schielen
3.3.13. Sehnerverkrankungen
3.3.14. Weitsichtigkeit

4. Die verschiedenen Probleme für sehbehinderte Menschen

5. Schlussbetrachtung

6. Literatur

7. Anhang
7.1. Seheindrücke aus der Sicht von Menschen mit Sehbehinderungen
7.2. Schriftbildauszüge von zwei sehbehinderten Schülern

1. Einleitung

In dieser Arbeit werde ich versuchen, verschiedene Probleme aufzeigen, die speziell bei Menschen mit einem oder mehreren visuellen Defiziten entstehen, wenn es darum geht das Schreiben zu erlernen. Ausgehen möchte ich dabei von allgemeinen Theorien zum Prozess des Schriftspracherwerbs, da das Schreibenlernen unweigerlich ein Teil des Schriftspracherwerbs ist. Dazu erläutere ich ganz kurz die Bedeutung vom Lesen und Schreiben als Teile des Schriftspracherwerbs und gehe weiter auf die dem Prozess des Schriftspracherwerbs vorgeschaltete kindliche Situation ein. Die Modelle zum Schriftspracherwerbsprozess möchte ich hier nicht weiter erörtern. Aber die Methoden des Schriftspracherwerbs nach HANS BRÜGELMANN sind meiner Meinung nach doch nennenswert, wobei ich hier keine Beurteilung zu den genannten Parten abgeben möchte, da dies das Thema der Arbeit sprengen würde.

Anschließend wäre es etwas zu abrupt, wenn ich gleich auf die Probleme des Schreibenlernens bei sehbehinderten Menschen eingehen würde, weil es für viele Menschen nur schwer verständlich ist, wie sehbehinderte Menschen sehen und was eine Sehbehinderung überhaupt ist. Daher möchte ich zuvor noch in einem weiteren Kapitel relativ kurz die drei klassischen Klassifizierungen von sehbehinderten Menschen, eine Erläuterung zum Begriff des Visus' und dann eine sehr kurze Beschreibung der häufigsten Sehbehinderungen aufzeigen.

2. Der Schriftspracherwerb im Allgemeinen

Wenn man die heutige Entwicklung beobachtet, so ist es auffällig, dass immer größere Defizite in den einzelnen Bereichen (Schule, Arbeitsplätze, Universitäten) die Lese- und Schreibfähigkeit betreffend beklagt werden.

Das Lesen- und Schreibenkönnen entwickelt sich jedoch nicht von alleine. Es muss vielmehr in einem längeren Prozess unter bestimmten Bedingungen erworben und auch gepflegt werden. Viele Schriftspracherwerbsforscher beschäftigen sich genau mit diesen Bedingungen, unter denen der Erwerb von Lese- und Schreibfähigkeit möglich ist. Dies ist deshalb wichtig, weil diese Fähigkeiten für viele Menschen einen Schlüsselfaktor für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung innerhalb der Gesellschaft darstellen.

2.1. Die Teilbereiche des Spracherwerbs

Zum ersten wird das Lesen als Teil des Schriftspracherwerbs gesehen. Hier unterscheidet man in zwei Dimensionen. Die semantische Dimension: Sie beinhaltet die Erfassung des Sinnes vom Geschriebenen. Und die technische Dimension: Sie meint die Wahrnehmung von optischen Mustern, die gleichzeitig in einen akustischen Zusammenhang gestellt werde.

Zum zweiten wird das Schreiben als Teil des Schriftspracherwerbs gesehen. Während beim Lesen enkodiert (entschlüsselt) wird, wird hier kodiert. Gedanken oder Gehörtes werden hier unter Berücksichtigung bestimmter graphischer Merkmale oder in Bezug auf erlernte Rechtschreibregeln in schriftsprachliche Zeichen verschlüsselt.

2.2. Die Situation des Kindes vor dem Schriftspracherwerb

Nach BETHLEHEM hat die Sprache bei Kindern anfangs Symbolcharakter ersten Grades, denn sie dient dazu, die Wirklichkeit und Gedanken spontan auszudrücken.

Erst später bekommt die Sprache für das Kind Symbolcharakter zweiten Grades. Dies geschieht, wenn ein Kind die Bedeutung z.B. von Straßenschildern erfasst und versteht. Es versteht nun also Symbolaussagen, die stellvertretend (in zweiter Ordnung) für die Sprache eingesetzt wurden sind.

Es gibt viele Faktoren, die beim Schriftspracherwerbsprozess entscheidend beeinflussen und über Erfolg und Misserfolg entscheiden.

Beim Schriftspracherwerb ist es nicht nur notwendig, die Schriftbilder wahrzunehmen, sondern sie müssen auch differenziert und gemerkt werden. Ferner spielt die Vorstellungskraft über äußere Erscheinungsformen und die Merkfähigkeit eine wichtige Rolle für die Vorbereitung auf den Prozess des Schriftspracherwerbs. Ebenso ist eine genügende Konzentrationsfähigkeit wie auch ein gewisses Maß an feinmotorischen Fähigkeiten nötig.

2.3. Methoden des Schriftspracherwerbs (nach BRÜGELMANN)

2.3.1. Die ganzheitliche (analytische) Methode

Die Ganzheitsmethode ist im wesentlichen optisch ausgeprägt und hat zwei wesentliche Schwerpunktbereiche. Der eine geht davon aus, dass die Wahrnehmung ganzer Gestalten für den Lesebeginn als grundlegend zu sehen ist. (Man beginnt ganze Wörter und nicht einzelne Buchstaben zu lesen.) Der andere sieht die Sinneserfassung als Schlüssel zum Lesenlernen. (Sie beginnen mit ganze n Sätzen und nutzen Symbole, um den Mangel an Schriftkenntnissen zu überwinden.)

