Politische Diskussionsforen im Internet


Seminararbeit, 2002

24 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Internet - neue Chance für die politische Kommunikation?

2. Politische Primärfunktionen und Internet
2.1 Internet und die Informationsfunktion
2.1.1 Nachrichtenselektion im Internet
2.1.2 Der Bürger als Nachrichtenproduzent
2.2 Internet und die Ö ffentlichkeitsfunktion
2.2.1 Transparenzfunktion und Internet
2.2.2 Validierungsfunktion und Internet
2.2.3 Internet und die Orientierungsfunktion
2.2.4 Öffentlichkeitsebenen und Rollendifferenzierungen im Internet
2.3. Zwischenbilanz: Informationsfunktion und Publizit ä t durch Internet?

3. Diskussionsforen im Vorfeld der Schweizer UNO-Beitritts-Abstimmung

4. Untersuchungsdesign für eine Inhaltsanalyse von Diskussionsforen
4.1 Diskussionsforen und Informationsfunktion / Transparenzfunktion
4.2 Diskussionsforen und Validierungsfunktion
4.3 Diskussionsforen und Orientierungsfunktion

5. Literatur

1. Internet - neue Chance für die politische Kommunikation?

Die Expansion des Internets regt Bürger wie Politiker zu Hoffnungen, Befürchtungen und Spekulationen über die Auswirkungen auf die politische Kommunikation an. Während einige die Digitalisierung der Demokratie zur Cyberdemocracy bejubeln, trauern andere der Öffentlichkeit nach, deren Zerfall im Internet beschleunigt werde. Wird das neue Medium das bestehende repräsentative System, dessen Effizienz und Kommunkationsfluss verbessern, wird es die Informationsbeschaffung erleichtern, die Partizipation, den Meinungs- und Willensbildungsprozess fördern, gar die antike Agora wiederbeleben? Oder stellt das Netz als neue Variante von Totalitarismus eine Gefahr dar für die Demokratie, führt es zu gesellschaftlicher Desintegration, medialen Zweiklassen-Gesellschaften und zur Privatisierung von Öffentlichkeit? (vgl. z.B. Gellner/von Korff 1998: 7ff.)

Die technische Innovation hat sich bisher vor allem in politikfremden Bereichen wie im Unterhaltungssektor, E-Commerce u.ä. durchgesetzt. Die elektronische Demokratie bzw. E-Governance lässt weiter auf sich warten. Noch wenig ausgebaut sind die Anwendungsbereiche im Bereich der Politik und der politischen Kommunikation. Dabei könnte das Internet die politische Öffentlichkeit und die Diskussion sowie die Zahl der Diskussionsteilnehmer erweitern.

Die Schweizer Regierung bereitet sich auf E-voting vor: der elektronische Urnengang wurde bereits in Testphasen durchgeführt. Sollte das Internet in Zukunft für Abstimmungen eingesetzt werden, dürfen flankierende Massnahmen zur Mobilisierung von Stimmbürgern im Internet (z.B. spezielle Informationsangebote) erwartet werden.

Mit einer diesen Massnahmen, politischen Diskussionsforen, wird sich die vorliegende Arbeit befassen. Gefragt wird, wie sich der politische Diskurs im Netz gestaltet bzw. welche Argumentationslinien er aufweist sowie welche Gesichtspunkte und Perspektiven besonders Einlass in die Diskussion finden. Im Mittelpunkt steht also die Frage, inwiefern das Internet zu einem rationalen politischen Diskurs etwas beisteuern kann.

Dabei wird in einem ersten Schritt das politische Potenzial des Internets und von Diskussionsforen diskutiert (Kapitel 2). Danach wird ein Überblick über Diskussionsforen gegeben, die im Hinblick zur UNO-Beitritts-Abstimmung der Schweiz eingerichtet worden sind (Kapitel 3). Schliesslich wird aus den gewonnenen Erkenntnissen ein Vorschlag unterbreitet, auf welche Merkmale Diskussionsforen untersucht werden müssen, um brauchbare Aussagen über ihr Potenzial für die politische Kommunikation zu erhalten (Kapitel 4).

2. Politische Primärfunktionen und Internet

Im Hinblick auf traditionelle Kommunikationsstrukturen, die vor allem durch die Massenmedien geprägt sind, ergeben sich im Netz einschneidende Änderungen. So werden die politischen Primärfunktionen der Massenmedien, wie sie von Schulz (1997) formuliert worden sind, revolutioniert: Die Informationsfunktion und die Ö ffentlichkeitsfunktion werden gleichsam umgeschichtet, erweitert und verkürzt. Auf diese Umwälzungen der Medienlogik soll nachfolgend eingegangen werden, in dem das Potenzial des Internets für die Informations- und Öffentlichkeitsfunktion dargelegt und v.a. im Hinblick auf elektronische Diskussionsforen diskutiert.

2.1 Internet und die Informationsfunktion

Das Internet zeigt für die Informationsfunktion von Medien neue Wege auf. Die Informationsaufgabe war bisher Primat der Messenmedien und insofern zentral, weil der grösste Teil der Bevölkerung den meisten Ereignissen nicht selbst beiwohnen kann, sondern auf mediale Sekundärereignisse zurückgreifen muss. Als “Weltbildapparate der Gesellschaft” (Schulz 1997: 49) versorgen die Medien den Bürger mit den notwendigen Informationen. Die Beobachtung der politischen Öffentlichkeit über die Massenmedien ist nicht nur für den Bürger das rationalste Mittel zur Informationsbeschaffung, sondern auch für Politiker. Diese informieren sie sich einerseits über Anliegen, Themen und Präferenzen der Bürger oder die Ansichten ihrer Konkurrenten. Andererseits versuchen sie mit ihren Angeboten an Programmen und Entscheidungen Wähler zu erreichen, um Regierungspositionen besetzen zu können (Gerhards 1994: 95ff.).

Damit diese Funktionen erbracht werden können, sind Gesellschaft und politisches System auf eine gut funktionierende Informationsleistung angewiesen. Es hat sich aber bereits verschiedentlich gezeigt, dass politische Kommunikation nicht störungsfrei verläuft und auch nicht immer demokratischen Normen Rechnung trägt.

Die Gründe dafür liegen vor allem in den Dysfunktionen der Nachrichtenproduktion und - selektion des journalistischen Systems. In diesen Bereichen verändert das Internet die Kommunikation einschneidend.

2.1.1 Nachrichtenselektion im Internet

Im Internet verändern sich die Selektionsleistungen erheblich: Das Netz bietet die Möglichkeit, politische Information ohne Gatekeeping, d.h. ohne journalistische Selektion und Verarbeitung, zu verbreiten. Das scheint vor allem für jene Gruppierungen attraktiv zu sein, die in den Massenmedien wenig Chancen haben, Publizität zu finden, z.B. weil sie nicht den anerkannten Parteien angehören oder sich für unpopuläre Interessen einsetzen. Mikroskopischen Gruppierungen begegnet man häufig ausschliesslich auf dem Internet (Geser 1998). “Jeder Empfänger ein potentieller Sender” postulierte Brecht (zit. nach Pürer 1998: 164) in seiner Radiotheorie. Was bei der Einführung des Radio scheiterte, könnte nun im Internet verwirklicht werden.

