Ausgewogene Berichterstattung über den Schweizer UNO-Beitritt? Eine methodische Diskussion


Seminararbeit, 2002

23 Seiten


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Inhalt

1. Media-Bias - ein theoretisches Konstrukt

2. Paradigmen der Publizistikwissenschaft
2.1 Traditionelle Perspektive: Medien als Spiegel
2.2 Konstruktivistische Perspektive: Medien als Interpreten
2.3 Überblick

3. Methodische Ansätze
3.1 Untersuchungsdesign aus realistischer Perspektive
3.2 Untersuchungsdesign aus konstruktivistischer Perspektive

4. Empirische Evidenz: UNO-Bias des Tages-Anzeigers?
4.1 Deskriptive Übersicht der Ergebnisse
4.2 Realistischer Kommentar
4.3 Konstruktivistischer Kommentar

5. Diskussion

6. Literatur

7. Anhang

Abbildungen und Tabellen

Tabelle 1: Realistische und konstruktivistische Theorie im Vergleich

Abbildung 2: Anzahl Artikel im Tages-Anzeiger

Tabelle 3 : Wertende Aussagen und Argumente

Tabelle 4: Urheber von wertenden Aussagen und Argumenten

Tabelle 5: Argumente in der Berichterstattung

Tabelle 6: Argumente der Stimmbevölkerung

Tabelle 7: Argumentliste

1. Media-Bias - ein theoretisches Konstrukt

Ausgewogene und objektive Informationen sind für die Funktionstüchtigkeit einer Demokratie unentbehrlich, da sie die Grundlage für eine unabhängige und manipulationsfreie Meinungsbildung darstellen. Aus diesem Grund sollen Medien in normativen Modellen und unter demokratietheoretischer Perspektive frei sein von Bias. Die Medienpraxis vermag dieses Postulat aber kaum einzulösen und so wird an Medieninhalten immer wieder bemängelt, es fehle die Objektivität, die Berichterstattung sei voreingenommen oder verzerrt. In einer Sichtung der Forschungsliteratur kommt Schulz (1989: 139) zum Schluss, dass die Medien in der Regel die ,,Wirklichkeit" nicht repräsentieren: ,,Die Berichte der Medien sind oft ungenau und verzerrt, sie bieten manchmal eine ausgesprochen tendenziöse und ideologisch eingefärbte Weltsicht.

Die in den Medien dargebotene Wirklichkeit repräsentiert in erster Linie die Stereotype und Vorurteile der Journalisten, ihre professionellen Regeln und politischen Einstellungen, die Zwänge der Nachrichtenproduktion und die Erfordernisse medialer Darstellung."

Diese Kluft zwischen journalistischen Berufsnormen und der tatsächlichen Abbildung gesellschaftsrelevanter Ereignisse begründet schließlich auch das Interesse der Wissenschaft an Medieninhalten. Es ist ihr bisher aber sehr schwer gefallen, Bias mittels Lese- und Decoding-Methoden aufzudecken. Wie Hagen (1992: 444) zeigt, hat sich vor allem die frühe Forschung schwer getan mit Definition und Operationalisierung des Begriffs Bias. So sind viele Arbeiten relativ theorielos. Häufig fehlen genauere Erläuterungen oder aber die Begriffsklärungen werden nur sehr allgemein gehalten.

Differenzierter sind die Überlegungen von Hacket (1984: 230). Er verweist auf die Notwendigkeit, in Bias-Studien zwischen einem Mangel an Ausgewogenheit zwischen konkurrierenden Gesichtspunkten und einer tendenziösen Verzerrung der Realität aufgrund Parteilichkeit zu unterscheiden. Angesprochen wird hier die Tatsache, dass es in der Berichterstattung Spannungen zwischen widersprechenden Wahrheitsansprüchen (Ausgewogenheit von Argumenten) sowie Probleme bei der unparteiischen Beurteilung der Haltbarkeit dieser Positionen (faire Werturteile) geben kann.

In Anlehnung an Hacket formuliert Hagen (1992: 458) nachfolgende Definition von Bias:

,,Mit Unausgewogenheit (lack of balance) ist Ü ber- oder Unterbetonung von Positionen in politischen Konflikten gemeint, mit Verzerrung (distortion) Abweichung von Fakten. Das Wort Bias kann im Englischen au ß erdem auch f ü r Voreingenommenheit stehen, eine Ursache von Unausgewogenheit und Verzerrung."

Mit seiner Aussage gibt Hagen bereits eine Idee, wie sich Bias messen lässt. Das darf aber nicht über die Probleme der Operationalisierung in der konkreten Umsetzung von Bias- Studien hinweg täuschen. Denn Bias lässt sich einerseits auf mannigfaltige Weise und mit Hilfe verschiedenster Variablen messen. Zum anderen können die daraus resultierenden Ergebnisse unterschiedlich interpretiert werden. So haben sich der Frage, woran Bias gemessen werden kann, zwei grundsätzlich verschiedene Forschungstraditionen angenommen: Es handelt sich dabei einerseits um Ansätze, welche die Medien als Spiegel der Realität sehen, anderseits um Beiträge, welche die Medien als Erzeuger von Wirklichkeitskonstrukten betrachten.

Unter dem Gesichtspunkt dieser beiden konkurrierenden Forschungstraditionen sind von Kepplinger (1988, 1989a, 1991) und Weiss (1985, 1989) Untersuchungen mit verschiedenen methodischen Analyseverfahren durchgeführt worden.

Ziel dieses Beitrags ist es, diese beiden methodischen Ansätze mit ihren zugrundeliegenden Paradigmen auf dasselbe Untersuchungsmaterial anzuwenden und die Ergebnisse zu diskutieren. Dabei werden in einem ersten Schritt die beiden Forschungstraditionen vorgestellt (Kapitel 2), danach die methodischen Ansätze zweier ,,Vertreter"1 dieser beiden Paradigmen präsentiert (Kapitel 3). Schließlich sollen die beiden Ansätze zur Beurteilung der Berichterstattung über die Abstimmung über den UNO-Beitritt der Schweiz herangezogen werden (Kapitel 4). Aufgezeigt werden soll damit, wie die jeweiligen Ansätze Bias messen, welche verschiedenen Ergebnisse sie hervorbringen und wie die Resultate anhand der jeweiligen Paradigmen unterschiedlich interpretiert werden. Abschließend soll die methodische Durchführung der Untersuchung diskutiert ein Ausblick für künftige Bias- Studien gegeben werden (Kapitel 5).

2. Paradigmen der Publizistikwissenschaft

Eine der Grunddebatten der Publizistikwissenschaft ist die Frage, ob Medien Realität abbilden vermögen oder ihre Kraft darin besteht, Wirklichkeiten zu konstruieren. Wie nachfolgend gezeigt wird, konkurrieren diese beiden Paradigmen insofern, als dass aufgrund ihrer Prämissen die Medienleistungen höchst unterschiedlich beurteilt werden. Dabei gilt es festzuhalten, dass sich die Forschungsperspektive von Bias-Studien von der traditionellen Forschung, welche die Medien als Spiegel der Realität wahrnimmt, zur konstruktivistischen Perspektive, welche die Medien als Interpreten versteht, gewandelt hat. (vgl. Hagen 1992, Hackett 1984)

2.1 Traditione lle Perspektive: Medien als Spiegel

Viele Studien sehen die Medien als passive Spiegel, welche die soziale Realität unverzerrt und ausgewogen wiedergeben können und sollen. Die Massenmedien werden damit als passive Mittler der Realität begriffen, verbreitet ist ,,eine Art vages Transfermodell". (Schulz 1989: 141) Zudem wird unterstellt, dass ein grundsätzlicher Gegensatz zwischen Massenmedien und Gesellschaft besteht.