2.3.2. Die einzelheitliche (synthetische) Methode

Einzelheitsmethoden sind im Wesentlichen akustisch ausgerichtet. Zur besseren Einsicht werden sie aber durch optische, sprech- und schreibmotorische Maßnahmen (Gliederungen) unterstützt.

- Stufe der Lautgewinnung: Laute werden aus sinnvollen Wörtern herausgefiltert und mit anderen Lautverbindungen dargeboten;
- Stufe der Festigung: Vorführung der Verknüpfung von Laut und Buchstaben (-gruppen);
- Stufe der Lautverschmelzung: Anleitung, Laute in flüssigen und übergangslosen Form zu erlesen;
- Stufe des Wortlesens: Rasche Erfassung von Buchstabengruppen (Wörtern) in Texten.

2.3.3. Der Spracherfahrungssatz

Der Spracherfahrungsansatz ist im Gegensatz zu anderen Methoden nicht lernzielorientiert auf die Lese- und Schreibfähigkeit ausgerichtet. Vielmehr versteht er sich als eine systematische Methode, die sich aus der Beobachtung heraus entwickelt und die es dem Kind erlauben soll, sich auf der Basis seiner eigenen individuellen Voraussetzungen mit der Schriftsprache vertraut zu machen. Gerade im Kontrast zur Einheitsfibel kann man hier die Chance einer Auffächerung, die einen individuellen Zugang zur Schrift ermöglicht, sehen.

Dieser Ansatz von drei als wesentlich herausgestellten Leitideen getragen:

,,Zum einen soll den Kindern die Bedeutung von Schrift als Tr ä ger sozialer Handlungen nahegebracht werden, die es erm ö glicht Informationen zu erhalten oder an andere weiterzugeben. Zur Verdeutlichung soll Schrift die Grundlage vieler Aktivit ä ten innerhalb des Klassenzimmers sein und durch die Vermittlung von Ursache - Wirkungszusammenh ä ngen f ü r die Kinder erfahrbar werden. Ferner sollen Kinder erkennen, dass Schrift und Sprache in einem wechselseitigen Zusammenhang stehen, was ihnen letztendlich durch die gegenst ä ndliche Manipulation von Schriftzeichen bewusst gemacht werden soll." 1

3. Sehbehinderungen

3.1. Definition der Grade

Der Begriff Sehbehinderung umfasst ein weites Feld. Um diesen Begriff etwas klassifizieren zu können hat man die Sehbehinderungen in drei verschiedene Grade eingeteilt. In verschiedenen Literaturen findet man hier unterschiedliche Einteilungsgrenzen. Die am weitesten verbreitete Aufgliederung der genaueren pädagogischen Definition ist die folgende Unterteilung in die drei Gruppen:2

1. Menschen mit einer Herabsetzung des Sehvermögens (Visus) auf weniger als 1/3 (0,33) bis 1/10 (0,1) der Norm nennt man sehbehindert.
2. Menschen mit einer Herabsetzung des Sehvermögens (Visus) auf weniger als 1/20 (0,5) bis 1/50 (0,2) der Norm nennt man hochgradig sehbehindert.
3. Personen, ,,die kein Sehvermögen haben oder in ihrem Sehvermögen so stark beeinträchtigt sind, dass sie sich ... in ihren wichtigsten Lebensvollzügen verhalten müssen wie Kinder und Jugendliche ohne Sehvermögen ... das ist in der Regel der Fall, wenn die Sehschärfe 1/5O nicht übersteigt" nennt man blind.

(vgl. Empfehlungen der KMK 1980)

3.2. Visus und Sehvermögen

Nachdem ich nun die Gliederung aller Sehbehinderten in diese drei Untergruppen erläutert habe muss es trotzdem noch nicht für jedermann verständlich sein, was das jetzt eigentlich bedeutet. Eine weitere Problemfrage zum besseren Verständnis ist nämlich, was der Visus, also das Sehvermögen, meint. Wer sich nicht mit dem Feld der Sehbehinderungen beschäftigt oder durch Zufall etwas davon gehört hat, der weiß nicht, was es bedeutet, wenn ich sage, dass ich zehn Prozent sehe.

Der Ottonormalverbraucher wird sich fragen, wovon ich zehn Prozent sehe. Von der Fläche eines Bildes? Von der Schärfe? Von der Entfernung? etc. Doch hier muss auch schon gesagt werden, dass der im Volksmund verwendete Terminus Prozent bei einer Visusangabe nichts oder nicht viel zu suchen hat. Zwar findet man auch Literatur, in denen der Visus mit Hilfe von Prozentangaben erklärt wird, doch wer genauer nachforscht, wird herausfinden, dass das nicht unbedingt zulässig ist.

Zur Angabe eines Visus' verwendet man eigentlich nur einen Bruch - wobei es egal ist, oder zumindest von der Zahl abhängt, ob man einen gemeinen oder einen dezimalen Bruch verwendet. Ich dürfte also nicht sagen, dass ich einen Visus von zehn Prozent habe, sondern, dass ich einen Visus von 0,1 oder 1/10 habe.

Jetzt habe ich die Art der Angabe hoffentlich deutlich genug erklärt. Doch was der Visus von 0,1 oder 1/10 nun bedeutet möchte ich jetzt noch versuchen zu erläutern. Also, man spricht von einem Visus von 0,1, wenn man ,,nur" in der Lage ist, auf einen Meter Entfernung das zu sehen, was ein Normalsichtiger - man könnte auch sagen Vollsehender.