Attraktiv ist diese direkte Kommunikationsmöglichkeit aber auch für etablierte Parteien, sowie für Parlament, Regierung und Verwaltung, da sie ihre Informationen unkommentiert und damit unverzerrt von journalistischer Aufbereitung verbreiten können. (Longchamp 1999: 19) Theoretisch kann also jeder den selektionierenden Journalismus umschiffen, indem er selbst seine Informationen ins Netz stellt und seine Anliegen publiziert. Bürgern wird es erleichtert, ihre Ansichten publik zu machen. Sie sind somit nicht mehr vom Wohlwollen von Tageszeitungen abhängig, die Leserbriefe veröffentlichen. Es gibt keine selektionierende Instanz mehr, welche die Leserbriefe redigiert, kürzt oder überhaupt nicht erst veröffentlicht.

Gatekeeper und Meinungsführer - und damit die intermediären Instanzen - verlieren dadurch tendenziell an Bedeutung (Leggewie 1998: 19). Während bei den traditionellen Medien erst gefiltert und dann publiziert wird, ist beim Internet eine Umkehr erkennbar: Erst wird publiziert, dann vom Rezipienten gefiltert. Durch den Abschied von homogenisierendem Broadcasting und der informationellen Unterversorgung der Gesellschaft (Geser 1998) könnten die häufig negativ konnotierten Selektionsleistungen des Mediensystems entfallen. Der Rezipient hat nun die Möglichkeit, ohne grossen Aufwand direkt auf Originaldokumente zurückzugreifen, mit denen er durch die traditionellen Medien nie konfrontiert werden würde. Dies ist eine bedeutende Verbesserung zur Beschaffung politischer Informationen ohne grossen Kosten- und Zeitaufwand (Jarren 1997: 31; Marschall 1999: 117; Rössler 1998: 205).

Aus technischer Sicht liesse sich erwarten, dass Online-Medien geeignet wären, ähnlich wie das Fernsehen politikferne Personengruppen mit politischen Informationen zu konfrontieren (Hagen / Kamps 1999: 209) Allerdings besteht die Gefahr, dass durch diese technische Möglichkeiten symbolische Politik einen Bedeutungszuwachs erfahren könnte. Und ob eine stärkere Information der Bürger zu einer aktiven Diskussion in Foren bewegen kann, ist unsicher. Ein Mehr an Informationen führt aber nicht zwangläufig zu einem Anstieg an Wissen (Jarren 1997: 28) und nicht unbedingt zu mehr Partizipationsbereitschaft. Und ob es den politischen Akteuren besser gelingt, im “Informationsdschungel Internet” mehr Aufmerksamkeit zu erzielen als über herkömmliche Medien, ist fraglich (Meckel 1999: 234) Trotz der Beseitigung der Publikationshürden wird es für den Bürger tendenziell schwieriger, Aufmerksamkeit für seine geäusserte Meinung zu generieren. Bei der Veröffentlichung von Leserbriefen hingegen können die Bürger immerhin von der Reichweite und der Reputation der Zeitung profitieren.

Hier lässt sich erkennen, dass die Selektionsleistungen der Massenmedien durchaus Sinn machen: Sie sind ein institutionalisierter und professionalisierter Begutachtungsprozess, schaffen Orientierung und verleihen mit ihrer Gewichtung gesellschaftlich bedeutungsvollen Ereignissen Relevanz (Marschall 1997: 317; Rössler 1998: 218; Scherer 1998: 182).

Im Internet hingegen nimmt die Selektivität der Informationsangebote zu und die Orientierungsfunktion geht - trotz allen Bemühungen mittels Software-Agenten, dem Rezipienten zur richtigen Zeit die richtigen Informationen zuzuschicken und das Internet zu einem Push-Medium zu entwickeln (Van de Velde 1998: 424) - unter.

2.1.2 Der Bürger als Nachrichtenproduzent

Neue Medien bringen ihre eigenen Strukturen mit sich, die Einfluss auf die Ausgestaltung der Kommunikation ausüben (Marschall 1999: 115). Dadurch verändert die Nachrichten- bzw. Informationsproduktion, da einige Zwänge der bisherigen Produktionsverhältnisse wegfallen, durch andere ersetzt werden oder sich ändern. Die wesentlichen Elemente sind Aufhebung der Platzbeschränkung, permanente Aktualität, Multimedialität, Hypertextualität und Interaktivität sowie die Veränderung der Informationssuche bzw. Recherche.

Aufhebung der Platzbeschr ä nkung: Online-Angebote unterscheiden sich von der Print- oder AV-Produktion, weil es prinzipiell keine Platz- oder Zeitbeschränkungen mehr gibt. Dies ermöglicht Raum für zahllose Hintergrundinformationen und gibt dem politisch aktiven Bürger im Netz die Chance, dass - im Gegensatz etwa zu einem Leserbriefabdruck in einer Zeitung - sein Meinung ungekürzt bzw. nicht redigiert publik gemacht wird.

Zeit und Aktualit ä t: Zeitliche Aspekte treten in den Hintergrund. Es bietet sich die permanente Aktualisierung an und damit die Durchbrechung des Prinzips der Periodizität: Texte können sofort ins Netz gestellt werden oder kurzfristig aktualisiert, bereits zurückliegende Informationen hervorgeholt werden. Zeit spielt lediglich noch für die Lebensdauer von Informationen im Netz eine Rolle: Die “Halbwertszeit” ist extrem kurz, angeblich sollen ein Achtel aller Informationen im Netz innerhalb eines Jahres überholt oder nicht mehr existent sein (Zipfel: 1998: 23).

Gerade elektronische Diskussionsforen dürften von der zeitlosen Dimension und der Möglichkeit der permanenten Aktualität profitieren. Ebenso dürften sie zu jenen Angeboten im Netz gehören, die - beispielsweise nach einer Abstimmung - aus dem WWW verschwinden.

Multimedialit ä t: Das Neue Medium ist multimedial, d.h. es integriert infolge der Digitalisierung schriftliche, auditive, visuell-dynamische, fotografische und grafische Elemente miteinander (Wilke 1998: 185). Es handelt sich um Angebote, ”die auf unterschiedliche Speicher und Präsentationstechnologien verteilt sind (multimodale Angebote) … [und] die unterschiedliche Zeichensysteme aufweisen, also unterschiedlich codiert sind (multicodale Angebote).” (Mandl / Reinmann-Rothmeier 1998: 390) Dies hat zur Folge, dass User auch in verschiedenen Modalitäten denken müssen. Sie haben zum Beispiel die Möglichkeit, in Diskussionsforen zur Untermauerung ihrer Argumente Dokumente mit Hintergrundinformationen oder Tonträger mit Interviews u.ä. herauf- oder bei der Rezeption anderer Beiträge herunterzuladen.

Hypertextualit ä t: Zwar ist aus textlinguistischer Sicht jeder Text im gewissen Sinn Hypertext, da er auf frühere Texte verweist und ohne aussertextlichen Kontext nicht interpretierbar ist, aber im Internet ist diese Struktur besonders ausgeprägt: Der Delinarisierungsprozess, die Abkehr von einer vorgegebenen Rezeptionsabfolge ist die logische Fortsetzung und Weiterentwicklung der Presse (Bucher 1999: 10f). Durch Hypertext werden verschiedene Textsequenzen verknüpft, die den Zugang zu weiteren Dokumenten öffnen. Gerade dieser Aspekt ermöglicht den Dialog in Diskussionsforen.