Die frühe Biasforschung sieht Gründe für Unausgewogenheit und Verzerrung der Berichterstattung in der politischen Einstellung von Journalisten und Herausgebern, welche sich schließlich in der redaktionellen Linie äußert. (Hagen 1992: 444)

Um solchen Bias dingfest zu machen, gibt es prinzipiell zwei Zugänge. Zum einen wird versucht, die mediale Darstellung gewisser Themen realen Entwicklungen gegenüber zu stellen. Dabei werden auf Extra-Media-Daten (Regierungsdokumente, Statistiken, Expertengutachten usw.) zurückgegriffen, die als Realitätsindikatoren dienen (vgl. dazu die Studien von Kepplinger 1988, 1989a, 1991). Da solche Indikatoren häufig nicht vorhanden sind, wird aber meist die Ausgewogenheit und Gleichstellung verschiedener Positionen untersucht (Hackett 1984: 231).

Kritik an der Spiegel-Metapher: Kritisiert werden kann das ,,Spiege-Modell" sowohl in theoretischer als auch in methodischer Hinsicht. Hinterfragt wird insbesondere die Prämisse, dass es die Aufgabe der Medien sein soll, die Realität widerzuspiegeln. Es wird sogar bezweifelt, ob dies überhaupt möglich ist (vgl. dazu Ruhrmann 1991).

Eine solche normative Vorstellung kann letztlich nur in eine massive Medienkritik ausufern, da der Widerspruch zwischen verzerrter Medienrealität und dem Prinzip der Objektivität unüberbrückbar ist. Eine solche Kritik zielt, so Schulz (1989: 141), ,,in der Tendenz auf eine stärkere Kontrolle der Massenmedien, wenn nicht sogar auf Zensur."

In methodischer Hinsicht sind die Vergleiche publizistischer Inhalte mit sogenannten Realitätsindikatoren (Statistiken, wissenschaftliche Gutachten, etc.) problematisch (Ruhrmann 1991: 147f., Haller 1991: 181f.).

Bei einem Vergleich von Medienaussagen mit medienexternen Beobachtungen gilt zu beachten, dass ,,sich physikalische Messungen nicht direkt mit wertenden Aussagen von Journalisten konfrontieren [lassen], ohne dass die jeweiligen Bedeutungen, Funktionen und Vergleichbarkeiten der dabei verwendeten empirischen Begriffe, Indikatoren, Konstrukte (Definitionen) und theoretischen Begriffe nur annährend geklärt worden wären." (Ruhrmann 1991: 147f.)

2.2 Konstruktivistis che Perspektive: Medien als Interpreten

Diese Kritik greift die konstruktivistische Perspektive der Nachrichtenforschung, welche die Medien als Interpreten sieht, auf. Ihr zufolge geben Journalisten die Realität nicht objektiv wieder, da sie dazu gar nicht imstande sind, ,,denn für Ausgewogenheit und Relevanz gibt es keine wertfreien Maßstäbe" (Hagen 1992: 445). Diese Sichtweise beruht auf den Erkenntnissen der Wahrnehmungspsychologie, wonach die soziale Bedeutung von realem Geschehen für jeden Beobachter anders ist. Denn die Bedeutung liegt nicht im Geschehenen selbst, sondern in der individuellen geistigen Verarbeitung durch den Beobachter. Die Wirklichkeitskonstruktion ist somit subjektabhängig und die Realität ist kognitiv nicht zugänglich (Weischenberg 1992: 170).

Folglich werden auch Medien nicht als passiver, außenstehender Reflektor, sondern als aktiver Interpret und Bestandteil sozialer Realität betrachtet. Anders als im realistischen Ansatz besteht also kein Gegensatz zwischen Medien und Gesellschaft (Hagen 1992: 445, Schulz 1989: 141f.). Medien konstruieren als operativ geschlossene Systeme wie Individuen externe Informationen nach eigenen Verarbeitungsregeln und verknüpfen diese mit eigenen Erfahrungen. Sie bieten somit Wirklichkeitsentwürfe und Sinnkonstruktionen an, die dann vom Einzelnen produktiv herausgearbeitet werden müssen (Weischenberg 1992: 171f.). Damit wird impliziert, dass sich Ereignisse nicht wertfrei beschreiben lassen. Spezifische Eigenheiten von Berichten, also Bias, erhalten dadurch eine subjektive Bedeutung und erscheinen nicht nur als Verzerrung von Realität. Die der Konstruktion von Realität zugrunde liegende Selektivität, Bewertung und Unausgewogenheit wird dabei als erwünschte Funktionen von Kommunikation angesehen (Schulz 1989: 142).

Die neuere Forschung sieht also die Medien und die Sprache als strukturierendes Mittel statt als neutraler Transmissionsriemen, der auf die reale Welt verweist (Hackett 1984: 234ff., Hagen 1991: 445). So wurde mit dem Aufkommen der Agenda-Setting-Theorie und der Nachrichtenfaktorenforschung in den 70er Jahren Bias weniger als politisches, individuell bedingtes, sondern mehr als strukturelles Phänomen untersucht. Der Sinn von Biasstudien liegt demnach nicht darin, Bias nachzuweisen, ,,sondern vielmehr darin, die Konstruktionsprinzipien von Bias aufzudecken. (...)

Es stellt sich die Frage, welche Merkmale der Welt in den Nachrichten mit der redaktionellen Linie korrelieren." (Hagen 1992: 445)

Mit dieser Einsicht hat sich aber die methodische Umsetzung von Bias-Studien nicht unbedingt vereinfacht. Das Dilemma besteht nun erst recht darin, dass sich Verzerrung nie genau bestimmen lässt, weil Realität immer nur über die Informationsbearbeitungsprozesse erfahrbar ist (Schulz 1989: 143). Näherungsweise kann eine solche Überprüfung durchgeführt werden, indem verschiedene Realitätskonstrukte verglichen werden. Wichtig ist bei solchen Vergleichen für Schulz (1989: 143), ,,dass die Wirklichkeitskonstrukte als plausibel anerkannt werden und als Handlungsbasis taugen. Ein Wirklichkeitskonstrukt ist genau genug und wird im allgemeinen als ,wahr' akzeptiert, wenn es diesen Kriterien genügt."

Kritik am Konstruktivismus: Nicht lösen kann die konstruktivistische Perspektive die Frage, ob es eine objektive Realität gibt. Eher müsste die Vorstellung einer objektiven, unabhängig vom Beobachter existierende Realität aufgegeben werden - und mit ihr die Regeln der journalistischen Profession wie Sachlichkeit, Wahrhaftigkeit und Unparteilichkeit (Schulz 1989: 145). Schließlich müsste nach den Gesetzen des Konstruktivismus jeder selbst über die Richtigkeit der eigenen Wirklichkeit und Wahrheit entscheiden.