Es gibt keine einheitliche Bezeichnung dafür - auf zehn Meter Entfernung erkennen kann. Oder wenn man in einem Abstand von zehn Metern sieht, was ein Normalsichtiger bei einer Entfernung von einhundert Metern erkennt. Aus der Visusangabe 0,1 ist dies nicht so deutlich ablesbar. Daher wird häufiger die Bezeichnung 1/10 oder 10/100 verwendet, weil man hier auch durch mathematisches Erweitern und Kürzen des gemeinen Bruches die eben genannte Beschreibung auf jede Entfernung anpassen kann. So kann ich mit einem Visus von 1/10 sagen, dass ich auf zwei Meter sehe, was ein Normalsichtiger auf zwanzig Meter sieht, denn ein Zehntel ist ja das Gleiche wie zwei Zwanzigstel - 1/10 = 2/20.

Jetzt sollte es klar sein, was eine diverse Visusangabe meint. Doch nun kommt noch ein kleiner inhaltlicher Nachschub, der einerseits jedem logisch erscheinen wird, aber andererseits auch etwas verwirrend sein wird. Es ist bekannt, dass es nicht nur eine Form der Sehbehinderung gibt. Es gibt also viele verschiedene Ausprägungen des visuellen Defizits, die alle zu nennen wohl so ziemlich unmöglich ist, zumindest im Rahmen dieser Arbeit.

Einige wichtige Arten der Sehschädigung möchte ich im nächsten Teil dieses Kapitels dann aber doch noch nennen und anschaulich erläutern. Doch was ich jetzt nur sagen möchte ist, dass zwei Menschen, die den gleichen Visus haben nicht gleich zwangsläufig das gleiche Sehvermögen haben oder die gleichen Seheindrücke vermittelt bekommen. So kann eine Person, die am Grünen Star (siehe 3.3.8.) erkrankt ist noch einen Visus von mehr als ein Drittel oder sogar mehr als die Hälfte haben und trotzdem als blind bezeichnet werden.

In der Definition aus 3.1. steht auch geschrieben, Blindheit ,,ist in der Regel der Fall, wenn die Sehschärfe 1/5O nicht übersteigt". Doch im Fall des Grünen Stars können die Gesichtsfeldausfälle so gravierend sein, dass das in der Definition genannte Verhalten bei diesen Personen eben z.T. auch bei einem Visus von mehr als 1/2 bis 1/3 auftritt. Das sollte nur noch einmal deutlich machen, dass der Visus nicht einzig und allein Ausdruck für die gesamte Sehstärke und verantwortlich für die mögliche Eingliederung in eine der genannten drei Gruppen von Sehbehinderten ist.

3.3. Die häufigsten Sehbehinderungen

3 In diesem Teil des Kapitels möchte ich versuchen einmal die wichtigsten Sehbehinderungen und mögliche Folgen davon aufzuführen, um das Verständnis für die Komplexität dieses Themas zu wecken, zu fundamentieren oder zu erweitern. Wie schon erwähnt, möchte ich versuchen, dies so anschaulich wie möglich zu gestalten. Dazu werde ich bei einigen Sehbehinderungen - man könnte sie auch Augenkrankheiten nennen - Fotos einfügen, die zeigen sollen, wie ein Mensch mit der entsprechenden Sehbehinderung ungefähr sehen könnte.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass man mit einer Kamera das Sehen mit beiden Augen nicht nachahmen kann. Außerdem umfasst der Bildausschnitt nur einen kleinen Teil des Gesichtsfeldes. In der nebenstehenden Abbildung ist ein Gesichtsfeld dargestellt, wobei das Rechteck A eben diesen Ausschnitt des Gesichtsfeldes zeigt, den die von uns verwendeten Fotografien einnehmen. Ich gehe dabei von Bild 1 (siehe Anhang) aus, das zeigt, wie ein normalsichtiger Mensch die aufgezeigte bzw. fotografierte Szene sehen würde.

Im normalen Fall sagt man, dass weniger als 2% scharf wahrgenommen und zum äußeren Rand des Gesichtsfeldes hin die Seheindrücke unschärfer werden - im äußeren Bereic h können nur Bewegungen wahrgenommen werden (oder ruhende Gegenstände durch Bewegen des Kopfes). Den durch ein fotografisches Bild vermittelbaren Eindruck, des umfassend scharf gesehenen Bereichs, gewinnt der Mensch, indem er durch Augenbewegungen das Sehfeld abtastet und die scharfen Seheindrücke nacheinander zusammenfügt. Dieses Bild, das allen Veranschaulichungen zugrunde liegen soll, kann also von den menschlichen Augen nur in einem sehr kleinen Ausschnitt scharf wahrgenommen werden. Das Foto ist also ein Bild, das bei normalem Sehvermögen durch Zusammensetzen vieler scharfer Seheindrücke entstehen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weiterhin ist zu beachten, dass eine Sehbehinderung meist in unterschiedlicher Weise mit einer oder mehreren anderen Sehbehinderungen kombiniert ist und daher eine eindeutige Beschreibung einer konkreten Sehstörung nicht möglich ist.

Noch einmal sei aber auch darauf hingewiesen, dass zuweilen auffallende Unterschiede zwischen dem Sehvermögen im Nahbereich und dem Sehvermögen in die Ferne bei demselben Menschen bestehen.

3.3.1. Asthenopische Beschwerden

Asthenopische Beschwerden sind Reaktionsformen der Augen ohne krankhafte Veränderungen des Organs. Folgeerscheinungen sind hier:

- Verschwommensehen,
- Augen- und Kopfschmerzen,
- Brennen und Tränen der Augen,
- Müdigkeit- und Mattigkeitsgefühle,
- Lidrand- und Bindehautreizungen

Es handelt sich hierbei also um subjektive Beschwerden, die zumeinst durch Überanstrengung entstehen. Aber durch das Tragen einer Brille kann hier oftmals geholfen werden.