Interaktivit ä t: Interaktivität ermöglicht den User, aktiv ins Geschehen eingreifen und per E-Mail, in Diskussionsforen, Chat- oder Newsgroups mitdiskutieren zu können. Er stellt damit andere Kommunikatoren unter ständige Beobachtung und kann Einfluss auf die Nachrichtenproduktion nehmen

Informationssuche/Recherche: Das Internet bietet ungeahnte Möglichkeiten für die Informationssuche. Dies bietet Vor- und Nachteile: Einerseits kann bequem auf eine grosse - z.T. sehr aktuelle - Informationsfülle zurückgegriffen werden, ungewöhnliche Quellen für spezielle Themenbereiche können dem Bürger erschlossen werden (z.B. Kontaktaufnahme mit Politikern, Journalisten oder Experten) und die Suche lässt sich schnell und systematisch gestalten. Andererseits wird durch die Informationsmenge und die fehlende Ordnung für die Netzrecherche viel Zeit benötigt, was eine Informationssuche verhindern könnte. Zudem sind die Quellen nicht immer zuverlässig bzw. glaubwürdig, weil das Internet auch als Instrument der Desinformation eingesetzt werden kann oder einfach die Qualität mangelhaft ist. So wimmelt es im Netz von halb- und nichtprofessionellen Anbietern. (Wilke 1998: 180ff; Zipfel 1998: 43)

2.2 Internet und die Öffentlichkeitsfunktion

Aufgrund des Potenzials des Internet, als Sprachohr für Gruppen zu dienen, die sonst den Zugang zur medialen Öffentlichkeit nicht finden würden, sehen viele Optimisten im Netz ein Instrument der Gegenöffentlichkeit oder ein “zentrifugal-ausserinstitutionelles Korrektiv” (Geser 1998).

Dass das Internet gleich eine neue Öffentlichkeit konstituiert, ist zweifelhaft, denn alte und neue Formen der Öffentlichkeit sind miteinander verschmolzen (vgl. dazu Marschall 1999: 121). Diesen Punkte gilt es sich vor Augen zu halten, will man das Internet nicht als unabhängige Variable begreifen und von der Entwicklung der traditionellen Medien unberührt bzw. isoliert betrachten.

Ob und inwiefern das Internet - insbesondere elektronische Diskussionsforen - die mediale Öffentlichkeit verändern kann, gilt es nun mit Hilfe des Phasenmodells von Neidhardt (1994) zu prüfen. Hier wird unterschieden zwischen Input, dem Prozess, in dem Themen und Meinungen gesammelt werden, Throughput, in dem die Themen verarbeitet werden und Output, in dem die verarbeiteten Themen weitergegeben werden. Jenen Phasen können verschiedene Funktionen zugeschrieben werden: Die Transparenzfunktion, welche Offenheit für Akteure, Themen und Beiträge garantieren soll, die Validierungsfunktion, welche eine rationale und diskursive Auseinandersetzung mit Themen impliziert, sowie die Orientierungsfunktion, welche die verschiedenen Meinungen aggregiert bzw. in einen Konsens überführt und als öffentliche Meinung bereitstellt.

Im Hinblick auf die Öffentlichkeitsfunktion des Internets gilt es zudem noch die drei Ebenen von Öffentlichkeit zu thematisieren. Es können drei Ebenen von Öffentlichkeit, die durch die Zahl ihrer Kommunikationsteilnehmer und ihren Grad der strukturellen Verankerung gekennzeichnet sind, voneinander abgegrenzt werden (Gerhards / Neidhardt 1993: 63ff): Encounters (zufällige und instabile Interaktionssysteme), ö ffentliche Veranstaltungen (Themenöffentlichkeit) und Massenmedienkommunikation (Medienöffentlichkeit).

2.2.1 Transparenzfunktion und Internet

Wie bereits im Kapitel über die Nachrichtenselektion dargelegt wurde, ist der Zugang zu Öffentlichkeit für verschiedene Akteure erleichtert worden.

Der Input-Bereich wird dadurch stark ausgebaut (Marschall 1997: 311f.). Bürger und politische Akteure haben dadurch die Möglichkeit, die Grundlagen der Berichterstattung der Massenmedien stärker zu kontrollieren, in dem sie selbst auf Quellen zurückgreifen. (Longchamp 1999: 19) Das Internet fördert also die Transparenz des Mediensystems. Ob es aber auch etwas zur Transparenz des politischen Systems beiträgt, ist unsicher: Fraglich ist, weshalb politische Gruppierungen im Netz mehr Transparenz gewähren sollten als ausserhalb des Netzes (Meckel 1999: 239). Denn das blosse Bereitstellen von Informationen darf nicht mit Transparenz verwechselt werden (Zipfel 1998: 43).

Ob sich also die Informationsgrundlage für kompetente Diskussionen in elektronischen Foren wesentlich gebessert hat, ist anzuzweifeln.

Aber selbst wenn es dem Internet gelingt, Transparenz herzustellen, ist die Transparenz funktion von Öffentlichkeit noch nicht erfüllt. Noch behindern zahlreiche Zugangsbarrieren eine für jeden gleichermassen offene Netzkommunikation. Sie sind vorwiegend sozialer Natur, und auch wenn das Internet primär ein technisches, nicht aber ein soziales Medium ist (Meckel 1999: 241), dürfen die technischen Aspekte nicht dominieren. So kann bemängelt werden, dass in der Diskussion um das Internet zu häufig nur technische und nicht auch soziale Aspekte thematisiert werden (vgl. Donges 2000) Allerdings darf davon ausgegangen werden, dass einige der sozialen Unterschiede am Verschwinden sind. Gerade das Alter dürfte für die Netznutzung künftig eine untergeordnete Rolle spielen. Auch werden Online-Medien durch zunehmende Verbreitung und Vertrautheit immer stärker in den Alltag eingebunden. Das Netz verschiebt sich immer mehr vom elitären Kommunikations- und Informationsinstrument zum Medium breiterer Bevölkerungsschichten.

Für die Transparenzfunktion von Öffentlichkeit kann das Internet inzwischen also schon einiges leisten und zur Demokratisierung kann das Internet beitragen, wenn es Akteuren Zugang zum Politikprozess ermöglicht, die bislang davon ausgeschlossen bleiben. (Scherer 1998: 176) Einige soziale Variablen werden aber auch in Zukunft ausschlaggebend sein. Computerliteracy wird für die Handhabung elektronischer Diskussionsforen weiterhin entscheidend sein. Und das Problem das Vorwissens, damit überhaupt eine Diskussion geführt werden kann, löst eine technische Innovation allein nicht. Sie kann den Bürger nicht dazu bewegen, sich für Politik zu interessieren, sich zu informieren und mitzureden. Abschliessend gilt es die Frage festzuhalten, ob elektronische Foren Lücken in der politischen Partizipation schliessen vermögen, in dem sie einer breiten Schicht die Möglichkeit geben, mitzureden. Wenn z.B. Bürgern, die sich bereit latent für Politik interessieren, die Chance zur Partizipation gegeben wird, kann dies ihr Interesse an Politik unter Umständen dermassen steigern, dass sie eine manifeste Politikaffinität entwickeln. Auf diese Weise könnten sogar neue Eliten für das politische System rekrutiert werden. Andererseits gilt es zu bemängeln, dass E-Foren damit aber auch lediglich neue Eliten schaffen bzw. die alte Elite stärkt. Denn vordergründig würde die Wissenskluft bezüglich Politik zwischen den neuen und den alten Eliten auf der einen Seite und jenen, die Kommunikationsforen überhaupt nicht nutzen auf der anderen Seite, vertieft.