Journalistische Qualität lässt sich damit nicht festlegen, ,,weil alle normierenden und ethischen Maßstäbe für das Handeln entfallen." (Boventer 1992: 164) Befürchtet wird damit eine Erosion journalistischer Normen. Denn ,,eine journalistische Ethik wäre nicht mehr gefragt und überflüssig, ja widersprüchlich, weil der Konstruktivismus und berufsethische Postulate der Objektivität und Wahrhaftigkeit nicht auf einen Nenner zu bringen sind." (Boventer 1992: 160) Wenn normative, ethische und moralische Gesichtspunkte ausgeklammert werden, würden die Legitimationsgründe des praktischen Journalismus wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. Der Konstruktivismus abstrahiert damit vom politischen und kulturellen Leben und ist als gesellschaftliche Theorie in diesem Zusammenhang nicht tauglich. Boventer (1992: 165) geht sogar soweit, im Konstruktivismus demokratie -unterlaufende Elemente auszumachen, da er das Postulat der journalistischen Objektivität und somit ein unentbehrliches Instrument demokratischer Kommunikationskultur beeinträchtigt.

Konstruktivisten weisen diese ,,Absolutheitsansprüche und Wahrheitspostulate zugunsten einer Diskussion über Maßstäbe für Verantwortlichkeit im Rahmen der Medienproduktion" (Weischenberg 1992: 173) zurück. Die Verordnung verbindlicher Verhaltensmaßstäbe wird kategorisch abgelehnt. Dafür lehre der Konstruktivismus den Journalisten, seine Gewissheiten in Frage zu stellen (Weischenberg 1992: 175).

2.3 Überblick

Tabelle 1 soll die wichtigsten Annahmen der realistischen und konstruktivistischen Theorie aufzeigen, wobei vor allem die für Bias-Studien relevanten Merkmale aufgeführt sind. Unterschiedlich sind die Auffassungen bezüglich des Kommunikationsprozesses: Im realistischen Paradigma vermitteln die Medien die Wirklichkeit dem Nutzer, im konstruktivistischen Paradigma nutzt der Rezipient die Medien, um ,,seine" Wirklichkeit zu konstruieren.

Gegenläufige Annahmen haben die Paradigmen auch bezüglich den Medieninhalten, den Medien, den Journalisten, der Beurteilung von Medienprodukten und - zentral für diesen Beitrag - bezüglich des Erkenntnisinteresses in Bias-Studien. Zudem weisen beide Ansätze unterschiedliche Mängel auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Methodische Ansätze

Nach dieser kurzen Darstellung der realistischen und der konstruktivistischen Perspektive der Medienforschung sollen nachfolgend zwei unterschiedliche methodische Ansätze vorgestellt werden, die unter den gegenläufigen Paradigmen zur Anwendung gekommen sind. Zur Veranschaulichung sollen beide Ansätze auf eine konkrete Fragestellung angewendet werden. Untersucht wird mit wenigen Variabeln, ob die Berichterstattung über die kommende Abstimmung über den UNO-Beitritt der Schweiz (3. März 2002) Bias aufweist. Es ist zu erwarten, dass die Vorlage in den Medien kontrovers diskutiert wird und sie sich deshalb besonders für eine Bias-Untersuchung eignet.

Es ist bereits darauf hingewiesen worden, dass eines der vielen konstitutiven Elementen von Bias die Überbetonung bzw. Unterbetonung von Positionen ist. Die nachfolgende Untersuchung wird sich deshalb diesem Teilaspekt von Bias annehmen.

Dabei erfolgen Fragestellung, methodische Durchführung und Interpretation der Befunde aufgrund der jeweiligen Forschungsperspektive (realistische vs. konstruktivistische). Dabei soll nicht der Eindruck entstehen, die nachfolgend vorgestellten Ansätze würden als genuin realistische oder konstruktivistische Methoden ,,verkauft". Viel mehr wird davon ausgegangen, dass sie sich ergänzen können. Beide Verfahren ließen sich auch unter dem jeweilig anderen Paradigma anwenden und werden aus diesem Grund sowohl aus realistischer als auch aus konstruktivistischer Perspektive kommentiert.

Die Untersuchung beschränkt sich auf den Tages-Anzeiger (TA). Da die Datenerhebung aus studiumstechnischen Gründen2 vor der Eröffnung des Abstimmungskampfes erfolgte, kann keine Aussage über die Berichterstattung in den neun Wochen vor der Abstimmung (Januar und Februar 2002) gemacht werden.

Analysiert wurden hingegen alle im Jahr 2001 erschienen 42 Artike3 im ersten Bund des Tages-Anzeigers (mit Ausnahme des Ausland-Ressorts), die sich explizit mit der Volksabstimmung befassen, d.h. im Titel, im Lead oder im ersten Abschnitt auf die Abstimmung hinweisen. Berücksichtigt wurden somit die Artikel im Inlandteil und auf der Frontseite sowie Beiträge in den Rubriken ,,Hintergrund", ,,Meinung" und ,,Im Brennpunkt".

3.1 Untersuchungsdesign aus realistischer Perspektive

Die Frage der realistischen Forschungsperspektive lautet, ob die Berichterstattung ausgewogen ist oder UNO-Befürworter bzw. UNO-Gegner bevorzugt werden. Zu untersuchen ist demnach, wie ein möglicher UNO-Beitritt der Schweiz in den Medien bewertet wird und ob sich Pro- und Contra-Äußerungen die Wage halten oder zumindest in einem angemessenen Verhältnis stehen. Da die sich die Redaktion des Tages-Anzeigers in einer Stellungnahme als UNO-Befürworter ausgegeben hat, lautet die Hypothese:

Die UNO bzw. der UNO-Beitritt der Schweiz wird im Tages-Anzeiger mehrheitlich positiv bewertet.

Bias wird damit mit der Variable ,,wertende Aussage" untersucht. Mit diesem Ansatz prüfte Kepplinger (1988, 1989a, 1991) die Darstellung von Technikfolgen in der Presse. Dabei unterschied er zwischen expliziten und impliziten Bewertung. Unter expliziten Wertungen verstand er die Verwendung von eindeutig wertenden Begriffen, als Beispiele gibt er hier vorwiegend Adjektive (gut, schlecht, verhängnisvoll, katastrophal, erfolgversprechend etc.) an.

Bei impliziten Bewertungen werden dem Diskussionsgegenstand Begleiterscheinungen oder Folgen zugeschrieben. Am Beispiel des UNO-Beitritts könnten die s der Verlust oder die Stärkung der Neutralität, das stärkere Engagement der Schweiz in der humanitären Hilfe, die finanzielle Mehrbelastung u.ä. sein.

Für jede wertende Aussage hat Kepplinger den Urheber - den Journalisten oder einen außenstehenden Akteur - ermittelt und aufzuzeigen versucht, ob ein Zusammenhang zwischen den Wertungen von Journalisten und den Äußerungen außenstehender Akteure, die in der Berichterstattung zu Wort kommen, besteht.