3.3.2. Augenzittern (Nystagmus)

Bei Nystagmus handelt es sich um eine Abfolge von unwillkürlichen rückartigen oder pendelnden Augenbewegungen. Das ständige Kopfwackeln ist ein Merkmal dieser Krankheit. Zumeist liegt hier eine organische Augen- oder Hirnerkrankung zugrunde. Das Augenzittern erschwert erheblich die Fixierung von Objekten und Subjekten. Nystagmus ist aber oft auch nur eine Begle iterscheinung bei anderen Sehschädigungen wie z.B:

- Pigmentmangel (Albinismus)
- totaler Farbenblindheit (siehe unter 3.3.4.)
- angeborenem grauen Star (siehe unter 3.3.6.)
- Hornhautnarben (siehe unter 3.3.8.)
- Sehnervenerkrankungen (siehe unter 3.3.13.) u. a.

Da die betroffenen Menschen wegen des Augenzitterns und Kopfwackelns oft gehänselt werden, ist es u.U. erforderlich, einen Betroffenes psychisch zu ,,stabilisieren".

Das Schriftbild sollte nicht zu klein und kontrastarm sein. Die Buchstaben dürfen nicht zu eng zusammenstehen, da diese Personen Schwierigkeiten beim Erkennen und Unterscheiden eng nebeneinander stehender Buchstaben haben.

In Überforderungs- und Spannungssituationen (z. B. bei Prüfungen) kann sich das Augenzittern verstärken.

3.3.3. Blendempfindlichkeit und Lichtscheu

4 Blendempfindlichkeit und Lichtscheu treten auf bei:

- asthenopischen Beschwerden (siehe unter 3.3.1.)
- grünem Star (siehe unter 3.3.7.)
- Hornhautnarben (siehe unter 3.3.8.)
- Linsentrübungen (siehe grauer Star unter 3.3.6.)
- Farbsinnstörung (siehe unter 3.3.4.)
- Pigmentmangel (Albinismus)
- Sehnervenerkrankungen (siehe unter 3.3.13.)
- Fehlen der Regenbogenhaut - Iris - Kolobomen
- entfernter Linse
- Schädigungen der Netzhaut

Die Betroffenen tragen oft eine lichta bsorbierende dunkle Brille. Ihr Arbeitsplatz sollte nicht zu starkem Licht ausgesetzt sein.

3.3.4. Farbsinnstörung

Die Funktion der Zapfen (Sinneszellen der Netzhaut, die vorwiegend in der Netzhautmitte liegen) ist teilweise oder ganz beeinträchtigt. Die Folgen sind:

- eingeschränkte oder völlig fehlende Farbtüchtigkeit (nur Grautöne, Schwarz und Weiß werden unterschieden)
- erhebliche Lichtscheu (siehe Blendempfindlichkeit unter 3.3.3.)
- Herabsetzung der Sehschärfe
- Augenzittern (siehe Nystagmus unter 3.3.3.)
- Fixationsschwierigkeiten

Farbsinnstörung ist ein angeborenes, erbliches Leiden, das oft mit anderen Augenkrankheiten gekoppelt ist. Sie ist symptomatisch bei Sehnervenerkrankungen (siehe unter 3.3.13.)

Pigmentdegeneration der Netzhaut und Makulaerkrankungen (siehe unter 3.3.10.). Hinweise:

- Material muss kontrastreich sein (Schrift, Skizzen etc:).
- Wenn Farben verwendet werden, müssen diese unterschiedliche Helligkeitswerte haben (z. B, hellgelb-dunkelblau), damit sie als verschiedene Grautöne wahrgenommen und unterschieden werden können.

3.3.5. Gesichtsfeldausfälle

5 Gesichtsfeldausfall bedeutet die Verkleinerung des Gesichtsfeldes in einer bestimmten Richtung oder nach allen Seiten. Es gibt periphere (am Rande), zentrale (in der Mitte) und vielgestaltige Ausfälle verschiedener Größe. Je nach Ausfall sieht der Betroffene manche Bewegungen und Gegenstände nicht. Kleine Ausfälle können gut kompensiert werden.

Gesichtsfeldausfälle kommen vor bei:

- Schädigungen der Netzhaut
- Netzha utablösung (siehe unter 3.3.11.)
- grünem Star ( siehe unter 3.3.7.)
- Einäugigkeit (sowohl bei einäugiger Schwachsichtigkeit [siehe Schielen unter 3.3.13.] als auch bei Fehlen eines Auges)
- starken Brillen (Sport)
- grauem Star (siehe unter 3.3.6.)
- Pigmentdegeneration der Netzhaut
- Schädigungen des Sehnervs
- Makulaerkrankungen (siehe unter 3.3.10.)
- dichten Hornhauttrübungen (siehe unter 3.3.8.)
- Hirnerkrankungen u. a.

Ein Hinweis ist, dass ein Mensch mit zentralem Gesichtsfeldausfall (Zentralskotom) einen fixierten Gegenstand häufig nicht erkennen kann. Im Nahbereich können ihm z. B. größerer Druck oder Lupen, bei sehr großen Ausfällen ein Fernsehlesegerät helfen, weil der fixierte Bildausschnitt größer und dadurch übersichtlicher wird. Erschwerend kommt bei -solchen Leuten hinzu, dass sie meist keine Farben erkennen können.