2.2.2 Validierungsfunktion und Internet

In der bisherigen Debatte wird das Internet wenig unter normativen Aspekten betrachtet, da diese hohe Messlatte in empirischer Sicht nur sehr schwer zu erfüllen ist (Donges/Jarren 1999: 89). Ob es aber sinnvoll ist, diese Perspektive zu vernachlässigen ist fraglich, da beim Internet gerade in der Validierungsfunktion von Öffentlichkeit ein hohes normatives Potenzial auszumachen ist. Vielleicht ist es Übertrieben, von der Wiederbelebung der literarischen Öffentlichkeit zu sprechen, der Habermas (1990) ein hohe rationale Kompetenz zuschreibt. Trotzdem lässt sich feshalten, dass die neue Technik - denkt man an Chatrooms oder Diskussionsforen - einen diskursiven Umgang mit Themen und eine rationale Debatte ermöglicht. Aufgrund der wechselseitigen und anonymen Kommunikationsstruktur mit Feedback- bzw. Rückkoppelungsmöglichkeiten ist der rationalitätsgeleitete Diskurs verglichen mit der Einseitigkeit der herkömmlichen Massenkommunikation sehr hoch, auch wenn die Dominanz massenmedialer Angebote die dialogischen Anwendungen kaum ausnutzt und die wechselseitige Kommunikation einschränkt (Marschall 1998: 48f.). So werden nonverbale Störeinflüsse wie Gestik, Mimik oder Charisma ausgefiltert, kürzer und länger zurückgebliebene Voten sind gleichermassen präsent und können unbegrenzt ins Netz eingespeist werden, Zeitdruck und soziale Beeinflussungen treten in den Hintergrund. Es ist einfacher, eine themenzentrierte Kommunikation herauszuarbeiten (Jarren 1997: 34) und selbst die Anonymität könnte sich für die politische Kommunikation als Vorteil erweisen: Direkte Konfrontationen schrecken viele Bürger von Beteiligung ab, die keineswegs sprachlos wären. Diese Blockaden könnte das Internet lockern, den Bürger aktivieren (von Alemann/Strünck 1999: 36) und dadurch die Teilnahme am politischen Willenbildungs- und Entscheidungsprozess erhöhen (Donges/Jarren 1999: 86; Leggewie 1998: 106; Jarren 1997: 34)

Wegweisend für den rationalen Diskurs im Internet ist Interaktivit ä t. Dabei ist festzuhalten, dass Interaktionen nicht technisch induziert, sondern sozial motiviert sind und auf Sinnerfüllung abzielen (Jarren 1997: 32) Interaktivität im eigentlichen Sinn findet im Internet somit nicht - oder nur sehr selten - statt (Meckel 1999: 238) Gerade E-Foren dürften aber diesen Kriterien für Interaktivität genügen. Meist wird Interaktivität aber auf Publikumsaktivität reduziert (Zipfel 1998:28) Und Aktivität ist lediglich der erste Schritt zur Interaktivität und noch lange nicht politisches Engagement (Donges/Jarren 1999: 90). Betrachtet man nun die Aktivität der Online-Nutzer bezüglich der politischen Kommunikation, so ist es eher unwahrscheinlich, dass die Rezipienten ständig auf der Suche nach den besten Informationen sind. So verwenden in der Schweiz zur Zeit nur 4% der Teilnehmer an Volksabstimmungen das Internet zur Meinungsbildung (Longchamp 1999: 9). Wenn aber schon die aktive Informationssuche für den Bürger zuviel ist, wie sieht es dann mit der Partizipation aus? In dieser Hinsicht gibt es wenig optimistische Stimmen (z.B. Slaton 1998). “Eine apathische Bürgerschaft wird das Internet genauso kalt lassen wie alle anderen suboptimal genutzen (sic!) Beteiligungschancen.” (Leggewie 1998: 34)

Nutzen aus den neuen Parizipationsmöglichkeiten werden wohl nur Lobby-Gruppen und Public-Interest-Groups ziehen (Leggewie 1998: 29, 36; Scherer 1998: 180). So ist zu erwarten, dass politische Debatten via Internet im Rahmen spezifischer Binnenkommunikation zur Selbstverständigung von Gruppen stattfinden wird (Donges/Jarren 1999: 105; Jarren 1997: 34; Longchamp 1999: 6). Die Chance besteht zudem vereinzelt, dass sich neue politische Organisationen herausbilden können, indem Kontakte mit Gleichgesinnten aufgenommen wird (Longchamp 1999: 18; Marschall 1997: 316). Solch virtuelle Gemeinschaften sind aber fragil, da ihnen meist ein gemeinsamer biographischer oder sozialer Zusammenhang fehlt. Die technische Verknüpfung zwischen Teilöffentlichkeiten reicht nicht, wenn Interessen organisiert und durchgesetzt werden sollen (Jarren 1997: 34).

Der Grossteil der Bürger wird sich also auch durch das Internet nicht stärker politisch beteiligen. Gerade aus dieser Passivität könnte aber der rationale Diskurs im Netz Nutzen ziehen: Eine direkte Partizipation über das Internet hätte zur Folge, dass politische Entscheidungsprozesse noch ineffizienter würden (Zipfel 1998: 48). Könnte jeder “durchs virtuelle Forum spazierende Ignorant” (Weiss 1998: 41) die hochspezialisierten Fachdiskussionen stören, würde sich das kaum positiv auf die Qualität der Diskussion auswirken. Eine gewisse Abschottung macht also durchaus Sinn für gewissen Entscheidungsprozesse. Andererseits wäre aber eine breite Bürgerbeteiligung an E-Foren im Vorfeld von Abstimmungen wünschenswert, geht es hier doch nicht um eine beratende, policy-mitbestimmende Funktion, sondern politische Information und Meinungsbildung, die zu einer kompetenten Stimmabgabe führen sollten.

Positiv für die Validierungsfunktion von Öffentlichkeit wirkt sich also vor allem das hohe Rationalitätspotential des Internet aus, das den herkömmlichen Medien deutlich überlegen ist. Nicht gelöst können dafür alte Probleme der Öffentlichkeit wie Politikverdrossenheit und mangelnder Partizipationswille. Um diesen Phänomenen entgegenwirken zu wollen, muss auf sozialer Ebene angesetzt werden, neue Technologien verändern nicht viel. Sie vermögen höchstens in ihrer Einführungsphase als Ausdruck einer Modeerscheinung die Bereitschaft zur Partizipation vorübergehend erhöhen.