3.2 Untersuchungsdesign aus konstruktivistischer Perspektive

Das Erkenntnisinteresse der konstruktivistischen Perspektive unterscheidet sich insofern vom realistischen Modell, als dass nicht Verzerrungen von Realität gemessen werden, sondern lediglich die Konstruktionsmechanismen von Bias aufgedeckt werden sollen. Wenn man von der Annahme ausgeht, dass die Aufgabe der Massenmedien darin besteht, ,,die Stimuli und Ereignisse in der sozialen Umwelt zu selektieren, zu verarbeiten, zu interpretieren" (Schulz 1989: 142), so fragt sich, wie dies in der Berichterstattung über den UNO-Beitritt geschieht.

Interessant sind hier also die Strukturen der Darstellung. Um sie zu erfassen, macht es besonders Sinn, Argumente zu untersuchen, wie dies beispielsweise Hagen (1992), Tschopp (1996) oder Weiss (1985, 1989) getan haben. Auf das Beispiel der UNO-Abstimmung bezogen ließe sich somit fragen, ob der Tages-Anzeiger eine bestimmte Argumentationsstruktur aufweist.

Eine mögliche Hypothese dazu ist folgende:

Die Berichterstattung des Tages-Anzeigers ü ber den UNO-Beitritt weist mehr Pro- als Contra-Argumente auf.

Dabei können wie bei Hagen (1992: 446) alle wörtlich oder indirekt zitierten sprachlichen Mitteilungen oder eigenständige Äußerungen von Journalisten als Argument kodiert werden.

Weiss (1989: 478ff.) erweitert die Argumentationsanalyse um eine Argumentliste. Diese wird in einer Vorstudie, in der die Argumente für und gegen einen UNO-Beitritt der Schweiz ermittelt werden, gesammelt und stellt einen a priori fixierten Bezugsrahmen für die Entwicklung des Codeplans dar. In der Studie wird dann jeder Beitrag des Untersuchungsmaterials daraufhin überprüft, welche dieser Argumente enthalten sind.

Die Brandbreite der Argumente wird anhand von Primärquellen (Positionsblätter und Beiträge von Regierung und Parteien, Bundesverwaltung, Gewerkschaften, Verbände, Wissenschaftler etc.) erfasst. Dabei wird versucht, ,,das gesamte Spektrum der Argumente zu erfassen, die im Vorfeld der Medienberichterstattung von den Konfliktparteien in die Diskussion gebracht werden." (Weiss 1989: 480) Einen Überblick über die Argumente zum UNO-Beitritt gibt die Tabelle 7 im Anhang.

4. Empirische Evidenz: UNO-Bias des Tages-Anzeigers?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Anzahl Artikel im Tages-Anzeiger

(N=119)

Vor den detaillierten Auswertungen lohnt es sich, einen allgemeinen Blick auf die Datenlage zu werfen. Dabei wird klar, dass der Tages-Anzeiger im Jahr 2001 dem UNO-Beitritt eine mäßige Priorität ein geräumt hat. 42 Artikel setzten sich in diesem Zeitraum explizit mit der bevorstehenden Abstimmung auseinander. Zieht man die Anzahl der Artikeleinheiten als Bezugsgröße bei, die im Januar (39 Artikel) und Februar 2002 (38 Artikel) erschienen sind, wird ma n zum Schluss verleitet, dass die wichtige außenpolitische Vorlage bis zum offiziellen Startschuss des Abstimmungskampfs nicht oben auf der Medienagenda stand. Bis zum September 2001 wurde der mögliche UNO-Beitritt der Schweiz kaum thematisiert.

Kaum Resonanz (1 Artikel) fand die UNO-Debatte im Ständerat (21. Juni). Erst die Behandlung der Vorlage im Nationalrat (18./19. September) führte zu einer leichten Intensivierung der Berichterstattung; so haben 11 der 13 im September erschienen Beiträge einen unmittelbaren Zusammenhang mit der zweitägigen Debatte in der großen Kammer. In den kommenden drei Monaten pendelte sich die Intensität der Berichterstattung auf tiefem Niveau ein, um 9 Wochen vor dem Plebiszit sprungartig anzusteigen (siehe Abbildung 2).

Bereits diese ersten empirischen Beobachtungen lassen sich anhand der beiden vorgestellten Paradigmen unterschiedlich beurteilen.

Die realistische Perspektive müsste sich die Frage stellen, ob die Frage des UNO-Beitritts im Jahr 2001 tatsächlich von untergeordneter Rolle war, wie die Häufigkeit der Berichterstattung suggerieren könnte. Ein Blick auf die Agenda der Regierung zeigt aber, dass der UNO-Beitritt seit geraumer Zeit eines der dringlichsten außenpolitischen Anliegen ist. Aufgrund diesen Überlegungen müsste die Medienleistung als ungenügend beurteilt werden, da lediglich die Nationalratsdebatte als Schlüsselereignis Aufmerksamkeit generieren konnte.

Da die Frage um den UNO-Beitritt aber schon zuvor das politische Geschehen in der Schweiz bestimmt haben dürfte, wäre eine stärkere Berichterstattung angemessen gewesen.

Einen anderen Schluss würde die konstruktivistische Perspektive ziehen. Zwar richtet auch sie ihr Augenmerk auf die Selektionsleistung der Medien, diese wird aber als strukturierendes Mittel aufgefasst. Medien haben demnach die Aufgabe, dem Bürger im richtigen Moment Wirklichkeitsentwürfe anzubieten. Diese erwünschte Funktion erfüllen die Medien sinnvollerweise mit der Bündelung der Berichterstattung um Eckdaten wie die Nationalratsdebatte.

Die Medien bieten somit nur dann ihre Wirklichkeitskonstrukte an, wenn aus gesellschaftlicher und politischer Sicht eine hohe Dringlichkeit besteht. Aktualität und Relevanz werden hier zu wichtigen Nachrichtenfaktoren, die vor allem dazu beitragen, Komplexität zu reduzieren und für den Rezipienten das Informationsangebot übersichtlich gestalten. Damit ließe sich erklären, weshalb die Berichterstattung erst kurz vor der Abstimmung einen größeren Umfang annimmt.

Dieser offensichtliche Unterschied zwischen realistischer und konstruktivistischer Interpretation wird sich auch in der Auslegung der erhobenen Daten zeigen, die aber in einem ersten Schritt deskriptiv vorgestellt werden.

4.1 Deskriptive Übersicht der Ergebnisse

Nach der Methode von Kepplinger sind im Tages-Anzeiger 217 Wertungen, davon 78 explizite und 139 implizite, codiert worden. Ebenso wurden nach dem Verfahren von Weiss 177 Argumente untersucht. Für beide Variablen lässt sich eine extreme Schieflage zugunsten der UNO-Befürworter erkennen (Tabelle 3). 80,2% aller wertenden Aussagen beurteilen den möglichen UNO-Beitritt der Schweiz positiv. Explizite Urteile sind dabei zu 75,6% pro UNO, implizite gar zu 82,7%.