In der Ferne können sie sich gut orientieren, wenn das restliche Sehvermögen intakt ist. Hier können Monookulare zum Lesen von Straßenschildern hilfreich sein. Sie müssen aber individuell angepasst werden.

Fällt das periphere Sehen aus, spricht man von einem ..Röhrengesichtsfeld", das unterschiedlich groß sein kann. Vergrößerungen des Schriftbildes nützen ihnen nichts, im Gegenteil. Sie können dann noch weniger Buchstaben eines Wortes erfassen. Hier muss man ausprobieren, wieweit sie kleineren Druck lesen können. Menschen mit diesem Krankheitsbild benötigen unbedingt gute Beleuchtung (heller Arbeitsplatz).

3.3.6. Grauer Star (angeborener, Katarakt)

Unter angeborenem Grauen Star versteht man verschiedene Formen der Linsentrübung: teilweise oder totale, einseitige oder beidseitige, schwache oder dichte Trübungen. Da das Sehen in den ersten Lebensjahren, besonders aber im ersten Lebenshalbjahr gelernt wird, bedeutet eine Trübung der Linse je nach Grad, dass sich das Sehen nur eingeschränkt herausbilden kann. Folgeerscheinung kann z. B. das Augenzittern (siehe unter 3.3.2) sein, weil die Netzhautmitte unterentwickelt bleibt.

Kataraktoperationen sind nicht immer komplikationslos. Nach Entfernung der Linsen können Brille und/ oder Kontaktlinsen bei intakter Netzhaut volle Sehschärfe wiederherstellen. Oft ist aber der graue Star mit anderen Missbildungen des Auges gepaart, so dass die volle Sehschärfe nicht Regel nach Staroperationen ist.

Hervorgerufen werden Trübungen durch:

- Vererbung
- Röteln und andere Infektionskrankheiten während der Schwangerschaft
- Stoffwechselstörungen bei Mutter und/oder Kind (z. B. bei Diabetes)
- Verletzungen und Prellungen

Bei nichtoperierten Menschen können eine große Schrift und gute Beleuchtung am Arbeitsplatz hilfreich sein (heil, aber blendfrei; individuell unterschiedlich).

3.3.7. Grüner Star (Glaukom)

6 Grüner Star ist die Bezeichnung für erhöhten Augeninnendruck. Daneben treten Lichtscheu (siehe Blendempfindlichkeit unter 3.3.3.), Rötungen und Tränen der Augen auf. Ständig erhöhter Augeninnendruck kann den Sehnerv schädigen. Damit eine Sehnervschädigung nicht zu weit voranschreiten kann, ist eine Früherkennung von höchster Bedeutung, Druckentlastende Operationen können oft schon im frühesten Kindesalter helfen. Wenn augenärztliche Eingriffe nicht genügend erfolgreich sind oder gar unterbleiben, kann sich die Hornhaut trüben oder auch die Netzhaut geschädigt werden und dass Auge erblinden. Gesichtsfeldausfälle (siehe unter 3.3.6.) entstehen bei fortschreitender Schädigung des Sehnervs, wobei die. zentrale Sehschärfe relativ lange erhalten bleibt.

Das Glaukom kommt vor - bei:

- Vererbung
- Verle tzungen
- fehlender Linse
- Missbildungen der Linse
- grauem Star (siehe unter 3.3.6.)
- Kotobomen

Hinweisend ist zu sagen, dass Beleuchtung und vergrößernde Sehhilfen mit diesen Menschen individuell abgesprochen werden müssen.

3.3.8. Hornhauttrübungen oder -narben

7 Die Hornhaut ist durchsichtig und schließt wie ein Uhrglas das Auge vorn ab. Bei Hornhauttrübungen sehen die Betroffenen wie durch eine teilweise oder ganz beschlagene Scheibe. Je nach Trübung besteht eine mittlere bis schwere Sehbehinderung.

Hornhauttrübungen oder -narben sind:

- angeboren (immer doppelseitig)
- bei Verletzungen (Verätzungen, Verbrennungen, Durchbohrungen)
- durch Entzündungen entstanden

Es gilt hier derselbe Hinweis wie bei nichtoperiertem grauem Star (sie he unter 3.3.6.).

3.3.9. Kurzsichtigkeit (Myopie)

3.3.10. Makulaerkrankungen

8 9 Makulaerkrankungen (Makula ist die Stelle des schärfsten Sehens) können verschiedene Ursachen haben:

- entzündliche Prozesse (Toxoplasmose, Aderhautentzündung)

- Prellungsverletzungen (durch Schneeball, Tennisball, Steine usw.,)
- Vererbung.

Als Hinweis sollte genannt werden, dass, da die Stelle des schärfsten Sehens ausfällt, der Betroffene beim Lesen und Schreiben auf vergrößernde Sehhilfen (Lupen, Fernsehlesegeräte usw.), große Schrift und gute Beleuchtung angewiesen ist.

Wenn diese Hilfsmittel nicht mehr ausreichen, muss auf Blindentechniken umgestellt werden. Seine Orientierungsfähigkeit und sein Bewegungsverhalten sind kaum eingeschränkt, wenn er gutes peripheres Sehen (siehe unter 3.3.5.) hat.