2.2.3 Internet und die Orientierungsfunktion

Die Auswirkungen des Internets auf die Orientierungsfunktion von Öffentlichkeit wird wohl am skeptischsten angesehen. Normativ betrachtet muss gefragt werden, ob die im Internet entstandenen Meinungen überhaupt als Konsens betrachtet werden kann. Dies ist eher unwahrscheinlich, wenn man sich die durch das Netz hervorgebrachte Globalisierung und Individualisierung vergegenwärtigt, die für die Informationsselektion durchaus als positiv bewertet werden dürfen. Individualisierung kollidiert aber paradoxerweise mit Globalisierung: Einerseits geht jeder seinen individuellen Interessen nach, andererseits wird die politische Kommunikation im Internet zur Weltöffentlichkeit globalisiert (Marschall 1997: 319). Für eine gesamtgesellschaftliche Orientierung dürften sich das hingegen eher als hinderlich erweisen. Individualisierung bedeutet zunächst Eigennutzoptimierung, Erweiterung der menschlichen Freiheit zur völligen Autonomie und unbegrenzte Handlungsspielräume zur situations- und bedürfnisangepassten Mediennutzung (Gellner 1998: 13, 21; Holtz-Bacha 1998: 222). In einem zweiten Schritt resultiert daraus aber eine Fragmentierung der Gesellschaft. Individuelle Angebote und Nutzung verkleinern die Reichweite der Medien. Gerade das Internet scheint die Öffentlichkeit in eine unbegrenzte Zahl von Teilöffentlichkeiten zu katalysieren (Geser 1998). Mit der Herausbildung von Mikro-Publika und Mikro-Märkten können die Medien aber ihre Integrationsleistungen nicht mehr erbringen. Sie verlieren ihre Orientierungsfunktion und ihr Sozialisationspotenzial. Dem Netz fehlt also “die Gemeinschaft stiftende Kraft” (Holtz-Bacha 1998: 223). Wird die Integrationsleistung nicht mehr wahrgenommen, findet keine Anschlusskommunikation mehr statt, denn durch räumliche Distanz und Nischenbildung bleibt die Kommunikation folgenlos (Marschall 1997: 318). Kann ein Rezipient bei den Massenmedien noch davon ausgehen, dass die bereitgestellten Informationen als bekannt vorausgesetzt werden kann, so hat er beim Internet keine Orientierung mehr, wer ebenfalls über dieselbe Informationen verfügt (Donges/Jarren 1999: 93f.). Erfolg haben dürften im Netz deshalb vor allem solche Formen, die von bekannten Anbietern aufgebaut werden. Dabei wird es sich vor allem um Angebote von ursprünglich „webfremden“ Medienunternehmen handeln, die auch online von ihrem Prestige profitieren können. Unbekanntere Anbieter, wie zum Beispiel die verschiedenen politischen Instanzen, werden mehr Schwierigkeiten haben, im Internet auf Resonanz zu stossen.

Vor allem wird der Bürger aber auch mit weniger dissonanten Medieninhalten konfrontiert. Dies führt zu einer ständigen Selbstbestätigung und Stabilisierung persönlicher Wertorientierungen, was zugleich die Anpassungsfähigkeit vermindert. Dasselbe gilt für den Diskurs: Über das Netz werden vermutlich mehr Gleichgesinnte miteinander kommunizieren, als dass eine Auseinandersetzung mit Konfliktparteien statt findet (Scherer 1998: 184). Ob so eine konstruktive Streitkultur entstehen kann, die einen Konsens erzeugt, ist ungewiss.

Es fragt sich also, inwieweit eine im Internet entstandene öffentliche Meinung repräsentativ ist: Von einer gesamtgesellschaftliche Thematisierungsfunktion kann kaum die Rede sein. Sie geht im Internet durch die (scheinbare) Gleichrangigkeit und Gleichberechtigung aller Informationen verloren (Donges 2000).

Gleichzeitig erfährt die nationale Ebene einen Bedeutungsverlust, da vor allem lokale, regionale und transnationale Netzplattformen disproportional expandieren. Und die sich ständig wandelnde politische Netzöffentlichkeit bietet zudem ein breites ideologisches Spektrum - auch für zweifelhafte politische Kräfte und Gruppierungen wie extremistische Splittergruppen (Geser 1998). Angebote nationaler Diskussionsforen drohen deshalb im globalen und regionalen Informationsangebot unterzugehen.

Allerdings: dem Internet allein eine fragmentisierende Wirkung zuzuschreiben ist falsch. Eine Netzöffentlichkeit, die sich total von der alten Öffentlichkeit abgrenzt, gibt es bekanntlich nicht. Es handelt sich nicht um zwei hermetisch abgeschlossene Kommunikationsräume, die sich gegenüberstehen, sondern beide Öffentlichkeiten sind Bestandteil eines komplexen Systems (Marschall 1998: 53). Die Frage, welche Form von Öffentlichkeit demokratischer ist, erweist sich demnach als unergiebig. Vielmehr steht das Internet in einer Komplementärbeziehung mit den alten Medien, was deren Integrationspotenzial ja nicht ändert (Holtz-Bacha 1998: 224).

Alte und neue Medien können sich sogar ergänzen: Damit im Netz überhaupt die oben beschriebene Anschlusskommunikation statt finden kann, werden z.B. in E-Foren Inhalte der traditioneller Medien aufgegriffen und diskutiert. Hier zeigt sich die Interaktion von traditionellen Medien und neuen Technologien: Über die herkömmlichen Medien wird informiert und eine Diskussionsgrundlage erschaffen, im Netz darüber debattiert.

2.2.4 Öffentlichkeitsebenen und Rollendifferenzierungen im Internet

Im Internet verschmelzen die verschiedenen Ebenen von Öffentlichkeit miteinander. Als Hybridmedium integriert das Internet verschiedene Kommunikationsmodi der Encounter- Ebene (z.B. E-mail), Themenöffentlichkeit (Chat-Rooms, Diskussionsforen, Newsgroups, Usenet) und Medienöffentlichkeit (Websites und Online-Zeitungen). Die Verbindung einzelner Online-Modi lassen die Grenzen zwischen Massen- und Individualkommunikation verschwimmen, es findet eine Konvergenz statt (Marschall 1997: 322; Rössler 1998b: 207, Zipfel 1998: 31)

Die Internet-Öffentlichkeit lässt sich somit nicht mehr mit dem Ebenenschema von Gerhards und Neidhardt begreifen (Marschall 1998: 53). Auch die klare Rollendifferenzierung der Medienöffentlichkeit mit Sprechern, Vermittlern und Publikum bleibt im Internet eher diffus. Der Akteursstatus bleibt - wie bereits dargestellt - nicht mehr nur wenigen vorbehalten. Vielen Bürgern, die sich bisher in der Publikumsrolle begnügen mussten, bietet sich nun die Möglichkeit, sich als Sprecher oder Vermittler hervorzutun. Wenn nun die Kommunikationshierarchien aufgehoben werden und sich dadurch die Gewichte zwischen Bürgern und Politkern in der politischen Kommunikation zugunsten der Bürger verschieben, so kann das mehr Demokratie bedeuten. Die bürgerbezogene Funktionen der Medien und die Öffentlichkeit würden dadurch gestärkt werden (Scherer 1998: 174) und Bürger könnten sich zielgruppenspezifisch an Themenöffentlichkeiten richten. Das Internet lässt sich dadurch am besten auf der Ebene der Themenöffentlichkeit ansiedeln (Donges 2000).

Speziell elektronische Diskussionsforen haben den Charakter einer Veranstaltungsöffentlichkeit. Aber auch auf der Ebene der Medienöffentlichkeit nehmen solche Foren Funktionen wahr, wenn sie von Bürgern als Informationsquelle zur Meinungsbildung wahrgenommen werden, ohne dass eine Einmischung in die Diskussionsgemeinschaft statt findet. Selbst auf der Encouter-Ebene werden Leistungen wahrgenommen, wenn sich beispielsweise zwei Diskussionsteilnehmer per E-Mail in Verbindung setzen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter diskutieren.