Auch das Verhältnis von Pro- und Contra-Argumenten fällt mit 80,8% zu 19,2% stark zugunsten der Befürworter aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3 : Wertende Aussagen und Argumente

Zeichnen bereits diese Zahlen ein klares Bild, ist es für die Beurteilung der Berichterstattung wichtig zu wissen, von wem die wertenden Aussagen und Argumente stammen. Tabelle 4 gibt darüber Aufschluss, dass die meisten Aussagen nicht von Journalisten selbst geäußert werden, sondern hauptsächlich Befürwortern und Gegnern zugeschrieben werden müssen. Lediglich 12,9% aller wertenden Aussagen und 10,7% aller Argumente stammen aus der Feder von Journalisten. Zudem finden sich solche direkte Stellungnahmen zum UNO-Beitritt zum größten Teil in den Kommentaren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Urheber von wertenden Aussagen und Argumenten

So sind 50% aller wertenden Aussagen und 57,9% aller Argumente von Journalisten in den vier Kommentaren der Stichprobe untergebracht. Der Rest verteilt sich auf die verbleibenden 38 Artikeleinheiten. Dort lassen Journalisten vorwiegend andere Akteure Argumente und Beurteilungen vorbringen. Allerdings finden dabei die UNO-Befürworter mit einem Anteil von rund 72% mehr Gehör als die UNO-Gegner (Tabelle 4). Möglich ist, dass sie stellvertretend die Meinung der Journalisten wiedergeben, da diese selbst kaum wertende Aussagen gegen die UNO machen und sogar kein einziges Argument gegen die UNO finden.

Diese Erkenntnis deckt sich mit anderen empirischen Befunden. Tschopp (1996: 9) kommt in ihrer Analyse über die EWR - Abstimmungsberichterstattung zum Schluss, ,,dass Medien Meinungsführung bevorzugt über Sekundärtext anstreben. (...) Das explizite argumentative Vertreten von politischen Standpunkten durch die Meinungspresse ist, so kann daraus geschlossen werden, einer redaktionellen Handlungsweise gewichen, die stellvertretend meinen lässt, um nicht in den Verruf des politischen Propagandisten zu geraten und dadurch an Glaubwürdigkeit einzubüssen."

Diese journalistische Handlungsweise lässt sich als instrumentelle Aktualisierung bezeichnen, mit der gewisse Stimmen in einem publizistischen Konflikt gestärkt werden können. ,,Eine instrumentelle Aktualisierung liegt vor, wenn eine (...) Gegebenheit, die objektiv in einem Zusammenhang mit dem zentralen Konflikt-Gegenstand steht oder subjektiv wahrgenommen wird (...) öffentlich in den Vordergrund gerückt wird." (Kepplinger 1989b: 205)

Besonders deutlich wird dieser Umstand auch bei der Betrachtung, welche Argumente Einlass in die Berichterstattung finden. Die in Tabelle 5 grau eingefärbten Contra-Argumente finden weit weniger Beachtung als die Pro-Argumente. Die beiden häufigsten genannten Gegenargumente rangieren hinter neun Argumenten der Befürworter; das Gros der Voten gegen einen UNO-Beitritt findet sich sogar am unteren Tabellenende.

Zwar lässt sich in der Berichterstattung ein breites Argumentationsspektrum finden, aber letztlich bewegt sich die Behandlung des UNO-Beitritts um zwei Kernargumente. ,,Zusammen mit der UNO globale Problem lösen" (14.1%) und ,,Die Neutralität der Schweiz wird durch den UNO-Beitritt nicht beeinträchtigt" (13.6%) sind die mit Abstand meist genannten Argumente. Ergänzt mit drei weiteren relativ häufig genannten Pro-Argumenten machen sie die Hälfte aller Argumente aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Argumente in der Berichterstattung

(N=177) Contra-Argumente sind grau unterlegt, Häufigkeiten auf eine Stelle gerundet

Nach dieser ersten deskriptiven Sichtung der Ergebnisse stellt sich die Frage, wie sich die Befunde interpretieren lassen. Erneut wird dabei auf das realistische und das konstruktivistische Paradigma zurückgegriffen.

4.2 Realistischer Kommentar

Die eingangs formulierte Hypothese, der UNO-Beitritt der Schweiz werde überwiegend positiv bewertet, lässt sich stützen. Diese Tendenz wirft die Frage auf, ob die deutlich UNO- freundliche Berichterstattung mit der Realität korreliert. Ein erster Blick auf die Stimmverteilung im National- und Ständerat würde dies bestätigen. Mit 184 : 42 Stimmen (bei 20 Enthaltungen) stimmte die Mehrheit der Parlamentarier für den UNO-Beitritt.

Dies entspricht einem Ja-Anteil von 74,8%. Mit einem Befürworter-Anteil von 71,9% (Wertungen) resp. 71,8% (Argumente) wären demnach in der Berichterstattung beide Seiten angemessen zu Wort gekommen.

Dieser erste Eindruck täuscht aber, denn genau so wie die Medien die politische Realität verzerren, werden wohl auch die Politiker die Gesellschaft nicht in den richtigen Proportionen vertreten. Dies verdeutlicht die erste Repräsentativ-Befragung zur Volksabstimmung über den UNO-Beitritt.4 Ihr zu Folge sind 48% der Stimmbürger für einen Beitritt, 35% dagegen und 17% unentschlossen (Longchamp 2001b). Die Gewichtung der Positionen müsste demnach im Tages-Anzeiger anders ausfallen, zumal der Anteil der Neinsager in der Deutschschweiz leicht über dem schweizerischen Mittel liegt.

Gleichzeitig setzt der Tages-Anzeiger bei den Argumenten eine andere Priorität als das Stimmvolk. Wie bereits gesehen, steht in der Berichterstattung vor allem das Argument im Vordergrund, die Schweiz könne in der UNO zur Lösung globaler Probleme beitragen sowie die Beteuerung, die Schweiz verliere mit dem Beitritt ihre Neutralität nicht.

Tatsächlich glaubt auch in der Bevölkerung nur eine Minderheit an den Verstoß gegen die Neutralität. Tabelle 6 zeigt aber, dass andere Argumente Priorität haben. Es wird eine teilweise starke Diskrepanz zwischen der Gewichtung von Argumenten in der Berichterstattung und in der Bevölkerung deutlich.

So ist das Mitbestimmungsrecht für die Bevölkerung das wichtigste Argument, im TagesAnzeiger rangiert es hingegen erst an achter Stelle. An zweiter Stelle in der Bevölkerungsagenda steht die Angst, in fremde Konflikte hineingezogen zu werden, im Tages-Anzeiger findet sich dieses Argument auf den hintersten Rängen.

Es wird deutlich, dass in der Medienberichterstattung der Angst, in fremde Konflikte hineingezogen zu werden, auf andere Weise Rechnung getragen wird: Sie wird mit der Betonung der Wahrung der Neutralität und der Beteuerung, dass keine Truppen gestellt werden müssen, entkräftet. Weiter ist interessant, dass das Stimmvolk den Kosten eines UNOBeitritts deutlich mehr Beachtung schenkt als die Medien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Argumente der Stimmbevölkerung

(Contra-Argumente sind grau unterlegt , Quelle: Longchamp 2001b)

Nebst den unterschiedlichen Stellenwerten einzelner Argumente wird vor allem noch eines klar: In der Bevölkerungsmeinung sind Pro- und Contra-Argumente viel gleichmäßiger verteilt als im Tages-Anzeiger.