3.3.11. Netzhautablösung

10 Die Netzhaut kleidet den Augapfel innen aus und ist nur an zwei Stellen mit ihm verwachsen. Bei einer Netzhautablösung hebt sie sich aus verschiedenen Gründen von ihrer Unterlage, der Aderhaut, ab, so dass sie nicht mehr ernährt wird. Dadurch stirbt sie an dieser Stelle ab. Hier ist dann kein Sehen mehr möglich. Es ist ein bleibender Gesichtsfeldausfall (siehe unter 3.3.6.) entstanden, Die Krankheit äußert sich nicht in Schmerzen, sondern durch plötzlich auftretende Sehstörungen (Blitze, Schleier- und Verschwommensehen, dunkle Flecke u.a.). Die Netzhaut muss durch Operation (mit Hilfe von Laserstrahlen) wieder auf ihrer Unterlage befestigt werden, weil sich sonst die ganze Netzhaut allmählich abhebt. Das würde totale Blindheit bedeuten. An den Stellen der Netzhaut, an denen sie durch Laserstrahlen auf ihrer Unterlage wieder befestigt wurde, ist kein Sehen mehr möglich. Deshalb treten bei wiederholtem Eingriff Gesichtsfeldausfälle auf.

Diese Form der Sehbehinderung kommt vor:

- bei Kurzsichtigkeit (siehe unter 3.3.9.)
- nach schweren Schlägen auf das Auge
- infolge schweren Hebens oder starker Erschütterung
- evtl. nach Staroperationen
- bei Kolobomen
- (im Alter)

3.3.12. Schielen (Strabismus)

Beim Schielen ;,rutscht" ein Auge entweder nach innen, außen, oben oder unten weg. Ursachen sind (u.a.):

- Störungen des Gleichgewichts der Augenmuskeln
- nichtkorrigierte Weitsichtigkeit
- einseitige, hochgradige
- Kurzsichtigkeit
- sehr schlechte Sehschärfe auf einem Auge, die nicht korrigiert ist

Schielen kann funktionell einäugig machen. Eine Schielbehandlung ist im frühen Alter bald nach der Geburt oder in den ersten Lebensjahren am erfolgreichsten.

3.3.13. Sehnerverkrankungen

11 Sie führen oft zu bleibenden Sehbeeinträchtigungen verschiedenen Grades. Von leichter Verschleierung bis zur vollständigen Erblindung. Gesichtsfeldausfälle (meist zentral) sind eine der Folgen. Je nach Erkrankungsursache kommen sie ein- oder beidseitig vor.

Ursachen sind u.a.:

- Vererbung (mit Augenzittern)
- Schädelverletzungen
- Hirnerkrankungen
- Entzündungen der Hirnhaut (verschiedene Ursachen).

Sehnervenerkrankungen können kombiniert sein mit grünem Star (siehe unter 3.3.7.), Makulaerkrankungen (siehe unter 3.3.10.) und Farbsinnstörungen (siehe unter 3.3.4.).

3.3.14. Weitsichtigkeit (Hyperopie)

4. Die verschiedenen Probleme für sehbehinderte Menschen

Die zuvor ausgewählt beschriebenen und dennoch vielfältig erscheinenden Arten des visuellen Defizits, von denen es noch erheblich mehr Erscheinungsformen gibt, verursachen natürlich auch ziemlich unterschiedliche Probleme, die beim Schreibenlernen auftreten können. Wie schon erwähnt ist es notwendig, dass man ein Buchstabensymbol liest, bevor man es schreiben kann.

Hier ist die Differenzierungsfähigkeit des Kindes besonders gefragt, da sich bestimmte Buchstaben relativ ähnlich sehen. Doch bei den verschiedensten Sehbehinderungen ist die Differenzierung wesentlich erschwert. Buchstaben können sehr schnell verwechselt und vertauscht werden. Ein 'o' und ähnliche Buchstaben könnten aber vielleicht auch nur als Punkte erkannt werden, weil sie zu klein geschrieben sind. So ist es also wichtig herauszufinden, wenn ein solches Kind Probleme beim Erlernen eines Buchstabens hat, ob es vielleicht nur am Visus liegt und man vielleicht nur für Großdruck sorgen muss oder ob es sich vielleicht auch um eine Wahrnehmungsstörung handelt. Manchmal sind die Buchstaben aber auch nur zu dünn gedruckt, sodass sie gar nicht erst erkannt werden.

Das nächste Problem, das viele Sehbehinderte haben, ist der Liniendruck, d.h. dass die Linien und Kästchen in den Heften zu dünn gedruckt sind und das Kind daher nicht koordiniert schreiben kann. Ein solches Kind wird so nie eine saubere Linienführung erhalten, gerade und v.a. ordentlich schreiben können. Oftmals hilft es hier schon spezielle Hefte zu nutzen, in denen die Linien dicker und/oder in einer anderen Farbe gedruckt sind. Andererseits können solche dicken Linien auch hinderlich sein, denn es gibt auch Kinder mit Problemen in der visuellen Wahrnehmung - dies kommt vor bei Problemen in der Figur-Grund-Wahrnehmung, wenn sich ein Kind nicht von einem Reiz lösen kann -, die dazu neigen ihre eigenen Striche oder Linien an vorgegebene anzugleichen. So würde das Schriftbild immer kleiner und enger an den unteren oder oberen Zeilenrand gequetscht werden und irgendwann gar nicht mehr zu lesen sein. Wie man jetzt schon merkt, gibt es also kein Universalrezept, wie man sehbehinderten Kindern das Lernen erleichtern und ihr Defizit kompensieren kann.

Ein weiteres Problem kann sein, dass die Betroffenen nicht erkennen können, was sie schreiben, also dass sie "blind" schreiben. Hier ist es nötig, herauszufinden, ob diese Kinder einfach nur größer schreiben müssen und so Hefte mit größeren Zeilen benötigen, oder ob diese Kinder Vergrößerungshilfen, wie z.B. ein Fernsehlesegerät brauchen. Dabei ist es dann aber wieder recht schwierig, weil das Kind beim Schreiben nicht die gewohnte Auge-Hand- Koordination anwenden kann. Es sieht auf dem Bildschirm, muss aber darunter schreiben, ohne die eigene Hand sehen zu können, denn die Vergrößerung ist meist so groß vonnöten, dass gerade mal die Stiftspitze zu erkennen ist. Es kommt also ein motorisches Problem hinzu, das zu lösen nur mit viel Übung und Training möglich ist.