2.3. Zwischenbilanz: Informationsfunktion und Publizität durch Internet?

Die Informationsfunktion des Internets wird geprägt von einer Umwälzung in der Nachrichtenproduktion und -selektion. Platz, Zeit, Multimedialität, Hypertextualität, Interaktivität und neue Recherchetechniken wirken sich positiv wie negativ auf die Herstellung und Rezeption von Information aus. Die Selektion erfährt eine neue Dimension, in dem nicht mehr die Journalisten, sondern die Rezipienten selbst Gatekeeper sind: Sie können einerseits auf Mehrinformationen zurückgreifen, verlieren sich andererseits in der Informationsflut und Unübersichtlichkeit des Internet.

Auch die Öffentlichkeitsfunktion wird im Internet verändert. Man muss feststellen, dass das Internet der Transparenzfunktion von Öffentlichkeit nicht gerecht wird, dafür dank dem hohen Rationalitätspotenzial teilweise der Validierungsfunktion. Allerdings taucht der Rezipient häufig nicht als Bürger in die Netzöffentlichkeit ein, sondern als Kunde. Er benötigt deshalb keine Diskurse, im Vordergrund steht die Produktinformation (Marschall 1998: 50). Die Orientierungsfunktion wiederum wird von den traditionellen Medien besser erfüllt. Auch wenn sie immer weniger zur gesellschaftlichen Integration und Sozialisation beitragen, sind sie der fragmentierenden Internetöffentlichkeit doch überlegen.

Eine Überlegung, die sich diesbezüglich aufdrängt, ist, die Orientierungsfunktion vermehrt den traditionellen Medien zuzuschreiben, während das Internet vor allem die Validierungsfunktion von Öffentlichkeit erfüllen könnte. Bedingung für die Partizipation wäre aber ein offener Zugang zum Netz, also die Stärkung der Transparenzfunktion.

3. Diskussionsforen im Vorfeld der Schweizer UNO-Beitritts-Abstimmung

Die bisher doch meist theoretischen Ausführungen gaben wenig Aufschluss über empirisch gesicherte Erkenntnisse über Diskussionsforen. Das ist darauf zurückzuführen, dass es keine Literatur gibt, die sich spezifisch mit Foren im Internet befasst. Jene werden allenfalls implizit erwähnt, wenn vom politischen Potenzial des Internet die Rede ist, explizite Ausführungen gibt es allerdings nicht. Unumstritten dürfte deshalb der Forschungsbedarf in diese Richtung sein. Mangels gesicherter Erkenntnisse werden deshalb erste explorative Eindrücke über themenspezifische Foren in der Deutschschweiz zusammen getragen.

Im Vorfeld der UNO-Beitritts-Abstimmung (3.März 2002) liessen sich in der Deutschschweiz zwanzig Plattformen finden, die einen forumähnlichen Charakter aufweisen und auf denen über das bevorstehende Plebiszit debattiert wurde (siehe Tabelle

1). Sie unterschieden sich stark in ihrer Struktur, Themeneingrenzung und Nutzung und liessen sich unterschiedlich auf den vorgestellten Öffentlichkeitsebenen ansiedeln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Generell lässt sich festhalten, dass Diskussionsforen hauptsächlich von Medienunternehmen angeboten wurden, die grösstenteils Prestigeprodukte aus dem Printbereich sind oder wie das Portal Bluewin eine marktführende Position im Internet inne haben.

Zwar gibt die Anzahl Beiträge nur ein ungenügendes Bild über die Nutzung des Angebots, da viele Surfer ein Forum auch als passive Rezipienten besuchen dürften - es lässt sich aber trotzdem sagen, dass vor allem die grösseren Medienunternehmen (Bluewin, Basler Zeitung, 20 Minuten, Aargauer Zeitung, Radio DRS) wenig Probleme hatten, mit ihrem Forum auf Beachtung zu stossen. Mehr Schwierigkeiten hatten die Anbieter auf der Themenöffentlichkeits- bzw. Encounter-Ebene, Interessenten für ihr Forum zu gewinnen. Waren Verwaltung (EDA) und Parlament noch einigermassen erfolgreich, gelang es kaum einer anderen Interessengruppe, Partei oder unabhängigen Diskussionsplattform, Aufmerksamkeit zu generieren. Hier zeigt sich bezüglich der politischen Kommunikation die führende Rolle der „traditionellen“ Medien. Andere Anbieter vermögen ihre Reichweite durch das Internet vielleicht erweitern, werden aber doch nur marginal wahrgenommen.

Daraus zu schliessen, dass die Rollenverteilung in der Nachrichtenproduktion und - selektion nicht aufgebrochen würde, wäre hingegen falsch. Immerhin nimmt eine ernstzunehmende Zahl von (Stimm-) Bürgern die Gelegenheit wahr, ein eigenes Votum über den UNO-Beitritt abzugeben, statt lediglich das Medienangebot zu konsumieren. Es ist nicht anzunehmen, dass all diese Forumbenutzer mangels Angebot im Internet der Zunft der Leserbriefschreibenden beigetreten wären. Das Verfassen eines Leserbriefs ist nämlich ungleich mühsamer und die Zeilen werden unter Umständen erst nicht abgedruckt.

Hingegen ist die Selektionsrate in den elektronischen Foren meist sehr klein, wie eine Anfrage bei den Forumanbietern (55% Rücklauf) zeigt (siehe Tabelle 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Selektion der Beiträge in den Foren

Lediglich die den UNO-Beitritt bekämpfende Jugendgruppe Young4Fun weist eine hohe Selektionsrate auf. Grund dafür war die geringe Verarbeitungskapazität. Nach eigenen Angaben wurde Young4Fun täglich mit ca. 200 E-Mails überschwemmt, die nur teilweise bearbeitet werden konnten. Viele von ihnen wurden nicht ins Forum gestellt, aber auf andere Weise verwertet.

Bei den anderen Anbietern wurden lediglich Beiträge mit rassistischen, sexistischen oder ehrverletzenden Äusserungen nicht veröffentlich bzw. nachträglich gelöscht, die BaZ filterte zusätzlich irrelevante Inhalte.

Es zeigt sich also, dass Diskussionsforen durchaus als Verlängerung des öffentlichen Meinungsaustauschs und -meinungsbildung gesehen werden kann, da praktisch jeder (fast) ohne Einschränkungen zu Wort kommen können. Die Transparenzfunktion von Öffentlichkeit vermag das Internet also zu stärken - allerdings lediglich unter der Prämisse, dass alle Bürger sozial und finanziell in der Lage sind, sich Zugang zum Internet zu sichern und die Angebote auch medienkompetent erschliessen vermögen.

Diese erste vogelflugartige Übersicht mag einige Aspekte über die Nachrichtenselektion sowie über die Transparenzfunktion und Ebenen von Öffentlichkeit beleuchten. Hingegen lassen sich keine Aussagen darüber machen, was Diskussionsforen im Hinblick auf die Validierungs- und Orientierungsfunktion von Öffentlichkeit leisten können. Hier wären zum einen gesicherte Ergebnisse aus der Nutzungsforschung gefragt, anderseits eine Untersuchung über die inhaltliche Dimension von Foren interessant. Letztere Forderung soll abschliessend mit einem Vorschlag einer inhaltlichen Analyse gewürdigt werden.