Es fragt sich nun, welche Konsequenzen eine solche verzerrte Berichterstattung hat. Nimmt man an, dass sie Einfluss auf die Meinungsbildung und Stimmabsichten hat, ist der dargestellte UNO-Bias stark zu kritisieren. Es besteht nämlich die Gefahr, dass eine verzerrte Berichterstattung die selektiven Wahrnehmungs- und Beeinflussungsprozesse außer Kraft setzt und den von Noelle -Neumann (1980) beschriebenen Schweigespiraleneffekt erzeugt: Weil die faktische Mehrheitsmeinung über die UNO in den Medien konsonant und kumulativ als größer dargestellt wird, als sie tatsächlich ist, ,,unterlassen es Anhänger, die anderer Ansicht sind, sich aber als dissonant zur vermeintlichen Mehrheitsmeinung perzipieren, ihre eigene Meinung öffentlich kundzutun ..., so dass sich schließlich ein Umschwung in der Öffentlichen (sic!) Meinung anbahnen kann." (Bonfadelli 1999: 149)

Indizien für solche Wirkungen gibt es, wenn man die Meinungsbildung der Unschlüssigen im Zeitverlauf betrachtet. Waren im Oktober und Dezember 2001 noch 17% der Bürger unschlüssig, waren es im Januar noch 13% und im Februar nur noch 9% (Longchamp 2001a+b, 2002a+b). Die Meinungsbildung von Unentschlossenen scheint somit mit der Zunahme der Berichterstattung zu korrelieren. Bezeichnender ist aber, dass sich die Unentschiedenen vor allem dem Ja-Lager angeschlossen haben: Seit Dezember 2002 nahmen die Befürworter um 6% auf 54% zu, während die Gegner nur 2% zulegen konnten (Longchamp 2002b).

Daraus könnte geschlossen werden, dass der deutliche UNO-Bias Wirkung zeigt, auch wenn weitere Faktoren eine Rolle für diese Entwicklung spielen dürften.

Kritik: Eine solche Beurteilung der UNO-Berichterstattung lässt natürlich auch Zweifel zu. Es ist bereits diskutiert worden, woran sich Studien kritisieren lassen, die mit der Spiege- Metapher arbeiten. Auf einige Punkte soll noch einmal hingewiesen werden. Erstens gilt es zu hinterfragen, ob eine Inhaltsanalyse und eine Befragung verglichen werden können, wenn sie in ihrer Methodik nicht aufeinander abgestimmt worden sind. Zweitens ist es umstritten, ob Medien Realität abbilden statt eine strukturierende Funktion, wie es das konstruktivistische Paradigma aufzeigt, übernehmen sollen. Schließlich sind Journalisten keine Sozialwissenschaftler, die das Meinungsklima statistisch genau erfassen und wiedergeben vermögen. Drittens fördert die dargelegte Perspektive stark den Manipulationsverdacht gegenüber Journalisten. Ob sie tatsächlich als Meinungsmacher eine Schweigespirale in Gang setzen, ist aber nicht erwiesen. So ist die Wirkungsforschung vom Modell der direkten, monokausalen Kommunikationseffekte abgekommen. Auch die Grundannahme, Menschen würden aus Isolationsfurcht nicht zu ihrer Meinung stehen, bedarf weiterer Erklärung (vgl. Bonfadelli 1999: 150).

Der verwendete Erklärungsansatz weist aus diesen Gründen Gefahr auf, die einseitige Berichterstattung des Tages-Anzeigers als dysfunktional, sogar demokratiegefährdend zu begreifen. Dass sie auch umgekehrt beurteilt werden kann, soll anschließend aufgezeigt werden.

4.3 Konstruktivistischer Kommentar

Die konstruktivistische Perspektive fragt weniger nach der Repräsentativität der Berichterstattungstendenz als nach den Verarbeitungsregeln von Informationen. Bias ist nach dieser Auffassung ein strukturierendes Mittel, mit dem Medien Orientierung stiften. Im Vorfeld der UNO-Beitritts-Abstimmung übernehmen Journalisten eine solche ordnende Funktion, in dem sie die für das Plebiszit wichtigsten Aspekte aggregieren, hervorheben und diskutieren. Die Hypothese, dass dies zugunsten der Pro-Argumente geschieht, hat sich bestätigt. Erklären ließe sic h dieser UNO-Bias damit, dass im Zuge der Globalisierung Themen, welche die außenpolitische Öffnung der Schweiz betreffen (bewusst) überbetont werden.

Auf diese Weise würden Journalisten die Gesellschaft auf eine Entwicklung ,,vorbereiten" und für künftige Themen sensibilisieren. Der UNO-Beitritt wird somit nicht nur als Abstimmungsvorlage behandelt, sondern in einen größeren Kontext eingeordnet. Gestärkt wird diese Argumentation mit einem Blick auf die häufigsten angeführten Argumente (vgl. Tabelle 5). Betont werden globale Probleme, die es zu lösen gilt, die Neutralitätsfrage oder das Prestige der Schweiz. Hier geht es um grundlegende zukunftsweisende Fragen der Schweizer Außenpolitik.

Es lässt sich die Vermutung äußeren, dass die Medien einen Frame um die außenpolitische Öffnung der Schweiz aufbauen. Konstruiert wird gewissermaßen ein Bezugsrahmen, an dem sich Journalisten einerseits selbst orientieren können und der andererseits eine strukturierende Funktion für den Rezipienten hat. Solche Frames heben gewisse Aspekte der ,,Realität" hervor und vernachlässigen andere oder blenden sie sogar aus (Bonfadelli 1999: 122).

Dass sich dieser konstruierte ,,UNO-Frame" nicht mit demjenigen der Bevölkerung deckt (vgl. Tabelle 6), wird aus konstruktivistischer Perspektive nicht negativ beurteilt. Vielmehr gibt es nebst dem Informations-Journalismus, in dem Realität abgebildet wird, weitere Journalismus-Konzeptionen (vgl. Bonfadelli/Wyss 1998: 33). So kann der Beruf auch als interpretativer Journalismus verstanden werde n, in dem der Journalist die Rolle eines aufklärerischen Analytikers einnimmt und Orientierung stiftet. Eine solche ,,aufklärerische Funktion" haben die Journalisten des Tages-Anzeigers möglicherweise in der Neutralitäts- frage übernommen. Unter Beizug der Ergebnisse aus der Bevölkerungsbe-fragungen ließe sich sogar argumentieren, dass dieser Aufklärungsversuch auch moderate Wirkung gezeigt hat: Sahen im Oktober 2001 nur 40% der Stimmbürger den UNO-Beitritt als unvereinbar mit der Schweizer Neutralität an, waren es im Dezember noch 37% und im Februar 2002 noch ungefähr 35%. Auch die Angst, in fremde Konflikte hineingezogen zu werden, verringerte sich von 56% im Oktober 2001 auf rund 49% im Februar 2002 (Longchamp 2001a+b, 2002b).

Auch wenn andere Medien eine ähnliche Berichterstattung führen wie der Tages-Anzeiger, ist es aber schwierig abzuschätzen, ob diese Entwicklung direkt mit dem Informationsangebot zusammen hängt. Selbst wenn dies zu träfe, ließe sich bemängeln, dass die Ängste in der Bevölkerung vor fremden Konflikten trotz den aufklärerischen Bemühungen nach wie vor groß sind. Die Rolle der Aufklärer hätten die Medien demnach nicht genügend wahrnehmen können.