Manche sehbehinderte Kinder brauchen beim Schreiben und Malen aber keine solchen Hilfsmitte l. Sie legen meist den Kopf auf den Tisch, sodass die meisten denken würden, dass diese Kinder schlafen oder sich ausruhen. Doch sie legen den Kopf auf den Tisch oder die Handfläche, um mit den Augen möglichst nahe an das Papier zu kommen, auf dem sie schreiben sollen. Das Problem hier ist die eingeengte Bewegungsfreiheit. Durch das Aufliegen des Kopfes bleibt nämlich nicht viel Platz zum Schreiben.

Zum einen kostet das Schreiben einem solchen Kind sehr viel Kraft und Konzentration, was den Prozess des Schreibenlernens extrem verlangsamen kann. Zum zweiten leidet auch das Schriftbild sehr darunter. Weiterhin ist es für solche Kinder nicht möglich oder nicht gerade leicht, vorgeschriebene Buchstaben nachzuschreiben bzw. am Anfang noch nachzumalen, weil ihr Kopf eben links vor dem zu schreibenden Buchstaben liegt. Und durch ständiges Hin- und Herrutschen des Kopfes kann es zu Verschiebungen oder Verirrungen beim Schreiben eines neuen Buchstabens kommen, sodass z.B. aus einem 'n' ein 'm' wird o.ä. Ein weiteres Problem ist das Schreiben mit dem Füller. Durch das aufliegenden und mit der schreibenden Hand rutschenden Kopfes würde das frisch geschriebene immer verwischt und der Kopf relativ oft beschmutzt sein. Das ist ein Grund, warum manche sehbehinderte Kinder lieber mit Kugelschreiber schreiben.

Im Anfangsstadium des Schreibenlernens kommt es ja wesentlich darauf an Buchstaben ordentlich abzuschreiben und sich auch so einzuprägen. Doch häufig ist eine Sehbehinderung auch mit einer Gesichtsfeldeinengung verbunden. Dadurch ist es dem sehbehinderten Kind nicht wie normalen Kindern so einfach möglich aus einem nebenliegenden Buch oder von der Tafel abzuschreiben, da die Konzentration erst völlig auf das Vorgegebene und dann erst auf das Eigene gerichtet ist.

Und wenn ein solches Kind sich noch einmal vergewissern will, ob es bis zu einem bestimmten Punkt richtig geschrieben hat, was ein normales Kind mit kurzem Blick auf die Tafel oder das Buch erledigt hat, muss erst vom Schreiben völlig abgesetzt werden und die Konzentration wieder vollkommen auf das Vorgegebene gerichtet werden. Das ist nur ein Faktor, warum es sehschwachen Menschen wesentlich schwerer fällt etwas abzuschreiben als vollsichtigen. Es ist für jene auch erheblich anstrengender. Daher kann es bei solchen Kindern auch um einiges länger dauern, bis sie einen neuen Buchstaben oder eine Ziffer gelernt haben.

Ein anderes Problem kann sein, dass sehbehinderte Kinder keine so hoch ausgebildete Feinmotorik besitzen wie normalsehende. Denn im Gegensatz zu Blinden verlassen sich viele Sehbehinderte zu sehr auf ihren Restvisus, mit dem allerdings nicht alt so feinmotorische Arbeiten möglich sind. Bei der Feinmotorik spielt nämlich auch die Auge-Hand-Koordination eine Rolle. Und da das Auge nicht sehr belastbar ist, ist auch die Feinmotorik rückläufig.

Dies führt zu erheblichen Problemen beim Schreiben und auch beim Schreibenlernen.

Solchen Kindern fällt es sehr schwer die feinen, dünnen Linien zu ziehen, aus denen Buchstaben und Ziffern bestehen. Und das nicht nur, weil sie die feinen Linien nicht erkennen können, sondern auch, weil sie die Hände nicht auf so engen Raum so differenziert bewegen können.

Ich habe z.B. einen hochgradig sehbehinderten Schüler beim Schreiben beobachtet, der so stark aufgedrückt hat, dass man auf der Rückseite des Blattes fühlen konnte, was er geschrieben hat. Daher ist es bei diesem Schüler auch nicht möglich, mit dem Füller zu schreiben, weil die Federn wohl ständig verbiegen würden. Eine starke Sorte von Papier ist wohl auch nötig, da sonst ständig auf dem nachfolgenden Blatt die Abdrücke des vorhergehenden sein würden. Eine andere Möglichkeit wäre, jedes Blatt einzeln auf einer speziellen Unterlage zu beschreiben.

Der Anstrengungsgrad des Schreiben und insbesondere des Schreibenlernen ist für solche Kinder (bzw. Menschen) daher auch sehr erhöht. Für ein besseres Verständnis habe ich von den von mir beobachteten Schüler zwei Schriftbildauszüge beigelegt. Eins mit normalem linierten Papier und eins mit besonders stark gezeichneten Linien und großem Zeilenabstand. Anders ist das bei Blinden und Sehbehinderten, die unabhängig vom Restvisus ihre Haptik, d.h. ihren taktilen Sinn stärker ausbilden als vollsehende. Bei solchen Menschen werden feinmotorische Arbeiten nicht nach Augenmaß, sondern ausschließlich nach Gefühl vollzogen. In solchen Fällen kann die Feinmotorik also recht hoch, u.U. sogar höher als bei 100%-sehenden ausgeprägt sein.