4. Untersuchungsdesign für eine Inhaltsanalyse von Diskussionsforen

Für den Vorschlag einer systematischen inhaltlichen Analyse von Foren sollen die dargelegten Verhalte noch einmal kurz aufbereitet werden. Zugleich sollen für die relevanten Punkte mögliche forschungsleitende Hypothesen formuliert werden. Sie beziehen sich insbesondere auf die für die Informationsfunktion wichtige Nachrichtenproduktion und -selektion sowie für die drei Phasen (Input, Throughput, Output) im Prozess zur Herstellung von Öffentlichkeit. Dabei stützen sich einige der Hypothesen auf Beobachtungen, die aus einer ersten Sichtung der UNO-Diskussionsforen resultierten.

4.1 Diskussionsforen und Informationsfunktion / Transparenzfunktion

In Anlehnung an die bisherigen Ausführungen gilt es, die Informationsfunktion von Diskussionsforen empirisch zu überprüfen, speziell auf die Nachrichtenproduktion und - selektion. Ein Vergleich zwischen Inhalten in elektronischen Diskussionsforen einerseits und der massenmedialen Berichterstattung oder Leserbriefen andererseits ist in dieser Hinsicht sehr interessant. Es ist gut möglich, dass das Themenspektrum in den Diskussionsforen grösser ist, weil hier die Selektion geringer ist (vgl. H1). Auch liesse sich davon ausgehen, dass sich eine Vielzahl verschiedener Akteure in den Foren bewegen. Diese Vermutung lässt sich aber in einer ersten Sichtung der Diskussionsforen nicht erhärten - im Gegenteil: Offensichtlich scheinen sich immer wieder dieselben Personen im virtuellen Kaffeehaus Habermas’scher Manier zu tummeln (H2).

Nebst der Möglichkeit, mehr und zum Teil auch alternative Themen einzubringen, kennzeichnen sich Diskussionsforen theoretisch auch durch die im Vergleich mit den traditionellen Massenmedien aufgehobene Platzbeschränkung aus. Sämtliche Voten könnten deshalb sehr differenziert und ausführlich eingebracht werden. Allerdings zeigt ein erster Eindruck, dass die Beiträge in den Foren meist sehr kurz sind (H3). Zurückzuführen liesse sich dies auf die Aufforderungen in vielen Foren, sich kurz zu halten oder auf die mangelnde Motivation, ausführliche Beiträge zu verfassen. Auch ist eine Art „Selbstzensur“ der Übersichtlichkeit in den Foren willen denkbar.

Gerade diese Übersichtlichkeit dürfte in den Foren eine wichtige Rolle spielen. Technisch wird ihr auf zwei Arten begegnet: Einerseits können mittels einer Hypertextstruktur Kommunikationsverläufe abgebildet und geordnet werden, anderseits können einzelne Beiträge linear aneinander gereiht werden, wie dies mangels Alternativen bei Printprodukten geschieht. Es ist durchaus denkbar, dass diese beiden Strukturen von Diskussionsforen eine unterschiedliche Kommunikationskultur zeitigen. Eine Vermutung ist, dass in Hypertext-Foren eine stärkere Diskussions- und Dialogkultur gepflegt wird als in „linearen Foren“ (H4). Die Technik der Hypertextstruktur vereinfacht es nämlich, umgehend auf einen Beitrag zu reagieren und ein Gegenargument gleich an der richtigen Stelle zu platzieren. In linear aufgebauten Foren ist es erst notwendig, einen Bezug herzustellen, auf wessen Aussage man sich bezieht.

H1: Das Argument- und Themenspektrum in den Foren ist grösser als in massenmedialen Angeboten.

H2: Die Einträge in den Diskussionsforen beschränken sich auf wenige Teilnehmer.

H3: Trotz der aufgehobenen Platzbeschränkung, einer der Neuerungen bezüglich der Nachrichtenproduktion, gibt es mehr kurze als lange Beiträge in den Foren.

H4: In jenen Foren, in denen durch ein Hypertext-Prinzip die Möglichkeit vorhanden ist, direkt auf eine Aussage eines anderen Diskussionsteilnehmers zu antworten, wird mehr Bezug auf vorhergehende Statements genommen, als in jenen Foren, in denen einzelne Meinungen nur linear aneinander gereiht werden können.

4.2 Diskussionsforen und Validierungsfunktion

Diese vierte Hypothese ist auch für die Validierungsfunktion von Öffentlichkeit relevant. Liesse sich feststellen, dass die Hypertextstruktur tatsächlich positive Auswirkungen auf die Diskussion und den Dialog zwischen den Forumbesuchern hat, könnte dies auch den rationalen Diskurs stärken. Erste Beobachtungen zeigten hingegen, dass die Hypertextstruktur zwar eher zur Diskussion animiert als ein linearer Aufbau von Foren, aber dennoch häufig fertige Meinungen hinterlegt werden, statt dass Ideen anderer aufgegriffen werden (H5).

Bei Diskussionen, die dennoch einen Meinungsaustausch aufweisen, wäre es interessant zu wissen, wer mit wem diskutiert. Dem Internet wird bekanntlich häufig eine fragmentierende Wirkung zugeschrieben, die letztlich das Resultat zeitige, dass sich virtuell vor allem Gleichgesinnte finden. Gerade (und wohl nicht nur) für Diskussionsforen dürfte diese Ansicht zu relativieren sein. Der Sinn eines Forums ist es schliesslich, nicht einen zirkuläre Diskussion zu induzieren, sondern eine Debatte zwischen verschiedenen Akteuren mit gegenläufigen, zum Teil auch konflikthaften Interessen, zu erzeugen (H6). So ist es auch wenig wahrscheinlich, dass es im Fall der UNO-Diskussion zu eindeutigen Pro- oder Contra-Foren kommt (H7).

Argumentatives Aufeinandertreffen verschiedener Positionen ist wahrscheinlicher. Die Frage stellt sich also mehr, wie sich diese Konfliktaustragung manifestiert. Ob in Foren eher rational und sachlich oder vermehrt emotional und unsachlich diskutiert wird, ist deshalb fraglich. Wieder zeigt der erste Eindruck, dass sich die Diskussion häufig in einem emotionalen Rahmen bewegt, Beleidigungen ausgesprochen, Forumteilnehmer oder Politiker diffamiert werden und Sachargumente zu einem grossen Teil auf der Strecke bleiben (H8).

Möglicherweise lassen sich bezüglich des Kommunikationsstils Unterschiede erkennen, je nachdem, auf welcher Plattform diskutiert wird. So suchen und finden politisch interessierte Bürger eher gezielt Foren von Anbietern des politischen Systems und bemühen sich möglicherweise auch vermehrt, mit möglichst viel Sachverstand und auf einem hohen argumentativen Niveau mitzudiskutieren. Da viele solcher Websites weniger bekannt sind als jene grösserer Medienunternehmen, ist damit ein gewisser Aufwand für die Informationsbeschaffung verbunden.