Ob er nun effektiv ist oder nicht, immerhin liefert der Aufklärungs-Anspruch von Journalisten einen möglichen Erklärungsansatz für die Konstruktion einer bestimmten Art der UNO- Berichterstattung. Dass die Journalisten dabei ihre persönlichen Einstellungen zur UNO mittels instrumenteller Aktualisierung einbringen, wird auch von der konstruktivistischen Perspektive nicht abgestritten. Nur wird dem weniger Bedeutung beigemessen, weil sich Werturteile ohnehin nicht vermeiden lassen. Dafür wird in erster Linie der Informationsstrukturierung Aufmerksamkeit geschenkt, die aus demokratietheoretischer Sicht notwendig und funktional ist.

Kritik: Die Beurteilung der UNO-Berichterstattung anhand des konstruktivistischen Paradigmas ist insofern problematisch, als dass sich für fast sämtliche Verzerrungen plausible Erklärungsansätze finden lassen, welche die Medienleistungen vorwiegend positiv bilanzieren. Damit wird es schwierig abzuwägen, ob die Darstellung der UNO-Abstimmung überhaupt Defizite aufweist und wie sie verbessert werden könnte. Es fragt sich viel mehr, was (verbindliche) Normen sein sollen bzw. an welchen Gesichtspunkten sich ein Journalist in der UNO-Berichterstattung orientieren soll. Mit Berechtigung kann gefragt werden, ob die Klärung der Neutralitätsfrage, die besondere Beachtung gefunden hat, tatsächlich zu den relevanten Aspekten gehört oder ob die Akzentuierung dieses Problems andere mögliche Wirklichkeitsentwürfe verdrängt. Zur Beantwortung dieser Frage fehlen Standards der journalistischen Profession. Eröffnet wird damit einmal mehr die Qualitätsdebatte in der Publizistikwissenschaft.

5. Diskus sion

Der Vergleich zwischen realistischer und konstruktivistischer Analyse der UNO- Berichterstattung zeigt, wie unterschiedlich Befunde interpretiert werden können. Je nachdem fällt die Beurteilung der Medienleistung als manipulativ und demokratiegefährdend oder als informationsstrukturierend und funktional für die Meinungsbildung aus.

Nebst der bisherigen Reflexion über die beiden Forschungstraditionen ist es für Bias-Studien aber auch wichtig, die Untersuchungsanlage kritisch zu würdigen. Aus der Diskussion ausgeklammert wurde bisher, auf welche Art die Daten dieser Studie zustande gekommen sind, d.h. auf welchen forschungsmethodischen Grundlagen die Interpretationen nach realistischer und konstruktivistischem Ansatz aufbauen. Ein kritischer Blick auf die verwendeten Variablen lohnt sich allemal. Deshalb soll abschließend hinterfragt werden, wie sinnvoll die Anwendung der gewählten Variablen ist, wo sie sich überschneiden oder allenfalls ergänzen können und wo die Grenzen ihrer Aussagekraft liegt.

Die Wahl der beiden verwendeten Variablen (wertende Aussagen/Argumente) ist nicht zufällig erfolgt. Ursprünglich hätte gezeigt werden sollen, dass die Variablen - ähnlich wie Spiegel-Metapher und Konstruktivismus - unterschiedliche, wenn auch nicht gegenläufige, Resultate zeitigen. Diese Annahme hat sich nicht bewahrheitet - im Gegenteil: Die Ergebnisse sind praktisch identisch. Das hat möglicherweise damit zu tun, dass Argumente und Wertungen nicht trennscharf auseinander zu halten, sondern vielmehr ineinander verwoben sind. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass mit beiden Variablen teilweise dieselben Ausprägungen codiert worden sind. Gerade unter den impliziten Wertungen, unter denen Kepplinger Begleiterscheinungen und Folgen eines diskutierten Sachverhalts versteht, sind wohl zu einem großen Teil Argumente.

Dennoch gibt es einige Unterschiede zwischen den beiden Variablen, die für das methodische Vorgehen entscheidend sind. So haben sich explizite und vor allem implizite Wertungen als sehr ,,weiche" Variablen herausgestellt, die mitunter schwer zu codieren sind und häufig einen großen Interpretationsspielraum zu lassen. Fraglich ist, ob die codierten Begleiterscheinungen und Folgen eines UNO-Beitritts tatsächlich Werturteile darstellen. Wenn solche impliziten ,,Wertungen" dann auch noch Journalisten zugeschrieben werden, führt dies in erster Linie zu einer Verzerrung der Bias-Studie und weniger zu einem nachweisbaren Bias von Journalisten. Diese Mängel beeinträchtigen Validität und Reliabilität der Resultate. Es ist deshalb von Vorteil, lediglich explizite Wertungen zu erfassen.

Weniger Probleme hat es bei der Codierung von Argumenten gegeben. Sie ließen sich mit Hilfe der Argumentliste relativ einfach identifizieren und dürfen deshalb als ,,harte" Variable angesehen werden. Sie lassen sich gut isolieren und bieten ein qualitativ breiteres und weniger diffuseres Bild als wertende Aussagen. Der Aussagekraft von Argumenten ist aber ebenfalls Grenzen gesetzt, wenn nicht die Intensität erfasst werden kann, mit der eine Aussage gemacht wird. Je nachdem, wie viel Nachdruck einer Botschaft verliehen wird, dürfte sie auch eine andere Wirkung beim Rezipienten erzeugen.

Weiter gilt es festzuhalten, dass sowohl bei Argumenten wie auch bei Wertungen lediglich positive oder negative Äußerungen codiert worden sind, die eigentlich in Relation mit den vermutlich zahlreicheren neutralen, deskriptiven Aussagen in Berichten gesetzt werden müssten. Wird dies unterlassen, entsteht viel schneller der Eindruck einer tendenziösen Berichterstattung.

Es zeigt sich also, dass Bias mit möglichst vielen Variablen erfasst werden kann und muss, wenn eine möglichst genaue Aussage gemacht werden will. Das Codieren von Argumenten und Bewertungen des UNO-Beitritts ist lediglich ein erster Ansatz, zu dem sich weitere Variablen wie die Intensität der Aussage, die Bewertung des Abstimmungskampfs, Befürworter oder Gegner und mehr gesellen müssen. Ein solch breiter Variablenkatalog trägt den vielen Dimensionen von Bias mehr Rechnung.

Trotz den Vorbehalten sind die erzielten Befunde durchaus verwendbar, nicht zuletzt, weil die Tendenz, die sie aufzeichnen, sehr eindeutig ist. Schwieriger als eine deskriptive Erfassung wird vielmehr die Beurteilung der Daten. Damit kommt wieder die Debatte zwischen realistischer und konstruktivistischer Perspektive ins Spiel. Sie hat hervor gebracht, dass beide Ansätze viel Raum für Interpretationen lassen. Es zeigt sich sogar eine gewisse Anfälligkeit für Spekulationen. Dies dürfte einer der wichtigsten Erkenntnisse dieses Beitrags sein. Im Hinblick auf weitere (Bias-) Studien ist es deshalb wichtig, das Bewusstsein der Forscher für ihre impliziten Annahmen zu stärken. In wissenschaftlichen Studien würde deshalb bereits eine Deklaration, mit welchen Ansprüche n an die Medienfunktionen ein Datensatz ausgewertet wird, viel Transparenz schaffen.