5. Schlussbetrachtung

Ich denke, dass ich jetzt die wesentlichsten Probleme, die mir und die von mir befragten PädagogInnen einfallen genannt und versucht zu erläutern. Wichtig ist es mir, dass dabei klar geworden ist, dass bei jeder Sehbehinderung andere Problemfaktoren auftreten und dass Dinge die dem einen helfen, für den anderen hinderlich sein können. Es gibt so vielfältige und noch so kleine Probleme für sehbehinderte Menschen, die im Ganzen aber ein nicht zu vernachlässigendes Hindernis darstellen können, das den Prozess des Schriftspracherwerbs beträchtlich beeinflusst, hemmt oder sogar behindert. Und wie schon gesagt, kann man beim Prozess des Schreibenlernens bei Sehbehinderten nicht von einem Universalrezept ausgehen. Vielmehr muss man für jeden Menschen persönlich eine individuelle Diagnose stellen, was zu tun und was zu lassen ist. Und auch wenn es sich um Kinder handelt, sollte man sehr genau hinhören, was sie sagen. Denn niemand weis besser über das eigene Vermögen und individuale Probleme bescheid wie sie selber.

6. Literatur

/1./ Aktion S:

Das Hör- und Seh-Heft

(Hrsg. Aktion Sorgenkind e.V.; Bonn; in Zusammenarbeit mit ,,Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde", ,,Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde", ,,Deutsche Gesellschaft für Ophthalmologie (Augenheilkunde)")

/2./ Appelhans, P:

Kinder und Jugendliche mit Sehschwierigkeiten in der Schule 1985

/3./ Asanger; W:

Handwörterbuch Psychologie - Studienausgabe Weinheim; 1999

/4./ Blinden-und-Sehbehinderten-Verband Brandenburg e.V.:

Ratgeber für Blinde und Sehbehinderte im Land Brandenburg

/5./ Derup, K. T:

Merkblatt für Blinde und Sehbehinderte 1993

/6./ Duden - Das Bedeutungswörterbuch (Band 10)

/7./ Duden - Das Fremdwörterbuch (Band 5)

/8./ Duden - Die deutsche Rechtschreibung (Band 1)

/9./ Duden - Die sinn- und sachverwandten Wörter (Band 8)

/10./ Gespräche mit LehrerInnen, PädagogInnen und SchülerInnen der ,,Brandenburgischen Schule für Blinde und Sehbehinderte" und des Internats Königs Wusterhausen, 2000/2001

/11./ http:// www.dega.itap.de/Aktuelles/hoeren-statt-sehen.htm

/12./ http://www.hausarbeiten.de/archiv/paedagogik/paed-schriftsprache.shtml

/13./ http://www.hausarbeiten.de/archiv/paedagogik/

paed-schriftspracherwerb-bruegelmann.shtml

/14./ Microsoft: Encarta Enzyklopädie Plus 2000 (CD-ROMs)

/15./ Reuter, P: Springer Wörterbuch Medizin Berlin, Heidelberg; 2001

/16./ Rock, I: Wahrnehmung - vom visuellen Reiz zum Sehen und Erkennen Heidelberg; 1998

/17./ Schrowe, T: Wahrnehmungstraining - Voraussetzung für Kreativität ?! (schriftliche Hausarbeit als Leistungsnachweis in Psychologie); Dessau; 2001

/18./ Schrowe, T: Wie beobachten sehbehinderte LehrerInnen und Lehrer im Unterricht (schriftliche Hausarbeit als Teilleistung zum Leistungsnachweis in Psychologie); Dessau; 2001

/19./ Schrowe, T: Störungen im Bereich der visuellen Wahrnehmung (schriftliche Hausarbeit als Leistungsnachweis in rehabilitationspädagogischer Psychologie); Dessau; 2001

/20./ Zehl, D: Besonderheiten des Literaturunterrichts bei blinden Kindern (schriftliche Hausarbeit als Teilleistung zur Ergänzungsprüfung für das Lehramt Sonderpädagogik)

7. Anhang

Der Anhang besteht aus vielen Bildern die wegen ihrer Größe nicht upgeloadet werden können. Bei Interesse meldet euch bei mir.

[...]


1 Zitat aus /12./

2 Aus /20./ (Seite 4)

3 Aus /2./ (Seite 17 - 34)

4 siehe Bild 2 (Anhang)

5 siehe Bild 3, 4, 7, 8 (Anhang)

6 siehe Bild 4 (Anhang)

7 siehe Bild 5 (Anhang)

8 siehe Bild 6 (Anhang)

9 siehe Bild 7 (Anhang)

10 siehe Bild 8 (Anhang)

11 siehe Bild 3 (Anhang)

17 von 18 Seiten

Details

Titel
Probleme beim Schreibenlernen sehbehinderter Menschen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Sprach-, Sprech-, Stimmstörungen im Überblick
Note
gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
18
Katalognummer
V106504
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Arbeit versuche ich ausgehend von den Theorien des Schriftspracherwerbs die Probleme des Schreiben-Lernens bei Sehbehinderten aufzuzeigen und zu erläutern. Eine sehr straff gefasste Arbeit, die eigentlich noch ausbaubedürftig ist.
Schlagworte
Probleme, Schreibenlernen, Menschen, Sprach-, Sprech-, Stimmstörungen
Arbeit zitieren
Thomas Schrowe (Autor), 2001, Probleme beim Schreibenlernen sehbehinderter Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106504

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