Dieser Aufwand fällt bei Bürgern weg, die rein zufällig auf ein Diskussionsforum eines Medienunternehmens stossen, dessen Website sie ursprünglich aus anderen Gründen aufgesucht haben. Nicht aus einer gezielten Absicht, sondern aus einer ad-hoc-Situation diskutieren sie dann mit, ohne sich vielleicht zuvor genügend über das Thema informiert zu haben. Die Gefahr, sich deshalb eher emotional zu beteiligen als mit kompetentem Hintergrundwissen ist deshalb grösser. Aus diesem Grund könnte es durchaus sein, dass in Foren von (politischen) Themenöffentlichkeiten sachlicher argumentiert wird als in Foren der Medienöffentlichkeit (H9). Nicht zuletzt werden von den Medien - wohl im Gegensatz zum politischen System - andere Gratifikationen wie Unterhaltung erwartet. Emotionalität dürfte diesbezüglich ein sicherer Wert als Rationalität darstellen.

Es werden vermutlich noch weiter Faktoren eine Rolle spielen, wie sachlich bzw. wie emotional diskutiert wird. Es ist zum Beispiel denkbar, dass sich viele Bürger, die in der Diskussion zu Beleidigungen oder einem ähnlichen emotionalen Repertoire greifen, ihren Namen nicht preisgeben oder ihre Identität hinter einem Pseudonym wie Bill Clinton oder Koffi Annan verstecken. Interessant ist es deshalb zu untersuchen, ob Diskutierende, die ihren vollen Namen angeben, sachlicher und fairer argumentieren als anonyme Forenteilnehmer (H10). Schliesslich ist es auch spannend zu wissen, ob sich emotional geprägte von rationalen Voten in ihrer Länge unterscheiden. Es ist zu vermuten, dass emotionale Beiträge sehr kurz und prägnant sind, während sich sachlichere Wortmeldungen weniger beschränken dürften, da argumentative Ausführungen mehr Raum bedürfen (H11).

H5: Es finden weniger Diskussionen (im Sinne eines Gedankenaustausches mit Bezug auf vorhergehende Aussagen) statt, als dass fertige Meinungen hinterlegt werden.

H6: Die Diskussionen sind nicht zirkulär, d.h. es diskutieren nicht nur Gleichgesinnte innerhalb der jeweiligen Foren.

H7: Es gibt keine eindeutige „Pro-„ und „Contra-Foren“.

H8: Die Beiträge sind sehr emotional geprägt und weniger rational/sachlich fundiert.

H9: In den Foren, die von Seiten des politischen Systems (Themenöffentlichkeit) angeboten werden, wird sachlicher und weniger emotional diskutiert als in Foren der Medienöffentlichkeit.

H10: Teilnehmer, die unter einem Pseudonym oder anonym diskutieren, argumentieren emotionaler als solche, die ihren vollen Namen preisgeben.

H11: Sachlichere Beiträge sind tendenziell länger als emotionale Beiträge.

4.3 Diskussionsforen und Orientierungsfunktion

Relevant wird Hypothese 11 auch für die Orientierungsfunktion von Öffentlichkeit. Es ist anzunehmen, dass sich die Rezeption am Bildschirm hauptsächlich auf kurze Texte beschränkt. Trifft es nun zu, dass kurze Beiträge eher emotional als rational geprägt sind, so wird gerade diese Diskussionskultur stärker wahrgenommen. Die Orientierungskraft von Diskussionsforen wäre demnach nicht unbedingt demokratiefördernd.

Dennoch dürften Foren auch funktional für die Orientierung sein. Zum einen könnten sie sich mit der Zeit als alternative Informationsquelle zu den herkömmlichen Medien etablieren, zum anderen zu einem wesentlichen Bestandteil der öffentlichen Meinungsbildung werden. Dass ein Bedarf an dieser Form von Kommunikation gerade vor Abstimmungen vorhanden ist, ist wahrscheinlich. So ist anzunehmen, dass die Foren besser genutzt werden, je näher der Abstimmungssonntag rückt (H12). Erst zu diesem Zeitpunkt dürfte das Thema relevant genug und die Nachfrage nach Orientierung und Diskussion vorhanden sein. Gleichzeitig lässt sich vermuten, dass Foren vor dem Start eines Abstimmungskampfes wenig Beachtung finden, also die Diskussion über ein Thema nicht früher in Gang setzen vermögen als andere Medien auch (H13).

Zu vermuten, wenn auch schwierig inhaltsanalytisch zu überprüfen, ist auch, dass es vor allem die traditionellen Medien selbst sind, die mit ihrer Berichterstattung den öffentlichen Diskurs anstossen und weniger das Internet mit seinen Informationsangeboten und Diskussionsforen selbst. Möglicherweise lassen sich dafür Indizien in den Forums- Beiträgen finden. Aussagen von Bürgern, die sich auf in den Medien diskutierte Verhalte beziehen, dürften weitaus häufiger sein als Querverweise zu Informationen im Internet selbst (H14). Grund für diese Annahme ist die Tatsache, dass die sinnstiftende und orientierende Kraft der Massenmedien grösser ist als jene des Internets. Selbst im World Wide Web dominieren bekanntlich Angebote traditioneller Medien und so erstaunt es auch wenig, dass vor allem Foren von im Netz vertretenen Medienunternehmen grosse Resonanz finden. Andere Gruppierungen erfahren keine annähernde Durchschlagkraft (H15). Dies hat sich bereits in Tabelle 1 gezeigt.

H12: Sobald der Abstimmungskampf lanciert worden ist, sind die Foren besser genutzt worden. (gibt es mehr Einträge)

H13: Vor Beginn des Abstimmungskampfs werden Diskussionsforen wenig genutzt. (gibt es wenig Einträge)

H14: In Diskussionsforen wird mehr Bezug auf Informationen aus den traditionellen Medien genommen als auf Informationen aus dem Internet.

H15: Mediale Foren weisen eine grössere Resonanz, d.h. mehr Einträge, auf als Angebote aus der Politik.

***

Die aufgezeigten Annahmen und Hypothesen, die sich um weitere ergänzen liessen, zeigen ein äusserst ambivalentes Bild über Diskussionsforen und ihr Potenzial zur öffentlichen Diskussion. Es weist sowohl funktionale als auch dysfunktionale Aspekte für demokratiefördernde Kommunikation auf. Es ist deshalb besonders wichtig, den empirischen Gehalt dieser Mutmassungen erfassen zu können, um eine zuverlässige Aussage über das Potenzial der Diskussionsforen für die politische Kommunikation machen zu können. Die Forschung steckt hier noch in den Kinderschuhen, sollte aber in den kommenden Jahren - vor allem im Hinblick auf die Bestrebungen zur Umsetzung von E-democracy und E-governance - vorangetrieben werden.

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24 von 24 Seiten

Details

Titel
Politische Diskussionsforen im Internet
Hochschule
Universität Zürich
Veranstaltung
Seminar: Das Internet als Faktor des sozialen und kulturellen Wandels
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V106515
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Potenzial von Internet (speziell Online-Foren) für die Informations- und Öffentlichkeitsfunktion. Explorative Studie über Online-Foren im Vorfeld der UNO-Beitritts-Abstimmung in der Schweiz.
Schlagworte
Politische, Diskussionsforen, Internet, Seminar, Faktor, Wandels
Arbeit zitieren
Michel Wenzler (Autor), 2002, Politische Diskussionsforen im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106515

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