6. Literatur

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Bonfadelli, Heinz / Wyss, Vinzenz (1998): Kommunikator- / Journalismusforschung. In: Bonfadelli, Heinz / Hättenschwiler, Walter (Hg.): Einführung in die Publizistikwissenschaft. Vorlesungsskript. Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich, S.19-50.

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Donges, Patrick (1999): Medientheorien. Vorlesungsmaterialien. Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich.

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Hagen, Lutz M. (1992): Die opportunen Zeugen. Konstruktionsmechanismen von Bias in der Zeitungsberichterstattung über die Volkszählungen. In: Publizistik 37, Nr. 4, S. 444-460.

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Kepplinger, Hans Mathias (1989a): Künstliche Horizonte. Folgen, Darstellung und Akzeptanz von Technik in der Bundesrepublik. Frankfurt / New York.

Kepplinger, Hans Mathias (1989b): Instrumentelle Aktualisierung. Grundlagen einer Theorie publizistischer Konflikte. In: Kaase, Max / Schulz, Winfried (Hg.): Massenkommunikation. Opladen, S. 199-220.

Kepplinger, Hans Mathias (1991): Aufklärung oder Irreführung? Die Darstellung von Technikfolgen in der Presse 1965-1986. In: Krüger, Jens / Russ-Mohl, Stephan (Hg.): Risikokommunikation: Technikakzeptanz, Medien und Kommunikationsrisiken. Berlin. S. 109-143.

Longchamp, Claude (2001a): Leichte Verunsicherung für die Ja-Seite. Kurzfassung des Berichts zur Studie ,,Der UNO-Beitritt der Schweiz aus der Sicht der Stimmberechtigten, Oktober 2001" In: http://www.polittrends.ch/abstimmungen/naechste-abstimmungen/ meinungsbildung/uno (3.12.2001)

Longchamp, Claude (2001b): Ausgang noch offen. Bericht zur Repräsentativ-Befragung für SF DRS zur Volksabstimmung über den UNO-Beitritt der Schweiz. In: http://www.polittrends.ch/abstimmungen/naechste-abstimmungen/meinungsbildung/uno (26.12.2001)

Longchamp, Claude (2002a): Befürwortung bei 50 Prozent Bericht zur zweiten RepräsentativBefragung für SF DRS zur Volksabstimmung über den UNO-Beitritt der Schweiz. In: http://www.polittrends.ch/abstimmungen/naechste-abstimmungen/meinungsbildung/uno (9.2.2002)

Longchamp, Claude (2002b): Ausgang noch offen. Bericht zur drittenRepräsentativ- Befragung für SF DRS zur Volksabstimmung über den UNO-Beitritt der Schweiz. In: http://www.polittrends.ch/abstimmungen/naechste-abstimmungen/meinungsbildung/ (20.2.2002)

Noelle-Neumann, Elisabeth (1980): Die Schweigespirale : öffentliche Meinung, unsere soziale Haut. München

Ruhrmann, Georg (1991): Analyse von Technik- und Risiko-Berichterstattung - Defizite und Forschungsperspektiven. Kommentar zu Kepplinger. In: Krüger, Jens / Russ-Mohl, Stephan (Hg.): Risikokommunikation: Technikakzeptanz, Medien und Kommunikationsrisiken. Berlin. S. 145-174.

Schulz, Winfried (1989): Massenmedien und Realität. Die ,,ptolemäische" und die ,,kopernikanische" Auffassung. In: Kaase, Max / Schulz, Winfried (Hg.): Massenkommunikation. Opladen, S. 135-149.

Tschopp, Cosima (1996): Politisches Argumentieren in Tageszeitungen. In: Medienwissenschaft Schweiz, Nr. 1, S. 8-10.

Weischenberg, Siegfried (1992): Der blinde Fleck des Kritikers. Zu den ,Wahrheiten' einer Konstruktivismus-Rezeption. In: Communicatio Socialis 25, Nr.2, S. 168-176.

Weiss, Hans-Jürgen (1985): Die Tendenz der Berichterstattung und Kommentierung der Tagespresse zur Neuordnung des Rundfunkwesens in der Bundesrepublik Deutschland. In: Media Perspektiven, Nr. 12, S. 845-866.

Weiss, Hans-Jürgen (1989): Öffentliche Streitfragen und massenmediale Argumentationsstrukturen. Ein Ansatz zur Analyse der inhaltlichen Dimension im Agenda- Setting-Prozess. In: Kaase, Max / Schulz, Winfried (Hg.): Massenkommunikation. Opladen, S. 473-489.

7. Anhang

Tabelle 7: Argumentliste

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Damit soll keinem der nachfolgenden Autoren unterstellt werden, Verfechter des einen oder anderen Paradigmas zu sein. Es wird lediglich versucht, die Positionen der Autoren anhand ihrer Annahmen - seien sie nun explizit oder implizit geäußert - zu fassen.

2 Abgabetermin der vorliegenden Arbeit war der 28. Februar 2002. Bis zu diesem Zeitpunkt war es nicht möglich, die im Januar und Februar 2002 erschienenen Artikel zu codieren, auszuwerten und im Beitrag zu verarbeiten.

3 Beim Zusammentragen des Untersuchungsmaterials wurde aus forschungsökonomischen

Gründen für die Monate Januar bis September das TA Online-Archiv herbeigezogen, während für die Monate Oktober bis Dezember auf die Papierausgabe zurückgegriffen werden konnte. Nach Angabe des Verlags sind im Online-Archiv sämtliche Artikel der gedruckten Ausgabe des Tages-Anzeigers archiviert. Ein Vergleich zwischen der Papierausgabe und dem Online- Archiv für die Monate Oktober bis Dezember bestätigt dies. Das Sample ist somit mit höchster Wahrscheinlichkeit vollständig. In Anbetracht des Umfangs dieser Untersuchung ist eine solche Erhebung legitim.

4 Sie wurde Mitte Dezember 2001 durchgeführt und wird zusammen mit einer Befragung im Oktober als Vergleich beigezogen. Die zweite und dritte Welle der Repräsentativ-Befragung werden weniger stark berücksichtigt, da sie sich nicht mit dem Zeitraum der Inhaltsanalyse decken. Sie sind erst nach der Eröffnung des Abstimmungskampfes (Januar und Februar 2002) durchgeführt worden.

23 von 23 Seiten

Details

Titel
Ausgewogene Berichterstattung über den Schweizer UNO-Beitritt? Eine methodische Diskussion
Hochschule
Universität Zürich
Veranstaltung
Seminar: Quantitative und qualitative Ansätze Analyse von Medienprodukten (Prof. Bonfadelli)
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V106514
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Analyse der Berichterstattung des Züricher Tages-Anzeigers über die Abstimmung zum UNO-Beitritt der Schweiz (3.März 2002). Beurteilung der Medienleistung unter konstruktivistischer und realistischer Perspektive.
Schlagworte
Ausgewogene, Berichterstattung, Schweizer, UNO-Beitritt, Eine, Diskussion, Seminar, Quantitative, Ansätze, Analyse, Medienprodukten, Bonfadelli)
Arbeit zitieren
Michel Wenzler (Autor), 2002, Ausgewogene Berichterstattung über den Schweizer UNO-Beitritt? Eine methodische Diskussion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106514

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